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NEUMumia Abu-Jamal
  begonnen von arktika am 08.12.2015  | 28 Antworten
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NEUES THEMA08.12.2015, 11:46 Uhr
EDIT: arktika
16.06.2019, 20:26 Uhr
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arktika

• Mumia Abu-Jamal Mumia Abu-Jamal darf aussagen. Unter dieser Überschrift findet sich am 4.12. ein Artikel von JĂŒrgen Heiser im Letzebuerger Vollek zum Prozeß von Mumia Abu-Jamal wg. dessen medizinischer Unterversorgung im Knast. Erstmals nach vielen Jahren wird Mumia in der Gerichtsverhandlung wieder öffentlich sprechen können.
Nach Jahren völliger Abgeschiedenheit wird der zu lebenslanger Haft verurteilte US-amerikanische Journalist Mumia Abu-Jamal am 18. Dezember zum ersten Mal wieder in einer Gerichtsverhandlung öffentlich sprechen können. Wie die Tageszeitung »junge Welt« am Dienstagabend von Abu-Jamals Anwalt Robert Boyle aus New York erfuhr, hat die juristische Auseinandersetzung um die medizinische Versorgung seines Mandanten ĂŒberraschend eine positive Wendung genommen.
Wenn Abu-Jamals Klage gegen Anstaltsleiter John Kerestes vom StaatsgefĂ€ngnis Mahanoy in Pennsylvania nun vor Gericht verhandelt wird, sollen nicht mehr nur die Argumente seiner AnwĂ€lte gehört werden, wie es ursprĂŒnglich geplant war. Vielmehr ordnete Richter Robert D. Mariani vom Bundesbezirksgericht in Scranton im Bundesstaat Pennsylvania eine umfassende Beweiserhebung an. Das bedeutet, daß medizinische SachverstĂ€ndige gehört und Zeugen vernommen werden, die verantwortlich sind fĂŒr die medizinische Behandlung des politischen Gefangenen. Vor allem will Mariani den KlĂ€ger Abu-Jamal persönlich als Zeugen hören.

...
Ein positiver Nebeneffekt des Verfahrens ist, daß wenn das Urteil positiv ausfĂ€llt, dann auch die Chancen weiterer Gefangener auf medizinische Behandlung steigen:
Nach ihrem jĂŒngsten Besuch bei Abu-Jamal bekrĂ€ftigte Suzanne Ross, Sprecherin der New Yorker »Free Mumia Abu-Jamal Coalition«, in einem offenen Brief, das von der internationalen SolidaritĂ€tsbewegung unterstĂŒtzte Klageverfahren zur Durchsetzung einer gezielten Hepatitis-C-Behandlung werde letztlich auch anderen Gefangenen zugute kommen. Insgesamt 10.000 HĂ€ftlinge seien allein in Pennsylvania an dieser Leberinfektion erkrankt. Sie könnten sofort geheilt werden, wenn die GefĂ€ngnisbehörde nicht argumentieren wĂŒrde, sie seien »nicht krank genug, um dieses Medikament verschrieben zu bekommen«.

Der ganze Artikel unter
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Und da dann unter Internationale Politik suchen!

#mumiaabujamal
#wiederaufnahmeverfahren
#gesundheitszustand
#krankimknast
NEUER BEITRAG06.01.2016, 13:05 Uhr
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arktika

Mumia Abu-Jamal darf aussagen Zwischen dem 18. und 23. Dezember 2015 fanden 3 Verhandlungstage in dem Prozeß von Mumia gegen die GefĂ€ngnisbehörden wegen seiner nicht behandelten (und ihm lange verschwiegenen) Hepatitis statt, das Urteil soll Mitte Januar 2016 erfolgen.
Das berichtet die Soligruppe Free Mumia Berlin in einem Artikel auf scharf-links am 3. Jan., der, um einen allgemeineren, nicht explizit auf Mumia bezogenen Teil gekĂŒrzt, einen Tag spĂ€ter auch auf der DKP-Seite erschien: Aktuelle Meldungen ĂŒber Mumia Abu-Jamal.
"...Der erste Tag lief aus Mumias Sicht hervorragend, da der vorsitzende Richter Mariani alle Versuche der GefĂ€ngnsbehörde abwies, das Verfahren wg. vermeintlicher Formfehler einzustellen. Er sagte klar und deutlich, dass der Inhalt (dieser Verhandlung) ĂŒber die Form gehe. Am zweiten Tag kam es zu verschiedenen Expert*innen Anhörungen ĂŒber Hepatitis-C und den Verlauf von Mumias Erkrankung, die nach dem Wissen der GefĂ€ngnisbehörde bereits bis ins Jahr 2012 zurĂŒckreicht, was Mumia allerdings erst vor wenigen Monaten erfuhr. Am dritten Verhandlungstag rĂ€umte die AnwĂ€ltin der GefĂ€ngnisbehörde ein, ein Gutachten des medizinischen Beauftragten Noel aus der gleichen Behörde manipuliert zu haben, ..."
Es deutet also einiges auf einen Erfolg Mumias hin. Sollte das der Fall sein, so hat das Urteil weitere Auswirkungen: Sollte Mumia gewinnen, können sich alle 10.000 ebenfalls an Hepatitis-C erkrankten Gefangenen im Bundesstaat auf diesen PrÀzedenzfall berufen und ebenfalls eine Behandlung einfordern.

Der Text unter:
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411b42]

oder unter:
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NEUER BEITRAG16.06.2019, 19:57 Uhr
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arktika

Wiederaufnahmeverfahren fĂŒr Mumia Nach 37 Jahren im Knast - davon den Großteil in der Todeszelle - sieht es endlich so aus, als ob er ein Wiederaufnahmeverfahren bekommt, vorausgesetzt, daß er lange genug ĂŒberlebt. Nach dem unerwarteten Auffinden einiger interessanter Aktenordner sind seine Chancen fĂŒr einen Freispruch vermutlich deutlich verbessert. Bereits im Dez. 2018 hatte der zustĂ€ndige Richter Tucker ein neues Verfahren verfĂŒgt, wogegen die Staatsanwaltschaft Einspruch einlegen konnte. -Unmittelbar nach diesem Beschluß des Richters tauchten die Akten auf. - Der zustĂ€ndige Staatsanwalt hat im April seinen Widerstand gegen ein neues Verfahren zurĂŒckgezogen.
Dazu ein langer Artikel in der jw schon vom 24. Jan. 2019 Ein Funken Hoffnung von Dave Lindorff unter
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und Staatsanwalt zieht Widerspruch gegen Mumias neues Verfahren zurĂŒck auf der UnterstĂŒtzerInnenseite freiheit fĂŒr mumia unter
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NEUER BEITRAG16.06.2019, 20:07 Uhr
EDIT: arktika
16.06.2019, 20:10 Uhr
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arktika

Mumia Abu-Jamal Hingegen bleibt Mumias Gesundheitszustand im Knast weiterhin gruselig. Bleibt er dort, droht ihm Erblindung - neben allen seinen anderen Leiden.
Aus der jW vom 5. Juni:
Mumia Abu-Jamal: Erblindung möglich
Pennsylvania. Ein in dieser Woche bekannt gewordenes medizinisches Gutachten bestĂ€tigt die Notwendigkeit einer sofortigen Entlassung des in den USA inhaftierten politischen Gefangenen Mumia Abu-Jamal. Dr. Joseph Harris hatte den Gefangenen am 27. Mai untersucht. Mumia leide an verschiedenen Erkrankungen der Augen. Wegen mehrerer Risikofaktoren sowie den Anforderungen seiner Arbeit als Journalist sei es fast sicher, dass Abu-Jamals Erkrankung weiter fortschreiten werde. Dies könne zu einer fast vollstĂ€ndigen Erblindung in zwei bis vier Jahren fĂŒhren. Aufgrund der medizinischen Notwendigkeit werde Harris versuchen, in dieser Woche mit dem Bezirksstaatsanwalt zu sprechen, um eine sofortige Freilassung zu erwirken. Abu-Jamal habe ein weitreichendes Netzwerk benannt, das ihn in diesem Falle unterstĂŒtzen wĂŒrde. (jW)

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AusfĂŒhrlicher informiert die oben schon genannte SolidaritĂ€tsseiten:
Kurzer aktueller Bericht ĂŒber den Gesundheitszustand von Mumia Abu Jamal

