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NEUES THEMA23.06.2017, 22:08 Uhr
EDIT: FPeregrin
09.05.2022, 22:58 Uhr
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FPeregrin

Zu Erfindung und Funktion des 'Holodomor' Zu einer der dreistesten und erfolgreichsten GeschichtslĂŒgen des Klassenfeinds - den sog. "Holomodor" - heute in der jW ein lesenswerter Artikel von Thanasis Spanidis m.d.T. Der erfundene Völkermord, dessen letzten Absatz hier einmal zitiere:

"Beim »Holodomor« handelt es sich also um einen besonders dreisten Fall von GeschichtsfĂ€lschung, da jedes Detail des relativ gut erforschten Ereignisses der These eines gewollten »Völkermords« widerspricht. Erst recht gilt das, wenn man bedenkt, dass es durchaus andere historische Ereignisse gibt, die man als »Hungergenozid« bezeichnen könnte. So beispielsweise die Hungersnot von Bengalen 1943, als die britischen Kolonialherren den Tod von geschĂ€tzten 1,5 bis vier Millionen Menschen achselzuckend hinnahmen. Nichts dergleichen geschah in der Sowjetunion. Dennoch ist der erfundene ukrainische Völkermord viel bekannter als der tatsĂ€chliche Hungergenozid des britischen Kolonialismus. Der Grund dafĂŒr ist offensichtlich: LĂŒgen haben nur dann kurze Beine, wenn sie nicht von mĂ€chtigen Interessen unterstĂŒtzt werden. Der »Holodomor« aber erfĂŒllt mindestens eine dreifache politische Funktion: Erstens und vor allem geht es darum, das aus der Oktoberrevolution hervorgegangene System als mörderische und menschenverachtende Diktatur darzustellen und damit die Vision einer sozialistischen Gesellschaft, also der planmĂ€ĂŸigen Produktion und Verteilung der GĂŒter in einer Gemeinschaft der Gleichen, an sich zu diskreditieren. Zweitens wollen bestimmte Kreise mit dem »kommunistischen Völkermord« die Verbrechen der deutschen Faschisten und ihrer VerbĂŒndeten, insbesondere ihrer ukrainischen Hilfstruppen, relativieren, in den Hintergrund rĂŒcken oder gar als Reaktion auf den »stalinistischen Terror« darstellen. Und drittens schließlich ist der »Holodomor« ein nĂŒtzliches Propagandainstrument im Dienste des westlichen Imperialismus und der fanatisch antirussisch eingestellten Regierungen in Osteuropa, allen voran der ukrainischen. Russland wird als Nachfolgestaat eines genozidalen Systems angeprangert, um tief verwurzelte Vorurteile und Ängste der Bevölkerungen gegenĂŒber einem angeblich typisch russischen Despotismus zu mobilisieren. Das verfĂ€lschte Geschichtsbild des ukrainischen Nationalismus dient nicht zuletzt dem Kiewer Putschregime zur Rechtfertigung seiner Politik. Es bedarf wohl keiner großen Voraussicht, wenn man also davon ausgeht, dass uns die Legende vom »Holodomor« noch eine Zeitlang erhalten bleiben wird."

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NEUER BEITRAG15.04.2022, 18:01 Uhr
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FPeregrin

Zu Erfindung und Funktion des 'Holomodor' #Ukraine:

Da die Darstellung dieses MÀrchens als feste historische Tatsache z.Z. an aktueller Bedeutung gewinnt, sei o.g. jW-Artikel Der erfundene Völkermord, der inzwischen nicht mehr frei zugÀnglich ist, noch einmal vollstÀndig gespiegelt:


Aus: Ausgabe vom 23.06.2017, Seite 12 / Thema
Geschichtspolitik

Der erfundene Völkermord

Die Behauptung, Anfang der 1930er Jahre habe die Sowjetunion unter Stalin in der Ukraine eine Hungersnot initiiert, um politischen Widerstand zu brechen, hĂ€lt sich bis heute – die Fakten zeigen indes ein anderes Bild

Von Thanasis Spanidis

»Bitter Harvest« oder auf deutsch: »Holodomor – bittere Ernte« ist der Titel eines aufwendigen »Geschichtsdramas«, das Ende Februar dieses Jahres in den USA in die Kinos kam. Der Film stellt, selbst gemessen an Hollywood-Standards, einen ganz besonders dreisten Fall von GeschichtsfĂ€lschung dar. Sein Thema ist die »ukrainische Hungersnot« von 1932/33, die, folgt man den Filmemachern, von der sowjetischen Regierung absichtlich ins Werk gesetzt wurde, um die Ukrainer fĂŒr ihren Freiheitsdrang zu bestrafen.

