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NEUES THEMA30.06.2023, 23:29 Uhr
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01.07.2023, 14:17 Uhr
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FPeregrin

• 80 J. Schlacht im Kursker Bogen Die jW erinnert in ihrer morgigen Ausgabe an die bevorstehende 80. Wiederkehr der Tage der Schlacht im Kursker Bogen mit einem Auszug aus den Erinnerungen und Gedanken Georgi Konstantinowitsch Schukows:

Rechnung ohne Wirt gemacht

Vor 80 Jahren griff die Wehrmacht die sowjetischen Truppen im Kursker Bogen an. Die Faschisten kamen in die strategische Defensive. Aus den Erinnerungen Marschall Georgi Schukows

Auszug aus: Georgi Konstantinowitsch Schukow: Erinnerungen und Gedanken. Deutscher Militärverlag, Berlin 1970, Seiten 130–132

Am 4. Juli 1943 begann die Schlacht im Kursker Bogen – Wehrmachtsdeckname »Unternehmen Zitadelle« – mit ersten Kämpfen. In ihrem Verlauf fand in der Nähe des Dorfes Prochorowka am 12. Juli 1943 die größte Panzerschlacht der Geschichte statt. Am 16. Juli war der deutsche Plan gescheitert, und die Rote Armee ging zum Gegenangriff über. Am 23. August 1943 befreite sie Charkow. Der Marschall der Sowjetunion Georgi Konstantinowitsch Schukow schrieb darüber in seinen Erinnerungen:

Die Schlacht im Raum Kursk–Orjol–Belgorod war eine der größten des Vaterländischen Krieges und des Zweiten Weltkriegs überhaupt. Hier wurden nicht nur die Elitetruppen und die stärksten Gruppierungen des Gegners zerschlagen; hier zerbrachen auch endgültig alle Bemühungen der faschistischen Führung, dem Krieg noch eine Wende zu geben. Das wirkte sich auf die Haltung des deutschen Volkes aus, aber auch auf die der Satellitenstaaten. (…)

Was war entscheidend für die Zerschlagung des Gegners im Raum Kursk, woran scheiterte seine mächtige und lange vorbereitete Offensive?

Der Sieg wurde vor allem dadurch entschieden, dass die sowjetischen Truppen zum Zeitpunkt der Verteidigungsschlacht dem Gegner quantitativ und besonders qualitativ überlegen waren.
Die größere Schlagkraft der sowjetischen Fliegerkräfte, der Artillerie- und Panzertruppen ermöglichte es, innerhalb kurzer Fristen Stoßgruppierungen zu bilden, die jeden Widerstand schnellstens brachen. (…)

Was hatte den Gegner zu seinem Großangriff im Raum Kursk veranlasst?

Das faschistische Oberkommando erhoffte sich von der operativen Aufstellung der sowjetischen Truppen im Kursker Bogen große Perspektiven. Hier winkte die Möglichkeit, zwei große sowjetische Fronten auf einmal einzuschließen und dadurch eine Bresche zu schlagen, die umfangreiche Operationen in südlicher und nordöstlicher Richtung erlaubt hätte.

Das Hauptquartier, der Generalstab und die Frontoberkommandos gingen in ihren Lagebeurteilungen und Einschätzungen der möglichen Entschlussvarianten des Gegners gerade von diesen Überlegungen aus, die sich im weiteren als richtig bestätigten.
Bezeichnend ist, dass die gesamte sowjetische operativ-strategische Führung in der Einschätzung der bevorstehenden Handlungen des Gegners eine einheitliche Meinung vertrat. Die Übereinstimmung, die auf der gründlichen Analyse aller Faktoren beruht, war ein markanter Ausdruck der gewachsenen Kunst unserer Stäbe und Führungen der operativ-strategischen Ebenen.

Der faschistischen Führung fehlte dagegen eine richtige und tiefgründige Lagebeurteilung sowie die Einheitlichkeit der Pläne und Methoden für kommende Handlungen.

In der Schlacht bei Kursk übertrafen die Zentral- und die Woronescher Front den Gegner an Kräften und Mitteln. (…) Die faschistische Führung stützte sich hauptsächlich auf ihre Panzer- und motorisierten Truppen und hatte diese in schmalen Abschnitten massiert. Auf diese Weise besaß sie in den ersten Tagen der Schlacht ein beträchtliches Übergewicht gegenüber den sowjetischen Truppen, die in der taktischen Zone der Verteidigung standen. Als aber unsere Kräfte aus der operativ-strategischen Tiefe die Kampfhandlungen aufnahmen, senkte sich die Waagschale zugunsten unserer Truppen.

