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NEUMumia Abu-Jamal
  begonnen von arktika am 08.12.2015  | 28 Antworten
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NEUER BEITRAG09.03.2021, 13:05 Uhr
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arktika

Dazu ist aber noch zu bemerken, daß die USA nicht der einzige Staat sind, der festgestellt hat, daß Lesen die Dummheit gefährdet (bes. bei Armen u. Unterdrückten) und deshalb das Lesen eigener Bücher ( deren Thematik in den Knastbibliotheken nicht immer unbedingt vorfindbar ist) möglichst gering halten will. Auch in der BRD gibt es seit einigen Jahren zumindest in einigen Bundesländern enge Grenzen, wieviele Bücher ein Knacki gleichzeitig in seiner Zelle besitzen darf. Ich weiß aber nicht mehr, wieviele es waren - ich meine sogar eher weniger - und um welche Länder es sich handelt. Es ging damals um mehrere Verschärfungen für Gefangene, damit sie im Knast kein zu "schönes" Leben haben.
Wenn sich da wer noch genauer erinnern kann, wäre es gut, das hier kund zu tun.
NEUER BEITRAG14.03.2021, 21:59 Uhr
EDIT: arktika
14.03.2021, 22:02 Uhr
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arktika

Mumia Abu-Jamal Von Jürgen Heiser am 13.03. in der jW:

Staatlich sanktionierter Mord
USA: An Covid-19 erkranktem politischen Gefangenen Mumia Abu-Jamal wird Verlegung in Klinik verwehrt. Es geht um Leben und Tod


Die jüngsten Meldungen aus Pennsylvania sind alarmierend: Der an Covid-19 erkrankte politische Gefangene Mumia Abu-Jamal wird nicht etwa in eine Klinik verlegt, wie es allein aus humanitären Gründen geboten wäre, um sein Überleben zu garantieren. Statt dessen wird er in der Krankenstation des US-Staatsgefängnisses SCI Mahanoy in Frackville (Pennsylvania) von der Außenwelt isoliert. Das teilte Noelle Hanrahan von Prison Radio in ihrem jüngsten Newsletter mit. Ohne jede öffentliche Kontrolle müsse klar sein, dass dies »eine Situation ist, in der es um Leben und Tod geht«. Deshalb sei eine sofortige Mobilisierung öffentlicher Proteste erforderlich, so Hanrahan.

Abu-Jamals völlige Abschirmung hat indes nichts mit der Coronapandemie zu tun. Die Gründe sind vielmehr im wachsenden öffentlichen Interesse an seiner prekären gesundheitlichen Situation und in den Protesten dagegen zu suchen, dass dem seit 1981 unschuldig wegen eines untergeschobenen »Polizistenmordes« inhaftierten Ex-Black-Panther und Journalisten weiter ein faires Berufungsverfahren verweigert wird.

Laut Hanrahan wird ihm seit der Verlegung auf die Krankenstation im Mahanoy-Gefängnis sein rechtlich garantierter Zugang zu einem Telefon und seinem Tablet verwehrt, mit dem er an ihn gerichtete E-Mails lesen könnte. Beide von der Zensur überwachten Kommunikationswege konnte er bislang ungehindert nutzen. Somit unterliegt der Bürgerrechtler nun einer faktischen Kontaktsperre gegenüber den Anwältinnen und Ärzten seines Vertrauens sowie seiner Familie, seinen Unterstützern und den Medien.

Der 66jährige Abu-Jamal befindet sich ausgerechnet wieder in jener Krankenstation, in der er schon über Jahre nicht angemessen medizinisch versorgt worden war. 2015 hatte er dort durch die systematische medizinische Unterversorgung einen diabetischen Schock erlitten und war in akute Lebensgefahr geraten. Nur durch die Verlegung auf die Intensivstation eines Krankenhauses konnte er damals gerettet werden.

Seine Situation ist typisch für Gefangene im US-Bundesstaat Pennsylvania, dessen Gefängnisbehörde die medizinische Versorgung für Häftlinge »ausgelagert« hat, was sich gerade in Zeiten der Coronapandemie verheerend auswirkt. Der Privatkonzern »Correct Care Solutions« (CCS) ist seit langem Betreiber der Krankenstation im Mahonoy-Gefängnis. 2018 fusionierte das heute nach eigenen Angaben US-weit »in 550 Einrichtungen von lokalen, Staats- und Bundesgefängnissen sowie Lagern für Geflüchtete« tätige marktführende Unternehmen mit dem Konkurrenten »Correctional Medical Group« und nannte sich fortan »Wellpath«. Das Firmenmotto des in Nashville, Tennessee, ansässigen Konzerns erklärt bestens den neuen Namen: »Der gute Weg zu Hoffnung und Heilung«. 2017, im letzten Jahr vor der Fusion, machte CCS einen Umsatz von 1,2 Milliarden US-Dollar mit der Betreuung von rund 300.000 Gefangenen pro Tag. Wie die ganze Gefängnisindustrie wirft auch das privatisierte Geschäft mit den krankmachenden Haftbedingungen unermessliche Profite ab.

Abu-Jamal plagen nach einer aktuellen Stellungnahme seines Vertrauensarztes Ricardo Alvarez derzeit »multiple Erkrankungen«. Mit diesen »Folgen des Stresses der Haft« gehöre er »genau zu den Patienten der Hochrisikokategorie«, die an Covid-19 erkrankten, erklärte der Arzt, der nach wie vor nicht zu seinem Patienten vorgelassen wird. Abu-Jamals »Alter, seine Leberschädigung, sein Bluthochdruck und seine kongestive Herzinsuffizienz« erforderten »eine ständige fachärztliche Überwachung und Behandlung«.

Seit der Covid-19-Infektion hat Abu-Jamal rund 14 Kilo an Gewicht verloren. Hautausschläge bedeckten laut Hanrahan seinen ganzen Körper mit »trockenen, rissigen und blutigen offenen Wunden«. Doch Diagnose und Behandlung würden hintertrieben, und isoliert in der Krankenstation käme er an die lindernden Salben, mit denen er sich in seiner Zelle selbst behandelte, nicht heran. Deshalb bekräftigten Hanrahan und Alvarez, »Mumias einzig richtige Behandlung« sei »seine Freilassung«. Er müsse umgehend »von den Bedingungen des staatlich sanktionierten Mordes befreit werden«.


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NEUER BEITRAG24.05.2023, 21:18 Uhr
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arktika

Mumia Abu-Jamal Der US-Justiz-"Mord" an Mumia geht weiter!
Wie befürchtet: Keine Chance auf einen neuen Prozeß für den schwer kranken Mumia. "Unbegründet"!

Dazu die jW am 3. April:

Kein Recht für Mumia
USA: Richterin lehnt neuen Prozess im Fall Mumia Abu-Jamal ab


Von Jürgen Heiser

In den USA hat Richterin Lucretia Clemons vom Common Pleas Court in Philadelphia die Hoffnung des US-Bürgerrechtlers und jW-Kolumnisten Mumia Abu-Jamal zerschmettert, nach Jahrzehnten erlittenen Unrechts endlich Gerechtigkeit von der US-Justiz zu erfahren. Am Freitag lehnte sie als letzte Amtshandlung vor dem Wochenende um 16.08 Uhr (Ortszeit) Abu-Jamals Antrag auf einen neuen Prozess ab. In einer ersten Reaktion sprach die Produzentin des kalifornischen Prison Radios, Noelle Hanrahan, von einer »niederschmetternden Nachricht«, die angesichts der Berichterstattung über die Affären des Expräsidenten Donald Trump fast untergegangen wäre. Nach mehr als 41 Jahren Haft habe Abu-Jamal jetzt »fast alle seine rechtlichen Möglichkeiten ausgeschöpft«, den Knast noch lebend zu verlassen, so Hanrahan.

