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NEUES THEMA14.05.2013, 10:41 Uhr
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fjstoeiber

• Frage zum Verhalten des Monopolkapitals 1932 Liebe Genossinnen und Genossen,
ich habe bei Walter Ulbricht gelesen, dass teile des Monopolkapitals trotz Überwindung der Talsohle der Krise 1932 "Produktionssabotage" betrieben haben, d.h. entgegen der Auftragslage nicht produziert haben, um die Verelendung der Massen bis zur Machtübergabe an die Faschisten gezielt voranzutreiben. Leider nennt er keine Beispiele. Kennt von Euch jemand Beispiele bzw. Quellen für diese These?
NEUER BEITRAG14.05.2013, 17:16 Uhr
Nutzer / in
joe123

Frage zum Verhalten des Monopolkapitals 1932 Hab drei ältere Genossen gefragt, von denen ich Tipps erhoffte. Es kam eher nur Enttäuschendes:

1. die ulbrichtthese, o weh, halt ich für bissel verstiegen. ich kann mir nicht vorstellen, dass das großkapital so planvoll zur sache geht / ging ...

2. da kann ich leider nicht helfen, vielleicht steht etwas in der achtbändigen Geschichte der Arbeiterbewegung! Herzlich

3. Die These halte ich für - wenngleich zweckdienlich und darum scheinbar logisch - für propagandistischen Stuß. Das Kapital hat nur ein Interesse - das der Profitmacherei. Die Verelendung der Massen ist ein politisches Thema, was dem Kapital am Arsch vorbeiging. Diesen Umweg zur Installierung einer faschistischen Diktatur musste es nicht gehen.

Ich hätt trotzdem gern, dass der Sache so weit nachgegangen würde, dass man rauskriegt, wie W.Ulbricht zu seiner These kam, was er damit gemeint haben könnte. Vielleicht irgendwas Staatliches?


NEUER BEITRAG14.05.2013, 18:34 Uhr
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retmarut

Frage zum Verhalten des Monopolkapitals 1932 @ fjstoeiber: Wo genau findet sich denn bei Ulbricht diese Bemerkung?

Ulbricht meint vielleicht die "Verordnungen zur Belebung der Wirtschaft und zur Vermehrung und Erhaltung der Arbeitsgelegenheiten" (Euphemismus damals wie heute) vom 04./05.09.1932, die die Papen-Präsidialregierung erließ. Damit sollten u.a. die Tarife bei "Gefährdung der Weiterführung des Betriebes" ohne Änderung des Arbeitsvertrages einseitig durch die Unternehmer um bis zu 20% abgesenkt werden. Damit wurde de facto das Tarifrecht ausgehebelt. (Eine Erscheinung, die das deutsche Monopolkapital derzeit in Griechenland wieder anwendet, wo ebenfalls die Tarifschranken durch Gesetze bzw. Verordnungen aufgekündigt werden. Selbst das Streikrecht wird in Griechenland in einigen zentralen Branchen, so u.a. in den Fährbetrieben und Häfen sowie im Transportwesen, neuerdings auch bei den Lehrern aufgehoben.)
Dazu findet sich in der Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung, Band 4, Seite 364 ff. etwas.

Die mit Notverordnungen agierenden Regierungen der Vorphase des Faschismus an der Macht dienten letztlich alle den direkten Interessen des Monopolkapitals, um sich auf diese Weise an der Arbeiterklasse und den nichtmonopolistischen Konkurrenten gesundzustoßen.

Eine kurzzeitige und gezielte Produktionseinstellung kann ich mir in Zeiten der Krise 1932 durchaus vorstellen, weil die noch genug Ramsch auf Halde hatten. Und kurzfristige Sabotage der Wirtschaft durch Unternehmerverbände kommen ja auch nicht das erste mal vor, vgl. z.B. Chile 1972 und 1973 sowie Venezuela 2002 und 2003. Damals gab es allerdings auch linke Regierungen und eine Angst der Unternehmer vor evtl. sozialistischen Enteignungen ihrer Produktionsmittel. Selbiges stand 1932 ja nun gar nicht auf der Tagesordnung. So gesehen kann ich mir kaum vorstellen, dass Unternehmen 1932 zu solchen strategischen Mitteln greifen mussten. Ob eine zusätzliche Destabilisierung der in der Krise befindlichen Wirtschaft und einhergehende schärfere Verelendung die Nazis in den Wahlen zusätzlich beflügelt hätte, halte ich jedenfalls für eine eher gewagte Strategie. Der Bourgeoisie ist aber hierzulande alles zuzutrauen, auch Hasardeursaktionen.

Die Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung, Band 4, S. 367 vermerkt übrigens:
"Die Streikwelle [, die alsbald einsetzte,] ließ die Verordnungen Franz von Papens faktisch unwirksam werden. Auch die Unternehmer zahlreicher nichtbestreikter Betriebe verzichteten angesichts der Kampfentschlossenheit der Arbeiter auf Lohnsenkungen und auf den Bruch der Tarife. Die politische Bedeutung der hauptsächlich wegen ökonomischer Forderungen geführten Streiks bestand darin, daß nun auch die Wirtschaftspolitik der Papen-Regierung scheiterte."
NEUER BEITRAG14.05.2013, 21:42 Uhr
Nutzer / in
fjstoeiber

Frage zum Verhalten des Monopolkapitals 1932 @retmarut
Die These steht in den "Thesen über das Wesen des Hitlerfaschismus" in "Zur Geschichte der Deutschen Arbeiterbewegung, Band II, S.407:
"Sie [die Konzernherren] sabotierten die Wiederingangsetzung der Betriebe, obwohl die Krise im Juli 1932 bereits ihren Tiefpunkt überschritten hatte."
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