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NEUES THEMA01.08.2013, 16:41 Uhr
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secarts

• Alte Achsenmächte: Japans Premier will Nazitaktik kopieren Aus der Süddeutschen:

Japans rechtskonservative Regierung will den Pazifismus in der Verfassung stutzen - am besten nach Nazi-Art, meint Vize-Regierungschef Aso. Es ist nicht seine erste umstrittene Äußerung dieser Art.

Der stellvertretende japanische Regierungschef Taro Aso hat in der Debatte um eine Verfassungsänderung die Taktik der Nazis als nachahmenswert bezeichnet und damit im In- und Ausland Empörung ausgelöst.

Er hatte zu Wochenbeginn nach Medienberichten in einer Rede in einem Tokioter Hotel gesagt: "Die deutsche Weimarer Verfassung wurde unbemerkt, ohne dass es jemandem auffiel, durch die Verfassung der Nazis ersetzt. Warum lernen wir nicht von dieser Taktik?" [...]


In der japanischen Nachkriegsverfassung ist auf Druck der damaligen Alliierten ein Verbot sämtlicher Streitkräfte festgeschrieben - real ist es schon lange ausgehöhlt, nun soll es wohl auch formal erledigt werden. Das Ziel ist natürlich die VR China, und die Taktik dazu könnte vom alten "Achsenverbündeten" Deutschland kommen. Zu spät und zu kurz gekommen zu sein schweisst offenbar nachhaltig zusammen...
NEUER BEITRAG01.08.2013, 19:52 Uhr
EDIT: retmarut
01.08.2013, 19:53 Uhr
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retmarut

Alte Achsenmächte: Japans Premier will Nazitaktik kopieren Spontan musste ich lachen ob dieser tolpatschigen Art. Wer die Verfassung grundlegend ändern, also den japanischen Militarismus wieder in Verfassungsrang setzen will, macht das normalerweise still und heimlich und posaunt das nicht vorab groß heraus, erst recht nicht mit solchen Vergleichen.

Das Vorhaben an sich ist ja nicht neu. Bisher gab es aber immer außenpolitische Bedenken, eine ganz offizielle Armee (bisher läuft die japanische Armee unter dem Deckmäntelchen "Heimatschutzkräfte") einzurichten. Die außenpolitischen Widerstände kommen nicht nur von der VR China (als sozialistischem Staat und aufgrund der japanischen Besatzungs- und Kriegspolitik in China von 1931/1937-1945), sondern auch aus den beiden Koreas (waren von 1910-1945 japanische Kolonie), aber auch aus den USA. Letztere sehen in einem (wirtschaftlich schwächelnden) Japan, das im mare nostrum der US-Amerikaner (Pazifikraum) auf Aufrüstung setzt, zu recht die Gefahr, dass dort wieder ein aggressiver militärischer Konkurrent wiederkehrt. Die USA wollen natürlich lieber den status quo Japans als US-amerikanischer Flugzeugträger (v.a. Okinawa) vor der Küste Chinas aufrechterhalten. - Das wird noch ein spannendes Tauziehen zwischen diesen beiden Mächten.

Bei der nationalistisch-revisionistischen Stimmung innerhalb der japanischen Bourgeoisie und dem beträchltlichen Stimmengewinn für die Regierung von Shinzo Abe kann es sehr gut sein, dass die wirklich demnächst Nägel mit Köpfen machen. Das würde die Lage im Pazifikraum natürlich enorm anheizen und die bisherigen recht klaren Fronten in Bewegung bringen.

Taro Aso irrt übrigens. Die Nazis haben die Verfassung überhaupt nicht verändert. Sie haben einzelne Gesetze und Rechtgrundsätze in ihrem völkisch-rassistischen Sinne verändert und damit dem gesamten Rechtssystem ein neues Gepräge gegeben. Die Reichsverfassung blieb aber weiter erhalten.
Die Aufrüstung erfolgte in Deutschland viel früher im Geheimen, Stichwort Schwarze Reichswehr, wo - neben den erlaubten 100.000 Soldaten - weitere hunderttausende durch verkürzte Militärausbildung und "Reserveübungen" geschleust wurden. Die haben dann u.a. im Mäntelchen von Militaristenvereinen, paramilitärischen Formationen etc. massenhaft - von der Reichswehrvertretern in Zivil angeleitete - Waffen- und Geländeübungen durchgeführt. Dabei wurde u.a. viel Wert gelegt auf strategische und taktische Übungen, in denen die einzelnen Waffengattungen im Manöver zusammenwirken sollten. Aufgrund des Verbots einer Luftwaffe hatte die Reichswehr übrigens die Segelfliegervereine aus der Taufe gehoben und protegiert. Diese boomenden Vereine waren die Kaderschule für die kommende Generation der Luftwaffe.