Richterin Clemons nutzte die Gunst der Stunde und lancierte ihre seit Monaten von Abu-Jamals Verteidigung und der Solidaritätsbewegung befürchtete negative Entscheidung. Sie unterlief damit auch den Antrag der Verteidigung, neue Unschuldsbeweise in einer gerichtlichen Anhörung darlegen zu können. Petitionen aus aller Welt zugunsten Abu-Jamals hätten die Richterin offensichtlich unbeeindruckt gelassen. In einem spontanen Interview mit Black ­Power Media nannte Jamal jr., ein Enkel Abu-Jamals, die Gerichtsentscheidung »herzzerreißend«. Nach wie vor werde seinem Großvater der Mord an dem Polizisten Daniel Faulkner 1981 in Philadelphia angehängt, für den er ursprünglich sogar zum Tode verurteilt worden war, obwohl mittlerweile klar sei, dass er die Tat nicht begangen haben kann. Die Richterin wisse das ebenso wie Larry Krasner, der sich liberal gebende Bezirksstaatsanwalt von Philadelphia.

Radiomacherin Hanrahan warnte, Abu-Jamals größter Feind sei jetzt angesichtDoch das alles hinderte Richterin Clemons nicht daran, sich zur Handlangerin einer politischen Justiz zu machen und die auf 39 Seiten ausgebreitete Rechtfertigung ihres Rechtsbruchs mit den Worten zu schließen, Abu-Jamals mittlerweile »sechster Antrag auf Wiederaufnahme des Verfahrens« sei »unbegründet« und werde »ohne Beweisanhörung abgewiesen«.s seiner schlechten Gesundheit die Zeit. »Mit seinen 68 Jahren leidet Mumia an einer Herzerkrankung, für die er sich einer doppelten Bypassoperation unterziehen musste«. 2015 sei er beinahe an der faktischen Nichtbehandlung einer Hepatitis-C-Infektion gestorben. Eines sei jedoch klar, so Hanrahan: »Die Gerechtigkeit verlangt, dass Mumia Abu-Jamal einen neuen Prozess bekommt!« Diese Forderung trug die »Free-Mumia«-Bewegung bereits am Sonnabend erneut in zahlreichen US-Städten auf die Straße. Jamal jr. zu den Protestaktionen: »Wir werden niemals aufhören!«

Diese Haltung hatte noch am 27. März 2023 Stephen Cotton, Generalsekretär der Internationalen Transportarbeitergewerkschaft ITF mit Sitz in London, betont. In einem Schreiben an Clemons hatte er gefordert, dass es endlich eine »faire Anhörung« für Abu-Jamal geben müsse. Jene erst 2018 entdeckten Unschuldsbeweise, die die Staatsanwaltschaft fast 40 Jahre lang verborgen gehalten hatte, kämen noch »zu der vernichtenden Beurteilung des ursprünglichen Prozesses durch Amnesty International (AI) im Jahr 2000 hinzu«. AI habe damals schon festgestellt, dass »dieser Fall eindeutig nicht den internationalen Mindeststandards zur Gewährleistung eines fairen Verfahrens entsprach«.

Doch das alles hinderte Richterin Clemons nicht daran, sich zur Handlangerin einer politischen Justiz zu machen und die auf 39 Seiten ausgebreitete Rechtfertigung ihres Rechtsbruchs mit den Worten zu schließen, Abu-Jamals mittlerweile »sechster Antrag auf Wiederaufnahme des Verfahrens« sei »unbegründet« und werde »ohne Beweisanhörung abgewiesen«.


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NEUER BEITRAG24.05.2023, 21:25 Uhr
EDIT: arktika
24.05.2023, 21:28 Uhr
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arktika

Weitere Infos und Kommentare auf der Seite freiheit-fuer-mumia.de:

Von Free Mumia Berlin, 1. April 2023:

(USA) Richterin ignoriert Fakten und hält politische Haft gegen Mumia Abu-Jamal aufrecht

Seit 1981 (!) sitzt der afroamerikanische Journalist und Black Panther Mumia Abu-Jamal im US Bundesstaat Pennsylvania für einen untergeschobenen Polizistenmord in Haft, obwohl die Beweise gegen ihn gefälscht waren. Verurteilt wurde er für seine damals wie heute unermüdliche Berichterstattung über behördliche Korruption, systemischen Rassismus und tödliche Polizeigewalt. Die Mittel, mit denen er 1982 in einem manipulierten Verfahren verurteilt wurde, sind seit vielen Jahren bekannt. Jüngste Details über diesen politischen Schauprozess kamen 2018 ans Licht, als sechs Kartons voller Akten der Staatsanwaltschaft auftauchten, die dem Angeklagten und seiner Verteidigung bis dahin vorenthalten worden waren. Es dauerte dann bis Dezember 2021, bis Abu-Jamal dazu endlich einen Antrag stellen konnte. Am 31. März 2023 erteilte eine Richterin erneut eine Absage an simpelste juristische Standards und beendete die aktuellen Bemühungen um ein neues Verfahren für den inzwischen fast 69-jährigen Autoren und Aktivisten.

Richterin Clemons erklärte in ihrer Begründung (1), dass die zwei juristischen Hauptargumente Mumias ihrer Meinung nach keine Bdeutung hätten:

a) "Batson-Claim": die Belege für die an mehreren Punkten nachgewiesene rassistsische Einflussnahme auf die Zusammensetzung der Jury durch den damaligen Staatsanwalt hätten in den 1990er Jahren eingebracht werden müssen - obwohl manche der neuen Beweise erst 2018 in den vorenthaltenen Umzugskartons bekannt wurden ... Der Nachweis auch nur einer rassistischen Abweisung einer*eines potentiellen Juror*in nach der sog "Batson Inzidenz" reicht laut einer Verfassungspräzidenz von 1986 jedoch aus, das komplette Verfahren samt Urteil zu annulieren - und zwar egal, wann dieser bekannt wird.

b) "Brady Violation": die Richterin sieht keinen Zusammenhang zwischen der Tatsache, dass ein Hauptbelastungszeige gegen Mumia im Verfahren 1982 bestochen war und der Tatsache, dass die Jury das nicht gewusst habe, da es erst durch die Aktenfunde 2018 belegt werden konnte. Sie gehe nicht davon aus, dass diese vorenthaltenen Informationen die Meinung der Jury verändert hätten ... obwohl die sog. Brady-Inzidenz pauschal eine Neuverhandlung vorschreibt, wenn dem*der Angeklaten*n nachweislich entlastendes Material durch die Staatsanwaltschaft vorenthalten wurde. Rechtlich hätte sie deshalb eine Neuverhandlung sogar anordnen müssen, ganz gleich, was ihre persönliche Einschätzung über die Bedeutung der vorenthaltenen Informationen ist.

