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Tunesien
  begonnen von IvanDrago am 17.01.2011  | 9 Antworten  | geschlossen
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NEUES THEMA17.01.2011, 14:01 Uhr
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IvanDrago

• Tunesien Hi, kennt oder hat jemand gute Seiten bzw. Texte zu dem was grad in Tunesien abgeht?
Bzw. weiss jemand ob es eine kommunistische Partei dort gibt und welche Rolle sie in dem Umsturz (wenn es denn einer ist) spielt?
NEUER BEITRAG17.01.2011, 14:10 Uhr
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secarts

Tunesien ...ist gerade ein Artikel dazu bei uns erschienen!
NEUER BEITRAG17.01.2011, 15:00 Uhr
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IvanDrago

Tunesien Sehr schön, so lob ich mir das^^
NEUER BEITRAG17.01.2011, 21:19 Uhr
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retmarut

Tunesien Hier der Link zur Parteizeitung Al Badil der KP Tunesien.

Ist allerdings alles auf arabisch.
NEUER BEITRAG17.01.2011, 21:23 Uhr
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retmarut

Tunesien ... und für alle, die dem Arabischen nicht so recht folgen können, hier das aktuelle 9-Punkte-Programm der Kommunistischen Arbeiterpartei Tunesiens (auf englisch), vom 15.01.2011.
NEUER BEITRAG27.01.2011, 21:23 Uhr
Nutzer / in
Toto

Tunesien http://www.ahewar.org/eng/show.art.asp?aid=1211

ahewar.org - ist eine arabische Linke Seite, in ihr schreiben alle Linke/Kommunistische Parteien/Kräfte/Personen aus der arabischen Welt. Hauptsächlich wird auf arabsich, aber kurdisch und englisch geschrieben.


INTERNATIONAL COMMENTARY: Arabs burning for change

HANNA ZIADEH
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2011 / 1 / 27

The Tunisian revolution blazes new trails
By HANNA ZIADEH

Al-Jazeera TV has in mid-January for several days run live-coverage of the peaceful Tunisian revolution and the Arab public could see on live TV a miracle comes true. Arabs saw the young Tunisian protesters topple one of the Arab world s most successful dictatorships with a dictator who has held power for 23 years.

Once the news that President Ben Ali s plane left Tunis, was out, thousands of Arabs launched solidarity demonstrations with their Tunisian brothers, while others began another form of public action, which spread like fire in dry harvest: Desperate, poor Algerians, Egyptians and Yemenis set fire to himself themselves. They wanted their burning bodies to be the spark that ignites the popular revolution against their corrupt regimes - like the young Tunisian Mohammed Al-Bouazizi did for Tunisia when he burned himself alive in protest against a regime that offered young, well-educated Tunisians unemployment, poverty and oppression.

It is too early to determine whether the Tunisian youth will achieve what no other Arab people s movement has succeeded in the last hundred years that is to establish a popular democracy without interference by the military or through foreign intervention. However, the Tunisian revolution has already changed the Arab world and in a way no other movement has done since the Islamic revolution took power in Iran in 1979. Since 1979, the Islamic movements had a tight hold over the Arab peoples, and for nearly 30 years, the choice was between either a continuation of the so-called secular military, corrupt and hereditary dictatorships à la Ben Ali or a regime-change in which the Islamists came to power, or chaos and civil war.

The Tunisian revolution showed that there is a fourth way in which peaceful, democratic forces can transform Arab societies. Until now, the Islamists have only given people the right to elect them to power, but not out of it, as in Gaza, or to sanction military takeover as they did in Sudan. If the Islamists could not gain power, they threw their national communities in turmoil, terror and civil war against the military regimes that prevented them from coming to power as in Algeria and Egypt. The Tunisian effect can now be felt everywhere in the Arab world, most recently in Yemen, where another Ben Ali-cloning, President Saleh has had to scrap a constitutional amendment that would have guaranteed him a lifelong presidential mandate.


TUNISIAN protesters have learned the other Arabs three important lessons. The first is that the Arab rulers could no longer feel secure in power.

The second is that the Left still exists as a political factor despite Islamist and military regimes persecutions. Tunisia showed that the Left, together with trade unions and civil society organizations represent the political movement that stands for social justice and democracy in Arab countries.


The third lesson is that the Arabs should not count on support from Western governments in their struggle against the repressive regimes.
In the critical days when Ben Ali s regime used every instrument of power against the demonstrators, the only thing that Tunisians heard from the West were soothing, diplomatic calls from official spokespersons to the dictator to show “restraint”! In the historic moment when the Arab world s best educated youth broke the chains of fear to demand “bread, work and freedom” and not as usual, to shout “Islam is the solution” and “Death to Israel”, Western leaders revealed their hypocrisy.

