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Gandhi
  ARTIKEL begonnen von secarts am 03.04.2005  | 15 Antworten
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NEUES THEMA03.04.2005, 20:25 Uhr
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secarts

• Gandhi Gandhi als Exponent der Gewaltlosigkeit, Vorkämpfer für friedliche Unabhängigkeit, vorbildliches Beispiel für Strenge zu sich selbst, ist auch über 50 Jahre nach seinem Tod politischer Mega-Star und Menschlichkeitsikone in Einem; verehrt in der ganzen Welt. Eine Ausnahme ist dabei bizarrerweise Indien - den Gandhi, den wir im Westen kennen, haben die Inder erst 1982 kennen gelernt: Denn damals wurde die Verfilmung von Gandhis Leben und Wirken mit Ben Kingsley in der Hauptrolle auch dort ein Kassenschlager.

Gandhi dürfte einer der ganz wenigen, vielleicht der einzige Anführer eines Kampfes um nationale Unabhängigkeit sein, der in den imperialistischen Ländern größte Popularität genießt. Das ist in höchstem Maße erstaunlich; sind doch die Führer von Befreiungsbewegungen in den Augen unserer Schulbücher und Politmagazine eher „Massenmörder“ wie Mao Zedong, „stalinistische Diktatoren“ wie Fidel Castro oder bestenfalls „Sowjetagenten“ und “politische Naivlinge“ wie Patrice Lumumba. In der Regel darf man nicht damit rechnen, in den einstigen Kolonialmächten auf Sympathien zu hoffen, wenn man an der Befreiung seines Landes von eben jenen Halunken beteiligt war.

Nur bei Gandhi ist das alles ganz anders – die Befreiung Indiens, des einstigen „Kronjuwels“ des britischen Empire, hat 1949 zwar die einstige Dominanz des britischen Kolonialreiches endgültig beendet, das Land aber nicht aus der (ökonomischen und politischen) Abhängigkeit gegenüber westlichen Ländern befreit. In Indien fand keine diesen Namen verdienende nachholende bürgerlich-demokratische oder gar sozialistische Umwälzung statt; die feudalen und kolonialen Relikte wurden allerhöchstens halbherzig oder nur in einzelnen Provinzen des großen und föderal aufgebauten Landes angegangen. Bis heute hat Indien, mit rund einer Milliarde Einwohnern nach China das Land mit der größten Bevölkerung und „aufstrebende Großmacht“ in den Augen der westlichen Interessenten, massive Probleme mit diesem historischen Ballast.
Weder soll dem historischen Gandhi Unrecht getan werden, noch die Rolle einer Persönlichkeit allzu hoch angesetzt werden – die Geschichte verläuft, das wissen wir als historische Materialisten, in Klassenkämpfen und nicht im positiven oder negativen Wirken einzelner Köpfe. Interessant ist die Betrachtung von Gandhis Leben und Wirken aber aus zwei anderen Gründen: zum Einen sind in der Person (oder besser: dem offiziellen Bild) Gandhis viele Widersprüchlichkeiten der jüngeren indischen Geschichte konzentriert – vom Symbol der nationalen Befreiung bis zu reaktionären, vergangenheitsbehafteten Hinterlassenschaften – und erleichtern so das Verständnis des heutigen Indiens. Und zum Anderen gilt es zu verstehen, warum ausgerechnet Gandhi als Identifikationsfigur im Westen taugt, wo alle anderen historischen Persönlichkeiten, die den imperialistischen Einfluß in ehemaligen Kolonien und abhängigen Ländern beschneiden konnten, ins Gruselkabinett der Verbrecher und Massenmörder verbannt werden.

I. das Leben des Mohandas Karamchand Gandhi

[birlavilla.jpg]Mohandas Karamchand "Mahatma" Gandhi wurde 1869 im indischen Porbandar geboren und entstammte einer der vornehmsten Brahmanen-Kasten. Durch den Reichtum seiner Familie wurde ihm in London ein Studium der Rechtswissenschaften ermöglicht; später ließ er sich in Bombay als Anwalt nieder. Doch daraus wurde nichts - bereits sein erster Fall blieb für lange Jahre auch sein letzter: als er vor Gericht einen Zeugen ins Verhör nehmen sollte, brachte er vor Nervosität keinen Satz heraus – und gab den Fall umgehend ab.
Nach dem frühen Scheitern seiner Karriere als Anwalt in Indien verließ er 1896 das Land und machte sich in die damals ebenfalls in britischen Händen befindliche Kolonie Südafrika auf, um dort aufs Neue sein Glück als Rechtsanwalt zu versuchen. Doch daraus sollte wiederum nichts werden:
Konfrontiert mit dem Rassismus der weißen Südafrikaner gegenüber allen andersfarbigen Menschen gründete Gandhi den "Natal Indian Congress", um die Rechte der indischen Minderheit in Südafrika zu vertreten. Das Schicksal der schwarzen Bevölkerung Südafrikas kümmerte ihn hingegen nicht - er beteiligte sich (auf Seiten der Briten!) 1906 an der äußerst blutigen Niederschlagung des Zulu-Aufstandes als Sanitäter und wurde dafür mit einer militärischen Tapferkeitsmedaille ausgezeichnet.
Während seiner Fronttätigkeit fand Gandhi zur Religion und entschloss sich, fortan in Keuschheit zu leben. Er diskutierte den Entschluß lange mit Freunden und Anhängern - seine Frau Kasturbai, mit der er bereits seit seinem fünfzehnten Lebensjahr verheiratet war und vier Kinder hatte, wurde freilich vor vollendete Tatsachen gestellt.