"Recht" und "Rechtsstaat" existieren in den USA und auch in anderen neoliberalen Demokratien allein für diejenigen, die es sich leisten können. Das ist keine neue Erkenntnis, aber dass eine Richterin in Philadelphia sich selbst 2023 so dreist über simple Grundsätze der US Verfassung hinweg setzen kann, wenn es darum geht, einem der bekanntesten politischen Gefangenen der USA weiter in Haft zu halten, zeigt deutlich, wie stark die sog. juristische "Mumia Ausnahme" dort noch immer ist.

Für Anerkennung beim "Marsch durch die Institutionen" müssen sich Afroamerikaner*innen und vermeintliche Linke in den USA auch heute einen hohen Preis zahlen. So verhält sich nicht nur die afroamerikanische Richerin Clemons im Widerspruch zu ihren selbst erklärten Ansprüchen von "Recht" und "Wahrheit" (2), sondern auch der sog. "Reformstaatsanwalt" Larry Krasner, dessen "progressive" Behörde die selbe alte rassistische Argumentation gegen Mumia Abu-Jamal anwandte, die es bereits 1982 in dem von Amnesty International als "durchzogen von politischen Interessen" eingeschätzten Verfahren gab. Amnesty betonte, dass das damalige Verfahren "nicht dem internationalen Mindeststandards zur Gewährleistung fairer Verfahren" (3) entsprochen habe. "Gerechtigkeit" in Amerikkka bzw. die "White Supremacy" werden heute auch von den wenigen People Of Color mitverteidigt, denen die herrschende Klasse einige Posten zugestanden hat.

Für uns als Unterstützer*innen von Mumia Abu-Jamal und als Gegner*innen der rassistischen Masseninhaftierung und Todesstrafe in den USA heisst es also wieder: der Kampf geht weiter!

Beteiligt euch - verbreitet es weiter und überlegt, wie ihr Mumia und andere kämpfende Gefangene in eure Praxis mit einbeziehen könnt!

Free Mumia, Free Leonard Peltier, Free Alfredo Cospito, Free Lina - Free Them All!

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NEUER BEITRAG24.05.2023, 21:32 Uhr
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arktika

Und eine Presseerklärung von Bundesweites Netzwerk gegen die Todesstrafe & Freiheit für Mumia Abu-Jamal:

(Presseerkärung) Keine Beweisanhörung und kein neues Verfahren für Mumia Abu-Jamal

Am 31. März 2023 wurde dem afroamerikanische Journalisten Mumia Abu-Jamal erneut ein neues Verfahren verweigert. Er war im Sommer 1982 aufgrund höchst fragwürdiger Beweise wegen angeblichen Mordes an einem Polizisten zum Tod verurteilt worden. Richterin Lucretia Clemons befand, entlastende Dokumente, die erstmals im Dezember 2018 aufgefunden wurden, reichten nicht einmal für eine Beweisanhörung aus. Diese Entscheidung, die auf zahlreiche andere höchst fragwürdige Entscheidungen in Abu-Jamals Prozess und seinen Berufungsverfahren folgt, kann nur als Rechtsbeugung bezeichnet werden. Sie tritt zwei eindeutige Präzedenz-Urteile mit Füssen:

a. "Batson-Claim": Das Urteil des US Supreme Court im Fall Batson von 1986 verbietet es der Anklage, ihr Recht auf die unbegründete Ablehnung von Geschworenen auf rassistische Art anzuwenden. In Abu-Jamals Fall war die Wahrscheinlichkeit, dass der Ankläger eine Person ablehnte, wenn sie Schwarz war, zehnmal so gross wie im Fall einer weissen Person. Das neu gefundene Beweismaterial zeigte, dass der Ankläger systematisch Notizen über die ethnische Zugehörigkeit potentieller Jurymitglieder gemacht hatte. Die Richterin blieb davon unbeeindruckt – der Batson-Claim sei bereits in früheren Berufungen abgehandelt worden und das neue Material sei nicht erheblich und komme zu spät. Abgelehnt!

b. "Verstoss gegen Brady": 1963 urteilte der US Supreme Court im Fall Brady, dass die Anklage verpflichtet ist, der Verteidigung jegliches Entlastungsmaterial zukommen zu lassen. Hier handelte es sich um den Brief eines Hauptbelastungszeugen an den Staatsanwalt, in dem er nach dem Prozess das Geld anmahnte, dass man ihm schulde. Ferner fand sich ein Briefwechsel unter Justizbeamten über die zweite Hauptbelastungszeugin, in dem die Beschleunigung ihrer wegen Prostitution anhängigen Verfahren und die Berücksichtigung der Tatsache gefordert wurde, dass sie Zeugin in einem "sehr wichtigen" Verfahren gewesen sei. Alle drei Verfahren gegen sie wurden eingestellt. Doch die Richterin fand in beiden Fällen nichts dabei: Auch wenn die Jury hiervon gewusst hätte, hätte sie den Zeugen geglaubt! Ausserdem habe es ja noch anderes Belastungsmaterial gegeben.

Kein Rechtsstaat der Welt erlaubt eine Juryauswahl nach ethnischen Kriterien oder erkennt Urteile an, die auf den Aussagen bestochener Zeugen basieren. Amnesty International forderte schon im Februar 2000 einen neuen Prozess für Mumia Abu-Jamal.

Seitdem ist etliches entlastendes Material hinzugekommen. Ein neuer Prozess statt Abu-Jamals bedingungsloser Freilassung ist daher als Mindestforderung zu betrachten. Der Kampf darum wird weitergehen. Für weitere Informationen siehe


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NEUER BEITRAG23.09.2023, 17:14 Uhr
EDIT: arktika
23.09.2023, 17:16 Uhr
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arktika

Mumia Abu-Jamal In den USA hat eine Universitätsbibliothek in Rhode Island eine Sonderausstellung zu politischen Gefangenen in Gods own country eröffnet, Schwerpunkt bilden die dort gelagerten Materialien von Mumia aus über 40 Jahren im Yankee-Knast. Darüber an diesem WE die Schwerpunktseite in der jW:

40 Kartons
USA: John Hay Library eröffnet Sondersammlung zu politischen Gefangenen. Vorlass von Mumia Abu-Jamal im Zentrum


Von Jürgen Heiser

Die »Zeit für eine Wallfahrt« sei gekommen, erklärte Noelle Hanrahan vom kalifornischen Prison Radio in ihrem jüngsten Newsletter. Gemeint ist eine neue Sonderausstellung zu politischen Gefangenen in den USA, die in Providence, der Hauptstadt von Rhode Island, in der John Hay Library (JHL) der Brown University eröffnet wird. Die Ausstellung namens »Stimmen der Massenverhaftung in den Vereinigten Staaten« widmet sich dem Forschungsthema Gefangenschaft, insbesondere jener von politischen Häftlingen und bietet an gebündelter Stelle neues Forschungsmaterial. Kern der Archivsammlung wird unter anderem der Vorlass des politischen Gefangenen und Bürgerrechtlers Mumia Abu-Jamal sein. Parallel zur Eröffnung von Archiv und Ausstellung findet vom 27. bis 29. September die dreitägige Veranstaltung »Stimmen der Masseninhaftierung: Ein Symposium« statt.

