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NEUES THEMA11.09.2016, 14:12 Uhr
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MARFA

• Marx-Jahr 2018: FAZ schiesst sich warm Schon weil es international eine Rolle spielen wird kommt die BRD ja um den 200. Geburtstag von Marx nicht herum. Hier wird die mögliche einfriedung schon mal vorgegeben: Link ...jetzt anmelden!

„Alles, was ich weiß, ist, dass ich kein Marxist bin“, hat schon Karl Marx selbst von sich gesagt. Das muss man in einem nicht trivialen Sinn verstehen. Denn natürlich war auch Jesus kein Christ und Buddha Shakyamuni kein Buddhist. Doch Marx war nicht nur allen ismen abhold, er vertrat zumindest bis in die 1840er Jahre Ansichten, die ihn eigentlich berechtigen, einen Ehrenplatz unter den Antikommunisten des 20. Jahrhunderts einzunehmen: Ein glühendes Bekenntnis zum Freihandel legte er ab, für das er heutzutage Lob von allen Alt- und Neoliberalen verdient hätte.

Suspekte Kommunisten
„Kommunistische“ Ideen hingegen machte er dafür verantwortlich, dass „unsere einstmals blühenden Städte heute nicht mehr blühen“ – ein Zitat, das überdies das verbreitete Missverständnis korrigiert, Marx sei so etwas wie der Erfinder des Kommunismus. Nein, die meisten Kommunisten seiner Zeit, vor allem in ihrer von Pierre-Joseph Proudhon radikalisierten Spielart, waren ihm äußerst suspekt.

Viel mehr als ein Theoretiker des Sozialismus und der Revolution war Marx ein scharfsinniger Deuter des bürgerlichen Zeitalters, seines eigenen Jahrhunderts – ein Freund der Globalisierung, die Gleichheit der Chancen schafft und alle Privilegien abräumt: „Alles Ständische und Stehende verdampft. Alles Heilige wird entweiht.“...

Marx’ eigene Ideen sind längst nicht so stringent und kohärent, wie es spätere Hagiographen gern gehabt hätten. Mal ist das Privateigentum die Folge entfremdeter Arbeit, ein andermal ist es die Ursache der Entfremdung. Mal stand für ihn die Revolution unmittelbar bevor, einige Zeit später hat er sich dann von der Naherwartungsgewissheit verabschiedet und dem Kapitalismus noch eine Fristverlängerung geschenkt.

Marx' Gedanken immer noch aktuell
Das heißt mitnichten, dass er für unsere Gegenwart nicht mehr interessant wäre. Im Gegenteil. Seine Zeit, das 19. Jahrhundert, ist irgendwie immer noch die unsrige. Die Unzufriedenheit mit dem Alltag, die Marx Entfremdung nannte, erleben heutzutage viele Menschen als schwer erträgliche Beschleunigung des Lebens und fehlende Resonanz der menschlichen oder dinglichen Beziehung....


Vom Romantiker zum Mythologen
Nirgends wird das deutlicher als in seinen späten Schriften, wo er wieder ganz zum rückwärtsgewandten romantischen Träumer wird. Den ersten Band des „Kapitals“ hatte Marx vollendet; an einem zweiten oder dritten Band zur Fortsetzung hatte er, wiewohl versprochen, die Lust verloren.

Stattdessen packt ihn in den 1860er Jahren ein anthropologisches und prähistorisches Interesse, das die Marxisten aller Länder verstören musste. Marx’ Neugierde gilt den germanischen Vergemeinschaftungsformen der „Gehöferschaften“ und der „Marken“, Allmende gleichem kommunalen Besitz, wo allen alles zur Verfügung steht. Gefallen findet er auch am russischen Dorf, „Mir“ genannt, dem alle Bauern einer Siedlung angehören. Der von ihnen genutzte Grund und Boden wurde periodisch unter ihnen umverteilt.

Marx schwärmt vom goldenen Zeitalter der freien germanischen Bauern, liest Johann Jakob Bachofens „Das Mutterrecht“ und versenkt sich in den Traum archaischer Gesellschaften von Urhorden mit geduldeter Promiskuität, in denen es noch keine Familien gab, sondern nur das Gebot der Mütter. Der Romantiker war am Ende an sein Ziel gekommen als Mythologe.
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