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Was sind eigentlich Spareinlagen?
  ARTIKEL[1 pic] begonnen von dagobert am 10.10.2008  | 5 Antworten
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NEUES THEMA10.10.2008, 03:05 Uhr
Nutzer / in
dagobert

• Was sind eigentlich Spareinlagen? Was sind eigentlich Spareinlagen? Also, ich kenne Einlagen aus meiner Kindheit. Die wurden mir in die Schuhe gelegt und waren ziemlich unbequem. Ich sollte damit laufen, damit ich keinen schiefen Gang kriegte oder der schon schiefe Gang sollte wieder weg, geholfen hat es glaube ich nicht viel. Also das waren Einlagen - sind Spareinlagen dann vielleicht die aktuelle Version dieser Einlagen, nur eben die Sparausgabe aufgrund der ungefĂ€hr 17 Gesundheitsreformen, die seitdem durchgezogen wurden? Könnte sein, aber was sind dann Termineinlagen und Sichteinlagen? Die modische Variante? Ich frage mal meinen Kumpel Sascha und gehe zu ihm rĂŒber. Zu Besuch ist gerade sein kleiner Bruder Kai, der liest gerne Harry Potter und macht seit etwas mehr als einem Jahr eine Ausbildung bei der hiesigen Sparkasse. Er konnte mir die Frage beantworten: Spar-, Sicht, Termineinlagen usw. sind keine Gesundheitsinstrumente, sondern Bezeichnungen fĂŒr Geld, was man bei zum Beispiel „seiner“ Sparkasse „anlegen“ kann. Dann bekommt man Zinsen dafĂŒr gutgeschrieben. Kai findet ĂŒbrigens, ich sollte eher „unsere“ Sparkasse sagen, weil eigentlich ist die Sparkasse eine Einrichtung der Stadt und gehört sozusagen allen BĂŒrgern, die hier wohnen. Das findet er schön und deshalb arbeitet er so gerne da. Und Kai wĂ€hlt SPD, denn die sorgen dafĂŒr, dass die Sparkasse immer unsere Sparkasse bleibt. Wenn er in die SPD eintreten wĂŒrde, könnte er wahrscheinlich sogar immer bei der Sparkasse arbeiten.

Da erinnerte ich mich, dass meine Oma frĂŒher auch immer ihr Geld bei der Sparkasse „angelegt“ hat. Eigentlich mĂŒsste es wohl eher eingezahlt statt angelegt heißen. Denn meine Oma hat das Geld ja nicht an die Sparkasse herangelegt, sondern eben zur dortigen Kasse gebracht. Dann war es weg, denn Gespartes wieder abheben, das macht man nicht. Gespartes hebt man auf fĂŒr schwere Zeiten, oder zumindest fĂŒr den FĂŒhrerschein. Und da ich noch einige Jahre bis zum FĂŒhrerschein hatte damals, blieb das Geld bis dahin im Keller der Sparkasse. Meine Oma kriegte dann auch Zinsen dafĂŒr und zu Weihnachten immer eine Einladung zum Kuchenessen in der Halle der Sparkasse. Am Weltspartag (das ist immer der 30.Oktober, zumindest in Deutschland, anderswo ist es wohl der 31., aber die Welt könnte sich eigentlich mal etwas mehr nach uns richten, findet Kai) jedenfalls, ging meine Oma immer extra mit mir zur Sparkasse und zahlte aus dem Sparschwein etwas ein. Kai findet den Weltspartag auch gut, weil die Kinder dadurch gut lernen mit Geld umzugehen, was ja wichtig ist. Am Weltspartag arbeitet Kai dann immer freiwillig etwas lĂ€nger - und in ein paar Wochen ist es wieder soweit.