Die Ausstellung bietet wertvolle Einblicke in das Leben des wohl bekanntesten politischen Gefangenen der USA, der seit vier Jahrzehnten ein Leben hinter Gittern fristen muss. 2011 musste Abu-Jamal sein persönliches Archiv an seine Vertraute Noelle Hanrahan übergeben, weil die Knastbehörde ihn vor zwei Alternativen gestellt hatten: ab in den Müll oder auslagern. Die Entscheidung fiel ihm nicht schwer. Er hatte seine Lebensgeschichte zu verteidigen. Vor seinem Bekanntwerden und seiner Auszeichnung als antirassistischer Radiojournalist, war Abu-Jamal Anfang der 1970er Jahre als Teenager Pressesprecher der Black Panther Party (BPP) in Philadelphia geworden. Bei der Parteizeitung The Black Panther erlernte er das journalistische Handwerk. Als er im Dezember 1981 als Opfer rassistischer Polizeigewalt nur knapp überlebte, meinten reaktionäre Schergen ihn mit der Anklage »Polizistenmörder« endgültig zum Abschuss freizugeben. Doch sie hatten die Rechnung ohne die internationale Solidarität gemacht. Für Abu-Jamal begann damit ein bis heute andauernder Kampf um Leben und Freiheit.

Bis September 2022 war sein an die Brown University übergebener Vorlass nach 41 Haftjahren auf über 40 Kartons angewachsen. Die JHL erwies sich als gute Adresse für die Bewahrung seiner Lebenszeugnisse. Dokumente, Manuskripte, Zeichnungen und sein primitives Handwerkszeug als Knastautor wurden innerhalb eines Jahres systematisiert und sind nun der Öffentlichkeit zugänglich – dank der JHL, dem Center for the Study of Slavery and Justice und dem Pembroke Center für feministische Forschung an der Brown University.

Seine Dokumente dienen nun »als Anker für den Sammelschwerpunkt ›Stimmen der Masseninhaftierung‹«, erklärte Soziologieprofessorin Nicole Gonzalez Van Cleve, die mit Studierenden das »Mass Incarceration Lab« aufgebaut hat. Es gehe um die interdisziplinäre Erforschung der Zusammenhänge zwischen Masseninhaftierung und im US-System angelegten Ungleichheiten. Dazu zählten »eine wachsende Zahl von mündlichen Berichten und Briefen von Inhaftierten und ihren Familien«, so die Soziologin. Die Öffentlichkeit wisse kaum etwas über dieses gesellschaftliche Problem. Die Zahl der Gefangenen habe sich »zwischen 1970 und 2022 verfünffacht und liegt heute bei über zwei Millionen Menschen, mehr als in jedem anderen Land«. Im Alter von 23 Jahren sei »jeder dritte US-Bürger schon einmal verhaftet worden«, so Van Cleve. Obwohl staatliche und institutionelle Aufzeichnungen über Inhaftierung im Überfluss vorhanden sind, mangelt es an Archivmaterial von inhaftierten Personen, ihren Familien und Anwälten. In den USA gebe es weniger als 20 Archivsammlungen, die inhaftierte Personen repräsentieren. Die meisten von ihnen seien klein, und bis jetzt sei keine dieser Sammlungen direkt von einer derzeit inhaftierten Person angelegt worden, schreibt die Bibliothek auf ihrer Webseite.

Ausstellung und Symposium »bieten durch den Einblick in das Leben eines Mannes, der seit 41 Jahren in Pennsylvania inhaftiert ist, einen breiteren Blick auf die Masseninhaftierung in den USA«, erklärt Amanda E. Strauss, Direktorin der JHL. Seit seiner Verhaftung habe Abu-Jamal »heftige Debatten über Rassismus und die Todesstrafe ausgelöst«. An seinem Beispiel werde von nun an »die tägliche Realität der Gefängnisse und der anhaltenden Probleme, mit denen Millionen Inhaftierte konfrontiert sind, beleuchtet«, so Strauss. »Indem wir einen Einblick in Mumia Abu-Jamals Dokumente ermöglichen und Wissenschaftler aus dem ganzen Land in den Diskurs einbeziehen, hoffen wir, eine Diskussion über ein Thema anzuregen, das so viele Menschen betrifft.«

Dazu diene auch das Symposium mit seinen Vorträgen, Podiumsdiskussionen und künstlerischen Darbietungen zu den Themen Strafverfolgung, Geschichte der Gefängnisse, medizinische Versorgung im Knast, die Lage inhaftierter Frauen und der Gewalt gegen sie am Beispiel der Kampagne »Say Her Name« sowie der psychischen Zerstörung durch Isolationshaft. Als Weltpremiere wird am zweiten Tag »Vampire Nation« aufgeführt, eines von vier Musikstücken, die Abu-Jamal in jahrelanger Isolation komponiert hat. Auch bringe das Symposium »Künstler, Wissenschaftler und besondere Gäste wie die Feministin und Wissenschaftlerin Angela Y. Davis, die Autorin Julia Wright sowie die Aktivistin Pam Africa« und viele mehr zusammen. Strauss ergänzte, dass diese Aktivitäten sich auch auf andere Bereiche der Universität auswirkten. So werde die Rockefeller Library Plakate des Buchladens Revolution Books in Harlem, New York, ausstellen – »einem der Orte, an dem sich die ›Free Mumia‹-Bewegung organisiert und die ganze Welt mit Informationen versorgt«.

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NEUER BEITRAG23.09.2023, 17:18 Uhr
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arktika

Dazu auch auch der "Hintergrund" auf selbiger Seite:

Hintergrund: Geschichte neu aneignen

Die an der Brown University geschaffene »Sondersammlung« und die Ausstellung »Mumia Abu-Jamal. Ein Porträt der Masseninhaftierung« sind Ausdruck einer sich in den USA ausweitenden Erfassung schwarzer Geschichte und Realität. Mit Abu-Jamal steht nicht nur das Leben eines Aktivisten der Bürgerrechtsbewegung und der Black Panther Party (BPP) im Mittelpunkt, sondern ein politischer Gefangener, für dessen Freilassung sich eine weltweite Solidaritätsbewegung einsetzt.

In seiner Person und seinem mutigen politischen Engagement als Autor hinter Gittern verbinden sich Geschichte und Aktualität des afroamerikanischen Widerstands. Die aus Schriften und Schreibwerkzeugen bestehenden Archivalien und Artefakte der Ausstellung sind analoger Ausdruck schwarzer Geschichte, die zunehmend durch digitale Technologien zu neuem Leben erweckt wird. Einer der Pioniere dieser Bewegung von politischen Dokumentaristen, Archivaren und Kulturschaffenden ist der im kalifornischen Oakland lebende Damien McDuffie, der in den Archiven der BPP und der Dr. Huey P. Newton Foundation Erfahrungen sammelte. Mit seinem Projekt »Black Terminus« hat er als Werkzeug der »erweiterten Realität« eine »Augmented-Reality-App« geschaffen. Mit ihr werde »die Verschmelzung der digitalen mit der physischen Welt möglich, um eine ganz neue Erfahrung zu schaffen«, wie er im Interview mit dem Newsportal SF Bay View im Mai erläuterte. Mit dieser Technologie entwickelt McDuffie derzeit einen virtuellen Rundgang durch die Geschichte der Black Panther in West Oakland. Wandgemälde wie das von den Frauen der BPP bringt er damit zum Sprechen.

Wenn also heute wie an der Brown University historische Bestände erforscht und digitalisiert werden, um sie öffentlich zu machen, können sie zu neuem Leben erwachen und zu einem Teil der eigenen Geschichte werden. (jh)

NEUER BEITRAG23.09.2023, 17:23 Uhr
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... und ein Kommentar von Noelle Hanrahan. Sie ist Mitgründerin von Prison Radio und langjährige Unterstützerin des politischen Gefangenen Mumia Abu-Jamal. Der vorliegende Textauszug ist ihrem Newsletter vom 15. September entnommen, der sich der neuen Ausstellung »Stimmen der Massenverhaftung in den Vereinigten Staaten« widmet.

