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Am Samstag jährte sich zum 35. Mal die Aprilrevolution in Portugal. Am 25. April 1974 stürzte die portugiesische Armee die weltweit am längsten währende faschistische Diktatur und leitete - anders als nach dem Ende der faschistischen Regime in Spanien oder Griechenland - einen revolutionären Prozess ein, aus dem zwei Jahre später eine Verfassung resultierte, in der die "Entwicklung sozialistischer Produktionsverhältnisse" auf wirtschaftlichem und die "demokratische Macht der Werktätigen" auf politischem Gebiet als Staatsziel definiert wurde.

Zuvor war es einer starken Volksbewegung, die sich vor allem aus den Landarbeitern der südlichen Region Alentejo und dem lndustrieproletariat der großen Städte speiste, gelungen, mit der Nationalisierung der Banken und der großen Monopolgruppen sowie der Enteignung der Großgrundbesitzer wichtige Veränderungen in den Produktionsverhältnissen durchzusetzen.

Obwohl nur 30 Mitglieder der 250-köpfigen Konstituierenden Versammlung der Portugiesischen Kommunistischen Partei (PCP) angehörten, wurde die Verfassung am 2. April 1976 mit einer überwältigenden Mehrheit angenommen. Doch wie der langjährige PCP-Generalsekretär Alvaro Cunhal in seinem zum 25. Jahrestag des 25. April veröffentlichten Buch "Wahrheit und Lüge in der Aprilrevolution, Die Konterrevolution bekennt sich" aufzeigte, meinten es die Abgeordneten der "Sozialistischen Partei" (PS) und der konservativen "Sozialdemokratischen Partei" nicht ehrlich, als sie für die Verfassung stimmten.

Mittlerweile bekannte sogar der damalige PS-Generalsekretär Mario Soares in einem Interview, der hochrangige CIA-Mitarbeiter und damalige Botschafter der USA in Portugal, Frank Cartucci, habe ihm 1995 persönlich versichert, "dass niemand besser geeignet sei, die kommunistische Linke zu bekämpfen, als ein mutiger und kämpferischer, linker Antikommunist".

Carlucci war es auch, der Henry Kissinger, den damaligen Außenminister der USA, davon überzeugte, von militärischen Interventionen abzusehen und die angeschlagenen Positionen des portugiesischen und ausländischen Monopolkapitals mit Hilfe der PS Stück für Stück zurückzuerobern.

Obwohl er selbst für die Verfassung gestimmt hatte, betrieb Soares´ Regierung eine Politik, die offen gegen deren wichtigste Grundsätze verstieß. Die Agrarreform, die Nationalisierungen und weitere demokratische Errungenschaften gerieten mehr und mehr unter Beschuss. Letztlich konnten die sozialökonomischen Umgestaltungen der Aprilrevolution nicht erhalten werden und auch die zitierten Passagen der Verfassung von 1976 wurden nach hartnäckigem Widerstand 1982 entsprechend verändert.

 
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  Kommentar zum Artikel von secarts:
Sonntag, 10.05.2009 - 21:10

Wer sich mit diesem Spruch nicht recht anfreunden kann (obwohl ich hw Recht gebe: es gibt durchaus auch mal Beispiele, wo sozusagen eine linke Diskurshoheit geprägt werden konnte - normalerweise werden ja eher uns die Begriffe, Slogans und Styles geklaut!), möge auf die political correcte, urheberrechtlich unbedenkliche und - leider! - nicht weniger wahre Formulierung zurückgreifen:

Wer hat uns belogen -
Sozialpädagogen!



  Kommentar zum Artikel von hw:
Sonntag, 10.05.2009 - 19:49

Hier teile zur Abwechslung einmal Larsens Meinung nicht. Auch wenn die Losung eine gewisse Geschichte hat, so ist sie doch heute eindeutig links konnotiert. Auch St. Pauli wurde politisch umgedreht, und wenn das bei einer - noch dazu recht dankbaren - Parole auch der Fall ist, bin sehr wohl für ihre Verwendung!


  Kommentar zum Artikel von Lars:
Sonntag, 10.05.2009 - 18:29

Eine Anmerkung zur Überschrift:
Historisch ist es so, das "Wer hat uns verraten - Sozialdemokraten" in der Niederlage des 1.Weltkrieges durch die reaktionären Kreise, deutschnationale Kriegsbefürworter formuliert worden ist, die damit -trotz der Unterstützung des Krieges durch die SPD- die Verantwortung der Niederlage auf die SPD schieben wollte. Eine letztlich in mehrerlei HInsicht verdrehte Angelegenheit also. Die spätere Verwendung des Ausspruches in vielerlei Variationen von links ist somit eine Angelegenheit, die nicht wirklich gut kommt, bzw. von Seiten der SPD immer leicht gekontert werden kann, um den damit in Verbindung formulierten Argumenten (wie hier hinsichtlich des politischen Verrats in Portugal), auszuweichen. Ich halte die Parole deshalb für falsch und würde auffordern, sie nicht zu verwenden.