DE
       
 
0
unofficial world wide web avantgarde
www.secarts.org Kalender
2019
MoDiMiDoFrSaSo
1 2 3 
4 5 6 7 8 9Veranstaltung
10 
11 12 13 14 15 16 17 
18 19 20 21 22 23 24 
25 26 27 28 29 30 
Artikel:   versendendruckenkommentieren
Von KKE

9. Wir haben die Erfahrungen der UdSSR studiert, weil sie die Vorhut des sozialistischen Aufbaus verkörperte.Weitere Untersuchungen über den Kurs des Sozialismus in den anderen europäischen Staaten als auch in den asiatischen Ländern (China, Vietnam, DVR Korea) und in Kuba sind notwendig. Der sozialistische Charakter der UdSSR beruht auf Folgendem: Abschaffung kapitalistischer Produktionsverhältnisse; die Existenz des sozialistischen Eigentums, dem (trotz verschiedener Widersprüche) genossenschaftliches Eigentum untergeordnet war; zentrale Planung, Arbeitermacht und beispiellose Errungenschaften, von der die Gesamtheit der arbeitenden Menschen profitierte. Diese können nicht durch die Tatsache negiert werden, dass nach einer gewissen Zeit die Partei ihre revolutionäre Eigenschaften verlor, was zur Folge hatte, dass konterrevolutionäre Kräfte in den 1980er Jahren Partei und Regierung dominieren konnten. Wir charakterisieren die Entwicklungen von 1989-1991 als einen Sieg der Konterrevolution, als Sturz des sozialistischen Aufbau, als gesellschaftlichen Rückschritt. Es ist kein Zufall, dass diese Entwicklungen von der internationalen Reaktion unterstützt wurden, dass der sozialistische Aufbau, vor allem in der Zeit von der Abschaffung der kapitalistischen Verhältnisse und des Aufbaus des Sozialismus bis zum Zweiten Weltkrieg, unter dem ideologischen und politischen Feuer des internationalen Imperialismus stand. Wir lehnen den Begriff “Zusammenbruch” ab, weil er das Ausmaß der konterrevolutionären Aktivität und mit ihr die soziale Basis, auf der sie sich wegen der Schwachstellen und Abweichungen des subjektiven Faktors während des sozialistischen Aufbaus entwickeln und schließlich vorherrschen konnten, unterschätzt.

[file-ebooks#81]Der Sieg der Konterrevolution 1989-1991 verweist nicht auf das Nichtvorhandensein eines minimalen Niveaus der Entwicklung der materiellen Voraussetzungen, die erforderlich sind, um den sozialistischen Aufbau in Russland beginnen zu können. Marx stellte fest, dass die Menschheit sich nicht Probleme stellt, die sie nicht auch lösen kann, denn das Problem entsteht erst dann, wenn sich die materiellen Voraussetzungen für seine Lösung herausgebildet haben. In dem Moment, in dem die Arbeiterklasse, die Hauptproduktivkraft, für die Erfüllung ihrer historischen Mission kämpft, noch mehr mit dem Ausbruch der Revolution, haben sich die Produktivkräfte auf ein Niveau entwickelt, das sie in Konflikt mit den Produktionsverhältnissen, mit der kapitalistischen Produktionsweise bringt. Mit anderen Worten: Es bestanden die materiellen Voraussetzungen für den Sozialismus, auf deren Grundlage sich die revolutionären Bedingungen herausgebildet hatten. Statistiken dieser Zeit belegen, dass in Russland die kapitalistischen Produktionsverhältnisse im monopolistischen Stadium ihrer Entwicklung überwogen. Von dieser materiellen Basis hing die revolutionäre Macht bei der Vergesellschaftung der Hauptproduktionsmittel ab1. Die Arbeiterklasse in Russland, vor allem im industriellen Sektor, gründete die Sowjets als organisatorische Kerne für revolutionäre Aktionen im Kampf um die Eroberung der Staatsmacht unter der Leitung der KP (Bolschewik). Die bolschewistische Partei unter Lenins Führung war theoretisch auf die sozialistische Revolution vorbereitet: Analyse der russischen Gesellschaft, die Theorie des schwachen Gliedes in der imperialistischen Kette, die Bewertung der revolutionären Situation, die Theorie der Diktatur des Proletariats. Es zeigte sich eine bemerkenswerte Fähigkeit, in jeder Entwicklungsphase des Klassenkampfes zu ihrer Strategie die entsprechende Taktik zu finden: Allianzen, Losungen, Manövrieren, usw. Der Sozialismus war jedoch mit zusätzlichen, besonderen Schwierigkeiten konfrontiert, die auf die Tatsache zurückzuführen sind, dass der sozialistische Aufbau in einem Land begann, das charakterisiert war durch ein im Vergleich zu den fortgeschrittenen kapitalistischen Ländern2 niedrigeres Entwicklungsniveau der Produktivkräfte (mittel-schwach, wie Lenin sagte) und durch eine - wegen der umfangreichen Überreste vorkapitalistischer Verhältnisse - im hohen Grade ungleichen Entwicklung. Der sozialistische Aufbau begann nach den enormen Zerstörungen des Ersten Weltkriegs und mitten im Bürgerkrieg. Anschließend war er mit den immensen Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs konfrontiert, während die kapitalistischen Mächte wie die USA niemals Krieg innerhalb ihrer Grenzen hatten. Sie nutzten den Krieg, um die große Wirtschaftskrise der 1930er Jahre zu überwinden. Die gigantische wirtschaftliche und soziale Entwicklung unter diesen Bedingungen belegt die Überlegenheit der kommunistischen Produktionsverhältnisse. Diese Entwicklungen bestätigen nicht die Bewertungen zahlreicher opportunistischer und kleinbürgerlicher Strömungen. Sozialdemokratische Standpunkte in Bezug auf die Unreife der sozialistischen Revolution in Russland haben sich nicht bestätigt.