Das Oberkommando der Wehrmacht (OKW) hatte die Gefechtsmöglichkeiten seiner Truppen im gegebenen Fall überschätzt und die Möglichkeiten der Sowjettruppen unterschätzt. Der Gegner hatte vor allem seine Panzer »Tiger« und »Panther« sowie seine Selbstfahrlafette »Ferdinand« überbewertet. Er glaubte offenbar, dass er mit diesen Systemen die sowjetischen Truppen überraschen könnte und dass sie dem Rammstoß der Panzerverbände nicht gewachsen sein würden. Der Gegner hatte aber die Rechnung ohne den Wirt gemacht.

Obwohl dem faschistischen Deutschland die Wirtschaft der meisten europäischen Länder noch zur Verfügung stand, konnte es nach den erbitterten Schlachten an der deutsch-sowjetischen Front nicht mehr mit der unaufhörlich wachsenden Wirtschafts- und Militärmacht des Sowjetstaats Schritt halten.

Westliche bürgerliche Historiker behaupten, die materiell-technische Überlegenheit der Roten Armee wäre dank der materiellen Hilfe der USA und Großbritanniens erreicht worden. Ich will diese Unterstützung nicht bestreiten oder ignorieren. Sie hat der Roten Armee und der sowjetischen Verteidigungsindustrie in bestimmtem Maße geholfen. Dieser materielle Beistand war aber gering und konnte daher keine große Rolle spielen. (…)

Kurzum: Die Faschisten verloren die größte Schlacht, die sie von langer Hand unter Anspannung aller Kräfte und Möglichkeiten vorbereitet hatten. Die sowjetische Gegenoffensive nahte.


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FPeregrin

80 J. Schlacht im Kursker Bogen jW heute:

Die große Wende im Osten

Das Kriegsjahr 1943: Anfang vom Ende faschistischer Besatzung

Von Dietrich Eichholtz

Vor 80 Jahren trug sich die »Schlacht von Kursk« zu. Das Angriffsunternehmen (Tarnname »Zitadelle«) gilt als letzte deutsche Großoffensive im Krieg gegen die Sowjetunion und fand in der Zeit vom 5. bis zum 16. Juli 1943 statt. Aus diesem Anlass veröffentlichen wir einen Beitrag zum Kriegsjahr 1943 des am 21. Juni 2016 verstorbenen Historikers Dietrich Eichholtz, der am 15. Januar 2013 auf diesen Seiten erschien. (jW)

Die Niederlage der Wehrmacht in Stalingrad im Winter 1942/43 veränderte den Krieg, wendete das Schicksal all der Völker, die der deutsche Faschismus in finsteres Elend zu stürzen unternommen hatte. Noch dauerte es aber anderthalb schwere, blutige Jahre, bis die UdSSR, damals in Europa militärisch fast auf sich allein gestellt, den größten Teil ihres okkupierten Heimatbodens freigekämpft hatte.

Eine »vergessene« Zeit nennen manche deutschen Militärhistoriker neuerdings das Jahr 1943 und können doch wohl kaum übersehen, dass der Beginn der unaufhaltsamen, großräumigen Vertreibung der Wehrmacht aus dem Sowjetland das wichtigste, gewaltigste Ereignis des Krieges seit Stalingrad darstellte. Ihre Motivation ist durchsichtig: Es handelte sich, bis auf kleinräumige, kurzzeitige Abwehrschlachten, ausschließlich um deutsche Niederlagen und Rückzüge in ununterbrochener Folge, die dem heute wiedererstandenen deutschen Großmachtimage nicht gut anstehen wollen.

Alliierte Erfolge

Seit dem Kriegseintritt der USA am 6. Dezember 1941 hatte sich das militärische und wirtschaftliche Kräfteverhältnis zugunsten der Antihitlerfront ganz offensichtlich und unwiderleglich verändert. Bis zum Mai 1943 wurden die deutsch-italienischen Truppen vom afrikanischen Boden vertrieben; in Tunis wanderten die verbliebenen 250.000 Mann ihres Bestandes in die Gefangenschaft. Im Nordatlantik erlitt die deutsche U-Boot-Flotte zur selben Zeit immense Verluste und musste den Krieg gegen den britischen und sowjetischen Nachschub über See weitgehend einstellen. Die deutsche Luftwaffe fand in dem Vielfrontenkrieg, den zu führen sie schon lange zu schwach war, kein Mittel gegen die zunehmende Lufthoheit der westalliierten Bomberflotten. Der von deutschen Truppen besetzte Norden, Westen und Süden Kontinentaleuropas lag von nun an im unmittelbaren Gefahrenbereich einer Invasion. Nach der alliierten Landung auf Sizilien im August 1943 wechselte der bisherige deutsche Verbündete Italien die Seite.

