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NEUES THEMA02.08.2016, 18:47 Uhr
EDIT: FPeregrin
04.02.2020, 00:46 Uhr
Nutzer / in
FPeregrin

• Klassencharakter der VR China U.d.T. Ausdruck der weltanschaulichen Krise der kommunistischen Weltbewegung diskutiert Thanasis Spanidis auf T&P (11. Juli) den Klassencharakter der VR China. Nach Negation folgender Argumente:
a) eine KP an der Macht
b) wichtige ökonomische Rolle des Staates
c) friedlich-kooperative Außenpolitik
d) Sozialismus nur über lange Zwischenperiode
kommte er zu folgenden Thesen:
"1. China ist kein sozialistisches Land, sondern ein kapitalistisches, das seinen Platz in der imperialistischen Pyramide einzunehmen bestrebt ist.
2. Die KPCh ist keine kommunistische Partei, sondern eine rechtsopportunistische bis liberale Partei mit an den Rand gedrängten marxistischen Kräften in ihrem Inneren.
3. Der „Umweg“ über den Kapitalismus in China stellte und stellt keinen „Sachzwang“ dar, sondern eine bewusste Entscheidung politischer Eliten, die sich auf diesem Weg auf obszöne Weise bereichert haben und dies weiterhin auf Kosten der Massen tun. Alternativen dazu gibt es genauso, wie es Alternativen zur reaktionären Krisenpolitik der EU gäbe – jeweils bei entsprechenden Kräfteverhältnissen zwischen den Klassen.
4. Eine sozialistische Kehrtwende der chinesischen Politik ist heute nicht mehr möglich. Die Politik der KPCh hat die Perspektiven für den Sozialismus auf absehbare Zeit, zumindest ohne eine Revolution von unten unter Führung einer wirklich revolutionären KP, zerstört und damit für die internationale kommunistische und Arbeiterbewegung unermesslichen Schaden angerichtet.
5. Die DKP und andere kommunistische Parteien täten gut daran, sich vom Wunschdenken und oberflächlichen Analysen bezüglich Chinas zu verabschieden und stattdessen die chinesische Erfahrung als einen weiteren Fall zu analysieren, wie weltanschaulicher Revisionismus und die Schaffung einer sozialen Basis für denselben zu gegenseitig verstärkenden Faktoren werden können, die ein sozialistisches Projekt zu Fall bringen können. Die Solidarität mit dem kapitalistischen Restaurationsprojekt in China ist nicht nur vom Standpunkt kommunistischer und antiimperialistischer Programmatik und des proletarischen Internationalismus nicht zu rechtfertigen. Sie ist auch dazu geeignet, die Glaubwürdigkeit der Partei als konsequent antikapitalistischer Kraft zu kompromittieren. Sie führt dazu, sich nicht mit dem erstarkenden Widerstand der Arbeiter und Bauern gegen die kapitalistische Restauration zu verbünden, sondern mit der verbürgerlichten KPCh-Führung, die Proteste und Arbeitskämpfe im Interesse der Bourgeoisie brutal unterdrückt. Die fatalen Illusionen, die Teile der kommunistischen Bewegung bezüglich Chinas weiterhin pflegen, sind somit ein weiteres Symptom der tiefen weltanschaulichen Krise der Bewegung, die sich seit dem Zweiten Weltkrieg bemerkbar gemacht und seit 1989/90 offen ausgebrochen ist."


Der ganze Text steht hier:
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Wie gehen wir damit um? Es kommt diesmal ja nicht von der Firma Trotzki & Co! Die Haken der Argumentation können ggfs. ja wohl nur in der Negation der 4 Argumente zu suchen sein, nicht in den daraus folgenden Thesen. Anderenfalls hätte er recht. ... was ich aber nicht mal so eben akzeptieren möchte.

#VrChina


Edit:
In Forum Internationales verschoben, da dort bereits zu Spanidis diskutiert wird.
Sec.


Edit: @ Sec.: Kiitos! - Ist mir durchgerutscht. Das kommt von dem wochenlangen Offline-tum. FP.
NEUER BEITRAG02.08.2016, 21:54 Uhr
Nutzer / in
secarts

Klassencharakter der VR China Die benannten vier Kriterien:

a) eine KP an der Macht
b) wichtige ökonomiosche Rolle des Staates
c) friedlich-kooperative Außenpolitik
d) Sozialismus nur über lange Zwischenperiode


lassen sich vielleicht noch weiter eindampfen und verdichten:

a) die Arbeiterklasse an der Macht (Indiz ist sicher vor allem deren Repräsentanz in der herrschenden Partei, und - alle Macht kommt aus den Gewehrläufen! - in den bewaffneten Organen),
b) Aneignung des hauptsächlichen Teils des gesellschaftlichen Mehrwerts durch die Gesellschaft, nicht durch Privatpersonen.

Das wären, glaube ich, die hauptsächlichen Bedingungen zur Bestimmung, ob wir es mit einer sozialistischen Gesellschaft zu tun haben. Die außenpolitische Komponente unter urspr. c) erscheint mir "weich", also schwer definierbar. Sozialistische Staaten können kapitalistische, wenn auch keine imperialistische Außenpolitik betreiben. Auch diplomatische Tücken, Verträge mit dem Teufel und gar militärische Präventivschläge sind denkbar. Und Punkt d) ist nicht zuletzt eine Definitionssache, also ein klassischer Konfliktfall zwischen Agitation, Propaganda und Gesellschaftswissenschaft.