"Wie eine Mulltuch ĂŒber meinen Augen"
Mumias visuelle EinschrÀnkung ist drastisch fortgeschritten

Ich habe Mumias Gesundheitsakten durchgesehen und ihn bei seiner monatlichen Untersuchung am 27. Mai 2019 gesehen.
Mumia leidet an verschiedenen Erkrankungen, unter anderem an Glaukom (Anmerkung Übersetzerin: auch grĂŒner Star genannt), als auch an einem 'primĂ€r chronischen Offenwinkelglaukom' sowie auch an 'Glaskörperabhebug' (Anmerkung Übersetzerin: dabei löst sich im Auge der Glaskörper von der Netzhaut ab) und einer LinsentrĂŒbung des Auges (Katarakt).
Dies zusÀtzlich zur Leberzirrhose, Bluthochdruck, Diabetes (nicht insulinabhÀngiger Diabetes mellitus) und Hepatitis C.
Der Patient berichtete, dass er im MĂ€rz und April nicht lesen konnte, obwohl es nun im klinischen Kontext in den letzten 3-4 Wochen besser wurde:

1. Mehrere ernste Risikofaktoren in der Familiengeschichte, Diabetes, schlecht kontrollierter Bluthochdruck, Leberzirrhose, sowie die Anforderungen seiner Arbeit als Journalist (kontinuierliches Lesen bei schlechter Beleuchtung) und der erhöhte Stress typisch fšr GefĂ€ngnis-Alltag, es ist fast sicher, dass Mumia Abu-Jamal's Erkrankung weiter fortschreiten wird, das bis zu fast vollstĂ€ndiger Erblindung in 2-4 Jahren fĂŒhren wird.

2. Sofortige Freilassung aufgrund medizinischer und HĂ€rtefall-Basis zu seiner Gemeinschaft und Familie fĂŒr die Regelversorgung wĂ€re die bewĂ€hrte Methode in dieser Situation. Er hat ein weitreichendes Netzwerk benannt, das ihn im Falle seiner Freilassung unterstĂŒtzen wĂŒrde.

3. Wenn die Frage der öffentlichen Sicherheit gestellt wird, wÀre ein Hausarrest eine akzeptable Alternative.

Ein umfassender Bericht wird folgen.
Der Patient Mumia Abu-Jamal hat seine Erlaubnis erteilt, seinen Fall öffentlich zu besprechen.
Ich werde persönlich versuchen, in dieser Woche den Bezirksstaatsanwalt zu besuchen, um diese medizinische Notwendigkeit mit ihm zu besprechen.

Viele GrĂŒsse und in Frieden
Dr. med. Joseph Harris

unter
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NEUER BEITRAG22.07.2019, 09:26 Uhr
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arktika

"Blind wie ein Maulwurf" " Sie sind ja blind wie ein Maulwurf", das war die Reaktion eines WĂ€rters, der Mumia begleitet hatte, als dieser endlich mal wieder bei einem Augenarzt war. Nachdem er lange verschwiegen hatte, wie schlecht es um seine Sehkraft schon bestellt ist.
Ausnahmsweise Ă€ußerte er sich am 8. Juli in seiner jW-Kolumne mal zu sich selbst und seiner aktuellen Situation:

Schwindendes Sehvermögen

Vor allem in den letzten Jahren fiel es mir nicht leicht, ĂŒber mich selbst und meine Situation zu sprechen oder zu schreiben. Die Geschichten anderer Menschen schienen mir interessanter. Bis jetzt. Denn als ich vor ein paar Wochen ĂŒber den Hauptkorridor des Knastes lief, bemerkte ich, dass ich nicht mehr in der Lage war, auch nur ein einziges der Gesichter der Flut von Mitgefangenen, die mir begegneten, scharf zu sehen. Zum ersten Mal begriff ich, wie miserabel mein Sehvermögen geworden war.

ZunĂ€chst sprach ich mit niemandem darĂŒber. Nicht mit meinen AnwĂ€lten und nicht mit meiner Frau Wadiya. Ich ließ auch meine UnterstĂŒtzerinnen und UnterstĂŒtzer draußen nicht wissen, was los war. Selbst dem Arzt meines Vertrauens, dem New Yorker Internisten Dr. Joseph Harris, sagte ich zunĂ€chst nichts. Der Grund dafĂŒr war zum einen, dass ich dachte: Was können die schon machen? Zum anderen vermeiden es Gefangene generell, anderen HĂ€ftlingen von ihren Gebrechen zu erzĂ€hlen. In dieser MĂ€nnergesellschaft möchte niemand als schwach gelten.

Jedesmal, wenn ich Steroid-Augentropfen nahm, verschlechterte sich meine Sicht, wurde milchig, so als lege sich ein weißer Schleier ĂŒber beide Augen. Zu meinem Entsetzen musste ich feststellen, dass ich praktisch blind geworden war. Ich konnte keine Zeitung mehr lesen, kein Buch, und ich konnte keine Gesichter mehr erkennen.

Als ich dann zu einer Untersuchung bei einem Augenarzt ausgefĂŒhrt wurde, sagte der WĂ€rter, der mich begleitete: »Verdammt, Jamal, Sie sind ja blind wie ein Maulwurf!« Das war seine spontane Reaktion auf den Sehtest, der ergeben hatte, dass ich keine der Buchstaben und Ziffern erkennen konnte, die mir gezeigt wurden. Seit ich die Augentropfen nicht mehr nehme, hat sich der milchige Schleier verflĂŒchtigt, aber ich sehe mittlerweile so schlecht, dass ich unbedingt die Stimmen von Leuten hören muss, um sie wirklich zu erkennen – wie ein Blinder. Mein Sehvermögen schwindet mehr und mehr.


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NEUER BEITRAG22.07.2019, 09:34 Uhr
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arktika

Kaum noch Sehvermögen! Am folgenden Tag, dem 9. Juli gab es dann eine Schwerpunktseite zu Mumia:

Kampf um Augenlicht
Der politische Gefangene Mumia Abu-Jamal ist akut von Erblindung bedroht. Die nötige Operation wird hinausgezögert


von JĂŒrgen Heiser

Am Tag vor dem nationalen Feiertag am 4. Juli standen die Telefone in zwei US-Behörden nicht still. Lawrence Krasner, Bezirksstaatsanwalt von Philadelphia, und Superintendentin Theresa A. Delbalso, Leiterin des StaatsgefĂ€ngnisses Mahanoy in Frackville (Pennsylvania), wurden von zahlreichen Anruferinnen und Anrufern aufgefordert, sich fĂŒr die sofortige Augenoperation des von Erblindung bedrohten, politischen Gefangenen Mumia Abu-Jamal einzusetzen. Die Telefonaktion geschah bewusst am 3. Juli, dem 37. Jahrestag der Verurteilung des heute 65jĂ€hrigen Journalisten, Ex-Black-Panthers und BĂŒrgerrechtlers, der seit 1981 unschuldig im GefĂ€ngnis sitzt. Im Sommer 1982 war er wegen Mordes an einem Polizisten, den er nie begangen hat, zum Tode verurteilt worden.

Bekanntermaßen ist Abu-Jamal seit Jahren schwer erkrankt. Das ist die Folge der jahrzehntelangen Haft, von der er bis zur Umwandlung des Todesurteils in lebenslange Haft fast 30 Jahre in der Isolation des Todestrakts verbringen musste. Unter den Bedingungen des »Slow Death«, des »langsamen Todes«, wie der politische Gefangene seine Haft ohne Chance zur Entlassung auf BewĂ€hrung nennt, schreitet die ZermĂŒrbung seines Körpers weiter fort.

In der gestrigen Ausgabe dieser Zeitung erschien die 965. seiner wöchentlichen Kolumnen in Folge. Darin beschrieb er, der sich selbst sonst zurĂŒcknimmt und seine Leserschaft am Leben und den KĂ€mpfen anderer inner- und außerhalb der GefĂ€ngnisse teilhaben lĂ€sst, wie er den zunehmenden Verlust seiner Sehkraft erlebt. Mittlerweile sehe er so schlecht, dass er »unbedingt die Stimmen von Leuten hören muss, um sie wirklich zu erkennen – wie ein Blinder«.

