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NEUES THEMA12.03.2016, 14:40 Uhr
EDIT: FPeregrin
12.03.2016, 17:22 Uhr
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FPeregrin

• Salpeterkrieg & 'triangulo terrestre' U.d.T. Der Salpeterkrieg und der aktuelle Konflikt um das "Triangulo terrestre" bringt amerika21 heute einen Artikel von David X. Noack, der historisch-√∂konomisch auf einen Konflikt um die Guano-Ressourcen auf der Mitte des 19. Jahrhunderts zur√ľckgeht. Unter substantiell anderen Bedingungen findet die Struktur dieses alten Konflikt sein Weiterleben im Versuch einer Grenzrevision per Dekret durch den politisch aus dem etnocacerismo stammenden peruanischen Pr√§sidenten Ollanta Humala. "Aufgrund der engen √∂konomischen Verquickung der beiden L√§nder gehen Experten derzeit jedoch nicht von einer Eskalation der angespannten Beziehungen zwischen Peru und Chile aus. Trotz alledem zeigt der aktuelle Konflikt um das triangulo terrestre, dass die Auswirkungen des Salpeterkrieges bis in die Gegenwart reichen."

Anschauungsmaterial f√ľr Bewegungen dessen, was wir als Marxisten als '√úberbau' zusammenzufassen gewohnt sind, die sich nicht auf ein mechanisches Nachklappen der √∂konomischen Basis reduzieren lassen - eine tats√§chliche aktuelle wirtschaftliche Bedeutung des triangulo terrestre wird wohl niemand ernstlich behaupten wollen!

Der ganze Artikel steht hier:
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Zum etnocacerismo, der seinen Wurzeln neben dem Inka-Nationalismus eben im anti-chilenischen Guerilliakampf während des Salpeterkriegs hat, gibt einen Wikipedia-Artikel, hier:
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NEUER BEITRAG12.03.2016, 18:54 Uhr
EDIT: retmarut
12.03.2016, 19:01 Uhr
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retmarut

Salpeterkrieg & 'triangulo terrestre' @FPeregrin: "eine tatsächliche aktuelle wirtschaftliche Bedeutung des triangulo terrestre wird wohl niemand ernstlich behaupten wollen!"

Dem w√ľrde ich mich nicht anschlie√üen. Schlie√ülich hat Bolivien in diesem Grenzkrieg seinen Zugang zum Pazifik verloren und wurde zu einem Binnenstaat. W√§hrend der Kriegsgewinner Chile durch den Salpeterhandel seine Wirtschaft modernisieren konnte, blieb Bolivien wirtschaftlich zur√ľck. Das hat bis heute Auswirkungen.

Und in der Region ist die Sache auch nicht vergessen. Jede Seite beruft sich auf bestimmte Punkte, die mind. eine der anderen Seiten blockieren. Das ganze Ding ist v.a. dadurch so vertrackt, dass nicht zwei, sondern eben drei Parteien am Tisch sitzen.

Erst 2014 kam es ja √ľberhaupt zu einer Anerkennung des Grenzverlaufes (Ergebnis eines Krieges von vor √ľber 130 Jahren!) und nach dem Schiedsspruch in Haag auch eine Anerkennung der gegenseitigen Seegrenzen. Aber wie gesehen, war man sich dann faktisch doch nicht mehr so wirklich einig √ľber den Grenzverlauf.
Meines Wissens gibt es wegen des Salpeterkrieges bis heute zwischen Chile und Bolivien keinen gegenseitigen Botschafteraustausch. Stattdessen haben beide Länder lediglich Generalkonsulate im jeweils anderen Staat. (Da sind Cuba und die USA einen deutlichen Schritt weiter!)

Und in Bolivien wird immer noch ein Zugang zum Meer gefordert, nicht zuletzt um wirtschaftlich endlich auf die F√ľ√üe zu kommen. Chile hat damit im Grunde auch kein Problem und hatte bereits sechs mal entsprechende Zusagen gegeben. Nur hat die peruanische Seite (weiland Verb√ľndeter der bolivianischen Armee in besagtem Kriege) immer abgelehnt, da Peru lauf Friedensvertrag mit Chile einer Landabtretung an Bolivien ausdr√ľcklich zustimmen muss. Diplomatisch also ein eher schwieriger Fall.