Der Regisseur George Mendeluk ist nicht zufĂ€llig ein ukrainischer Exilant aus Kanada. FĂŒr das Drehbuch stellte der ukrainisch-kanadische Investor Ian Ihnatowycz 21 Millionen US-Dollar zur VerfĂŒgung. Da der Streifen, abgesehen vom geschichtsklitternden Inhalt, auch filmisch in jeder Hinsicht zu wĂŒnschen ĂŒbriglĂ€sst, darf man immerhin hoffen, dass ihm ein nennenswerter Erfolg verwehrt bleibt. Jedenfalls: Mendeluks »Werk« zeichnet das Bild einer Ukraine, in der vor der Oktoberrevolution idyllische ZustĂ€nde herrschten, bis bösartige Bolschewisten mit russischem Akzent mordend und brandschatzend ĂŒber das Land herfielen. Erbost darĂŒber, dass die Ukrainer sich das nicht gefallen ließen, befahl Stalin, sie alle zu Tode zu hungern. Aber dann ein Lichtblick: Nachdem Millionen gestorben sind, stehen die Massen auf und machen sich ans Kommunistentöten, um ihre »Freiheit« zurĂŒckzugewinnen.

Das Erscheinen des Films im Jahr 2017 dĂŒrfte kaum ein Zufall sein. Die NATO ist in den vergangenen Jahren auf offenen Konfrontationskurs gegenĂŒber Russland gegangen. Ein wichtiger Baustein bei der Einkreisung Moskaus ist das Regime in Kiew, zu dessen NationalerzĂ€hlung der »Holodomor« fest dazugehört. Der Begriff ist eine ukrainische Wortneuschöpfung, die in etwa »Mord durch Hunger« bedeutet und dessen klangliche Ähnlichkeit mit dem Wort »Holocaust« wohl beabsichtigt ist. Vor allem aber ist der »Holodomor« eins: ein MĂ€rchen und keine geschichtliche Tatsache.

Doch so falsch das Geschichtsbild des Films, randstĂ€ndig ist es keineswegs. Zwar sind ukrainische Faschisten und Nationalisten seit jeher die eifrigsten Vertreter der Holodomor-LĂŒge. Sie sind aber bei weitem nicht die einzigen. Auch zahlreiche Regierungen schließen sich der GeschichtsfĂ€lschung an. Bis dato erkennen 24 Regierungen den »Holodomor« als Völkermord an, darunter Polen, Australien, Kanada, die USA, Spanien, Tschechien und einige LĂ€nder Lateinamerikas. Auch das EU-Parlament bezeichnete 2008 den »Holodomor« als Verbrechen gegen die Menschlichkeit.

Die Entstehung eines Mythos

Das Geburtsjahr des »Hungergenozids« ist das Jahr 1935. Damals veröffentlichten US-Zeitungen, die dem Imperium des Medienmoguls William Randolph Hearst angehörten, eine Serie ĂŒber die »ukrainische Hungersnot«, gezeichnet von Thomas Walker. Hearst selbst war einer der reichsten MĂ€nner der Welt und glĂŒhender AnhĂ€nger von Hitler und Mussolini. Es dauerte allerdings nicht lange, bis sich alles an der Serie als FĂ€lschung herausstellte: Nicht nur die Behauptungen Walkers waren erfunden, auch seine Bilder stammten aus anderen historischen Kontexten, aus Österreich-Ungarn wĂ€hrend des Ersten Weltkriegs oder Russland wĂ€hrend der Hungersnot von 1921/22.1 Diese Peinlichkeiten hielten natĂŒrlich den Völkischen Beobachter nicht davon ab, die SchauermĂ€rchen der Hearst-Presse zu ĂŒbernehmen und in den Dienst der Propaganda gegen den »jĂŒdischen Bolschewismus« zu stellen.