1915 kehrte Gandhi in seine Heimat zurück. Obwohl er als Vertreter der indischen Minderheit in Südafrika zu einiger politischer Berühmtheit gelangt war, widmete er sich in Indien lieber seinem religiösen Spleen und gründete ein Ashram (eine Art Kloster; bedeutet in etwa "Aufenthaltsort eines heiligen Mannes") für experimentelle Lebensweise. Hauptbestandteil seiner alternativen Lebensvorstellungen war neben seiner Idee von totaler Selbstversorgung insbesondere die sexuelle Keuschheit ("Brahmacharya"), deren Wichtigkeit er seinen Jüngern unablässig predigte.
Wie der "heilige Mann" die sexuelle Enthaltung bewältigte, werden wir später sehen - die Selbstversorgung hingegen klappte überhaupt nicht. Er wirtschaftete den Ashram nahezu in den Ruin und musste durch ständige Finanzspritzen reicher Gönner, unter anderem des Rüstungsmagnaten Birla, und später auch staatlicher Institutionen finanziert werden. "Es kostet das Land ein Vermögen, Gandhi ein Leben in Armut zu ermöglichen", beschrieb die Dichterin und Gandhis Nachfolgerin als Präsidentin des Indischen Kongresses, Sarojini Naidu, seine Lebensweise.

Seinen Ehrentitel "Mahatma", übersetzt "große Seele", erhielt Gandhi übrigens zur selben Zeit vom indischen Dichter Rabindranath Tagore, der ihn, samt Familie und Anhängerschar, nach seiner Rückkehr nach Indien übergangsweise aufnahm.

In seiner neuen Rolle als spiritueller Lehrmeister fühlte Gandhi sich wohl. Umgeben von einer Anhängerschar, die kein Wort der Kritik am Meister äußerte, entwickelte er sich immer mehr zu einem mürrischen, zänkischen, rechthaberischen und disputunfähigen Starrkopf - auch sein Mitkämpfer Jawaharlal Nehru, der spätere indische Premier, sprach ihm ab, ein "offener Geist zu sein". Vielmehr habe man bei ihm beständig das Gefühl, gegen eine Wand zu reden, so fest sei er von seinen eigenen Auffassungen überzeugt, dass ihm alles andere als nebensächlich erscheine.

II. Gandhi - Anführer des Freiheitskampfes?

[gandhiteenies.jpg]Zum Zeitpunkt der nach dem Ende des ersten Weltkrieges von den Briten in Indien erlassenen sog. "Ermächtigungsgesetze" erinnerte sich Gandhi seiner vormaligen politischen Tätigkeit und der von ihm kreierten Methode des "gewaltfreien Widerstands", die er bereits in Südafrika ausprobiert hatte (von ihm "Satyāgrah" genannt; bedeutet eigentlich "Bestehen auf der Wahrheit").
Dort wurde von jedem Einwanderer ein Fingerabdruck genommen. Gandhi und 150 Anhänger verweigerten sich der Abnahme und wurden von den Briten auch prompt inhaftiert. Schon nach weniger als einer Woche gab der "Verfechter des passiven Widerstandes" allerdings seinen Widerstand auf und rief seine Anhänger ebenfalls öffentlich dazu auf, ihre Fingerabdrücke abzugeben. Nachdem er sich dann nach seiner Freilassung allerdings wiederum verweigerte, setzte er sich nach einer weiteren Inhaftierung nach London ab.
Dort veröffentlichte er die Broschüre "Hind Swaraj or Indian Home Rule", in der er zu der Erkenntnis kommt, dass nicht die Briten, sondern der technische Fortschritt der Feind der Menschheit sei. Er lehnt Telefone, Eisenbahnen, westliche Medizin, Krankenhäuser, Autos, Uhren und auch Webstühle ab (die er allesamt nichtsdestotrotz persönlich fleißig nutzt) und will am Liebsten die gesamte Wissenschaft, in seinen Augen schuld an allen Fehlern der Moderne, vernichten.

Zum "richtigen Politiker" wurde Gandhi in Indien allerdings erst durch das Ränkespiel politischer Hintermänner, die ihn als Ersatz für den verstorbenen Mahrattenführer Bāl Gangadhar Tilak aufbauten. Gandhi wurde als Schüler des Brahmanen Gopāl Krishna Gokhāl (ein Widersacher des oben erwähnten Tilak) ausgegeben, den er nur einmal gesehen hatte und der im Übrigen ein grosser Freund der britischen besatzung in indien gewesen war. Gandhis Vorgänger Tilak allerdings war stets ein Feind der Briten - war Gandhi selbst nun pro- oder kontra-britisch? Er wusste das selbst offenbar auch nicht so recht, denn er hatte nie etwas dagegen, dass z.B. Inder für die britischen Kolonialherren in Ägypten kämpfen mussten.
In seiner politischen Tätigkeit wurde der weltfremde Gandhi, der vor spinnerten Ideen zu allen möglichen Fragen des Lebens strotzte und damit bei den allermeisten Indern kaum Sympathien gewonnen hätte, übrigens gut vor der Öffentlichkeit abgeschirmt. So profitierte er vom Ruhm seiner beiden vorgeblichen Lehrer, konnte aber dennoch – bis heute - nicht an ihre Popularität heranreichen.

