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Mit dem Nachtzug haben wir von Agra aus Varanasi erreicht. Vorausgesagte Ankunftszeit 9:00 Uhr, tatsächliche 14:00 Uhr, das ist Indien…

Großbildansicht burningghat.jpg (15.5 KB)
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Obwohl Varanasi weniger Einwohner als Agra oder Jaipur hat (nur 1.2 Millionen) ist hier im Vergleich wirklich die Hölle los. Vom Bahnhof zu unserem Hotel nahe des Ganges (5km) brauchten wir mit der Autorickschah eine Dreiviertelstunde. Nahezu das ganze Stadtleben spielt sich in den engen Gäßchen neben dem Fluss ab. Varanasi, vom Ufer aus gesehen eine architektonisch traumhafte Stadt, ist nicht nur für Touristen, sondern auch für tausende Inder ein Pilgerort. Hier finden an mehreren Gaths (so etwas ähnliches wie Docks, Bootanlegestellen) rituelle Verbrennungen statt, von früh bis spät.
Als Tourist nähert man sich den Scheiterhaufen besser nicht zu sehr, das wird als äusserst pietätlos betrachtet. Fotographieren ist bei Prügelstrafe verboten (Ein paar Japaner hat es einen Tag vorher erwischt…). Pro Tag werden hundert bis zweihundert Leichen verbrannt, wobei Frauen der Zeremonie nicht beiwohnen dürfen. Es soll ein feierlicher Abschied von den Verstorbenen Frauen und Männern sein und nach indischer Mentalität sind Frauen dafür zu hysterisch. Ein Auserwählter darf den Scheiterhaufen entflammen, er ist während des ganzen Verbrennungsvorganges anwesend, ein Grossteil der anderen Feiernden geht inzwischen essen o. ü. und kommt ein zwei Stunden spüter wieder. Der Auserwühlte darf dann einen Teil der Überreste des Leichnams herausfischen (Bei Frauen die Beckenknochen, bei Männern Kopf oder Thorax) und in den Ganges werfen.

Großbildansicht sadhus2_sm.jpg (27.4 KB)
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Gleich daneben findet man hinduistische Pilger, die sich im Ganges von ihren Sünden reinwaschen. Laut Tradition muss der Kopf fünfmal untergetaucht werden, damit man wieder ein ruhiges Gewissen haben kann. Es gibt zwei Arten von Religiösen, die sich diesem Ritual unterziehen, die Gebildeten und die Gruppe der Ungebildeten und Furchtlosen. Die Gebildeten tauchen nur den Kopf wie vorgegeben fünfmal unter und gehen sich dann nachhaus waschen, die Anderen nehmen ein anständiges Bad im äusserst ungesunden Fluss. Laut WHO sollte ein Gewässer nicht mehr als 500 Fäkalbakterien auf 100 ml besitzen um badetauglich zu sein. Messungen am Ganges in Varanasi ergaben einen Wert von 1.500.000 pro 100 ml…

Die vielen Hippies und Anhänger des Kifferkults fühlen sich im dreckigen Varanasi sichtlich wohl. Man kommt keine fünfzig Meter ohne gefragt zu werden ob man was gutes zu rauchen braucht. Meist sind es die selben Leute die Bootfahrten feilbieten. Jemandem der einem erzählt, dass er verdammt gutes Zeug hat, wird man mit der Gegenfrage los, ob man das der Polizei erzählen soll ;) Ein THC-haltiges Milchgetränk, das sogenannte Bhang-Lassi ist in Varanasi legal erhältlich, man kann es aber auch in anderen Grossstädten unter dem Tisch erhalten. Wer etwas über die Wirkung erfahren will, muss schon selbst herkommen.
Ein weiterer prügender Faktor des religiös ueberladenen Ortes sind die sog. Sadhus. Das sind grossteils nackte Fanatiker, die sich einem enthaltsamen Leben widmen und allen weltlichen Dingen entsagen. Man kann sich zu ihnen setzen und sich gemeinsam das Hirn aus dem Schaedel rauchen, weshalb man sie meist in touristischer Gesellschaft vorfindet. Laut Erzaehlungen anderer Reisender machen manche von ihnen für eine kleine Spende auch spektakuläre Dinge mit ihrem Penis, wie Gewichte dranhängen u. ä.


Naechster Bericht: Westbengalen und die CPI (M)

 
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  Kommentar zum Artikel von belinda:
Dienstag, 20.02.2007 - 20:19

Deine Berichte sind sehr informativ und so lebendig erzählt als wär man selbst dort.