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Interview mit dem DKP-Vorsitzenden Patrik K├Âbele aus der UZ. Das Gespr├Ąch f├╝hrte Markus Bernhardt.

Markus Bernhardt: Vom 1. bis zum 3. Juli findet in Dortmund das Pressefest dieser Zeitung statt. Was ist dir pers├Ânlich wichtiger, Politik, oder dass das gemeinsame Feiern nicht zu kurz kommt?

Patrik K├Âbele: Die Frage stellt sich f├╝r mich so nicht. Selbstverst├Ąndlich ist das UZ-Pressefest vor allem ein politisches Fest. Hier stellen sich die UZ und die DKP ├Âffentlich dar. Das Fest ist au├čerdem seit jeher der Treffpunkt f├╝r Linke, Freundinnen und Freunde aus der Friedens- und Antifabewegung, Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter. Das Feiern soll nicht zu kurz kommen, aber wir wollen unseren Besucherinnen und Besuchern auch ein reichhaltiges Angebot an politischen Veranstaltungen und Diskussionsrunden und nat├╝rlich auch an Kunst und Kultur bieten. Der beliebte Arbeiterliederabend mit Achim Bigus geh├Ârt selbstredend zu den Selbstverst├Ąndlichkeiten.

Welche Organisationen habt ihr in diesem Jahr eingeladen?

Beim UZ-Pressefest setzen wir auf Bew├Ąhrtes und Neues. Die verschiedenen Gliederungen und Landesverb├Ąnde unserer Partei werden wie gewohnt eigene Bereiche und Zelte haben und dort auch eigene Veranstaltungen und Zusammentreffen organisieren. Unsere Nordlichter werden selbstverst├Ąndlich wieder mit ihrer Kogge vor Ort sein. Es wird die ┬äCasa Cuba┬ô genauso geben, wie auch das ┬äCaf├Ę K┬ô. Unsere Genossinnen und Genossen aus der SDAJ haben ihren Jugendbereich und wir haben selbstverst├Ąndlich wieder unsere internationalen Schwesterparteien, ihre Jugendorganisationen und unsere B├╝ndnispartner eingeladen, sich an der politischen Gestaltung unseres Festes zu beteiligen, aber auch ihre landestypischen kulinarischen Spezialit├Ąten anzubieten. Unseren internationalen G├Ąsten wollen wir dieses Mal mehr M├Âglichkeiten geben, sich im Programm des Festes darzustellen.
Die in ├╝bergro├čer Mehrheit parteilosen Genossinnen und Genossen, die schon beim letzten Pressefest das ┬äRote Zelt antikapitalistischer Gruppen und Organisationen┬ô durchgef├╝hrt haben, werden auch wieder zu Gast sein. Auch die Linkspartei wird mit einem eigenen Bereich zugegen sein. Und ein Kinderfest wird es auch wieder geben, selbstverst├Ąndlich auch den Buch- und Kulturmarkt, wo linke Verlage ihre Neuver├Âffentlichungen, aber auch antiquarische B├╝cher und Klassiker vorstellen werden. Die Tageszeitung ┬äjunge Welt┬ô und die ┬äMelodie & Rhythmus┬ô (M&R) werden wieder einen gemeinsamen eigenen Bereich haben.

Konstantin Wecker wird in diesem Jahr leider nicht beim Pressefest auftreten ┬ů

was nicht nur ich sehr bedauere, sondern auch Konstantin selbst. Es ist einfach aufgrund bereits lange zugesagter anderer Auftritte f├╝r ihn und seine Musiker nicht m├Âglich, dieses Mal bei uns aufzutreten. Trotzdem haben wir viele hochkar├Ątige und beliebte K├╝nstlerinnen und K├╝nstler zu Gast: Wir konnten die t├╝rkische Kombo ┬äGrup Yorum┬ô und die beinahe legend├Ąre Potsdamer Formation ┬ä44 Leningrad┬ô gewinnen, der es wie keiner anderen Band aus Deutschland gelingt, bolschewistische Folklore mit Ska und Punk zu vereinen.
Am Sonntag geht es dann auf der Hauptb├╝hne ┬äin dieser Liga┬ô weiter: Es wird losgehen mit dem US-amerikanischen ┬äWalkabout Clearwater Chorus┬ô, der 1984 von der Folklegende Pete Seeger gegr├╝ndet wurde. Weiter geht es mit ┬äKlaus der Geiger┬ô, der zusammen mit dem ┬äKunstSalon Orchester┬ô die Hauptb├╝hne ├╝bernimmt ┬ľ gefolgt vom fast traditionellen Highlight auf UZ-Pressefesten: Esther Bejarano & Microphone Mafia ┬ľ gelebte antifaschistische Tradition trifft Hiphop. Die vielen anderen K├╝nstlerinnen und K├╝nstler, die nach Dortmund kommen, werden wir in K├╝rze auf der eigens eingerichteten Internetseite zum Pressefest ver├Âffentlichen: www.uz-pressefest.de. Dort finden sich schon jetzt viele Informationen zum Fest und auch ├╝ber Camping- und Zeltm├Âglichkeiten auf dem Gel├Ąnde.

Ist es eigentlich ein Zufall, dass das Fest erneut im Revierpark Wischlingen in Dortmund stattfindet?

Nein, die Zusammenarbeit mit dem Revierpark ist seit Jahren sehr gut. Das Gel├Ąnde ist sch├Ân und unsere Dortmunder Genossinnen und Genossen freuen sich trotz aller damit entstehenden Anstrengungen, die sich daraus f├╝r sie ergeben, dass wir alle zwei Jahre bei ihnen zu Gast sind.
Aber unser Fest findet nat├╝rlich nicht nur deshalb wieder in Dortmund statt. Der Hauptgrund daf├╝r ist, dass wir mit unserem Fest auch ein politisches Zeichen setzen wollen.

