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der Anthroposophie-Konzern
  begonnen von secarts am 30.04.2005
GAST
30.04.2005, 22:46 Uhr
Communarde
secarts
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Diskussion zum Artikel:
der Anthroposophie-Konzern
esoterische Elitezüchtung, Rassentheorien und Karma - was wollen die Anthroposophen?

von secarts (30.04.2005)
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In der Kategorie „neue Götter“ soll es nicht um Götter gehen. Beschäftigen möchte ich mich mit einer gesamtgesellschaftlichen Entwicklung; einem Paradigmenwechsel hin zu irrationalen Welterklärungsmustern. Wir erleben in unserem Land und unserer Gesellschaft tief greifende ökonomische und soziale Verschiebungen; dies schlägt sich zwangsläufig nieder auf die jeweils favorisierten Weltanschauungssysteme, die tatsächlich oftmals mehr umnebeln als er... [ - mehr lesen?]
03.05.2005, 12:13 Uhr
Re: der Anthroposophie-Konzern

Communarde
Stephan
Nicht zu vergessen ist der Aspekt, daß sich unter der Tünche des Anthroposophentums den Dummen prima das Geld aus der Tasche ziehen läßt, Spitzenreiter ist das levitierte Wasser, welches über irgendwelche Kristalle geleitet wurde und daher besondere Heilkraft erfuhr, und natürlich der große Zweig der alternativen Medizin, von Homöopathie über BAchblüten bis zu gefährlichen Scharlatanen, deren Heilsversprechungen die Leute wirklich ins Unglück laufen lassen. Nicht alles fußt auf der Lehre Rudolf Steiners, der Ansatz, Dingen irgendwelche Eigenschaften zuzuschreiben, die sich mit wissenschaftlichen oder analytischen Methoden nicht nachweisen lassen, kommt aus dieser Bewegung.
21.02.2006, 01:53 Uhr
Re: der Anthroposophie-Konzern

Communarde
secarts
Am "levitierten Wasser" und den "Bachblüten" sind die Anthros ausnahmsweise mal nicht schuld...
Aber die Methode ist die Gleiche, da hast du Recht. Ob "verdichtete Clusterstruktur", Aussaat bei Vollmond oder "similia similibus..."; Pseudo-Wissenschaftlichkeit und Irrationalität ist ein Bomben-Geschäft.
27.10.2008, 15:13 Uhr
Re: der Anthroposophie-Konzern

Communarde
Helge
GAST
Interessiert wahrscheinlich keinen mehr, meine Meinung, aber stoße zufällig auf den drei Jahre alten Artikel. Ich zitiere:

"Allen esoterischen Religionsströmungen gemein sind allerdings folgende Grunddeterminanten:

* karmisch erklärte Unausweichlichkeit des Schicksals als zu meisternde Prüfung,

* Negierung von Verstand, Vernunft und wissenschaftlicher Erkenntnisfähigkeit,

* Ablehnung historisch-gesellschaftlicher Vorwärtsentwicklung und

* Verneinung der menschlichen Individualität zugunsten von Reinkarnation oder völkischer Vorherbestimmung."

Mag ja sein, aber für die Anthroposophie gilt genau das alles nicht - und kann nur auf Missverständnis beruhen. Besonders der letzte Punkt ist vollkommen falsch - denn die A. ist genau die einzige Philosophie, Weltanschauung oder wie man es nennen will, die (heute) das ICH (Persönlichkeit, Individualität) wirklich ernst nimmt. Die Freiheit der Persönlichkeit, die Freiheit des Geisteslebens sind die höchsten Werte! Insofern stimmt es auch überhaupt nicht, dass Verstand, Vernunft, wissenschaftliche Erkenntnisfähigkeit "negiert" werden. Dass es eine historisch-gesellschaftliche Vowärtsentwicklung gebe (sog. Fortschritt), bezweifeln auch viele wissenschaftliche Ansätze - ein Charakteristikum der A. ist das ja nun wirklich nicht.
Gewiss kann man vieles daran, wie Anthroposophie praktiziert wird, kritisieren (ich erwähne die Anthropozentrik und die Gefahr des Personenkults), aber der Autor trifft den Kern hier nicht.
27.05.2010, 15:50 Uhr
Re: der Anthroposophie-Konzern

