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Karsten Wendorff ist Leiter der Abteilung Öffentliche Finanzen der - angeblich so unabhängigen - Deutschen Bundesbank, die gleichzeitig größte Eigentümerin der Europäischen Zentralbank ist. In einem Gastbeitrag für die Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 27.10.2018 schlägt er, in seiner Funktion, den faulen Italienern mit ihrer unverantwortlichen Staatsverschuldung vor, wie sie ihre Schuldenkrise regeln sollten:

Alle italienischen Bürger mit einem Vermögen ab 50.000 Euro sollen verpflichtet werden, jeweils 20 Prozent dieses Vermögens zwangsweise dem Staat zu leihen. Diese Zwangsanleihen sollen normal verzinst werden. Wer gerade nichts flüssig hat, soll bei der Bank seinerseits Kredit aufnehmen, um es dann weiterzureichen. So komme Italien aus der Schuldenkrise und die Europäische Zentralbank, bzw. die anderen Euro-Staaten, nähmen kein weiteres Risiko auf sich. Und: "Italienische Wähler wären von einem Zahlungsausfall direkt betroffen und hätten ein stärkeres Eigeninteresse an soliden Staatsfinanzen und einer entsprechenden Politik." So viel zur Neutralität und Unabhängigkeit der Deutschen Bundesbank bei Wahlen in anderen Ländern.

Natürlich gibt es sicher einige, die jubilieren: Endlich sollen mal diese Reichen zahlen, am besten mit einer unverzinslichen Zwangsanleihe. Die Bundesbank empfiehlt fast schon Vermögenssteuer - es geht voran!

Ein grober Irrtum: Erstens empfiehlt man für andere Länder, was im eigenen Lande nie gewollt ist. Genauso, wie eben alle möglichen „bedenkliche Rechtsentwicklungen“ rund herum in ganz Europa „mit größter Sorge“ beobachtet werden, nur nicht im eigenen Land, wo es derlei bekanntlich nicht gibt, niemals gab und nimmer geben wird. Zweitens: Dies ist ein klarer Versuch, in die ureigenen staatlichen Angelegenheiten eines Konkurrenten einzugreifen. Die italienische Bourgeoisie, durch eine Wirtschaftskrise geschwächt und politisch in einer Umbruchphase, deren Ergebnisse noch lange nicht feststehen, soll in diesem Moment der Schwäche zahlen und weiter geschwächt werden - anschließend kann man sich vielleicht ein bisschen Interessantes aus der Konkursmasse einverleiben.
Vor allem aber lenkt es elegant ab von der vielfach (auch von gewichtigen Institutionen) festgestellten Übermacht des deutschen Imperialismus in Europa durch den extremen Handelsüberschuss und der Schwächung und Zerstörung anderer Ökonomien durch diesen.



Kritik an der italienischen Innenpolitik, die ein direkter Spiegel dieser politökonomischen Verwerfungen ist, darf nicht übersehen, dass die Entwicklung in Italien, wie in der gesamten EU, maßgeblich vom deutschen Willen abhängt. Jeder Rechtsruck dort ist auch Resultat Berliner Entscheidungen – deren Auswirkungen dann herhalten müssen, um erneute Eingriffe in die nationale Souveränität der EU-Mitgliedsstaaten einzufordern.

Äußerungen zweitrangiger oder subalterner Beamter oder Manager wie Karsten Wendorff sind nichts weiter als das Herzeigen des Knüppels. In der Regel reicht das, und die europäischen Partner parieren, lange bevor ein deutscher Kanzler sich zur Sache äußern muss.

 
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  Kommentar zum Artikel von bamboolea:
Samstag, 03.11.2018 - 16:24

Ebend so sieht es doch aus: "Kritik an der italienischen Innenpolitik, die ein direkter Spiegel dieser politökonomischen Verwerfungen ist, darf nicht übersehen, dass die Entwicklung in Italien, wie in der gesamten EU, maßgeblich vom deutschen Willen abhängt. Jeder Rechtsruck dort ist auch Resultat Berliner Entscheidungen..."

Hier die AFD und die CSU nicht ernsthaaft aufhalten können aber im Ausland alles bessser wissen, daß ist deutscher "Antifaschismus"..