Im Osten griff die Rote Armee auf der gesamten Frontlänge von über 3.000 Kilometern während des ganzen Jahres 1943 an, offensiv auch in beiden Wintern. Sie erreichte im Norden und Süden der Front die Nähe der Westgrenze der UdSSR und überschritt sie erstmals im März/April 1944 in Nordrumänien. Hunderte Städte, Tausende Ortschaften wurden frei.

Schon seit Januar 1943 hatte eine sowjetische Offensive bei Schlüsselburg einen Landweg nach Osten für die rings eingeschlossene Stadt Leningrad freigemacht. Ein Jahr später war es endlich so weit: Seit dem 12./14. Januar 1944 griff die Rote Armee von Leningrad und vom Wolchow aus in breiter Front nach Süden und Westen an und eroberte – mit Hilfe der Partisanen – das Leningrader Gebiet bis Ende des Monats schon bis zu einer Tiefe von fast 200 Kilometern. Damit war die Stadt nach 900 Tagen aus ihrer tödlichen Umklammerung befreit und der Gefahr des Untergangs endgültig entrissen.

In der Frontmitte war das Moskauer Gebiet schon seit dem Winter 1941/42 frei. Ein Jahr später war der Feind überall fast 400 Kilometer nach Westen abgedrängt. Im Süden hingegen hatten die Kämpfe Stalingrad und den Kaukasus bis zu 1.600 Kilometer hinter sich gelassen; seit der Schlacht an der Wolga hatte die Rote Armee den Don, den Donez, den Dnepr erreicht und überschritten, nahm den Übergang über den (südlichen) Bug und den Dnestr in Angriff und kämpfte sich Ende 1943 auf den Prut, den rumänischen Grenzfluss, vor.

Die Kursker Schlacht

Das Jahr 1943, in dem die Rote Armee die Befreiung der Heimat in ihrer entscheidenden Phase erfocht, lässt die kurzlebige deutsche Offensive bei Kursk im Juli in einem anderen Licht erscheinen als in jener grotesken Überschätzung, die sie in Veröffentlichungen mancher deutschen Militärhistoriker erfährt. Wenn überhaupt ein strategischer Gedanke in dieser seit März in der Planung befindlichen mäßig großen Operation – der letzten dieser Art im Osten – zu erkennen ist, so war es der, den »Russen« an dieser einen Stelle vernichtend zu schlagen, ihn auf lange Zeit zu lähmen, deutsche Kräfte für die nächste Zukunft freizumachen und eine Art Zentralreserve für die Bildung einer Art »Festung Europa« hinter einem »Ostwall« zu mobilisieren. Bewähren würden sich, so die Überzeugung der deutschen Führung, ihre Feldherrnkunst und die deutsche Überlegenheit an Waffen und Soldaten – Hirngespinste des »Führers« und der ihm hörigen Generalität.

Die Offensive begann schließlich am 5. Juli 1943, musste aber nach weniger als zwei Wochen, zwischen dem 16. und 19. Juli, nach blutigen Kämpfen und geringem Geländegewinn, unter heftigen Auseinandersetzungen in der Heeresführung, abgebrochen werden. Die erbitterten Kämpfe, die mit je etwa 3.000 Panzern auf beiden Seiten ausgetragen wurden, beschrieben deutsche Teilnehmer, einfache Soldaten, später als »Weltuntergang«, als »Hölle«. Als jener »Weltuntergang« wurde in erster Linie die berühmt-berüchtigte Panzerschlacht von Prochorowka am 12. Juli nördlich von Belgorod erlebt. Die Verluste beider Seiten bei diesem Zusammenstoß und unbarmherzigen Vernichtungskampf zweier gewaltiger Panzergruppen mit jeweils Hunderten Panzerwagen auf kleinstem Raum waren desaströs. In deutschen Darstellungen wird die Schlacht heute als »Sieg« – ohne Geländegewinn und mit folgenden entsetzlichen Niederlagen – reklamiert. Die Verluste werden nach herbeigeschwindelten Quellen mit ganzen 41 »beschädigten« deutschen Kampfwagen gegenüber mehr als 300 sowjetischen »Totalverlusten« beziffert. Zudem wird die sowjetische Führung von Stalin an abwärts bis zu den Truppenkommandeuren der Roten Armee für das »verfehlte« operative Vorgehen kritisiert. – Ein derartiges Schema der »Abrechnung«, zur Schau gestellt mit peinlich antisowjetischer Genugtuung, macht, das ganze Jahr 1943 betreffend, in der heutigen militärhistorischen Literatur Schule.


