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Zwangsarbeit, Raub, Mord
  ARTIKEL[1 pic] begonnen von GFP am 12.04.2009
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NEUES THEMA12.04.2009, 08:45 Uhr
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• Zwangsarbeit, Raub, Mord HERZOGENAURACH/KIETRZ (27.02.2009) - Die Schaeffler Gruppe rĂ€umt bislang verschwiegene KriegsgeschĂ€fte ihrer FirmengrĂŒnder im NS-Reich ein. Demnach geht der heutige Konzern nicht nur auf ein VorgĂ€ngerunternehmen zurĂŒck, das 1940 billig zu erwerben war, weil sein jĂŒdischer EigentĂŒmer hatte fliehen mĂŒssen. Die Maschinen, mit denen die Schaefflers nach Kriegsende ihre UnternehmertĂ€tigkeit fortfĂŒhrten, entstammten zudem der RĂŒstungsproduktion fĂŒr die Wehrmacht. WĂ€hrend des Zweiten Weltkriegs beutete die Unternehmerfamilie schließlich auch polnische, sowjetische und französische Zwangsarbeiter aus. Dies ist einem Gutachten des Historikers Gregor Schöllgen zu entnehmen. Es bestĂ€tigt kĂŒrzlich publizierte Recherchen dieser Redaktion. Unklarheit herrscht nach wie vor ĂŒber die Frage, ob GeschĂ€ftskontakte der frĂŒheren Schaeffler AG aus Katscher (heute Kietrz) zum Vernichtungslager Auschwitz bestanden. WĂ€hrend Schöllgen keine Belege dafĂŒr gefunden haben will, berichten polnische Historiker, nach dem Abzug der deutschen Truppen aus Katscher sei in einer dortigen "Schoeffler AG" mit Giftgas kontaminiertes Menschenhaar sichergestellt worden. german-foreign-policy.com veröffentlicht AuszĂŒge aus den Berichten.

ErgĂ€nzungsbedĂŒrftig

Mit einer Stellungnahme vom Mittwoch dieser Woche reagiert die Schaeffler Gruppe auf kĂŒrzlich publizierte Recherchen dieser Redaktion.1 Wegen angeblich "falscher Unterstellungen" trete man nun mit ausfĂŒhrlichen Berichten ĂŒber die Unternehmensgeschichte an die Öffentlichkeit, erklĂ€rt ein Firmensprecher.2 Allgemein zugĂ€nglich ist jetzt eine vierseitige Studie des Historikers Gregor Schöllgen, die in der jĂŒngsten Ausgabe einer Publikumszeitschrift erschienen ist.3 TatsĂ€chlich bestĂ€tigt die Studie weitestgehend die Recherchen von german-foreign-policy.com. Wie inzwischen aus Firmenkreisen verlautet, werde die Schaeffler Gruppe womöglich ihre offizielle Darstellung der Unternehmenshistorie um die Vorgeschichte in der NS-Zeit ergĂ€nzen mĂŒssen.4

JĂŒdisches Eigentum

Schöllgen bestĂ€tigt in seiner Studie die jĂŒdische Vergangenheit der ehemaligen Schaeffler AG. Im Mittelpunkt steht die 1850 in Berlin gegrĂŒndete Firma "David und Co.", die 1907 im schlesischen Katscher (heute Kietrz) eine Teppichproduktion eröffnete und dort zwischen 1929 und 1931 mit mehreren Übernahmen expandierte. Der jĂŒdische Firmenbesitzer Ernst Frank sah sich nach dem Beginn der NS-Herrschaft zur Flucht gezwungen. Seine Firma geriet unter dem Namen "Davistan AG" unter die Kontrolle eines Bankenkonsortiums, darunter die Dresdner Bank, deren Angestellter Wilhelm Schaeffler sie im Oktober 1940 mit zunĂ€chst 67 Prozent der Anteile ĂŒbernahm. Der Preis habe "gut 30 Prozent unter dem Nominalwert" gelegen, schreibt Schöllgen.5 Die Davistan AG wurde 1942 in "Schaeffler AG" umbenannt.

RĂŒstungsproduktion

Schöllgen bestĂ€tigt weiter die umfangreiche Schaeffler'sche RĂŒstungsproduktion. Demnach erhielt die Unternehmerfamilie seit 1942 AuftrĂ€ge von der Wehrmacht, die zunĂ€chst ein "AbwurfgerĂ€t" fĂŒr die Luftwaffe, spĂ€ter dann auch "Panzerkampfwagen und SturmgeschĂŒtze", "Flugzeugbomben und BehĂ€lter dazu" und Maschinenteile in Katscher bestellte.6 Wichtig wurden besonders Nadellager fĂŒr Panzerketten, die auch anderweitig einsetzbar waren und fĂŒr die Schaefflers zur Grundlage ihres Nachkriegserfolges wurden - dieser basierte auf Nadellagern fĂŒr die deutsche Automobilindustrie, aber auch fĂŒr die US-StreitkrĂ€fte. Schöllgen bestĂ€tigt die EinschĂ€tzung dieser Redaktion: "Grundlage fĂŒr den Erfolg (der Schaeffler Gruppe nach dem Zweiten Weltkrieg, d. Red.) sind nicht zuletzt die aus Katscher geretteten Maschinen und Materialien, eine Reihe von Mitarbeitern, die den Schaefflers aus Oberschlesien gefolgt sind, und das Know-how in der Industrienadelfertigung."

