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    Vor 25 Jahren: Pogrom von Rostock-Lichtenhagen
      begonnen von FPeregrin am 11.08.2017
    NEUES THEMA11.08.2017, 15:17 Uhr
    Communarde
    FPeregrin
    In der UZ von heute: Die gewollte Eskalation, womit an das Pogrom von Rostock-Lichtenhagen 1992 erinnert wird sowie an die u.a. damit gestrickte Einschränkung des Asylrechts durch CDU, CSU, FDP und SPD im Dezember desselben Jahres. Die Zielgerichtetheit des Handels der herrschenden Klasse ist damals ebenfalls durchaus wahrgenommen worden. Daher halte ich folgenden Passus zumindest für zu schwach formuliert: "Im August 1992 waren bis zu 300 Personen, vorwiegend Roma aus Rumänien, gezwungen, auf der Rasenfläche vor der Wohnanlage zu campieren, da die Aufnahmekapazität der ZAst überschritten war und es den Verantwortlichen über Wochen hinweg nicht gelang, geeignete Unterbringungsmöglichkeiten zu organisieren. Dies sorgte für eine aggresive Stimmung gegenüber den Asylsuchenden, die bewusst in Kauf genommen wurde."

    Es sollte gar nicht "gelingen", geeignete Unterbringungsmöglichkeiten zu organisieren; die aggressive Stimmung wurde nicht in Kauf genommen, sondern gezielt provoziert, um a) natürlich das Asylrecht abbauen zu können, aber auch um b) die Ossis als rassistisch stigmatieren zu können: Die Pogrome von Rostock und Hoyerswerda erfreuten sich ziemlicher medialer Aufmerksam, das von Mannheim wurde vollständig unter den Tisch gekehrt, was mir als Nachweis reicht und mir als Zeitzeugen auch damals gereicht hat.

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    NEUER BEITRAG12.08.2017, 13:29 Uhr
    Vor 25 Jahren: Pogrom von Rostock-Lichtenhagen

    Communarde
    mischa
    Der SDAJ-Artikel beachtet zwei Aspekte zu wenig bzw garnicht:

    a) daß die Situation vor Ort bewußt hergestellt wurde - vor, während und nach dem Pogromhöhepunkt.
    b) das völlige Versagen der abertausenden ehemaligen SED-Mitglieder, die im Einzugsbereich des Pogroms lebten.

    Nun kann man das vielleicht auch nicht von jungen Genossinnen und Genossen erwarten. Also lieber dieser Artikel als garkein Artikel.

    NEUER BEITRAG13.08.2017, 15:19 Uhr
    Vor 25 Jahren: Pogrom von Rostock-Lichtenhagen

    EDIT: FPeregrin
    14.08.2017, 15:11 Uhr
    Communarde
    FPeregrin
    Punkt a) ist der springende Punkt (ich hatte das ja such schon): Es war ein bewußt - auch medial - inszeniertes Pogrom! Wenn man in einem Viertel wie Lichtenhagen Migranten zwingt, auf den Rasenflächen zu hausen und in die Hauseingänge scheißen zu müssen, ist berechenbar, was passiert. Wenn man dann Kameras draufhält, auch der Rest.

    Und das Kalkül ist seinerzeit fast restlos aufgegangen: Man konnte einerseits das Asylrecht bis zur Unkenntlichkeit einschränken. Anderseits dürfen wir die desorientierende Wirkung auf die politische Linke nicht unterschätzen. Wurde der Inszenierungscharakter in der Regel nicht erkannt - man kannte ja eher das Muster des Totschweigens rechter Gewalt -, war für die West-Linke der Weg in einen - letztlich in das antideutsche Irresein einmündenden - "Nur-Antifaschismus" geöffnet, der Klassenkämpfe im Allgemeinen und die im Zusammenhang mit der Abwicklung des Ostens im Besonderen zum Nicht-Thema werden ließ. Das von Mischa richtig konstatierte Total-Versagen der ehem. SED-Mitglieder in Lichtenhagen und umzu kann mit dem generellen Problem der zu großen ML-Massenpartei zu tun haben, aber auch mit einem dem west-linken Reflex komplementären Ost-Reflex zu tun haben: "Die Wessis wollen uns hier nur wieder was unterschieben!" Ich kann aber letzteres nicht einschätzen. Daß aber das Pogrom von Lichtenhagen maßgeblich zur Desorientierung und Spaltung der Linken und ihres objektiven Potentials beigetragen hat, läßt sich wohl kaum bestreiten. Es dürfte ebenfalls zu Kalkül gehört haben.

    Wozu der Zarismus noch Haufen von Schwarzhundertern brauchte, genügten dem deutschen Imperialismus einige Kamerateams.