In China treffen beide von mir genannten Kriterien m. E. zu:
- Die Arbeiterklasse (und die Bauern) dominieren in erster Linie die Armee, die eine als solche definierte Klassenarmee ist ("Volksbefreiungsarmee der Arbeiter und Bauern" - wen anders nehmen die nicht. Selbst Studenten von zivilen Unis haben so gut wie keine Chance). Sie ist obendrein eine Partei-, keine Staatsarmee. In der Partei sind Arbeiter hoch repräsentiert, wenn auch die Intelligenz mittlerweile das Gros der Mitglieder stellen dürfte. Privatkapitalisten werden m. W. nur pro forma gehalten, ein paar Dutzend Angehörige der nationalen Bourgeoisie (die es übrigens in der VR China immer, als solche anerkannt, gab). Ansonsten muss man ein wenig auf den Erfolg der großen Antikorruptionskampagne hoffen. Die stete Neubildung bürgerlichen Bewusstseins ist eben eine Gesetzmäßigkeit, solange wir nicht die Weltherrschaft errungen haben.
- Der Großteil des Mehrwerts fließt in staatliche oder genossenschaftliche Kassen und wird in erstem Falle fast vollständig in die Entwicklung der materiell-technischen Basis reinvestiert. Insgesamt ein Drittel der chinesischen Wirtschaft sind privat, der Rest teilt sich in gesellschaftliches Eigentum, zur Hälfte staatlich, zur Hälfte genossenschaftlich. Qualitativ betrachtet ist es noch eindeutiger: alle Schlüsselindustrien, die Telekommunikation, der Grund und Boden, die Montanindustrie, die Verkehrswege und die Energieversorgung sind sämtlich in staatlicher Hand, das Bankwesen ebenso.

Wenn man nun noch versucht, alle Projektionen auf den chinesischen Frühsozialismus auszublenden und die Leute dort beim Wort zu nehmen, nach dem sich das Land am Beginn des Aufbaus des Sozialismus befindet, dessen Basis frühestens 2050 gelegt sein wird, dann kommt man dem Phänomen China etwas näher...

Die verschiedentlichen theoretischen Großversuche aus dem Umfeld der KKE, die endgültige Einordnung der VR China im Alleingang vorzunehmen, sind vielleicht aus griechischer Perspektive verständlicher. Immerhin tritt chinesisches (staatliches) Kapital (bspw. COSCO) dort als Entrepreneur auf. Das ändert m. E. nichts an dem objektiven Charakter der chinesischen Gesellschaft, doch ist die Stellung zur KP China heute auch nicht der wichtigste Prüfstein für Kommunisten.
NEUER BEITRAG03.08.2016, 13:43 Uhr
Nutzer / in
retmarut

Klassencharakter der VR China "doch ist die Stellung zur KP China heute auch nicht der wichtigste Prüfstein für Kommunisten."

Nun habe ich es auch nicht so mit Superlativen, würde daher eher den Begriff "wichtiger Prüfstein" wählen.

Man muss nicht alles im Detail gut heißen, was die KP China (oder auf internationalem Parkett die VR China) macht, aber ich finde schon, dass die beliebige Kritikasterei an der Politik der VR China unter deutschen (bzw. europäischen und nordamerikanischen) Linken diverser Coleur ein gerüttet Maß an Unverständnis über den Aufbau des Sozialismus zeigt. Analogien zu den früheren Hasstiraden über die "verfehlte Politik der SU", die "Arbeiterbürokratie" und "Sozialimperialisten aus Moskau" klingen dabei an; leider auch bei einigen (siehe KKE), die vorher gegenüber der KPdSU und SU immer solidarische Geschlossenheit gezeigt haben.

Die Kritik an den chinesischen Entwicklungen geht einem ja auch leicht von der Feder, knurrt man doch schließlich mit dem herrschen Meinungswind.
NEUER BEITRAG19.04.2020, 15:25 Uhr
EDIT: FPeregrin
19.04.2020, 15:25 Uhr
Nutzer / in
FPeregrin

Klassencharakter der VR China Auf der Seite der Seite der KPD (Die Rote Fahne) (veröffentlicht 26. März) haben Frank Flegel & Jürgen Geppert im Namen des ZK der KPD u.d.T. Ökonomische Analyse Chinas richtig in die Kacke gehauen:
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Zwei Schnitzer fallen mir gleich auf:
- Die wachsende Rolle der "Intellektuellen": 'Intellektuelle' sind keine Klasse, sondern entstammen Klassen. Man kann also nicht die "Intellektuellen" kurzerhand von den 'Arbeitern & Bauern' abziehen, insbesondere dann nicht, wenn von einem rapide wachsenden Teil proletarischer und bäuerlicher Intellektueller ausgegangen werden muß.
- Die Armee als Faktor kommt gar nicht vor.

Man wird hier sicher noch mehr sagen können!

#VrChina
#KPCh

• PDF-Datei oekonomische-analyse-chinas_zk-der-kpd...
1,3 MB | application/pdf
...zum Download anmelden.
NEUER BEITRAG05.04.2021, 13:54 Uhr
Nutzer / in
FPeregrin

... immerhin scheint die Debatte innerhalb der KPD nicht komplett beendet zu sein. Die Februar-Ausgabe von Die Rote Fahne bringt eine Zusammenfassung der Debatte durch die Ideologische Kommission:
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Hier die entsprechende Seite als pdf:

• PDF-Datei KPD_China_2021-Feb.pdf
5,2 MB | application/pdf
...zum Download anmelden.
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