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die grünen
  begonnen von Toto am 22.11.2010  | 11 Antworten
NEUES THEMA22.11.2010, 12:45 Uhr
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Toto

• die grünen kennt jemand gutenQuelle zum Thema die Grünen und den (Öko-)Faschismus. Im Netz steht nicht viel, meistens zur ÖDP eine Abspaltung aus den Grünen, aus dem Parteiprogramm ist auch nicht viel rauszukriegen. Es wird zwar gesagt, dass die Industriegesellschaft nicht globalisierbar ist (d.h. der arme Süden soll weiter von uns abhängig bleiben). Ansonsten eine offene Technikfeindlichekeit versteckt sich hinter "Nachhaltigkeit des Wirtschaften"....
NEUER BEITRAG22.11.2010, 19:02 Uhr
EDIT: retmarut
22.11.2010, 19:14 Uhr
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retmarut

die grünen Mit ÖDP bist Du da schon richtig. Die ist zwar auch nicht "ökofaschistisch", aber eben die konservative Version der Grünen. In 1978-1982 gab es eine heftige und notwendige Auseinandersetzung innerhalb der Grünen zwischen rechten und linken Konzepten. Damals haben die Linken (waren v.a. "Undogmatische" sowie aus den diversen K-Gruppen) die Rechten um Herbert Gruhl (späterer Gründer der ÖDP, die er 1990 kurz vor seinem Tod im Streit verlassen hat) aus der Partei geworfen. Damals haben die Grünen ihre linke Prägung erhalten, von der sie heute noch zehren.

Der Begriff "Ökofaschismus" ist meiner Meinung nach lediglich polemischer Kampfbegriff aus Teilen der damaligen linken Flügel der Grünen, um ihrem Anliegen mehr moralischen Druck zu verleihen. Inhaltlich ist der nicht wirklich definiert und lässt sich auch nicht stichhaltig begründen. Jutta Ditfurth (und ihre Ökoli) haben den Begriff bis zum Erbrechen genutzt, um damit alle esoterischen, biologistischen, anthroposophischen und sonstwie irren Ökovorstellungen als "ökofaschistisch" abstempeln zu können.

Bei Interesse leihe ich Dir gerne ein paar Ausgaben der Ökolinx, der damaligen Zeitschrift der Ökologischen Linken, wo sich regelmäßig auch Berichte über "Ökofaschismus" finden. Halt eine "undogmatische" (naja ...) Zeitschrift von Ex-Grünen, die sich an ihrer ehemaligen Partei abgearbeitet haben. Dabei sind auch ein paar immer noch sehr brauch- und lesbare Artikel bei rum gekommen, u.a. zum Thema Esoterik, Eugenik, Rassismus, Ziganismus.

(Wobei, um nicht missverstanden zu werden, die Kritik an konservativen und reaktionären Ökologievorstellungen natürlich völlig zutreffend ist. Nur halt der Begriff "Ökofaschismus" nicht, denn das Ganze hat mit Faschismus allerhöchstens in Randbereichen Gemeinsamkeiten, so. z.B. bei rassenbiologischen oder anderweitig biologistischen Ansätzen. Aber ein_e Biologist_in ist noch lange kein_e Faschist_in, sonst könnten wir den Begriff wegen Beliebigkeit gleich in die Tonne treten.)

[Edit: Habe mal wieder in die alten Ökolinx geschaut. Drei Ausgaben aus den Jahren 1994 und 1997 kann ich Dir ausleihen. Ebenfalls Ditfurths Buch "Träumen, Kämpfen, Verwirklichen" (1988), wo u.a. ein Beitrag zur Rechtsentwicklung in den hessischen Grünen 1983 zu finden ist. In ihrem "Feuer in die Herzen" gibt es meines Wissens auch einen ausführlicheren Teil zur ÖDP.]
NEUER BEITRAG22.11.2010, 19:30 Uhr
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retmarut

die grünen Interessant in diesem Zusammenhang sicher auch noch Gruppen wie Earth First (gibt es die noch?) und andere Ökoanarchist_innen, die Mensch und Tier gleichsetzen und für die Rückkehr zum Primitivismus agitiert haben. Die heutige Tierrechtsbewegung, die ja ein Tummelplatz für Linke und Rechte ist, geht in eine ähnliche Richtung. Ich sag nur: "Gleiche Rechte für Mensch und Tier", "Faust und Pfote", "Antispeziezismus", "Hühner-KZ" und ähnlicher Irrsinn, der noch weit hinter die Errungenschaften der französische Revolution zurückfällt.

Hier mal zwei Links zur Kritik an diesen verwirrten Geistern:
Henning Flad: Biologismus und Menschenfeindlichkeit (1998)
Peter Bierl: Und ewig Rauschen die Wälder (1996)
NEUER BEITRAG23.11.2010, 12:39 Uhr
Nutzer / in
retmarut

die grünen Noch ein Literaturhinweis zu dem Thema:

