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Von secarts

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© by secarts Großbildansicht bamboo.jpg (47.2 KB)
Allzweckwaffe Bambus - hier als Hausgerüst
Erstaunlich, was man mit Bambus so alles anstellen kann: man kann ihn zu Schmuck und Moebeln verarbeiten, zum Teil essen – und man kann Hochhaeuser damit bauen zum Beispiel. Selbst 20-Stoecker sind hier mit Geruesten aus Bambus eingezaeunt; das schnellwachsende Material, dass obendrein billig und leicht zu transportieren ist, konnte sich auch in der Moderne problemlos behaupten.

Und Bedarf an Baumaterial ist nicht zu knapp, denn eines ist unuebersehbar: China boomt. Ein Hochhaus nach dem anderen schiesst aus dem Boden, die Staedte gehen in die Breite wie in die Hoehe. Jaehrlich 100 Millionen Menschen, die es von dem Land in die Staedte zieht, brauchen Wohnraum, die Stadtbewohner selbst wollen die alten, oftmals maroden Gebaeude von vor der Jahrhundertwende verlassen und in moderne Anlagen ziehen.
Dem muessen natuerlich die alten Siedlungen zum Teil weichen – den in Deutschland oftmals beklagte „Kahlschlag“ aller traditionellen Siedlungen habe ich allerdings, zumindest in Guangzhou, bisher nicht entdeckt. In trauter, bisweilen erstaunlich anmutender Einigkeit fuegen sich 30-stoeckige Hochhaeuser an die alten Gassen und Strassen, in denen vorne kleine Geschaefte und direkt dahinter die Wohnungen der Familien zu finden sind.
Eines ist sicherlich richtig: Die alten Siedlungen werden kleiner, die neuen Anlagen immer groesser – der Fortschritt verdraengt auch in China das Alte. Vergessen sollte man dabei eines nicht: was sich fuer den Touristen vielleicht nett oder urwuechsig anschauen laesst, muss auch von Menschen bewohnt werden. Und die wollen, genau wie wir in Europa auch, fliessend Wasser, ein Badezimmer und bei den subtropischen Temperaturen am besten eine Klimaanlage obendrein.

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© by © by secarts [01.01.1970]

Neben glitzerndem High-Tech, glasverspiegelten Fassaden, modernsten U-Bahn-Stationen findet sich auch das alte Guangzhou: enge, verwinkelte Gassen, durch die kaum ein Auto passt; winzige Ladengeschaefte, in denen, passend zur jeweiligen Strasse, immer eine bestimmte Produktkategorie angeboten wird (die „Schuh-Strasse“ oder die „Elektro-Strasse“ zum Beispiel); fahrende Haendler und ueberladene Fahrradtransporter. Dazwischen toben Kinder, feilschen Kunden und rasen und hupen Autos – zusammen mit der Musik, die aus jedem Laden droehnt, kann man sich in die Zeiten der quirligen Hafenstadt Canton, die einstmals Chinas einziger Freihafen und damit Drehscheibe des gesamten suedostasiatischen Meereshandels war, zurueckversetzen.

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© by secarts Großbildansicht dsc01081.jpg (46.9 KB)
ein altes Viertel in Guangzhou - in einigen Jahren werden auch hier Hochhäuser stehen.
Der private Wohlstand der Stadtbewohner steigt – an wirklich jedem Haus haengt mindestens eine, eher mehr Klimaanlagen; der Autoverkehr ist bis zur Belastungsgrenze angeschwollen, Banken, Kaufhaeuser und chinesische wie westliche Restaurants schiessen wie Pilze aus dem Boden. Die Menschen wollen nach Jahren harter Arbeit und bitterer Armut endlich ihren Lohn auskosten, und dies tun sie auch. Insofern unterscheiden sich, frei nach dem bekannten Bonmot, alle Staedte der Welt tatsaechlich wenig: auch Guangzhou ist schnell, laut, gross und voller Energie. Wirklich erstaunt haben mich zwei Dinge: die Strassen und oeffentlichen Anlagen sind sehr sauber, und man sieht aeusserst wenige Bettler oder Obdachlose. Nun habe ich bisher lediglich innerstaedtische Bezirke gesehen und kann wenig ueber die riesigen „Sub-Urbs“, die Vor- und Schlafstaedte, sagen – auch Guangzhou hat arme wie reiche Bewohner, auch hier gibt es bettelnde Menschen und unter Bruecken schlafende Stadtstreicher. Doch verglichen mit europaeischen Grossstaedten ist die Sauberkeit und Aufgeraumtheit der Stadt wirklich bemerkenswert.

 
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  Kommentar zum Artikel von 127712:
Freitag, 19.08.2005 - 12:44

Beeindruckend, die Bilder. Vor allem diese kreuz-und-quer-Siedlung sieht lustig aus. Und der krasse Kontrast mit den Hochhäusern dazu...!