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Weitere Offensiven

Tatsächlich aber hatten im Juli und Anfang August eine Reihe überwältigender sowjetischer und alliierter Offensiven begonnen, die Hitler und die Generalität die Schlacht nicht nur nach 14 Tagen abbrechen, sondern starke Kräfte abziehen und an Gefahrenpunkte höchster Dringlichkeit verteilen ließen:

– Am 10. Juli setzten die ersten alliierten Truppen von Nordafrika nach Sizilien über und eroberten die Insel bis zum 17. August. Schon am 24./25. Juli 1943 wurde Mussolini als »Duce« von König Viktor Emanuel III. abgesetzt. Ita­lien bereitete seinen Übergang zu den Alliierten vor.

– Am 12. Juli begannen mehrere sowjetische Fronten ihre Gegenoffensive, die sie nördlich des Kursker Bogens nach Orel und an Orel vorbei nach Westen führte und die im September schließlich in eine allgemeine Offensive der gesamten mittleren und Südfront überging.

– Die Gegenoffensive im Süden des Kursker Bogens (Beginn 3. August) führte zur Befreiung von Belgorod und Charkow. Beide Offensiven erreichten den Dnepr und damit den geplanten »Ostwall« Hitlers auf einer Breite von 1200 Kilometern und gewannen die Ausgangsposition für die Eroberung Kiews im November.

– Im Südabschnitt hatte eine sowjetische Großoffensive bereits am 17. Juli begonnen, die bis September über Isjum (Donez), Slawjansk, Kramatorsk, Stalino, Taganrog und Mariupol entlang des Asowschen Meeres bis vor Melitopol führte und damit den größten Teil des Donezbeckens befreite.

Die Befreiung der Ukraine und Südrusslands machte im Winter 1943 und Frühjahr 1944 weiter stürmische Fortschritte bis an die Karpaten und in die Nähe der polnischen und rumänischen Grenze.

Die Antihitlerkoalition 1943

Die deutsche Niederlage bei Stalingrad zeigte begeisternde Wirkung zuallererst bei den Völkern der Antihitlerkoalition. Die Reaktion der führenden Kreise in den USA und in Großbritannien war allerdings bei weitem nicht so einhellig. ­US-Präsident Franklin D. Roosevelt gratulierte Stalin zu dem Sieg und drückte seine Bewunderung für die Rote Armee aus. Sein Amtskollege Winston Churchill sah frühzeitig, dass ein bewaffnetes Erscheinen der Westalliierten auf dem Kontinent für ihr Ansehen jetzt immer wichtiger, wenn auch voraussichtlich nicht einfacher werde. »Wenn Russland den Krieg allein gewinnt, so wird es auch am Friedenstisch allein dominieren«, hieß es warnend in der New York Post vom 10. Februar 1943. Die antisowjetischen Kräfte gar zeigten alles andere als Begeisterung für die sowjetischen Erfolge.

Roosevelt und Churchill trafen sich vom 14. bis 26. Januar 1943 in Casablanca (Französisch-Marokko), um die Lage in Europa und Afrika sowie im Pazifik zu erörtern. Der Krieg gegen Deutschland spielte hier eine zentrale und nicht zum wenigsten umstrittene Rolle. Eine früher für 1943 zugesagte alliierte Invasion in Westeuropa sahen die militärischen Stäbe nicht mehr vor. Churchill und Roosevelt versuchten nach der Konferenz, dem empörten Stalin ihren Wortbruch zu erklären. Ihre Hauptargumente waren die japanischen Eroberungen und schweren Kämpfe auf dem pazifischen Kriegsschauplatz und die Schwierigkeiten der Vorbereitung einer Invasion in Westfrankreich, die beide umfangreiche See- und Luftrüstungen erforderlich machten.

Bestimmte Erklärungen auf der Casablanca-Konferenz sollten offensichtlich als Ausgleich dafür dienen, dass jenes wichtigste Anliegen der UdSSR, nämlich die Eröffnung der zweiten Front, mindestens ein Jahr aufgeschoben wurde. Zu nennen ist zuallererst die Absicht, die deutsch-italienischen Truppen aus Nordafrika durch gemeinsame Offensivanstrengungen von Osten (Ägypten) und Westen her (Französisch-Westafrika) zu verdrängen und baldmöglichst nach Italien (Sizilien) überzusetzen. Ferner sollte der Bombenkrieg gegen Deutschland in Zukunft intensiviert und konzentriert, nicht zuletzt gegen die innerdeutsche Wirtschaft, geführt werden. Die strategischen Angriffe der US-Langstrecken-Bomberflotten setzten ostentativ im Januar mit einem Tagesgroßangriff gegen Wilhelmshaven ein.