Allerdings könnte es dieses Jahr sein, dass der Weltspartag ausfĂ€llt. NĂ€mlich dann, wenn es bis dahin zu einer Kernschmelze des Finanzsystems kommen sollte. Kai hat ein bisschen Angst davor, aber er hĂ€lt es fĂŒr sehr unwahrscheinlich. Sein Ausbildungsleiter - der ĂŒbrigens sehr nett ist und ein bisschen so aussieht wie unser BundesprĂ€sident Horst Köhler - hat Kai und seinen Mit-Auszubildenden das extra ausfĂŒhrlich erklĂ€rt, was da gerade passiert. Ich hatte jetzt schon wieder was Falsches gedacht. Kernschmelze kenne ich noch aus der Zeit, als ich immer gegen die Castortransporte demonstriert habe. Damit es keine Kernschmelze gibt, wollten wir, dass alle Atomkraftwerke sofort abgeschaltet werden. Bei diesem Finanzschmelz ist das aber schwieriger. Denn der Schmelz kommt dann wohl erst recht, wenn man jetzt zum Beispiel die Sparkasse von Kai abschalten wĂŒrde. Das mit dem Schmelzen der Sparkasse hat ĂŒbrigens nichts mit der dortigen Heizung zu tun. Die ist total neu und ökologisch mit so 'nem kleinen Brenner nur und lĂ€uft einwandfrei von Ende Oktober bis Anfang April, manchmal auch noch ein paar Tage lĂ€nger, immer wie warm es ist. Da kĂŒmmert sich der Vater von Kais Mit-Auszubildendem drum, der ist da Hausmeister bei der Sparkasse.

Also diese Finanzschmelze, die den Weltspartag ausfallen lassen wĂŒrde, entsteht dadurch, wenn die Leute ihr Gespartes nicht im Keller der Sparkasse lassen, sondern wiederhaben wollen, was man laut meiner Oma eben nicht macht (wenn es nicht wirklich dringend ist). Das findet Kai auch. Wenn die Leute aber ihr Geld wieder abholen, dann fĂ€ngt's an zu schmelzen. Ganz langsam natĂŒrlich. Das hat der Ausbilder von Kai auch gesagt. Und damit das nicht passiert, hat er ihnen genau erklĂ€rt, was sie sagen sollen, wenn Leute kommen und ihr Geld haben wollen. Eigentlich hĂ€tte Kai jetzt Berufsschule und mĂŒsste nicht arbeiten. Aber weil das im Moment eben so eine wichtige Sache ist, geht er nach der Schule mit allen anderen noch in die Sparkasse arbeiten und hilft den Kollegen. Kai redet dann mit Leuten, die ihr Geld haben wollen und erklĂ€rt ihnen die Institutshaftung der Sparkasse und dass sie keine Angst haben brauchen. Das mit der Haft in der Sparkasse ist ĂŒbrigens kein kleines GefĂ€ngnis im Keller (neben dem Geld der Leute), wo die eingesperrt werden, die gleich alles Geld haben wollen oder gelogen haben, weil sie zum Beispiel sagen, sie brauchen das Geld um sich ein Auto zu kaufen (was aber dann gar nicht stimmt, weil sie ja gerade ein Neues haben!).

Diese Institutshaftung hatte Kai schon mal in der Berufsschule. Da hat er gut aufgepasst, weil das total wichtig ist, wie man jetzt sehen kann. Das bewirkt, wenn jetzt zum Beispiel eine Sparkasse schmilzt, dass die Leute dann ihr Geld aus dem Keller einer anderen Sparkasse trotzdem wiederkriegen. Also da sind sozusagen alle Sparkassen zusammen und haben versprochen sich zu helfen, wenn es mal schmilzt. Beziehungsweise - wie Kai sagt - ist das Schmelzen eigentlich kein Schmelzen, sondern eher ein Austrocknen. Alle holen ihr Geld und dann können die Kollegen von Kai aus der Kreditabteilung kein Geld mehr verleihen. Und wenn sie nichts verleihen, nennt man das „auf dem Trockenen“ sitzen. Also erst trocknen sie aus und dann schmilzt die Sparkasse. Das klingt mindestens so gefĂ€hrlich und unverstĂ€ndlich wie ein Atomkraftwerk, finde ich jedenfalls. Also Kai erklĂ€rt den Leuten, dass sie ihr Geld ruhig dalassen sollen und verspricht, dass er und seine Kollegen weiter gut drauf aufpassen. Da er jetzt immer seinen schönen Anzug dafĂŒr anzieht, klappt das auch manchmal. Manchmal aber auch nicht. Dann muss Kai seinen Chef fragen, ob er dem, der sein Geld haben will, mehr Zinsen anbieten darf, damit er es doch hier lĂ€sst. Das findet Kai aber eigentlich nicht gut, weil das ungerecht ist gegenĂŒber den Leuten, die ihr Geld einfach so hier lassen und Kai, seinem Anzug und der Haft in der Sparkasse vertrauen.