Über diesen besorgniserregenden Gesundheitszustand ihres Korrespondenten hatte jW erstmals am 5. Juni 2019 berichtet. Drei Tage spĂ€ter nutzte der Hamburger Schauspieler und Gewerkschafter Rolf Becker seinen Auftritt auf der Berliner KĂŒnstlerkonferenz der Zeitschrift Melodie&Rhythmus dazu, auf die Ă€ußerst ernste Situation Abu-Jamals aufmerksam zu machen. Er verwies auf dessen Vertrauensarzt Dr. Joseph Harris, der in einem Gutachten die Notwendigkeit einer sofortigen Haftverschonung fĂŒr den kranken Gefangenen hervorgehoben hatte, da insbesondere unter den Bedingungen der Haft seine »fast vollstĂ€ndige Erblindung in zwei bis vier Jahren« zu befĂŒrchten sei.

Eine »Stimme der UnterdrĂŒckten« sei »Mumia nicht nur in den Zellen der US-GefĂ€ngnisindustrie«, so Becker in seinem PlĂ€doyer fĂŒr den Kollegen und Mitstreiter, »sondern ĂŒberall, wo Menschen ausgeschlossen sind von politischer und gesellschaftlicher Teilhabe, nicht nur in den USA«. Wenn er unter dem Verlust seines Augenlichts »in seiner Betonzelle weder lesen noch schreiben« könne, wie solle er dann noch »seine Kolumnen, die nicht nur in der jW, sondern weltweit verbreitet werden«, verfassen? Nicht nur den UnterdrĂŒckten, die öffentlich kein Gehör finden, wĂŒrde seine Stimme fehlen. Das sahen auch die 300 Teilnehmer der KĂŒnstlerkonferenz so und schlossen sich der Forderung nach sofortiger Freilassung Abu-Jamals zur medizinischen Behandlung einhellig per Akklamation an.

Kurz darauf informierte Noelle Hanrahan vom Prison Radio Project aus San Francisco nach einem Besuch bei Abu-Jamal die Öffentlichkeit darĂŒber, wie schwer dem Gefangenen inzwischen das Lesen falle. Seine Brille lindere die Beschwerden nicht, eine Lupe oder andere Lesehilfen habe er nicht. Dr. Courtney P. Rodgers, medizinischer Leiter der Krankenabteilung im Mahanoy-GefĂ€ngnis, habe zwar laut Hanrahan den Katarakteingriff an beiden Augen inzwischen genehmigt, jedoch erklĂ€rt, die Terminierung werde »ein paar Monate« dauern. Rodgers arbeitet fĂŒr die Privatfirma Correct Care Solutions, der das US-Justizministerium die medizinische Versorgung in vielen US-Haftanstalten und Internierungslagern fĂŒr Einwanderer ĂŒbertragen hat. Die Vergabe der Termine unterliege »nicht seiner Kontrolle«, so der Arzt gegenĂŒber Abu-Jamal.

Liberation News, Zeitung der »Party for Socialism and Liberation« (PSL), berichtete, nicht allein Abu-Jamal mĂŒsse »diese grausamen Angriffe auf die Gesundheit von alternden und kranken Menschen hinter GefĂ€ngnismauern ertragen«. Nach einer aktuellen Statistik des US-Justizministeriums seien mehr als 130.000 HĂ€ftlinge Senioren. Zwischen 1993 und 2013 sei die Zahl um 400 Prozent angestiegen. Überall im Land erlebten diese Ă€lteren Gefangenen »gegen Ende ihres Lebens eine qualvolle Zeit«, ohne eine Chance auf Entlassung aus »humanitĂ€ren GrĂŒnden« zu bekommen, so die PSL.

Von Hanrahan nach seiner Meinung zu einer »Freilassung aus humanitĂ€ren GrĂŒnden« befragt, habe Abu-Jamal geantwortet, er wĂŒrde »jede Art von Freilassung begrĂŒĂŸen« und sei einverstanden, wenn die Öffentlichkeit sich an Dr. Rodgers wende, »um die Terminierung der Katarakt-OP zu beschleunigen«. Der baldige Eingriff sei notwendig, erklĂ€rte die Radiojournalistin, da Abu-Jamals drohende Erblindung jetzt noch »durch eine Operation effektiv« aufgehalten werden könne. »Nehmt euch wenigstens einen Moment Zeit, die Petition der â€șMobilization for Mumiaâ€č zu unterzeichnen«, forderte Hanrahan.

In den USA und immer mehr LĂ€ndern, von Mexiko bis Frankreich und der BRD, fordern deshalb Menschenrechtsorganisationen und BĂŒndnisse der »Free Mumia«-SolidaritĂ€tsbewegung jetzt verstĂ€rkt eine sofortige Augenoperation. Rolf Becker kommentierte, wenn jetzt nicht gehandelt werde, dann ginge »das Mundtotmachen von Mumia seinem physischen Tod voraus«. Und der Gewerkschafter betonte gegenĂŒber jW: »Es liegt an uns, dass er weiter schreiben und als Mensch fĂŒr andere Menschen weiterleben kann. Free Mumia!«


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NEUER BEITRAG22.07.2019, 09:39 Uhr
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arktika

Hintergrund: Protestnote an den US-Botschafter in Paris

Der US-Journalist Mumia Abu-Jamal, der in Philadelphia als »Stimme der UnterdrĂŒckten« bekannt ist und sich unermĂŒdlich fĂŒr die Armen, Arbeiterinnen und Arbeiter und diskriminierten Minderheiten einsetzt, wird seit Jahrzehnten vom rassistischen Justizsystem in Pennsylvania in Haft gehalten. Weil die Behörden Mumia nicht hinrichten konnten, verurteilten sie ihn zum langsamen Sterben im GefĂ€ngnis, ohne ihm auch nur ein Mindestmaß der erforderlichen medizinischen Versorgung zukommen zu lassen.

Die Nationalkonferenz des PRCF (PĂŽle de Renaissance Communiste en France), die am 1. und 2. Juni 2019 in Paris tagte, bekrĂ€ftigte einstimmig ihre humanitĂ€re und politische SolidaritĂ€t mit Mumia und drĂŒckte ihre Bewunderung fĂŒr das unerschĂŒtterliche Beispiel von Entschlossenheit, internationalistischer SolidaritĂ€t, unbezwingbarem Mut und unerschĂŒtterlicher Liebe zum Leben aus, die er jedem entgegenbringt, der wie er im finsteren Kerker sitzt.

Wir fordern Mumias bedingungslose Freilassung und sagen: Schande ĂŒber die Herrschenden in den USA, die es wagen, sich unter dem Vorwand der »Menschenrechte« in die inneren Angelegenheiten anderer LĂ€nder wie Venezuela, Kuba, Irak, Iran, Nicaragua, Syrien, Afghanistan und die Koreanische Halbinsel einzumischen, wĂ€hrend sie die antiimperialistischen Militanten im eigenen Land unmenschlich behandeln.

Pierre PranchÚre, Vorsitzender der Internationalen Kommission der PRCF, Aymeric Monville und Daniel Antonini, SekretÀre, sowie Georges Gastaud, GeneralsekretÀr, und Fadi Kassem, VizegeneralsekretÀr


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NEUER BEITRAG22.07.2019, 09:46 Uhr
EDIT: arktika
22.07.2019, 15:09 Uhr
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arktika

Petition Mumia Am selben Tag auf selber Schwerpunktseite ist auch - in deutscher Übersetzung von JĂŒrgen Heiser - eine Veröffentlichung einer

Petition des US-BĂŒndnisses »Mobilization For Mumia«

Aufruf an Lawrence Krasner, Bezirksstaatsanwalt von Philadelphia, Thomas Wolf, Gouverneur von Pennsylvania, John Wetzel, Leiter der GefÀngnisbehörde von Pennsylvania, Theresa A. Delbalso, Leiterin des StaatsgefÀngnisses SCI Mahanoy, und Dr. Courtney Rodgers, Leiter der Krankenabteilung des SCI Mahanoy

Mumia Abu-Jamals Sehvermögen hat sich rapide verschlechtert. Es wurde bestĂ€tigt, dass Mumia derzeit unter Bedingungen leidet, die sein Augenlicht ernsthaft bedrohen. Dazu gehören Glaukom (grĂŒner Star), Glaskörperabhebung und Katarakte (grauer Star) an beiden Augen. Die drohende Erblindung gefĂ€hrdet ernsthaft sein Leben, sein Wohlergehen und seine Arbeit als Journalist.

