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© by Jürgen Meier Großbildansicht 07090702.jpg (34.8 KB)
Es war die größte Demonstration in der Geschichte der kleinen Großstadt Hildesheim (103 000 Einwohner). Die Nazis hatten zu einem Marsch gegen "Polizeiwillkür" in ganz Norddeutschland aufgerufen, da ihnen im letzten Jahr eines ihrer rassistischen Musikkonzerte in Hildesheim verboten worden war.
Der Hildesheimer Polizeidirektor, Uwe Ippensen, hatte damals für die Stadt von einer "No-go-area für Nazis" gesprochen. Damit habe Ippensen, so die Nazis in ihrem Aufruf, seine polizeiliche Neutralitätspflicht verletzt. "Um auch die Hildesheimer Bevölkerung von den Aktivitäten der hiesigen Polizei zu informieren", so heißt es in dem Text der Nazis, müsse man in unbedingt in dieser Stadt Flagge zeigen. Doch am 24. Februar verhinderte nicht die Justiz oder der Polizeidirektor, sondern die "Hildesheimer Bevölkerung" selbst, dass die Nazis durch die Innenstadt marschieren konnten, um hier ihre rassistische Hetze zu verbreiten. Beschützt und bewacht von 1700 Polizisten blökten sie ihre Sprüche auf einsamen Straßen. Den Platz hinter dem Rathaus, die Fußgängerzone, alles was zur Innenstadt gehört, verteidigten über 5 000 Menschen, die sich als "Bündnis gegen Rechts" zu einer eindrucksvollen Kundgebung und Demonstration zusammen gefunden hatten. In dieser Demonstration gegen die Nazis vereinten sich IGM- und DGB-Vorsitzende, Bürgermeister, der Landessuperintendent der evangelischen Kirche, der katholische Domdechant, der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde, Stadttheater, Mitglieder aller Ratsparteien, AWO, Diakonische Werke, Schulsprecher der Schulen und viele mehr. Es waren alle, die für eine wehrhafte Demokratie aktiv eintreten wollen, auf der Straße.

Das Bürgerradio "Tonkuhle" hatte nicht nur das Rockkonzert gegen Rechts am Vorabend der Demonstration organisiert, sondern zeigte sich erneut als ausgezeichnetes Instrument der Hildesheimer Basisdemokratie. Regelmäßig wurden Aufrufe, Interviews und Hintergrundinformationen zur geplanten Anti-Nazi-Demonstration gesendet. Die Rede, mit der Oberbürgermeister Kurt Machens das Rockkonzert gegen Rechts am Vorabend der Demonstration eröffnet hatte, wurde am nächsten Morgen kurz vor der Demonstration im Radio "Tonkuhle" gesendet, was noch viele unentschlossene Demokraten auf die Straße brachte. Machens hatte nicht nur mit klaren Worten unterstrichen, dass in Hildesheim kein Platz für rechtes Gedankengut sei und sich möglichst viele an der Gegendemonstration beteiligen sollten, sondern er machte deutlich, dass auch die Zerstörung der Stadt Hildesheim im März 45 durch die Bomben englischer Militärs nur die Folge der deutschen Naziverbrechen gewesen ist.
Die 170 Nazis, mit schwarz-weiß-roten Flaggen bestückt, das sind die Farben der verbotenen FAP (!), blieben unter sich und grölten: "Nicht Sozialamt für die ganze Welt, sondern eine nationale und soziale Gemeinschaft - von Deutschen für Deutsche!" Dagegen unterstrichen alle Redner auf der Gegendemonstration: "Es gibt nur eine Menschheit!" "Die Freiheit und Gleichheit der Menschen muss geschützt werden!" "Rassismus darf weder in Hildesheim noch in Deutschland einen Platz finden." "Nazis raus!"

Im Angesicht dieses breiten Bündnisses gegen Rechts wird in der Zukunft rassistisches Getrommel in CD-Format, verteilt vor den Schulen der Region, nicht die Ohren und die menschliche Sinnlichkeit lähmen können. Im Gegenteil! Jetzt ist das Feld gepflügt, auf dem die Gegner des Faschismus wieder intensiver diskutieren können, wo denn die Wurzeln des Faschismus begründet liegen.


mit freundlicher Genehmigung übernommen aus der UZ - Unsere Zeit, Zeitung der DKP - vom 2. März 2007.


 
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