0
WWW.SECARTS.ORG unofficial world wide web avantgarde
DEauswählen was geht
× nix los...
Ändere die Suchkriterien oder melde Dich an, um alle Termine anzuzeigen.
Diesen Artikel Deinen Freunden per Mail empfehlen
Artikel:   versendendruckenkommentieren (14)

Wir dokumentieren im Folgenden einen Teil des "Rundbriefes der DKP München" vom 24. November 2017. In der Deutschen Kommunistischen Partei (DKP) toben fraktionelle Auseinandersetzungen, es kommt zu koordinierten Austritten. Dies schwächt die ohnehin bedrängte Partei, doch tatsächlich handelt es sich um eine Minderheit aus untereinander zerstrittenen Gruppen. Die DKP wird auch diesen Kampf der Linien überstehen. Ob sie daran wachsen kann, hängt wiederum nicht nur von den Noch- , Nicht-mehr- oder jetzt-erst-Recht-Mitgliedern ab, sondern von allen Kommunisten in Deutschland - es ist auch objektiv in ihrer aller Interesse.
Mit der Dokumentation des folgendes Textes wollen wir in der Abfolge aus vermeintlichen Hiobsbotschaften, Austrittserklärungen und Neuorientierungen einen Kontrapunkt setzen. Wir fordern gleichzeitig dazu auf, nicht unsolidarisch in einen Kanon an Untergangsprognosen einzustimmen - das ist den Genossen, die weiterhin in der Partei und ebenso wie wir alle unter widrigen Bedingungen kämpfen, unwürdig und für uns alle schädlich. Als Plattform mit Nutzern unterschiedlicher politischer Herkunft werden wir die DKP weiterhin solidarisch begleiten und unterstützen.

secarts.org Redaktion.



Die DKP München macht weiter Geschichte
Erklärung der Kreismitgliederversammlung der DKP München


Am 4.11.2017 haben mehrere DKP-Mitglieder ihren Austritt angekündigt. Die ehemaligen Sprecher des DKP-Kreisvorstandes haben eine öffentliche Erklärung verbreitet, dass damit „die DKP München Geschichte“ und ab jetzt „ihr Raum“ durch andere zum Teil erst zu bildende Organisationen „vollständig ausgefüllt“ sei.

Das ist unrichtig. Die heute anwesenden Mitglieder der DKP haben am heutigen 18.11.2017 auf ihrer Kreismitgliederversammlung einen neuen Kreisvorstand gewählt und die weitere Arbeit beraten und beschlossen. Der Kreis München der Deutschen Kommunistischen Partei bedauert den Austritt oft langjähriger und verdienter Genossinnen und Genossen, ihre in weiten Teilen sachlich unrichtige Austrittsbegründung und vor allem ihren Mangel jeglicher Selbstkritik.

Der Kreis München der DKP wird sich jedoch in einem Höchstmaß an Verständigung und Zusammenarbeit mit den Genossinnen und Genossen, die unsere Partei jetzt verlassen, bemühen, soweit sie weiterhin für Frieden, Demokratie und Sozialismus wirken wollen.

In einer immer gefährlicheren politischen Entwicklung ist ressentimentfreier solidarischer Kampf aller Linken mehr denn je vonnöten.

München, 18.11.2017


AUFBRUCH IN EINE NEUE ZUKUNFT

Bericht über die Kreismitgliederversammlung der DKP am 18.11.2017

Am 18.11.2017 versammelten sich auf Einladung des ehemaligen Kreisvorstandes die Mitglieder der DKP München zu einer außerordentlichen Kreismitgliederversammlung. In den letzten Jahren hatte der ehemalige Kreisvorstand nur noch zu Kreisdelegiertenversammlungen eingeladen, obwohl die Mitgliederzahl der DKP in München nicht signifikant gestiegen war. Dies führte dazu, dass der inhaltliche Austausch und die Diskussion zwischen den verschiedenen Parteigruppen de facto nicht mehr stattfand. Die vor zwei Jahren getroffene Einschätzung des ehemaligen Kreissprechers Leo Mayer, mit „den anderen“ lohne sich die Diskussion nicht mehr, wurde zur Handlungsgrundlage des Kreisvorstandes.

Die Kreismitgliederversammlung beschloss den Wunsch an den neuen Kreisvorstand, ab jetzt wieder Kreismitgliederversammlungen statt Kreisdelegiertenkonferenzen durchzuführen. Der inhaltliche Austausch soll aber auch häufiger stattfinden, zum Beispiel durch gemeinsame Bildungsarbeit. Auch die Bezirksversammlung am 9. Dezember sowie die gemeinsame Jahresabschlussfeier der DKP München bieten hier gute Gelegenheiten.