Das Nazireich wurde 1945 begraben, nicht aber die LĂŒge ĂŒber den »Hungerholocaust«. Denn weiterhin standen starke Interessen dahinter. Es hatte wĂ€hrend der faschistischen Besatzung der Ukraine vor allem in den westlichen Gebieten eine Kollaborationsbewegung gegeben. Die Ukrainische Aufstandsarmee (UPA) war unter ihrem FĂŒhrer Stepan Bandera (1909–1959) an schwersten Kriegsverbrechen gegen polnische, jĂŒdische und prosowjetische Zivilisten beteiligt gewesen und assistierte den Einheiten der SS und der Wehrmacht auch bei der DurchfĂŒhrung des Judenmords. Der zentrale Opfermythos, der die Verbrechen der UPA verdrĂ€ngen oder zumindest verstĂ€ndlicher machen soll, ist der »Holodomor«.

Und selbst bei den Historikern findet sich der Mythos bis heute: Zwar lehnen Geschichtswissenschaftler, die sich an ein Mindestmaß qualitativer Forschungsstandards halten, die These vom »Holodomor« ab. Doch nach wie vor erfreut sich das Holodomor-Standardwerk »Harvest of Sorrow« des britischen Historikers und Geheimdienstmitarbeiters Robert Conquest aus dem Jahr 1986 einer gewissen Beliebtheit.2 Als Renegat der kommunistischen Bewegung hatte der stramme ReaktionĂ€r Conquest seine eigentliche Berufung beim Information Research Department (IRD) gefunden. Das IRD war eine Behörde des britischen Außenministeriums, deren wichtigstes Ziel es war, Desinformationskampagnen gegen die Sowjetunion zu organisieren. Es war auch das IRD, das Conquest dazu bewog, antisowjetische Propaganda in Form akademischer Buchpublikationen zu betreiben.3 Doch so nĂŒtzlich Conquests Buch fĂŒr antikommunistische Zwecke war, die Fachwelt war wenig begeistert. Die wichtigsten westlichen Historiker, die sich mit der Geschichte der Sowjetunion befassten, verwarfen allesamt die Publikation als unwissenschaftlich und Conquests Kernthese vom »Hungergenozid« als absurd. Im Jahr 2010 legte Timothy Snyder von der UniversitĂ€t Yale mit seinem Bestseller »Bloodlands« nach, der in punkto Geschichtsrevisionismus selbst noch Conquest ĂŒbertraf.4 Auch hier zeigten sich die Fachkollegen skeptisch, aber das Klima hatte sich spĂŒrbar verĂ€ndert. Eine grundlegende Kritik an Snyder wurde nur noch selten laut.


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NEUER BEITRAG15.04.2022, 18:04 Uhr
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FPeregrin

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Baustein des Nationalismus

Der »Holodomor« ist also ein wichtiger Baustein des herrschenden Geschichtsbildes von der Sowjetunion bzw. den drei Jahrzehnten, in denen Stalin GeneralsekretĂ€r der Kommunistischen Partei war. Doch wĂ€hrend insgesamt sehr wenig von dem, was die breitere Öffentlichkeit (einschließlich des Großteils der »Linken«) ĂŒber diese Zeit zu wissen glaubt, wirklich den Tatsachen entspricht, stellt die Holodomor-LĂŒge eine besondere QualitĂ€t der Geschichtsklitterung dar.

Folgendes soll sich in den Jahren 1932/33 demnach abgespielt haben: Stalin, der zumeist in eins gesetzt wird mit der gesamten sowjetischen FĂŒhrung, habe die Landwirtschaft auspressen wollen, um damit die Industrialisierung der Sowjetunion zu finanzieren. Außerdem habe ihm der ukrainische Nationalismus zu schaffen gemacht. Stalin habe die Bauern und die Ukrainer im besonderen verachtet. Um den Widerstand der ukrainischen Bauern zu brechen, habe er dann beschlossen, die Ukrainer einer fĂŒrchterlichen Hungersnot zu unterwerfen. Als diese ausbrach, habe die Regierung die Republikgrenzen geschlossen, um jede Flucht unmöglich zu machen, unterdessen aber weiterhin munter Millionen Tonnen Getreide exportiert. Das Ergebnis dieser gewollten Hungersnot seien je nach Darstellung sieben, zehn oder vierzehn Millionen Tote gewesen. Dass die »SchĂ€tzungen« knapp oberhalb der Opferzahl des faschistischen Völkermords an den Juden ansetzen, dĂŒrfte kein Zufall sein.

