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Analyse vor Kopfbahnhof!
  begonnen von Ringo am 20.01.2011
20.01.2011, 08:00 Uhr
Communarde
Ringo
GAST
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Diskussion zum Artikel:
Analyse vor Kopfbahnhof!
Proteste in Stuttgart - was ist da los?

von Ringo (20.01.2011)
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Die Seltenheit von Bewegungen auf der Straße sorgt bei uns für überschwängliche Freude, wenn dann doch mal irgendwie, irgendwo größere Menschenmassen protestieren. Gern drücken wir dann auch mal ein Auge zu bei der Analyse, drücken uns vor der Frage, was uns daran nützt und was nicht. Frühjahr 2003: Als Schulklassen frei bekamen, um zu demonstrieren, mit der Regierung, dem „Friedenskanzler“ samt den Grünen, wurde sogar in Radio und Fernsehen über... [ ...mehr lesen?]
20.01.2011, 17:29 Uhr
Re: Analyse vor Kopfbahnhof!

Communarde
Stephan
der Ausdruck "Kopfbahnhof" ist entweder neu oder entstammt einem anderen Kulturkreis als meine Heimat. Wir haben diese Dinger immer Sackbahnhof genannt. Sie wurden damals eingeführt, um die Bahn möglichst billig möglichst dicht ans Zentrum zu bringen. Man sehe sich Paris oder London an, dort kommen aus der Peripherie die Zuglinien so weit ins Zentrum, wie es damals bezahlbar war. Dann der "Kopf"bahnhof. Für Umsteiger natürlich ein Traum, die Fahrt durch die halbe Innenstadt mit Taxi oder U-Bahn ist genau das, was man sich mit viel Gepäck und eventuell mit kleinen Kindern wünscht.
In Deutschland waren viele Städte noch vergleichsweise winzig, als die Bahn Mitte des 19. Jhds aufkam. Da konnten sich die Linien die bessere Lösung der Durchfahrtsbahnhöfe leisten. Gibt auch kaum Sackbahnhöfe, gerade einmal Frankfurt, Leipzig, Stuttgart. Hamburg-Altona würde ich da eher in eine Rehe mit den Kopfbahnhöfen Wilhelmshaven, Westerland oder Norddeich-Mole setzen, dahinter geht es einfach nicht weiter.
Wie man jetzt diesen Umsteigeralptraum glorifizieren kann, ist außerhalb meines Verständnisses. Mag sein, dass es ungelöste Probleme bei der geplanten Tieferlegung gibt, brüchige Felsen, durch die man keinen Tunnel bauen kann, zu wenig Notausgänge, wenn die Schwäbische Eisenbahn mal Feuer fängt oder "was des koscht". Aber das Ingenieursprobleme, die man in einem technisch hoch entwickeltem Lande lösen könnte. Wenn die Bauarbeiter nicht die Stützpfeiler bei ebay verschachern, sollte man das doch haltbar hinkriegen.
Für Bauspekulanten und Heuschrecken natürlich ein Traum: Erwerben sie Land, innenstadt nah, aus brüchigem Fels, großräumig untertunnelt! Ideal für einen Campingplatz (ohne Wohnwagen), eine stillgelegt Ackerbaufläche (Grünbrache, EU-gefördert) oder ein Fahrradparkplatz. Man darf gespannt sein!
21.01.2011, 21:23 Uhr
Re: Analyse vor Kopfbahnhof!

Communarde
SeppAigner
Günter Klein kommt im neuen Theorie+Praxis Heft Nr.23 zu einer ganz anderen Einschätzung. Nachzuilesen bei Link ...jetzt anmelden! , S21 - Eine Region steht auf gegen Kapital und Kabinett.
22.01.2011, 11:00 Uhr
Re: Analyse vor Kopfbahnhof!

Communarde
retmarut
Den Beitrag von Günther Klein kann ich auch nur empfehlen. Wie heisst es doch so treffend bei ihm:

Wenn von Genossinnen und Genossen kritisiert wird, dass sich die Partei im Rahmen der Protestbewegung an einem antikapitalistischen Bündnis beteiligt, so zeigt dies die Schwäche unserer ideologischen Arbeit der letzten Jahre. Wir müssen deutlich machen, dass wir nicht bei der Verbesserung des Kapitalismus stehen bleiben. Wir müssen die Klassenfrage aufgreifen, immer den nächsten Schritt aufzeigen und deutlich machen, dass es gilt den Kapitalismus zu überwinden. Wann sonst als bei solchen Bewegungen könnten wir das besser tun?

