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Von secarts

Höchst unirdisches Glück wird dem längst verstorbenen Monarchen Karl I., dem letzten Herrscher über Österreich-Ungarn, nun zuteil: Der Papst wird ihn demnächst selig sprechen. Würde er noch leben, tät er sich bestimmt dolle freuen, der Karl: Die Seligsprechung ist nur eine Stufe unter der Heiligsprechung angesiedelt; und ein Aufstieg ist ja auch immer noch möglich.
Warum hat er das verdient, der Karl? Nun, da gibt es schon einige Gründe:
- zum Beispiel hat er in den letzten Wochen des Ersten Weltkrieges noch Millionen in den längst entschiedenen Krieg geschickt und verheizt.
- Vielleicht liebäugelt der katholische Klerus aber auch mit den Giftgaseinsätzen, die der Monarch befahl?
Wir wissen es nicht genau. Dennoch braucht's schon ein ganz handfestes Wunder, um verseeligt zu werden. Auch das regelt die Glaubenskongregation der Katholischen Kirche: Mindestens ein nachweisbares Wunder muss her. Sonst wird das nix.
Aber auch da gibt es was: In den 60er Jahren - da war Karl übrigens schon 40 Jahre tot - hat irgendeine Nonne zu ihm gebetet und ist danach von ihren Krampfadern befreit worden.
Was jetzt hier berechtigtermaßen lächerlich klingt, ist tatsächlich die offizielle Begründung für die Seligsprechung. Ein früher Schönheitschirurg wird in das Amtsheiligtum erhoben!
Jaa, da fragt man sich doch, was mit den ganzen anderen Schnitzern und Ritzern so nach ihrem Ableben passieren mag - Seligsprechung für die Sparte plastische Chirurgie?! Sonnige Zeiten, würde ich sagen. Mammon alleine macht halt nicht glücklich; wenn das Konto erstmal prall genug ist, dürstet es den Menschen nach höheren, geistigen Weihen!
Na, nun aber zurück zu unserem guten, alten Karl ("dem Seligen"). Sein eigener Sohn, der greise Otto von Habsburg, freut sich natürlich auch. "Karl von Habsburg hat sich um die Menschen gekümmert, er wollte Frieden erreichen", so unser Otto. Den kennen wir übrigens auch schon: Seit Jahrzehnten setzt er sich in reaktionären Bewegungen ein und hat sich einen unrühmlichen Namen gemacht im Kampf gegen die Sowjetunion. Aber nun ja - vielleicht musste er es tun, weil ihn im nächtlichen Zwiegespräch die Stimme seines Vaters dazu zwang. Das wäre Wunder Nummer Zwei.

 
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  Kommentar zum Artikel von secarts:
Montag, 11.10.2004 - 10:20

Naja, mit dem Papst selbst haben sie es auch nicht ganz so leicht:
Bischof von Rom,
Stellvertreter Jesu Christi,
Nachfolger des Apostelfürsten,
Oberhaupt der katholischen Kirche,
Primas von Italien,
Erzbischof und Metropolit der römischen Kirchenprovinz,
Souverän des Staates der Vatikanstadt,
Servus Servorum Dei,
Pontifex maximus.

Alles in allem ist das Katholische eine Religion, die Zungenfertigkeit und Gedächtnis positiv zu beeinflussen scheint...


  Kommentar zum Artikel von Stephan:
Freitag, 08.10.2004 - 20:09

Um seinen neuen Heiligen ins Nachtgebet einzuschließen, muß der gläubige Katholik einiges so wegbeten: Von Gottes Gnaden Kaiser von Österreich, König von Ungarn und Böhmen, von Dalmatien, Kroatien, Slavonien, Galizien, Lodomerien und Illyrien; König von Jerusalem etc.; Erzherzog von Österreich; Großherzog von Toscana und Krakau; Herzog von Lothringen, von Salzburg, Steyer, Kärnten, Krain und der Bukowina; Großfürst von Siebenbürgen; Markgraf von Mähren; Herzog von Ober- und Niederschlesien, von Modena, Parma, Piacenza und Guastalla, von Auschwitz und Zator, von Teschen, Friaul, Ragusa und Zara; gefürsteter Graf von Habsburg und Tirol, von Kyburg, Görz und Gradisca; Fürst von Trient und Brixen; Markgraf von Ober- und Niederlausitz und Istrien; Graf von Hohenembs, Feldkirch, Bregenz, Sonnenberg etc.; Herr von Triest, von Cattaro und auf der windischen Mark, Großwojwod der W§ojwodschaft Serbien etc. etc.

Da kommt das Sandmännchen gerne!

(Titel zitiert nach Brigitte Hamann)


  Kommentar zum Artikel von secarts:
Mittwoch, 06.10.2004 - 00:56

das ist kein schwerer Ausnahmefehler. Es ist Methode.


  Kommentar zum Artikel von 127712:
Mittwoch, 06.10.2004 - 00:13

Auch bei Päpsten treten schwere Ausnahmefehler auf!