Ein externer Augenarzt empfiehlt chirurgische Eingriffe, um die Katarakte an beiden Augen zu entfernen, Anstaltsarzt Dr. Courtney Rodgers vom SCI Mahanoy verzögert allerdings die Terminabsprachen mit Mumias externem Augenarzt fĂŒr die erforderlichen Untersuchungen und Operationen. [
]

Solange er nicht behandelt wird, werden Mumias Sehnerven weiter geschĂ€digt. Er ist nicht in der Lage zu lesen oder andere Dinge zu tun, die eine normale Sehkraft erfordern. Diese Verzögerungen erinnern an das jahrelange Hinausschieben der Behandlung seiner Hepatitis-C-Infektion. Als die GefĂ€ngnisbehörde schließlich von einem Bundesgericht gezwungen wurde, mit der Heilbehandlung der Hepatitis C zu beginnen, hatte sich bereits eine Leberzirrhose entwickelt, die bei rechtzeitiger Behandlung zu verhindern gewesen wĂ€re.

Die Wahrscheinlichkeit, dass Afroamerikaner Katarakte entwickeln, ist eineinhalb Mal so hoch wie bei der Gesamtbevölkerung der USA, und fĂŒnf Mal so hoch, was die daraus folgende völlige Erblindung betrifft.

Es ist nicht nur so, dass sich Mumias allgemeiner Gesundheitszustand durch den drohenden Verlust des Augenlichts verschlechtert, vielmehr stellt das Unterlassen der erforderlichen sofortigen medizinischen Behandlung eine grausame und ungewöhnliche Bestrafung dar, insbesondere fĂŒr einen Unschuldigen, der seit fast vier Jahrzehnten zu Unrecht inhaftiert ist.

Wir fordern die fĂŒr Mumia zustĂ€ndigen GefĂ€ngnisĂ€rzte dringend auf, sofort einen Termin fĂŒr die Kataraktoperation anzuberaumen.

In Anbetracht seiner vielfĂ€ltigen gesundheitlichen Beschwerden und der Gefahr der Erblindung fordern wir darĂŒber hinaus, dass die verantwortlichen Behörden jetzt eine wirkliche »Freilassung aus humanitĂ€ren GrĂŒnden« veranlassen und nicht die VortĂ€uschung dieser Freilassung durch die Verlegung aus dem GefĂ€ngnis in eine Pflegeeinrichtungen, die der Staat Pennsylvania immer dann anordnet, wenn zu erwarten ist, dass der HĂ€ftling das nĂ€chste Jahr nicht ĂŒberlebt. Wenn Mumia jetzt nach Hause entlassen wĂŒrde, wĂ€ren Familie, Freunde und UnterstĂŒtzer in der Lage, umgehend die medizinische Behandlung zu gewĂ€hrleisten, die er dringend benötigt.

Mumia sollte jetzt aber nicht nur freigelassen werden, weil er außerhalb des GefĂ€ngnisses eine bessere medizinische Behandlung bekommen kann, sondern auch, weil er unschuldig ist!

Diese vom US-BĂŒndnis »Mobilization for Mumia« verfasste Petition kann im englischen Original online unterzeichnet werden unter:


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aus der jw vom 09.07. unter Link ...jetzt anmelden!


#mumiapetition
NEUER BEITRAG17.01.2021, 16:11 Uhr
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arktika

Mumia Abu-Jamal Am 29.12.2020 hatte die jW Mumias Situation als Schwerpunktthema.

Von Linn Washington:

468 Monate Ungerechtigkeit
Mumia Abu-Jamal sitzt seit mehr als 39 Jahren in einem US-Knast. Seine Verurteilung ist Teil einer langen Geschichte von Rassismus und Polizeigewalt


Der Mord an dem Polizeibeamten Daniel Faulkner in Philadelphia ist eine Tat, ĂŒber die ich berichtet und die ich untersucht und verfolgt habe, seit sie in den frĂŒhen Morgenstunden des 9. Dezember 1981 geschah. 37 Jahre nach der Erschießung Faulkners, im Dezember 2018, stieß die Staatsanwaltschaft in Philadelphia in einem vergessenen Winkel ihres GebĂ€udekomplexes auf sechs große Pappkisten, die Ă€ußerst erstaunliches Beweismaterial enthielten. Es hatte etwas mit dem Mann zu tun, der seinerzeit fĂŒr den Mord verurteilt worden war. In mir löste die Entdeckung dieser Kisten nicht nur ein GefĂŒhl der BestĂ€tigung, sondern auch eine gewisse VerblĂŒffung aus. Sie enthielten Dokumente, die die Verurteilung Mumia Abu-Jamals, eines preisgekrönten Journalisten, der wegen der Ermordung Faulkners mittlerweile fast 40 Jahre hinter Gittern verbracht hat, ernstlich in Frage stellen.

Nach dem Gesetz hĂ€tten die AnklĂ€ger den Inhalt dieser Kisten dem Anwalt Abu-Jamals vor dem Verfahren, in dem dieser 1982 zum Tode verurteilt wurde, zur VerfĂŒgung stellen mĂŒssen. Abu-Jamal verbrachte fast 30 Jahre seines Lebens in der Todeszelle, bevor sein Urteil in lebenslĂ€ngliche Haft umgewandelt wurde.

Illegale Machenschaften

Angesichts der Tatsache, dass meine tiefgehende BeschĂ€ftigung mit Abu-Jamals Fall mich mit einem veritablen Sumpf illegaler Machenschaften gegen ihn seitens der AnklĂ€ger, Richter und der Polizei konfrontiert hat, lieferte das Verschwindenlassen der Kisten mit entlastendem Beweismaterial durch ehemalige AnklĂ€ger nur eine weitere BestĂ€tigung fĂŒr die RechtsverstĂ¶ĂŸe, die Abu-Jamal erdulden musste. Meine VerblĂŒffung wurde durch den Inhalt einer der Kisten ausgelöst. Er handelte von mir. Die Dokumente in dieser Kiste zeigten, dass Behörden, die an der Niederschlagung der Berufungen Abu-Jamals beteiligt gewesen waren, 2001 eine ÜberprĂŒfung meines Strafregisters vorgenommen hatten. Sie hatten also versucht, Schmutz ausfindig zu machen. Sie hofften, so meine Berichterstattung ĂŒber ihr Fehlverhalten diskreditieren zu können.

Mit genau solchem Fehlverhalten setzten die Behörden die Verurteilung Abu-Jamals und die spĂ€tere Aufrechterhaltung des Urteils durch. Ich bezeichne meine Reaktion auf diese böswillige ÜberprĂŒfung meines Strafregisters als »VerblĂŒffung«, weil ein derart niedertrĂ€chtiges Vorgehen angesichts der langen Liste bestĂ€ndigen Fehlverhaltens von seiten der Behörden, die immer nur im Sinn hatten, Abu-Jamal als Bösewicht hinzustellen, nicht wirklich ĂŒberraschend war.

Eines der Dokumente in den wiederentdeckten Kartons ist der Brief eines der Hauptbelastungszeugen wĂ€hrend Abu-Ja­mals Verfahren 1982. Dieser Brief wurde kurz nach dem Verfahren an den zustĂ€ndigen Staatsanwalt geschrieben und enthielt nur eine einzige Frage: »Wo bleibt denn jetzt mein Geld?« Eine logische Frage, die sich aus diesem Nachhaken ergibt, ist natĂŒrlich: War diesem Zeugen von den AnklĂ€gern Geld dafĂŒr geboten worden, dass er gegen Abu-Jamal aussagte?

WofĂŒr war das Geld?

Da die Staatsanwaltschaft selbst fĂŒr die An- und Abreise ihrer wichtigsten Zeugen zum Gericht sorgt, ist es unwahrscheinlich, dass die Erkundigung nach »meinem Geld« nur eine Erinnerung an die RĂŒckerstattung von Reisekosten war. Und da die Anklage ihren Hauptzeugen im Verlauf des Verfahrens auch Kost und Logis zur VerfĂŒgung stellt, ist es gleichermaßen unwahrscheinlich, dass in dem Brief von Geld fĂŒr ein Mittagessen die Rede ist.