Die Diskussion über strategisch sinnvolles Verhalten von Kommunist_innen bzgl. S21 dreht sich hier bei secarts.org mittlerweile allerdings mehrfach im Kreis, die Argumente pro und contra sind hinreichend ausgetauscht.

Meiner Meinung nach hat die Pro-S21-Seite nicht wirklich gute Argumente auf Tasche und verkennt die notwendigen Entwicklungsphasen proletarischen Klassenbewusstseins in konkreten Kämpfen. Außerdem wird sich der Protest gegen S21 als "Konflikt innerhalb des Kapitals" zusammenfabuliert, statt eine echte Analyse der entsprechenden Kapitalkräfte pro S21 vorzunehmen, als der entscheidenden Frage, warum S21 gegen den breiten Bevölkerungswillen gebaut und durchgeprügelt werden soll, also dem Cui bono.

Aber wie gesagt: Die Debatte wurde hier bis zum Erbrechen geführt. Letztlich entscheidet der Kampf der Massen auf der Straße, ob die Proteste gegen S21 Erfolg haben können oder nicht. Analysen im Internet, die keinerlei Bezug zu den Massenkämpfen entwickeln, haben auf die konkreten Auseinandersetzungen in Stuttgart eh keinen Einfluss. Auch hier gilt die 11. Feuerbach'sche These von Marx.
24.01.2011, 15:19 Uhr
Re: Analyse vor Kopfbahnhof!

Communarde
secarts
@retmarut:

"Meiner Meinung nach hat die Pro-S21-Seite nicht wirklich gute Argumente auf Tasche und verkennt die notwendigen Entwicklungsphasen proletarischen Klassenbewusstseins in konkreten Kämpfen. "

Alleine die Qualifizierung als "Pro-S21-Seite" macht hinreichend deutlich, dass du überhaupt nicht verstanden hast, wo hier die Widersprüche liegen, retmarut. Es geht nicht um einen manichäischen Kampf pro oder anti S21, zumal der bei uns auch kaum zu irgendwas führen dürfte. Finden wir uns doch vorerst bitte mal damit ab, dass es anscheinend doch größere Unterschiede in der Klassenanalyse, im Verständnis des (demokratischen) Kleinbürgertums, in der Frage Fortschritt im Kapitalismus und in der Beurteilung von Dynamik auf der Straße gibt.

Und was die Argumente angeht: im S21- Thread index.php?&topic=community&cat=1&ts=0&thread=73 habe ich mir die Mühe gemacht, meine Ansichten zusammenzufassen, andere Genossen haben Fragen gestellt oder nachgehakt - und dann kam nix mehr... Vielleicht sollte man nun ebenso darum bitten, dass z. B. du deine Ansichten in vergleichbar knapper, unpolemischer Form bündelst. Alles andere ist, wie du ja selbst schreibst, Wiederholung bis zum Erbrechen. So zumindest werden wir immer wieder, ob bei "S21" oder anderem, an denselben Punkten hängen bleiben.
24.01.2011, 15:59 Uhr
Re: Analyse vor Kopfbahnhof!

EDIT: secarts
24.01.2011, 20:01 Uhr
Communarde
secarts
Und nun nochmal zum T&P-Artikel Link ...jetzt anmelden! "S21 — eine Region steht auf gegen Kapital und Kabinett" von Genosse Günther Klein:

Wer Möge hat, den T&P-Artikel mit Ringos Artikel zu vergleichen und sich evtl. unsere Diskussion im S21-Thread index.php?&topic=community&cat=1&ts=0&thread=73 noch mal zu Gemüte zu führen, wird merken, dass im T&P-Artikel eine ganz andere Argumentation gefahren wird - da ist der Protest gegen S21 dem Charakter nach bereits antikapitalistisch.

Interessant ist, warum der S21-Protest antikapitalistisch sein soll. Wir finden da:
- "Ganz offen greift eine Clique von Banken, Konzernen, Spekulanten und Politikern hemmungslos zum eigenen Vorteil in die öffentlichen Kassen"
...was ja nun die BRD (auch in Form von öffentlichkeitswirksamen Skandalen) seit eh und je begleitet und die öffentlichen Kassen nicht weniger zu einem Bestandteil des Kapitalismus macht...
- "Es geht gegen sinnlose Umweltzerstörung und Ressourcenverschwendung"
...was sicher sämtlich gut gemeinte Unterfangen sind, die das Ganze aber, ebenso wenig wie bspw. Anti-Castor-Proteste, nicht antikapitalistisch machen...
- "gegen die Ideologie des ständigen 'schneller, höher, weiter' der Profitsteigerung"
...was unter dem Label "Entschleunigung" sicher für einige zu einem Lifestyle geworden ist und für so manchen geplagten Kleinproduzenten oder Krämerladenbetreiber reale Furcht vor der ach so viel schnelleren großen Konkurrenz...
- und außerdem: "Der Widerstand gegen S21 kommt aus allen Schichten und allen Altersgruppen der Gesellschaft"
...und wäre damit eine Art Volksaufstand gegen den Kapitalismus. So etwas könnte man dann auch "Revolution" nennen. Revolutiönle im Ländle, um genau zu sein.

