DE
       
 
0
unofficial world wide web avantgarde
≠ unsichere Verbindung! Du bist mit secarts.org ├╝ber ein ungesch├╝tztes Protokoll verbunden.

Von Dir ├╝bertragene Daten sind potentiell durch Dritte mitlesbar. Es wird empfohlen, die - etwas weniger unsichere - SSL-Verbindung (https://secarts.org) zu aktivieren.

...schreib an WWW.SECARTS.ORG
Seitenverantwortliche / ArbeitsgemeinschaftenOrtskollektive / Ansprechpartner vor Ort
PGP public key: HERAUSGEBER
9065 471B 9FBD 53FC F270 5B8C 2566 7704 80FF 7CE9
PGP public key: secarts.org Redaktion
F496 C353 A3CE 8FB7 B270 9D32 6AD3 9A6B 96EB 3627
PGP public key: AG Foren-Tscheka
AF05 9457 BE6C BBF8 E503 595F AB87 9A75 2292 967C
Übrigens: Wenn Du eine Antwort erwartest, solltest Du Deine E-Mail-Adresse angeben!
*
 
* ...diese vier BUCHSTABEN abtippen! Nicht lesbar? Neuen Code
Diesen Artikel auf Twitter™ posten teilen
Artikel:   versendendruckenkommentieren
Von KKE

21. Die unverzichtbare Rolle der Partei im Prozess der sozialistischen Aufbaus dr├╝ckt sich in ihrer F├╝hrung der Staatsmacht der Arbeiterklasse, in der Mobilisierung der Massen f├╝r die Teilnahme an diesem Prozess aus. Die Partei ist es, die in erster Linie die Arbeiterklasse zur f├╝hrenden Kraft der neuen Staatsmacht formt. Der Kampf f├╝r die Entwicklung der neuen Gesellschaft wird durch die revolution├Ąre Arbeitermacht mit der kommunistischen Partei ausgetragen, die die Bewegungsgesetze der sozialistisch/kommunistischen Gesellschaft als Kern der Orientierung nutzt. Der Mensch wird Lenker der gesellschaftlichen Prozesse und geht nach und nach aus dem Reich der Notwendigkeit in das Reich der Freiheit ├╝ber. Dies ergibt sich aus der h├Âheren Rolle des subjektiven Faktors im Vergleich zu den vorangegangenen sozio-├Âkonomischen Formationen, in denen die menschliche T├Ątigkeit durch die spontane Durchsetzung der sozialen Gesetze auf der Grundlage der spontanen Entwicklung der Produktionsverh├Ąltnisse gepr├Ągt war. Daher ist die wissenschaftliche Natur der Klassenpolitik der KP eine entscheidende Voraussetzung f├╝r den sozialistischen Aufbau. In dem Ma├če, wie diese Funktionen verloren gehen, setzt der Opportunismus ein, der sich, wenn sich nicht mit ihm auseinander gesetzt wird, mit der Zeit zu einer konterrevolution├Ąren Kraft entwickelt.

Die Pflicht zur Entwicklung kommunistischer Produktionsverh├Ąltnisse erfordert die Entwicklung der Theorie des wissenschaftlichen Kommunismus durch die KP, indem sie die klassenorientierten Aufgaben und die Bewegungsgesetze der kommunistischen sozio-├Âkonomischen Formation wissenschaftlich untersucht.

Die Erfahrung hat gezeigt, dass die regierenden Parteien - in der UdSSR wie in anderen sozialistischen Staaten - diese Aufgabe nicht erfolgreich erf├╝llten. Klassenbewusstsein der gesamten Klasse entwickelt sich nicht spontan oder in einer einheitlichen Art und Weise. Kommunistisches Bewusstsein der Massen der Arbeiterklasse erh├Âht sich vor allem durch die St├Ąrkung der kommunistischen Produktionsverh├Ąltnisse und das Niveau der Beteiligung der Arbeiterklasse an der F├╝hrung der KP, die das wichtigste Instrument f├╝r die Verbreitung des revolution├Ąren Bewusstseins unter den Massen ist. Ideologische Arbeit muss auf dieser materiellen Basis wurzeln, der Wirkung der revolution├Ąren Partei, die ihre f├╝hrende Rolle in dem Ma├če festigt, wie sie die Arbeiterklasse f├╝r den Aufbau des Sozialismus mobilisieren kann. Das Bewusstsein der Avantgarde muss immer dem Bewusstsein voraus sein, das in gro├čem Ma├čstab innerhalb der Arbeiterklasse durch die ├Âkonomischen Beziehungen gepr├Ągt ist.

