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unofficial world wide web avantgarde
NEUES THEMA04.11.2005, 23:00 Uhr
EDIT: klemens
05.11.2005, 06:17 Uhr
Nutzer / in
klemens

• Paradoxer offener Brief reicher Menschen Unlängst fand ich folgenden Bericht über einen offenen Brief an Angela Merkel.
Kurz zusammengefasst fordern darin reiche Menschen in Deutschland von der (höchstwahrscheinlich) künftigen Kanzlerin die Vermögensbesteuerung anzuheben. Denn eine weitere Belastung der ärmeren Schichten sei nicht tragbar.

Aber lest selbst :

"Offener Brief an Merkel
Reiche wollen mehr Steuern zahlen

In einem offenen Brief hat sich eine Gruppe von Vermögenden, Schriftstellern und Wirtschaftsexperten für eine Erhöhung der Vermögens- und Erbschaftssteuern ausgesprochen. Unter den Unterzeichnern des Schreibens an die designierte Bundeskanzlerin Angela Merkel und den möglichen Vizekanzler Franz Müntefering sind Literaturnobelpreisträger Günter Grass, die Autoren Erich Loest und Peter Rühmkorf, Wirtschaftsexperten wie Thilo Bode und Rudolf Hickel sowie die Millionenerben Frank Hansen, Percy Rohde und Susann Haltermann. Initiator des Aufrufs ist der Hamburger Reeder Peter Krämer.

Einsparung von rund 66 Milliarden Euro

Die insgesamt 21 Unterzeichner regen an, die Vermögensbesteuerung auf 3,8 Prozent des Bruttosozialprodukts anzuheben. Damit könnte der Staat eine Summe von 66 Milliarden Euro an Mehreinnahmen erwirtschaften. Krämer sagte, es könne nicht sein, dass ernsthaft über eine Erhöhung der Mehrwertsteuer nachgedacht werde, ohne auch die Vermögenden stärker zu belasten. Eine Erhöhung der Mehrwertsteuer träfe die Normalverdiener, Rentner und Arbeitslosen wesentlich stärker.

Die Beteiligten kritisieren weiter, dass in Deutschland im internationalen Vergleich Vermögen am niedrigsten besteuert werde. Fasse man Grundsteuer-, Erbschafts-, Schenkungs- und Vermögenssteuer zusammen, sei Großbritannien mit einem Anteil von 4,3 Prozent am Bruttosozialprodukt Spitzenreiter der Belastung von Vermögen, heißt es in dem Brief. Es folgten Frankreich mit 3,3, die USA mit 3,2, Japan 2,8 Prozent. Schlusslicht sei Deutschland mit nur 0,8 Prozent. Die Unterzeichner berufen sich dabei auf eine aus dem Jahr 2004 stammende OECD-Studie."

Quelle: Link ...jetzt anmelden!

Was soll man denn hiervon halten ?


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Nach kurzer Korrektur der Rechtschreibfehler oben, schließe ich mich Alex an und gratuliere Secarts zur glücklichen Fügung des 1000. Postings im Forum. Ebenso Alex zum 1001. Posting......
NEUER BEITRAG05.11.2005, 00:01 Uhr
EDIT: secarts
05.11.2005, 00:14 Uhr
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secarts

Paradoxer offener Brief reicher Menschen mhh, naja: durchgeknallt sind diese Vermögenden sicher nicht; man könnte es etwas zynisch vielleicht "die schlauere Variante im Ringen um den dauerhaften Machterhalt" nennen.

Warum? Weil auch manchen Menschen mit 'nem dicken Geldbeutel klar ist, dass irgendwann einmal sozialer Unmut stark genug sein könnte, das System als Ganzes in Frage zu stellen - das Vermögen wäre damit komplett futsch. Also lieber einen etwas größeren Teil in sozialen Frieden investieren, um den Plebs ruhig und gewogen zu halten. Nichts anderes leistet z.B. Sozialhilfe auch; das vielzitierte "soziale Netz" fängt die Ärmsten vor dem totalen Aufschlag ab und gibt dem Staat und der Wirtschaftsordnung somit Stabilität. Passt gut zu Keynes, passt gut zur Sozialdemokratie, aaaber...

...passt nicht gut in unsere Zeiten. Deswegen wird der Aufruf wohl auch ungehört verhallen. Wieso? Weil keiner der Unterzeichner einer von denen ist, die wirklich was zu sagen haben, nämlich ein sog. Monopolkapitalist. Die sind derzeit eher auf Konfrontationskurs und wittern die Möglichkeiten, jahrzehntelange soziale Zugeständinsse zugunsten der Erhöhung der Profitrate in kürzester Zeit beinahe total zurückzunehmen, indem sie die akute Schwäche der Arbeiterbewegung ausnutzen.
Da sind sie noch lange nicht fertig; nach "Hartz IV" kommt jetzt erstmal der Vorwurf, Hartz IV sei noch viel zu human und lade "zur Selbstbedienung" ein... bis Hartz X oder so kann es noch lustig in dem Stil weitergehen.

Und dann, wenn die ersten Läden wieder geplündert werden, Massenstreiks drohen und Deutschland wieder Hungertote hat (wir werden es noch alle erleben!), wird man sich wieder auf den guten, alten sozialdemokratischen Weg besinnen und die Unterzeichner des Aufrufes als "Visionäre" feiern. Bevor sie ganz untergehen, geben sie rechtzeitig ein klein bißchen was ab vom Profit - doch so schlimm ist's heute ja noch nicht.