Dass der vielgerühmte "Antikapitalismus" an sich was ziemlich vertracktes ist, weil eigentlich alle Klassen und Schichten jeweils ihre Probleme mit diesem System haben (selbst die deutsche Monopolbourgeoisie, die sich dann, in Ermangelung einheimischer Konkurrenz, eben vor den USA und ihrem "Turbokapitalismus" fürchtet), hat schon Marx herausgefunden (und den diversen Schattierungen von reaktionär-antikapitalistisch über feudal-sozialistisch etc etc. ein ganzes Kapitel im "Manifest" gewidmet). Dieser "Antikapitalismus" hier, der vor allem in der Entfesselung der Produktivkräfte das zu lösende Problem sieht (also in dem, was Marx als die historische Mission des Kapitalismus bezeichnet hätte), will alles mögliche, aber nicht das, was zumindest ich mir unter Sozialismus vorstelle - also dem, was nach dem Kapitalismus zu kommen hat: Da wird dann nämlich erst recht so richtig produziert, geplant, gebaut, modernisiert. Und zwar ohne alle Beschränkungen, in die die anarchische Produktionsweise des Kapitalismus die Akkumulationsabläufe nötigt.

Bewusstsein fällt nicht vom Himmel, und man muss nehmen, was da ist. Schon recht. Analytische Indolenz hilft uns allerdings gar nicht, denn da kommen wir ins (bündnispolitische) Gestrüpp. Trotz aller kleinbürgerlich-radikalen Einschläge, wie es ja auch bürgerlich-demokratische Positionen im Anti-S21-Spektrum gibt: der Protest gegen S21ist nicht in erster Linie antikapitalistisch, sondern höchstens gegen bestimmte Elemente des Kapitalismus. Das ist der "Antikapitalismus" des verschreckten Kleinbürgers, der statt eines privaten Großkraftwerkes lieber die vielen kleinen in privatem Besitz befindlichen Solarparks haben will. Oder statt Aldi den Tante-Emma-Laden, statt eines Großbahnhofes unter der Erde ein 90 Jahre altes Teil über der Erde...

Bringen wir es doch mal auf den Punkt: Die Expansion der Produktivkräfte (die natürlich auch im Kapitalismus stattfindet) revoltiert gegen ihre zu engen, weil in der privaten Mehrwertaneignung gefangenen Produktionsverhältnisse. Die Resultate dieses Prozesses zeigen sich auch im Fall "S21" ziemlich deutlich: Fortschritt kommt, auch im Kapitalismus, irgendwie, weil schon der Fall der Profitrate selbst die Monopole zu neuen technischen Zyklen zwingt. So das Wahre ist das unter den kapitalistischen Umständen jedoch alles nicht, weil die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen eben nicht mehr stimmen.

Da kann man nun aus zwei Gründen dagegen sein:
- erstens, weil man einsieht, dass diese Gesellschaft in Stagnation gerät, solange sich Fortschritt im engen Rahmen der Profitmaximierung auszutoben hat (und deswegen tendenziell immer ein anderes Leitmotiv hat als gesellschaftliche Progressivität),
- zweitens, weil die Expansion der Produktivkräfte an sich als etwas Bedrohliches empfunden wird. Das kann man auch "Fortschrittsfeindlichkeit" nennen, denn nicht die private Mehrwertaneignung, mit all ihren unappetitlichen Begleiterscheinungen, sondern die Akkumulation an sich wird misstrauisch, weil "zu schnell, zu hoch, zu weit" beäugt.

Letztere Kräfte haben augenscheinlich ein Problem mit der Produktivkraftentwicklung, nicht aber unbedingt auch mit den Produktionsverhältnissen. Das als antikapitalistisch im Marxschen Sinne, also im Sinne der dreifachen Aufhebung (überwindend, bewahrend, auf eine neue Stufe hebend) hinzustellen folgt der Methode was nicht passt, wird passend gemacht. Und ist leider - so nachvollziehbar das Hoffen auf gesellschaftliche Dynamik auch ist - ein weiteres Beispiel für die Suche nach dem neuen revolutionären Subjekt, bei der man dann, vor lauter vermeintlichem Finderglück, sein Handwerkszeug verloren hat.
24.01.2011, 22:43 Uhr
Re: Analyse vor Kopfbahnhof!