Communarde
secarts
Da scheint es durchaus einige Widersprüche bezüglich des Begriffes "Individualität" zu geben:

Mag sein, dass es dem anthroposophischen Lehrer an der Waldorfschule, der am ersten Schultag die ihm noch völlig unbekannten Kinder nach Gesichtszügen (!) in "Charaktertypen" einteilt und unter Missachtung bestehender Freundschaften etc. solchermaßen in der Klasse in "Sanguiniker" oder "Melancholiker" gruppiert, als Ausdruck höchster "Individualität" vorkommt, was er da treibt...

...mag genauso sein, dass dem Kind in der Waldorfschule in einigen Jahren beigebracht sein wird, dass dies alles nur Ausdruck der hohen Achtung seiner Persönlichkeit wäre.

Definitiv aber ist es so, dass sich Charakterzüge nicht im Gesicht, an den Ohren oder dem Irisvorhof ablesen lassen. Wer solchermaßen Menschen einteilt, hat weder von bürgerlich-demokratischer Aufklärung, noch vom Wirken sämtlicher progressiver Pädagogen der letzten 150 Jahre irgendetwas mitbekommen und mitgenommen.

Einzelfälle? Nicht repräsentativ? Steiners pädagogische Leitsätze von 1919 sind heute, zumindest an den linientreuen Waldorfschulen, immer noch up to date. Scheun wir mal rein, was Steiner so unter Charakterbildung und individueller Erziehung verstanden hat:

"Räumliches Element des Geographie-Unterrichts bringt Astralleib zur Verdichtung gegen den Boden, erzeugt soziales Empfinden. Zeitliches in Geschichte regt Innerlichkeit an, erzeugt, zu stark geworden, falschen Patriotismus, Eigensinn, Launenhaftigkeit."
zitiert aus dem Verzeichnis der Äusserungen Rudolf Steiners über den Geschichtsunterricht. Aus seinen pädagogischen Schriften und Vorträgen zusammengestellt von Erich Gabert. Als Manuskript vervielfältigt durch die Pädagogische Forschungsstelle beim Bund der Freien Waldorfschulen, Stuttgart 1955, S.20

"Instinktives Hellsehen der Urzeit erzeugt bildliche, mythische, aber ins Seelische eindringende Erkenntnis der Geschichte."
ebenda, S.15

"Freiwerden des Astralleibes befreit Kräfte für Erfassen von Rätseln der Geschichte, die ungenützt zu Machtkitzel und Erotik werden."
ebenda, S.20

"Kausalitätsgedanken vor dem 12. Jahr erzeugen seelische, in höherem Alter auch physische Sklerose"
ebenda, S.22

"Rücksichtnahme auf Ursache und Wirkung strengt den Verstand an."
ebenda, S.2

"Objektive Zusammenhänge vor dem 12.Jahr verderben Beweglichkeit des Seelenlebens."
ebenda, S. 31

"Im Lehrer muss prophetisch wirkende Verbundenheit mit der kommenden Menschheitsentwicklung leben. Ohne Scheu vom atlantischen Land sprechen."
ebenda, S. 40

"An der Leberfunktion Nuance der Behandlung der späteren ägyptische Geschichte lernen."
ebenda, S. 57

"Nach dem 10.Jahr verlangt die kindliche Wesenheit nach Geschichten aus dem Evangelium."
ebenda, S. 83

"Nachdem die Seele durch Geschichtsunterricht gefügig gemacht worden ist, Unterschiede der Volkscharaktere besprechen."
ebenda, S. 142
07.03.2012, 00:02 Uhr
Re: der Anthroposophie-Konzern

