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NEUES THEMA11.10.2006, 13:01 Uhr
Nutzer / in
Tibor Zenker
GAST
• Das Kamel vorm Himmelstor "Es ist leichter, dass ein Kamel durch ein Nadel├Âhr gehe, als dass ein Reicher in das Himmelreich eingehe", soll einst ein j├╝discher Sektenf├╝hrer gelehrt haben. (Mt 19,24) - Nun, jenseitige Spekulationen und zweifelhafte Experimente mit pal├Ąstinensischen Dromedaren seien anderen ├╝berlassen, wir wollen beim Diesseits bleiben. Friedrich Karl Flick, der reichste Mann ├ľsterreichs, ist im Alter von 79 Jahren verstorben. Uns sollen Herkunft und Hintergrund dieses Reichtums interessieren.


[flick.jpg]Zwischen sechs und sieben Milliarden Euro soll der in Deutschland geborene Friedrich Karl Flick an Verm├Âgen hinterlassen haben, steuerschonend geparkt in einer ├Âsterreichischen Privatstiftung. Diese Stiftungskonstrukte, eine Errungenschaft einer fr├╝heren gro├čen Koalition, sind bereits ein Skandal f├╝r sich: es handelt sich dabei um nichts anderes als "legale Steuerhinterziehung" - eigentlich erstaunlich, dass der ehrenwerte SP├ľ-Finanzminister Ferdinand Lacina seinerzeit in keinem geringeren Ausma├č f├╝r Entlastungen der Reichen und Belastungen der einfachen Menschen wirkte, als es Karl Heinz Grasser zuzuschreiben ist. - Doch zur├╝ck zu Flick!

Flick sen. und der Faschismus

Friedrich Karl Flick war der Sohn von Friedrich Flick, bereits in der Weimarer Republik und nach dem Zweiten Weltkrieg schlie├člich abermals der reichste Unternehmer Deutschlands. Dieser Reichtum entstammte zun├Ąchst einem der gr├Â├čten deutschen Konzerne der Zwischenkriegszeit, vornehmlich in den Bereichen Stahlindustrie, Kohlebergbau und R├╝stung t├Ątig. Friedrich Flick war ein Paradebeispiel nicht nur f├╝r die grunds├Ątzlich gegebene Verquickung von Monopolkapital und Politik im staatsmonopolistischen Kapitalismus und insbesondere f├╝r die Zusammenh├Ąnge des milit├Ąrisch-industriellen Komplexes, sondern noch viel mehr f├╝r die monopolkapitalistischen Hintergr├╝nde des Faschismus. Flick sen., auch Mitglied im "Freundeskreis Himmler", ├╝berwies in den 1930er Jahren rund 100.000 Reichsmark j├Ąhrlich an die NSDAP. W├Ąhrend der faschistischen Diktatur 1933-1945 wurde ihm dies reichlich vergolten: die Wehrmacht wurde insbesondere durch Auftr├Ąge an seine Unternehmen f├╝r den Aggressionskrieg aufger├╝stet, der Flick-Konzern konnte sich bedeutende Unternehmen auf dem Weg der Arisierung aneignen, schlie├člich brachte es das NSDAP-Mitglied Flick sen. zum "Wehrwirtschaftsf├╝hrer". Letztlich wurde der immense Reichtum der Flick-Familie in diesen Jahren auch durch 50-60.000 ZwangsarbeiterInnen, vornehmlich aus Osteuropa, geschaffen.