Viele der damaligen politischen Aktionen Gandhis sind im Nachhinein von seinen Anhängern weit übertrieben dargestellt worden. Der weltberühmte "Marsch ans Meer", mit dem Gandhi das britische Salzmonopol brechen wollte und dem angeblich zehntausende Menschen folgten, bestand eher aus einigen Hundert Marschierern - und ebensovielen Zuschauern, die das merkwürdige Treiben erstaunt verfolgten. Hätten die Briten nicht massiv gewalttätig auf diese Aktion reagiert, sie wäre längst im Nebel der geschichtlichen Belanglosigkeiten versunken.

Der indische Dichter und Nobelpreisträger Tagore, dem Gandhi seinen Beinahmen "Mahatma" verdankt, fand nach der als Reaktion auf die "Ermächtigungsgesetze" gestarteten (erfolglosen und blutig geendeten) Kampagne zur "Nichtzusammenarbeit" nur noch harte Worte für Gandhi. Einen "Kampf, uns mit Herz und Verstand vom Westen zu entfremden", nannte er die Nichtzusammenarbeitskampagne in einem offenen Brief; einen "Versuch des spirituellen Selbstmordes".

III. Gandhis Kampf gegen gesellschaftlichen Fortschritt und Gleichberechtigung

Gandhi, der wie bereits erwähnt ein Leben in sexueller Keuschheit verbringen wollte, hatte nicht nur zu Frauen allgemein, sondern insbesondere zu seiner eigenen Frau ein mehr als "unorthodoxes" Verhältnis: er erachtete sie als so niedrigstehend, dass er sie die Nachttöpfe seiner Angestellten leeren ließ - und schmähte sie dafür auch noch als "unrein".
Nach dem Tod seiner armen Frau, deren Tätigkeiten neben dem Leeren der Nachttöpfe unter anderem darin bestanden hatte, ihrem Mann die Füße zu waschen, legte sich Gandhi einen wahren Harem an Gespielinnen zu, die in seinem Heim untergebracht waren - einer riesigen vom Rüstungsmagnaten Birla gesponsorten Villa, der eher die Bezeichnung Palast gerecht würde. Von seinen Kourtisanen ließ er sich "Onkel" nennen; die jungen Frauen wurden mit westlichem Schmuck und Kleidern (die Gandhi offiziell als "dekadent" verachtete) ausstaffiert.
Noch bis ins hohe Alter pflegte er seine Keuschheits-"Experimente", zu deren Ritual u.a. "die Beherrschung seiner körperlichen Triebe" gehörte: Dafür mussten junge Frauen, oft auch die Ehefrauen von Freunden und Kollegen, sich über Nacht nackt ins Bett neben ihn legen.
Damit wollte er offiziell seinen Widerstand gegen die sexuelle Verlockung stärken - er versagte dabei fast jede Nacht.

Nach Außen hingegen gab sich Gandhi allerdings stets als fanatischer Verfechter von Askese und Enthaltsamkeit - er fiel hysterisch über jeden her, der in seinen Augen diesen Anforderungen, die er selbst nicht einmal ansatzweise einhielt, nicht gerecht wurde. Gandhi verteidigte die indischen Rituale der "Witwenverbrennungen" (Witwen wurden gemeinsam mit ihren verstorbenen Männern - lebendig- verbrannt); er hielt an den von Eltern arrangierten Ehen fest und schützte das feudalistische Kastensystem, das Indiens Weg in die Moderne noch heute nachhaltig hemmt.
Obwohl es zu einer der propagandistischen Grotesken gehört, dass ihm gerade die Ehre zugeschoben wird, gegen die Unterdrückung der untersten Kasten und der sog. "Unberührbaren" angekämpft zu haben (dieses Verdienst gebührt eher Nehrus Justizminister Dr. Ambedkar Shudr), hatte Gandhi eine beinahe paranoide Furcht vor dem Kontakt zu diesen gesellschaftlich ausgestoßenen Menschen - er ließ die Tätigkeiten, mit denen die niedersten indischen Gruppen für gewöhnlich ihren Broterwerb bestreiten (z.B. das Beseitigen von Fäkalien) lieber von seiner Frau verrichten.
Seine rückständigen Ansichten von gesellschaftlichen Normen legte er u.a. in den Zeitungen "Young India" und "Navajivan" und in seiner Autobiographie dar.