Der betreffende Zeuge, ein Taxifahrer namens Robert Chobert, fuhr sein Taxi am 9. Dezember 1981 ohne gĂŒltigen FĂŒhrerschein, weil er diesen wegen Alkohols am Steuer verloren hatte. Zu der Zeit, als Chobert behauptete, er habe gesehen, wie Abu-Jamal Faulkner erschoss, war er wegen eines Brandbombenattentats auf eine Schule zu einer langjĂ€hrigen BewĂ€hrungsstrafe verurteilt.

Angesichts der Tatsache, dass Chobert wÀhrend seiner BewÀhrung unerlaubt Taxi fuhr, ist es sehr unwahrscheinlich, dass er sein Auto, wie er im Prozess behauptete, ausgerechnet hinter einem Polizeifahrzeug geparkt hatte, dessen Fahrer mit einer Verkehrskontrolle beschÀftigt war. Chobert sagte aus, er habe gesehen, wie Faulkner erschossen wurde, wÀhrend er mit seinem Taxi hinter dessen Dienstauto stand. Aber kein einziges der Tatortfotos der Polizei zeigt das Taxi hinter dem Streifenwagen.

Aus dem Fehlen des Taxis auf den Tatortfotos ergeben sich mindestens zwei Fragen. Erstens: Hat die Polizei Philadelphias Beweismaterial manipuliert, indem sie das Taxi vom Tatort entfernte, bevor sie ihre Fotos aufnahm? Oder zweitens: Hatte Chobert sein Taxi gar nicht hinter Faulkners Wagen geparkt? Das wĂŒrde bedeuten, dass er im Prozess von 1982 schlicht gelogen hatte.

In einer der wiederentdeckten Kisten mit Beweismaterial befindet sich auch der Bericht eines Polizisten, in dem dieser sagt, er sei mit dem »Taxifahrer« zur Mordabteilung gefahren, wo Kriminalbeamte diesen befragt hÀtten. Chobert ist der einzige Taxifahrer, der im Prozess Abu-Jamals eine Rolle spielte.


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NEUER BEITRAG17.01.2021, 16:13 Uhr
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arktika

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Uninformierte Jury

Die Jury, die Abu-Jamal 1982 verurteilte, erfuhr nie, dass Chobert gar keine Fahrerlaubnis hatte und sich nur auf BewĂ€hrung in Freiheit befand oder dass er mit fĂŒnf bis sieben Jahren GefĂ€ngnis hĂ€tte rechnen mĂŒssen, wenn die Behörden seine BewĂ€hrung wegen gesetzwidrigen Verhaltens widerrufen hĂ€tten. Nicht ins GefĂ€ngnis zu mĂŒssen ist ein starker Anreiz zu einer Falschaussage – egal, ob man dafĂŒr Geld bekommt oder nicht.

Der Richter in Abu-Jamals Verfahren von 1982 hatte ganz spezifisch angeordnet, die Jury dĂŒrfe nichts von Choberts Vergehen und Straftaten hören. Laut Aussage einer anwesenden Zeugin (die diese rassistische, jedem fairen Verfahren widersprechende Äußerung aus nĂ€chster NĂ€he hörte) sagte genau dieser Richter zu Beginn des Verfahrens von 1982, er werde der Staatsanwaltschaft helfen, »den Nigger zu grillen«.

Dieses eklatante Fehlverhalten des Richters im Hinblick auf Choberts offensichtlich fragwĂŒrdige Prozessaussage und das ebenso empörende Fehlverhalten des rassistischen Richters wurden von Staats- und Bundesgerichten in den USA fĂŒr zulĂ€ssig befunden. GerichtsbeschlĂŒsse wie diese beweisen, dass die Parteilichkeit gegen Abu-Jamal sich von der Polizei bis in die höchsten Gerichtsebenen einschließlich des Obersten Gerichts Pennsylvanias – und der Vereinigten Staaten – zieht.

Es ist genau so, wie der im Februar 2000 veröffentlichte Bericht von Amnesty International zu Abu-Jamal vermerkte: »Die Gerichtsprotokolle in diesem Fall zeigen ein Muster von Ereignissen, die Abu-Jamals Recht auf einen fairen Prozess gefĂ€hrdet haben – von VerstĂ¶ĂŸen gegen Vorschriften bei der polizeilichen Untersuchung und der PrĂ€sentation des Falls durch die Staatsanwaltschaft (
) bis hin zum Anschein richterlicher Voreingenommenheit«.

Zu Beginn dieses Jahres hat das Oberste Gericht Pennsylvanias ein weiteres Hindernis fĂŒr die jĂŒngsten BerufungsantrĂ€ge Mumias errichtet, indem es den traditionellen Feinden Abu-Jamals, der »Bruderschaft der Polizei« Philadelphias namens FOP und der wiederverheirateten Witwe des Polizeibeamten Faulkner, einen Aufschub der entsprechenden Verhandlungen gewĂ€hrte. FOP und Maureen Faulkner verlangen den RĂŒckzug der heutigen Staatsanwaltschaft Philadelphias aus dem gegenwĂ€rtigen Berufungsverfahren und fĂŒhren dazu die fadenscheinige Behauptung ins Feld, die heutigen AnklĂ€ger in Philadelphia kĂ€mpften nicht entschlossen genug gegen Abu-Jamals Forderung nach Gerechtigkeit. Dabei bekĂ€mpft die heutige Staatsanwaltschaft in Philadelphia Abu-Jamals Berufung sehr wohl – es ist nur so, dass sie sich dabei nicht wie ihre VorgĂ€nger illegaler Manöver schuldig gemacht hat, um dafĂŒr zu sorgen, dass Abu-Jamal im GefĂ€ngnis bleibt. Diese Weigerung, sich illegal zu verhalten, ist offenbar ausreichend, die Gegner Abu-Jamals auf die Palme zu bringen.

DrÀngen auf Hinrichtung

Dabei ist das Fehlverhalten von Mitgliedern des Obersten Gerichts Pennsylvanias bei Verhandlungen im Fall Abu-Jamal ein SchlĂŒsselelement in dessen derzeit eingefrorenem Berufungsverfahren. So hatten wĂ€hrend eines wichtigen Urteils 1998, um Abu-Jamals Verurteilung bestehenzulassen, fĂŒnf der sieben Richter – die diese einstimmige Entscheidung fĂ€llten – fĂŒr ihre Wahl ins Gericht politische und sonstige SchĂŒtzenhilfe von Polizeiorganisationen erhalten, die sich damals fĂŒr Abu-Jamals Hinrichtung eingesetzt hatten. Einer dieser fĂŒnf – Ronald Castille – war sogar ehemaliger Bezirksstaatsanwalt in Philadelphia, eine Funktion, in der er sich Mitte der 1980er erfolgreich fĂŒr die Aufrechterhaltung von Abu-Jamals Todesurteil eingesetzt hatte.

Die richterliche Beteiligung des frĂŒheren Staatsanwalts Castille an der Ablehnung der Berufung 1998 verstieß gegen die in Pennsylvania geltenden Richtlinien fĂŒr juristisch korrektes Verhalten. 2016 nahm das Oberste Gericht der USA einen anderen Fall zum Anlass, um Castille scharf wegen dessen rechtlich unzulĂ€ssiger Doppelrolle als Staatsanwalt und Richter zu kritisieren, und eröffnete damit den Weg zu einer weiteren Berufung Abu-Jamals – jener, die die Polizeibruderschaft FOP und Maureen Faulkner derzeit zu verhindern versuchen.

Mitte November sagte die berĂŒhmte Aktivistin Angela Davis auf einer Pressekonferenz zum Fall Abu-Jamal: »Das Fehlurteil gegen Mumia und die Repression gegen ihn sind Teil einer breiteren Geschichte, in der es um strukturellen Rassismus und PolizeibrutalitĂ€t geht.« FĂŒr viele ist der Mord an Daniel Faulkner ein Fall, der vor 39 Jahren mit der Verurteilung Abu-Jamals abgeschlossen wurde. Auf der anderen Seite betrachten Millionen Menschen auf der ganzen Welt die Verurteilung Abu-Jamals als ein klassisches Beispiel bestĂ€ndigen und fortgesetzten Unrechts. Mumia Abu-Jamal hat seit seiner Verhaftung am Mittwoch, den 9. Dezember 1981, auf seiner Unschuld bestanden. Heute sind das mehr als 468 Monate.

