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Jeder, der nicht gerade damit besch√§ftigt ist, den Kapitalismus als h√∂chstes, bestes und damit letztes Stadium der Menschheitsgeschichte zu propagieren, kann den ganz normalen Wahnsinn dieses Systems an solch anachronistischen Erscheinungen, wie steigender Aktienkurse bei Ank√ľndigung von Entlassungen oder permanenter Nichtauslastung der Produktionskapazit√§ten bei gleichzeitigem t√§glichen Hungertod zigtausender Menschen auf der Welt feststellen. Doch sich vorzustellen, dass die systematische Ausgrenzung und Verfolgung bis hin zur planm√§√üigen Massenvernichtung j√ľdischer Menschen in Europa unter dem deutschen Faschismus etwas mit den Interessen des deutschen Monopolkapitals zu tun hatte, mit einem n√ľchternen Kalk√ľl, √ľbersteigt meist das Vorstellungsverm√∂gen.

Die ganz real vorhandene Schwierigkeit, dieses unvorstellbare Verbrechen zu begreifen, erleichterte es, einen solchen Zusammenhang aus dem Denken in diesem Land weitgehend als unm√∂glich auszuschalten. √úbrig bleibt Unfassbarkeit, der psychopathische Wahn eines Mannes und der ihm ergebenen M√§nner, die ¬Ė soweit gehen b√ľrgerliche Geschichtsdeutungen1 ¬Ė den Krieg f√ľhrten, um die Juden zu vernichten. Selbst der Zwang, sich offiziell mit ¬Ądem dunkelsten Kapitel unserer Geschichte¬ď zumindest noch einmal so weit besch√§ftigen zu m√ľssen, dass die noch lebenden Zwangs- und Sklavenarbeiter in irgendeiner Form entsch√§digt werden m√ľssen, kann bei dem gewollt erzeugten geschichtlichen Analphabetismus in diesem Land dazu benutzt werden, die damals wie heute herrschende Klasse, das Finanzkapital, von dem noch viel gr√∂√üeren Verbrechen der Judenvernichtung freizusprechen.

Der unmittelbare Nutzen der Banken und Konzerne aus der Aussaugung der Zwangsarbeiter kann schlecht geleugnet werden.
Jura Soyfer

(1912-1939) geboren in Charkow als Sohn eines j√ľdischen Industriellen, kam mit acht Jahren nach Wien. Als Mittelsch√ľler wurde er Marxist und arbeitete in der sozialdemokratischen Presse. Nach dem B√ľrgerkrieg 1934 wechselte er zur KP√Ė, schrieb einen Roman und mehrere Theaterst√ľcke. 1937/38 war er wegen kommunistischer Bet√§tigung im Gef√§ngnis, am 13.3.38 wurde er an der Schweizer Grenze festgenommen und kam sp√§ter erst ins KZ-Dachau (dort entstand sein ¬ĄDachau-Lied¬Ē), dann nach Buchenwald, wo er am 16.2.39 an Typhus starb.
Der Zusammenhang zwischen den deutschen Monopolen und der Judenvernichtung liegt hinter der Erkenntnis verborgen, ¬Ądass die Politik der konzentrierteste Ausdruck der √Ėkonomik ist¬ď2, eine Erkenntnis, die bekanntlich nicht gerade zum Bildungsziel dieser Gesellschaft geh√∂rt. Also wird weiter behauptet, das eine habe mit dem anderen nichts zu tun, werden die Monopolherren von jeglichem Zusammenhang rein gewaschen. Ansonsten soll dieses Kapitel nun endlich der Vergangenheit angeh√∂ren, um unbeschwert zu neuen Taten schreiten zu k√∂nnen ¬Ė diese Tendenz ist bei allen politischen Unterschieden der Herrschenden nicht zu √ľberh√∂ren. Je lauter sie wird, um so wichtiger wird es f√ľr uns, f√ľr jeden in und au√üerhalb dieses Landes, der auch nur eine ann√§hernd √§hnliche Barbarei ein weiteres Mal verhindern will, den Zusammenhang zwischen dem deutschen Finanzkapital und der Vernichtung der Juden wieder begreifbar zu machen.

Aufrechterhaltung der Ausbeutungsbedingungen, Absicherung der Expansion

Um das Unfassbare verstehen zu k√∂nnen, nutzt es wenig, in erster Linie nach unmittelbaren Zusammenh√§ngen zwischen der Verfolgung der Juden und den √∂konomischen Interessen der Monopole zu suchen. Es gab eine Reihe solcher ¬Ąsekund√§rer Schmarotzerfunktionen¬ď3, wie die Beseitigung der Konkurrenz und den Raub von Firmen, Banken, Warenh√§usern durch die ¬ĄArisierungen¬ď 1938, die Bereicherung des faschistischen Staates durch das Herauspressen hoher Summen f√ľr Papiere zur legalen Flucht oder durch den widerlichen Befehl, f√ľr die durch faschistische Horden verursachten Zerst√∂rungen in der Reichspogromnacht 1938 auch noch bezahlen zu m√ľssen; die Profite, die IG-Farben mit der Herstellung der Giftgase zur Vernichtung der Juden erzielen konnte; die herausgebrochenen Goldz√§hne aus den Toten...
Hans Mayer

(1907-2001) wurde in K√∂ln geboren. Sein Vater war Kaufmann und Sozialdemokrat. 1930 promovierte Mayer als Jurist, wurde aber nach der Macht√ľbertragung an die Nazis als Gerichtsreferendar entlassen, da er Jude und, als Vorsitzender der K√∂lner SAP, auch politisch aktiv war. Er emigrierte erst nach Frankreich, dann in die Schweiz, arbeitete eine Zeitlang an Max Horckheimers Sozialforschungsinstitut und schrieb sein erstes Buch (√ľber Georg B√ľchner). 1945 kehrte er nach Deutschland zur√ľck und wurde Gr√ľndungsmitglied der VVN. Seinen Posten als Chefredakteur des Frankfurter Rundfunks behielt er wegen seiner Gesinnung nicht lange. 1948 ging er als Professor f√ľr Literaturgeschichte an die Leipziger Universit√§t und blieb 15 Jahre in der DDR, bis er sie wegen Streitigkeiten mit Kulturpolitikern verlie√ü und in die BRD zur√ľckkehrte, die er aber keineswegs weniger kritisierte. Er schrieb √ľber 40 B√ľcher, sowohl zur Literaturgeschichte als auch zu autobiographischen Themen.
Doch dem steht eine ebensolche Reihe von Beispielen gegen√ľber, die den unmittelbaren Interessen entgegensprachen. Die Vernichtung von Millionen von Menschen, nur weil sie nach faschistischer Definition Juden waren, ist damit nicht zu erkl√§ren.

Es ist grunds√§tzlich zu kurz gegriffen, den Zusammenhang zwischen den Interessen der herrschenden Klasse und innerhalb dieser Klasse der ma√ügebenden winzigen Minderheit, der Herren der untereinander verschmolzenen Banken und Konzerne, an den Ma√ünahmen des Staates auf die Befriedigung ihrer unmittelbar √∂konomischen Bed√ľrfnisse zu reduzieren. Dies versucht selbstverst√§ndlich jedes Monopol, teilweise in heftiger Konkurrenz untereinander, zu verwirklichen. Doch was sie eint, ist die grundlegende Anforderung an den Staat, die Ausbeutungsbedingungen aufrecht zu erhalten und Voraussetzungen zu schaffen, die eine weitere Profitmaximierung erm√∂glichen. Es ist ihr politisches Interesse nach Ruhe und Ordnung im Inneren und Absicherung ihrer Expansionsbestrebungen nach Au√üen ¬Ė diplomatisch, politisch, milit√§risch.

Wie das zu geschehen hat, wird oft erst im scharfen Kampf der Monopole oder verschiedener Monopolgruppen untereinander entschieden, ein Kampf, der sich widerspiegelt in der Ausarbeitung verschiedenster Ideologien und Konzepte der Theoretiker und Ideologen des Kapitals, Theorien, die ja nicht im luftleeren Raum entstehen, sondern auf dem Boden konkreter Produktionsverhältnisse mit ihren historischen Besonderheiten. Also in einer Gesellschaft, die bis in die letzten Poren durchdrungen ist von der Macht und dem Einfluss des Finanzkapitals.
Das aber hei√üt, dass sie auch durchdrungen ist von der Ma√ülosigkeit, die Bestandteil jedes Monopols ist, keine Grenzen mehr anerkennend, Preise diktierend, Herr √ľber das Schicksal Tausender von Menschen. Die besondere Geschichte der deutschen Monopole steigert diese Ma√ülosigkeit bis zum Gr√∂√üenwahn, bei dem die √úberg√§nge zwischen Rationalit√§t und Irrationalit√§t flie√üend sind.

¬Ą... wer Hitler w√§hlt ¬Ė
w√§hlt den Krieg!¬ď


¬ĄWer Hindenburg w√§hlt ¬Ė w√§hlt Hitler, wer Hitler w√§hlt ¬Ė w√§hlt den Krieg¬ď warnte die KPD vor der Reichspr√§sidentenwahl 1932 und benannte damit das Ziel, f√ľr das die Errichtung der faschistischen Diktatur gebraucht wurde. Auch wenn es unterschiedliche Str√∂mungen in der Monopolbourgeoisie dar√ľber gab, wie lange die offene Kriegserkl√§rung gegen die imperialistischen Konkurrenten hinauszuz√∂gern sei, mit welchen Schritten das Expansionsprogramm zu verwirklichen ist, das Ziel war klar: sich endlich aus den Fesseln des Versailler Vertrages zu befreien und sich das zu holen, wof√ľr man bereits 1914 angetreten war.
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"nur f√ɬľr Juden" - allt√ɬ§gliche Diskriminierung im deutschen Faschismus.
Die Kriegszieleingaben vor und w√§hrend des 1. Weltkrieges von Monopolherren, ihren Ideologen und Politikern nach den Rohstoffquellen in Frankreich, am kaspischen Meer, nach einem Europa unter deutscher Vorherrschaft, stark genug, um den Kampf gegen die USA aufnehmen zu k√∂nnen, waren ja schlie√ülich nicht nur nicht erreicht worden, sondern durch die Niederlage in weite Ferne ger√ľckt.4
Dadurch stand die Situation f√ľr das deutsche Finanzkapital Anfang der drei√üiger Jahre noch sch√§rfer als vor dem 1. Versuch, die Welt zu seinen Gunsten neu aufzuteilen. Auf der einen Seite stark geschw√§cht durch den Verlust gro√üer Absatzgebiete und eigener Rohstoffquellen konnte es auf der anderen Seite aufgrund massenweise einstr√∂menden ausl√§ndischen Kapitals w√§hrend der zwanziger Jahre den gesamten Produktionsapparat modernisieren, so dass sich die Kapazit√§t der Monopole erheblich ausweitete. Durch die gro√üe Krise ab 1929 spitzte sich dieser alte (und bis heute aktuelle) Widerspruch, von den √∂konomischen M√∂glichkeiten her ein Riese zu sein, politisch aber ein Zwerg mit einem noch kleineren eigenen Herrschaftsgebiet als 1914, weiter zu.