Led by French President Nicolas Sarkozy, whose country has held his hand over Ben Ali to the end, they showed that all the Western rhetoric about democracy and reform in the Arab world are only empty words, coupled with practical support for the Arabs’ so-called ‘pro-Western’ autocrats.

The Arabs will wonder why is the West willing to send tens of thousands of their young soldiers to their deaths in order to overthrow a dictator and to promote democracy in the oil-rich Iraq, but refuses to raise their voices in support of a secure democratic change in the most socially developed Arab country? The difference, as Tunisians say it, is that Iraq has black oil, but Tunisia has only green olive oil.
NEUER BEITRAG27.01.2011, 21:53 Uhr
EDIT: Toto
27.01.2011, 22:26 Uhr
Nutzer / in
Toto

Tunesien Die Kommunistische Partei Tunesien (PCOT) gründete mit andere patriotische und fortschrittliche Kräfte ein Bündnis "14. Januar", in dem unter anderem die "baathistische Strömung", Nasseristen, Demokratische Arbeiterpartei sowie andere Linke Gruppen (insgesamt 8 Gruppen/Parteien).

Link ...jetzt anmelden! (Link zur arabisch-sprachigen ägyptische Trotzkistische Seite der "revolutionäre Sozialisten")

Die Gründungserklärung des Bündnis 14. Januar fast wörtliche Übersetzung des Aufrufes:

"1. Sturz der jetztigen Regierung oder jede andere Regierung mit dem Personal der alten Regime
2. Auflösung der alten herrschende Partei und ihre Enteignung
3. Gründung einer temporären REgierung mit dem Vertrauen des Volkes und seine fortschrittliche Kräfte (u.a. Gewerkschaften)
4. Auflösung des Parlaments und alle andere Scheinkomitees sowie der Höchsten Gerichtshof und Wahlen einer konstituierende Versammlung zur Formulierung einer neuen demokratischen Verfassung, die die sozialen, politischen und kulturellen Rechte des Volkes sichert.
5. Auflösung der polizeilichen und geheimdienstlichen Apparat, Formulierung einer neuen Sicherheitspolitik
6. Rechenschaft gegenüber aller Kräfte die Verbrechen gegen das Volk begangen haben
7. Enteignung des Eigentums aller Familienmitglieder und Verwandten des alten Präsident
8. Arbeit für die Arbeitslosen und sofortige Maßnahmen zur Verbesserung der Lebensbedingungen
9. Aufbau einer nationalen Wirtschaft mit dem wichtigsten Produktionsbereiche und Verstaatlichung bereits Privatisierierte. Neue Wirtschafts- und Sozialpolitik des Bruch mit neoliberal-kapitalistischen Wegs.
10. Individuelle Freiheiten und Freilassung der Gefangene und eine Amnestie
11. Der Front grüßt die arabische und internationale Solidarität und ruft zur Fortsetzung der Unterstützung auf
12. Boykott der Normalisierungspolitik mit Israel und Unterstützung der Befreiungsbewegungen in der arabischen Staaten und der Welt.
13. Aufruf zur Fortsetzung der Mobilisierung der Volkskräfte für die oben genannte Ziele
14. Der Front grüßt jede Form der Selbstorganisation der Massen und ruft zur ihrer Vergrößerung auf.

Ruhm der Märtyrer der Intifada und Sieg für die Wütende Massen.
20.1.2011"


Das Bündnis gründete eine "Komitee zur Verteidigung der Revolution" mit entsprechenden Programm, der in der obengenannte Erklärung orientiert.
NEUER BEITRAG27.01.2011, 22:22 Uhr
EDIT: Toto
27.01.2011, 23:16 Uhr
Nutzer / in
Toto

Tunesien In einem Artikel aus der besagten linken Internetseite ahewar.org, der Artikel wurde vorher von der tunesischen Kommunisten auf seine Richtigkeit kontrolliert, schreibt der Autor.

Link ...jetzt anmelden!

Der Artikel unter dem Titel: "Die tunesische Revolution und die arabischen Islamisten"

Kurzfassung!


Zuerst führt er, dass die Hoffnung der arabischen Islamisten eine REvolution wird zwangsweise islamistisch sein, in Tunesien wurde diese These wiederlegt. Als Beispiel nennt er der Versuch der tunesischen Islamisten die Demonstration von ihrer moslemischen Identität zu erzählen will, aber niemand in der Masse zuhörte. Gleichzeitig hetzen die Islamisten gegen führende Mitglieder der PCOT und andere linke Kräfte.

