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NEUES THEMA24.03.2010, 07:59 Uhr
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• Koalition gegen China HANOI/BERLIN (22.03.2010) - Berlin hat 2010 zum "Vietnam-Jahr" ausgerufen und forciert in diesen Wochen seine Einflussarbeit in dem s├╝dostasiatischen Staat. Nach der k├╝rzlich beendeten Vietnam-Reise des deutschen Entwicklungsministers wird jetzt in Hanoi ein "Institut f├╝r deutsches Recht" gegr├╝ndet, das die Ann├Ąherung der rechtlichen Rahmenbedingungen unterst├╝tzt. Auch wird ein Wirtschaftssymposium mit dem ehemaligen deutschen Kanzler Schr├Âder stattfinden. Ein neues "Alumniportal" er├Âffnet deutschen Unternehmen Kontakte zu vietnamesischem Fachpersonal mit Kenntnis der deutschen Sprache und mit Deutschland-Erfahrung. Hintergrund der Bem├╝hungen ist nicht nur das trotz der Krise anhaltende Wirtschaftswachstum Vietnams, sondern auch die tradierte Rivalit├Ąt des Landes zur Volksrepublik China. Deren s├╝dliche Nachbarn st├╝nden vor der Wahl, sich angesichts des chinesischen Aufstiegs entweder Beijing unterzuordnen oder sich mit einer anderen Macht zu verb├╝nden, urteilen Regierungsberater in der deutschen Hauptstadt. Berlin setzt sich f├╝r die zweite Variante ein.

Vietnam-Jahr 2010

Berlin hat den 35. Jahrestag der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und Vietnam im kommenden September zum Anlass genommen, um das "Vietnam-Jahr 2010" auszurufen. Begleitet von einem kulturellen Rahmenprogramm, das schon im Januar begonnen hat und bis Jahresende andauert, stehen eine Reihe von Veranstaltungen auf der Tagesordnung, die Exportgesch├Ąfte und Investitionen deutscher Unternehmen f├Ârdern. So hat letzte Woche in Frankfurt am Main ein "Vietnam Business Forum" stattgefunden, das deutsche Firmen zu Gesch├Ąften in Vietnam animieren sollte. In wenigen Tagen wird in Hanoi ein "Institut f├╝r deutsches Recht" gegr├╝ndet, das die Ann├Ąherung der rechtlichen Rahmenbedingungen in Vietnam unterst├╝tzt. Im April wird ebenfalls in Hanoi ein Wirtschaftssymposium mit dem ehemaligen deutschen Kanzler Gerhard Schr├Âder stattfinden. Die CDU-nahe Konrad-Adenauer-Stiftung preist auf einer Konferenz in der vietnamesischen Hauptstadt die "soziale Marktwirtschaft" Marke BRD als "Ordnungsmodell f├╝r Vietnam" an.1

Boomstaat

Die Wirtschaftsf├Ârderma├čnahmen zielen zun├Ąchst darauf ab, deutschen Unternehmen lukrative Auftr├Ąge im trotz Wirtschaftskrise boomenden Vietnam zu verschaffen. W├Ąhrend im vergangenen Jahr im Westen das Wachstum einbrach, erreichte es in dem s├╝dostasiatischen Land immerhin gut f├╝nf Prozent. Vietnam gilt mit seinen mehr als 86 Millionen Einwohnern nicht nur als immer noch attraktiver Standort f├╝r die Billiglohnproduktion vor allem der westlichen Textilindustrie, sondern in zunehmendem Ma├če auch als ein recht aussichtsreicher Absatzmarkt. Anfang M├Ąrz hat der EU-Handelskommissar Hanoi besucht und sich mit der dortigen Regierung darauf geeinigt, Gespr├Ąche ├╝ber ein bilaterales Freihandelsabkommen aufzunehmen. Um die Ausgangsposition der deutschen Unternehmen zu verbessern, nutzt Berlin nicht nur die ├╝blichen F├Ârderinstrumente, sondern auch die sogenannte Entwicklungshilfe.

Ansprechpartner

Entwicklungsminister Dirk Niebel, der vor zwei Wochen Vietnam bereiste, hat in Hanoi unter anderem das "Alumniportal Deutschland" in Betrieb genommen. Als "Alumni" bezeichnet Berlin Fachkr├Ąfte im Ausland, die in Deutschland studiert oder sich anderweitig fortgebildet haben und deshalb ├╝ber gute Kenntnisse der deutschen Sprache und ├╝ber Deutschland-Erfahrung verf├╝gen. Mehr als 100.000 "Alumni" leben in Vietnam - vor allem, weil die DDR enge Beziehungen zu dem s├╝dostasiatischen Land unterhalten hat. Das "Alumniportal" ist eine Online-Plattform, mit deren Hilfe die "Alumni" dem Entwicklungsministerium zufolge "untereinander sowie mit deutschen und einheimischen Unternehmen, Organisationen und Institutionen Kontakt aufnehmen, sich vernetzen und Kooperationen beschlie├čen" k├Ânnen.2 "Deutschland h├Ąlt Kontakt zu wichtigen Ansprechpartnern f├╝r die deutsche Wirtschaft, die ausw├Ąrtige Kultur- und Bildungspolitik und die Entwicklungszusammenarbeit in Vietnam", res├╝miert Niebel den Nutzen des Projekts, das unter anderem von "Entwicklungs"-Organisationen getragen wird.