Doch der Krieg von 1914 konnte nicht einfach wiederholt werden, die Welt hatte sich ver√§ndert. Die Revolution der russischen Arbeiter und Bauern von 1917, ihr Aufbau eines Staates ohne und gegen die Kapitalisten war ein Ergebnis dieses Krieges gewesen, ebenso wie die Novemberrevolution 1918 im eigenen Land und die zunehmenden Bestrebungen der unterdr√ľckten V√∂lker nach Unabh√§ngigkeit.

Eine m√∂gliche Antwort f√ľr die Herrschenden auf die ver√§nderten Bedingungen war die aus der Niederlage des 1. Weltkrieges hervorkriechende faschistische Bewegung. Diese vereinnahmte in ihrer Ideologie und in ihren Programmen alles, was an reaktion√§ren Ideologien, an aggressiven Zielen und entsprechenden Methoden, sie durchzusetzen, bereits vorher vorhanden war, verband sie mit der Kampfansage gegen die Arbeiterklasse und organisierte alles zusammen zu einer Bewegung. ¬ĄHitlers Kriegszielvorstellungen, eindeutig auf die Weltherrschaft des deutschen Imperialismus ¬Ė mit dem Kernst√ľck der ¬ĄVernichtung des Bolschewismus¬ď und der Herrschaft √ľber den ¬ĄOstraum¬ď ¬Ė gerichtet, gewannen unter den Bedingungen der faschistischen Diktatur eine gro√üe Tragweite. Doch es ist verh√§ltnism√§√üig leicht festzustellen, dass der ¬ĄF√ľhrer¬ď vielf√§ltiges, seit langem vorhandenes extrem reaktion√§res Gedankengut der Alldeutschen, der Ostlandritter jeder Couleur, der Rassentheoretiker, der Geopolitiker usw. in besonders radikale Formen gegossen, in eine konzentrierte Form und in eine neue Struktur gebracht hatte, und man erkennt im Ganzen wie in den einzelnen Stufen seiner Planungen ... unschwer eine Chiffre f√ľr das erstrebte Weltmonopol der IG-Farben, f√ľr die Weltvorherrschaft der Montankonzerne, der Kalikonzerne, der Elektrokonzerne, des Zeiss-Konzerns, f√ľr ein Welterd√∂limperium (Deutsche Bank), kurz f√ľr jahrzehnte alte Ziele und Tr√§ume des deutschen Finanzkapitals.
Mordechai Gebirtig

(1877-1942) war ein jiddischer Volksdichter. Als Lieder verbreiteten sich seine Gedichte in KZs und Ghettos, etwa 20 von ihnen sind √ľberliefert. Nach seiner Ermordung im Krakauer Ghetto wurde sein Gedicht ¬ĄEs brent¬Ē zur Hymne der polnischen j√ľdischen Widerstandsk√§mpfer sowie sp√§ter der √úberlebenden des Holocaust.

Das Gedicht ist hier nachzulesen.
Hitlers außenpolitisches Programm war also das politisch aufbereitete und ideologisch ausgeformte Abbild dieser imperialistischen Zielsetzungen; die wesentliche Funktion der Hitlerdiktatur war ihre Umsetzung in die Realität.
¬ď5

Als sich Ende 1932, Anfang 1933 der Fl√ľgel im deutschen Finanzkapital durchsetzte, der schon seit l√§ngerem, teilweise wie Flick schon seit Jahren diese reaktion√§rste und chauvinistischte Variante unterst√ľtzte und damit die Formierung einer Massenbewegung √ľberhaupt m√∂glich gemacht hatte, war also nicht nur der grunds√§tzliche Auftrag klar, den Hitler hatte, indem ihm zur Macht verholfen wurde: mit der Errichtung der faschistischen Diktatur den Krieg zu erm√∂glichen, einen Krieg gegen grunds√§tzlich zwei Feinde ¬Ė gegen die Arbeiterklasse im eigenen Land und im weiteren Verlauf gegen die Arbeiterklasse weltweit, wohin die deutschen Soldatenstiefel, gefolgt von den Schl√§chtern der SS, auch trampelten und gegen die imperialistischen Konkurrenten Es war diesen Herren auch die rassistische, v√∂lkische, antisemitische Tradition bekannt, seit Jahrzehnten diskutiert, ver√∂ffentlicht, in Taten umgesetzt, also Teil ihrer eigenen Tradition, in der dieser Krieg gef√ľhrt und mit dieser Tradition entsprechenden ¬ĄMa√ünahmen¬ď auch gewonnen werden sollte: als Rassekrieg.

Die Kriegsziele des deutschen Imperialismus und der völkische Rassismus

Die besondere Geschichte des deutschen Imperialismus, sein zu sp√§t und zu kurz gekommen Sein, seine ¬ĄMittellage¬ď, wie es die Herrschenden bis heute gerne ausdr√ľcken, zwischen den damals f√ľhrenden europ√§ischen Staaten England und Frankreich im Westen mit ihren Kolonialreichen und den lockenden Weiten des Ostens, hatte von Beginn seines Entstehens an ma√ülose Expansionsziele hervorgerufen: auf der einen Seite die Unterwerfung des Ostens als deutsches Siedlungsgebiet, m√∂glichst bis zu den √Ėlquellen des kaspischen Meeres, auf der anderen Seite die Niederwerfung Frankreichs und Englands, schon alleine deshalb, weil diese ein derart ma√üloses Anwachsen des deutschen Imperialismus nie zugelassen h√§tten. Das Ganze als Ausgangspunkt f√ľr den Kampf gegen die USA.
Emanuel Ringelblum

(1900-1944) Sein Name steht f√ľr das von ihm im Warschauer Ghetto heimlich angelegte Archiv ¬ĄOneg Schabbat¬Ē, in dem er die Unterdr√ľckung der Warschauer Juden in Notizen festhielt. Der Historiker begann damit bereits im September 1939 und gr√ľndete 1940 eine gleichnamige Gruppe. Es gelang ihm, das Archiv Mitte 1942, bei Beginn der Massendeportationen aus dem Ghetto, in Metallkisten verpackt zu vergraben. Es umfa√üte √ľber 30.000 Seiten. Im M√§rz 1944 wurde Ringelblum mit seiner Familie im Versteck entdeckt und erschossen. Das Archiv wurde nach der Befreiung dank der Hinweise eines √úberlebenden gefunden und dem J√ľdischen Historischen Institut in Warschau zur Verf√ľgung gestellt. 1999 erkl√§rte die Unesco es zum Teil des Weltkulturerbes.
Diese weltumspannenden Herrschaftspl√§ne brachten von Anfang an auch eine, √ľber das ¬Ąnormale¬ď Ma√ü imperialistischer Arroganz und √úberheblichkeit anderen V√∂lkern gegen√ľber weit hinausgehende, v√∂lkische und rassistische Konzeption hervor, wie denn ein solch riesiger Raum und die vielen betroffenen V√∂lker √ľberhaupt zu beherrschen seien. Deportationen von V√∂lkern, Evakuierungen ganzer Landstriche waren damals schon vorgesehen. So schrieb Heinrich Cla√ü, ma√ügeblicher Vertreter des ¬ĄAlldeutschen Verbandes¬ď bereits 1912: ¬ĄHaben wir nun gesiegt und erzwingen wir Landabtretungen, so erhalten wir Gebiete, in denen Menschen wohnen, Franzosen oder Russen, also Menschen, die uns feind sind, und man wird sich fragen, ob solch ein Landzuwachs unsere Lage verbessert ...Wenn man gerade der besonderen Lage des deutschen Volkes ganz auf den Grund geht, das in Europa eingeschn√ľrt ist und unter Umst√§nden bei weiterem starkem Wachstum ersticken w√ľrde, wenn es sich nicht Luft macht, so wird man anerkennen m√ľssen, dass der Fall eintreten kann, wo es vom besiegten Gegner im Westen oder Osten menschenleeres Land verlangen mu√ü.¬ď6

In seiner Kriegszieldenkschrift von 1914 forderte der Alldeutsche Verband dann, um die Macht des russischen Zarenreiches zu brechen, eine ¬Ąv√∂lkische Feldbereinigung¬ď f√ľr den Osten, indem ¬Ąjeder Volkssplitter¬ď zu einem eigenen Nationalstaat zusammengefasst wird, da nur ein aufgesplitterter Ostraum in jeweils abh√§ngige Kleinstaaten von Deutschland beherrschbar sei.7 Und weiter hei√üt es dort: ¬ĄZur letzten Gruppe, zu der wir nunmehr gelangen, geh√∂rt ein einziges Volk, es sind die Juden ... Kein Zweifel: die j√ľdische Frage im Neulande des Ostens bereitet ganz besondere Schwierigkeiten.¬ď8 Zur L√∂sung dieses ¬ĄProblems¬ď schl√§gt der Alldeutsche Verband vor, entweder Russland zu verpflichten, sie aufzunehmen oder von der T√ľrkei zu verlangen, ¬ĄPal√§stina den Juden zu √ľberlassen¬ď. Auf jeden Fall d√ľrfen sie sich nicht ¬Ą√ľber Deutschland ergie√üen¬ď noch ¬Ąin den bisherigen Massen im √∂stlichen deutschen Neulande bleiben, da sie dessen Entwicklung aufs √§u√üerste gef√§hrden w√ľrden.¬ď9
Das ¬ĄVolk ohne Raum¬ď, sprich das deutsche Finanzkapital ohne, seinen Expansionsbed√ľrfnissen entsprechende Absatzm√§rkte und Rohstoffressourcen, sollte sich zum Herrenvolk entwickeln, das bestimmte, welches Volk wo bleiben durfte oder vertrieben werden sollte, um seine Herrschaft abzusichern.

