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Von secarts

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Bandnudeln mit Stäbchen - reine Übungssache ;-)
Vieles in China erscheint mir merkwuerdig, fremd oder bizarr – sei es der Beethoven spielende Geldautomat; Wasserhaehne, die parfuemiertes Wasser spenden; oder auch das Essen. Vom Besteck angefangen bis hin zu den Essenszeiten ist hier wirklich alles anders als daheim; ohne einen gehoerig neugieriegen und experimentierfreudigen Sinn wird man als Tourist zumindest in Suedchina keine Freude haben...

Es gibt einige wenige Grundvorraussetzungen fuer den uneingeschraenkten Genuss der reichhaltigen und gesunden chinesischen Kueche; insbesondere als Gast einer chinesischen Familie oder auch im groesseren Kreise in einem chinesischen Restaurant:

- ordentlicher Appetit. Das Essen ist ein gesellschaftliches Ereignis, dass sich ueber mehrere Stunden hinziehen kann – die chinesische Hoeflichkeit verlangt, immer wieder etwas anzubieten, die Hoeflichkeit des Gastes verlangt, immer wieder zuzugreifen. Erstaunlich dabei: das chinesische Essen stopft nicht einmal annaehernd so stark wie unser deutsches; Fleisch und Gemuese stehen in einem vernuenftigem Verhaeltnis; „Fuellmaterial“ wie Reis oder chinesische Nudeln werden nur in geringen Mengen dazu gegessen.

- Trinkfestigkeit. Zu chinesischen Mahlzeiten wird ordentlich Alkohol konsumiert: Schnaepse, die in China meistens irgendwo ueber 50% Alkoholgehalt beginnen, Bier, Brandy. Der Trick besteht darin, sich nicht abzufuellen, sondern zwischen einzelnen Gaengen oder Gerichten immer wieder mal zuzugreifen. Ausserhalb der Mahlzeiten ist uebermaessiger Alkoholkonsum verpoent und das Ziel besteht nicht darin, vom Stuhl zu fallen, sondern der Verdauung fuer ein paar weitere Bissen auf die Spruenge zu helfen.

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- Experimentierfreude. Zumindest im suedlichen China werden, mit Ausnahme von Ratten, wirklich ALLE Tiere gegessen, und dies beinahe komplett. Ich habe schon kalte Qualle, geduenstete Huehnerfuesse, gebratene Froesche und gekochte Muscheln, Garnelen in Schale und einen ganzen Haufen weitere fuer deutsche Gaumen ungewohnte Genuesse gekostet – und muss sagen, mir hat bisher alles geschmeckt. Die Speisen sind leicht und in Guangzhou mild gewuerzt zubereitet; wer sich vom Namen nicht abschrecken laesst, wird schnell eines feststellen koennen: unsere deutsche Pingeligkeit laesst uns eine Menge schmackhafter Nahrungsmittel entgehen!

- Keine veganen Neigungen. Denn in den subtropischen Gebieten herrscht ein anderer Frischebegriff: die meisten kleineren Tiere werden lebend gekauft und lebend aufbewahrt, um sie erst kurz vor der Zubereitung zu schlachten. Da huepfen die Froesche noch lustig im Beutel; eine halbe Stunde spaeter werden sie mit Sosse serviert – was so manchem Deutschen den Magen umdrehen wuerde, ist hier ein Beweis fuer die Frische und Qualitaet des Gerichts. Wer in China geniessen will, sollte die Tiere als natuerlichen Bestandteil der Nahrungskette betrachten – oder in’s Kloster gehen, denn die buddhistischen Moenche leben vegetarisch.

Alles in allem: das wirkliche chinesische Essen hat mit dem Essen im deutschen China-Restaurant nur den Namen gemein. Die Speisekarte ist viel umfangreicher als Huhn, Ente Schwein und Rind; beim Essen herrscht eine gesunde Natuerlichkeit; jeder nimmt sich von allem, was in der Mitte des Tisches aufgebaut ist.
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chineischer McDonalds in Guangzhou
Alle Unkenrufe von daheim haben sich im Uebrigen bisher nicht bestaetigt, was meinen Gesundheitszustand nach dem Verzehr chinesischer Mahlzeiten anbelangt: ich habe weder Diarrhoe noch Verstopfung bekommen und immer noch gesunden Appetit!