Ja, und die bolivianische Kriegsmarine sitzt sozusagen seit jetzt √ľber 130 Jahren auf dem Trockenen und macht ihre Seeman√∂ver regelm√§√üig auf dem Titicaca oder - man h√∂re und staune - in Cochabamba (viel gebirgiger geht es auch in Bolivien kaum). Rund um Cochabamba nichts als Gebirge, in der Stadt selber gibt es die kleine Laguna Alalay (2,4 qkm), wo die Marine ihre Man√∂ver absolviert. Aber immerhin dritte Waffengattung im bolivianischen Milit√§r.

Uns als Europ√§er kommt das auf den ersten Blick alles vielleicht ziemlich absurd vor, nicht zuletzt weil die drei Staaten a) eine gemeinsame koloniale Vergangenheit haben, b) den gleichen Befreiungskampf gegen die Spanier gek√§mpft haben, c) alle spanischsprachig sind (also das Verst√§ndigungsproblem liegt nicht auf sprachlicher Ebene) und d) durch die wirtchaftlichen und kulturellen Vernetzungen der vergangenen Jahre eigentlich an einem Strang ziehen sollten, aber in Lateinamerika ist das weiterhin ein realer Konflikt dreier souver√§ner Staaten, der immer wieder aufbricht. Der 21. Mai wird in Chile z.B. als nationaler Feiertag begangen, an dem man an das Seegefecht von Iquique erinnert. In den Schulb√ľchern gibt es jeweils eine nationale Geschichtsschreibung dazu. Mal gezielt, mal spontan wogt in einem der L√§nder wieder eine nationalistische Welle gegen einen der Nachbarn durch den Medienwald.

Auf der anderen Seite f√ľr Europ√§er aber eigentlich auch nicht allzu fremd. Hier passiert dergleichen auch immer mal wieder, mal skurril, mal tragisch, mal Farce, mal be√§ngstigend, mal belustigend. Da gibt dann beispielsweise Ungarn ungarische P√§sse f√ľr rum√§nische Staatsb√ľrger aus, in Polen wird ein Gro√üteil der Bev√∂lkerung des Ruhrgebiets von der PIS als unterdr√ľckte polnische Minderheit gesehen, in Deutschland w√ľhlen mit staatlicher Unterst√ľtzung revisionistische Sudenten und anderes "Vertriebenen"-Gesindel in den √∂stlichen Nachbarstaaten, die Schweiz betrachtet den Bodensee vollst√§ndig als ihr nationales Territorium, die Gibraltarfrage, die ungel√∂ste Frage der Seegrenze zwischen Deutschland und den Niederlanden, der strittige Grenzverlauf am Mont Blanc zwischen Italien und Frankreich, die Grenzfragen zwischen Kroatien und Serbien an der Donau, die Nordirlandfrage zwischen GB und dem Freistaat, die Meeresgrenzen zwischen der T√ľrkei und Griechenland (derzeit wieder im Rahmen der Fl√ľchtlingsfrage ein Thema) ... In der Mehrzahl auch alles Konflikte und Skurrilit√§ten, deren Ausl√∂ser viele Jahrzehnte zur√ľckliegen.

Lustig wird in Zukunft auch die Frage der Grenzziehungen und Besitzanspr√ľche im Nordpolarmeer. Auch dort jede Menge wackere europ√§ische Staaten, die alle auf ihre Claims pochen werden. Mich wundert eigentlich, dass Deutschland sich dort noch nicht eingekauft hat, um mit am Verhandlungspoker teilzunehmen. Vielleicht spekuliert man auch darauf, als allgemein akzeptierter Makler und Schiedsrichter eingeladen zu werden, was ja auch so manchen Vorteil mit sich bringt.



NEUER BEITRAG12.03.2016, 19:53 Uhr
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FPeregrin

Salpeterkrieg & 'triangulo terrestre' @retmarut: "Schlie√ülich hat Bolivien in diesem Grenzkrieg seinen Zugang zum Pazifik verloren und wurde zu einem Binnenstaat. W√§hrend der Kriegsgewinner Chile durch den Salpeterhandel seine Wirtschaft modernisieren konnte, blieb Bolivien wirtschaftlich zur√ľck. Das hat bis heute Auswirkungen." Das ist richtig - Bolivien hat in der Tat ein ernstes, auch √∂konomischgs, Problem.* Hier ging es aber um das Verh√§ltnis von Chile und Peru; und hier ist die ehemalige Ressource 'Guano' fast bedeutungslos. Der gegenw√§rtige, sich an das Humala-Dekret anschlie√üende Konflikt dieser beiden (!) L√§nder ist alles andere als einfach "√∂konomisch determiniert" - falls es sowas wie 'Determiniertheit' in komplexen Zusammenh√§ngen √ľberhaupt geben sollte.