Übersetzung: Michael Schiffmann


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NEUER BEITRAG02.03.2021, 13:17 Uhr
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arktika

Mumia Abu-Jamal Mittlerweile hat Bezirksstaatsanwalt Krasner (am 3. Februar 2021) eine Stellungnahme seiner Behörde bei Gericht eingereicht, in der er eine Neuverhandlung von Abu-Jamals BerufungsantrÀgen vor dem Obersten Gerichtshof Pennsylvanias ablehnt. Wie das Gericht entscheiden wird, ist noch offen.

Ein Artikel von JĂŒrgen Heiser findet sich dazu in der jW vom 22. Feb.:

Krasner im Wahlkampf
Bezirksstaatsanwalt von Philadelphia lehnt Neuverhandlung von Mumia Abu-Jamals BerufungsantrÀgen ab


Als der frĂŒhere BĂŒrgerrechtsanwalt Lawrence Krasner sich 2017 zum Bezirksstaatsanwalt von Philadelphia wĂ€hlen ließ, verdankte er seinen ĂŒberraschenden Sieg der schwarzen WĂ€hlerschaft. Er hatte versprochen, die Lage der vielen lebenslĂ€nglich und unschuldig inhaftierten Schwarzen zu verbessern – und es wurde ihm geglaubt. Nun steht Krasner in der Kritik, die Rechte des seit fast vierzig Jahren wegen untergeschobenen »Polizistenmordes« inhaftierten Journalisten Mumia Abu-Jamal zu beschneiden. Und der muss nun mit seiner Verteidigung Gegenmaßnahmen erarbeiten, statt Kolumnen fĂŒr jW zu schreiben.

Auf einer Kundgebung vor dem Amtssitz des höchsten AnklĂ€gers der Stadt erklĂ€rte die Initiative »Mobilization For Mumia« am vergangenen Montag, Krasner sei »nicht der progressive Jurist, als der er sich ausgibt«. Am 3. Februar 2021 habe er eine Stellungnahme seiner Behörde bei Gericht eingereicht, in der er die Neuverhandlung von Abu-Jamals BerufungsantrĂ€gen vor dem Obersten Gerichtshof Pennsylvanias ablehnt. Damit trete er in die Fußstapfen seiner »korrupten VorgĂ€nger«, die verhindert hĂ€tten, »dass Mumia seine Unschuld beweist«, und segne »das empörend rassistische Handeln von Richter Albert Sabo« ab. Der hatte Abu-Jamal im Sommer 1982 zum Tode verurteilt. 2011 wurde zwar das Todesurteil von einem Bundesgericht in lebenslange Haft ohne BewĂ€hrung umgewandelt, der BĂŒrgerrechtler blieb jedoch weiterhin als »Polizistenmörder« abgestempelt und dazu verdammt, bis an sein Lebensende im Knast zu bleiben.

Krasners Eingabe richtet sich gegen die Berufungsrechte, die Richter Leon Tucker vom Kriminalgericht in Philadelphia Abu-Jamal Ende 2018 gewĂ€hrt hatte (jW berichtete). Es erscheint insbesondere deshalb als widersinnig, dass Krasner die ÜberprĂŒfung des Unrechtsurteils gegen Abu-Jamals Fall verhindern will, weil er im Rahmen seiner Reformen 18 unschuldig verurteilte Gefangene freiließ, deren Urteile wie im Fall Abu-Jamals auf Falschaussagen, manipulierten Beweisen und Rechtsbeugungen basierten.

Zu verstehen ist Krasners Verhalten nur, wenn man weiß, dass er sich aktuell im Wahlkampf befindet. Im kommenden Mai will er sich in den Vorwahlen der Demokraten in Pennsylvania erneut als Kandidat fĂŒr das Amt des Bezirksstaatsanwalts aufstellen lassen. Dabei hat er es mit Gegnern wie dem Politischen Aktionskomitee, PAC, zu tun. Die darin organisierten pensionierten Polizisten wollen Krasner loswerden. Man halte nichts von »schwachen StaatsanwĂ€lten, die sich zu oft auf die Seite der Kriminellen stellen und nicht auf die der Opfer«, erklĂ€rte PAC-PrĂ€sident Nick Gerace der Tageszeitung The Philadelphia Inquirer.

Dass Krasner Cops vor Gericht brachte, weil sie im Dienst jemanden getötet oder antirassistische Demonstranten verprĂŒgelt hatten, nahm ihm neben dem PAC auch die rechte Polizeibruderschaft FOP ĂŒbel. »Wir sind fĂŒr jeden außer Krasner«, machte der örtliche FOP-Chef John McNesby vor der Presse klar. Nesby wĂŒrde »sogar Exbezirksstaatsanwalt Seth Williams bevorzugen«, der bis April 2020 drei von fĂŒnf Haftjahren im BundesgefĂ€ngnis absaß, weil er in 29 FĂ€llen Bestechungsgelder kassiert und Pflegegeld seiner Mutter veruntreut hatte. Williams gehörte zu denen, die zur Freude der FOP jahrelang die Hinrichtung Abu-Jamals forderten. Eine realistischere Alternative fĂŒr die Kandidatur könnte vor allem der frĂŒhere Staatsanwalt Carlos Vega sein, der noch eine Rechnung mit seinem Exchef offen hat. Krasner hatte ihn 2018 geschasst, weil Scharfmacher Vega sich dessen Reformen widersetzte.

Opfert Krasner also möglicherweise Abu-Jamal, um seine schĂ€rfsten Gegner milde zu stimmen? Seine Gegner in Kreisen enttĂ€uschter schwarzer WĂ€hler bringen da noch einen ganz anderen Kontrahenten ins Spiel. Laut einer »anonymen Quelle«, so der Inquirer, wurde der afroamerikanische Richter Leon Tucker, der Abu-Jamal eine Berufungschance geben wollte, gedrĂ€ngt, sich jetzt fĂŒr den Posten des Bezirksstaatsanwalts zu bewerben. Tucker ist nicht uninteressiert, er hatte frĂŒher schon einmal erwogen, sich gegen den korrupten Seth Williams aufstellen zu lassen. Einen Kommentar zu dem Bericht lehnte er jedoch ab.


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NEUER BEITRAG02.03.2021, 13:23 Uhr
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Mumia vermutlich an Corona erkrankt Verdacht auf Covid-19 bei Mumia Abu-Jamal
USA: Inhaftierter BĂŒrgerrechtler offenbar erkrankt. UnterstĂŒtzer fordern AufklĂ€rung

Von JĂŒrgen Heiser

Als der US-BĂŒrgerrechtler Mumia Abu-Jamal am vergangenen Dienstag seine jĂŒngste jW-Kolumne verfasste (siehe S. 6), ahnte noch niemand die kommende Dramatik. »Mumia ist an Covid-19 erkrankt!« Diese Eilmeldung aus den USA erreichte am Sonnabend nachmittag auch die SolidaritĂ€tsbewegung fĂŒr den politischen Gefangenen in Europa. Der seit fast 40 Jahren unrechtmĂ€ĂŸig eingesperrte Abu-Jamal leide unter »akuten Atembeschwerden und Schmerzen in der Brust«, alarmierte Noelle Hanrahan von Prison Radio die Öffentlichkeit. Er habe aus dem StaatsgefĂ€ngnis SCI Mahanoy angerufen und mitgeteilt, dass er schwer erkrankt sei. Die Symptome deuteten auf Covid-19 hin, die auch in Pennsylvanias GefĂ€ngnissen seit Monaten grassierende Infektionskrankheit.