TatsĂ€chlich hat sich jedoch fast nichts so ereignet, wie es der Mythos behauptet: Die sowjetische FĂŒhrung wollte zu keinem Zeitpunkt der Geschichte irgendeine Hungersnot, sondern hat darin im Gegenteil ĂŒber Jahrzehnte eine stĂ€ndige Gefahr gesehen. Sie unternahm sogar einiges, um sie einzudĂ€mmen. FĂŒr die Behauptung, Stalin habe die Bauern und/oder die Ukrainer gehasst, gibt es keine Belege, wohl aber zahlreiche fĂŒr das Gegenteil. Die Behauptung einer »menschengemachten« Hungersnot ist ebenfalls falsch, da in Wahrheit natĂŒrliche Faktoren entscheidend waren. Dass die Sowjetunion kaltblĂŒtig ihre Getreideexporte fortgesetzt habe, ist bestenfalls eine stark verzerrte Sichtweise. Und schließlich dĂŒrfte auch die behauptete Zahl der Hungertoten ĂŒbertrieben sein. Wahr ist an alledem nur eines: Es ist nicht zu bezweifeln, dass sich 1932/33 in Teilen der Sowjetunion eine schwere Hungersnot mit vielen Todesopfern ereignete.

Unter seriösen Historikern gibt es dennoch einen gewissen Streit ĂŒber deren Ursachen, der sich darum dreht, zu welchem Grad nicht nur Umweltfaktoren, sondern auch politische Entwicklungen zu ihrer VerschĂ€rfung beitrugen. Robert Davies und Stephen Wheatcroft sehen in der Agrarpolitik der Sowjetregierung den Hauptgrund fĂŒr die Hungersnot: Die Kollektivierung der Landwirtschaft sei mit halsbrecherischer Geschwindigkeit durchgesetzt worden bei gleichzeitiger Erhöhung der Getreideabgaben, um durch die Industrialisierung bewirkte AusfĂ€lle zu decken. Die beginnende Ausstattung der Bauern mit Traktoren, verbessertem Saatgut und KunstdĂŒnger habe den Zusammenbruch der Landwirtschaft nur teilweise kompensieren können. Die Autoren betonen jedoch, dass die Hungersnot unerwartet kam und in höchstem Maße unerwĂŒnscht war. Die Gegenmaßnahmen der Regierung reichten dann jedoch nicht mehr aus, um ein Massensterben zu verhindern.5

UnterschÀtzte Umweltbedingungen

Mark B. Tauger hat dagegen nicht nur die Version einer beabsichtigten Hungersnot, sondern auch die einer unbeabsichtigten, aber dennoch »menschengemachten« Katastrophe einer umfassenden Kritik unterzogen. Der renommierte Experte der sowjetischen Agrargeschichte verfolgt im Kern zwei Argumentationslinien. ZunĂ€chst bietet er eine umfassendere Analyse der Faktoren, die zur Hungersnot gefĂŒhrt haben, als alle anderen Autoren und weist nach, dass die Umweltbedingungen als Ursache der Hungersnot den bei weitem wichtigsten Faktor darstellten. Große Teile der Sowjetunion wurden 1931/32 von einer schweren DĂŒrre heimgesucht, gleichzeitig kam es in einigen Regionen zu schweren RegenfĂ€llen und Überflutungen, die große Teile der Ernte vernichteten. BegĂŒnstigt durch die ĂŒbermĂ€ĂŸige Feuchtigkeit, brachen schwere Pflanzenkrankheiten aus, vor allem Rostpilz in mehreren Varianten, Getreidebrand und Mutterkorn. ZusĂ€tzlich vermehrten sich SchĂ€dlinge und alle Arten von Unkraut in Massen. Nach einer sowjetischen SchĂ€tzung wurden etwa neun Millionen Tonnen Getreide oder 13–20 Prozent der Gesamternte allein durch Getreidebrand und Rostpilz vernichtet. Die Ernteeinbußen durch weitere Krankheiten, SchĂ€dlinge und Wetterbedingungen waren ebenfalls substantiell. Das Zusammenkommen mehrerer enorm ungĂŒnstiger Faktoren löste also eine schwere Krise der Nahrungsproduktion aus, die jedem damaligen Landwirtschaftssystem große Probleme bereitet hĂ€tte. Die NahrungsengpĂ€sse und Hungersnöte der vergangenen Jahre hatten auch den Bestand an Zugpferden stark in Mitleidenschaft gezogen, was die KapazitĂ€t zum PflĂŒgen der Felder verringerte.