Auf der Kreismitgliederversammlung kam auch der gemeinsame Wille der Genossinnen und Genossen zum Ausdruck, die Arbeit der DKP München fortzuführen und die Partei aufzubauen. Der Austritt mehrerer Genossinnen und Genossen – u. a. des ehemaligen Kreisvorstandes, die in der DKP keine Perspektive mehr gesehen haben, wurde von allen Anwesenden bedauerst. Einigkeit bestand auch darin, dass ihre gemeinsame Austrittserklärung sachlich unrichtig ist und der Mangel an Selbstkritik dieser Genossinnen und Genossen bedauert wird. Der nach außen von einigen vermittelte Eindruck, die DKP München habe sich aufgelöst, wurde als haltlos und unwahr bezeichnet.

Die DKP München macht weiter Geschichte. In vielen Redebeiträgen wurde die Zukunft der DKP in München und die Anforderungen an den neuen Kreisvorstand von vielen Genossinnen und Genossen formuliert. In nächster Zeit gehe es darum, die Arbeit der Parteigruppen zu stabilisieren und die gemeinsame Diskussion und Austausch zu gewährleisten. Die gemeinsame Vorbereitung des Parteitags soll durch den neuen Kreisvorstand in der gesamten DKP München organisiert werden, z.B. durch eine Kreisversammlung zur Handlungsorientierung. Auch gemeinsame Aktionen wie gegen die Sicherheitskonferenz, zum Ende des NSU-Prozesses oder zur inhaltlichen Erweiterung des nach einer Kommunistin benannten Resi-Huber-Platzes sollen durch den neuen Kreisvorstand geplant werden. Einigkeit bestand auch darin, dass jede Genossin und jeder Genosse der DKP München in die gemeinsame Diskussion und Aktion eingebunden werden soll. Auch der Rundbrief der DKP München soll fortgeführt werden.

Die Hausdurchsuchung beim ehemaligen Kreissprecher und Aktivisten Kerem Schamberger wurde von der Versammlung scharf kritisiert. Erneut wurde hier durch die Münchner Polizei versucht, die Solidaritätsbewegung mit der kurdischen YPG zu kriminalisieren. Die DKP München sieht das als Maßnahme der Einschüchterung nicht allein gegen Kerem, sondern gegen alle Antiimperialisten und erklärte sich daher solidarisch [...]

Kreisvorstand der DKP München, 20.11.2017

 
Creative Commons CC BY-NC-ND 4.0
Inhalt (Text, keine Bilder und Medien) als Creative Commons lizensiert (Namensnennung [Link] - Nicht kommerziell - Keine Bearbeitungen), Verbreitung erwünscht. Weitere Infos.
 


• gehe zu Seite: 12
   Kommentar zum Artikel von retmarut:
Sonntag, 26.11.2017 - 03:44

@RevLeft: "Und ein Gespür für "Timing" in dem Sinne, der DKP in einem der schwierigsten Momente (Abspaltung der Mayeristen) noch richtig einen mitzugeben."

Im Gegenteil. Der Zeitpunkt hat die "WieWeiter"(Ww)-Genossen selbst völlig überrascht. Die sind von den südbayrischen Austritten schlicht überrumpelt worden. Das hat die Gesamtsituation deutlich verändert, aber da die ersten Ww-Leute schon ihre Austrittsschreiben veröffentlicht hatten, bevor Mayer und Co die Partei verließen, sind die anderen Ww aus Loyalität jetzt überstürzt nachgezogen, damit ihr vereinbartes "Projekt" nicht schon zu Beginn auseinanderfliegt. Das zeigt schon, wie fragil die ganze Geschichte ist. Die nähen mit sehr heißer Nadel.

Und zu den Auswirkungen dieser linksradikalen Abspaltung auf die DKP: Die dürfte recht im Endeffekt gering ausfallen, da viele der Ww-Genossen gar nicht in der DKP Mitglied bzw. dort nicht aktiv waren. Der Aderlass trifft vielmehr die SDAJ. Die wird sich aber, da bin ich mir sicher, relativ rasch davon erholen. Erste SDAJ-Gruppenneugründungen sind ja bereits erfolgt.