Welches?

Das UZ-Pressefest ist das Fest des Friedens und der Solidarit├Ąt. Hier treffen sich alle, die sich mit den herrschenden Zust├Ąnden nicht abfinden wollen. Mit den imperialistischen Kriegen von USA, NATO, EU und Deutschland nicht, und auch nicht mit der teils offen rassistischen Fl├╝chtlingspolitik dieser Tage. Au├čerdem wollen wir in einer Stadt wie Dortmund, in der neofaschistische Gewalt an der Tagesordnung ist und die als die westdeutsche Nazihochburg gilt, klarstellen, es gibt kein Grundrecht auf Rassismus, Hetze und Gewalt. Wir werden den Nazis nicht die Stra├če ├╝berlassen, egal ob sie in Nadelstreifen daherkommen, oder als Schl├Ągertrupp.
Hinzu kommt au├čerdem, dass das Ruhrgebiet und damit auch Dortmund als die Armutsregion in der Bundesrepublik gilt. Vor allem Kinder, Frauen, Erwerbslose, Betagte, aber auch Migrantinnen und Migranten leiden hier unter zunehmendem Druck und ihrer stetig fortschreitenden sozialen Deklassierung durch die herrschende Politik. Hier wollen wir ansetzen und klar machen: Es geht auch anders. Wir stehen an eurer Seite, wir k├Ąmpfen f├╝r euer Grundrecht auf Arbeit, f├╝r gerechte L├Âhne und Renten, f├╝r eine gerechte Gesundheitsversorgung, f├╝r gerechte Bildung, eben f├╝r eure Grundrechte.
Man muss sich die skandal├Âsen Zust├Ąnde im Ruhrgebiet mal vor Augen halten: Die Armutsquote hat nunmehr die 20-Prozent-Marke erreicht. Jeder f├╝nfte Mensch im Ruhrpott gilt inzwischen als arm. In St├Ądten wie beispielsweise in Duisburg ist sogar jeder Vierte betroffen. In Gelsenkirchen leben rund 40 Prozent der Kinder von Hartz IV. ├ťber drei Millionen Menschen sind in ganz Nordrhein-Westfalen von Armut betroffen. Und was tut die Landesregierung von SPD und B├╝ndnis 90/Die Gr├╝nen, um gegenzusteuern? Nichts!

Welche sonstigen Themen stehen fernab der sozialen Frage dieses Mal im Mittelpunkt des Pressefestes?

Im Mittelpunkt wird der Kampf um Frieden und Solidarit├Ąt stehen. Die Themen werden aber so vielf├Ąltig sein, dass ich sie hier gar nicht aufzuz├Ąhlen vermag. Sie reichen von Arbeiterjugendpolitik, Internationaler Solidarit├Ąt, Diskussionsrunden ├╝ber die aktuelle Lage in Syrien und der Ukraine, dem europaweiten Erstarken rassistischer, rechtspopulistischer und offen faschistischer Kr├Ąfte bis zum Umgang mit Flucht und Migration.

Der aktuelle Zustand der politischen Linken in der Bundesrepublik ist vor dem Hintergrund der bevorstehenden Aufgaben nur als desastr├Âs zu bezeichnen. Wie schafft es eine kleine Partei wie die DKP vor diesem Hintergrund, so ein gro├čes Fest zu organisieren?

Das schaffen wir nur aufgrund unserer engagierten Genossinnen und Genossen, von denen sich viele Urlaub nehmen, um beim Auf- und Abbau des Festes zu helfen. Die vielen Zelte, die B├╝hnen m├╝ssen ja auch aufgebaut werden. Wasser- und Stromleitungen m├╝ssen gelegt werden, die Sicherheit gew├Ąhrleistet werden. Ohne die vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer aus SDAJ und DKP, aber auch aus den Reihen befreundeter Organisationen w├Ąre all das nicht zu leisten. Daher ist es mir auch besonders wichtig, mich schon jetzt f├╝r das gro├čartige Engagement aller Helfer und auch die Spendenbereitschaft unserer Genossinnen und Genossen zu bedanken. Selbstverst├Ąndlich auch bei den Mitarbeitenden aus der UZ-Redaktion und dem Verlag sowie befreundeter Institutionen. All das zeigt, unsere Partei will dieses Fest und unsere Zeit braucht dieses Fest!

Trotzdem ist es noch etwas hin bis zum Pressefest. Was steht vorher noch an?

Einiges. Die SDAJ f├╝hrt Mitte dieses Monats ihren Bundeskongress durch. Gemeinsam mit dem Jugendverband werden wir an den bevorstehenden Osterm├Ąrschen der Friedensbewegung teilnehmen. Unseren Feiertag, den Arbeiterkampftag am 1. Mai, werden unsere Gliederungen ebenso nutzen, um f├╝r unsere Positionen und zugleich unser Fest zu werben und den Ausbeutern und Kriegstreibern klare Kante zu zeigen. Und nicht zu vergessen, wir wollen noch diesen Monat ein Sofortforderungsprogramm ver├Âffentlichen, mit dem wir zeigen ┬äGeld ist genug da ┬ľ lasst uns gemeinsam daf├╝r k├Ąmpfen, dass es den Menschen zugute kommt."


Interview mit dem DKP-Vorsitzenden Patrik K├Âbele. Das Gespr├Ąch f├╝hrte Markus Bernhardt (UZ-Ausgabe vom 11. M├Ąrz 2016)

 
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