Die vieldiskutierten »menschengemachten« Faktoren spielen in Taugers Analyse demgegenĂŒber nur eine sekundĂ€re Rolle. Durch die Industrialisierung zogen viele landwirtschaftliche ArbeitskrĂ€fte in die StĂ€dte. Die Kollektivierung beeintrĂ€chtigte wohl kurzfristig ebenfalls die Ernte, weil sie mit der Umsiedlung der wohlhabenden Bauern (»Kulaken«) einherging und widerstĂ€ndige Bauern Getreide oder Vieh vernichteten. Das fiel aber nicht so stark ins Gewicht, weil die Kulaken in der Regel ihre TĂ€tigkeit fortsetzten und weil bĂ€uerlicher Widerstand nicht das Fehlen vieler Millionen Tonnen Getreide erklĂ€ren kann. DafĂŒr hĂ€tte sich schon ein Großteil der Landbevölkerung an solchen Aktionen beteiligen mĂŒssen. Schließlich trugen auch Fehler und Ineffizienz der Wirtschaftsplanung und -verwaltung auf dem Land, unvollstĂ€ndige Kenntnis der Umweltbedingungen und unzuverlĂ€ssige Informationsbeschaffung der Regierung zur Verschlimmerung der Lage bei. Insgesamt hĂ€lt Tauger jedoch fest, dass ein außergewöhnliches Zusammentreffen extrem ungĂŒnstiger Umweltfaktoren eine Hungersnot auslöste, die durch den Mangel an Arbeits- und Zugkraft, FĂ€lle von Missmanagement und bĂ€uerlicher Sabotage in einem nicht genau quantifizierbaren Ausmaß verschĂ€rft wurde.

Die Regierung war sich der Gefahr einer Hungersnot bewusst, unterschĂ€tzte sie aber, da der sowjetische Staat zu diesem Zeitpunkt weder ausreichend ĂŒber effektive Informationsbeschaffungssysteme noch ĂŒber landwirtschaftliches Expertenwissen verfĂŒgte. Beides befand sich erst im Aufbau. Die Regierung ging dennoch zu einem breiten Spektrum an Maßnahmen ĂŒber, um die Hungersnot einzudĂ€mmen. Das vom Land abgezogene Getreide (ĂŒber staatliche Abgaben und PrivatverkĂ€ufe der Bauern) sank erheblich von 18,8 Millionen Tonnen 1931 auf 13,7 Millionen Tonnen 1932. Viele erzwungene Abgaben hatten zudem in den Hungergebieten stattgefunden und wurden zurĂŒckerstattet. Die Getreideexporte, die oft als Beleg angefĂŒhrt wurden, dass die Regierung den Hungertod von Millionen in Kauf nahm, wurden in Wirklichkeit nach Ausbruch der Hungersnot drastisch reduziert: Mitte 1931 bis Mitte 1932 waren noch 4,7 Millionen Tonnen exportiert worden, im Folgejahr nur noch 1,6 Millionen, davon nur 220.000 Tonnen im ersten Halbjahr 1933, gemessen an der GesamtgrĂ¶ĂŸe der Ernte eine minimale GrĂ¶ĂŸe. Die staatlichen Getreidereserven waren eine stĂ€ndige Sorge der SowjetfĂŒhrung, die den Aufbau solcher Reserven fĂŒr den Kriegsfall als wichtige PrioritĂ€t sah. Dennoch wurden diese nun weitgehend fĂŒr die ErnĂ€hrung der Bevölkerung aufgebraucht, einschließlich der Getreidelager der Roten Armee. Insgesamt wurden 5,76 Millionen Tonnen an Nahrung und Saatgut in die Hungergebiete geliefert, die grĂ¶ĂŸte Hungerhilfe der sowjetischen und russischen Geschichte. Da die Ernte insgesamt bei weitem zu niedrig war, bildete das PolitbĂŒro der Kommunistischen Partei ab September 1932 eine Kommission zur Ernteverbesserung, der auch Stalin und Außenminister Molotow angehörten. SpĂ€testens jetzt hatte die Hungersnot die volle Aufmerksamkeit der politischen FĂŒhrung. Das Landwirtschaftsministerium legte Programme zur SchĂ€dlingsbekĂ€mpfung und Erntesteigerung mit verbessertem Saatgut auf. Ineffizient arbeitende FunktionĂ€re auf dem Land wurden durch erfahrene Bauern ausgetauscht. Neue Gesetze sollten auch durch Strafen die Arbeitsdisziplin verbessern. Politische Abteilungen wurden in den Maschinen-Traktoren-Stationen auf dem Land sowie in den Staatsfarmen gegrĂŒndet, um die Arbeitsorganisation zu verbessern. Die unkontrollierte Binnenmigration hungernder Menschen wurde eingeschrĂ€nkt, um die Bauern dazu zu zwingen, weiter ihre Felder zu bestellen. Die genaue Betrachtung ergibt damit das Bild einer Staats- und ParteifĂŒhrung, die ernsthaft darum bemĂŒht war, eine Hungersnot zu verhindern, aber bei weitem nicht die dafĂŒr erforderlichen Ressourcen hatte.6