Ein Kuli aus Weichgummi
Ausstellung zeigt Persönliches von Mumia Abu-Jamal – mit dem Stift schrieb er zehn Bücher


Im Juli 1992 habe ich Mumia Abu-Jamal zum ersten Mal im Todestrakt besucht. Von dort brachte ich 1994 das Manuskript seines ersten Buches »Live from Death Row« mit. Seitdem sind Mumia und ich Kollegen. Am 17. Dezember 2011 schickte er mir seine gesamte persönliche Habe zu, die er in seiner Zelle aufbewahrt und in der Knastkammer eingelagert hatte. Ich werde nie vergessen, wie ich die Haustür öffnete und 28 sehr schwere Pappkartons vorfand. Sie enthielten all das Material, das er nicht mitnehmen konnte, als sein Todesurteil in lebenslange Haft umgewandelt worden war und er nach 30 Jahren vom Todestrakt in Greene County quer durch Pennsylvania in den Knast Mahanoy verlegt wurde. Mumia wusste, wie wertvoll diese Materialien waren und sind.

Wer Archiv und Ausstellung besucht, kann teilhaben an Mumias kreativem Prozess und nachvollziehen, wie er seine 13 Bücher und Tausende Radiokommentare verfasst hat. Zu sehen sein wird der »Flex Pen«, ein Kuli aus Weichgummi, mit dem er seine ersten zehn Bücher handschriftlich verfasste. Wenn er endlich frei ist, wird er dem Archiv sicher auch seine treue Plastikschreibmaschine spenden. Ausgestellt werden die Entwürfe der einzelnen Buchmanuskripte und Tausende von Grußkarten aus der ganzen Welt. Dazu die Noten seiner Kompositionen, an denen er zusammen mit seinem Opernlehrer Bariki Hall arbeitete. Allein durch Singen hat sich Mumia selbst das Notenschreiben beigebracht, ohne je ein Instrument zu spielen.

Mumia »durfte« nie mehr als sieben Bücher gleichzeitig in seiner Zelle haben. Überzählige musste er »zur Habe« geben. So legte er in Jahrzehnten Hunderte von Notizheften an, in denen er jedes je gelesene Buch skizzierte und Zitate mit Seitenangabe für weitere Recherchen festhielt. Er durfte weder Computer noch normale Kugelschreiber benutzen. Unvorstellbar, als Autor nicht von jedem selbst verfassten Buch ein Exemplar aufbewahren zu dürfen, weil man mehr als sieben Bücher geschrieben hat. Von den drei Bänden seines zusammen mit Stephen Vittoria geschriebenen und von Prison Radio verlegten Meisterwerks »Murder Incorporated: Empire, Genocide and Manifest Destiny« hat Mumia keinen zu sehen bekommen. Als er dann einmal die Gefängnisbibliothek aufsuchte, fragte ihn die Bibliothekarin, ob er die Bücher sehen wolle, denn sie seien zur Ausleihe verfügbar. Er hielt sie glücklich in der Hand wie ein Vater seine Babys, drehte und wendete sie, fühlte sie.

Mumia blickt auf 41 Haftjahre zurück, ohne Aussicht auf Entlassung oder Bewährung. Seit 2011 sitzt er in Mahanoy. Der Ortsname leitet sich von dem Wort »Maghonioy« ab, das in der Sprache der indigenen Lenape »die Salzlagerstätten« bedeutet. Lasst uns gemeinsam ergründen, was es bedeutet, Mumia zu sein: ein Mensch, der jeden Tag versucht, uns durch seine Radiokommentare und Schriften zu erreichen. Mumia hat nie aufgehört zu wachsen, zu singen und an eine Zukunft für uns alle zu glauben. Und an eine Zukunft, in der er frei ist.


Ebenfalls auf der Schwerpunktseite Link ...jetzt anmelden!
NEUER BEITRAG15.11.2023, 19:36 Uhr
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Mumia Abu-Jamal 09.12.2023: Kundgebung am 42. (!) Haftjahrestag: Free Mumia - Free Them All!

Als Mitbegründer der Black Panther Party in Philadelphia und Journalist kämpft Mumia Abu-Jamal gegen tödliche Polizeigewalt, Ausbeutung und Krieg. 1981 wurde er von der Polizei nieder geschossen. Sein "Verbrechen" scheint darin zu bestehen, diese Gewalt überlebt zu haben - durchschnittlich 3 Menschen pro Tag in den USA tun das nicht. In einem manipulierten Verfahren wurde Mumia 1982 zum Tod verurteilt. 2011 konnte die Solidaritätsbewegung endgültig seine Hinrichtung verhindern. Nach dem Willen der Herrschenden soll er jedoch im "Slow Death Row" - lebenslänglich ohne Bewährung bleiben. Mumia ist fast 70 Jahre alt und gesundheitlich von der Haft gezeichnet. Er hat nie aufgegeben, sich zu wehren. Bereits vor seiner politisch motivierten Haft war in den Schwarzen Gemeinden Philadelphias als "The Voice of the Voiceless" bekannt. Er muß endlich frei gelassen werden! Komm zur Kundgebung vor die USA Botschaft - Free Mumia - Free Them All!

Veranstaltet durch: Free Mumia Berlin

17:00 Uhr

US Botschaft - Pariser Platz 2, Berlin-Mitte - U5/S-Brandenburger Tor
Pariser Platz 2

10117 Berlin

Weitere Infos: Link ...jetzt anmelden!

NEUER BEITRAG10.01.2024, 20:54 Uhr
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Fall Mumia: Exemplarisch für Yankee-Justizsystem Am 5. Januar findet sich in der jW ein Interview über die Verfolgung politischer AktivistInnen in Gods Own Country und die Relevanz der internationalen Solidarität. Das Gespräch mit Julia Wright wurde geführt von Michael Schiffmann.
Julia Wright (geb. 1941) ist die Tochter des US-Schriftstellers Richard Wright [mehr zu seiner Person im Interview; arkt.]. In den 1960er Jahren war sie bis zum Sturz Kwame Nkrumas in Ghana Redakteurin von Zeitungen der panafrikanischen Bewegung, Ende der 60er Jahre wurde sie Mitglied der internationalen Sektion der Black Panther Party. Julia ist eine Mumia-Aktivistin der ersten Stunde. Sie arbeitet außerdem als Publizistin und Schriftstellerin. Wright ist Mitbegründerin des Mumia Abu-Jamal Health Committees, das sich um eine angemessene gesundheitliche Versorgung Mumias und anderer Gefangener bemüht, und der Mumia United Nations Liaison Group (MUNLG), auf deren Arbeit eine wichtige Gerichtseingabe des Antirassismus-Komitees der UN-Menschenrechtskommission an das Prozessgericht in Philadelphia im Dezember 2022 zurückgeht, in der Freiheit für Mumia oder ein neues Verfahren gefordert wird. Julia Wright ist zu Gast auf der XXIX. Internationalen Rosa-Luxemburg-Konferenz am 13. Januar in Berlin.

