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Seit mehr als zehn Jahren setzt sich die VVN-Bund der Antifaschisten in besonderem Maße für die Entschädigung griechischer und italienischer NS-Opfer und die Bestrafung der Täter ein. Was im November 1998 mit einem Treffen im Haus der griechischen Gemeinde Dortmund (siehe WAZ, RN und WR vom November 1998, und Westf. Rundschau Februar 1999) begann, bei dem gemeinsam mit Opfern aus Distomo und Kalavrita über Solidaritätsaktionen beraten wurde, setzte sich mit Aktionen vor der Dortmunder staatsanwaltschaftlichen Zentralstelle für die Bearbeitung von NS-Massenverbrechen und mit der Teilnahme an Protesten gegen die Treffen der Veteranen der Gebirgstruppe fort, die an unzähligen Massakern beteiligt waren. Die zuständige Dortmunder Staatsanwaltschaft wurde immer wieder zur Strafverfolgung der Mörder von Kefalonia aufgefordert; auf dieser Insel wurden 1943 rund 5000 unbewaffnete italienische Kriegsgefangenen von Gebirgsjägern ermordet. Der Kameradenkreis der Gebirgstruppe e. V. ging gegen den Sprecher der VVN-BdA, den Dortmunder Journalisten Ulrich Sander, immer wieder mit Straf- und Zivilanzeigen vor, um ihn mundtot zu machen.

So hatte die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes-Bund der Antifaschisten 2008/2009 mehrere Prozesse vor dem Landgericht in Nürnberg durchzustehen. In einer abschließenden Bilanz stellte Sander nun fest: "Wir haben uns erfolgreich gewehrt - auch mit Hilfe unserer Archive, mit denen wir die Täter ausfindig machen konnten." Nun liegt die Broschüre des VVN-BdA-Bundesausschusses zu den Vorgängen mit dem Titel "Eine Mordstruppe" - Die Wahrheit über die Gebirgstruppe von Wehrmacht und Bundeswehr - vor. Sie wurde zu einer Streitschrift nicht nur im Kampf gegen alte Militärstrukturen, für Entschädigung der Opfer der Wehrmachtsverbrechen und für die Bestrafung der Täter. Es hat sich als besonders bedrückend erwiesen, dass die VVN-BdA vor Gericht die Zulässigkeit z. B. dieser Formulierung durchsetzen musste, die der Kameradenkreis Gebirgstruppe ihr verbieten wollte: "... dass der Kameradenkreis nicht nur die Kriegsverbrechen der NS-Gebirgstruppe verharmlost und die Täter schützt, er ist nun auch dazu übergegangen, die Nichtverfolgung der Untaten als erforderlich für die heutige Kriegsführung der Bundeswehr und der NATO-Alliierten zu bewerten." Sander: "Wir werden heute sowohl Zeugen der erschreckenden Bewahrung der NS-Wehrmachtstradition durch die Bundeswehr, als auch ihrer Praktizierung, wie im Fall Kundus vom 4. September 2009 sichtbar." Für die antifaschistische Bewegung und die Friedensbewegung sei im kommenden Jahr viel zu tun. Die Broschüre hilft dabei.


"Eine Mordstruppe" - Die Wahrheit über den Kameradenkreis Gebirgstruppe e. V., herausgegeben vom Bundesausschuss der VVN-BdA, 2009, 130 Seiten, 7,00 Euro, zu beziehen auch über Neue Impulse Verlag, Hoffnungstr. 18, 45127 Essen.

 
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