Trotzkistische Positionen, die behaupten, dass der Sozialismus in der UdSSR unmöglich war, wurden widerlegt. Der Standpunkt, dass die Gesellschaft, die nach der Oktober-Revolution entstand, keinen sozialistischen Charakter hätte oder dass sie nach den ersten Jahren ihrer Existenz schnell degenerierte und deshalb die Unterbrechung der 70- jährigen Geschichte der UdSSR unvermeidlich war, ist subjektiv und kann durch die Fakten nicht bestätigt werden. Wir wenden uns gegen Theorien von Opportunisten verschiedener Strömungen, die behaupten, dass diese Gesellschaften eine “neue Art von Ausbeuterordnung” oder eine Form des “Staatskapitalismus” waren. Außerdem bestätigt die Entwicklung nicht die Gesamttendenz “maoistischer” Haltungen gegenüber dem sozialistischen Aufbau in der UdSSR: die Charakterisierung der UdSSR als sozial-imperialistisch, die Annäherung an die USA ebenso wie die Widersprüche im sozialistischen Aufbau in China (z. B. die Anerkennung der nationalen Bourgeoisie als Verbündeter beim sozialistischen Aufbau, usw.). Unsere eigene kritische Bewertung hält die Verteidigung des Aufbaus des Sozialismus in der UdSSR und anderen Ländern für berechtigt.

10. Beim Studium der Ursachen der Konterrevolution in der UdSSR halten wir die internen Faktoren für vorrangig (ohne dabei den Einfluss von externen Faktoren zu ignorieren), weil der konterrevolutionäre Umsturz nicht durch eine imperialistische militärische Intervention, sondern vielmehr von innen und von oben durch die Politik der KP hervorgerufen wurde. Auf der Grundlage der Theorie des wissenschaftlichen Kommunismus verfassten wir eine Untersuchung entlang folgender Punkte:
  • Wirtschaft, das heißt, die Entwicklungen in den Produktions- und Distributionsverhältnissen im Sozialismus als Grundlage für die Entstehung und die Auflösung gesellschaftlicher Widersprüche und Differenzierungen
  • Handhabung der Diktatur des Proletariats und die Rolle der KP beim sozialistischen Aufbau.
  • Strategie und Entwicklungen in der internationalen kommunistischen Bewegung

11. Der Kurs des Aufbaus einer neuen Gesellschaft in der Sowjetunion wurde durch die Frage bestimmt, inwieweit die bolschewistische KP in der Lage war, ihre revolutionäre, führende Rolle zu erfüllen. In erster Linie ging es darum, die erforderliche revolutionäre Strategie bei jedem Schritt zu entwickeln und zu formulieren; dem Opportunismus entgegen zu treten und eine entschiedene Antwort auf die neu entstehenden Fragen und Herausforderungen bei der Entwicklung des Sozialismus/Kommunismus zu geben. Bis zum Zweiten Weltkrieg wurde die Basis der neuen Gesellschaft geschaffen: Sozialistische Produktion wurde auf der Grundlage der zentralen Planung durchgesetzt und kapitalistische Verhältnisse wurden abgeschafft. Der Klassenkampf zur Abschaffung der Ausbeuter wurde erfolgreich durchgeführt; beeindruckende Ergebnisse wurden in Bezug auf das Wachstum des sozialen Wohlstands erzielt. Nach dem Zweiten Weltkrieg trat der sozialistische Aufbau in eine neue Phase. Die Partei wurde mit neuen Fragen und Herausforderungen in Bezug auf die Entwicklung des Sozialismus/Kommunismus konfrontiert. Der 20. Parteitag der KPdSU (1956) steht für einen Wendepunkt, da auf diesem Parteitag eine Reihe von opportunistischen Positionen auf wirtschaftlichem Gebiet, über die Strategie der kommunistischen Bewegung und über die internationalen Beziehungen angenommen wurden. Der Kampf, der vor dem Parteitag begann, ging weiter und mündete in eine Wende zugunsten revisionistischer opportunistischer Positionen3, mit dem Ergebnis, dass die Partei allmählich ihre revolutionären Eigenschaften zu verlieren begann. In der Dekade der 1980er Jahre, mit der Perestroika, entwickelte sich der Opportunismus voll zu einer verräterischen, konterrevolutionären Kraft. Den konsequenten kommunistischen Kräften, die in der letzten Phase - auf dem 28. Parteitag - auf den Verrat reagierten, gelang es nicht, ihn rechtzeitig aufzudecken und eine revolutionäre Reaktion der Arbeiterklasse zu organisieren.