Was die Nazis gemacht haben, war die Wiedereinführung der Wehrpflicht 1935 und der Aufbau einer Luftwaffe und Marine - alles unter den Augen und im Einverständnis mit den Appeasementpolitikern aus Frankreich und Großbritannien, die das Deutsche Reich als Rammbock gegen die SU nutzen wollten. Letztere Strategie ist bekanntlich im August 1939 aufgrund der geschickten, die zwischenimperialistischen Widersprüche nutzende Diplomatie der SU gescheitert.
NEUER BEITRAG03.08.2013, 15:46 Uhr
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secarts

Alte Achsenmächte: Japans Premier will Nazitaktik kopieren Du hast Recht, retmarut, Aso irrt tatsächlich - bzw. sitzt dem auf, was die Bürgerlichen fälschlicherweise zur Entlastung ihrer Gesellschaftsordnung gerne behaupten: Die deutschen Faschisten mussten sich nicht an die Macht putschen, die Verfassung auch nicht abschaffen. Sie konnten sie nutzen, gültig war sie bis zur bedingungslosen Kapitulation am 8. Mai 1945.
NEUER BEITRAG09.08.2013, 20:54 Uhr
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MARFA

Alte Achsenmächte: Japans Premier will Nazitaktik kopieren Was will denn Japan eigentlich, warum aufrüsten? Doch nur gegen die VR China.
NEUER BEITRAG11.08.2013, 17:31 Uhr
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retmarut

Alte Achsenmächte: Japans Premier will Nazitaktik kopieren @ Marfa: Sicher primär gegen die VR China. Aber es geht auch um eine zwischenimperialistische Auseinandersetzung Japans mit den USA bzgl. der Interessenssphären im Pazifikraum. Die reaktionärsten Kreise der japanischen Bourgeoisie, zu denen auch die derzeitige Regierung gehört, wollen die Beschränkungen, denen das Land (aus gutem Grunde!) seit August 1945 unterliegt, aufheben und das Land "normalisieren" (kennen wir ja auch Deutschland 1990 ff.)

Teils machen die das schon durch faktisches Handeln (Marineeinsatz der japanischen Flotte vor Somalia). Dass jetzt aber auch offiziell eine Legalisierung der bestehenden Armee gefordert wird, ist natürlich ein Zeichen dafür, dass wieder zunehmend eine expansive Politik angedacht wird. Traditionelle, historische Expansionsrichtung Japans ist das ostasiatische Festland, v.a. Korea und China. Ob sich eine solche Politik mittelfristig innerhalb der japanischen Bourgeoisie durchsetzen wird, dürfte noch nicht entschieden sein.

NEUER BEITRAG16.08.2013, 00:40 Uhr
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tolpatchow

Alte Achsenmächte: Japans Premier will Nazitaktik kopieren "Aber es geht auch um eine zwischenimperialistische Auseinandersetzung Japans mit den USA bzgl. der Interessenssphären im Pazifikraum."

Was schwer wird solange Hunderttausende US-Soldaten in Japan stationiert sind. Auch die Amerikaner scheinen neben der strategischen Lage direkt gegenüber der VR China zu wissen warum sie die dort lassen...
NEUER BEITRAG16.08.2013, 14:10 Uhr
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retmarut

Alte Achsenmächte: Japans Premier will Nazitaktik kopieren @ Tolpatschow: "solange Hunderttausende US-Soldaten in Japan stationiert sind" - Mal nicht übertreiben: Es sind rund 35.000-40.000 US-Soldaten in Japan und Okinawa stationiert. Ist trotzdem aber ein relevanter Faktor in der Region.
NEUER BEITRAG08.09.2013, 13:08 Uhr
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mmp1994

Alte Achsenmächte: Japans Premier will Nazitaktik kopieren Die USA werden schon ihre Gründe haben dauerhaft in Japan/Okinawa stattioniert zu bleiben. Da sind die KDVR und die VR China in unmittelbarer Nähe. Aber Japan selbst eben auch.
NEUER BEITRAG04.11.2013, 14:01 Uhr
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retmarut

Alte Achsenmächte: Japans Premier will Nazitaktik kopieren Interessant in diesem Zusammenhang, dass Russland und Japan vor wenigen Tagen ein gemeinsames Militärabkommen geschlossen haben. Japan scheint seine Bündnisorientierung, die bisher auf Unterstützung der USA hinauslief, zu erweitern.

Detail am Rande: Die beiden, die da gerade Bündnisabkommen geschlossen haben, haben nach 1945 keinen Friedensvertrag geschlossen. (Deutschland hat ja bisher auch keinen ratifiziert, lediglich den 2+4-Vertrag unterzeichnet. Letzterer ist kein Friedensvertrag, wird aber in seiner Wirkung als solcher behandelt - nicht zuletzt in Ermangelung eines echten Friedensvertrages.)

Die NZZ meint, Russlands Regierung sähe Japan in dieser Beziehung als "Bittsteller". Halte ich für eine etwas gewagte These, aber sollte zumindest zur Kenntnis genommen werden:

"Lawrow warnt vor Übermut

Als nächster Schritt auf hoher Ebene soll Japans Aussenminister Fumio Kishida im Frühjahr nach Moskau reisen. Auch die Vierergespräche mit den Verteidigungsministern sollen eine Fortsetzung finden. Erklärtes Ziel ist es, den Territorialkonflikt zu lösen und einen Friedensvertrag auszuarbeiten. Trotz den positiven Zeichen wird dies nicht einfach sein. Russlands Aussenminister Sergei Lawrow sagte denn auch, dass Japan vorsichtig vorgehen solle, um die Gespräche nicht zu gefährden. Moskau sieht Tokio offensichtlich in der Position des Bittstellers."
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