Konzerne entwickeln

Auch mit unmittelbaren Finanzzuweisungen unterst├╝tzt das Entwicklungsministerium die Stellung deutscher Unternehmen in Vietnam. So hat es die H├Ąlfte eines 400.000-Euro-Projekts finanziert, mit dem der deutsche Metro-Konzern einige seiner Zulieferer fortgebildet hat. Das Unternehmen, das im vergangenen Jahr trotz der Wirtschaftskrise einen Gewinn von mehr als einer halben Milliarde Euro erzielte, h├Ątte die Ma├čnahme wohl auch eigenst├Ąndig bezahlt, berichtet die Presse3; jedoch erh├Âhte die Berliner Entwicklungshilfe den Profit des Konzerns und st├Ąrkte Metro gegen├╝ber der Konkurrenz. Das Projekt ist noch von Niebels Amtsvorg├Ąngerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) beschlossen worden. ├ähnlich profitiert Siemens. Die Firma bem├╝ht sich um den Auftrag zum Bau einer U-Bahn-Linie in Ho-Chi-Minh-Stadt. Das deutsche Wirtschaftsministerium hat bereits 85 Millionen Euro f├╝r die U-Bahn bereitgestellt, die KfW-Bank will noch in diesem Jahr einen Kredit von 155 Millionen Euro zur Verf├╝gung stellen.4 Vietnam verlangt jetzt im Gegenzug gegen eine Auftragsvergabe an Siemens weitere Entwicklungsmittel sowie Ausbildungsprogramme f├╝r das U-Bahn-Personal. Deutsche "Entwicklungshelfer" w├╝rden dann Vietnamesen in die Bedienung von Siemens-Bahnen einweisen und dem M├╝nchner Konzern die Kosten f├╝r die Trainingsprogramme sparen.

Tor nach S├╝dostasien

Bei alledem geht es f├╝r Berlin nicht nur um Unterst├╝tzung f├╝r deutsche Unternehmen, sondern auch um geostrategische Aspekte. In S├╝dostasien nimmt der Einfluss Chinas seit einigen Jahren deutlich zu. Ein Indikator daf├╝r ist das Anwachsen des Handels. Hatte beispielsweise Vietnam im Jahr 1995 Waren im Wert von rund 720 Millionen US-Dollar aus China importiert, so erreichten die Einfuhren aus der Volksrepublik im Jahr 2008 bereits 16,2 Milliarden US-Dollar. Damit ist China die Nummer eins unter den Lieferanten Vietnams und stellt gut ein F├╝nftel der vietnamesischen Importe. ├ähnlich verh├Ąlt es sich in den ├╝brigen Staaten S├╝dostasiens.5 Der erstarkende Wirtschaftseinfluss Beijings in den s├╝dlich angrenzenden Staaten geht einher mit dem ├Âkonomischen Ausbau S├╝dwestchinas, darunter die Provinz Yunnan, die traditionell als Tor des Landes nach S├╝dostasien gilt. Yunnan wird zur Zeit durch neue Infrastrukturprojekte mit den s├╝dlichen Grenznachbarn verbunden; eine weitere Zunahme des chinesischen Einflusses dort scheint nur eine Frage der Zeit.

Gegenmacht

Wie die Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) in einer aktuellen Studie schreibt, baue China nicht nur seine Wirtschaftsbeziehungen nach S├╝dostasien systematisch aus. Beijing bem├╝he sich zugleich, die Region politisch zu stabilisieren, und setze sich daf├╝r ein, "dass der Einfluss anderer Gro├čm├Ąchte in Grenzen gehalten und nach M├Âglichkeit sogar zur├╝ckgedr├Ąngt werden soll".6 Am Beispiel aktueller Auseinandersetzungen um die Nutzung des Flusses Mekong beschreibt die SWP die Alternativen, ├╝ber die die Staaten S├╝dostasiens gegen├╝ber Beijing verf├╝gen. "Sie k├Ânnen sich mit der Gro├čmacht arrangieren, um daf├╝r entsprechende Gegenleistungen zu bekommen", urteilen die Regierungsberater von der SWP. "Oder sie versuchen, durch Zusammenschluss untereinander eine Gegenmacht aufzubauen". "An Gewicht gewinnen k├Ânnte eine solche Koalition", schreibt die SWP, "indem sie eine oder mehrere andere Gro├čm├Ąchte einbindet."

K├╝nftige Konflikte

Das kaum verh├╝llte Angebot, sich mit den westlichen M├Ąchten gegen Beijing zu verb├╝nden, kann an die traditionellen Rivalit├Ąten zwischen China und Vietnam ankn├╝pfen, das bis heute ├╝ber einigen Einfluss in Kambodscha und in Laos verf├╝gt und sich als historische Gegenmacht zu China begreift (german-foreign-policy.com berichtete7). Damit zeichnet sich ein deutscher Beitrag zu k├╝nftigen Konflikten in Asien deutlich ab.


Anmerkungen:
1 Deutschland in Vietnam 2010; Link ...jetzt anmelden!
2 Kooperation, Karriere, Vernetzung: Niebel er├Âffnet das "Alumniportal Deutschland" in Vietnam; Link ...jetzt anmelden! 08.03.2010
3 Hilf dir selbst, dann hilft die Niebel; Link ...jetzt anmelden! 10.03.2010
4 Hei├če Eisen in Ho-Chi-Minh-Stadt; Link ...jetzt anmelden! 20.03.2010
5 Die Exporte Chinas nach Kambodscha stiegen von 51 Millionen US-Dollar (1995) auf 1,18 Milliarden US-Dollar (2008), die Exporte nach Laos von 48 Millionen (1995) auf 290 Millionen (2008), die Ausfuhren nach Myanmar von 618 Millionen (1995) auf 2 Milliarden (2008) und die Ausfuhren nach Thailand von 1,75 Milliarden (1995) auf 16 Milliarden (2008).
6 Gerhard Will: Der Mekong: Ungel├Âste Probleme regionaler Kooperation; SWP-Studie S7, M├Ąrz 2010
7 s. dazu Der Gegenspieler Link ...jetzt anmelden!' target='blank

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