Daraus ergibt sich f├╝r die Partei die Notwendigkeit, ein hohes theoretisch-ideologisches Niveau und eine Z├Ąhigkeit zu haben, die unersch├╝tterlich bleibt im Kampf gegen den Opportunismus, nicht nur unter den Bedingungen des Kapitalismus, sondern mehr noch unter den Bedingungen des sozialistischen Aufbaus.

22. Die opportunistische Wende, die sich nach dem 2. Weltkrieg seit den 1950er Jahren durchsetzte, der schrittweise Verlust der revolution├Ąren Rolle der Partei, best├Ątigt, dass die Gefahr der Entwicklung von Abweichungen in der sozialistischen Gesellschaft nie verschwindet. Abgesehen von der imperialistischen Einkreisung mit ihren zweifellos negativen Auswirkungen gibt es, so lange Formen des Privat-und Gruppeneigentums, Ware-Geld- Beziehungen sowie soziale Differenzierungen weiter existieren, eine soziale Grundlage f├╝r Opportunismus. Die materielle Basis f├╝r Opportunismus wird w├Ąhrend der gesamten Zeit des sozialistischen Aufbau und so lange, wie der Kapitalismus, insbesondere m├Ąchtige kapitalistische Staaten auf der Erde existieren, bestehen bleiben. Die neue Phase nach dem 2. Weltkrieg fand die Partei ideologisch und klassenm├Ą├čig geschw├Ącht vor, mit massiven Verlusten an erfahrenen und im Klassenkampf geh├Ąrteten Kadern, mit theoretischen Schw├Ąchen in der Reaktion auf neu auftretende Probleme. Sie war anf├Ąllig f├╝r innerparteiliche Auseinandersetzungen, die die bestehenden sozialen Differenzierungen reflektierten. Unter diesen Bedingungen neigte sich die Waage zugunsten der Einnahme von opportunistischen und revisionistischen Positionen, die in vorangegangenen Phasen der innerparteilichen Auseinandersetzungen besiegt worden waren.

Die ├ťbernahme von revisionistischen und opportunistischen Ansichten durch die F├╝hrung der KPdSU und andere kommunistische Parteien wandelte diese Parteien schlie├člich in den 1980er Jahren in Werkzeuge der Konterrevolution um. Die opportunistische Wende, die auf dem 20. Parteitag der KPdSU (1956) vollzogen wurde und der anschlie├čende allm├Ąhliche Verlust der revolution├Ąren Merkmale der Partei, eine regierende Partei, die gleichzeitig das Ziel imperialistischer Aggressionen war, erschwerte die Wachsamkeit und Mobilisierung der konsequenten Kommunisten. So waren die konsequenten kommunistischen Kr├Ąfte nicht in der Lage, den verr├Ąterischen konterrevolution├Ąren Charakter der Linie, die sich auf dem ZK-Plenum vom April 1985 und auf dem 27. Parteitag der KPdSU (1986) durchgesetzt hatte, rechtzeitig aufzudecken. Sie waren nicht in der Lage, einen sichtbaren Pol f├╝r die Verteidigung des Sozialismus zu sammeln, um ihre Position1 zu differenzieren und den Kampf gegen die konterrevolution├Ąren Kr├Ąfte erfolgreich f├╝hren zu k├Ânnen.

Eine revolution├Ąre kommunistische Avantgarde, die in der Lage ist, die Arbeiterklasse, ideologisch, politisch und organisatorisch gegen die sich entwickelnde Konterrevolution zu f├╝hren, konnte sich nicht rechtzeitig formieren. Selbst wenn diese Entwicklung - vor allem seit den 1980er Jahren - nicht h├Ątte gestoppt werden k├Ânnen, ist es sicher, dass Widerstand in den regierenden Parteien wie in der internationalen kommunistischen Bewegung daf├╝r gesorgt h├Ątte, dass der heutige Kampf f├╝r den Wiederaufbau der internationalen Bewegung unter besseren Bedingungen stattfinden w├╝rde und es Voraussetzungen f├╝r die ├ťberwindung ihrer tiefen Krise gegeben h├Ątte. Wir halten die rasche Entwicklung und Verbreitung von revisionistischen, ideologischen Positionen und opportunistischer Politik, die schrittweise opportunistische Aush├Âhlung der KPdSU und der anderen kommunistischen Parteien, die Degeneration des revolution├Ąren Charakter der Staatsmacht nicht f├╝r unvermeidlich.