Eine Frage, die häufig zu Beschwerden des sowjetischen Oberkommandos Anlass gab, war die Unregelmäßigkeit, Unsicherheit und Verspätung der Lend-Lease-Hilfslieferungen an die UdSSR, die 1942 und noch 1943 stockend anliefen und zu dieser Zeit wertmäßig nicht mehr als etwa 20 Prozent der US-amerikanischen Gesamtlieferungen ausmachten. Nach Casablanca setzten die Lieferungen über die damals wichtigste Nordroute über Murmansk viele Monate lang ganz aus.

Roosevelt hatte sich schon einige Zeit, auch gegen Widerstand aus den eigenen Reihen, für einen baldigen Schlag in Westeuropa gegen Hitlerdeutschland eingesetzt (»Germany first«). Am 24. Januar 1943 trat er in Casablanca auf der abschließenden Pressekonferenz mit der Formel von der »bedingungslosen Kapitulation« hervor, die er offenbar nur mit dem State Department abgestimmt hatte. Diese »einfache Formulierung der Kriegsziele« könne »allem Ermessen nach den Weltfrieden für Generationen sichern«. Sie bedeute »die Zerstörung einer Weltanschauung in Deutschland, Italien und Japan, die auf der Eroberung und Unterjochung anderer Völker beruht«. Diese Formulierung wurde von sowjetischer Seite begrüßt und spielte eine wichtige Rolle bei der Festigung der Antihitlerkoalition.


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Polen »verschieben«

Eines der schwierigsten Probleme, das 1943 erhebliche Spannungen in das Verhältnis innerhalb der Antihitlerkoalition brachte, war das der polnischen Nachkriegsgrenzen. Im April 1943 waren im Gebiet Smolensk bei Katyn die Leichen von über 4000 offensichtlich im Jahr 1940 erschossenen polnischen Offizieren von den Deutschen ausgegraben worden. Seitdem war die Urheberschaft dieser Untat umstritten; sie wird aber heutzutage den stalinschen Organen zugeschrieben.

Die polnische Exilregierung in London brach alle offiziellen Verhandlungen mit Moskau ab, obwohl die Rote Armee der polnischen Grenze südlich von Brest im Laufe des Jahres immer näher kam. Churchill hielt die dramatische Situation für lösbar und blieb später in Teheran mit seinem Vorschlag ohne Widerspruch, Polen zu »verschieben«. Zur Empörung der Exilpolen schlug er als Ostgrenze Polens die alte Curzon-Linie seines damaligen Kabinettskollegen ­George Curzon aus dem Jahr 1920 vor, die sich nun aber wesentlich mit der deutsch-sowjetischen Grenze vom August 1939 deckte. Als Äquivalent dachte Churchill an eine Verschiebung der polnischen Westgrenze bis an die Oder, unter Einschluss Ostpreußens.

Diese geplante Operation am offenen Leib Polens schuf eine Art »Cordon sanitaire« gegen künftige Gefahren, die von Deutschland ausgehen könnten. Sie war für die damalige polnische Exilregierung nicht annehmbar. Aber Churchills »Teheraner Formel« fand Stalins Zustimmung. Roosevelt verhielt sich in der Frage der polnischen Grenzen zurückhaltend.

Er blieb daran interessiert, sich überhaupt für spätere Friedensverhandlungen in Europa die Hände freizuhalten. Später sollte sich zeigen, wieviel politischer Zündstoff sich in dem Problem der Wiederherstellung Polens verbarg; die reaktionären Kräfte, die in der polnischen Exilregierung dominierten, stützten sich außenpolitisch vorwiegend auf die antisowjetischen Sympathisanten in den USA und Großbritannien.

Die gewaltigen Erfolge der Roten Armee in der Ukraine drängten die Westalliierten zur Beschleunigung des Eingreifens in Westeuropa. Roosevelt verband damit die Anwartschaft der USA auf die politische und strategische Führerschaft im westlichen Bündnis, was freilich nicht im Sinne Churchills war, dem eine solche Rolle im europäischen und afrikanischen Raum, wenigstens nach errungenem Sieg, für das britische Weltreich vorschwebte.