Die Reduzierung der äußeren und inneren Feinde des deutschen Finanzkapitals auf einen Feind

Edgar Hilsenrath

wurde1926 in Leipzig als Sohn eines Kaufmanns geboren, der im Ersten Weltkrieg Kriegsfreiweilliger gewesen war und die Silberne Tapferkeitsmedaille besa√ü. 1938 musste er sein Gesch√§ft aufl√∂sen und schickte Frau und Kinder ins Ausland, nach Rum√§nien. Als dort auch Faschisten an die Regierung kamen, wurden alle Juden in die besetzte Ukraine deportiert, ins j√ľdische Ghetto der Ruinenstadt Moghilev-Podolsk am Dnjestr. Dort herrschten Hunger und Typhus, viele wurden erschossen. Hilsenrath beschrieb das in seinem Buch ¬ĄNacht¬Ē. Nach der Befreiung des Gebiets durch die Sowjetarmee im M√§rz 1944 gelangte er √ľber Umwege nach Pal√§stina, dann nach Frankreich, wo sein Vater √ľberlebt hatte. Auch der Rest der Familie lebte und kam nach Frankreich, von wo aus sie in Etappen in die USA auswanderten. Die Eltern gingen 1970 nach Israel, was der letzte Wunsch des Vaters gewesen war. Hilsenrath kehrte 1975 aus New York, wo er als freier Schriftsteller gearbeitet hatte, nach Deutschland zur√ľck und lebt heute in Berlin.
¬ĄDie Juden aber waren von der gegen die Arbeiterbewegung und gegen alle kriegshinderlichen ¬Ė die Volksintegration im Weltkriegswillen behindernden ¬Ė politischen Kr√§fte und Ideen gerichteten v√∂lkisch-antisemitischen Demagogie seit mehr als 40 Jahren als der ¬Ąrassische Todfeind¬ď im ¬ĄLebenskampf des deutschen Volkes¬ď gebrandmarkt worden. Sie fungierten in dieser Demagogie als der gemeinsame Nenner, auf dem alle inneren und √§u√üeren Widersacher wie auch nur prospektiven √úberfallopfer des deutschen Monopolkapitals im Bilde eines einzigen Feindes zusammengezogen (wurden) ... gem√§√ü der vom gelehrigen Hitler nur beherzigten ... Propagandagrundregel, das Volk nie durch komplizierte Vielfrontenbilder zu verwirren, sondern ihm immer nur einen einzigen Feind zu zeigen und ihm dieses eine Feindbild beharrlich einzuh√§mmern.¬ď10

Mit der Kampfansage der Faschisten an das ¬ĄWeltjudentum¬ď, das vernichtet werden sollte, war von Anbeginn an die Kampfansage an die realen Feinde des deutschen Imperialismus verbunden: an den ¬Ąj√ľdischen Bolschewismus¬ď, also an die Arbeiterklasse im Lande, v.a. aber an die Arbeiterklasse an der Macht in der UdSSR, deren Macht ja nicht nur gebrochen werden sollte, sondern deren Land und Reicht√ľmer geraubt werden sollten.

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Die √ā¬ĄBielski Partisanen√ā¬ď, eine j√ɬľdische Widerstandsgruppe in Polen, die nach anf√ɬ§nglichen Mi√ɬüerfolgen gegen die deutsche Wehrmacht schlie√ɬülich ganze Orte kontrollierte.
An das weltweite ¬ĄFinanzjudentum¬ď, also an die √ľberlegenen imperialistischen Konkurrenten England, Frankreich und die USA, die ein f√ľr alle mal so vernichtend geschlagen werden sollten, dass sie dem Expansionsstreben der deutschen Monopole nicht mehr im Wege stehen konnten. Jede Ma√ünahme, die Hitler, an die Macht gebracht, dann gegen die j√ľdische Bev√∂lkerung richtete, hatte entsprechend eine doppelte Funktion:
Sie dienten der Kriegsvorbereitung im Inneren des Landes und trugen gleichzeitig auch immer schon den Keim der Vernichtungskrieges gegen den äußeren Feind in sich.

Welche Verbrechen gegen j√ľdische Menschen wann, wo und in welcher schlie√ülich an Grausamkeit nicht mehr zu √ľberbietenden Form durchgef√ľhrt wurden, hing dabei vom konkreten Kriegsverlauf und damit immer auch von den jeweiligen politischen Kr√§fteverh√§ltnissen ab, auf die auch der faschistische deutsche Staat R√ľcksicht nehmen musste.

Die Verfolgung der j√ľdischen Bev√∂lkerung
und die Formierung der Volksgemeinschaft


Zwangsl√§ufig musste mit der Realisierung des ma√ülosen Expansionsprogramms im Reich begonnen werden, die faschistische Diktatur errichtet und vollst√§ndig durchgesetzt werden. Die ersten Vernichtungsschl√§ge der Faschisten richteten sich deshalb gegen die Arbeiterbewegung. Sie wurde ihrer F√ľhrer beraubt, die Parteien ¬Ė zun√§chst die KPD, dann die SPD ¬Ė verboten, die Gewerkschaftsh√§user gest√ľrmt und die Gewerkschaften aufgel√∂st. Die ersten Konzentrationslager f√ľllten sich mit Kommunisten, Sozialdemokraten, Antifaschisten. Die Arbeiterklasse sollte als Klasse kampfunf√§hig werden, eine Voraussetzung, ohne die alles weitere nicht durchf√ľhrbar gewesen w√§re. Es sollte unm√∂glich werden, dass ein Generalstreik, wie ihn die KPD noch am 30.1.1933 forderte, aber an der Haltung der f√ľhrenden Sozialdemokraten scheiterte, jemals die Expansionspl√§ne der Monopole, die damit verbundene ungeheure Steigerung der Ausbeutung, die Entrechtung, die Degradierung des nicht j√ľdischen Teils der Bev√∂lkerung zum Erf√ľllungsgehilfen der Herrschenden, st√∂ren konnte. Die Klasse wurde so atomisiert in einzelne Individuen, die, ihrer Kampforganisationen beraubt, in die verzweifelte Lage isolierter Kleinb√ľrger zur√ľckgeworfen wurden.

Den Vernichtungsschl√§gen gegen die Arbeiterbewegung folgte die Ausschaltung der b√ľrgerlichen Parteien, die mit dem ¬ĄGesetz gegen die Neubildung von Parteien¬ď (14.7.1933) dann abgeschlossen war.
Jenny Aloni

geb. Rosenbaum (1917-1993) wurde in Paderborn geboren und konnte 1939 nach Pal√§stina emigrieren. Dort studierte sie an der Hebr√§ischen Universit√§t in Jerusalem und trat 1942 in eine j√ľdische Einheit der britischen Armee ein.
Zwischen 1942 und 1944 wurden ihre Schwestern und ihre Eltern in Vernichtungslager deportiert und ermordet. Sie heiratet Esra Aloni und arbeitet in der Jugendf√ľrsorge. 1956 ver√∂ffentlicht sie ihren ersten Gedichtband, es folgen zahlreiche weitere Werke. Sie erh√§lt u.a. den internationalen Annette-von-Droste-H√ľlshoff-Preis. 1993 stirbt sie in Ganei Yehuda in Israel.
Diese erste Phase des faschistischen Terrors zur Zerschlagung der Arbeiterbewegung und Beseitigung der b√ľrgerlichen Demokratie wurde von drei antisemitischen Pogromwellen begleitet, von SS und SA inszeniert als ¬Ąrevolution√§rer Volksunmut¬ď: die Ausschreitungen um den 30.1.33, der ¬ĄM√§rzterror¬ď, der sich gegen Arbeiterfunktion√§re, linke Schriftsteller und j√ľdische Menschen gleicherma√üen richtete und der reichsweite Boykott der j√ľdischen Gesch√§fte am 1.April.
Diese dienten nicht nur dazu, der herangez√ľchteten Anh√§ngerschaft der Faschisten zu zeigen, dass man es ernst meinte mit der seit einem Jahrzehnt verk√ľndeten Propaganda gegen die Juden, obwohl sich die ersten staatlichen Terrorma√ünahmen ganz offensichtlich gegen die Arbeiterbewegung und alle fortschrittlichen Demokraten richteten.

Sie waren auch der Anfang der sich steigernden Ma√ünahmen der Ausgrenzung der Juden, die darauf ausgerichtet waren, jene Volksgemeinschaft zu formieren, die man sp√§ter brauchte, um die Expansionsbed√ľrfnisse der deutschen Monopole zu befriedigen. Den 500.000 j√ľdischen Menschen, die zu dieser Zeit im Deutschen Reich lebten, nicht einmal 1% der Bev√∂lkerung, wurde mit diesen Pogromen, den dem√ľtigenden Behandlungen und Beschimpfungen, den k√∂rperlichen √úbergriffen, von Beginn an klar gemacht, dass sie nicht Bestandteil dieser Volksgemeinschaft sein werden. Die ¬ĄFeinds√§uberung¬ď des eigenen Herrschaftsbereiches begann, zun√§chst, indem man durch zunehmend unertr√§glichere Lebensbedingungen die Menschen in die Flucht trieb.