Communarde
junkbuck
GAST
ich möchte euch ja nicht enttäuschen, aber anthroposophische und teilweise auch homöopathische Medizin sind in der Regel große Verlustgeschäfte für die entsprechenden Firmen, und diesen geht man eigentlich nur noch nach, weil die Eigentümer der Firmen der entsprechenden Mentalität anhängen.
Von "Wasser über Kristalle laufen lassen und teuer verkaufen" kann keine Rede sein. Und selbst wenn das so gemacht wird, handelt es sich nach deutschem Recht um Arzneimittel, die wie alle anderen auch einem aufwendigen und teuren Zulassungsverfahren unterliegen.
Ist ja nicht so, dass die anthroposophisch interessierte Oma von nebenan Wasser ausm Fluss holt und als Heilwasser aufm Wochenmarkt verkauft.

Über Steiner und Waldorfschulen kann man sich streiten. Zur NS Vergangenheit braucht man nicht viel sagen. Allen Firmen und Institutionen die damals schon in irgendeiner Form existiert haben kann man mehr oder wenig weitgehende Kollaboration vorwerfen und es gibt auch kaum eine, bei der man das nicht schon versucht hätte.

Der Text den ich hier kommentiere versucht zunächst extreme Haltungen zu beschreiben, die dann kurz nachher wieder runtergespielt werden, um den Eindruck einer ausgewogenen Näherung des Themas zu erwecken, in der Hoffnung dass die extremen Aussagen beim Leser hängenbleiben.
Faschismus und Rassentheorien waren zur NS Zeit weit verbreitet und einfach "in". Was macht es für einen Sinn Steiner als schizophren, also krank, zu bezeichnen und seine Theorien zu kritisieren (zurecht!) aber gleichzeitig gab es zig Millionen gesunde deutsche Bürger und Soldaten, die genauso darauf reingefallen sind.

Fazit: Unzulässige Fokusierung auf Einzelpersonen, -institutionen, -gruppen und -meinungen, mit dem Ziel Verbindungen herzustellen, die vorliegen mögen, aber im Endeffekt und angesichts anderer Probleme völlig irrelevant sind.
08.03.2012, 13:02 Uhr
Re: der Anthroposophie-Konzern

EDIT: secarts
08.03.2012, 13:20 Uhr
Communarde
secarts
@junkbuck:

- Warum es ein Verlustgeschäft sein soll, chemisch reines Wasser (oder eben Alkohol) in 30ml-Ampullen, die - all in all - in Erwerb und Herstellung ein paar Cent gekostet haben mögen, in der Apotheke für 25 Euro über den Tisch gehen zu lassen, musst Du mir doch etwas genauer erklären. Das mögen Schrullen von Apothekern oder Fabrikanten sein. Verschenken werden sie ihren Klimbim deshalb noch lange nicht.

- Bei den Zulassungsverfahren irrst Du. Homöopathische/Antroposophische Präparate sind eben gerade keine dem deutschen Arzneirecht unterliegende Medikamente! Ich zitiere der Einfachheit halber kurz aus Wikipedia Link ...jetzt anmelden!
"Homöopathische Arzneimittelprüfungen entsprechen nicht Medikamentenstudien gemäß dem Arzneimittelgesetz (AMG). Bei homöopathischen Arzneimittelprüfungen wird keine erwartete Wirksamkeit überprüft, sondern es wird durch Selbstbeobachtung der Prüfer erhoben, ob und welche Symptome durch ein homöopathisches Mittel hervorgerufen werden. (...) Die europäische Gesetzgebung sieht seit der Richtlinie 2001/83 ein eigenes Zulassungsverfahren für homöopathische Arzneimittel vor, bei dem wissenschaftliche Tests nicht erforderlich sind."
Angesichts der vielen eigentlich hoch giftigen Stoffe, die in der Homöopathie zur Anwendung kommen (Quecksilber zum Beispiel), muss man andererseits auch wieder froh sein, dass diese Stoffe weit unter die chemische Meßbarkeitsgrenze verdünnt und somit unwirksam gemacht wurden.