[flicksen.jpg]Im Zuge des f├╝nften N├╝rnberger Prozesses wurde Flick sen. wegen "Versklavung und Verschleppung zur Sklavenarbeit" zu sieben Jahren Haft verurteilt. Von diesen sieben Jahren musste er jedoch nur drei absitzen, schon 1950 wurde er durch US-Hochkommissar John McCloy begnadigt. - Flick sen. machte sodann dort weiter, wo er zuvor aufh├Âren musste: fern jeder Schuldeinsicht verweigerte er bis zu seinem Tod - wie auch sein Sohn bis zum seinigen - jede Entsch├Ądigung f├╝r die ehemaligen ZwangsarbeiterInnen seiner Betriebe. In den 1960er Jahren war Flick sen. bereits wieder der unumschr├Ąnkt reichste Mann der BRD, vornehmlich in der Stahlindustrie t├Ątig und u.a. gr├Â├čter Einzelaktion├Ąr bei Daimler-Benz sowie mit Beteiligungen z.B. an Krauss-Maffei, Dynamit Nobel oder Buderus. Auch die Parteispenden flossen wieder reichlich, nun eben an Konrad Adenauers CDU und sp├Ąter an CSU-Chef Franz Josef Strau├č, letztlich an Helmut Kohl. Und wiederum wurde der faschistische Verbrecher Flick sen. daf├╝r ganz staatstragend belohnt, n├Ąmlich 1963 mit dem "Gro├čen Bundesverdienstkreuz mit Stern und Schulterband" - soviel zum Antifaschismus in der BRD.

Flick jun. und die Parteispendenaff├Ąre

Als Friedrich Flick 1972 verstarb, hinterlie├č er seinem Sohn Friedrich Karl Flick einen Konzern mit 330 Unternehmen, 300.000 Besch├Ąftigten und einem Jahresumsatz von umgerechnet ├╝ber 9 Milliarden Euro. 1975 verkaufte der Erbe seinen Daimler-Anteil und 1985 schlie├člich alle Beteiligungen jeweils an die Deutsche Bank AG. Seit 1994 lebte Flick jun. als Steuerfl├╝chtling in ├ľsterreich, hierzulande auch Besitzer des gr├Â├čten privaten Forstbetriebes. - Nun ist Friedrich Karl Flick also verstorben, die ├Âsterreichische Industriellenvereinigung, die Wirtschaftskammer und J├Ârg Haider zeigten sich betroffen. Aber: War da nicht noch etwas?

Ja, in der Tat! In der ersten H├Ąlfte der 1980er Jahre flog eine Korruptionsaff├Ąre auf, die alle damals im BRD-Bundestag vertretenen Parteien (Union, SPD, FDP) betraf. Der Flick-Konzern hatte die 70er Jahre hindurch Millionen Euro "zur Pflege der politischen Landschaft" aufgewendet. Im Gegenzug gab es Steuerbeg├╝nstigungen, konkret ging es um den oben erw├Ąhnten Verkauf der Flickschen Daimler-Anteile, wo Flick rund 500 Millionen Euro erlassen wurden. - Nun, es gab im Zuge dieser "Flick-Aff├Ąre" R├╝cktritte und letztlich gar Verurteilungen, aber nachdem ja das gesamte politische Establishment und die monopolkapitalistische Elite verwickelt waren, blieb es bei Bauernopfern. So wurde Flicks "Generalbevollm├Ąchtigter" Brauchitsch verurteilt, Flick selbst jedoch nicht einmal vor Gericht gestellt. Bemerkenswert bleibt jedenfalls die methodische Kontinuit├Ąt eines exemplarischen Monopolkonzerns von der Weimarer Republik ├╝ber die faschistische Diktatur bis zur BRD. Es mag im Konkreten unterschiedliche politische Formen b├╝rgerlicher Herrschaft geben, aber es gibt nur einen Monopolkapitalismus, der allen zugrunde liegt, und diese Herrschaft der Monopole impliziert offensichtlich Verbrechen.

Friedrich Karl Flick, immerhin ja auch Tr├Ąger des "Gro├čen Goldenen Ehrenzeichens mit Stern f├╝r Verdienste um die Republik ├ľsterreich", war vor dem Auge des Gesetzes kein Verbrecher. Schlie├člich hat er wohl von nichts etwas gewusst. Vielleicht ist das f├╝r Flick ein Hintert├╝rchen: "Selig sind die Armen im Geiste; denn ihrer ist das Himmelreich." (Mt 5,3)

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