IV. Gandhi - ein menschliches und politisches Vorbild?

Es bleibt - und dies hat auch mich erstaunt, nachdem ich mich ein wenig mit Gandhi befasst hatte - kaum etwas übrig vom offiziellen Bild dieses Mannes. Glücklicherweise, so muss man feststellen, wird Gandhis tatsächlicher Einfluß auf die indische Politik und den indischen Freiheitskampf gemeinhin maßlos überschätzt – würde die Mär vom geschichtsbestimmenden Heroen, die uns die bürgerlichen Geschichtsbücher und Legendenstricker auftischen, mehr der Wahrheit entsprechen, säßen die Briten wahrscheinlich heute noch in Indien.
Die indische Entkolonialisierung war teilerfolgreich – die Briten wurden vertrieben, die Imperialisten aller Couleur sind geblieben, wenn auch in einer offiziell unabhängigen Nation. Heute balgen sie sich um Indien aus strategischen und ökonomischen Interessen; insb. für Deutschland ist Indien wichtiger denn je – es gilt, die USA abzuhängen, die unmittelbare Nachbarschaft zur VR China macht das Land noch interessanter. Ein wirklich befreites, und das heißt auch ökonomisch und politisch unabhängiges Indien ist dabei natürlich das letzte, was sich die Imperialisten wünschen.

Das es gerade Gandhi zur Ikone des „Befreiungskampfes“ brachte, ist kein Zufall. Die realen Befreiungsbewegungen entsprechen eben nicht unbedingt dem, was bürgerliche Geschichtsbücher gerne hätten: ein wenig Folklore, ein wenig Religion, ein wenig Gewaltlosigkeit - und vor allem wenig Erfolg.
NEUER BEITRAG03.04.2005, 23:47 Uhr
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bajazzo
GAST
Gandhi All das, was du hier über Ghandi schreibst, habe ich zum allerersten mal gelesen. Ich kenn mich zwar nicht besonders aus mit ihm oder indischer Geschichte, aber das Bild was allgemein über ihn herrscht, weicht doch massiv von deinen Erkenntnissen ab...
Nun hast du ja ein paar Links angegeben, die soweit ja auch deine Details zumindest zum großen Teil bestätigen - wenn man jedoch mal googelt, bekommt man millionen Treffer, davon aber höchstens 100 kritische. Alle anderen scheinen gegenteiliger Meinung zu sein.
Es ist ganz bestimmt was dran an deiner Kritik, ausgedacht hast du dir sie ja schließlich nicht. Aber wahrscheinlich liegt die Wahrheit wie so oft dazwischen, und er ist weder ein Held noch ein totaler Schurke. Ich kann mir aber auch echt nicht vorstellen, daß alle sich einen Ghandi ausdenken, den es überhaupt nie gab, es wird doch einen Grund haben, warum so ein positives Bild von ihm in der Öffentlichkeit besteht.
Also, ich stöbere nochmal weiter, das ist ein spannendes Thema! Trotz aller meiner Kritik ein wichtiger Artikel von dir, danke für die Recherche!!.
NEUER BEITRAG04.04.2005, 01:10 Uhr
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cyrill
GAST
Gandhi so einen verriss habe ich echt in meinem ganzen leben noch nie gelesen. ich habe das gefühl, dir macht es einfach spaß, gegen die herrschende meinung anzugehen. was ja nix schlechtes ist, lustig ist es in diesem fall ausserdem, weil du wenigstens schreiben kannst. aber das gandhi das absolute monster, als den du ihn hier schilderst war, kann ich echt nicht gleuben... objektiv ist das nicht - schulkindern würde ich deine artikel nicht vorsetzen. bewerb dich lieber mal bei der titanic oder so**)
NEUER BEITRAG04.04.2005, 01:34 Uhr
Nutzer / in
Stephan

Gandhi Wenn ich überlegen sollte, wo dieser Verriß seine Lücken hat, und ob nicht wenigstens Gandhi als Kämpfer gegen den Kolonialismus Meriten gesammelt hat, so fällt mir eigentlich nur auf, wie wenig ich über das Leben und Wirken M.G.'s eigentlich weiß, von groben biographischen Daten und hängengebliebenen Filmausschnitten einmal abgesehen. Zumindest bietet dieser Artikel genug Motivation, sich einmal fundiert mit dem Leben dieses Menschen auseinanderzusetzen.
NEUER BEITRAG04.04.2005, 01:42 Uhr
Nutzer / in
secarts

Gandhi @bajazzo:

Sicher, jeder hat auch seine guten Seiten. Vielleicht war Gandhi tierlieb, oder er hat dem Bettler vor seinem Haus täglich ein paar Penny geschenkt. Keine Ahnung.
Da aber nun über Gandhi wirklich genug übertriebene und verzerrte Jubelpropaganda im Umlauf ist, habe ich mir deren Wiederholung einfach mal geschenkt. Um gegen einen so stabilen und hartnäckigenen Mythos anzukommen, hilft nur schonungsloses Offenlegen.
Recherchier noch mal ein bißchen, es gibt noch 'ne Menge über ihn zu entdecken... Es gibt übrigens auch einige wenige, halbwegs kritische Bücher auf dem Markt über Gandhi, z.B. die rororo-Monografie (hier: Link ...jetzt anmelden!).

@cyrill:

"so einen verriss habe ich echt in meinem ganzen leben noch nie gelesen"
- Danke, danke... ich werde noch eingebildet smiley

"aber das gandhi das absolute monster, als den du ihn hier schilderst war, kann ich echt nicht gleuben..."
- es ist immer schwer, sich von alten Zöpfen, langgehegten Irrmeinungen oder hartnäckiger Propaganda zu trennen. Versuch's, es macht Spaß!