Kaum war die Arbeiterbewegung ihrer Widerstandsm√∂glichkeiten beraubt, was ja immer auch bedeutet, dass j√ľdische Arbeiter, fortschrittliche Intellektuelle keine organisierten Widerstandsm√∂glichkeiten mehr hatten, wurde die Ausgrenzung und Isolierung der j√ľdischen Bev√∂lkerung durch ein staatliches Terrorgesetz nach dem anderen vorangetrieben. Noch im April wurden Gesetze erlassen zu ihrer Entfernung aus dem Staats- und Justizapparat, aus den f√ľr die faschistische Propaganda und Erziehung wichtigen Medienberufen und Bildungsinstitutionen.
J√ľdische √Ąrzte, kurz darauf auch die Zahn√§rzte wurden aus den Krankenkassen ausgeschlossen, Gemeinschaftspraxen von ¬ĄAriern und Nichtariern¬ď verboten, ihnen die Bet√§tigung als Landwirte und Viehz√ľchter untersagt (September 33). W√§hrend unterschiedliche Monopolfraktionen im heftigen Kampf lagen um die Kriegsstrategie, darum, ob England und die USA zun√§chst als B√ľndnispartner gewonnen werden sollten, um sich im Krieg gegen die Sowjetunion und Frankreich erst die notwendigen Ressourcen zu rauben und dann auch einen langwierigen Krieg gegen England und die USA f√ľhren zu k√∂nnen oder ob man sich von vorneherein auf einen Weltkrieg einstellen m√ľsse, der nur durch eine Reihe von blitzartigen √úberraschungsangriffen zu gewinnen sei, wurde die Formierung der Volksgemeinschaft gegen den Feind, ¬Ąden Juden¬ď, fieberhaft fortgesetzt.
Kannibalismus

Bei der Vorbereitung ihres Rassenkriegs verzichteten die Faschisten freiwillig und ganz bewusst sogar auf international anerkannte Geistesgr√∂√üen unter den j√ľdischen Wissenschaftlern Deutschlands. Und das, obwohl sie sich deren Forschungen in irgendeiner Weise sicher h√§tten zunutze machen k√∂nnen. Besonders eindrucksvoll ist die Ausschaltung der j√ľdischen Intelligenz am Beispiel der √Ąrzteschaft darstellbar. Anfang der 30er Jahre gab es 52.000 √Ąrzte in Deutschland, und es wurden immer mehr.
Der Konkurrenzdruck wuchs und mit ihm die Bereitschaft der ¬Ąarischen¬Ē √Ąrzte, die Ma√ünahmen gegen ihre j√ľdischen Kollegen hinzunehmen, zumal die meisten der acht- bis neuntausend j√ľdischen √Ąrzte in Gro√üst√§dten praktizierte ¬Ė so waren 1932 in Berlin 43 Prozent aller √Ąrzte Juden. Der Anteil an NSDAP-Mitgliedern in der nichtj√ľdischen √Ąrzteschaft betrug √ľber 50 Prozent. Bereits 1933 begann die Vertreibung der j√ľdischen √Ąrzte von wichtigen Positionen; so z.B. des Professors f√ľr Hygiene an der Sozialhygienischen Akademie in Charlottenburg, Walter Oettinger. Er emigrierte zun√§chst in die USA, dann nach England, konnte aber nirgends Fu√ü fassen und kehrte nach Deutschland zur√ľck, von wo aus er 1942 nach Riga deportiert wurde und verschollen blieb.

Das Ausma√ü des Niedergangs der deutschen Wissenschaft nach der Macht√ľbertragung an die Nazis war verheerend. J√ľdische Naturwissenschaftler emigrierten zu Hunderten, darunter die Nobelpreistr√§ger Erwin Schr√∂der und Max Born (Physik), die Biochemiker Otto Meyerhoff (Nobelpreis 1923) und Otto Loewi (Nobelpreis 1936) sowie die Mathematiker Richard von Mises und Emmy Noether. Allein 130 Mathematiker verlie√üen Deutschland, worauf die Mathematik- Hochburgen Berlin und G√∂ttingen aufh√∂rten zu existieren. Die deutsche Biochemie verlor ein Drittel ihrer Professoren und Doktoren. Keiner von ihnen kehrte nach dem Krieg zur√ľck ¬Ė die USA und Gro√übritannien √ľbernahmen die wissenschaftlich f√ľhrenden Positionen.

An den deutschen Hochschulen wurden die Lehrst√ľhle von Juden ¬Ąges√§ubert¬Ē. Dabei ergibt sich ein recht unterschiedliches Bild. Kleine Institute waren von den Vertreibungen gar nicht betroffen, w√§hrend in Berlin, Hamburg und G√∂ttingen jeweils √ľber 40% des Lehrk√∂rpers entlassen wurden. Dabei genossen gerade diese drei Orte international hohes Ansehen. So arbeitete etwa der Physiker Leo Szilard als Privatdozent mit dem Schwerpunkt Kernphysik an der Universit√§t Berlin. Kurz bevor er seine eigenen Experimente auf diesem Gebiet durchf√ľhren und eine Zusammenarbeit mit dem Kaiser-Wilhelm-Institut f√ľr Chemie initiieren konnte, wurde seine Entlassung verf√ľgt. Er emigrierte daraufhin in die USA und spielte sp√§ter eine wichtige Rolle bei der Entwicklung der Atombombe.
Besonders gro√ü waren insgesamt die Verluste im Bereich der theoretischen Physik, da hier das personelle Angebot ¬Ė besonders nach der Entwicklung der Quantentheorie ¬Ė ohnehin relativ klein war. 26 der 60 Theoretiker an deutschen Hochschulen verloren ihre Stellen.
Durch die N√ľrnberger Rassegesetze wurden Juden und Nichtjuden rigoros getrennt, die Juden dann unter ein generelles Ausnahmerecht gestellt und so de facto zum Freiwild erkl√§rt (September 35). Schlie√ülich wurde ihnen ¬Ė ein Gipfel der Verh√∂hnung angesichts dessen, dass sie nur ihre eigenen Schl√§chter h√§tten w√§hlen k√∂nnen ¬Ė das Wahlrecht aberkannt. Und doch war das, was hier anhand des sich versch√§rfenden gesetzlichen Terrors dargestellt wird, nur ein Bruchteil der damaligen Wirklichkeit. Durch diesen staatlichen Terror ermutigt, h√§uften sich die tagt√§glichen Dem√ľtigungen und k√∂rperlichen Misshandlungen durch den faschistischen Anhang. F√ľr die j√ľdischen Menschen wurde das Leben zum Martyrium. Sie waren zu Auss√§tzigen gemacht worden, ohne Recht der Willk√ľr ausgesetzt. Viele konnten aufgrund der Gesetze ihren Beruf nicht mehr aus√ľben, die Gegenwart lie√ü f√ľr die Zukunft noch Schlimmeres erahnen. Wer konnte, floh. Goldhagen beschreibt in seinem Buch ¬ĄHitlers willige Vollstrecker¬ď, wie in einem kleinen Ort in Hessen, in dem Anfang 33 vierzig j√ľdische Familien lebten, die Lebensbedingungen dieser Familien durch st√§ndige Dem√ľtigungen, Einbr√ľche in die H√§user, k√∂rperliche √úbergriffe mit schweren Verletzungen als Folge, Sch√§ndungen der Friedh√∂fe, so unertr√§glich geworden sind, ¬Ądass bereits vor der Reichspogromnacht alle Juden die Stadt verlassen hatten, der letzte am 19.4.37. Als er abreiste, verweigerten seine ehemaligen Nachbarn diesem offenbar v√∂llig mittellosen Mann sogar ein letztes St√ľck Brot¬ď11

Beides war Ziel dieses Terrors: Die Vertreibung der j√ľdischen Bev√∂lkerung aus dem Land, die mit zunehmender Ausgrenzung und Verfolgung auch tats√§chlich zum Unsicherheitsfaktor, zum erbitterten Gegner des Faschismus werden musste, und die Mitleidlosigkeit der nicht j√ľdischen Deutschen. Sie sollten eingesch√ľchtert werden, um jeden Widerstand weiterhin zu ersticken, indem ihnen tagt√§glich vorgef√ľhrt wurde, was mit Feinden geschieht; ihr Misstrauen, irgendwas k√∂nnte ja doch stimmen an der ununterbrochenen Propaganda vom Feind, sollte ges√§t werden, um ihnen das Wegschauen, die Mitleidlosigkeit, die Brutalit√§t einzutrichtern, die sie als Instrumente der Expansionsbestrebungen der Monopole zuk√ľnftig brauchten. Sie sollten durch die Erniedrigung eines Teils unter ihnen zum knechtischen Herrenvolk ¬Ąerhoben¬ď werden. ¬ĄDie Hauptfunktion der antij√ľdischen Ideologie und Praxis der Vorkriegsjahre bestand ... darin, die ¬Ąnationalsozialistische Volksgemeinschaft¬ď aggressiv zu formieren und sie sukzessive auf ihre Rolle als Kriegsgemeinschaft vorzubereiten. F√ľr die den Deutschen zugedachte Bestimmung, Instrumente imperialistischer Eroberungspolitik zu sein, sollten sie hassen, verachten, knechten, qu√§len, foltern, t√∂ten und morden lernen ... Judenfeindschaft und -verfolgung drillten vielen Deutschen jene unmenschliche Weise des Denkens und F√ľhlens ein, die, als sie sich seit 1939 austobte, Millionen Menschen in der Welt vor Entsetzen erstarren lie√üen.¬ď12

Die Annexionen und die Verschärfung des Terrors

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Ganz normaler Alltag in Berlin.
Im November 1937 teilte Hitler den F√ľhren der drei Wehrmachtsteile und dem Au√üenminister den Entschluss mit, im n√§chsten Jahr in √Ėsterreich einzumarschieren und die gesamte Tschechoslowakei zu besetzen. Damit aber r√ľckte der Krieg ein St√ľck n√§her, zudem, da durch diese Annexionen derjenigen Gruppierung im Finanzkapital enorm der R√ľcken gest√§rkt wurde, die von vorne herein auf einen Weltkrieg setzte.13 Das aber hie√ü, dass nun das Volk im Deutschen Reich im h√∂chsten Ma√üe zum Kriegswillen getrimmt werden musste gegen den Feind. Gleichzeitig beginnt nun zunehmend der Aspekt der Sicherung des ¬Ąfeindfreien Herrschaftsraumes¬ď in den Vordergrund zu r√ľcken. Bereits ab Mitte 37 ¬Ąwar eine Einsch√ľchterungskampagne gegen alle versteckten inneren Gegner (in Justiz, Kirche, B√ľrokratie, Presse, Intelligenz) im Gange, war die Zahl der Konzentrationslager vermehrt und der Aufbau bewaffneter SS-Verb√§nde beschleunigt worden. Im Dezember 1937 rollt eine riesige antisemitische Propagandawelle an, G√∂ring verlangt eine antij√ľdische ,S√§uberung¬í der Wirtschaft mit Vollzugsmeldung bis M√§rz 1938, und Julius Streicher verf√ľgt in Bayern, dem n√§chstgelegenen ,Gau¬í des angestrebten Okkupationsgebietes, in dem das Netz verwandschaftlicher und sonstiger freundschaftlicher Verbundenheiten mit dessen Bewohnern naturgem√§√ü am dichtesten ist, f√ľr die Weihnachtswochen einen erneuten Boykott der j√ľdischen Gesch√§fte, ,um ihnen das Weihnachtsgesch√§ft zu verderben¬í.¬ď14

