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Nun ist es soweit - die "Bundesagentur für Arbeit" ist in der technischen Moderne angekommen und die Gesellschaft ein Stückchen näher am realen Kapitalismus.
Warum? Weil ein neues Computersystem die Umsetzung des "Arbeitslosengeldes II" sichern soll und natürlich wieder mal gar nix klappt.
Hartz IV - das Unwort des Jahres, höchstwahrscheinlich, hat uns die "Reform" beschert: das ALG II ist der Schritt von der Arbeitslosigkeit ins Existenzminimum. Und hunderttausende werden davon betroffen sein, starten soll das ALG II mit Beginn nächsten Jahres. Ein neues Computersystem wird die knappen Mittel, die ausgegeben werden sollen berechnen. Das System ging dieser Tage an den Start - "pannenfrei", wie sich der olle Clement freut. Gar nicht so pannenfrei, schreiben hingegen nahezu alle Zeitungen. So wurde das System bis dato lediglich mit simplen Zahlensätzen belastet, komplexe Fälle, Familienberechnungen und andere problematische Belastungen blieben unserem Windows für Armut bislang erspart. Dazu kommt, das lediglich 20% der Betroffenen bis jetzt überhaupt ihre Fragebögen zurückgegeben haben; der große Schwall wird also höchstwahrscheinlich gegen Ende des Jahres kommen und ist de facto nicht mehr rechtzeitig einzupflegen. Chaos und Crashs sind also vorprogrammmiert.
Nun - was für Synergien soll man erwarten, wenn die Intelligenz eines Mannes wie Clement mit der Innovationsfreude einer Behörde wie des Arbeitsamtes gekoppelt wird und dazu noch eine Prise Neoliberalismus a la Schröder kommt? Da kann sich Bill Gates noch eine Scheibe von abschneiden.
War doch schon die Veröffentlichung von Windows 1.0 (jaa! das gab es!) eine Verzögerungstour sonder gleichen; ganze zwei Jahre wurde das Projekt immer wieder verschoben, da es noch Mängel und Unstimmigkeiten gab. Als es denn endlich 1985 veröffentlicht wurde, lief es immer noch nicht richtig. Das schätzen und lieben wir an Microsoft!
Clement ist da wesentlich forscher. Zum 3.1.2005 geht es los, notfalls gibts ein Servicepack in Form von Überbrückungsgeld. Da soll sich niemand was einbilden!
Desweiteren sind an dem Dilemma weder Beamte noch Computer schuld, sondern - wen wundert's - die Arbeitslosen selbst, lanciert zumindest die Medienwelt. Rufen doch die Arbeitslosenverbände selbst dazu auf, den Fragebogen möglichst spät zurückzugeben und überlasten damit die Agentur geplant und böswillig.
Ja, Freunde, so sieht die Welt aus. Menschen, die teilweise Jahrzehnte im Arbeitsleben standen und in dieser Zeit selbstverständlich auch in diverse Versicherungstöpfe einbezahlten, wird eine ehemals gesetzlich garantierte, ordnungsgemäß erworbene Leistung einfach weggekürzt - und sie sind auch noch selbst schuld, wenn der Staat nicht in der Lage sein sollte, wenigstens die gebliebene Marginalie rechtzeitig auszuzahlen.

 
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