"objektiv ist das nicht - schulkindern würde ich deine artikel nicht vorsetzen"
- Brauchst du auch nicht. Die übliche Jubelpropaganda über einen Mann, der kaum als Vorbild taugt, aber bitte auch nicht.
Ansonsten danke für das Lob, dass ich zwar Blödsinn, aber immerhin gut formulierten Blödsinn schreibe... ich mag dich.
NEUER BEITRAG04.04.2005, 05:07 Uhr
Nutzer / in
Herr Meier
GAST
Gandhi Ich hab mal eine Biografie über Gandhi gelesen (glaube, es ist die, die oben verlinkt ist, in 'ner älteren Ausgabe) und da kam er auch nicht allzu gut bei weg. Scheint also was dran zu sein.
In Betreff "Prominenter, der völlig falsch wahrgenommen wird" ist aber Gandhi nun echt nicht der Einzige, insofern verwundert mich die Heldensaga über diesen mittelmäßigen Typen nicht weiter...

- Martin Luther z.B.: ein ignoranter Antisemit, der den protestierenden Bauern in den Rücken fiel und mit den Adligen gemeinsame Sache machte;
- oder die vielgerühmte Mutter Theresa, die bei den Straßenkindern von Kalkutta für ihre Unbarmherzigkeit und ihren religiösen Fanatismus, der eher an Gott als an die Menschen dachte berüchtigt war;
- der Dalai Lama, der wirklich schreckliche flache Bücher schreibt und das Schreckensregime der alten tibetanischen Adligen verteidigt;
- Jesus - nach alldem, was die Forschung rekonstruieren kann, hat er, wenn er denn gelebt hat, massiv vom Menachim von Qumran gestoppelt - die Quamran-Schriftrollen, älter als Jesu Lebedaten, sind zumindest in vielem identisch mit dessen angeblichen Äußerungen...

die Liste könnte man fortsetzen. Wichtig ist immer, hinter das Bild zu schauen und reale Person und Werbebild zu trennen. Insofern ein guter Artikel!
NEUER BEITRAG04.04.2005, 15:57 Uhr
 minderer Goa'Uld 
GAST
Gandhi thx für den Artikel. Als Schlagwort ist mir Gandhi schon häufiger begegnet, wirkliche Fakten kannte ich bisher noch keine. Allerdings auch die Positiven nicht, was mir jetzt natürlich etwas fehlt um mir eine möglichst objektive Meinung zu bilden.

shol
NEUER BEITRAG04.04.2005, 16:03 Uhr
Nutzer / in
secarts

Gandhi @sholvar:

oh, nichts leichter als das: gib einfach mal "gandhi" bei Gooooooogle ein, und das Frameset wird gesprengt vor "o"-s im Google-Namen. Davon sind nahezu alle unter den ersten 1000 Treffern Jubelpropaganda oder zumindest extrem positiv verzerrt.
NEUER BEITRAG04.04.2005, 19:05 Uhr
 minderer Goa'Uld 
GAST
Gandhi ich kriege jetzt zwar die vorhandenen Formatierungs-Optionen genutzt, aber nur, wenn ich einen Text markiere, welcher NICHT in den schreibbaren Fenstern steht, da diese scheinbar in einer anderen "Ebene" sind und die Markierung mit dem wechsel in die andere Ebene solange "verschwindet" bis ich in die Schreibebene zurückkomme. Keine Ahnung ob das beabsichtigt ist und ob das Problem nur bei Firefox auftritt, wollts nur noch mal sagen ^^. Hab mir einige Codes einfach abgeschaut und kann sie deshalb jetzt auch nutzen, wie das zitieren zum Beispiel. Allerdings kann ich mir nicht gleich alle merken, weshalb ich dir dankbar wäre, wenn du die unter info oder so einmal gesammelt in schriftlicher Form mal festhälst.
Beispiel:
"Text"
= Text (ohne Punkte)

so oder so ähnlich ^^
Danke im Vorraus.

So nun zum Thema zurück:

ich hab folgendes gefunden:

"Satyagraha ist der Begriff im Zentrum von Gandhis Philosophie der Gewaltlosigkeit. Er selbst erläutert den Begriff folgendermaßen:

Den Begriff Satyagraha habe ich in Südafrika geprägt, um der Kraft einen Namen zu geben, mit der die Inder dort für volle 8 Jahre (1906- 1914) gekämpft haben. Ich sprach von Satyagraha, um diese Kraft von der Bewegung zu unterscheiden, die damals in Großbritannien und Südafrika unter dem Namen des passiven Widerstands lief.

Die Satyagraha ist vom passiven Widerstand so weit entfernt wie der Nordpol vom Südpol. Der passive Widerstand ist die Waffe der Schwachen und dabei ist die Anwendung von physischem Druck oder verletzender Gewalt nicht grundsätzlich ausgeschlossen, um das Ziel zu erreichen. Dagegen ist Satyagraha eine Waffe für die Stärksten. Hierbei ist die Anwendung von Gewalt in jeder Form ausgeschlossen. (...) Dieses Gesetz der Liebe ist nichts anderes als das Gesetz der Wahrheit. Ohne Wahrheit gibt es keine Liebe. (...)