Communarde
retmarut
@ Secarts:

Ich bezweifle, dass von uns hier in der Forumsdebatte irgendwer ein neues revolutionäres Subjekt sucht. Ich vermute, dass wir alle (inkl. Günther Klein), dem wissenschaftlichen Sozialismus folgend, das Proletariat aus den bekannten Gründen für selbiges erachten.

Ich gehe weiterhin von einem demokratischen Kampf bei der K21-Bewegung aus - und nicht von einer sozialistischen Bewegung oder gar revolutionären Zuständen in Stuttgart.

Die Kritik an Kleins am Rande auftauchender Fortschrittsfeindlichkeit in dem Text teile ich. Ob er deswegen eine grundsätzliche Angst vor Produktivkräften habe, sei mal dahingestellt; ich will da nicht spekulieren.

Politisches Bewusstsein, zumal Klassenbewusstsein, fällt nicht vom Himmel, da stimme ich Dir voll zu. Das entwickelt sich manchmal an den verrücktesten Punkten, z.B. nach einer (von den Teilnehmer_innen unerwarteten) Konfrontation mit der Staatsmacht. Da gibt es ja etliche recht belanglose Anlässe in der Geschichte, die dann zu einem Schub von Bewusstwerdung geführt haben. Erinnert sei nur an den Petersburger Blutsonntag, als die Arbeiter_innen mit Popen und Ikone voran zum gütigen Zaren gezogen sind, um dort eine Petition abzugeben. Der Zar, dem zeitgleich die Pazifikflotte bei Port Arthur (heute: Dalian) von der japanischen Marine vernichtet worden war, ließ die friedliche Versammlung flugs zusammenschießen; es blieben mehrere hundert Todesopfer zurück. Dieser Blutsonntag hat eben auch dazu beigetragen, dass die Revolution 1905 mit heftigen Arbeitskämpfen und einem sehr erfolgreichen Generalstreik stattfand. (Begünstigt natürlich durch die Schwäche des Zarismus nach der Niederlage gegen Japan.)

Nun ist Stuttgart, wie oben schon angedeutet, nicht St. Petersburg und es steht auch kein Generalstreik oder gar eine revolutionäre Erhebung bevor, aber die Ereignisse um den Polizeieinsatz im September 2010 haben durchaus Weltbilder erschüttert und zu Bewusstseinsänderungen geführt.
Problem in Stuttgart (wie übrigens überall in der BRD) ist doch, dass es kaum organisierte Kräfte gibt, die mit marxistischer Aufklärungsarbeit in diesen Prozess intervenieren.

Deswegen ist die Aussage von Günther Klein

"Wir müssen deutlich machen, dass wir nicht bei der Verbesserung des Kapitalismus stehen bleiben. Wir müssen die Klassenfrage aufgreifen, immer den nächsten Schritt aufzeigen und deutlich machen, dass es gilt den Kapitalismus zu überwinden. Wann sonst als bei solchen Bewegungen könnten wir das besser tun?"

aus meiner Sicht auch richtig. Eine kommunistische Partei kann und darf nicht abseits stehen bei demokratischen Bewegungen, sondern sollte dort stets intervenieren und die Klassen- und Eigentumsfrage einbringen. Das erweitert den Spielraum für künftige demokratische und sozialistische Kämpfe und baut antikommunistische Vorbehalte ab. (Und dass der Antikommunismus in der BRD weiterhin kräftig gedeiht, haben wir ja an dem Wolfsgeheul in den letzten Wochen sehr eindrucksvoll demonstriert bekommen.)
24.01.2011, 23:01 Uhr
Re: Analyse vor Kopfbahnhof!

Communarde
secarts
@retmarut:

"Die Kritik an Kleins am Rande auftauchender Fortschrittsfeindlichkeit in dem Text teile ich. Ob er deswegen eine grundsätzliche Angst vor Produktivkräften habe, sei mal dahingestellt"

Ich unterstelle das ja nicht dem Genossen Klein. Damit meine ich eine Einstellung, die unter manch einem "antikapitalistische Parolen" schwingenden Demonstranten dominant sein dürfte.