Die Bev√∂lkerung im Reich sollten mit diesen Aktionen durch Einsch√ľchterung und Brutalisierung auf das vorbereitet werden, was mit der Annexion √Ėsterreichs (M√§rz 38) und dem Einmarsch im Sudetenland (Oktober 38) dann dort geschah: die mit vollem Terror einsetzenden ¬ĄS√§uberungsaktionen¬ď und Pogromjagden auf j√ľdische Menschen.
Gitta Alpar

(geb. ca. 1900) war eine ungarische Operns√§ngerin, zun√§chst am Budapester Opernhaus, dann an der Berliner Staatsoper, wo sie weltber√ľhmte Partien wie z.B. die ¬ĄK√∂nigin der Nacht¬Ē sang. Sie wurde bereits als Nachfolgerin der damals sehr bekannten Fritzi Massari gesehen, als die Nazis sie zur Emigration zwangen. In √Ėsterreich und England konnte sie noch an ihre Erfolge ankn√ľpfen, in Nordamerika, wohin sie 1937 emigrierte, war es auch damit vorbei. Heute erinnert man sich an sie h√∂chstens noch als ¬ĄZwischenkriegs-Operetten-Interpretin¬Ē, wozu auch der Umstand beigetragen haben mag, dass sie sich nach Kriegsende verst√§ndlicherweise weigerte, nach Europa zur√ľckzukehren oder sich gar mit Deutschland und √Ėsterreich ¬Ąauszus√∂hnen¬Ē.
Die Verfolgung in √Ėsterreich √ľbertraf alles, was bisher im Reich angerichtet worden war und zielte durch Entzug ihrer Lebensgrundlagen sofort darauf, das Leben dieser Menschen auch physisch unm√∂glich zu machen. Mit grausamer Perfidie zwangen die Faschisten die √∂sterreichischen Juden zu einem Leben, abh√§ngig von Almosen, das sie in ihrer Ideologie den j√ľdischen Menschen schon immer zugeschrieben haben: ein ¬ďunwertes Leben¬ď, ¬Ąunwert¬ď zu Kriegsvorbereitung und Kriegsf√ľhrung.15 Die ¬ĄEndl√∂sung der Judenfrage¬ď r√ľckte n√§her.
Die deutschen Juden wurden noch mehr stigmatisiert. Ab August 1938 mussten sie den zus√§tzlichen Kenn-Namen Israel bzw. Sara f√ľhren, ab Oktober dann das Kennzeichen ¬ĄJ¬ď in ihrem Pass.

Wurde das M√ľnchner Abkommen dem Ausland, wie auch der gar nicht so kriegsbegeisterten Bev√∂lkerung als Ma√ünahme zur Erhaltung des Friedens verklickert, so war es nach der geheimen Weisung Ende Oktober 38, das M√ľnchner Abkommen zu brechen, die restlichen tschechischen Gebiete zu besetzen und Polen zu √ľberfallen, Schluss mit dem Friedensges√§usel. Das Volk musste schnellstens auf Krieg eingestimmt werden. Das war der Hintergrund f√ľr die Massenpogrome um die Reichspogromnacht vom 8. bis 11 November 1938.
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Ein K√ɬ§mpfer muss sich den Deutschen ergeben. Einen Monat brauchte die Wehrmacht, um den bewaffneten Aufstand der Juden im Warschauer Ghetto (April bis Mai 1943) niederzuschlagen. J√ɬľrgen Stroop, Kommandeur der deutschen Truppen, erhielt daf√ɬľr 1943 von Berlin das Eiserne Kreuz Erster Klasse und 1951 von Warschau den Strick.
Zum Anlass wurde das Attentat des Juden Herschel Grynszpan auf den deutschen Botschafter in Paris genommen, als Symbol, dass der Krieg gegen das ¬ĄWeltjudentum¬ď zur notwendigen Verteidigung der Lebensinteressen des ¬Ądeutschen Volkes¬ď wurde. Gleichzeitig stand mit dem geplanten Raub nicht ¬Ąanzugliedernder¬ď Gebiete, wie das Protektorat B√∂hmen und M√§hren und das Generalgouvernement Polen, nun das ganze, alte Programm der Versklavung der Bewohner dieser Gebiete und dem f√ľr sie vorgesehenen Schicksal an ¬Ė von abh√§ngiger Selbstverwaltung, √ľber Umsiedlungen, Arbeitsversklavung bis zur Vernichtung.
Die Reichspogromnacht, in der zahlreiche Juden ermordet wurden, j√ľdische Menschen zusammengetrieben worden sind f√ľr die ersten Transporte in Konzentrationslager, war wie ein Fanal f√ľr das, was nun kommen sollte. Ab diesem Zeitpunkt wurde der j√ľdische Bev√∂lkerungsteil im deutschen Reich nicht mehr nur als unerw√ľnschte und rechtlose Gruppe behandelt, sondern als Feindgruppe im Inland. In den letzten Monaten des Jahres 1938 wurden die Juden aus dem Wirtschaftsleben ¬Ąausgeschaltet¬ď, ihr Verm√∂gen wurde beschlagnahmt; Kinder durften keine √∂ffentlichen Schulen mehr besuchen, Erwachsene endg√ľltig keine Universit√§ten mehr, ihre Bewegungsfreiheit wurde eingeschr√§nkt, durch den ¬ĄJudenbann¬ď durften sie bestimmte Pl√§tze und Restaurants nicht mehr betreten, es wurde ihnen der F√ľhrerschein entzogen. F√ľr √Ąrzte sprach der faschistische Staat das Lizenzverbot aus.
Am 30.1.1939 sprach Hitler dann das erste Mal √∂ffentlich im Reichstag von der ¬ĄVernichtung der j√ľdischen Rasse in Europa¬ď.16

Der Beginn des zweiten Weltkrieges
und die ¬ĄFeinds√§uberung¬ď des Herrschaftsraumes


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Doch noch war es nicht soweit. Noch war Europa nicht unter der Knute des deutschen Imperialismus. W√§hrend die f√ľhrenden M√§nner der Reichgruppe Industrie fieberhaft ihre wirtschaftsstrategischen Pl√§ne f√ľr die weitere Unterjochung Europas zu ihren Gunsten ausarbeiteten, verhandelte die Sowjetunion mit den Westm√§chten, um dem Treiben des faschistischen deutschen Reiches ein Ende zu bereiten.
Die Verhandlungen scheiterten. So konnten die deutschen Faschisten nicht nur die restlichen Tschechischen Gebiete annektieren (M√§rz 39), sondern, durch den Bruch des M√ľnchner Abkommens ohne entsprechende Reaktion der Westm√§chte noch gest√§rkt, auch am 1. September 1939 ohne Kriegserkl√§rung Polen √ľberfallen. Der zweite Weltkrieg hatte begonnen. Damit nahm die Verfolgung j√ľdischer Menschen unmittelbar eine neue Qualit√§t an. Nun ging es nicht mehr in erster Linie darum, die Volksgemeinschaft gegen den Feind zu formieren, die nicht j√ľdische deutsche Bev√∂lkerung zum kriegstauglichen Herrenvolk zu trimmen, auch wenn diese Funktion der faschistischen Judenverfolgung immer weiter bestand, jetzt wurde Krieg gef√ľhrt.

Und damit r√ľckten die Pl√§ne zur Herrschaftssicherung in den √ľberfallenen L√§ndern in den Vordergrund. Der feindfreie Herrschaftsraum wurde vorbereitet. Das bedeutete nicht nur, dass auch in den √ľberfallenen L√§ndern Kommunisten, Sozialdemokraten, jeder Antifaschist, dessen man habhaft wurde, in Konzentrationslager gesperrt oder gleich ermordet wurden und dar√ľber hinaus, wie in Polen, die gesamte ¬ĄF√ľhrungsschicht liquidiert¬ď17 werden sollte, das bedeutete nun auch, dass alle Juden als faschistisches Sinnbild des Feindes zu entfernen waren. Die Faschisten setzten nicht mehr in erster Linie auf ihre individuelle Vertreibung, sondern begannen, sie zu konzentrieren, um so ihrer stets habhaft zu sein und sie einer ¬ĄGesamtl√∂sung¬ď zuzuf√ľhren. Nun wurden j√ľdische Menschen in Ghettos zusammengepfercht, bewacht, gequ√§lt, erschlagen, kaum ern√§hrt, bis zur Ersch√∂pfung als Arbeitssklaven ausgebeutet.
Zun√§chst waren es die polnischen Juden im zuk√ľnftigen Generalgouvernement, kurze Zeit darauf begannen die Deportationen aus √Ėsterreich und der Tschechoslowakei in dieses Gebiet Polens, dann die aus West- und Nordpolen, Landstriche, die als neue ¬ĄReichsgauen¬ď dem Reich angegliedert werden sollten. Ab Februar 1940 wurden dann j√ľdische Menschen aus dem deutschen Reich deportiert.
Rosy Wertheim

1888 geboren, Komponistin, Pianistin und Lehrerin geh√∂rte einer der reichsten und angesehensten Familien Amsterdams an, engagierte sich in sozialistischen und christlichen Vereinen ¬Ė die Wertheims waren nicht besonders religi√∂s ¬Ė und widmete sich, finanziell abgesichert durch ihre Familie, ab 1929 ganz dem Komponieren. Als sie 52 Jahre alt war und bereits etwa 90 Werke verfasst hatte, wurden die Niederlande von den Deutschen besetzt. Erst 1943 entschloss sie sich, unterzutauchen, was nat√ľrlich auch das Ende des Komponierens bedeutete. Ihre Werke gerieten dadurch in Vergessenheit, erst in j√ľngster Zeit ist wieder eine verst√§rkte Rezeption zu beobachten.
Und mit jedem Land, das √ľberfallen wurde (zun√§chst D√§nemark, Norwegen, Beneluxstaaten, Frankreich) steigerte sich im faschistischen Staatsapparat die Diskussion um eine ¬Ė noch ¬Ė ¬Ąterritoriale Endl√∂sung der Judenfrage¬ď. Die Aufnahmekapazit√§t im Generalgouvernement war √ľberschritten, schon war man dazu √ľbergegangen, auch ganze St√§dte in den neuen ¬ĄReichsgauen¬ď zu Ghettos zu erkl√§ren (z.B. die Stadt L√≤dz). In diese Zeit (Sommer 1940) fiel dann u.a. der sog. ¬ĄMadagaskar-Plan¬ď, der vorsah, sich nach einem Friedensschluss die Insel Madagaskar von Frankreich abtreten zu lassen und dort ein riesiges Konzentrationslager f√ľr alle j√ľdischen Menschen Europas zu errichten, um so die ¬ĄJudenfrage¬ď durch ¬Ąnat√ľrliche Dezimierung¬ď zu l√∂sen und gleichzeitig ein Millionen Heer an Geiseln als Druckmittel zur Erpressung der USA in der Hand zu haben.