Als Überlebender einer bis 2011 andauernden Isolierung im Todestrakt und einer erst nach internationalen Protesten und Anordnungen eines Bundesgerichts behandelten chronischen Hepatitis C, gehört der 66jĂ€hrige zu den durch die Pandemie am stĂ€rksten gefĂ€hrdeten Gefangenen. Die »Free Mumia«-Gruppen verlangen deshalb, Abu-Jamal mĂŒsse »sofort auf eine Infektion getestet und bei bedenklichen Werten des Sauerstoffgehalts seines Blutes in ein Hospital verlegt werden«. Vor allem gehe es aber um »seine Freilassung und die aller medizinisch gefĂ€hrdeten HĂ€ftlinge ĂŒber 50«. Ab sofort werden die zustĂ€ndigen Behörden telefonisch mit diesen Forderungen konfrontiert. Die Onlinezeitung Jamal Journal veröffentlichte dazu die Telefonnummern der Verantwortlichen: Bernadette Mason, Leiterin des SCI Mahanoy, John Wetzel, Chef der GefĂ€ngnisbehörde Pennsylvanias, und Lawrence Krasner, Bezirksstaatsanwalt von Philadelphia.

Auf einer spontanen Kundgebung vor Krasners Amtssitz, der seit kurzem Abu-Jamals Recht auf ein Berufungsverfahren zu blockieren versucht, prangerte ein Enkel des Inhaftierten am Sonnabend an: »Die versuchen, meinen Großvater ins Grab zu bringen.« Seine Freilassung und »ein fairer Berufungsprozess, auf dem die Unschuldsbeweise vor Gericht gehört werden«, seien jetzt »die einzige Lösung«.


Am 1. MĂ€rz in der jW unter Link ...jetzt anmelden!
NEUER BEITRAG05.03.2021, 14:59 Uhr
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Nun besteht Gewißheit, wie jĂŒrgen Heiser heute in der jW schreibt:

Mumia hat Covid-19
USA: AnwĂ€lte des politischen Gefangenen bestĂ€tigen Erkrankung. Solibewegung mobilisiert fĂŒr Freilassung


Im Bangen um die gesundheitliche Situation des US-BĂŒrgerrechtlers Mumia Abu-Jamal hat eine Kundgebung der SolidaritĂ€tsbewegung fĂŒr den politischen Gefangenen in Philadelphia am Mittwoch mittag (Ortszeit) traurige Gewissheit gebracht. Gegen Ende der vor dem Amtssitz des Bezirksstaatsanwalts Lawrence Krasner abgehaltenen Infoveranstaltung traf bei Johanna FernĂĄndez von der Kampagne »Bring Mumia Home« telefonisch die Nachricht ein, Abu-Jamal sei »positiv auf Covid-19 getestet worden«.

GegenĂŒber jW bestĂ€tigte Rechtsanwalt Robert Boyle telefonisch, die Information ĂŒber das positive Testergebnis an FernĂĄndez weitergegeben zu haben. Gefragt nach einer weitergehenden Stellungnahme zur medizinischen Situation Abu-Jamals verwies Boyle darauf, sie werde »von einem der Komitees herausgegeben«. Bis jW-Redaktionsschluss am Donnerstag hatte diese Mitteilung der US-SolidaritĂ€tskomitees noch nicht vorgelegen.

Der New Yorker Anwalt Boyle und sein Kollege Bret Grote vom »Abolitionist Law Center« in Pittsburgh, Pennsylvania, hatten als Abu-Jamals HaftanwĂ€lte im MĂ€rz 2017 nach zĂ€hen juristischen Verhandlungen und internationaler UnterstĂŒtzung die Anordnung eines US-Bundesgerichts durchgesetzt, dass die jahrelang von den GefĂ€ngnisbehörden ignorierte Hepatitis-C-Infektion ihres Mandanten endlich angemessen behandelt wird. Seine Leber war jedoch infolge der langen Verzögerung schon dauerhaft geschĂ€digt.

Nach der jĂŒngst eingetroffenen detaillierteren Schilderung der medizinischen Situation Abu-Jamals durch Noelle Hanrahan vom Projekt Prison Radio war er bereits am vergangenen Sonnabend in ein örtliches Krankenhaus eingeliefert worden. Das Personal der Krankenstation des StaatsgefĂ€ngnisses SCI Mahanoy hatte die Verlegung wegen seiner Brustschmerzen und Kurzatmigkeit veranlasst. Die KlinikĂ€rzte diagnostizierten eine »kongestive Herzinsuffizienz«, so Hanrahan, also eine HerzschwĂ€chung, die durch eine Virusinfektion hervorgerufen worden sein könnte und dringender Diagnose und Behandlung bedarf.

Nachdem Abu-Jamals UnterstĂŒtzer die Behörden seit Sonnabend mittels einer Telefonaktion unter Zugzwang gesetzt hatten, waren vom medizinischen Knastpersonal laut Hanrahan »drei negative oder falsch negative Covid 19-Tests und ein negativer Antigentest« erfolgt, die zu den kurzzeitigen Entwarnungen gefĂŒhrt hatten. Erst bei einer »im Krankenhaus durchgefĂŒhrten serologischen Blutanalyse« sei Abu-Jamal »positiv auf Covid-19 getestet« worden, wie von Anwalt Boyle gemeldet.

Es sei »unklar, wie lange Mumia im Krankenhaus lag, aber am Mittwoch befand er sich in Isolation auf der Krankenstation des GefĂ€ngnisses«. Von dort habe er »seine Dankbarkeit fĂŒr die weltweite UnterstĂŒtzung und die Aufmerksamkeit fĂŒr ihn und andere Ă€ltere Gefangene, deren Leben im GefĂ€ngnis bedroht« sei, ĂŒbermittelt, so Prison Radio.

»Die Haftbedingungen in den US-GefĂ€ngnissen sind unmenschlich, wie bereits der UN-Menschenrechtsrat und die Richterin im Auslieferungsprozess gegen Julian Assange festgestellt« habe, erklĂ€rte dazu Zaklin Nastic, die menschenrechtspolitische Sprecherin der Fraktion Die Linke im Bundestag. Der »seit fast 40 Jahren unschuldig inhaftierte Mumia Abu-Jamal« mĂŒsse »mit sofortiger Wirkung freigelassen werden«, forderte Nastic in einer Pressemitteilung und prangerte die »Verschleierungsversuche der GefĂ€ngnisbehörden« an.

Hanrahan von Prison Radio forderte die SolidaritĂ€tsbewegung zum Handeln auf: »Wir, das Volk, mĂŒssen unsere Ängste beiseiteschieben. Es ist nicht die Zeit zu zögern, und wir dĂŒrfen nicht in Verzweiflung verfallen«. Die angesichts Tausender an Covid-19 Verstorbenen im US-GefĂ€ngnissystem lauter werdende Forderung nach Entlassung kranker Gefangener wie Abu-Jamal und aller ĂŒber 50jĂ€hrigen sei »kein Traum, sondern eine Notwendigkeit«. Um das Ziel zu erreichen, mobilisiert die Kampagne »Bring Mumia Home« fĂŒr diesen Sonnabend zu einem »Global Virtual Street Meeting« von 20 bis 22 Uhr hiesiger Zeit. Motto: »Noch nie war die Freiheit so nah.«


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NEUER BEITRAG09.03.2021, 12:27 Uhr
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arktika

Mumia trotz Erkrankung zurĂŒck im Knast Gefangenenliquidierung per Corona? Oder wie soll man das benennen, was die Yanks (mal wieder) mit Mumia veranstalten? Nachdem auch seine Augenkrankheit und seine Diabeteserkrankung nur auf massiven öffentlichen Druck ĂŒberhaupt mal behandelt wurden, sieht es auch jetzt so aus, als ob die USA (hier der Staat Pennsylvania) den Gefangenen möglichst schlecht versorgen wollen, um die Chancen auf ein baldiges Ableben zu erhöhen. Jedenfalls ist der schwerkranke Hochrisikopatient wieder zurĂŒck in den Knast gebracht worden, wie JĂŒrgen Heiser am 06.03. in der jW berichtet hat.