   Kommentar zum Artikel von Menachier:
Dienstag, 28.11.2017 - 21:27

Stimme retmarut zu. Die Sache war seitens der WieWeiter-Leute anders geplant. Die Mali-Leute sind ihnen in die Abfolge geplatzt. Allerdings war von vornherein klar dass niemals der Bundeskongress der SDAJ abgewartet werden sollte (März 18). Der SDAJ hatten WieWeiter ja diese Programmdebatte aufgezwungen. Und eine Mehrheit war niemals in Sicht. Also Spaltung als Ausweg aus 1) einer verlorenen Parteiauseinandersetzung und 2) einer absehbar auch verlorenen Auseinandersetzung im Jugendverband.
Austritte gibt es komischerweise seitens WieWeiter bislang kaum. Die angeblichen 80 Unterzeichner sind sowieso zu hoch gegriffen. Aber selbst die Hälfte ist noch nicht erreicht


  Kommentar zum Artikel von Genosse Mauser:
Donnerstag, 30.11.2017 - 01:08

Brief an die Mitglieder der DKP vom Sekretariat des Parteivorstands vom 29.11.2017 mit Antworten auf die Vorwürfe:
http://news.dkp.suhail.uberspace.de/2017/11/an-die-mitglieder-der-dkp/


   Kommentar zum Artikel von Toto:
Donnerstag, 30.11.2017 - 16:15

"- Die Linksabspalter hingegen müssen effektive Fraktionsarbeit betrieben haben, um das hier hinzukriegen: gestaffelter Austritt von wohl mittlerweile rund 100 überwiegend sehr aktiven Genossen. Ein Schweigegelübde, das bis jetzt hält. Wühlarbeit weit über die eigentlichen Zentren des Aufruhrs FfM, Tübingen, evtl. Thüringen, hinaus. Und ein Gespür für "Timing" in dem Sinne, der DKP in einem der schwierigsten Momente (Abspaltung der Mayeristen) noch richtig einen mitzugeben. Noch ist die Sache ja nicht durch und manche Mehrheiten dürften jetzt fehlen."

Erstmals, es sind keine hundert Leute! Die angegebene Zahl mit 80 ist die Summe aller Austretenden, umfasst sowohl die Ostthüringer wie die Frankfurter, wie Gießener, etc. Und selbst diese Zahl wird von einem Nutzer hier gezweifelt werden.

Der Schaden ist nicht so groß! Es handelte sich von Anfang an um entristische Gruppierungen: Die Frankfurter als Zentrum mit 5 Leute (gefährden keine Mehrheit), mindestens zwei Hauptpersonen haben entristische Vergangenheit in Linksruck, Kommunistische Initiative, auf dem KAZ-Camp (keine Mitgliedschaft als Voraussetzung) und DKP. Entweder werden Sie unwidersprochene Führer oder sie spalten sich in zwei/drei Jahre. Tübingen ist ebenfalls entristisch gedacht. siehe Link ...jetzt anmelden! Die sind vor 5 Jahre in der SDAJ eingetreten und zwar mit der Absicht diese SDAJ nach ihrer Vorstellung zu verändern, weil sie nie revolutionär war. Soweit ich weiß, betrifft das die Gießener ebenfalls. Die sind kollektiv in der SDAJ eingetreten.

Das sind drei der Hochburgen. Es folgen Göttingen und Thüringen. Dazu sage ich möchte ich nicht viel sagen. Vielleicht sagt, Toni was zu Thüringen, wenn es ihm wichtig. Aber ich komme aus Thüringen und wohne in Göttingen. Kenne also in etwa die Verhältnisse hier.

Die anderen geführten Städte sind zumeist Umzüge von Leuten, ob das Essen, Regensburg, Schwarzwald, Leipzig handelt es sich lediglich um ein Person, der umgezogen ist. In Marburg sind es 3 Leute. In Berlin habe ich ebenfalls nur von einem Person gehört, maximum 5 Leute.

Und politisch, was hat der entristische Projekt geschafft?!
Es ist denen, obwohl sie alle in linksgeprägten Gruppen keinen Durchbruch gelungen! In Gießen sind die alten Leute um Erika und Michael Beltz in der DKP geblieben. Eine Änderung der Verhältnisse in Gießen ist nicht zu befrüchten. In Frankfurt sind 5 aus zusammen e.V. in der DKP eingetreten und wieder raus. Sie konnten keinen mitnehmen! Mehrheitsverhältnisse in Frankfurt nicht gefährdet, sprich in Hessen ist nichts passiert. In Tübingen und baden-württembergischen Anhang ist kein Durchmarsch gelungen. Weder Paul Rodermund noch Björn Blach sind mit raus gegangen. Es ist trotz Ablehnung der AMS durch Teile der Baden-Württemberg'schen DKP kein relevante Erfolg der Tübinger zu vermelden und rechten Potenzial, der die Mehrheitsverhältnisse in Tübingen oder Baden-Würtemberg gefährden würde, vermute ich nicht.