»Totaler Krieg«

Nach Stalingrad und der Landung der Alliierten in Italien war die deutsche Niederlage militärisch mit Händen zu greifen. In der deutschen Generalität sahen nur einige wenige ein schreckliches Ende voraus. In ihrer Masse blieben die Generale und Marschälle Kreaturen Hitlers, gewissenlose Ehrgeizlinge, die ihre Verbrechen – Massenmorde, »verbrannte Erde« – im fremden Land fortsetzten und deren Renommee sich nur noch vom sinnlosen Blutvergießen – fremden und deutschen Blutes – herleitete. Bis zum Exzess chauvinistisch und antikommunistisch widmeten sie die Reste ihrer militärischen Begabung ausschließlich der Vernichtung fremden Lebens und der Verlängerung des eigenen.

Deutschland war 1943 militärisch und wirtschaftlich noch eine starke, gefährliche Macht. Die Ostfront blieb die entscheidende Front, die das ganze Jahr hindurch die Masse der Divisionen fesselte und in immer härteren Kämpfen verschliss. Aber auch der europäische Süden und der inva­sionsgefährdete Westen und Norden verlangten Divisionen auf Divisionen, ferner Kräfte und Material für Verteidigung und Küstenschutz. »Die Personalfrage«, erklärte Hitler Generalfeldmarschall Erich von Manstein am 11. März, »ist unsere größte Sorge und das weitaus ernsteste Problem«.

Mit einigem Recht kann der Historiker im Nachhinein urteilen, dass Hitler seit Stalingrad und dem Fiasko in Nordafrika und in Italien nicht mehr Herr der Lage war und, mehr oder weniger im Wahn krankhafter Überforderung, an einem beschleunigten Weg in den Untergang festhielt, der noch Millionen an Opfern auf beiden Seiten fordern sollte. Die Mittel, über die das Regime noch 1943 zu verfügen schien, bildeten eine beängstigende militärische Macht, die, bis auf die Luftabwehr, noch weit von den deutschen Grenzen entfernt operieren konnte; ferner eine weitgehend intakte Rüstungsindustrie. Rüstungsminister Albert Speer und die mit seiner Regierungsbehörde fest verbundene Großindustrie versprachen dem »Führer« sogar, eine neue, unschlagbare U-Boot-Generation zu schaffen, und arbeiteten an der Entwicklung wirksamer Abwehrwaffen gegen die alliierten Bomberflotten. In engem Bündnis mit Innenminister Heinrich Himmler waren Speer und Hitler sich ihrer Gewalt über die Millionen von Zwangsarbeitern und KZ-Häftlingen im Reich sicher. Himmler und die SS beteiligten sich selber an der Unter-Tage-Verlagerung und an der Aufstellung der sogenannten Vergeltungswaffen.

Europäischer Widerstand

Mit dem Sieg von Stalingrad und der fortschreitenden Befreiung des Sowjetlandes begann im übrigen Europa eine neue Ära antifaschistischen Befreiungskampfes. Er ergriff jetzt breitere Bevölkerungskreise in ganz Europa, geführt von nationalen Befreiungs- und kommunistischen Widerstandsorganisationen (Frankreich, Jugoslawien, Griechenland, Polen, Italien), die mitunter in direkter Verbindung mit der Moskauer Regierung und der Roten Armee standen und Waffenhilfe erhielten.

Weltweit bekannt wurden Aktionen wie der Aufstand im Warschauer Ghetto, die Rettung der Mehrheit der dänischen Juden vor Deportation und Vernichtung, die Verhinderung von Produktion und Lieferung norwegischen Schweren Wassers für die geplante deutsche Atombewaffnung und der Kampf gegen den deutschen Eisenbahntransport in Frankreich und Belgien in den Monaten bis zur Invasion.

An dem Befreiungskampf der Roten Armee hatten die sowjetischen Partisanen inzwischen einen entscheidenden Anteil. Berühmt wurde die umfassende Zerstörung von wichtigen Eisenbahnverbindungen und Nachschublinien (»Schienenkrieg«). Der Kampf gegen die Partisanen band 1943 außer den dafür bereitgehaltenen Hunderten von SS-, SD- und Polizeieinheiten eine halbe Million Soldaten als Hilfstruppen und durchschnittlich etwa zehn bis 15 Prozent der Heerestruppen.

So waren der gesamteuropäische Widerstand und die kämpfenden sowjetischen Partisanen während des Jahres 1943 und im Frühjahr 1944 außer den Fronttruppen selbst die wichtigste und wirksamste Kraft der Antihitlerkoalition.


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NEUER BEITRAG10.07.2023, 20:38 Uhr
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arktika

NEUER BEITRAG10.07.2023, 22:01 Uhr
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arktika

80 J. Schlacht im Kursker Bogen In der UZ vom 7. Juli findet sich auf der Kommentarseite ein kurzer Text von Manfred Sohn, der einen Bezug zwischen der damaligen Niederlage der deutschen Nazis zur heutigen Situation in der Ukraine herstellt. Deshalb lesenswert! Er stellt klar, was damals die 'Tiger' waren, sind heute die 'Leoparden' ... und genauso siegreich. ... aber als Bettvorleger finde ich beide sehr schick, wenn auch aus Tierschutzgründen nicht mehr angemessen.