    P.S.: Dies hat Auswirkung auf die politische Alltagskultur bis heute: Die so traditionelle wie objektiv überflüssige Fan-Feindschaft zwischen FC St. Pauli und F.C. Hansa Rostock geht z.B. nicht zuletzt auf die erfolgreiche Inszenierung des Pogroms von Lichtenhagen zurück.

    NEUER BEITRAG14.08.2017, 21:24 Uhr
    Vor 25 Jahren: Pogrom von Rostock-Lichtenhagen

    Communarde
    mischa
    "Die Wessis wollen uns hier nur wieder was unterschieben!"

    Mir ist nicht ganz klar, warum man als "Ossi" in Rostock-Lichtenhagen VertragsarbeiterInnen aus dem sozialistischen Vietnam, die seit 1977 dort wohnten, anzünden möchte, weil man was gegen "Wessis" hat. War aber vielleicht auch nur ein Versehen, weil man eigentlich (in guter deutscher Tradition) die Roma töten wollte.

    Ob die EX-SEDler klammheimlich mit dem Mob sympathisierten oder nur zu feige waren, sich ihm in dem Weg zu stellen oder auf den Befehl von oben wartetet oder den Charakter des neuen deutschen Staatsapparates abwartenderweise tagelang verkannten - das weiss ich nicht. Ich weiß, daß die DDR das Beste war, was die Arbeiterbewegung in Deutschland (jaja, mit sowjetischer Unterstützung) hervorgebracht hat.

    1989 wurde diese Klasse gewogen - und für zu leicht befunden, als daß sie hätte herrschen können. 1992 gabs dann noch mit Lichtenhagen den Bankrott in der Opposition. Grausam!
    NEUER BEITRAG15.08.2017, 12:10 Uhr
    Vor 25 Jahren: Pogrom von Rostock-Lichtenhagen

    Communarde
    smersch
    Ich würde ja tatsächlich eher dafür plädieren, das peu à peu zu analysieren, statt es gleich wieder unter großen Schlagwörtern zu einer einzigen Verschwärungstheorie zusammen zu schustern.

    Warum hat den der deutsche Imperialismus ausgerechnent beschlossen in Rostock eine Auschreitung zu provozieren?

    Ist es nicht eher so, dass die Demagogen auf jeden Zug aufspringen, der sich bietet? Sie also gar nichts kreieren müssen um es für ihre Zwecke zu nutzen?

    War G20 ein einziger Plot um die Rote Flora zu schließen?

    Die Hetzte gegen die "Asylantenflut" lief ja in der BRD schon die ganzen 80er durch. Und da Neonazis versucht haben sich auf dem Territorium auszubreiten wurde ja noch vor dem Ende der DDR gromäulig verbreite, insbesondere von den Republikanern. Und Westnazis waren dort federführend dabei.

    Dass sich die Medien auf so ein Großereignis stürzen ist wohl kaum verwunderlich und keine Beweis für einen Stamokapplan, in dem sie als simple Propagandamaschinen dor auflaufen. Mehrtägige Ausschreitungen lässt sich doch keine Medium entgehen.

    Zur Polizei:

    "Trotz der angekündigten Krawalle und der aufgeheizten Stimmung rund um die ZAst fuhr fast das gesamte politisch und polizeilich leitende Personal, das nach der Wende nahezu vollständig mit westdeutschen Beamten aus den Partnerländern Schleswig-Holstein, Hamburg und Bremen besetzt worden war, wie üblich am Freitag zu ihren Familien nach Westdeutschland. So waren am Wochenende der Ausschreitungen der Staatssekretär im Innenministerium, Klaus Baltzer, der Abteilungsleiter Öffentliche Sicherheit, Olaf von Brevern, der Abteilungsleiter für Ausländerfragen im Innenministerium und zum damaligen Zeitpunkt zugleich Ausländerbeauftragter der Landesregierung, Winfried Rusch, der Leiter des Landespolizeiamtes, Hans-Heinrich Heinsen, der Chef der Polizeidirektion Rostock, Siegfried Kordus, sowie der Einsatzleiter Jürgen Deckert nicht in Schwerin bzw. Rostock zugegen.[38] Deckert hatte die Führung an den noch in der Ausbildung befindlichen Siegfried Trottnow übergeben.[39]"

    Da hat wohl insbesondere der Wesdeutsche Chauvinismus viel mit zu tun, aber anders als oben skizziert.