Heute hatte Kai so einen ganz komischen Mann am Schalter. Der redete kompliziert und viel lĂ€nger und hĂ€rter als sein Ausbildungsleiter, der aussieht wie Horst Köhler. Trotzdem hat Kai zugehört. Der Mann meinte, dass die Zinsen und ĂŒberhaupt alles was so Gewinn ist beim Kapital anlegen eigentlich von denen kommt, die arbeiten mĂŒssen. Und deshalb sollten die das eigentlich besser auch gleich kriegen, dann wĂŒrde die Sparkasse auch nicht schmelzen. Und dann wĂŒrde es auch nur die Sparkasse geben und nicht noch auch die Deutsche Bank und die anderen, wo die Doofen aus Kais Berufsschulklasse so herkommen. Das fĂ€nde Kai jetzt eigentlich auch besser irgendwie. Aber dann wĂ€re keine Konkurrenz, kein Wettbewerb. Konkurrenz findet Kai aber wichtig, damit sich alle auch anstrengen in ihrer Arbeit. Sein Ausbildungsleiter sagt immer: „Konkurrenz belebt das GeschĂ€ft“ und das findet Kai gut. Der komische Mann da heute fand das wohl nicht und erklĂ€rte weiter, dass „die Kapitalisten“ eben den Hals nicht voll genug kriegen können und es insgesamt einfach zuviel Kapital gibt und deshalb ist das alles erst so gekommen mit der Finanzkrise, die Frau Merkel jetzt aufhalten muss. Und dann mĂŒssen am Ende alle dafĂŒr bezahlen, obwohl die Gewinne vorher ja auch an Einzelne gegangen sind. Kai fĂ€nde auch besser, wenn die Gewinne auch noch mit den Spareinlagen der Leute in den Keller der Sparkasse kĂ€men. Wobei man den Keller dann wohl etwas grĂ¶ĂŸer machen mĂŒsste, weil da soviel Platz nun auch wieder nicht ist. Allerdings ist es jetzt schon etwas leerer, weil ja manche eben auch ihr Geld abholen. Wegen dem Platz ist das eigentlich nicht schlecht, aber trotzdem findet Kai das nicht gut, wenn die Leute dadurch seine Kollegen austrocknen. Außerdem geht das Vertrocknen ja noch weiter. Ganze Autofabriken, Karstadt und sogar der BĂ€cker neben der Sparkasse, wo Kai sich manchmal ein Rosinenbrötchen fĂŒr die Pause holt, werden schon immer trockener.