Hier das Interview:

»Mumias Fall ist ein Beispiel für die Ungerechtigkeit der US-Justiz«
Über die Verfolgung politischer Aktivisten und die Relevanz der internationalen Solidarität. Ein Gespräch mit Julia Wright


Sie sind die Tochter des afroamerikanischen Schriftstellers und Aktivisten Richard Wright, des Autors der berühmten Bücher »Native Son« und »Black Boy«. Mitte der 1980er Jahre haben Sie sich der Bewegung zur Befreiung Mumia Abu-Jamals angeschlossen und sind auch jetzt noch Teil dieser Kampagne. Worin besteht die Verbindung zwischen Ihrem familiären Hintergrund und dem langjährigen Kampf für Gerechtigkeit für Mumia?

Ich bin in Brooklyn, New York geboren. Mein Vater war der Sohn eines armen Pächters, eines Analphabeten aus dem Süden. Er verfasste dann das Werk »Native Son«, das zum ersten Bestseller der schwarzen Literaturgeschichte wurde. »Native Son« war später in der Black Panther Party Pflichtlektüre. Der Roman spielt in Chicago und erzählt die Anti-Odyssee eines Beinahe-Analphabeten, eines schwarzen, im Elend lebenden Jugendlichen, der den Rassismus hautnah erfährt und dem die Gesellschaft keine andere Wahl lässt, als zum Verbrecher zu werden, wenn er in seinen eigenen Augen noch ein Mann bleiben will.

Fünf Jahre später, 1945, schrieb mein Vater das Buch »Black Boy«, das seine eigene, von Armut und Hunger geprägte Jugend im Süden der USA beschreibt. Er berichtet darin, wie er der Lynchkultur von Jim Crow entkommt, um im Norden »die Wärme anderer Sonnen« zu spüren – zumindest hoffte er das. »Native Son« beschreibt die Desillusionierung des Protagonisten von »Black Boy«, sobald er im Norden ist. Dieses Buch und eine weitere Novelle, die Richard im Jahr meiner Geburt schrieb, zeigen, dass er wusste: Auch im Norden gab es Rassismus, und der war weniger ein geographisches als ein Problem der Klasse und der kapitalistischen Herrschaft.

Im Norden trat er der Kommunistischen Partei der USA bei, und obwohl er die Partei später wieder verließ, blieb er bis zum Ende seines Lebens Marxist. Anders als weniger stark politisch engagierte schwarze literarische Ikonen wie Ralph Ellison oder Toni Morrison gehört Richard Wright zu der kleinen Zahl wirklich radikaler berühmter schwarzer Schriftsteller. Er starb 1960 in Paris, wo ihn das US-Außenministerium und das FBI ständig überwacht hatten. Einige seiner Bücher sind in letzter Zeit in Deutschland wiederaufgelegt worden.

Ich denke, es gibt einige deutliche Ähnlichkeiten zwischen Richard und Mumia. Genau wie bei meinem Vater war Mumias Haltung zum Rassismus von fünf Faktoren geprägt – wie die fünf Finger einer Hand. Erstens »Rasse«, zweitens Klasse: Mein Vater stammte aus dem ländlichen Süden, Mumia aus den »Projects« in Philadelphia. Drittens Bewusstsein: So wie Wright beständig über Lynchjustiz und Hunger schrieb, schreibt Mumia über Polizeibrutalität und Racial Profiling. Viertens Nichtkorrumpierbarkeit: Wie bei Wright ist Mumia einzige Währung seine Liebe zu Ideen. Fünftens der Kampf gegen die Todesstrafe. Wright verurteilte die Hauptfigur von »Native Son« in seinem Buch zum Tod, um zu zeigen, wie weit eine Gesellschaft unter rassistischer weißer Vorherrschaft ihre Unmenschlichkeit treiben kann. Die einzige Todesstrafe, die mein Vater befürwortete, war die für die Gesellschaft, die ihn unterdrückte. Das ging so weit, dass er zusammen mit meiner Mutter und mir 1947 nach Paris ins Exil ging.


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NEUER BEITRAG10.01.2024, 21:00 Uhr
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Wie kam Ihr Engagement für Mumia und seinen Fall zustande?

Für mich kamen hier ganz einfach alle fünf erwähnten Faktoren zusammen. Mumia hätte eine Figur in einem der Romane meines Vaters sein können. Die Novelle »The Man Who Lived Underground« fiel gewissermaßen einem Verstoß gegen das gesetzliche Verbot der Unterschlagung von Beweismitteln zum Opfer, als der weiße Establishment-Verlag Anfang der 1940er Jahre, als das Werk erstmals erschien, einen 50 Seiten langen Abschnitt, in dem der des Mordes angeklagte Protagonist entlastet wird, einfach herauszensierte. Diese Passage, die beschreibt, wie der Protagonist von der Polizei gefoltert wird, um ein falsches Geständnis zu erzwingen, wurde den Lesern bis zur vollständigen Publikation des Werks im April 2021 vorenthalten.

Zu alldem kommt dann noch Mumias schriftstellerisches Talent – seine Funktion als Stimme der Unterdrückten. In seinen Kommentaren beschränkte und beschränkt er sich nicht darauf, den Mächtigen die Wahrheit ins Gesicht zu sagen, sondern er ist auch entschlossen, sie zur Rechenschaft zu ziehen.

Und schließlich kam es ganz einfach deshalb zu meinem Engagement, weil Mumia, als er dann im Todestrakt war, sich an meine Familie wendete und um Unterstützung bat. Es verstand sich von selbst, dass ich das tun würde, und so ist es immer noch.

In den 1980ern hatte praktisch noch niemand von den skandalösen Rechtsverstößen gehört, die zum Schuldspruch und zum Todesurteil gegen Mumia führten. Wie war es möglich, eine breite Basis aufzubauen, durch die die Bewegung rasant wuchs und dann seit Anfang und Mitte der 1990er auch eine internationale Komponente einschloss?

Ich habe damals wie heute von einer internationalen Ebene aus für die Mobilisierung der Menschen außerhalb der USA gearbeitet. Wir müssen uns aber immer auch fragen, was wir tun können, um zu einer wachsenden Mobilisierung in den USA selbst beizutragen. Wir ließen und lassen die Welt wissen, dass der Fall Mumia Abu-Jamals ein Lehrbeispiel für die Ungerechtigkeit des Justizsystems in den USA ist, genau wie der Historiker Raz Segal jetzt den israelischen Angriff auf Gaza als Lehrbeispiel für einen Völkermord bezeichnet hat. Wir ließen und lassen die Welt wissen, wer Mumia ist – nämlich nicht der »Cop Killer«, als der er von der Polizei dämonisiert wird, sondern ein menschliches Wesen.

Wir ließen und lassen die Welt wissen, wer Mumia – der Autor, Gelehrte und Historiker – ist, weil das schließlich der Grund ist, weshalb ihm ein Verbrechen in die Schuhe geschoben wurde und er noch vor seinem Todesurteil beinahe getötet worden wäre. Er bleibt der Mann, der mit dem Genie seiner Feder Zeugnis von einer Gesellschaft ablegt, die die höchste Haftrate auf der ganzen Welt hat und dabei unverhältnismäßig viele Schwarze, Braune und Indigene sowie arme Menschen einsperrt.