*Hierzu gab es 28. November auch auf amerika21 einen Artikel m.d.T. Internationaler Gerichtshof vermittelt zwischen Bolivien und Chile, hier:
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NEUER BEITRAG12.03.2016, 20:30 Uhr
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retmarut

Salpeterkrieg & 'triangulo terrestre' Das ist eben kein rein binationaler Konflikt, sondern immer auch ein trinationaler! Schließlich wird das besagte Gebiet von allen drei Staaten beansprucht.

Bolivien w√§re wirtschaftlich viel damit gedient, wenn es einen eigenen Pazifikhafen h√§tte. Auch wenn die entsprechende Gegend klimatisch nicht so optimal ist (die naheliegende Atacama w√ľrde ich zwar gerne mal als Tourist besuchen, aber dort wohnen eher nicht), w√ľrde Bolivien damit ganz andere M√∂glichkeiten er√∂ffnet.

Dass Guano seit Fritz Habers Entdeckung heute keine Bedeutung als Rohstoff mehr hat, ist v√∂llig unstrittig. Darum geht es aber auch gar nicht, sondern um die Option eines bolivianischen K√ľstenhafens, um Boliviens Infrastruktur und Wirtschaft zu beleben. Und der Markt der Zukunft ist halt rund um den Pazifik. Das staatliche Bergbauunternehmen COMIBOL ist derzeit dabei, neue Lithium-Abbaugebiete zu erschlie√üen; das Lithium w√ľrde dann z.B. direkt gen Ostasien verschifft werden k√∂nnen, womit man sich Zwischenh√§ndlerstrukturen mit Z√∂llen etc. sparte.
NEUER BEITRAG12.03.2016, 22:11 Uhr
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FPeregrin

Salpeterkrieg & 'triangulo terrestre' a) Die Bedeutung eines Pazifik-Zugangs f√ľr Bolivien wird von mir nicht bestritten, - s.o.

b) Es geht am Schluß in David X. Noacks Artikel nicht darum, ob wir hier einen historischen 3-Partein-Konflikt zu tun haben, sondern darum, daß das Humala-Dekret die aktuelle de-facto-Grenzziehung zwischen Chile und Peru - ein Ergebnis des Salpeterkriegs - revidieren will. Dabei spielen die Interessen von Bolivien keine ausschlaggebende Rolle. - auch s.o.
NEUER BEITRAG13.03.2016, 13:15 Uhr
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retmarut

Salpeterkrieg & 'triangulo terrestre' Und genau das ist ja auch am Artikel von David zu bemängeln. Es handelt sich eben nicht um einen bilateralen Konflikt. Das wollte ich aufzeigen. Zudem, dass der Konflikt in allen drei Staaten weiterhin ein aktuelles Thema ist.

Aber egal, das Wichtigste ist ja, dass man hier in den deutschen Medien √ľberhaupt (!) mal solche Themen zu lesen bekommt. Viel zu oft f√§llt lateinamerikanische Geschichte, die Geschichte der dortigen Staaten seit den Befreiungskriegen, hier v√∂llig untern Tisch.
NEUER BEITRAG13.03.2016, 13:52 Uhr
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FPeregrin

Salpeterkrieg & 'triangulo terrestre' Können wir uns darauf einigen: "Im 'Wesen' ein trilateraler Konflikt, in der 'Erscheinung' zwei (oder drei?) bilaterale"?

Worauf ich hinaus will: Das Verhalten der peruanischen Seite ist hier weitaus st√§rker √ľberbaulich veranla√üt als das der bolivianischen, ... selbst wenn die Freihafenrechte in Boliviens Arica und Iquique objektiv "reichen" sollten.
NEUER BEITRAG03.04.2016, 17:46 Uhr
EDIT: FPeregrin
03.04.2016, 18:05 Uhr
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FPeregrin

Salpeterkrieg & 'triangulo terrestre' Nun gut: Zur bolivianischen-chilenischen Teil der 'Erscheinungseben' des trilateralen Konflikts gestern auf amerika21 Säbelrasseln um Grenzfluss zwischen Bolivien und Chile, hier:
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Nat√ľrlich geht es auch hier l√§ngst nicht mehr um Vogelschei√üe.
• Hier gibt's was extra: mehr Debatten aus den www.secarts.org-Foren
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