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NEUER BEITRAG15.04.2022, 18:06 Uhr
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FPeregrin

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Notwendige Kontextualisierung

Taugers zweite Argumentationslinie besteht darin, die Kollektivierung in den Kontext der russischen und sowjetischen Agrargeschichte zu stellen. Verschiedene Autoren haben die Kollektivierung der Landwirtschaft als politisch motivierte Entscheidung dargestellt, die ökonomisch desaströs war, aber dazu diente, die Opposition der Bauern zu brechen und die Getreideabgaben zu erhöhen. Diese Position lĂ€sst sich aus den historischen Quellen jedoch nicht nur nicht belegen, sondern steht im direkten Widerspruch zu den tatsĂ€chlich nachweisbaren Motiven der kommunistischen FĂŒhrung. Diese betrachtete die Unterentwicklung der Landwirtschaft als zentrales Hindernis fĂŒr den sozialistischen Aufbau und eine ausreichende ErnĂ€hrung der Bevölkerung. Tatsache ist, dass im Zarenreich und den Jahren nach der Revolution die landwirtschaftliche ProduktivitĂ€t so niedrig war, dass jede Störung der normalen ErnteablĂ€ufe ausreichte, um eine Hungersnot auszulösen. So hatte es 1891/92 eine Hungersnot gegeben, 1918–22 dann eine extrem schwere wĂ€hrend des BĂŒrgerkriegs und weitere wiederum in den Jahren 1924/25, 1927 und 1928/29.

Diesen Zustand sah die Regierung als untragbar und als gewaltiges Hindernis fĂŒr die Industrialisierung des Landes an. In Stalins These des »Sozialismus in einem Land« nahm das BĂŒndnis mit der Bauernschaft eine zentrale Stellung ein: Nur wenn man die Bauern als aktive UnterstĂŒtzer und HauptverbĂŒndete der Diktatur des Proletariats gewinne, die Landwirtschaft modernisiere und die ErnĂ€hrungsfrage ein fĂŒr allemal löse, könne die Sowjetunion in einer feindlichen Umwelt ĂŒberleben. Stalins Ziel war nicht die »Brechung«, sondern die politische Aktivierung und Mobilisierung der Bauern, die Hebung ihres Kulturniveaus und die effizientere Organisierung der Arbeitsprozesse.

Die Modernisierung der Landwirtschaft war aus Sicht der Regierung nur möglich, wenn die kleinteiligen bĂ€uerlichen Höfe und Dörfer zu grĂ¶ĂŸeren Einheiten zusammengeschlossen wĂŒrden, die moderne Technik auf der Grundlage wissenschaftlicher Kenntnisse anwenden könnten. Die Kollektivierung taucht in den Beratungen, Diskussionen und BeschlĂŒssen von Partei und Regierung nicht als Mittel zur Erhöhung der Getreideabgaben auf, sondern als Beginn einer langfristigen Modernisierung und Transformation der Landwirtschaft im Interesse sowohl der Land- als auch der Stadtbevölkerung. Und es blieb auch nicht bei AbsichtserklĂ€rungen: Weit davon entfernt, die Landwirtschaft irgendwie »auszupressen«, leitete die Regierung gerade wĂ€hrend der Kollektivierung umfassende Ressourcen in diesen Bereich. Wurden 1928/29 noch 8,1 Prozent des Nationaleinkommens in die Landwirtschaft investiert, erreichten die Investitionen 1930 einen Höhepunkt von 12,2 Prozent, um dann vor allem Ende der 1930er Jahre im Kontext der Kriegsvorbereitungen wieder zu sinken. Dabei sind allerdings die umfassenden Investitionen, die in die industrielle Produktion landwirtschaftlicher GerĂ€te wie Traktoren flossen, noch nicht eingerechnet. Die Vorstellung einer modernen Landwirtschaft, wie sie mehrheitlich unter den fĂŒhrenden Bolschewiki vorherrschte, bestand in einer Imitation des US-amerikanischen Modells der mechanisierten Großfarm unter sozialistischen Bedingungen. Einige sehr erfolgreiche Experimente mit Staatsfarmen (Sowchosen) in den Jahren zuvor hatten die Machbarkeit dieser Idee bestĂ€tigt. Und auch wenn bei der Kollektivierung viele unvorhergesehene Probleme auftauchten, es zu Gewaltexzessen kam, manche Ziele nicht erreicht wurden und auch die ökologische Bilanz dieser Form der Landwirtschaft problematisch ist, handelte es sich um den vermutlich einzig realistischen Ansatz, das Agrar- und Nahrungsproblem des Landes zu lösen.7