Wir untersuchen alle Faktoren, die zu dieser Entwicklung beigetragen haben. Man k├Ânnte dazu folgende Liste von Faktoren aufstellen:
  • Der R├╝ckgang des Niveaus der politischen marxistische Bildung in der F├╝hrung der KP und insgesamt in der Partei wegen der besonderen Bedingungen des Krieges, der gro├čen Verluste an Kadern und der pl├Âtzliche Anstieg der Zahl der Parteimitglieder, was unter anderem zu einer verz├Âgerten Entwicklung der politischen ├ľkonomie des Sozialismus f├╝hrte.
  • Die ver├Ąnderte Klassenzusammensetzung, Struktur und Funktionsweise der Partei und ihre Auswirkungen auf die ideologischen und revolution├Ąren Merkmale der Partei, ihrer Mitglieder und Kader bedarf weiterer Untersuchungen.
  • Die relative Abh├Ąngigkeit von administrativen und wissenschaftlichen Kadern b├╝rgerlicher Herkunft, in der sich die kommunistische Staatsmacht der UdSSR von Anfang an befand. ┬ľ Das historische Erbe der UdSSR hinsichtlich des Ausma├čes der vorkapitalistischen R├╝ckst├Ąndigkeit und ungleichen kapitalistischen Entwicklung.
  • Die massiven Verluste w├Ąhrend des 2. Weltkrieges und die Opfer hinsichtlich des Lebensstandards durch den Wiederaufbau nach dem Krieg, unter den Bedingungen des Wettbewerbs mit dem kapitalistischen Wiederaufbau in Westeuropa, der in einem erheblichen Ma├če von den Kapazit├Ąten und dem Bed├╝rfnis der USA nach Kapitalexport unterst├╝tzt wurde.
  • Probleme und Widerspr├╝che in der Angleichung der L├Ąnder Mittel- und Osteuropas an das sozialistische System.
  • Angst vor einem neuen Krieg, die durch die imperialistischen Interventionen in Korea, usw., den Kalten Krieg, die Hallstein Doktrin der Bundesrepublik Deutschland (die Nicht-Anerkennung der DDR, und ihre Charakterisierung als ┬ôsowjetische Besatzungszone┬ö) gesch├╝rt wurde.
  • Die differenzierte politische Intervention des internationalen Imperialismus mit der Unterst├╝tzung der Sozialdemokratie, durch flexibleren Handel mit bestimmten sozialistischen L├Ąndern in Mittel- und Osteuropa und direkterem ideologischen und politischen Druck auf die UdSSR.
  • Probleme der Strategie und der Spaltung der internationalen kommunistischen Bewegung


Der Kurs der Sowjetmacht

23. Theoretischer Ausgangspunkt f├╝r die Analyse des Kurses der Sowjetmacht ist die Feststellung, dass die sozialistische Staatsmacht die Diktatur des Proletariats ist. Sie ist die Staatsmacht der Arbeiterklasse, die sich von allen bisherigen Formen der staatlichen Macht unterscheidet. Die Diktatur des Proletariats ist das Organ der Arbeiterklasse im Klassenkampf, der mit anderen Mitteln und Formen fortgesetzt wird. Die Arbeiterklasse, der Tr├Ąger der sich herausbildenden kommunistischen Beziehungen, als kollektiver Eigent├╝mer der vergesellschafteten Produktion, ist die einzige Klasse, die den Kampf bis zur vollst├Ąndigen Herrschaft der kommunistischen Beziehungen, dem Verschwinden der Klassen und dem Absterben des Staates f├╝hren kann. Durch ihre revolution├Ąre Staatsmacht wird die Arbeiterklasse als die herrschende Klasse ein B├╝ndnis mit anderen Bev├Âlkerungsschichten, die noch nicht in der vergesellschafteten (sozialistischen) Produktion (z. B. die kleinen genossenschaftlichen Eigent├╝mer in Stadt und Land, Selbstst├Ąndige im Dienstleistungssektor, Wissenschaftler und Techniker in der Verwaltung der Produktion mit b├╝rgerlichem Hintergrund oder die aus den oberen Mittelschichten kommen) schlie├čen. Durch diese Allianz wird die Arbeiterklasse versuchen, diese Schichten im sozialistischen Aufbau bis zur v├Âlligen Vorherrschaft der kommunistischen Beziehungen zu f├╝hren.
Die Notwendigkeit der Diktatur des Proletariats resultiert auch aus der Fortf├╝hrung des internationalen Klassenkampfs. Sie wird beibehalten, bis alle gesellschaftlichen Beziehungen zu kommunistischen werfen, d.h. so lange, wie es f├╝r einen Staat notwendig ist, als Instrument der politischen Herrschaft zu existieren.