Noch wagte sich das faschistische deutsche Reich nicht an die planm√§√üige Massenvernichtung. Noch war die Sowjetunion, dieser st√§rkste Gegner des Faschismus, nicht √ľberfallen, noch war nur ein Teil Europas in den Klauen des deutschen Imperialismus.
Hirsh Glik

(1922-1944) k√§mpfte als jiddischer Dichter bei den Partisanen in Litauen. Im Juni 1941 wurde er mit seinem Vater zuerst in ein Arbeitslager, dann ins Ghetto Wilna deportiert. 1943 schloss er sich Partisanen an und wurde 1944, zusammen mit 8 Genossen, ermordet. Sein ¬ĄJiddisches Partisanenlied¬Ē erlangte bereits im Wilnaer Ghetto gro√üe Ber√ľhmtheit, die sich bei Juden in der ganzen Welt bis heute fortgesetzt hat.
Man darf nicht vergessen, dass bei allem, im wahrsten Sinne des Wortes, Gr√∂√üen¬ďwahn¬ď und ma√üloser √úbersch√§tzung der eigenen M√∂glichkeiten der herrschenden Klasse und ihrem von ihr hochgep√§ppelten faschistischen Staatsapparat, die Kriegsstrategen die Kr√§fteverh√§ltnisse soweit ber√ľcksichtigten, dass sie nach wie vor hofften, die imperialistischen Gegner England und USA durch die Aussicht auf eine Niederwerfung der Sowjetunion durch das deutsche Reich von einem direkten Gegenschlag auf dem Kontinent abhalten zu k√∂nnen.

Die Kunde oder auch nur ein um die Welt gehendes Ger√ľcht, dass Millionen von j√ľdischen Menschen umgebracht werden, w√§re bei dem Stand der Dinge wohl ein zu gro√ües Risiko gewesen. Doch immer mehr liefen die ganzen Diskussionen auf Vernichtung des Gegners hinaus, waren die Ma√ünahmen gegen√ľber j√ľdischen Menschen von Vernichtung gepr√§gt. Und ¬Ė dass die Liquidierung ganzer Bev√∂lkerungsgruppen, die in den Augen der Faschisten ¬Ąunwertes Leben¬ď waren, also weder zur Vermehrung dieser doch so ¬Ąwertvollen deutschen Rasse¬ď dienten, noch zur Ausbeutung oder Kriegsf√ľhrung, durchaus zum Programm geh√∂rten, zeigte der Versuch mit Beginn des Krieges, Kranke und Homosexuelle gezielt zu ermorden (Euthanasie).

Der √úberfall auf die Sowjetunion
- Beginn der planmäßigen Vernichtungsaktionen


Es wurde bisher kein schriftlicher Befehl Hitlers f√ľr die planm√§√üige Vernichtung j√ľdischer Menschen gefunden, wahrscheinlich wurde er auch nie schriftlich niedergelegt. Doch irgendwann im Fr√ľhjahr 1941, zu einer Zeit als die Faschisten neben der Tschechoslowakei, Polen, D√§nemark Norwegen, Belgien, die Niederlande, Luxemburg, und gro√üe Teile Frankreichs, auch noch Jugoslawien und Griechenland okkupiert hatten und sich nun stark genug f√ľhlten, den √úberfall auf die Sowjetunion konkret vorzubereiten, muss die oberste faschistische F√ľhrungsschicht zu dem Beschluss der Vernichtung √ľbergegangen sein. √úberliefert sind Befehle bereits vom M√§rz 41, alle auf dem Gebiet der Sowjetunion gefangen genommenen politischen Kommissare oder Geheimdienstoffiziere der Roten Armee unverz√ľglich zu erschie√üen (der sog. Kommissarsbefehl) und ¬Ė weit dar√ľber hinausgehend ¬Ė, die ¬Ąj√ľdisch-bolschewistische F√ľhrungsschicht¬ď auszurotten.18
Doch der Terror, mit dem ab dem 22.6.1941 die Faschisten √ľber die V√∂lker der UdSSR und vor allem √ľber die j√ľdischen Menschen herfielen, √ľberstieg diese Befehle weit.
Rose Ausländer

(1901-1988) wurde in Czernowitz, Hauptstadt der damals zu √Ėsterreich-Ungarn geh√∂renden Bukowina, geboren. Ihre Familie geh√∂rte zur deutschsprachigen j√ľdischen Bev√∂lkerung der Stadt. Nach der Angliederung der Bukowina an Rum√§nien wanderte sie 1920 mit Ignaz Ausl√§nder nach Amerika aus, wo sie u.a. als Redakteurin und Bankangestellte arbeitete. Dabei blieb sie stets journalistisch und schriftstellerisch t√§tig und ver√∂ffentlichte auch Gedichte. Nach der Trennung von Ausl√§nder kehrte sie 1931 mit dem Schriftsteller Helios Hecht nach Czernowitz zur√ľck und ver√∂ffentlichte 1939 ihren ersten Gedichtband. Im gleichen Jahr emigrierte sie wieder in die USA, kehrte jedoch wegen ihrer schwerkranken Mutter fast sofort wieder nach Czernowitz zur√ľck. 1941 besetzten deutsche Truppen die Stadt, das j√ľdische Viertel wurde zum Ghetto, in dem Rose Ausl√§nder den Lyriker Paul Celan kennenlernte. Es gelang ihr, der Deportation durch Untertauchen zu entgehen. Nach der Befreiung ging sie wieder in die USA und schrieb von nun an in englischer Sprache. Bei einer Europareise traf sie 1957 Celan wieder. 1965 entschlo√ü sie sich, in D√ľsseldorf zu leben und ver√∂ffentlichte in rascher Folge weitere Gedichtb√§nde, nun wieder in deutsch. 1971 zog sie ins Nelly-Sachs-Altenheim in D√ľsseldorf, in dem sie, schwerkrank, 18 Jahre verbrachte. Ihre Arbeiten wurden in viele Sprachen √ľbersetzt und mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet.
Das Massenmorden begann. ¬ĄDer erste Mordeinsatz ereignete sich bereits am dritten Tag des ,Unternehmens Barbarossa¬í, als ein Kommando der Einsatzgruppe A in der litauischen Grenzstadt Garsden 201 Menschen, die meisten davon Juden, erscho√ü. In den n√§chsten Tagen und Wochen f√ľhrten die Einsatzkommandos eine Vielzahl von Massenhinrichtungen an Juden durch, teils allein, teils in Zusammenarbeit mit √∂rtlichen Hilfsgruppen.¬ď19

Bald waren es unterschiedslos M√§nner, Frauen, Kinder, die zu Tausenden zusammengetrieben und ermordet wurden. Nun, da sich die Monopolherren, bei zun√§chst auch hier erfolgreicher Blitzkriegstrategie, so nah am Ziel ihrer alten Tr√§ume nach dem an Rohstoffvorkommen und √Ėlquellen so reichen Land sahen, spitzten sich mit grausamer Wucht die ganzen v√∂lkisch rassistischen und antisemitischen Strategien zur Absicherung der erreichten Gr√∂√üe zu. Die Herrschaft √ľber ein Riesenreich, √ľber viele V√∂lker musste gegen jeglichen Widerstand aufrechterhalten werden, um die erreichten Positionen halten und die unermessliche Gier nach Weltmacht endlich befriedigen zu k√∂nnen. Es war ein absolut ma√üloses Unterfangen und entsprechend ma√ülos, gemessen an der gesamten Geschichte der Menschheit, waren die Methoden. Wie aus den Auseinandersetzungen um den ¬ĄGeneralplan Ost¬ď zu ersehen ist, hatten die faschistischen Okkupanten das Problem zu weniger deutscher ¬ĄHerrenmenschen¬ď f√ľr die Unterdr√ľckung der vielen Menschen des bisher eroberten und noch geplanten Herrschaftsbereiches.
Zu den Umsiedlungen, Evakuierungen, Zersplitterungen, Liquidierungen der F√ľhrungen, der Intelligenz, der Arbeiterbewegung, zu dem gesamten faschistischen Programm der Versklavung kam nun die planm√§√üige Vernichtung von Teilen der Bev√∂lkerung, die in allen besetzten L√§ndern zu finden waren ¬Ė der j√ľdischen Menschen ¬Ė dazu. Angst und Schrecken verbreitend unter den V√∂lkern, die durch diesen Terror eingesch√ľchtert und von jeglichem Widerstand abgeschreckt werden sollten, war die Vernichtung der Juden aber vor allem Teil der Strategie eines feindfreien Hinterlandes.
Und durch die faschistischen Verbrechen waren die j√ľdischen Menschen inzwischen auch real zu Feinden geworden. Denn ganz im Gegensatz zu der widerlichen Propaganda von der ¬ĄFeigheit¬ď der Juden, k√§mpften sie nun √ľberall, wo sich organisierter Widerstand regte, ob bei den Partisanen in Jugoslawien, in den Widerstandsgruppen in Frankreich, mit der Roten Armee, waren bei den sowjetischen Partisanen im Hinterland des Feindes oder bildeten eigene Partisaneneinheiten.