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NEUER BEITRAG15.04.2022, 18:09 Uhr
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FPeregrin

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Verzerrte Wahrnehmung

Die Wahrnehmung der sowjetischen Kollektivierung insgesamt ist, wie Mark B. Tauger zeigt, vollkommen verzerrt. Dazu haben nicht nur Leute wie Snyder beigetragen, sondern auch seriösere Historiker. Die bĂ€uerliche Opposition gegen die Kollektivierung wird von zahlreichen Autoren grotesk ĂŒberzeichnet, indem einzelne Anekdoten kurzerhand fĂŒr reprĂ€sentativ erklĂ€rt wurden. Tauger zeigt dagegen, dass etwa 1930, auf dem Höhepunkt der Kollektivierung, selbst nach den großzĂŒgigsten SchĂ€tzungen (unter Ausblendung von MehrfachzĂ€hlungen) maximal fĂŒnf Prozent der erwachsenen bĂ€uerlichen Bevölkerung sich an Protesten beteiligt haben. Von denen wiederum waren mehr als 90 Prozent friedlich, nur bei etwa einem Prozent der Aktionen handelte es sich tatsĂ€chlich um bewaffnete AufstĂ€nde. In den allermeisten FĂ€llen konnte der Unmut einfach durch ErklĂ€rungen, Überzeugung und ZugestĂ€ndnisse beschwichtigt werden. Auf der anderen Seite gab es auch viele Bauern, die die Kollektivierung aktiv unterstĂŒtzten und vorantrieben, und eine ĂŒberwĂ€ltigende Mehrheit, die sie zumindest akzeptierte und mit umsetzte.8

Die Kollektivierung war trotz ihrer Probleme insgesamt durchaus erfolgreich. Sie eliminierte die extrem ineffiziente Form der individuellen Bewirtschaftung kleiner Landstreifen, die bis dahin vorherrschend war. Sie ermöglichte die Mechanisierung und Verwendung besserer Anbaumethoden. Mit weniger Arbeitskraft konnte nun mehr Land bewirtschaftet werden, so dass die Migration von ArbeitskrĂ€ften in die StĂ€dte und damit die Industrialisierung möglich wurde. Das Landleben wurde revolutioniert, eine neue Art des Zusammenlebens und ein sozialistisches SelbstverstĂ€ndnis der Bauernschaft als einer wichtigen politischen Kraft wurden geschaffen. Und nicht zuletzt: Nach der Kollektivierung kam es nur noch im Kontext des Zweiten Weltkrieges zu einer Wiederholung von Hungersnöten. Nach 1947 waren sie endgĂŒltig Geschichte.