24. Die politischen Entscheidungen ├╝ber den ├╝berbau, die Organe der Diktatur des Proletariats, der Arbeiterkontrolle, usw. stehen in engem Zusammenhang mit den politischen Entscheidungen auf der Ebene der ├Âkonomie. Ein wichtiger erhellender Punkt ist die Entwicklung der Sowjets als eine Form der Diktatur des Proletariats. In der ersten Verfassung der RSFSR2 und in der ersten Verfassung der UdSSR im Jahr 1924 (wie auch in den Verfassungen der Republiken im Jahr 1925) wurden die kommunistischen Beziehungen zwischen den Massen und der Staatsmacht durch indirekte Wahlen von Arbeitern als Repr├Ąsentanten hergestellt, wobei die Produktionseinheit auch die Wahleinheit war. Das Wahlrecht wurde nur f├╝r die arbeitenden Menschen sichergestellt (nicht allgemein f├╝r die B├╝rger). Der b├╝rgerlichen Klasse, den Grundbesitzern, allen, die die Arbeit anderer ausbeuteten, Priestern und M├Ânchen, konterrevolution├Ąren Elementen wurde auf das Recht auf Abstimmung verweigert. Die Zugest├Ąndnisse an die Kapitalisten in der NEP-Zeit schloss die politischen Rechte nicht mit ein. In der Verfassung von 1936 wurden die aus direkten Wahlen hervorgegangenen Repr├Ąsentanten in regionalen Wahlbezirken bestimmt (die Region wurde zum Wahlbezirk und die Anzahl der Repr├Ąsentanten war proportional zur Anzahl der Einwohner). Die Durchf├╝hrung der Wahlen in Vollversammlungen wurde abgeschafft und durch diese Wahlbezirke ersetzt. Das Abstimmungsrecht f├╝r alle wurde ├╝ber die allgemeine geheime Wahl garantiert. Mit den ├änderungen in der Verfassung von 1936 wollte man bestimmte Probleme l├Âsen3: z. B. die fehlende direkte Kommunikation der Partei und der sowjetischen Funktion├Ąren mit der Basis, das mangelnde Funktionieren der Sowjets, b├╝rokratische Ph├Ąnomene usw., und auch die Stabilisierung der Sowjetmacht angesichts des kommenden Krieges.
Die Herabstufung der Produktionseinheiten als Pfeiler f├╝r die Organisation der Staatsmacht der Arbeiterklasse (aufgrund der Abschaffung der indirekten Wahl der Delegierten durch Kongresse und Vollversammlungen) muss weiter untersucht werden. Die negativen Auswirkungen auf die Klassenzusammensetzung der h├Âheren staatlichen Organe und auf die Anwendung des Rechts auf Abberufung von Delegierten (die nach Lenin ein grundlegendes Element der Demokratie in der Diktatur des Proletariats darstellt) m├╝ssen ebenfalls untersucht werden.

25. Nach dem 20. Parteitag (1956) wurden die Befugnisse der ├Ârtlichen Sowjets hinsichtlich der Fragen, die die ┬ôSelbstverwaltung┬ö und ┬ôUnabh├Ąngigkeit┬ö des sozialistischen Betriebes betrafen, verst├Ąrkt. Auf diese Weise zog sich der demokratische Zentralismus auf der politischen Ebene zur├╝ck, um ihn in Einklang mit dem R├╝ckzug der zentralen Planung auf der ├Âkonomischen Ebene zu bringen. Mit der schrittweisen Anhebung der Amtszeit ihrer Organe und der Vergr├Â├čerung der M├Âglichkeiten f├╝r die Freistellung von Personen von ihrer T├Ątigkeit in der Produktion wurden Ma├čnahmen ergriffen, die die ┬ôPermanenz┬ö der Funktion├Ąre in den Sowjets erh├Âhte. Auf dem 22. Parteitag der KPdSU (1961) wurden nicht-objektive Einsch├Ątzungen ├╝ber den ┬ôentwickelten Sozialismus┬ö und das ┬ôEnde des Klassenkampfes┬ö angenommen. Und im Namen der ┬ônicht-antagonistischen Widerspr├╝che┬ö zwischen den sozialen Klassen und Gruppen wurde die Position angenommen, dass die UdSSR ein ┬ôStaat des ganzen Volkes┬ö (bekr├Ąftigt in der Verfassungs├Ąnderung von 1977) und die KPdSU eine Partei ┬ôdes ganzen Volkes┬ö w├Ąre. Diese Entwicklung trug zur ├änderung der Merkmale des revolution├Ąren Arbeiterstaats bei, zur Degeneration der Klassenzusammensetzung der Partei und ihrer Kader und zum Verlust der revolution├Ąre Wachsamkeit, die mit der These von der ┬ôUnumkehrbarkeit des sozialistischen Aufbaus┬ö theoretisiert wurde. Mit der Perestroika und der Reform des politischen Systems im Jahr 1988 degenerierte das sowjetische System zu einem b├╝rgerlichen Organismus.