Satyagraha wird auch die Kraft der Seele genannt, weil die Gewissheit einer allem innewohnenden Seele notwendig ist, wenn der Satyagrahi daran glauben soll, dass der Tod nicht das Ende, sondern den Höhepunkt des Kampfes bedeutet. (...) Und im Wissen, dass die Seele den Körper überlebt, brennt er nicht ungeduldig darauf, den Sieg der Wahrheit im gegenwärtigen Körper zu erleben. (...) Trotzdem wurde dagegen eingewandt, dass die Satyagraha — wie wir sie verstehen — nur von einer auserwählten Minderheit praktiziert werden könne. Meine Erfahrung beweist das Gegenteil. Werden ihre einfachen Grundsätze — Festhalten an der Wahrheit und durch eigenes Leiden dafür Einstehen — erst einmal begriffen, kann jeder die Satyagraha praktizieren. (...)

Doch auf politischer Ebene besteht der Kampf im Namen des Volkes vorwiegend darin, dem Irrtum in Form ungerechter Gesetze entgegenzutreten. Wenn es misslungen ist, dem Gesetzgeber den Irrtum durch Petitionen und dergleichen eindringlich vor Augen zu führen, bleibt einem als einziges Gegenmittel — wenn man sich nicht unterwerfen will —, ihn zu zwingen, die Gesetze aufzuheben, indem man durch Verletzung des Gesetzes eine Bestrafung herausfordert und dadurch selbst Leiden auf sich nimmt. Deshalb erscheint die Satyagraha der Öffentlichkeit weiterhin als ziviler Ungehorsam oder ziviler Widerstand. "Zivil" ist in dem Sinne aufzufassen, dass dieses Vorgehen nicht kriminell ist.

[entnommen aus: Günther Gugel, Wir werden nicht weichen. Erfahrungen mit Gewaltfreiheit. Eine praxisorientierte Einführung, Verein für Friedenspädagogik e.V., Tübingen 1996, 34f.]"


Dies bezieht sich hauptsächlich auf diese Textstelle aus deinem Essay:
"Zum Zeitpunkt der nach dem Ende des ersten Weltkrieges von den Briten in Indien erlassenen sog. "Ermächtigungsgesetze" erinnerte sich Gandhi seiner vormaligen politischen Tätigkeit und der von ihm kreierte Methode des "gewaltfreien Widerstands", die er bereits in Südafrika ausprobiert hatte (von ihm "Satyāgrah" genannt; bedeutet eigentlich "Bestehen auf der Wahrheit")."

Hast du oberes Zitat anders interpretiert? Besteht da ein Übersetzungsfehler?
Auf mich macht es den Eindruck, als wüsste Gandhi sehr wohl den Unterschied zwischen passivem Widerstand und gewaltätigen Auseinandersetzungen und er weiß auch beides entsprechend anzuwenden (ob er es dann auch entsprechend tut, sei hier mal dahingestellt, warum sage ich noch).
Warum ist manchmal Blutvergiessen richtig, trotzdem gerade Gandhi selbst solche Sachen sagt wie:
"Ich lehne Gewalt ab, weil das Gute, das sie zu bewirken scheint, nicht lange anhält; dagegen ist das Schlechte, das sie bewirkt, von Dauer."

Widerspricht er damit nicht sich selbst?
Ich würde sagen, dass der das nicht unbedingt tut. Denn er sagt auch folgendes:
"Gewalt ist die Waffe des Schwachen; Gewaltlosigkeit die des Starken."
Das sagt meiner Meinung nach aus, dass man, wenn man in einer schwächeren Situation zum Beispiel seine Rechte verteidigen will, durchaus gewalt anwenden kann und das Gandhi ganz klar dazu steht.
Ich bin auch der Meinung, dass man bestimmte Sachen mit Gewalt durchsetzen muss, wenn es 99.9% sicher ist, dass es KEINERLEI Alternativen gibt.
Als Bestätigung empfinde ich folgendes Gedicht von Willhelm Busch:
"
"Bewaffneter Friede"
Ganz unverhofft an einem Hügel
sind sich begegnet Fuchs und Igel.
Halt, rief der Fuchs, du Bösewicht!
Kennst du des Königs Ordre nicht?
Ist nicht der Friede längst verkündigt,
und weißt du nicht, daß jeder sündigt,
der immer noch gerüstet geht?
Im Namen seiner Majestät,
geh her und übergib dein Fell.

Der Igel sprach: Nur nicht so schnell.
Laß dir erst deine Zähne brechen,
dann wollen wir uns weiter sprechen!
Und allsogleich macht er sich rund,
schließt seinen dichten Stachelbund
und trotzt getrost der ganzen Welt,
bewaffnet, doch als Friedensheld.
"


so, jetzt hoff ich mal, dass das mit den Zitaten klappt xD
NEUER BEITRAG04.04.2005, 19:07 Uhr
 minderer Goa'Uld 
GAST
Gandhi hm... fehlerhafte Scriptsprache druckt er trotzdem nicht ab.... schade... deshalb klappt jetzt das Beispiel mit dem "text" nicht -.- naja, egoool
NEUER BEITRAG04.04.2005, 19:28 Uhr
Nutzer / in
secarts

