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NEUES THEMA21.03.2014, 19:47 Uhr
EDIT: joe123
21.03.2014, 19:50 Uhr
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joe123

• Aktionsbericht der Berliner Gewerkschafter zum 3.10.2013 Bericht von der Aktion der "Berliner Gewerkschafter bei Secarts.org" zum 3. Oktober 2013

"Wir sind Deutschland! – Dokumenta bundesdeutscher Verhältnisse"

1. Inhaltsvorbereitung / Zitatauswahl


Aus einem Pool von bisher 400 Zitaten aus Büchern, Presse, konkret-"Herrschaftszeiten", jw-"Zitat des Tages" usw. haben wir die 240 perfidesten, reaktionärsten, nationalistischsten, antikommunistischsten, antiproletarischsten, annexionistischsten, "am meisten imperialistischen" Zitate von bundesdeutschen Politikern, Militärs, Wissenschaftlern und Künstlern ausgewählt. Neben aktuellen Schwerpunkten wie Hetze gegen Hartz-IV-Empfänger, "faule Griechen" usw. wurden zahlreiche Revanchismen und auch manche Klassiker aus Kaiserzeiten ("Ich kenne keine Parteien mehr, ich kenne nur noch Deutsche" etc.) und Nazizeiten (z.B. Geopolitiker, die sich wie aktuelle EU-Politiker lesen) aufgenommen, um die Kontinuität des deutschen Imperialismus zu verdeutlichen. Neben Politikern, Wirtschaftskapitänen und Leitartiklern kommen auch diverse Fußballer und Mediensternchen zu Wort. Angriffe auf die Linkspartei wurden vermieden, SPD und Grüne aber genauso ausgiebig bedacht wie CDU/CSU.

2. Propaganda-Präparierung

Jedes Zitat montierten wir schön fett auf einen A5-Zettel mit "Kennzeichen D" im Hintergrund (siehe Muster unten) und laminierten die A5-Zettelchen, dass es richtig was hermacht! Die 240 Zitatkärtchen haben wir dann auf drei Spanplatten a 3,5 x 1,5 Meter gepappt, dazu große BRD-Fahne mit schön hässlichem Adler und ein "Wir sind Deutschland"-Schildchen obenrangeklemmt. + Ein süßes A6-Broschürchen mit den 60 nun aber wirklich ALLER-reaktionärsten und knackigsten Zitaten für die Westentasche kostet im Kopierladen 40 ct.

3. Aktion und Reaktionen

Dann ging es zum Brandenburger Tor, an dem alljährlich ein Fest zum "Tag der deutschen Einheit" stattfindet, wo wir die Spanplatten zu einem Dreieck von gut 4 x 4 x 2 Metern zusammenkonstruierten und ein Tischchen mit den A6-Broschüren dazustellten.

In dem Massenauflauf war die Aufstellung ein Blickfang für alle Passanten. Sofort bildeten sich Trauben, zahlreiche Leute schüttelten über die geballte Ladung an offizieller Reaktion die Köpfe, photographierten, kauften Broschürchen – knapp 100 Stück in 4 Stunden!

Nur sehr vereinzelt griffen welche die Ausstellung als tendenziös an. Die meisten Passanten (Touristen, "Deutschlandfest"-Besucher) waren ernstlich entrüstet. Die Leute wollen an der Sache vorbeilaufen, streifen mit den Augen ein Zitat und bleiben schier unweigerlich hängen, erkennen in der überwiegenden Mehrheit auch schnell, dass es um einen Angriff auf die bundesdeutschen Verhältnisse geht, dem sie sich dann nur schwer entziehen können. Die Mischung der Zitate macht, dass jemand, der z.B. den Jugoslawienkrieg nicht für "schlimm" hält, wegen der Hetze gegen HartzIV-Bezieher oder Streikende oder Ossis doch wieder "die bundesdeutschen Verhältnisse" "schlimm" finden muss, oder genötigt wird, auch den Revanchismus der Adenauers gut zu finden, wovor sogar die Deutschlandfestbesucher zurückschrecken.

Ein ehemaliger IGMetaller, der jetzt in Spanien lebt, freute sich sehr, dass es kritische politische Aktionen von Gewerkschaftern gibt. Eine Traube spanischer Touristen wunderte sich lange, was hier für Reaktionäre unterwegs seien, und war nach Klärung, dass die Zitate in negativ-angreifender Absicht ausgestellt sind, hellauf begeistert. Teilweise kam es zu Diskussionen an den Tafeln. Ein älterer Herr nörgelte relativ böswillig an der Aktion herum, es sei nicht klar, von wem das gemacht sei, als bedürfe es riesiger Strippenzieherei und Organisationshintergründe für so eine Aktion (er war wahrscheinlich auf der Jagd nach Linkspartei-Vorfeldvereinen …).

4. Aussichten

– Die Aktion haut auf jeden Fall auf vollen Plätzen und zu gegebenen Anlässen gut rein, belässt es bei der Anklage ohne viel Agitation, was nun gegen die deutsche Misere zu tun sei. Der relativ stille Hinweis auf "Berliner Gewerkschafter" ist aber ein guter Fingerzeig, wo die beste Basis für Widerstand gegen die Reaktion zu finden wäre, wenn jemand danach suchte.

– Denkbar wären auch Formen wie z.B. eine Tapete auf dem Boden; ab 20 Metern dürfte das schon was hermachen

– Denkbar wäre auch Anreicherung mit aussagekräftigen Bildern, seien es Portraits, Kriegsgerät o.ä.

– Prinzipiell schier unendlich erweiterbar ist die Zitatenauswahl, bekanntlich türmt die Reaktion täglich chauvinistische Hetzereien und Überheblichkeiten zuhauf

– Denkbar wären aber auch Formen, in denen andere Leute, Gruppen und Organisationen solche Aktionen an anderen Orten zu gegebenen Anlässen starten; daher stellen wir Zitatauswahl und Broschürchen hier als Muster für örtliche Initiativen bereit
• Hier gibt's was extra: mehr Debatten aus den www.secarts.org-Foren
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