Es kommen noch weitere Städte wie Berlin (keine Verschiebung der Kräfteverhältnis für die rechtsopportunistische Kräfte). Auch hier gehört Männe zur alten Kritiker der AMS (siehe seinen Beitrag in der TuP) und er ist nicht alleine. Großen Erfolg ist in Berlin ausgeblieben. Man kann das mit allen Städten und Orte durchspielen, in der Auseinandersetzung mit rechtsopportunistischen Kräfte spielt der Austritt der linksopportunistischen Kräfte kaum eine Rolle und große Würfe ist den linksopportunistischen und entristischen Kräfte nicht gelungen.

Kurz gesagt: Der Wühlarbeit ist ziemlich missgelungen, wenn der Austrittskreis im wesentlichen auf die entristischen Kräfte, die vor 5 Jahre in der SDAJ/DKP eingetreten sind. Das trifft auf Tübingen, Frankfurt und Gießen zu. Wie gesagt, einige genannten Städte sind Umzüge und eine Person-"Gruppe", das trifft mindestens auf vier Städte!

Was das Schweigeglübde angeht, vielleicht wollte man Sie ziehen lassen und deswegen ist nichts durchgesickert. Einige außerhalb der kleinen Kreis wussten jedenfalls von ihrer Absichten und zwar in mehrere Städte! Es war kein Geheimnis.

Zu den Timing muss ich wiedersprechen! Auch hier war es schlecht ausgewählt. Die meisten Kreis- und Gruppenkonferenzen für den Wahl der Delegierten sind gelaufen, einige Bezirke/LO haben jetzt auch gewählt. Und der Austritt der Mayeristen hat denen einiges gekostet, es ist absolut unvermittelt, wie man in dieser Situation die DKP verlässt? Das drückt sich damit aus, dass Leute wie die Beltz, die Humburgs, Blach, Rodermund, die Münchener (ich sage nur der Mann von Renate Münder), die Mehrheit der Göttinger und andere Kritiker der AMS diesen Schritt nicht mitgehen. Der Timing ist so schlecht, dass auch die KKE (sichere Info) diese Schritt nicht unterstützt. Und vieles mehr! Druck auf die DKP üben Sie jedenfalls nicht!

Erfolgreiche Fraktionsarbeit ist das jeden Fall nicht, wenn es im wesentlichen nur 60 - 80 Leute ausgetreten sind. Im wesentlichen sind das die Leute, die vor etwa 5 Jahre in der DKP/SDAJ kollektiv (Tübingen, Frankfurt, Gießen) eingetreten sind.

Secarts schreibt in einem Antwort auf Smersch was passiert und wo einige Gründe für die Austritte. Eins vergisst er, den man als tatsächlich langjähriger Mitglied der SDAJ (inzwischen über 12/13 Jahre und nicht nur 5 Jahre wie die Tübinger, Gießener und Frankfurter und andere...) beobachten kann und das ist der einziger Erfolg der Entristen: Es gibt immer wieder Leute in der SDAJ, die mehrere Jahre ihres Lebens im Verband stecken. Sie werden nach paar Jahre müde. Sie gehen weg, halten sich irgendwie weiter für Kommunisten. Aber sind zurückgezogen. Die Entristen ist gelungen ein Teil dieser normalen Prozess für sich zu reklamieren und in ihrer Struktur zu retten. Das wird aber nicht von langer Dauer sein.

Die SDAJ wird der Austritt zu spüren bekommen! Aber sagen wir mal so, die SDAJ ist im Gegenteil zur DKP eine instabile Struktur. Es ist eine schwache Organisation, die meisten Leute sind Schüler und Studis. Es gibt wenige stabile Gruppen, Leute ziehen um (dann wird eine neue Gruppe gegründet, wo anders endet eine Gruppe), Leute orientieren sich neu (ins Autonome Spektrum, kriegen Kinder, beginnen zu arbeiten, etc.) und vieles mehr. Das ist der Zustand der SDAJ seit 1990, wenige Ausnahmen gibt es sicherlich! Sicher auch, dass es eine gewisse Stabilisierung der SDAJ gibt, aber es ist der allgemeine Zustand in der SDAJ. Der Wegfall der Tübinger (mit einigen kleinere Gruppen in BaWü) und Gießener ist nicht so schön, aber für die SDAJ hält sich das Ganze noch im Rahmen.

Kurz die SDAJ wird das spüren, aber überleben. Dagegen wird wieweiter den Schicksal anderer linksopportunistische Gruppen erleiden.


• gehe zu Seite: 12