Der Anfang der Niederlage und der Übergang zur fabrikmäßigen Massenvernichtung

Itzhak Katzenelson

(1886-1944) war Dichter, B√ľhnenautor und Erzieher, lebte von 1939 bis April 1943 im Warschauer Ghetto und wurde von dort erst ins franz√∂sische KZ Vittel, 1944 schlie√ülich nach Auschwitz deportiert. Dort wurde er ermordet. Im Ghetto schrieb er f√ľr die Untergrundpresse und machte Bildungs- und Kulturarbeit. Als er von den Vernichtungsaktionen der Faschisten erfuhr, begann er, Klagelieder zu schreiben, in denen er zur Bestrafung der Deutschen als Nation aufrief.
Ende 1941/ Anfang 1942 nahm der Kriegsverlauf eine Wende. Mit dem hartn√§ckigen Widerstand der Roten Armee in der Winterschlacht um Moskau im Dezember 41 und damit dem Stocken des Vormarsches der Wehrmacht scheiterte die Blitzkriegstrategie. Das faschistische Japan, bereits zunehmend unter Bedr√§ngnis durch den Widerstandskrieg des chinesischen und des vietnamesischen Volkes, nahm Abstand von seiner urspr√ľnglichen Absicht, seinerseits die Sowjetunion zu √ľberfallen, sodass die sowjetischen Rotarmisten von der Ostfront nun im Westen gegen die deutschen Besatzer k√§mpfen konnten. Au√üerdem war durch den √úberfall Japans auf Pearl Habour (7.12.1941) auch der USA der Krieg erkl√§rt worden, der nun tats√§chlich die ganze Welt umfasste. Am 1.1.1942 verpflichteten sich 26 Staaten in der endlich zustande gekommenen Antihitlerkoalition gegen den faschistischen Block zu k√§mpfen. Um so dringender wurde f√ľr die deutschen Faschisten eine schnelle Absicherung des Hinterlandes gegen jegliche St√∂raktionen, frei von Feinden.
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J√ɬľdische Partisanen aus Wilna, 1944. In der stehenden Reihe der 4. von rechts: Abba Kovner
Auf diesem Hintergrund ist wohl die streng geheim gehaltene Wannsee-Konferenz am 20.1.1942 zu sehen, in deren Folge die Faschisten dazu √ľbergegangen sind, die Vergasungslager zu errichten. Was bereits ab Dezember 41 bei Chelmno in Polen mit der Ermordung tausender j√ľdischer Menschen durch LKW-Auspuffgase begonnen worden ist, wurde nun fabrikm√§√üig fortgef√ľhrt. Von da an waren Belzek, Treblinka, Sobib√≥r, Majdanek, Auschwitz ... die Endstationen f√ľr Millionen j√ľdischer Menschen, die aus ganz Europa schlimmer als Vieh in Waggons getrieben wurden, um ¬Ė nachdem jeder, der noch arbeitsf√§hig war, den Monopolen als Sklavenarbeiter zur Verf√ľgung gestellt worden war ¬Ė vernichtet zu werden.

¬ĄJetzt, da sich Deutschland mit allen Gro√üm√§chten, ausgenommen Japan, im Krieg befand, fielen angesichts des unabweisbaren Entweder-Oder, das im totalen Sieg oder in der totalen Niederlage des deutschen Imperialismus bestand, auch die letzten politischen und ideologischen Barrieren, die der grausamsten, vollst√§ndigen und kurzfristigen ¬ĄEndl√∂sung der Judenfrage¬ď im Wege gestanden hatten.
Es war letztendlich der Grundgedanke, die Weltgeschichte ganz unter den Stiefel des faschistischen deutschen Imperialismus treten zu können, der die auf der Wannsee-Konferenz vorgetragenen Entscheidungen zeitigte und ihre Verwirklichung leitete.
¬ď20

Warum noch Massenvernichtung j√ľdischer Menschen angesichts der Niederlage?

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Gedenkstein f√ɬľr die von dem Kommunisten Herbert Baum geleitete Berliner Widerstandsgruppe, die haupts√ɬ§chlich aus j√ɬľdischen Arbeitern bestand. Die Gruppe klebte Plakate und malte antifaschistische Parolen an die W√ɬ§nde. Schlie√ɬülich setzte sie 1942 im Berliner Lustgarten die antisowjetische und antisemitische Hetzausstellung √ā¬ĄDas Sowjetparadies√ā¬ď in Brand. Die Rache der Nazis war furchtbar. Auf dem Gedenkstein ist das Alter der Ermordeten zu sehen.
Nach der durch die sowjetische Armee gewonnenen Schlacht um Stalingrad (Anfang 1943) wurde immer deutlicher, dass auch die V√∂lker in den besetzten Gebieten sich den Weltmachttr√§umen des deutschen Finanzkapitals trotz aller barbarischen Ma√ünahmen der ¬ĄFeinds√§uberung¬ď nicht unterwerfen wollten. So hatten z.B. in Jugoslawien die Partisanen 1943 fast die H√§lfte des Landes befreit, griechische Partisanen kontrollierten zu dieser Zeit ein Drittel ihres Landes, in Frankreich schlossen sich Ende 43 alle Kampforganisationen der Widerstandsbewegung zu einer einheitlichen Armee zusammen, im Warschauer Ghetto erhoben sich die Menschen im April 43, als sie in die Vernichtungslager von Auschwitz und Majdanek verschleppt werden sollten, zum Aufstand. Um so grausamer w√ľteten die Faschisten, um so h√∂her stiegen die Mordraten in den Vernichtungslagern, um zu retten, was von dem Griff nach der Welt noch zu retten war.
Doch irgendwann im Laufe des Jahres 44, sp√§testens mit der Er√∂ffnung der zweiten Front im Westen durch die Landung der Alliierten in der Normandie im Sommer 44, muss es auch den Faschisten klar geworden sein, dass dieser Krieg verloren war. Und nun ging es, trotz aller Propaganda, mit der noch Millionen als Menschenmaterial f√ľr den Sieg in die Schlachten geworfen wurden, nicht mehr vorrangig darum, das stetig kleiner werdende besetzte Hinterland zu sichern, sondern jetzt ging es den Faschisten auch darum, Vorsorge f√ľr die Zeit nach der Niederlage zu treffen ¬Ė im Interesse derjenigen, die sie an die Macht gebracht hatten und f√ľr die dieser Krieg gef√ľhrt wurde.
So, wie Wehrmacht und SS bereits beim erzwungenen R√ľckzug aus der Sowjetunion nur verbrannte Erde zur√ľcklie√üen, um dem verhassten Klassenfeind, dem Staat der Arbeiter und Bauern, das Leben nach dessen Sieg so schwer wie nur m√∂glich zu machen, so trafen Reichssicherheitskr√§fte nun Ma√ünahmen, um zumindest eine zweite Novemberrevolution nach der Niederlage zu verhindern.

Unter dem Namen ¬ĄGitter¬ď21 begann ab August 44 eine Verhaftungs- und Ermordungswelle noch lebender Funktion√§re der Arbeiterbewegung, wie auch ehemaliger Repr√§sentanten demokratischer Parteien. Das erste Opfer dieses Terrors wurde Ernst Th√§lmann, der nach 11 Jahren Kerker diesen nur verlassen konnte, um hingerichtet zu werden. Das Deutschland nach der Niederlage, ja m√∂glichst ganz Europa, soweit es noch in den Klauen des faschistischen deutschen Reiches war, sollte aller Kr√§fte beraubt werden, die dann eine Gefahr f√ľr das √úberleben des deutschen Imperialismus darstellten.
Dazu geh√∂rten aber zweifellos auch die j√ľdischen Menschen, dieser wahnhafte Feind des deutschen Faschismus, der nach all den unvorstellbaren Erfahrungen und Leiden l√§ngst zum realen Feind geworden ist. W√§hrend die Wehrmacht an allen Fronten auf dem R√ľckzug war, rauchten die Schlote der Vernichtungslager unaufh√∂rlich. Vor den heranr√ľckenden Armeen der Alliierten wurden die Menschen aus den Lagern getrieben und buchst√§blich bis zur letzten Minute auf den Todesm√§rschen erschlagen, erschossen, dem Ersch√∂pfungstod anheim gegeben.

Historiker, die nicht erkennen wollen oder k√∂nnen, dass der Faschismus durch das deutsche Finanzkapital an die Macht gebracht worden ist und in dessen Interesse handelte, selbst √ľber seine eigene Niederlage hinaus, bringen immer wieder das Argument, dass die Verwendung von Z√ľgen f√ľr die Deportationen j√ľdischer Menschen in die Vernichtungslager, statt f√ľr den Transport von Kriegsger√§t und Soldaten an die Front gerade bei schwieriger werdender Kriegslage, ein Beweis daf√ľr sei, dass der Krieg nicht f√ľr die Kriegsziele der Monopole, sondern f√ľr das Ziel Hitlers gef√ľhrt worden ist, die Juden zu vernichten.
Zog nit keyn mol
Zog nit keyn mol az du geyst dem letstn veg,
Khotsh himlen blayene farshteln bloye teg.
Kumen vet nokh undzer oysgebenkte sho ¬Ė
S’vet a poyk ton undzer trot: Mit zayen do!

Fun grinem palmenland biz vayten land fun shney
Mir kumen on mit undzer payn, mit undzer vey.
Un vu gefaln iz a shprits fun undzer blut,
Shprotsn vet dort undzer gvure, undzer mut.

Dos lid geshribn iz mit blut un nit mit blay,
S’iz nit keyn lidl fun a foygl oyf der fray.
Dos hot a folk tsvishn falndike vent ¬Ė
Dos lid gezungen mit naganes in di hent!

Zog nit keyn mol az du geyst dem letstn veg,
Khotsh himlen blayene farshteln bloye teg.
Kumen vet nokh undzer oysgebenkte sho ¬Ė
S’vet a poyk ton undzer trot: Mit zayen do!
Sage nie, du gehst den allerletzten Weg,
wenn Gewitter auch das Blau vom Himmel fegt.
Die ersehnte Stunde kommt, sie ist schon nah,
dröhnen werden unsere Schritte: Wir sind da!