Auch ihr in Deutschland habt wunderbare Arbeit geleistet, um euer Land wissen zu lassen, wer Mumia ist, indem ihr seine Bücher übersetzt und bei euren Veranstaltungen aus ihnen vorlest. So tragt ihr von Deutschland aus zur Veränderung in den USA bei. Zur internationalen Dimension gehört auch die Arbeit mit den Vereinten Nationen. Im Dezember 2022 wurde vor Gericht ein bemerkenswerter Antrag einer dem UN-Kommissariat für Menschenrechte unterstehenden Expertengruppe eingereicht, worin sie feststellt, Mumias Verurteilung sei klar rassistisch motiviert und repräsentiere eine Geisteshaltung, die bis auf die Sklaverei zurückgeht und auch in den US-Gerichten noch nicht eliminiert ist. In Philadelphia jedenfalls war und ist einer der wichtigsten Slogans: »Die ganze Welt blickt auf diesen Fall« – »The whole world is watching.«

Während es 2001 und dann endgültig 2011 gelungen ist, die Aufhebung der Todesstrafe gegen Mumia durchzusetzen, lehnte Richterin Lucretia Clemons vom Prozessgericht in Philadelphia – trotz ihres Zögerns aufgrund des UN-Antrags – am 31. März 2023 Mumias letzte Berufung ab und es sieht nunmehr vor den Gerichten nicht gut für ihn aus. Was sind Ihre Gedanken dazu?

»Wie machen wir jetzt weiter?« – das ist eine Frage, die anhand von zwei wichtigen Parametern beantwortet werden muss, nämlich erstens, wieviel Zeit haben wir, und zweitens, können wir innerhalb dieses Zeitfensters die Bedingungen für eine Mobilisierung schaffen, die das Justizsystem in Philadelphia zu einer Kehrtwende und zur Gewährung eines neuen Verfahrens oder einer Beweisanhörung veranlasst?

Grund dafür wäre das 2018/19 gefundene, 36 Jahre lang vor der Verteidigung geheimgehaltene entlastende Beweismaterial, in dem es um Verstöße gegen Entscheidungen des US Supreme Court in den Fällen Brady (1963) und Batson (1986) geht. Nach der Rechtsprechung im Fall Brady ist klar, dass die Vorenthaltung von Beweismaterial durch die Anklagebehörde illegal ist, und das Urteil im Batson-Fall macht klar, dass die Anklage Geschworene nicht aus rassistischen Gründen ausschließen darf. Nach normalen Kriterien müsste das Mumia das Tor zur Freiheit öffnen.

Die Zeitfrage ist bedeutend, Mumia muss aus medizinischen Gründen entlassen werden. Die Statistik für Patienten mit schwerer Herzinsuffizienz – Mumias Diagnose seit seiner Herzoperation im April 2021 – ist gnadenlos: 50 Prozent überleben die folgenden fünf Jahre nicht. Diese Diagnose gilt für Patienten in Freiheit, die sich angemessen ernähren und die nötigen körperlichen Übungen machen können.


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NEUER BEITRAG10.01.2024, 21:04 Uhr
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Was können wir denn dann innerhalb so kurzer Zeit tun?

Erstens müssen wir ein für allemal das von Polizei und Staatsanwaltschaft zusammengebraute Narrativ widerlegen, demzufolge Mumia den weißen Polizeibeamten Daniel Faulkner erschossen hatte, nachdem er frühmorgens in Center City in Philadelphia seinem Bruder zu Hilfe kommen wollte, den dieser Polizist misshandelt hatte. Diese Version der Ereignisse ist eine Lüge und muss als solche entlarvt werden. Was ist das Motiv für diese Lüge? Genau die Faktoren, von denen ich bereits gesprochen habe, und außerdem die Absicht, Mumia zu kriminalisieren, um ihn zu neutralisieren.

Die COINTELPRO-Akte (geheimes Counterintelligence Program der US-Bundespolizei FBI von 1956 bis 1971, jW) die über Mumia geführt wurde, seit er 14 war, zeigt, wie intensiv er all die Jahre überwacht wurde, und es heißt dort unter anderem: »Mumia Abu-Jamal ist intelligent und hat keine Vorstrafen, aber aufgrund seiner Schriften sollte er auf den Nationalen Sicherheitsindex gesetzt werden.« Seine klare Berichterstattung über die extreme Polizeibrutalität gegen die MOVE-Organisation und andere war für die Herrschenden der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte.

Also musste man ihm bei Gelegenheit ein Verbrechen anhängen. Wie Mumia sagte später: »Mein einziges Verbrechen besteht darin, dass ich in dieser Nacht überlebt habe.« Wie immer bei solchen Lügenmärchen war die Geschichte der Anklage voller Ungereimtheiten: Wahrhaftige Zeugen wurden beiseitegedrängt oder sogar bedroht, und an ihrer Stelle gab es bestochene Belastungszeugen. Entlastende Beweise wurden durch Unterschlagung, also unter Verletzung des »Brady«-Urteils, oder die Streichung aus dem Prozessprotokoll unterdrückt, und selbst die Fotos des unabhängigen Fotojournalisten Pedro P. Polakoff, die Sie, Michael, später publik gemacht haben, wurden von der Staatsanwaltschaft ignoriert.

Die Zusammensetzung der Jury wurde unter Verletzung des »Batson«-Urteils rassistisch manipuliert. Mumia durfte sich nicht selbst verteidigen. Die Tatsache, dass sich neben Mumia und seinem Bruder noch eine weitere Person am Tatort befand, wurde unterschlagen. Obwohl Mumia durch einen Lungenschuss lebensgefährlich verletzt war, wurde er misshandelt und von der Polizei fast umgebracht, die ihn erst nach einer halben Stunde ins Krankenhaus brachte. Als er später dagegen Beschwerde einlegte, erfand die Polizei ein »Tatgeständnis« im Krankenhaus, das es nie gegeben hatte – und, und, und. Alles wurde hingedreht, um einen Buhmann zu schaffen, und hier hieß der Buhmann zur Freude der Herrschenden Mumia.

Was wären neben dem Kampf gegen das Polizeinarrativ weitere wichtige Handlungsmöglichkeiten?

Wir müssen uns ansehen, was bei unserer und anderen radikalen Bewegungen in der Vergangenheit funktioniert hat. Wir haben Mumia dreimal gerettet: das erste Mal vor der Todesstrafe, das zweite Mal vor dem Tod durch Hepatitis C und das dritte Mal, indem wir uns, als er unter Herzproblemen litt, international für seine medizinische Versorgung einsetzten. Wir können ihn erneut retten, indem wir die Taktiken einsetzen, die wir bei unseren vorherigen Siegen angewendet haben. Dabei sehen wir jedes Mal, dass die internationale Mobilisierung einer der entscheidenden Faktoren war. Wir sollten uns eine Liste all dieser Faktoren machen.

Was können wir von anderen radikalen Bewegungen lernen? Dass Einheit unsere stärkste Waffe ist – sind nicht auch die Gegner von Mumias Freiheit geeint stärker als gespalten? Es gibt Befreiungsfronten und Kampagnen für politische Gefangene, mit denen wir Bündnisse schließen können, um besser die Ziele auf seiten des Imperialismus anzuvisieren, denen unser kollektiver Angriff gilt, um gemeinsam zu protestieren, Informationen miteinander auszutauschen und anderes mehr …

Weiter sehen wir eine seismische Machtverschiebung auf der ganzen Welt: Der globale Süden hat sich unter anderem durch die BRICS-Staaten erhoben, während sich durch das Debakel in der Ukraine und die schurkischen Vetos der USA im UN-Sicherheitsrat gegen einen Waffenstillstand im Freiluftgefängnis von Gaza tiefe Risse in der US-Hegemonie entwickeln. Die Freilassung der politischen Gefangenen in den USA, dieser Geiseln unserer eigenen Regierung, sollte ebenfalls in diesem globalen Kontext gesehen werden.