Jutta Ditfurth: Entspannt in die Barbarei. Esoterik, (Öko-)Faschismus und Biozentrismus, Konkret Literatur Verlag, Hamburg 1996.
NEUER BEITRAG23.11.2010, 13:25 Uhr
EDIT: secarts
23.11.2010, 13:26 Uhr
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secarts

die grünen Letzteres kann ich, bei Bedarf, gerne verleihen... zumindest innerhalb Göttingens
NEUER BEITRAG24.11.2010, 07:48 Uhr
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paulina

die grünen es gibt auch noch den nachfolgeband "feuer in die herzen. gegen die entwertung des menschen" von ihr (auch konkret verlag, '97). dort gibt es u.a. ein kapitel "ökofaschismus und esoterik", was sich zwar nicht NUR, aber unvermeidbar AUCH um die grünen dreht...
ich habe übrigens beide bücher (prahl) und würde sie evtl. auch verleihen, allerdings nur gegen kommunistisches ehrenwort der zurückgabe und androhung schärfster strafen bei nichterfüllung!!
NEUER BEITRAG24.11.2010, 12:02 Uhr
Nutzer / in
Toto

die grünen Nunja, Danke für die vielen Angebote...Ich wollte ursprünglich mich eher mit den Grünen, weil sie ja von Relevanz sind. Die ÖDP spielt in der öffentlichen Wahrnehmung nicht die große Rolle. Aber mit der Esoterik sollte man sich als Kommunist auf jeden Fall beschäftigen, da sie anscheinend große Einflüsse in der Deutschland ausüben...Dazu gibt es jährlich in Göttingen eine Messe von Esoteriker, da sollte man sich damit auseinandersetzen!

Ich bin im Moment mit anderes Buch beschäftigt, werde mich aber bei Bedarf melden. Bücher-Ausleihen sollte man zurückgeben, wenn man aufs Ausleihen angewiesen ist, sonst kommt irgendwann ein Moment wo man nichts kriegt.
NEUER BEITRAG24.11.2010, 13:58 Uhr
Nutzer / in
retmarut

die grünen >Aber mit der Esoterik sollte man sich als Kommunist auf jeden Fall beschäftigen, da sie anscheinend große Einflüsse in der Deutschland ausüben...
NEUER BEITRAG24.11.2010, 14:03 Uhr
Nutzer / in
secarts

die grünen "Ist aber vernachlässigenswert in Relation zu den gängigen Religionen."

Na, da wäre ich aber vorsichtiger. Das Eine lässt sich vom Anderen zunächst kaum mehr trennen, und auch eine Diversifizierung des "Glaubenssupermarkts" ist, mal so kapitalistisch gesehen, nix besonderes.

Antiidealismus geht gegen Idealismus. Wie sich der dann ausprägt, ist sekundär.
NEUER BEITRAG24.11.2010, 22:26 Uhr
Nutzer / in
retmarut

die grünen Sowohl in Quantität als auch in Qualität ist der Esoterikbereich vernachlässigenswert gegenüber den etablierten Religionen.
Mal abgesehen davon, dass die einschlägigen Großreligionen nicht unbeträchtliche politische wie auch finanzielle Macht ihr Eigen nennen. Allein die papistische Sekte in Rom hat sich über die Jahrhunderte Grund und Boden, Kunstschätze und v.a. Kapital akkumuliert, das laut Tagesschau (Stand: 2007) "bei mindestens 1,2 Milliarden und höchstens zwölf Millliarden Euro" liegt. Die Rolle, die diese Institution bei der finanziellen und ideologischen Unterstützung reaktionärer Regime eingenommen hat und einnimmt, brauche ich hier nicht ausführen, weil uns das allen mehr oder weniger bekannt sein dürfte.

So gesehen gibt es also schon einen relevanten Unterschied zwischen irgendwelchen Esoteriker_innen und den (großen) Religionsgemeinschaften.

Auch beim Kampf gegen den Idealismus würde ich grundsätzlich abstufen:
Einen (bürgerlichen) Pazifismus oder Befreiungstheologie finde ich weitaus weniger gefährlich (und ist im konkreten Kampf auch tendenziell unser_e Bündnispartner_in) als z.B. Rassismus, Kreationismus oder faschistische Ideologie.
NEUER BEITRAG25.11.2010, 12:34 Uhr
Nutzer / in
SeppAigner
SeppA
igner
die grünen Von speziellem Interesse ist die Esoterik schon in der Hinsicht, dass sie von Unzufriedenen und Leuten, die "irgendwie spüren", dass Kapitalismus und Bedürfnisse zueinander in Widerspruch stehen, als Schein-Ausweg benutzt wird, als vermeintliche ALTERNATIVE zu "politischem Engagement". Das ist anders als bei den traditionellen Mysteleien. Der esoterische Firlefanz wirkt hier praktisch als Puffer, der verhindert, dass Leute ihre persönlichen Probleme als gesellschaftliche verstehen lernen. Ausserdem integrieren manche Varianten der Esoterik durchaus rationale Widerstände gegen Sachen wie z.B. Medizin als Geschäft oder gesundheitsschädliche Nahrungsmittel und dergleichen und lenken diese in politische Unwirksamkeit ab. Gerade über diese "Grauzone" wirkt Esoterik auch auf Leute ein, die sich selber als links verorten. Die Beschau des eigenen Bauchnabels oder der Astrologiequatsch sind auch Ausdruck davon, dass Leute spüren, dass "eigentlich" die Gesellschaft geändert werden müsste, dies aber für hoffnungslos gehalten wird. Häufig kommt der eigentlich politische Anspruch denn auch in der Form daher, dass man, weil man im Grossen nichts ändern kann, erstmal "bei sich selbst anfangen" müsse.

Das gilt zwar auch für die anpassungsbereiteren christlichen Ideologie-Varianten, ist aber in den traditionellen Kirchen eher eine Randerscheinung, während es für Esoterik zentral ist.

Ich finde auch, dass Esoterik-Kritik nicht gerade unser Hauptproblem ist. Aber wenn es die Kraft dafür gäbe, wäre das schon ein Feld, das zu beackern sich lohnen würde.
NEUER BEITRAG07.10.2011, 19:16 Uhr
EDIT: secarts
07.10.2011, 19:16 Uhr
Nutzer / in
secarts

die grünen Ich habe hier zu dem Thema Irrationalismus/Idealismus/Esoterik noch eine Buchempfehlung:

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