Zum 80. Jahrestag der Schlacht am Kursker Bogen
Offensive und Defensive


Am 5. Juli 1943 begann die Schlacht am Kursker Bogen. Sie endete mit einer Niederlage der Wehrmacht, die danach zu keiner großen Offensivoperation mehr in der Lage war. Sie ist von allen russischen und wenigsten älteren ukrainischen Offizieren gründlich studiert worden. Sie alle wissen um eine Besonderheit dieser blutigen Sommertage, die im „Militärhistorischen Abriss“ über den Zweiten Weltkrieg, der im Militärverlag der DDR erschienen ist, mit den Worten zusammengefasst wurde: „Trotz der gewachsenen Stärke der Sowjetarmee … entschloss sich die sowjetische Führung, vorübergehend auf eine offensive Kriegsführung zu verzichten und den gegnerischen Stoß in einem frühzeitig ausgebauten, tiefgegliederten Stellungssystem zu erwarten. Erst nach der Abnutzung der faschistischen Stoßgruppierungen sollte … eine energische Gegenoffensive eröffnet werden.“ Die Rote Armee war an Männern und Material überlegen. Aber sie griff nicht an. Sie wartete auf den Angriff der unterlegenen Seite. Ihr Kalkül war, dass der Blutzoll der Angreifer höher sein würde als der der Verteidiger.

Auch die faschistische Wehrmacht kannte seit Stalingrad sowohl ihre Schwäche als auch die Stärke des Gegners. Aber sie ließ sich blenden von der scheinbaren Überlegenheit ihrer neuen Waffen – den erstmals zu Hunderten eingesetzten Kampfpanzern „Tiger“ und „Panther“ und ihren raffinierten neuen Fliegerbomben „SD 1“ und „SD 2“. Sie glaubte, ihre zahlenmäßige Unterlegenheit durch überlegene Technik und eine herbeiphantasierte höhere Kampfmoral ausgleichen zu können.
So sich selbst anfeuernd, rannten die objektiv unterlegenen Herrenmenschen zu Zehntausenden in ihr Verderben, um anschließend Hunderte von Kilometern zurückgeworfen zu werden.

Geschichte wiederholt sich nicht. Aber kennen darf man sie schon. Die dürren Hoffnungen einiger NATO-Strategen, die Konflikte zwischen der russischen Regierung und ihren Söldnertruppen werde die Truppen im Donbass und im Vorfeld der Krim so schwächen, dass die seit Frühjahr herbeigetrommelte Offensive der Kiewer Truppen gelingen würde, haben sich inzwischen verflüchtigt. Diese Truppen verbluten trotz ihrer „Leoparden“ vor den Verteidigungslinien – wie vor 80 Jahren deutsche Truppen trotz ihrer „Tiger“.


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NEUER BEITRAG15.07.2023, 00:15 Uhr
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FPeregrin

80 J. Schlacht im Kursker Bogen jW heute:

Die größte Schlacht

Am 17. Juli 1943 begann die zweite Etappe der Schlacht im Kursker Bogen: Die Gegenoffensive der Roten Armee. Aus den Erinnerungen des Marschalls der Sowjetunion Georgi Schukow

Auszug aus: Georgi Konstantinowitsch Schukow: Erinnerungen und Gedanken. Deutscher Militärverlag, Berlin 1970, Seiten 132–145

Am 16. Juli 1943 war die »Operation Zitadelle« der faschistischen Wehrmacht in der Schlacht am Kursker Bogen elf Tage nach Beginn gescheitert. Am 17. Juli rückten starke Aufklärungsabteilungen der Roten Armee vor, am 18. Juli befahl das sowjetische Oberkommando den Übergang zur Gegenoffensive. Schukow schreibt dazu:

Der grundlegende Plan unserer Gegenoffensive, schon im Mai ausgearbeitet und vom Obersten Befehlshaber bestätigt, wurde im Laufe der Verteidigungsschlacht korrigiert und mehrfach im Hauptquartier beraten. Das war der Plan für die zweite Etappe der Zerschlagung des Gegners im Raum Orjol–Belgorod–Charkow, also ein Teilstück des Plans für den gesamten Sommerfeldzug 1943. (…)