"Fazit: Unzulässige Fokusierung auf Einzelpersonen, -institutionen, -gruppen und -meinungen, mit dem Ziel Verbindungen herzustellen, die vorliegen mögen, aber im Endeffekt und angesichts anderer Probleme völlig irrelevant sind."
Wenn es sonst auf unserer Webseite nichts gäbe, das sich mit Verstrickungen von Unternehmen und Ideologen und dem deutschen Faschismus beschäftigt, würde ich Dir Recht geben - natürlich ist Steiner nur ein Beispiel von vielen, kein Faschist im eigentliche Sinne und "auch nicht schlimmer" als manche anderen gewesen (Es gibt Argumente, die sind keine. Die Tatsache, dass Millionen Andere ihre jeweils individuellen Wege gefunden haben, sich den Nazis zu fügen, erklärt oder rechtfertigt gar nix - wenn man das Kapitel nicht als unerklärliche Kollektivpsychose abtun und damit begraben will...)

Bis heute existiert eine finanzkräftige internationale Organisation, die in Steiners Sinne wirkt und durchaus gesellschaftlich relevant ist - sie hat Zugriff auf hunderte Kindergärten, Schulen, Arztpraxen, ... und sie rekrutiert sich aus sich selbst heraus, bildet parallele Strukturen. Das ist - zumindest mir - Grund genug, sie im Auge zu behalten.
30.07.2016, 05:28 Uhr
Re: der Anthroposophie-Konzern

Communarde
S.W.
GAST
Mein "Gott", so alt, der Artikel, die Kommentare usw.;
betrifft Analyse der Waldorf-Orgs in Kritik:

Mich schaudert weniger bei dem Gedanken, dass das Pflanzen bei Vollmond, oder biologische Vorteilhaftigkeit aufgrund von Aussentemperatur usw., beim Gärtnern nicht doch auch einiges an erprobter Wahrheit besitzt, als bei der Überprüfung anderer Verschrobenheiten in geistiger Etikettierung.
Mag sein, dass es mich doch erstaunt, dass eben Hirngespinste der Nazis, die im Holocaust endeten und der "Erprobung" von "angewandter Medizin" in Vernichtungslagern dienten, mit der Anwendung derselben Taktik der Drohung durch Psychiater hier dem Waldorf-Kritiker dient. Mich jedoch schert ein felsenfester Nazi der Medizin, insbesondere wenn er aus der Pseudo-Wissenschaft der Psychiatrie kommt, nicht sehr als Quelle der Beurteilung von Menschen. Folter--"Heilung" eines vermeintlich schizophren etikettierten Menschen durch Nervengift-Medikation? Ach wie wohl tut es doch, eine "wissenschaftlich" dokumentierte "Wohltat" durch Folter und Nervengift, den "unwissenschaftlichen" Naturheil-Methodikern androhen zu können?. Hier wird wieder Menschenverachtung mit Menschenverachtung "geheilt", dient aber der kapitalistischen Ausbeutung der "schwachen" Klassen durch narzisstisch, nazistische Anwendung von Gift an Menschen, bei Etikettierung durch verleumderische Verbrecher.
Kurzum: Jegliche Kritik am Kapitalismus, Nazismus, Neoliberalismus scheitert an einer Befürwortung der Psychiatrie und ist damit unglaubwürdig und erhebt erst recht den Verdacht einer opportunistischen Anbiederung an nationalsozialistische "Gefühle" im Sinne der Ausbeutung und Versklavung. Kontrovers jeglicher echten antifaschistischen Analyse wird so wieder ein totalitäres unterdrückendes Klassensystem befürwortet.
Fluch zur Auswahl, aber ist es wirklich so schwer einfach einmal damit anzufangen, die Psychiater von ihren Thronen zu holen, so schwer, die Ungerechtfertigkeit sämtlicher Etikettierungen durch diese Verbrecher ungenutzt zu lassen, auch im Interesse der Ungerechtigkeit und Menschenverachtung , die diese "Zunft" für sich beansprucht um sich mit Folter der eugenischen Neuauflage samt Euthanasie und Genozid in die Zukunft der Leichenberge ihrer "Profession" zu schaufeln?
Mich schaudert die Gier der "Saubermänner" dort wie da, einst wie jetzt.