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sehe grad, dass dies der 1000. Post im Forum ist;
darauf trinke ich jetzt erstmal einen! Gruß, secarts
NEUER BEITRAG05.11.2005, 01:05 Uhr
Nutzer / in
GAST
Paradoxer offener Brief reicher Menschen Gratuliere zum 1000. Post! Wie viele Tage lang gibt's das Forum jetzt schon?
Zurück zum Thema:
Vermögensbesteuerung heben von 0,8% auf 3,8%, das wäre eine Steigerung um 475%! Das wird sich in nächster Zeit bestimmt nicht durchsetzen, ganz besonders während der großen Koalition.
Da sind Secarts' Ansichten weit realistischer, sozial wird es erstmal eine Talfahrt geben bevor es endlich wieder bergauf geht; was uns genau erwartet steht in den Sternen, auszuschließen sind Hungerepidemien, Bürgerkrieg und Massenaufstände jedoch nicht.
Du bist pleite? Du bist Deutschland!
NEUER BEITRAG11.11.2005, 21:14 Uhr
Nutzer / in
klemens

Paradoxer offener Brief reicher Menschen Nach langem Ringen hat Merkel angeblich doch einer Steuererhöhung diesbezüglich zugestimmt.
Und der Großformatige Pressewald beginnt schon vor dem Beschluß alles zu kritisieren. Dies sei weder gerecht noch bringe es sonst was..... etc. etc.
NEUER BEITRAG13.11.2005, 20:08 Uhr
Nutzer / in
GAST
Paradoxer offener Brief reicher Menschen jaja, dies ganze gerede vor allem um die tolle "reichensteuer"...
und gleichzeitig geht die mehrwertsteuer auf 20% - daß das die unausgesprochene "armensteuer" ist, sagt dabei kaum jemand!

NEUER BEITRAG14.11.2005, 15:04 Uhr
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GAST
Paradoxer offener Brief reicher Menschen Das kann man so pauschal nicht sagen. Konsumieren tun im großen Maß die, die es sich leisten können, also zahlen die mehr bei der erhöhten Mwst. Die ganz armen Leute werden auch weiterhin keine Großeinkäufe tätigen.
NEUER BEITRAG14.11.2005, 15:09 Uhr
Nutzer / in
secarts

Paradoxer offener Brief reicher Menschen Einen Geringverdienenden, der ja auch so oder so um seinen Einkauf nicht herumkommt, wenn er denn essen + überleben will, belastet die Mehrwertsteuererhöhung proportional aber um einiges stärker...
" Mehrwert", den bekommt allerhöchstens der Hersteller der Ware, sprich Ausbeuter der Herstellenden. Auf den "Mehrwert" Steuern zahlen allerdings die Konsumenten - unter anderem also auch die, die dem Fabrikbesitzer vorher welchen erwirtschaftet haben...
NEUER BEITRAG14.11.2005, 19:09 Uhr
Nutzer / in
Stephan

Paradoxer offener Brief reicher Menschen "Mehrwertsteuer" belastet die Ausgaben, also die Menschen je mehr, desto höher der Anteil an Konsum von ihren Gesamtausgaben ist. Das Geld, das auf der hohen Kante oder im Sparstrumpf landet, wird nicht belastet. Schon hast Du die ungerechte Verteilung, denn daß beispielsweise der Mannesmann-Chef (wie hieß der noch gleich) seinen "goldenen Handschlag" ruckzuck an der nächsten Currywurstbude umgesetzt hat, ist doch eher spekulativ.
NEUER BEITRAG14.11.2005, 19:20 Uhr
EDIT: klemens
14.11.2005, 19:23 Uhr
Nutzer / in
klemens

Paradoxer offener Brief reicher Menschen Nunja da ich einige Wirtschaftswissenschafter kenne, darf ich hier kundtun, dass es anerkannte Lehrmeinung ist, dass die Mehrwertsteuer sehr wohl eine Steuer ist, die die niedrigen Einkommen mehr belastet als die Hohen.
Zum Beispiel:
Wenn jetzt Coca Cola um 3 % mehr kosten wird (MwSterhöhung ist ja + 3% geplant meines Wissens)
zahlt jeder gleich viel mehr. Nur die paar Cent mehr pro Flasche (Dosen sind bei Euch ja eh Luxus) sind für die Bezieher niedriger Einkommen verhältnismäßig sehr wohl mehr als für einen reicher Menschen.

Dazu fällt mir noch der Spruch ein: Es ist Armen wie Reichen gleichermaßen verboten unter Brücken zu schlafen.

Kurz: u.a. weil dies eine einkommensunabhängige Massensteuer ist, behandelt sie alle gleich, obwohl nicht alle gleich sind. (dieser bürgerliche Gleichbehandlungsgrundsatz kritisiert auch Lenin in Staat und Revolution).
Einziger möglicher Vorteil, obwohl ich mich da nicht gut auskenne, ausländische Produkte werden ebenso teurer - im vergleich zu einer Lohnnebenkostenerhöhung die nur inländische Produkte verteuert.



Ach ja Stepahns Erklärungsansatz ist natürlich auch zuzustimmen. Weiß aber auch nicht wie der Mannesman-Chef hieß.
NEUER BEITRAG14.11.2005, 19:33 Uhr
Nutzer / in
GAST
Paradoxer offener Brief reicher Menschen deswegen schrieb ich ja auch "armensteuer"...
wenn ich zb. 10 € am tag zur verfügung habe, belastet mich eine mehrausgabe von sagen wir mal 10 Cent ungleich stärker, als wenn ich pro tag 100 € oder mehr habe.
NEUER BEITRAG14.11.2005, 19:35 Uhr
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GAST
Thread schreibgeschützt 11.09.2007 - 20:26 edit:
Dieser Thread wurde am 11.09.2007 um 20:26 Uhr von mod Alex gesperrt.
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