Am 23. Juli erreichten unsere Truppen die Linie nördlich von Belgorod und eroberten die Verteidigungsstellungen, die die Woronescher Front bis zum 5. Juli gehalten hatte, im wesentlichen wieder zurück. Wir beschlossen nach der Beratung der Lage mit den Oberkommandos der Fronten, dem Generalstab und dem Obersten Befehlshaber, die Truppen anzuhalten und sie gründlich auf den Übergang zu einer großangelegten Gegenoffensive vorzubereiten. (…)

Die Gegenoffensive im Raum Belgorod begann am Morgen des 3. August. Von der Aufklärung war festgestellt worden, dass der Gegner für die Verstärkung seiner Gruppierung im Raum Belgorod–Charkow eilig Panzer- und motorisierte Divisionen von anderen Richtungen und beträchtliche Ergänzungen zusammenzog. (…)

Am 5. August, 6.00 Uhr, drang das 270. Gardeschützenregiment der 89. Gardeschützendivision als erstes in die Stadt (Belgorod) ein, ihm folgten Verbände der 305. und der 375. Schützendivision. (…) Am Abend des 5. August wurde in Moskau zu Ehren der ruhmreichen Truppen der Brjansker, der West- und der Zentralfront, die Orjol befreit hatten, und zu Ehren der Truppen der Steppen- und der Woronescher Front, die Belgorod dem Gegner entrissen hatten, Salut geschossen. Das war der erste Artilleriesalut im Großen Vaterländischen Krieg für Kampferfolge der sowjetischen Truppen.

Die Stimmung der Soldaten hob sich zusehends, die Gesichter strahlten vor Freude; Kühnheit und Glauben an die eigene Kraft sprachen aus ihnen. (…)

Am 11. August überquerten Truppenteile der 1. Panzerarmee die Bahnlinie Charkow–Poltawa. Die Heeresgruppe Süd musste ihre letzten Reserven zusammenraffen und in den Raum Achtyrka werfen, um die 4. Armee vor dem unvermeidlichen Untergang zu retten.

Der Gegner befürchtete, seine Charkower Gruppierung könnte eingeschlossen werden, und zog drei Panzerdivisionen – »Totenkopf«, »Wiking« und »Das Reich« – zusammen. Am 11. August führte er einen Gegenstoß gegen die 1. Panzerarmee und die Truppenteile der 6. Gardearmee. Diese geschwächten Truppen hielten nicht stand und begannen den Rückzug auf günstigere Linien. (…) Mehrere Tage lang tobten erbitterte Kämpfe. Mit vereinten Kräften wurde der Gegner schließlich am 16. August gegen Ausgang des Tages zum Stehen gebracht. (…)

Bis zum 22. August verstärkten sich unsere Angriffe um Charkow immer mehr. Um einer Einschließung zu entgehen, begann der Gegner am 22. August zu räumen. Am 23. August verließen seine Nachhuten die Stadt, und die Truppen der Steppenfront marschierten in Charkow ein, von den Einwohnern mit Jubel begrüßt. (…)

Welche Ergebnisse brachte die Kursker Schlacht?

50 Tage währte diese größte Schlacht unserer Truppen. Sie wurde mit dem Sieg der Roten Armee gekrönt, die 30 deutsche Elitedivisionen zerschlug, davon allein sieben Panzerdivisionen. Diese Divisionen verloren mehr als die Hälfte ihres Bestandes. (…)

Die Zerschlagung der faschistischen deutschen Truppen bei Kursk besaß größte internationale Tragweite und erhöhte das Ansehen der Sowjetunion noch mehr. Das Gespenst der unvermeidlichen Katastrophe schwebte über dem faschistischen Deutschland. Die Niederlage zwang die Faschisten, im Sommer 1943 allein 14 Divisionen und bedeutende Verstärkungstruppen von anderen Fronten an die sowjetisch-deutsche Front zu verlegen und die Fronten in Italien und Frankreich wesentlich zu schwächen.

Der Versuch, der Sowjetarmee die strategische Initiative zu entreißen, endete mit dem völligen Fiasko; von diesem Augenblick an bis zum Ende des Krieges konnten die faschistischen Truppen nur noch Verteidigungskämpfe führen. Das war ein Ausdruck der Erschöpfung. Der Ausgang des Kampfes war nur noch eine Frage der Zeit. (…)

Der Sieg der Sowjettruppen bei Kursk, Orjol und Charkow wurde durch die sowjetischen Partisanen, die im Rücken des Gegners kämpften, in vieler Hinsicht gefördert. Einen besonders großen »Schienenkrieg« führten die Partisanen in Belorussland sowie den Gebieten Smolensk, Orjol und im Dneprgebiet.


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