26. Die praktische Erfahrung zeigt die schrittweise Distanzierung der Massen von der Teilnahme am Sowjetsystem, das in den 1980er Jahren nur noch einen rein formalen Charakter hatte. Diese Distanzierung kann nicht ausschlie├člich oder in erster Linie auf die Ver├Ąnderungen in der Funktionsweise der Sowjets zur├╝ckgef├╝hrt werden, sondern auf die sozialen Differenzierungen, die durch die Wirtschaftspolitik hervorgerufen wurde, auf die Versch├Ąrfung der Widerspr├╝che zwischen den einzelnen Gruppen und Interessen auf der einen Seite und dem kollektiven Interesse f├╝r die Gesellschaft auf der anderen. Solange die F├╝hrung der KPdSU Ma├čnahmen beschloss, die den gesellschaftlichen Charakter des Eigentums schw├Ąchten und bornierte individuelle und Gruppeninteressen st├Ąrkten, wurde ein Gef├╝hl der Entfremdung vom gesellschaftlichen Eigentum und die Aush├Âhlung des Bewusstsein erzeugt. Der Weg zu Passivit├Ąt, Gleichg├╝ltigkeit und Individualismus ├Âffnete sich, da die Realit├Ąt mehr und mehr von den offiziellen Verlautbarungen abwich, da das Niveau der industriellen und landwirtschaftlichen Produktion abfiel und damit die F├Ąhigkeit zur Befriedigung der wachsenden gesellschaftlichen Bed├╝rfnisse verloren ging. So entarteten die Kriterien der Arbeiterkontrolle und nahmen rein formalen Charakter an. Die Arbeiterklasse, die Volksmassen insgesamt kehrten dem Sozialismus nicht den R├╝cken zu. Es ist bemerkenswert, dass die Losungen w├Ąhrend der Perestroika ┬ôRevolution innerhalb der Revolution┬ö, ┬ômehr Demokratie┬ö, ┬ômehr Sozialismus┬ö lauteten, weil ein gro├čer Teil der Menschen, der die Probleme sah, Ver├Ąnderungen im Rahmen des Sozialismus wollte.

So kam es, dass die Ma├čnahmen, die zun├Ąchst die kommunistischen Beziehungen schw├Ąchten und die Ware-Geld-Beziehungen st├Ąrkten, und diejenigen, die sp├Ąter den Weg f├╝r die R├╝ckkehr zum Privateigentum ├╝ber die Produktionsmittel f├Ârderten, als Ma├čnahmen zur St├Ąrkung des Sozialismus ausgegeben wurden. Ein Problem, das spezielle zuk├╝nftige vergleichende Studien erfordert, sind die Organisationsformen der Beteiligung der Arbeiter, ihre Rechte und Pflichten, in den verschiedenen Perioden der Sowjetmacht - die Arbeiteraussch├╝sse4 zu Lenins Zeit , die Stachanow-Bewegung, im Gegensatz zu den ┬ôSelbstverwaltungsr├Ąten┬ö unter Gorbatschow - in Bezug auf die zentrale Planung und die Realisierung des gesellschaftlichen Charakters des Eigentums an den Produktionsmitteln. Im Rahmen der Studien des sozialistischen Aufbaus in anderen L├Ąndern Europas und Asiens sollte es unter anderem um folgende Fragen gehen: In welcher Form dr├╝ckte sich die Staatsmacht der Arbeiterklasse in den Volksdemokratien, im B├╝ndnis der Arbeiterklasse mit kleinb├╝rgerlichen Schichten und dem Kampf zwischen ihnen aus. Welches waren die b├╝rgerlichnationalistischen Einfl├╝sse in bestimmten Bereichen der Politik der kommunistischen Parteien an der Macht, z. B. der KP Chinas, des Bundes jugoslawischer Kommunisten. Wie beeinflusste nach 1945 die Vereinigung der Kommunisten mit Teilen der Sozialdemokratie den Charakter der kommunistischen Parteien an der Macht, z. B. der Vereinigten Polnischen Arbeiterpartei, der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands, der KP der Tschechoslowakei, der ungarischen Arbeiterpartei.