Schließlich sollten wir, wie Johanna Fernandez unter Hinweis auf die kürzliche Aufführung der von Mumia noch im Todestrakt komponierten Oper »A Vampire Nation« an der Brown University sagte, nie die Macht von Kunst, Kultur, Dichtung und Musik bei der Mobilisierung unterschätzen. Stellen wir uns vor, diese ergreifende Oper würde als Vorspiel zu einer Rekonstruktion dessen, was in jener Dezembernacht vor 42 Jahren tatsächlich geschah, unter den Fenstern von Bezirksstaatsanwalt Larry Krasner aufgeführt – einer Rekonstruktion, die die Polizei immer tunlichst vermieden hat! Hat nicht Shakespeare geschrieben: »Das Schauspiel sei die Schlinge, in die den König sein Gewissen bringe«?


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NEUER BEITRAG10.01.2024, 21:06 Uhr
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Ich weiß, dass es da noch einen weiteren Punkt gibt, der Ihnen sehr wichtig ist.

Ja, denn schließlich, und das ist in meinen Augen am wichtigsten, haben meine Lehrjahre in den Befreiungsbewegungen in Ghana und bei der Black Panther Party mich gelehrt, dass wir nicht mehrere Feinde gleichzeitig bekämpfen können. Welchen Feind sollten wir anvisieren, um die negative Haltung der Gerichte gegenüber Mumia aufzubrechen? Hier bin ich der Meinung, dass alle die, die wie der ehemalige Richter Wendell Griffen auf die Kontrolle hinweisen, die der Fraternal Order of Police (FOP) über die Gerichte – und im übrigen auch die sonstigen staatlichen Strukturen – in Pennsylvania ausübt, uns den richtigen Weg weisen. Der FOP ist der wichtigste Polizeiverband in den Vereinigten Staaten.

Ein Sieg über den FOP klingt zu hypothetisch? Vielleicht, aber erinnern wir uns daran, dass es in der Geschichte des 20. Jahrhunderts schon einmal zur erfolgreichen Zerstörung eines Polizeiimperiums gekommen ist, nämlich in Chicago, wo die Schergen von Police Commander Jon Burge die unangefochtene Macht hatten und an unschuldigen schwarzen Bürgern Foltertechniken praktizierten, die aus dem Vietnamkrieg kamen – bis eine engagierte Gruppe von radikalen Anwälten das Krebsgeschwür der Polizeigewalt besiegte, von dem diese Stadt gequält wurde. Flint Taylor, ein Gründungsmitglied des People’s Law Office in Chicago, hat ein lehrreiches Buch über diese Geschehnisse geschrieben, »The Torture Machine«.

Denken wir außerdem daran, dass es dieselbe korrupte Polizei in Chicago war, die sich im Dezember 1969 im Rahmen von COINTELPRO mit dem FBI zusammentat, um den Vorsitzenden der Black Panther in Chicago, Fred Hampton, zu ermorden. Mumia besuchte den Tatort und zitierte im Januar 1970 in einem Interview Mao Zedong: »Politische Macht kommt aus den Gewehrläufen.« Damit meinte er, dass der Staat Fred Hampton getötet hatte und dass es nicht die schlafenden Panther-Mitglieder im Haus waren, die geschossen hatten. Dieser Kommentar wurde dann über ein Jahrzehnt später in Mumias Verfahren von Staatsanwalt Joseph McGill verdreht, um die Jury dazu zu bringen, Mumia zum Tode zu verurteilen.

Jedenfalls ist das vom Staat gefälschte Narrativ, nach dem Mumia schuldig ist, in Chicago verbreitet. Dadurch ist es nicht nur mit Richard Wright und seinem Roman »Native Son« verbunden, sondern auch mit dem mittlerweile gestürzten korrupten Polizeiimperium.


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NEUER BEITRAG13.02.2024, 22:39 Uhr
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Mumia Abu-Jamal Im Moment ist wieder einmal die Chance gestiegen, daß die Vorgehensweise der Yanks, mißliebige politische (und auch soziale!) Gefangene im Knast verfaulen zu lassen, bis sie endlich tot sind, recht kurz vor einem "erfolgreichen" Abschluß steht. Stellvertretend für so viele, geht es hier wieder einmal um Mumia, der aufgrund seines Krankheitszustandes längst haftunfähig ist, aber weiter zum Verrecken im Knast gehalten wird - von der Unhaltbarkeit seiner Verurteilung mal ganz abgesehen.

In der jW vom 12. Feb. dazu ein Text von Jürgen Heiser:

Vereinigte Staaten
Mumia Abu-Jamal schwer erkrankt
USA: Gesundheitszustand des inhaftierten Bürgerrechtlers hat sich rapide verschlechtert


Der politische Gefangene Mumia Abu-Jamal in den USA schwebt erneut in akuter Lebensgefahr. Sein medizinisches und sein Anwaltsteam sind äußerst alarmiert. Der Staat arbeite weiter darauf hin, den Bürgerrechtler »langsam und absichtlich durch medizinische Vernachlässigung umzubringen«, erklärte seine Vertraute Pam Africa am Freitag. Sie berichtete im Onlinegespräch mit Noelle Hanrahan von Prison Radio über den gemeinsamen Besuch, den beide vergangene Woche aus Sorge um die Gesundheit Abu-Jamals im Staatsgefängnis Mahanoy in Frackville, Pennsylvania, gemacht hatten.

Hanrahan erläuterte gegenüber jW, Abu-Jamals Zustand habe sich »seit September in einem besorgniserregenden Tempo verschlechtert«. Er habe stark an Gewicht verloren, leide an hohem Blutdruck und unter dem Ausbruch einer Schuppenflechte. Ihm seien die Haare ausgefallen. Beim Besuch musste Hanrahan erneut feststellen, dass die Gefängnisleitung dem fast 70jährigen Gefangenen nach der im April 2021 notwendig gewordenen Operation am offenen Herzen immer noch die erforderlichen kardiologischen Rehabilitationsmaßnahmen sowie eine gesündere Ernährung und physiotherapeutisch angezeigte körperliche Bewegung verweigert.

Sein Vertrauensarzt Ricardo Alvarez erklärte im Gespräch mit Black Power Media am Freitag abend (Ortszeit), deutliche Alarmzeichen seien der plötzliche Gewichtsverlust, der rapide Haarausfall und der durch extremes Hautjucken ausgelöste Schlafentzug, der zur Erschöpfung beitrage. Die sei ohnehin durch den Stress gegeben, den der tägliche Überlebenskampf in mehr als vier Jahrzehnten Haft erzeuge und als »Phänomen des vorzeitigen Alterns« bekannt sei, sagte der Arzt. »Gefängnisse stehen im absoluten Widerspruch zu jeder medizinischen Behandlung«, betonte er. Sollte ein medizinischer Notfall eintreten, sei er jederzeit mit seinem Team vor Ort. »Ich möchte, dass alle wachsam bleiben«, forderte Alvarez die Solidaritätsbewegung auf. Hauptziel sei nun, »Mumias Gesundheit im Übergang zur Freiheit zu erhalten«.


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