    Wenn man noch bedenkt, dass die restlichen VoPos ja nun
    1. unter völlig neuen Gesetzen und Rahmenbedingungen arbeiten müssen
    2. Die allgemein Parole war, alles was ihr vorher gemacht habe war schlecht und falsch
    3. Sie keine Erfahrung mit gewältätigen Ausschreitungen hatten
    4. Ja keine drei Jahre vorher, die Zusammenrottung auf der Straße unter der Skandierung von deutschnationaler Parolen, von Seite des deutschen Imperialismus als urdemokratische Manifestation des Volkswillens abgefeiert wurde

    finde ich es nicht so verwunderlich, dass sich die verbliebenen VoPos dachten, bevor wir da mit Gewalt räumen warten wir mal lieber ab, dass so eine Wessiimport uns versichert, dass wir nachher nicht als brutale DDR-Schergen dastehen und dann auch noch diese Jobs verlieren.

    Das wie gesagt nicht als Entschuldigung, sondern als Versuch sich möglichst naiv dem Phänomen zu näheren.

    Zu SED:

    Naja, die war ja ein Trümmerhaufen, welcher sich u.a. durch grandioe Verantwortungsdiffuion und Ziellosigkeit auszeichnete.

    Desweiteren ist es natürlich ein riesen Unterschied Kommunist inner- und außerhalb des Sozialismus zu sein. Dass sich Kommunist sein im autonomen agieren gegen Staat und Gesetz manifestieren kann, musste wohl erst noch gelernt werden.

    Zuḿal sie in Rostock und MeckPomm noch relativ stark waren, also möglicherweise länger dem lange geübten Wirken in den Institutionen anhingen, als anders wo.

    Und wieviele ex-SEDler hatten denn schon eine zielgerichtete Position im Wirken des neuen Gesamtdeutschland entwickelt - und versuchten nicht, sich noch illusionsbedingt konstruktiv einzubringen, Pfründe zu retten oder überhaupt mal das neue System in der Praxis zu verstehen?

    Wer hatte vielleicht gerade erst für sich entdeckt, dass man mehr auf die "Stimme der Straße" hören sollte und versuchte das dort anzuwenden, statt festzustellen, dass auch "die Straße" keinesfalls frei von reaktionärer Manifestation und Einflussnahem ist - die just in jenen Zeiten dafür gescholtene SED vielleicht doch manchmal ein bisschen Recht hatte, wenn sie z.B. über den 17. Juni 1953 sprach?

    Mit einer Führung wie Gysi hätte ich damals null Pfennig auf diese Organisation gewettet - die ja noch tief in der Selbsfindung war, nachdem Gysi und Co. den Laden erstmal auf den Kopf gestellt hatten. Sinnvolles agieren hätte es wohl nur unabhänig der PDS gegeben.

    Aber das können Leute die schon/noch damals in der Partei waren sicherlich besser beurteilen.

    Ich glaube nur, dass gerade eine Wessi-Perspektive unterschlägt, wie diffus und wenig geerdet damals noch alles war. Gerade als Kommunist. Und erst Recht als einer, der von der Karriereleiter-SED nun zu einer Straßenkampf-PDS transferiert wurde.
    NEUER BEITRAG15.08.2017, 15:52 Uhr
    Vor 25 Jahren: Pogrom von Rostock-Lichtenhagen

    Communarde
    FPeregrin
    Nur kurz:
    "War G20 ein einziger Plot um die Rote Flora zu schließen?" - Unbenommen, daß uns mal ein Bürgerkriegsszenario vorgeführt werden sollte - Die einfache Abwägung von Aufwand und Nutzen dieses Plots sagt: "Nein!"

    Damit wären wir hier:
    "ausgerechnent [...] in Rostock" Das ist eine Frage, die nach einem mechanischen Determinismus à la Laplace riecht. Ein konkreter Ort wird es am Ende gewesen sein. Und zwar einer, an dem es einfach ist - wenig Aufwand, große Wirkung. Lichtenhagen war also im mindesten ein möglicher Ort. Wildcat 60 hat seinerzeit auf die Verbindung mit der Abwicklung relativ gut bezahlter Arbeitsplätze hingewiesen: Hoyerwarda - Braunkohle, Rostock - Werften. Dann wäre Rostock also sogar sehr gezielt ausgewählt worden.
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    "Mehrtägige Ausschreitungen lässt sich doch keine Medium entgehen." War aber in Mannheim der Fall! Ausführliche Analyse der Vorgänge auch seinerzeit in Wildcat 60 - steht leider nicht im Netz.

    Nicht nur Wildcat 60 zeigt, daß die Inszeniertheit seinerzeit durchaus wahrnehmbar war: Für die antifschistische Demo im Nachfeld war satt Lichtenhagen auch Schwerin in der Diskussion - und das war fatalerweise nicht durchsetzbar, was ich dem diffus-kleinbürgerlichen Charakter der Autonomen-Bewegung zuschreiben möchte. Nimms als Zeitzeugen-Urteil!
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