Diskreditierung und Mobilisierung

Beim »Holodomor« handelt es sich also um einen besonders dreisten Fall von GeschichtsfĂ€lschung, da jedes Detail des relativ gut erforschten Ereignisses der These eines gewollten »Völkermords« widerspricht. Erst recht gilt das, wenn man bedenkt, dass es durchaus andere historische Ereignisse gibt, die man als »Hungergenozid« bezeichnen könnte. So beispielsweise die Hungersnot von Bengalen 1943, als die britischen Kolonialherren den Tod von geschĂ€tzten 1,5 bis vier Millionen Menschen achselzuckend hinnahmen. Nichts dergleichen geschah in der Sowjetunion. Dennoch ist der erfundene ukrainische Völkermord viel bekannter als der tatsĂ€chliche Hungergenozid des britischen Kolonialismus. Der Grund dafĂŒr ist offensichtlich: LĂŒgen haben nur dann kurze Beine, wenn sie nicht von mĂ€chtigen Interessen unterstĂŒtzt werden. Der »Holodomor« aber erfĂŒllt mindestens eine dreifache politische Funktion: Erstens und vor allem geht es darum, das aus der Oktoberrevolution hervorgegangene System als mörderische und menschenverachtende Diktatur darzustellen und damit die Vision einer sozialistischen Gesellschaft, also der planmĂ€ĂŸigen Produktion und Verteilung der GĂŒter in einer Gemeinschaft der Gleichen, an sich zu diskreditieren. Zweitens wollen bestimmte Kreise mit dem »kommunistischen Völkermord« die Verbrechen der deutschen Faschisten und ihrer VerbĂŒndeten, insbesondere ihrer ukrainischen Hilfstruppen, relativieren, in den Hintergrund rĂŒcken oder gar als Reaktion auf den »stalinistischen Terror« darstellen. Und drittens schließlich ist der »Holodomor« ein nĂŒtzliches Propagandainstrument im Dienste des westlichen Imperialismus und der fanatisch antirussisch eingestellten Regierungen in Osteuropa, allen voran der ukrainischen. Russland wird als Nachfolgestaat eines genozidalen Systems angeprangert, um tief verwurzelte Vorurteile und Ängste der Bevölkerungen gegenĂŒber einem angeblich typisch russischen Despotismus zu mobilisieren. Das verfĂ€lschte Geschichtsbild des ukrainischen Nationalismus dient nicht zuletzt dem Kiewer Putschregime zur Rechtfertigung seiner Politik. Es bedarf wohl keiner großen Voraussicht, wenn man also davon ausgeht, dass uns die Legende vom »Holodomor« noch eine Zeitlang erhalten bleiben wird.

Anmerkungen:

1 Douglas Tottle: Fraud, Famine, and Fascism. The Ukrainian Genocide Myth from Hitler to Harvard, Toronto 1987, S. 7–12

2 Robert Conquest: The Harvest of Sorrow: Soviet Collectivization and the Terror-Famine, Oxford 1986

3 David Leigh: »Death of the Department That Never Was«, Guardian, 27.1.1978

4 Timothy Snyder: Bloodlands. Europa zwischen Hitler und Stalin, MĂŒnchen 2010

5 Robert W. Davies/Stephen G. Wheatcroft: The Years of Hunger. Soviet Agriculture 1931–33, London 2004

6 Mark B. Tauger: Natural Disaster and Human Actions in the Soviet Famine of 1931–1933, in: The Carl Beck Papers (2001), No. 1.506 und ders.: Soviet Peasants and Collectivization 1930–1939. Resistance and Adaption, in: Journal of Peasant Studies 31 (2004), No. 3/4, S. 445

7 Mark B. Tauger: Stalin, Soviet Agriculture, and Collectivisation, in: Frank Trentmann/Flemming Just (Hg.): Food and Conflict in Europe in the Age of the Two World Wars, Basingstoke 2006, S. 109–142

8 Mark B. Tauger: Soviet Peasants and Collectivization, a. a. O.


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NEUER BEITRAG12.06.2022, 23:54 Uhr
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FPeregrin

Zu Erfindung und Funktion des 'Holodomor' Und da ist es jetzt auch aktuell: Das MĂ€rchen als ideologiscge Kriegswaffe des deutschen Imperialismus - jW morgen:

»Holodomor« laut GrĂŒnen-Chef Genozid

Berlin. Der GrĂŒnen-Kovorsitzende Omid Nouripour hat sich dafĂŒr ausgesprochen, die Hungersnot in der Ukraine zwischen 1932 und 1933 – den sogenannten Holodomor – als Genozid einzustufen. »Die Anerkennung dieses grausamen Verbrechens wĂ€re ein wichtiges Signal der Empathie und des Geschichtsbewusstseins in Richtung der Menschen in der Ukraine«, sagte Nouripour den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Sonnabend). Das ukrainische Wort Holodomor steht fĂŒr »Mord durch Hunger«. Es bezeichnet eine große Hungersnot, von der immer wieder behauptet wird, die politische FĂŒhrung der damaligen Sowjetunion unter Josef Stalin habe sie gezielt verursacht. (dpa/jW)


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