Al-Jazeera spielt dabei eine dreckige Rolle, sie versucht die Islamisten und die Imperialisten (vor allem die USA) irgendwie zu unterstützen. Sie nannte oppositionellen Pro-Imperialisten in der Leitung ihrer Senderbüro, der von Notwendigkeit der Friedlichkeit und Beruhigung der Straße(das propagiert er), um dann später die Islamisten den größten Raum zu bieten(das ist aber die Konsequenz). Gleichzeitig wird eine Kampagne gegen die Fateh geführt, um die Hamas als einzige Kraft in Palästina zu etabilieren. Die Rechnung wird nicht aufgehen, so der Autor. Denn die "Revolution" bereitet sich in Ägypten, etc.

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Die Rolle der Al-Jazeera wird von der pal. Volkspartei (PPP - Ex-KP Palästina) sowie die Hadash (Linksbündnis aus der KP Israel) kritisiert, aus deren Sicht bezweckt die Kampagne ( Link ...jetzt anmelden! ) gegen die Fateh eigentlich die Zerschlagung der PLO und die palästinesische Nationalbewegung . Die PPP fordert gleichzeitig die Veröffentlichung der Protokoll aus der Friedensverhandlung seitens der PA um die Demokratie zu stärken und gleichzeitig gegen die Spaltung der Palästineser entgegenzutreten, der von al-jazeera betrieben wird!
NEUER BEITRAG28.01.2011, 11:08 Uhr
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retmarut

Tunesien Dank an Toto für die Zusammenstellung.

In Tunesien scheint die islamistische Bewegung bisher nicht in der Revolte Fuss fassen zu können. Das liegt aber auch daran, dass in Tunesien die islamistische Kraft auch vorher schon recht gering war.
Anders in Algerien und Ägypten. Umso spannender, was sich dort derzeit tut, wo offenbar islamistische Positionen in der Protestbewegungen (soweit ich das von Deutschland aus beurteilen kann) auch wenig Raum einnehmen.
Die bisher unerschütterliche Aussage, dass sich nur zwischen Pest (westliche Kompradorenregimes in Form von Militär- und Polizeistaaten) und Cholera (islamistische Reaktion) entschieden werden könne und - eingedenkt der Erfahrungen 1979 im Iran - ein pro-westliches bürgerliches Militärregime einem religiös-verbämten bürgerlichen Regime vorgezogen wurde, scheint durch die Proteste in Tunesien zumindest ins Wanken geraten zu sein.
Anders als im Iran, wo in der sog. "grünen Revolution" letztes Jahr die imperialistische Einflussnahme und Unterstützung der Bewegung offensichtlich war, ist die tunesische (und die in anderen arabischen Staaten dadurch ebenfalls angestoßene) Revolte klar gegen die Interessen der imperialistischen Staaten gerichtet, die immer noch auf die alten Machteliten setzen und sich selbst mit dem Sturz Ben Alis noch schwertun (siehe Frankreichs außenpolitisches Herumlavieren in dieser Angelegenheit). Das macht die Revolte authentisch, schützt aber natürlich nicht davor, dass die imperialistischen Staaten Europas und die USA dort Teile der Protestbewegung "auf Linie" bringen.
Ebenso ist nicht ausgeschlossen (zumindest für Algerien und Ägypten), dass - ähnlich 1979 - die islamistische Bewegung das Ruder übernimmt, wenn sich die Protestbewegung intern über den weiteren Kurs zersplittert. (Eine solche Zersplitterung ist ja durchaus anzunehmen, zumal ja seit Jahrzehnten kein freier öffentlicher Meinungsaustausch möglich war und sicher diverse utopistische Gesellschaftsvorstellungen vorherrschen.)

Zu Jemen und Jordanien, wo ja ebenfalls die Post abgeht, habe ich überhaupt keine Einschätzung. Vielleicht kann dazu noch jemand ein bisschen Hintergrundmaterial posten?

Al-Jazeera zeigt, dass der Sender durchaus nicht völlig unabhängig ist, sondern im Sinne der Machteliten der Golfstaaten agiert, die (die vermutlich unbegründete) Angst haben, dass bei ihnen ebenfalls der Chefsessel wackeln könnte. Daher das Kleinreden und die Befriedungsrhetorik bzgl. der Protestbewegung. Al-Jazeera hat dieses Auftreten schon einige Übertragungswagen gekostet, die in Flammen aufgingen. Ob dieser medienpolitische Kurs dem Sender längerfristig schadet, wäre noch mal eine interessante Frage.
NEUER BEITRAG28.01.2011, 11:09 Uhr
EDIT: secarts
03.03.2011, 02:36 Uhr
Nutzer / in
secarts

Thread schreibgeschützt 03.03.2011 - 02:35 edit:
Dieser Thread wurde am 03.03.2011 um 02:35 Uhr von admin secarts gesperrt.

Die Diskussion zu den aktuellen Ereignissen in Tunesien soll bitte im Thread Arabische Revolutionen fortgesetzt werden!

Danke! sec.
geschlossen
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