Diese Einstellung, die verbalradikal "antikapitalistisch" rüberkommt, sich an diversen "zu schnellen, zu hohen, zu weiten" Entwicklungen stößt, mit dem ganzen "Tempo" nicht mehr zurechtkommt und "Entfremdung" als etwas zwischen sich und "der Natur" versteht, wird auch durch folgendes Zitat ziemlich genau aufs Auge getroffen:

"Kleinbürgerlicher Sozialismus

In den Ländern, wo sich die moderne Zivilisation entwickelt hat, hat sich eine neue Kleinbürgerschaft gebildet, die zwischen dem Proletariat und der Bourgeoisie schwebt und als ergänzender Teil der bürgerlichen Gesellschaft stets von neuem sich bildet, deren Mitglieder aber beständig durch die Konkurrenz ins Proletariat hinabgeschleudert werden, ja selbst mit der Entwicklung der großen Industrie einen Zeitpunkt herannahen sehen, wo sie als selbständiger Teil der modernen Gesellschaft gänzlich verschwinden und im Handel, in der Manufaktur, in der Agrikultur durch Arbeitsaufseher und Domestiken ersetzt werden. [...]
Seinem positiven Gehalte nach will jedoch dieser [der kleinbürgerliche] Sozialismus entweder die alten Produktions- und Verkehrsmittel wiederherstellen und mit ihnen die alten Eigentumsverhältnisse und die alte Gesellschaft, oder er will die modernen Produktions- und Verkehrsmittel in den Rahmen der alten Eigentumsverhältnisse, die von ihnen gesprengt wurden, gesprengt werden mußten, gewaltsam wieder einsperren. In beiden Fällen ist er reaktionär und utopisch zugleich. Zunftwesen in der Manufaktur und patriarchalische Wirtschaft auf dem Lande, das sind seine letzten Worte.
"

Das ist von 1848, es steht im "Manifest der kommunistischen Partei". Davon rede ich, wenn ich unser "Handwerkszeug" meine: die grundlegenden Marxschen Annahmen über Klasseninteressen.

Und auch der letzte Satz in diesem Abschnitt des Manifests hat nichts von seiner Aktualität eingebüßt:
"In ihrer weiteren Entwicklung hat sich diese Richtung in einen feigen Katzenjammer verlaufen".

Das tat sie, und das tut sie noch;so lange, wie sich ihre Protagonisten "als ergänzender Teil der bürgerlichen Gesellschaft stets von neuem" bilden.
08.02.2011, 13:36 Uhr
Re: Analyse vor Kopfbahnhof!

EDIT: Rainer
08.02.2011, 15:35 Uhr
Communarde
Rainer
Oho, auch die Jungs von der KI haben das Thema, nachdem es eigentlich schon mehrfach durch war, entdeckt und für die revolutionäre Sache in Beschlag genommen:

"E INIGT E UC H - ST E H T ZUSAMME N - L E IST E T WID ERSTAND - MAC H T I H NE N DAMP F
STUT TGART 21 IST K LASSE NK AMP F !" -> Flugblättle der KI Link ...jetzt anmelden!

Wer nicht gerade "voll drin" ist in der epischen Auseinandersetzung um "K21" vs. "S21" vs. alles andere wird sich schwer tun den tieferen Sinn des Flugblattes herauszudestillieren, wimmelt es da doch da von paraphrasierten Anspielungen a la "Stresstest", einer "Stiftung" und der "Anzahl der kranken Bäume" . . . Der Insider versteht . Der Durchschnittsleser staunt und kapituliert .

Solche allzu weltlichen Dinge wie Klassenanalyse, Einschätzung der Etappe des Kampfes oder Kritik der transpoerierten Ideologie der "Bewegung" spielen keine Rolle und kommen auch nicht vor . Eine Handlungsorientierung oder gar eine Empfehlung zur Art der Fortsetzung des "Kampfes" erübrigen sich dann auch, abgesehen vom Rat sich "nicht blenden" zu lassen. Hoffentlich lassen sich die "Lieben Leute" das gesagt sein !
Trotzdem dürften Ton und Inhalt des Flugblattes die Stimmung und das politische Niveau an der Anti-S21-Basis besser treffen als alle theoretischen Debatten wie z.b. hier auf secarts.org. Was wiederum nur beweißt, daß die Genossen der KI viel näher dran und drin sind an und in den aktuellen Kämpfen.

Gut auch, daß wir nun endlich darüber in Kenntnis gesetzt werden, daß "Die Anzahl der kranken Bäume mit Beginn der unterirdischen Bauarbeiten sprunghaft ansteigen [wird], denn
Verletzungen des Wurzelwerkes bzw. eine drastische Verschlechterung der Wasserversorgung können
nicht ausgeschlossen werden.
".

Ach, mein Genosse, der Baum, ist tot ! Er fiel im frühen Morgenrot !