Der komische Mann hat dann noch gesagt, dass Kai in die Gewerkschaft eintreten soll und genau beobachten wie das weitergeht. Es werde noch große Demonstration und viele Arbeitslose deswegen geben und dass man jetzt aufpassen muss, dass die Nazis nicht wieder stĂ€rker werden. Das fand Kai jetzt ĂŒbertrieben und da hat er auch erst mal geguckt, wie viel der Mann eigentlich gespart hat. Da hat er gesehen, dass der gar kein Sparbuch hat und sogar noch Schulden auf dem Konto. Das wĂŒrde Kai nicht passieren, er spart von seinem Azubi-Gehalt immer schon mindestens 50 Euro jeden Monat. Kai ist froh, dass er davon nicht Aktien gekauft hat wie der wilde Charly aus der Aktienabteilung ihm geraten hatte. Die Aktien sichert Frau Merkel nĂ€mlich nicht und auch nicht der BundesprĂ€sident, das hat der Charly jetzt davon. Der Mann am Schalter hat auch noch gesagt, dass jetzt vielleicht auch mehr Menschen erkennen, dass die Ursache von der Krise in dem Wirtschaftssystem liegt und nicht irgendwie in Amerika und wegen irgendwelcher HĂ€user. Das war nur der Punkt, wo das scheinbar angefangen hat, aber nicht die wirkliche Ursache. Das hatte sich ganz anders angehört als von Kais Ausbildungsleiter. Trotzdem ĂŒberlegt Kai, ob sich nun vielleicht Einiges Ă€ndern könnte in der Sparkasse und der restlichen Finanzwelt.
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NEUER BEITRAG10.10.2008, 19:14 Uhr
Nutzer / in
paulina

Was sind eigentlich Spareinlagen? geil!! erst hab ich gedacht, was fĂŒr ein dröges thema, aber der artikel ist echt genial geschrieben!! kompliment an den verfasser!
NEUER BEITRAG10.10.2008, 21:44 Uhr
Nutzer / in
Lars

Was sind eigentlich Spareinlagen? Das Gold ist alle !

Die Postbank war bis vor Kurzem der grĂ¶ĂŸte GoldhĂ€ndler unter den Banken in Deutschland.
Nun steht auf der Webseite:


Wichtiger Hinweis:

Sehr geehrte Kunden,

wie Sie der Presse sicherlich bereits entnommen haben, besteht derzeit deutschlandweit eine hohe Nachfrage nach GoldmĂŒnzen und -barren. Seitens der Goldlieferanten kann diese derzeit nicht in vollem Umfang gedeckt werden. Aufgrund großer Lieferverzögerungen ist es nicht möglich, Ihnen einen genauen AusfĂŒhrungstermin und damit einen verbindlichen Kurs zu nennen.

Bitte beachten Sie, dass wir daher bis auf weiteres keine GoldauftrÀge entgegen nehmen.
NEUER BEITRAG16.10.2008, 22:34 Uhr
Nutzer / in
paulina

Was sind eigentlich Spareinlagen? hat eigentlich die finanzkrise was damit zu tun, daß das benzin wieder viel billiger geworden ist?
wenn ja, find ich sie sehr geil!!
NEUER BEITRAG17.10.2008, 17:55 Uhr
EDIT:
17.10.2008, 18:03 Uhr
Nutzer / in
GAST
Was sind eigentlich Benzinpreise? Richtig erahnt, Paulina.


Und zwar stiegen in der Phase des Aufschwungs auch diverse Rohstoffpreise, was auch zu Spekulationszwecken genutzt wurde (massenhaft horten, bis Preis noch höher). Wenn das Geld (Mehrwert in Geldform) fĂŒr die SphĂ€re realen Kapitals zuviel wird, fließt es eben ĂŒberall hin, wo noch ein vermeintlicher Gewinn lockt. Da haben es einige Leute eben in das vielversprechende Erdöl gesteckt.

Nun ist allgemeine Kreditkrise, das knappe Geld muss zurĂŒckfließen zum realen Kapital und fĂŒr solcherlei SpekulationsgeschĂ€fte ist kein Cent mehr ĂŒbrig. Also wird im großen Stil versucht, das Erdöl loszuwerden, damit man die Löcher in den Firmen stopfen kann. Prompt wird der Markt ĂŒberschwemmt mit Öl, und der Preis macht die Biege.
NEUER BEITRAG18.10.2008, 22:15 Uhr
Nutzer / in
czech
GAST
Was sind eigentlich Spareinlagen? danke dem verfasser, hab erst gestern den tip fĂŒr die seite von einem freund bekommen, macht weiter so!
• Hier gibt's was extra: mehr Debatten aus den www.secarts.org-Foren
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