Der Krankheit preisgegeben
Nach Covid-19-Diagnose: Empörung ĂŒber RĂŒckverlegung von Mumia Abu-Jamal ins GefĂ€ngnis


Im Ringen um Leben und Freiheit des in der Haft erkrankten US-BĂŒrgerrechtlers Mumia Abu-Jamal hat nun auch die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA) klar Position bezogen: »Unser Ehrenmitglied, der ehemalige Black-Panther-Aktivist Mumia Abu-Jamal, ist positiv auf Covid-19 getestet worden«, heißt es in der am Donnerstag verbreiteten ErklĂ€rung. Bereits vier Gefangene im StaatsgefĂ€ngnis SCI Mahanoy in Pennsylvania seien an Corona gestorben, »viele weitere seiner Mitgefangenen im selben Zellentrakt sind ebenfalls erkrankt«, so die VVN-BdA. Abu-Jamal gehöre zur »Hochrisikogruppe«, weshalb es fĂŒr ihn und andere gefĂ€hrdete Gefangene nur eins geben könne: »die umgehende Freilassung und eine adĂ€quate medizinische Behandlung!«

Wie das US-SolidaritÀtskomitee »Mobilization for Mumia« am Freitag meldete, war Abu-Jamal seit dem vergangenen Wochenende »vier Tage lang in einer örtlichen Klinik« nahe dem GefÀngnis behandelt worden. Seitdem befindet er sich jedoch wieder in QuarantÀne in der Krankenstation der Haftanstalt. Wegen der diagnostizierten Herz- und der attestierten Covid-19-Erkrankung sei das unverstÀndlich, kritisierte Dr. Ricardo Alvarez, Vertrauensarzt von Abu-Jamal und unabhÀngiger Mediziner mit jahrzehntelanger Praxis in der Versorgung von Inhaftierten.

Eine Krankenstation hinter Gittern sei »kein Ort fĂŒr Kranke oder Ă€ltere Menschen«, so Alvarez. »Die einzige akzeptable Behandlung fĂŒr Mumia Abu-Jamal ist seine Freiheit.« Angesichts der Coronapandemie, die im US-GefĂ€ngnissystem viele Menschenleben fordere, gebe es fĂŒr die Behörden »eine einfache, sogar kosteneffektive Maßnahme öffentlicher Gesundheitsvorsorge: Lasst unsere Ă€lteren Gefangenen frei!« Forschungsdaten belegten zudem, erklĂ€rte der Arzt, »dass sie kein Risiko fĂŒr die öffentliche Sicherheit« darstellten, was von den Verantwortlichen immer wieder als Grund fĂŒr die Haftfortdauer unter der momentan erhöhten GesundheitsgefĂ€hrdung angegeben werde.

»Mobilization for Mumia« prangerte an, es sei »ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit«, Gefangene trotzdem weiter in Haft zu halten. Insbesondere »alternde Menschen im GefĂ€ngnis« seien anfĂ€llig fĂŒr einen vorzeitigen Tod, »wenn sie an Grippe, Krebs, Hepatitis, LungenentzĂŒndung, Covid-19 oder wie Abu-Jamal zusĂ€tzlich noch an einer Herzkrankheit« litten. Als sofortige Schutzmaßnahme fordert das Komitee, dass Alvarez »zumindest tĂ€gliche GesprĂ€che mit Mumias medizinischen Betreuern im GefĂ€ngnis gestattet werden«. Diese Forderung wird durch die Tatsache gestĂŒtzt, dass bislang mindestens 110 Gefangene in Pennsylvania an Covid-19 gestorben sind. Und »90 Prozent der Inhaftierten, die im Jahr 2020 am Coronavirus starben, waren ĂŒber 50 Jahre alt und hatten gesundheitliche Vorbelastungen«, so 32 Abgeordnete aus Pennsylvania in einem Brief vom 8. Februar an den Gouverneur von Pennsylvania, Thomas Wolf.


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NEUER BEITRAG09.03.2021, 12:44 Uhr
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arktika

Prison Radio zu Mumias "Alltag" im Knast Am 2. MĂ€rz schrieben 2 Kolleginnen von Prison Radio (San Francisco) - Miranda Hanrahan und Jennifer Black - einen Beitrag zu Mumias Situation im Knast. Dieser Beitrag wurde verfaßt als Reaktion auf den Verdacht, Mumia Abu-Jamal könnte an Covid-19 erkrankt sein.
Die jW hat ihn gestern veröffentlicht:

Die Kiste unter dem Bett
Anstelle der Kolumne Mumia Abu-Jamals: Ein Blick auf seine prekÀren Arbeitsbedingungen


GefĂ€ngnisse sind als abschreckend und unzugĂ€nglich bekannt. Wir bei Prison Radio lernen jeden Tag neu, damit umzugehen, uns gegenseitig zu stĂ€rken und immer neue Wege zu finden, Stimmen der Gefangenen ĂŒber die Mauern hinweg zu verbreiten, um die Kluft zwischen drinnen und draußen zu ĂŒberbrĂŒcken. »Perfecting Tyranny«, der kĂŒrzlich von Prison Radio veröffentlichte dritte Band der »Murder Incorporated«-Trilogie der Autoren Mumia Abu-Jamal und Stephen Vittoria, wird uns förmlich aus den HĂ€nden gerissen.

Stellen Sie sich vor, Sie selbst mĂŒssten ein solches Meisterwerk unter den gefĂ€hrlichen und drakonischen Bedingungen eines GefĂ€ngnisses in Pennsylvania schreiben. Genau das ist ­Mumias Alltag. Er ist immer noch gezwungen, mit der Hand zu schreiben oder auf einer aus Kunststoff bestehenden Schreibmaschine! Computer sind im Knast nicht erlaubt. Mit einem sehr einfachen Tablet kann er nur E-Mails von 2.000 Zeichen LĂ€nge schreiben, sie aber nicht speichern. Eingehende E-Mails kann er weder speichern noch ausdrucken.

Die Kommunikation mit den Gefangenen in Pennsylvania wurde erheblich erschwert, seit 2018 die bizarre Vorschrift erlassen wurde, dass alle per Post verschickten Briefe und Karten den Weg ĂŒber eine im Auftrag der GefĂ€ngnisbehörde tĂ€tige Privatfirma namens »Smart Communications« in Florida nehmen mĂŒssen. Die kafkaeske Regelung sieht vor, dass jede Postsendung, die Mumia bekommt, erst nach Florida geschickt, dort gescannt und als Datensatz an das GefĂ€ngnis in Pennsylvania geschickt wird. Dort erhĂ€lt der Gefangene einen Ausdruck der Sendung. (Die Originale werden vernichtet, Anm. jW). Indem sie das Monopol auf die »Postbearbeitung« gewĂ€hrt, sichert die GefĂ€ngnisbehörde von Pennsylvania einem Privatunternehmen auch auf diesem Weg enorme Profite. Ein GeschĂ€ft, das wie ĂŒblich auf Kosten des Kontakts der Inhaftierten zur Außenwelt geht.

Was den Besitz von BĂŒchern betrifft, so verstĂ¶ĂŸt der Gefangene gegen die Vorschriften, wenn er mehr als sieben BĂŒcher gleichzeitig in seiner Zelle hat. Im vergangenen Jahr wurde Mumia die gebundene Ausgabe von Band 2 seines Werkes »Murder Incorporated – America’s Favorite Pastime« verweigert. Statt dessen erhielt er eine zweiwöchige Disziplinarstrafe mit Telefon- und Besuchsverbot. Der Grund: Er habe seine persönliche Habe nicht auf eine Menge reduziert, die in eine Kiste unter sein Bett passt.

Stellen Sie sich vor, Sie seien wie Mumia einer der fĂŒhrenden Intellektuellen des Landes, der maßgebliche BeitrĂ€ge zur kritischen »Rassen«-Theorie leistet, und Ihr BĂŒcherbestand wĂŒrde auf sieben StĂŒck beschrĂ€nkt – und damit auf weniger BĂŒcher, als Sie selbst als Autor verfasst haben! Mumia hat wĂ€hrend seiner Haft an der kalifornischen UniversitĂ€t von Santa Cruz promoviert, nachdem er zuvor sein Postgraduiertenstudium an der Ohio State University abgeschlossen hatte. Unter den beschriebenen BeschrĂ€nkungen hat er es sogar geschafft, seine Dissertation zu schreiben.

Mit seinem Engagement und intellektuellen Leben ist er fĂŒr uns von Prison Radio eine große Inspiration. Dabei beweist er uns mit jedem seiner AtemzĂŒge nicht nur seinen eigenen Mut und seine Brillanz als Autor, sondern auch, wie widerstandsfĂ€hig der menschliche Geist ist. Seine Siege sind auch unsere Siege. Und Sie können gewiss sein, dass Sie durch Ihre UnterstĂŒtzung der Arbeit von Prison Radio auch entscheidend zu Mumias Überleben beitragen.


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