Gandhi "Hast du oberes Zitat anders interpretiert? Besteht da ein Übersetzungsfehler?
Auf mich macht es den Eindruck, als wüsste Gandhi sehr wohl den Unterschied zwischen passivem Widerstand und gewaltätigen Auseinandersetzungen und er weiß auch beides entsprechend anzuwenden "


Entscheidend ist doch nicht das Etikett, sondern was hinten rauskommt: wie ich an anderer Stelle bereits erwähnte, artete Gandhis "gewaltloser Widerstand" streckenweise in wahre Massaker aus - eben der Grund, warum sich viele ehemalige Mitstreiter wie der Dichter Tagore, dem er seinen Ehrennamen "Mahatma" verdankt, enttäuscht von ihm abwandten.
Die "Nichtzusammenarbeitskampagne" wurde übrigens eingetsellt, nachdem tausende Tote zu beklagen waren - zuletzt 25 Polizisten, die lebendig verbrannt wurden.

"Widerspricht er damit nicht sich selbst? Ich würde sagen, dass der das nicht unbedingt tut. Denn er sagt auch folgendes:"Gewalt ist die Waffe des Schwachen; Gewaltlosigkeit die des Starken." Das sagt meiner Meinung nach aus, dass man, wenn man in einer schwächeren Situation zum Beispiel seine Rechte verteidigen will, durchaus gewalt anwenden kann und das Gandhi ganz klar dazu steht. Ich bin auch der Meinung, dass man bestimmte Sachen mit Gewalt durchsetzen muss, wenn es 99.9% sicher ist, dass es KEINERLEI Alternativen gibt."

Um folgendes mal klarzustellen: ich kritisieren Gandhi nicht, weil im antikolonialen Freiheitskampf gegen die Briten Gewalt angewandt wurde. Dies ist manchmal nötig, außerdem gibt es gerechte und ungerechte Gewalt. Die Gewalt, die zur Befreiung gegen einen unterdrückenden Gegner eingesetzt wird, ist gerechtfertigt und damit außerhalb jeder moralisch wertenden Kategorie.
Ich bin kein Pazifist und eh immer mißtrauisch, wenn eine politische/religiöse Bewegung von vorneherein Gewalt absolut ablehnt - die historische Erfahrung zeigt nämlich leider, dass gerade die größten (verbalen) Friedensengel zu massivsten Gewalttätigkeiten neigen. 2000 Jahre Christentum sind hierfür ein beredtes Beispiel.
Meine Kritik richtet sich a) dagegen, dass es augenscheinlich gar nicht Gandhi war (und wenn, nur ganz am Rande), der den Freiheitskampf führte, und dass b) der Mann anders dargestellt wird als die Realität verlief. Das ist für mich Täuschung.


Mhhh... Nochmal zu den Editierfunktionen: ich nutze auch Firefox, und da läuft alles problemlos... Welche Version hast du? Mit der 1.0 klappt es tadellos. Ansonsten sind die Codes (abgesehen von Zitieren und Hyperlink) absolut HTML - für Fett z.B. < b >, für kursiv < i > und so weiter. Steht alles z.B. in Selfhtml.
NEUER BEITRAG04.04.2005, 21:02 Uhr
 minderer Goa'Uld 
GAST
Gandhi selfhtml? muss ich erstmal googlen was das ist und wo ich sowas herkriege (vielleicht hab ichs ja und kann nur grad den namen nich zuordnen... sowas kommt bei mir recht häufig vor... habs nich so mit namen xD). Die neue Mozillaversion habe ich zwar gesaugt, könnte aber sein, dass ich sie noch nicht installiert hab, was ich dann gleich nach diesem post mal nachholen werde.

zu Gandhi:
kritisierst du nun Gandhi oder das Bild welches heute allgemein von ihm herrscht? Wenn du Gandhi kritisierst, dann bin ich immernoch anderer Meinung als du. Er war ja, wie weiter oben von mir geqoutet, schon zu lebzeiten gegen Assoziationen zwischen seiner Predigt von gewaltlosem Widerstand und dem was er als gerechtfertigten Widerstandskrieg gesehen hat (ob das nun so war und ob der wirklich so ausgefochten werden musste, kann ich nicht sagen, da ich dazu noch nicht genauer recherchiert habe). Das da gewisse Differenzen bestanden, hat er schon eingesehen. Ich hoffe bei weiteren Recherchen (in 2 stunden gehen Recherchen ja nicht allzu tief XD ausserdem bin ich nich so der gott in Englisch) rausfinden zu können, dass es eine Art Evolution im denken Gandhis gegeben hat (oder auch Devolution), was ja nicht allzu unwahrscheinlich ist, da wir uns alle aufgrund unserer Erfahrungen verändern und das er deshalb zu einem Zeitpunkt seines Lebens eine Lehre ausarbeitet und die weltbekannten Zitate von sich gibt und zu einem anderen Zeitpunkt Sachen macht, die er vermutlich selbst (und du heute) nicht rechtfertigen kann (und will?).
Irgendwas hab ich jetzt vergessen, was ich noch sagen wollte xD

zum Thema Christentum jedenfalls noch was:
ich finde, man muss deutlich zwischen der Religion Christentum und den Menschen machen, die diese Religion zu ihren egoistischen Zwecken mißbrauchen.
Im Namen des Christentums sind viele Schandtaten gemacht worden, was aber noch nicht unbedingt einen Schluß auf die Religion, jeden Religionsausübenden und die heutige Situation der Religion zulassen.
Den letzten Satz drücke ich bewusst nicht als meine Meinung aus, da ich mir sicher bin, dass dies als allgemeiner Fakt angenommen werden kann.
NEUER BEITRAG04.04.2005, 21:15 Uhr
Nutzer / in
secarts