Anmerkungen:
1 Am Vorabend des Ersten Weltkrieges gab es ein beträchtliches Wachstum und Konzentration der Arbeiterklasse in Russland: Es wurde geschätzt, dass die Gesamtzahl der Beschäftigten 15 Millionen betrug, davon 4 Mio. Arbeiter in der Industrie und Eisenbahn. Darüber hinaus wurde geschätzt, dass 56,6% der Industriearbeiter sich auf große Unternehmen mit mehr als 500 Arbeitern konzentrierte. Russland war 5. in der Welt und 4. in Europa in Bezug auf seinen Anteil an der internationalen industriellen Produktion. Natürlich begann der Anstieg der industriellen Produktion am Ende des ersten Jahrzehnts des 20. Jahrhunderts. Die Zweige der Schwerindustrie erhöhten ihre Produktion um 83% im Zeitraum 1909-1913 (durchschnittlicher Anstieg 13%). Jedoch konzentrierte sich die große kapitalistische Industrie auf sechs Bereiche: Zentral, Nordwesten (Petrograd), Ostsee-, Süd-, Polen, Ural, auf die etwa 79% der Industriearbeiter und 75% der industriellen Produktion entfiel. Die tiefe Ungleichheit, das die Wirtschaft der Russischen Reiches am Vorabend des Ersten Weltkriegs kennzeichnete, ist den statistischen Daten aus jener Zeit - trotz all ihrer Mängel - zu entnehmen. Die Arbeiterklasse machte fast 20% der Gesamtbevölkerung aus (je nach Quelle variierte sie zwischen 17% und 19,5%). Auf kleine Warenproduzenten (Bauern, Handwerker, usw.) entfielen 66,7% und auf die Ausbeuterklassen 16,3%, wovon 12,3% Kulaken waren. Nationale Akademie der Wissenschaften der UdSSR, “Politische ö konomie”, Cypraiou Publikationen, 1960, S.542 und “Die Große sowjetische Enzyklopädie”, Bd. 31, S.183-185.
2 Im Jahr 1913 betrug das BIP pro Kopf in Russland ungefähr 11,5% von dem der USA. Ungefähr zwei Drittel der Bevölkerung waren völlige Analphabeten.
3 Wie man aus der Geschichte der KPdSU ableiten kann, gab es im Juni 1957, ein Jahr nach dem 20. Parteitag, eine harte Auseinandersetzung im Präsidium des ZK. Die Mitglieder des Präsidiums des ZKs, Malenkov, Kaganovitch, Molotow widersetzten sich der Linie des 20. Parteitags in der Innen- wie Außenpolitik: Sie wandten sich gegen den Ausbau der Rechte der Unions-Republiken beim wirtschaftlichen und kulturellen Aufbau, gegen Maßnahmen zur Beschränkung der staatlichen Mechanismen und der Reorganisation der Abteilung für Industrie-und Wiederaufbau, gegen die Maßnahmen zur Erhöhung der materiellen Anreize für die Kolchosbauern, gegen die Abschaffung der obligatorischen Aushändigung von landwirtschaftlichen Erzeugnissen durch die einzelnen Haushalte der Kolchosbauern. Molotow war auch gegen die Abzweigung von Brachland. Alle drei widersetzten sich der internationalen politischen Linie der Partei. Schließlich wurden Malenkov, Kaganovitch, Molotow und Schepilow auf der Plenartagung des ZK im Juni ihrer Funktionen im ZK und innerhalb des Präsidiums des ZK enthoben. Bulganin bekam eine schwere Rüge mit einer Warnung. Weitere Mitglieder wurden bestraft. Perwuchin wurde vom regulären zum Ersatzmitglied des Präsidiums des ZK herabgestuft, Saburow wurde als stellvertretendes Mitglied des Präsidiums entfernt. Im Oktober 1957 wurden das Präsidium und das Sekretariat durch neue Mitglieder erweitert. Geschichte der KPdSU, Verlag Marxistische Blätter, Frankfurt/M. 1971, S. 708-713