Anmerkung:
1 V. Tjulkin, Erster Sekret├Ąr des ZK der RKAP-RPK (Russische Kommunistische Arbeiterpartei - Revolution├Ąre Partei der Kommunisten), in seiner Rede auf der internationalen Konferenz zum 80. Jahrestag der Gro├čen Sozialistischen Oktoberrevolution in Moskau, stellt fest, dass
  • der 19. Parteitag der KPdSU den politischen Pluralismus deklarierte
  • der Weg zur Markt-Politik auf dem 28. Parteitag der KPdSU er├Âffnet wurde
  • das Plenum des ZK der KPdSU vom April 1991 den Weg f├╝r die Privatisierung freimachte.
  • die Fraktion der Kommunisten in den Sowjetkongressen der Politik der ┬ônationalen Unabh├Ąngigkeit┬ö (d.h. dem Bruch mit der UdSSR) zustimmte
  • die Aufl├Âsung der UdSSR von der so genannten kommunistischen Mehrheit im Obersten Sowjet abgesegnet wurde.
In einem Artikel aus dem Jahr 2000, zum 10. Jahrestag der Einberufung des 28. Parteitages der KPdSU, erw├Ąhnt Tjulkin, dass in der All-Russland-Konferenz, aus der die Kommunistische Partei der Russischen F├Âderation (im Rahmen der KPdSU) hervorging, das erste Mal die Fraktion ┬ôBewegung der kommunistischen Initiative┬ö auftauchte, die, zusammen mit anderen, gegen die Beschl├╝sse der 28. Parteitags stimmte.
2 Russische Sozialistische F├Âderative Sowjetrepublik
3 Der Bericht von A. Schdanow auf der Sitzung des ZK der KPdSU (Februar-M├Ąrz 1937) bezieht sich auf die folgenden Probleme, die durch das neue Wahlsystem gel├Âst werden sollten: ┬ôWir m├╝ssen die sch├Ądliche Psychologie ├╝berwinden, die einige unserer Partei- und sowjetischen Kader haben, wenn sie annehmen, dass sie leicht das Vertrauen der Menschen gewinnen, ruhig schlafen und darauf warten, dass ihnen zu Hause parlamentarische Positionen angeboten werden, mit donnerndem Applaus f├╝r ihre bisherigen Leistungen. Durch die geheime Abstimmung ist das Vertrauen der Menschen noch nicht garantiert. [...] Wir haben eine bedeutende Schicht von Kadern in der Partei und den sowjetischen Organisationen, die glauben, dass ihre Aufgabe beendet ist, wenn sie in die Sowjets gew├Ąhlt werden. Dies erkl├Ąrt auch die gro├če Zahl der Kader, die nicht an den Sitzungen der Sowjets, der Fraktionen und der sowjetischen Dienststellen teilnehmen, die ihren grundlegenden parlamentarischen Pflichten nicht nachkommen. [...] Viele unserer Kader in den Sowjets tendieren zu b├╝rokratischen Gepflogenheiten, haben viele Schw├Ąchen in ihrer Arbeit und sind eher bereit, sich f├╝r ihre Arbeit 10 Mal im Parteib├╝ro in enger ┬ĺfamili├Ąrer┬ĺ Umwelt zu rechtfertigen als in einer Sitzung des Sowjets zu erscheinen, Selbstkritik zu ├╝ben, sich selbst und auf die Kritik der Massen zu h├Âren. Ich denke, das wissen Sie so gut wie ich.┬ö KOMEP 4/2008
4 Die Arbeiter-Komitees waren Organe der Arbeiterkontrolle in den Jahren 1917-1918. Diese Organe wurden im M├Ąrz 1917 eingerichtet. Die Arbeiterkontrolle wurde auf der Grundlage eines Dekrets vom November 1917 durchgef├╝hrt. 1919 wurden die Arbeiter-Komitees mit den Gewerkschaften zusammengelegt. Sp├Ąter, in den 1920er Jahren, wirkten in den Fabriken die Produktionsr├Ąte als Organe der Arbeiter.