Vom gr√ľnen Palmenland bis weit zum Land voll Schnee
Kommen wir mit unsrer Pein, mit unserm Weh.
Und wohin ein Tropfen fiel von unserm Blut,
sprie√üen f√ľr uns neue Kr√§fte, neuer Mut.

Das Lied, wir schrieben es mit Blut und nicht mit Blei,
das ist kein Lied von einem Vogel froh und frei.
Es hat ein Volk gestanden zwischen Rauch und Brand,
das Lied gesungen mit den Waffen in der Hand.

Drum sage nie, du gehst den allerletzten Weg,
wenn Gewitter auch das Blau vom Himmel fegt.
Die ersehnte Stunde kommt, sie ist schon nah,
dröhnen werden unsere Schritte: Wir sind da!

Jiddisches Widerstandslied aus dem Ghetto Willna.
Text und Musik: Hirsch Glik
Deutsche Nachdichtung: Heinz Kahlau
Weil dies ein sehr h√§ufiges Argument ist, hat Kurt P√§tzold anhand der Transportberichte der Wehrmacht und der Reichsbahn untersucht, welchen Anteil die Transporte in die Vernichtungslager am gesamten Transportaufkommen der Reichsbahn den nun tats√§chlich hatten. Dabei fand er heraus, dass 1942 t√§glich 25000 Z√ľge gefahren sind und davon w√∂chentlich 7 bis 8 Z√ľge f√ľr die Deportationen in die Vernichtungslager verwendet worden sind. ¬Ą10 Eisenbahnz√ľge, die sich an einem beliebigen Kriegstag 1942 irgendwo in Europa bewegten, machten tats√§chlich 0,004 Prozent der Gesamtzahl aller fahrenden Z√ľge aus.¬ď Und er schlussfolgert daraus: ¬ĄKeines der zahlreichen Probleme, die es w√§hrend des Krieges von seinem Beginn bis zu seinem Ende gab, wurde durch die Forderung des RSHA (Reichssicherheitsamt; die Verfasser) f√ľr die Verwirklichung der ¬ĄEndl√∂sung¬ď wesentlich oder auch nur nennenswert versch√§rft oder h√§tte durch Verzicht gel√∂st werden k√∂nnen.¬ď22

Nein, die Transporte in die Vernichtungslager bis zum Ende sind kein Beweis daf√ľr, dass die Faschisten gegen die Interessen der Monopole ihre eigenen Ziele verfolgten und die Monopolherren gezwungene Mitl√§ufer der Verbrechen waren, wenn nicht gar Opfer. Sie zeigen vielmehr, dass die Faschisten bis zum Schluss im Sinne der herrschenden Klasse handelten, indem sie nicht nur m√∂glichst alle Zeugen ihrer unglaublichen Terrorherrschaft beseitigen wollten, sondern vor allem auch alle, die dieser Klasse nach der Befreiung gef√§hrlich werden konnten.

¬ĄDer Scho√ü ist fruchtbar noch, aus dem das kroch¬ď
(Bertolt Brecht)

Zu den Rettungsma√ünahmen f√ľr die deutsche Monopolbourgeoisie trotz der abzusehenden Niederlage, geh√∂rte auch die Ausarbeitung von Positionen f√ľr Friedensverhandlungen mit den imperialistischen Konkurrenten in einem geheimen ¬ĄArbeitskreis f√ľr Au√üenwirtschaftsfragen¬ď des Reichswirtschaftsministeriums im Herbst 1944. Als Beratungsgrundlage diente die Denkschrift ¬ĄWeg zu Europa. Gedanken √ľber ein Wirtschaftsb√ľndnis Europ√§ischer Staaten¬ď, verfasst von einem Herrn Dr. Richard Riedl, Aufsichtsratsvorsitzender der zu dem IG-Farben-Monopol geh√∂renden Donau-Chemie-AG. Angesichts der ver√§nderten Kr√§fteverh√§ltnisse fra√ü der Wolf vorsorgend nun wieder Kreide, um seinen Konkurrenten ein Weiterbestehen des deutschen Imperialismus schmackhaft zu machen. W√§hrend Europa noch unter den Schlachten √§chzte, jeder Widersacher liquidiert wurde, j√ľdische Menschen voller Hast noch massenweise qualvoll an den Giftgasen starben, mit deren Herstellung IG-Farben seinen Profit in die H√∂he trieb, plante jener Herr in zivilisierten Worten, stets die Souver√§nit√§t aller Staaten betonend, die gesamte sp√§tere EWG und dann EU voraus - bis hin zur Europabank und der M√∂glichkeit von Beitrittskandidaten ¬Ė mit dem Ziel: ¬ĄSchaffung eines auf den Zusammenschluss freier Nationen begr√ľndeten europ√§ischen Gro√üraums, der die Voraussetzungen f√ľr seine wirtschaftliche, politische und kulturelle Behauptung inmitten der anderen M√§chte in sich tr√§gt und bereit ist, freundwillig mit allen zusammenzuwirken, die gleiche Bereitschaft auch ihrerseits zeigen.¬ď23

Trotz und wegen seiner ungeheuerlichen Verbrechen √ľberstand das deutsche Finanzkapital die Niederlage. Eingeschr√§nkt in seiner Handlungsf√§higkeit durch die besonderen internationalen Bedingungen der Nachkriegsordnung und 45 Jahre lang zur√ľckgestutzt auf Westdeutschland als Heimatbasis, √§nderte sich das Aussehen des deutschen Imperialismus, doch nicht sein Wesen. Seine Ziele, formuliert noch von einem faschistischen ¬ĄArbeitskreis f√ľr Au√üenwirtschaftsfragen¬ď, die Beherrschung Europas als Ausgangspunkt f√ľr ¬Ądie Behauptung inmitten der anderen M√§chte¬ď, blieben die gleichen. Er wurde wieder ¬Ąwirtschaftlich potent, milit√§risch ein Zwerg¬ď, wie ein Kommentator der SZ heute feststellt24, ein Zustand, den die Herrschenden gerade dabei sind, zu √§ndern. Wie und in welchen den jeweiligen Kr√§fteverh√§ltnissen entsprechenden Formen mit dem deutschen Imperialismus auch der Antisemitismus √ľberlebte, behandelt der Artikel ¬ĄDer deutsche Antisemitismus heute¬ď.

AG ¬ĄGegen den Antisemitismus¬ď



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Anmerkungen:
1 Siehe dazu: Kurt Pätzold: Von der Vertreibung zum Genozid, in: Dietrich Eichholtz, Kurt Gossweiler (Hg.): Faschismusforschung, Berlin 1980, S.181f.
2 W.I. Lenin: Über die Gewerkschaften, die gegenwärtige Lage und die Fehler Trotzkis, Lenin Werke Bd.32, S.15
3 Reinhard Opitz: Faschismus und Neofaschismus, Bonn 1996, S.163
4 Diese Kriegszieleingaben sind nachzulesen in: Reinhard Opitz (Hg): ¬ĄEuropastrategien des deutschen Kapitals¬ď, Bonn 1994
5 Dietrich Eichholtz: ¬ĄDas Expansionsprogramm des deutsche Finanzkapitals am Vorabend des zweiten Weltkrieges¬ď in: Dietrich Eichholtz, Kurt P√§tzold (Hg.): Der Weg in den Krieg, K√∂ln 1989, S.4
6 Daniel Frymann (das ist Heinrich Claß): Wenn ich der Kaiser wär, Leipzig 1912, zit. nach Reinhard Opitz: Faschismus und Neofaschismus, a.a.O. S. 147
7 siehe dazu: Die Kriegszieldenkschrift des Vorsitzenden des Alldeutschen Verbandes, Heinrich Claß, in: Reinhard Opitz (Hg.): Europastrategien des deutschen Kapitals, a.a.O. v.a. ab S. 251
8 ebd. S.253
9 ebd. S.253
10 Reinhard Opitz: Faschismus und Neofaschismus, a.a.O. S.151
11 Daniel Jonah Goldhagen: Hitlers willige Vollstrecker, Taschenbuchausgabe 1998, S.123
12 Kurt Pätzold: Von der Vertreibung zum Genozid, a.a.O. S.190
13 siehe dazu Dietrich Eichholtz: Das Expansionsprogramm des deutschen Finanzkapitals am Vorabend des zweiten Weltkrieges; in: Dietrich Eichholtz, Kurt Pätzold (Hg): Der Weg in den Krieg, Köln 1989, S. 14 ff.
14 Reinhard Opitz: Faschismus und Neofaschismus, a.a.O., S.160
15 siehe dazu: Kurt Pätzold: Von der Vertreibung zum Genozid, a.a.O., S.186 ff.
16 Reinhard Opitz: Faschismus und Neofaschismus, a.a.O., S.162
17 Geheimer Sonderbefehl Hitlers mit Beginn des √úberfalls auf Polen, siehe ebd. S.169
18 Geheimer Sonderbefehl Hitlers mit Beginn des √úberfalls auf Polen, siehe ebd. S.169
19 Daniel Jonah Goldhagen: Hitlers willige Vollstrecker, a.a.O. S. 187
20 Kurt Pätzold: Von der Vertreibung zum Genozid, a.a.O. S.207
21 siehe dazu Reinhard Opitz: Faschismus und Neofaschismus, a.a.O. S.175
22 Kurt P√§tzold, Erika Schwarz: ¬ĄAuschwitz war f√ľr mich nur ein Bahnhof¬ď Franz Novak ¬Ė der Transportoffizier Adolf Eichmanns, Berlin 1994, S.104f. zit. nach: Kurt Gossweiler: R√ľckschau auf Begegnungen und Debatten; in: Manfred Wei√übecker, Reinhard K√ľhnl (Hg.): Rassismus Faschismus Antifaschismus, K√∂ln 2000, S.472
23 ¬ĄWeg zu Europa. Gedanken √ľber ein Wirtschaftsb√ľndnis Europ√§ischer Staaten¬ď, in: Reinhard Opitz (Hg.): Europastrategien des deutschen Kapitals, a.a.O., S.991
24 Hans Werner Kilz: Staatskunst in Kriegszeiten, S√ľddeutsche Zeitung vom 10./11.11.01, S.4




 
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