Zwangsarbeiter

Mit seiner Studie erweitert Schöllgen den bisherigen Kenntnisstand vor allem hinsichtlich der von den Schaefflers eingesetzten Zwangsarbeiter. Deren genaue Zahl und ihr Status ließen sich "trotz intensiver Recherchen nicht mehr ermitteln", schreibt der Historiker: "Sicher" sei jedoch, dass sich die Schaeffler'sche RĂŒstungsproduktion polnischer, französischer und sowjetischer Zwangsarbeiter bedient habe. Schöllgen hĂ€lt es allerdings fĂŒr "gesichert", "dass sich Wilhelm Schaeffler gegenĂŒber 'Polen, Juden und AuslĂ€ndern' stets 'korrekt' verhalten" habe.7 Dies hĂ€tten "nach dem Krieg mehrere Betroffene (...) ĂŒbereinstimmend zu Protokoll gegeben".

Menschenhaar

WĂ€hrend Schöllgen entlastenden Aussagen der ehemaligen Zwangsarbeiter große Bedeutung beimisst, fehlt eine WĂŒrdigung mancher belastender Augenzeugenberichte. Dabei geht es vor allem um die Frage möglicher GeschĂ€ftsbeziehungen der Schaefflers zum Vernichtungslager Auschwitz. Polnische Historiker berichten, dass nach dem Abzug der Wehrmacht aus Katscher in einer dortigen Fabrik große Mengen Menschenhaar gefunden wurden - ungefĂ€hr 1.950 Kilogramm. Dies entspricht laut Berechnungen von Wissenschaftlern dem Haar von 40.000 Menschen. An den in Kietrz sichergestellten Haaren konnten Wissenschaftler Spuren von Zyanwasserstoff nachweisen; Zyanwasserstoff war Bestandteil des Giftgases ("Zyklon B"), mit dem die Nazis ihre Opfer in den Gaskammern ermordeten.8

Nicht geklÀrt

Das Staatliche Museum Auschwitz-Birkenau gibt den Namen des Betriebes, in dem das offenbar aus Auschwitz stammende Menschenhaar gefunden wurde, mit "Teppichfabrik G. Schoeffler AG" an. Eine "Schoeffler AG" ist fĂŒr Katscher nicht belegt, sehr wohl jedoch die Schaeffler AG. Einen Hinweis darauf, dass die "Schoeffler AG" mit der Schaeffler AG identisch sein könnte, liefern Angaben ĂŒber die Verstaatlichung der Textilindustrie in Kietrz. Sowohl fĂŒr die vermeintliche "Schoeffler AG" als auch fĂŒr die "Schaeffler AG" wird als Nachkriegsname "Śląskie Zakłady Pluszu i Dywanow" angegeben. Eine prĂ€zise AufklĂ€rung zu dieser Frage bleibt Schöllgen nicht nur schuldig, er behauptet sogar, es gebe "keine Belege" fĂŒr den Verdacht: "Vor allem hat sich bislang in keinem der systematisch durchforsteten deutschen Archive im Zusammenhang mit der Firma Schaeffler auch nur ein Hinweis auf Auschwitz oder gar auf Lieferungen von Haarballen gefunden. Das gilt sowohl fĂŒr das Firmenarchiv als auch fĂŒr das Archiv der Dresdner Bank oder das Bundesarchiv".9 Ein Blick in die einschlĂ€gige Fachliteratur ĂŒber Menschenverwertung in Auschwitz hĂ€tte dabei schon genĂŒgt, um Hinweise zu finden; german-foreign-policy.com dokumentiert Quellen.10

Nicht erzÀhlt

Unklar bleibt auch, welcher Vergehen sich FirmengrĂŒnder Wilhelm Schaeffler bei seiner sonstigen TĂ€tigkeit im besetzten Polen schuldig gemacht hat. Wie Schöllgen berichtet, war Schaeffler vom 22. November 1946 bis zum 23. Juli 1951 in Polen in Haft. Die polnische Justiz warf ihm vor, "zugunsten des Deutschen Reiches" und "im Auftrag der deutschen Regierung" an der "Liquidierung des dem polnischen Staat und den polnischen BĂŒrgern gehörenden Besitzes" beteiligt gewesen zu sein; spĂ€ter hieß es, dies habe auch "jĂŒdisches Eigentum" betroffen. "Dieser Ereignisstrang (...) ist erforscht, wenn auch nicht in allen Aspekten rekonstruierbar, und bildet eine eigene Geschichte", schreibt Schöllgen.11 Diese Geschichte aber erzĂ€hlt er nicht.


Anmerkungen:
1 s. dazu Vom Ursprung deutschen Reichtums Link ...jetzt anmelden!' target='blank [auf Link ...jetzt anmelden! hier lesen index.php?show=article&id=840.]
2 Kriegsprofiteur. Schaeffler legt Nazi-Vergangenheit offen; Welt online 25.02.2009
3 Gregor Schöllgen: Schaefflers dunkler Schatten; Cicero, MÀrz 2009
4 Kriegsprofiteur. Schaeffler legt Nazi-Vergangenheit offen; Welt online 25.02.2009
5, 6, 7 Gregor Schöllgen: Schaefflers dunkler Schatten; Cicero, MÀrz 2009
8 s. dazu Vom Ursprung deutschen Reichtums Link ...jetzt anmelden!' target='blank [auf Link ...jetzt anmelden! hier lesen index.php?show=article&id=840.]
9 Gregor Schöllgen: Schaefflers dunkler Schatten; Cicero, MÀrz 2009
10 s. dazu Indizien Link ...jetzt anmelden!' target='blank
11 Gregor Schöllgen: Schaefflers dunkler Schatten; Cicero, MÀrz 2009

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