Gandhi "kritisierst du nun Gandhi oder das Bild welches heute allgemein von ihm herrscht? Wenn du Gandhi kritisierst, dann bin ich immernoch anderer Meinung als du. Er war ja, wie weiter oben von mir geqoutet, schon zu lebzeiten gegen Assoziationen zwischen seiner Predigt von gewaltlosem Widerstand und dem was er als gerechtfertigten Widerstandskrieg gesehen hat (ob das nun so war und ob der wirklich so ausgefochten werden musste, kann ich nicht sagen, da ich dazu noch nicht genauer recherchiert habe). "

Ich habe versucht, das öffentliche Bild Gandhis einer kritischen Beleuchtung zu unterziehen. Mein Resultat dabei ist:
- die "Marke" Gandhi hält nicht, was sie verspricht - sprich: der Mann hat ganz anders gelebt, als er selbst und seine Epigonen das immer behauptet haben. Mir selbst ist es nun freilich egal, ob er nur behauptet hat, keusch zu leben oder das tatsächlich auch einhielt. Gleiches gilt für armes Leben, Gewaltlosigkeit, etc. Insofern kritisiere ich in der Tat das Bild Gandhis. Seine persönlichen Ausschweifungen sind mir latte. Im übrigen halte ich von Keuschheit und Technikfeindlichkeit eh nicht viel.
- Gandhi war politisch weit weniger wichtig als behauptet. Sprich: Nicht er hat die meisten Taten, die wir im Allgemeinen mit der Befreiung Indiens verbinden begangen. Insofern gebührt diese Ehre anderen und nicht ihm. Dass ein Mann, der de facto wenig bis nichts zur indischen Befreiung geleistet hat allerdings als strahlendes Vorbild für die um ihre Befreiung kämpfenden Menschen der sog. "dritten Welt" hingestellt wird, ist Blenderei.

"zum Thema Christentum jedenfalls noch was:
ich finde, man muss deutlich zwischen der Religion Christentum und den Menschen machen, die diese Religion zu ihren egoistischen Zwecken mißbrauchen.
Im Namen des Christentums sind viele Schandtaten gemacht worden, was aber noch nicht unbedingt einen Schluß auf die Religion, jeden Religionsausübenden und die heutige Situation der Religion zulassen."


Kommt denn die Religion Christentum nicht etwa von Menschen?!
Wenn du jetzt sagst, sie käme von einer Gottheit, können wir uns die weitere Debatte zu diesem Punkt sparen, mit religiösen Dogmatikern kann man nämlich nicht über nicht falsifizierbare Hypothesen diskutieren.
Falls du auch der Meinung bist, das sie von Menschen geschaffen wurde, ist der "Mißbrauch" quasi in die Wiege gelegt, denn zu irgendwelchen Zwecken wurde sie ja schließlich auch kreiert.Insofern ist eine Trennung zwischen den "hehren Zielen" der Religionsstifter und den "Verfälschungen" der Anhänger mehr als müßig. Das Motiv war nämlich bei beiden identisch.

"Den letzten Satz drücke ich bewusst nicht als meine Meinung aus, da ich mir sicher bin, dass dies als allgemeiner Fakt angenommen werden kann."

???
NEUER BEITRAG06.04.2005, 17:04 Uhr
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GAST
Gandhi Mich würde mal interessieren, wie sich ein so bizarr verfälschtes Bild Gandhis so weit in der Öffentlichkeit verbreiten konnte? Wer hat Interesse daran, wem soll das was bringen?
Ist es, wie Secarts eingangs erwähnte, auf die menschliche Suche nach Vorbildern zurück zu führen? Hat nicht jeder Mensch eine Idealvorstellung von sich selbst, die sich nicht auch teilweise in anderen (realen wie fiktionalen) Menschen widerspiegelt? Werden nicht dann auch Fakten verdreht und verzerrt, nur um dieses eigene Idealbild zu perfektionieren und unantastbar zu machen?
Ich könnt mir gut vorstellen, dass auf diese Weise solch mythische Gestalten wie die Götter, aber auch solche Idole wie Jesus oder eben Gandhi entstanden sind.
NEUER BEITRAG06.04.2005, 19:10 Uhr
Nutzer / in
secarts

Gandhi ich denke, dass du damit nicht ganz Unrecht hast - ein menschlicher Wesenszug ist eben das beinahe zwanghafte Idealisieren oder die Suche nach Vorbildern. Dass dies öfter Menschen trifft, die keineswegs so "gut" waren wie angenommen, ist eben die bizarre Seite der Medaille.
Ich bin im Allgemeinen immer genau dann sehr mißtrauisch, wenn jemand als "absolut gut" auftritt oder so verklärt wird. Wie bereits erwähnt - die Herrschaft der "Guten" hat die der "Schlechten" an Grausamkeit oftmals weit übertroffen.
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