Neben der traditionellen und aufgrund der Groesse des Landes erschoepfend umfassenden chinesischen Kueche schwappt natuerlich nach und nach auch westlicher Einfluss in’s Land: In der Grossstadt Guangzhou sind McDonalds, Kentucky Fried Chicken und Pizza Hut allgegenwaertig (chinesischer McDonalds im Citic Plaza, Guangzhou, im Bild). Die traditionellen Snacks, die die Chinesen unterwegs verzehren, kommen dennoch immer noch aus einer der unzaeligen kleinen Garkuechen oder fahrbaren Essensstaende, die alle 20 Meter anzutreffen sind: fuer durchschnittliche Preise zwischen 50 Cent und einem Euro kann dort alles gekauft und sofort verzehrt werden, was die chinesische Kochkunst in mehreren Tausend Jahren ersann: Nudeln, Fleischgerichte, Fruehlingsrollen, gefuellte Teigtaschen. (Im oberen Bild esse ich chinesische Weizennudeln nach Wan-Tan-Art, eine Spezialitaet aus Guangzhou)
Auch fuer chinesische Verhaeltnisse sind die Preise dieser kleinen Imbisse sehr guenstig – gutes und reichliches Essen ist in China kein Luxus, sondern eine Selbstverstaendlichkeit. Wer sich von westlicher Scheu vor diversen Speisen freimachen kann, wird hier seinen Geschmackssinn umfassend testen koennen!international|56

 
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  Kommentar zum Artikel von secarts:
Dienstag, 23.08.2005 - 18:06

Logo, Thomas, wird gemacht! Was haeltst du zum Beispiel von Schweinefuss-Suppe? Hier gibt's ein Restaurant, das sich darauf spezialisiert hat! smiley

Die Quallen hier sind uebringens sicherlich von einer anderen Sorte - sie schmecken ganz gut, ein bisschen wie Gelatine, ohne allzu deutlichen Eigengeschmack, aber sie eignen sich vorzueglich als Beilage...


 T Kommentar zum Artikel von Thomas HTK:
Dienstag, 23.08.2005 - 11:47

Lieber Secarts, ich hoffe du bringst mir einige Rezepte mit.

Rotfront
Thomas


  Kommentar zum Artikel von klemens:
Montag, 22.08.2005 - 21:38

Nun die chinesische Küche klingt ja ganz lecker. Beim Lesen hab ich schon ein wenig Hunger bekommen - nur das mit den Quallen ist mir ein wenig suspekt. aber ich kenne quallen nur als lästige störenfriede beim Schwimmen in vergangenen Griechenland-Urlauben.



  Kommentar zum Artikel von secarts:
Montag, 22.08.2005 - 15:44

Hallo, allezusammen!

@Stephan: 10,50 Yuan sind ca. 1,05 Euro (der ungefaehre derzeitige Wechselkurs betraegt ca. 1:10). Das ist schon ungefaehr doppelt so teuer wie das Essen an den Imbisstaenden, die Hauptkundschaft besteht m.E. aber dennoch aus Schuelern und Jugendlichen. Es muss also halbwegs erschwinglich sein. Der durchschnittliche Lohn liegt bei ca. 4000 bis 6000 Yuan monatlich (zwischen $400 und $600, Zahl von 2003), in den Staedten wohl hoeher. Ob sich McD gegen die traditionelle chinesische Kueche auf breitem Felde durchsetzen und die uebliche Imbisse verdraengen kann, halte ich dennoch fuer sehr fraglich: die vielen kleinen Staende haben nun mal entscheidende Vorteile, wie z. B. die schnelle Erreichbarkeit und die riesige Auswahl.

@Michael: Vielen Dank, und - ja klar, ich komme auch nach Beijing, und zwar ungefaehr Mitte September. CRI kannte ich bisher noch nicht, vielleicht weisst du ja mehr, z. B. auch, wo sie ihren Sitz in Beijing haben? Ich bin noch nicht so beschlagen smiley

Ansonsten geht es mir sehr gut, ich erlebe eine Menge und habe viel Spass, allerdings langsam auch muede Beine... smiley
Am Mittwoch geht es hoechstwahrscheinlich weiter aufs Land!

Gruss, secarts



  Kommentar zum Artikel von Michael aus HTK:
Sonntag, 21.08.2005 - 17:40

hallo ------kommst Du auch in die Hauptstadt ? - bei CRI ist man immer an Besuch aus der BRD interessiert.

wenn Du sie noch nicht kennst - die url von CRI German = Link ...jetzt anmelden!

ich freue mich schon auf die weiteren Bericht von Dir, wuensche GUTE REISE.





  Kommentar zum Artikel von Stephan:
Samstag, 20.08.2005 - 17:09

Schön, daß gerade Du als schon eperimentierfreudigster Esser neue Erfahrungen sammelst, schick doch dem Schlüter mal die Rezepte, ich seh mich schon in der NORDSEE stehen und nach Quallen fragen smiley

Auf demBild erkenne ich, daß der Big Mäc (also der Doppelburger) 10,50 kostet. Wieviel ist das im Vergleich zu chinesischen Imbißständen und zu dem normalen Arbeitslohn? McD eher Luxus oder haben die eine Chance, sich duchzusetzen?