0
unofficial world wide web avantgarde
DEauswählen was geht
× nix los...
Ändere die Suchkriterien oder melde Dich an, um alle Termine anzuzeigen.
1
Dank Euch Ihr Sowjetsoldaten!
  XML • begonnen von Frieda Zopf am 13.02.2010
GAST
13.02.2010, 09:00 Uhr
Communarde
Frieda Zopf
GAST
- - - - - - - - - -
Diskussion zum Artikel:
Dank Euch Ihr Sowjetsoldaten!
Sozialistische Romane über den Großen Vaterländischen Krieg der UdSSR

von Frieda Zopf (13.02.2010)
- - - - - - - - - -

Die Zerschlagung des deutschen Faschismus und das gewaltige Anwachsen des Lagers der demokratischen Kräfte in der ganzen Welt im Gefolge des zweiten imperialistischen Weltkriegs sind große Ereignisse der Weltgeschichte. Der grausamste und schwerste aller Kriege, von denen die Menschheit heimgesucht wurde, stellt eine große Prüfung für die Völker dar. Der Sturm des Krieges reißt erbarmungslos alle Masken und Hüllen ab, die das wahre Antlitz der bü... [ ...mehr lesen?]
01.03.2010, 10:27 Uhr
Webseite

Communarde
Ringo Ehlert (Corvalan)
GAST
Guten Tag,

ich möchte mehr lang als kurz meine Hand ins Feuer legen für Ehrenburgs STURM. Das Lesen dieses Jahrhundertromans veranlasste mich seinerzeit eine Buchbesprechung zu schreiben, die ich gerne den Ausführungen hier hinzufügen möchte.

Es sei nochmals den Initiator gedankt für solch ein Rubrik, die vielleicht nicht nur zum 65. Jahrestag der Befreiung vom deutschen Faschismus geführt und gepflegt werden - sondern fester Bestandteil dieser HP werden sollte. So viele ungemein wertvolle Romane der Sowjet- aber auch der DDR-Literatur schlummern in den Regalen. Nicht nur in Sachen 2. WK, gerade auch in Sachen Aufbau und Bewältigung der Mühen der Ebenen sollten wir uns das literarische Werk der Leseländer (nirgendwo wurde so viel im Allgemeinen und so viel fortschrittliche Literatur im Besonderen gelesene wie in den Warschauer Pakt - Staaten) ein wenig erschließen. Kleine Anmerkungen und Leseempfehlungen könnten da ein guter Anfang sein!



Ilja Ehrenburg - Sturm
ein Jahrhundertroman

Drei Länder, drei Perspektiven die dem deutschen Faschismus und seinem Krieg nachstellen.
Die stolze Resistance, Frankreichs Partisanen, der monumentalen Akt einer zurück schlagenen Sowjetunion und der vor Heuchelei und Hass stinkende Werdegang einiger Deutsche. Stellvertreter für den größten Teil eines Volkes, das der ganzen Welt, die Widerwertigkeit, die Armseligkeit des "3. Reiches" in Blut stolpern zur Schau stellt.

Es gibt ein Frankreich der Verräter die meistens heimisch in der Oberschicht, Fabriken und Banken besitzen und mit dem Teufel ihre Geschäfte machen. Und ein Frankreich gibt es, ein Frankreich der Antifaschisten, die meistens an Tischen sitzen auf denen Brot und Suppe reichen muß. In den Widersprüchen eines feigen wohlhabenden Franzosen, der die Deutschen nicht mag, aber die Kommunisten noch mehr fürchtet und sich noch bei Wein und Käse gut zuspricht als die brauen Horden schon Paris stürmen, lernt ein junger Russe die beiden Seiten kennen. Er liebt Frankreich, er liebt eine Französin. Und doch verläßt er das Land, weil die Heimat ruft, die kämpfen will während der Westen zusieht. Zusieht wie die Räder schon rollen für den Sieg, zu den langen Rampen vor den Kammern.
Er verläßt Frankreich und hinterläßt bei den Freunden und der Liebsten die Unruhe des Revolutioärs. Nun heißt sein Leben Kampf für die Union , die bestaunt von alle Welt unter roter Fahne gerade errichtet hat, was deutsche Bomber nun zerstören. Man wird nicht als Soldat geboren, und die Front ist überall auch an der Werkbank im Leningrader Panzerwerk. Die sich lieben, sich in friedlichen Sommer kennen lernen, werden sich verlieren. Helden werden kapitulieren vor dem Feind und Stille werden großes wagen. Es ist ein Volk das sich erhebt in seiner Faust ein ganzer Staat. Wohl keiner fängt dies so bewegend ein wie Ehrenburg.
Auch den jungen Deutschen lernt man kennen, der gerne Architekt geworden wäre um wer zu sein aber in seiner Unterwürfigkeit stecken bleibt und seine Wut, seine Mittelmäßigkeit zur SS trägt, wo er endlich wer zu sein scheint. Seine Unfähigkeit die eigenen Schwächen zu leben, zu lieben, schlägt um in Hass gegen alles Schwächere und Erfolgreichere, alles Fremde, jeden Störenfried, der sich nicht einfügt in eine Volksgemeinschaft der Feiglinge und Denunzianten.
Er wird betrachtet herausgegriffen aus einer brauenen Masse und ist doch ihr Spiegelbild nur im Kleinen. Später wird er seine SS-Unform in aller Eile verbrennen und sich hinter Frau unter Kindern verstecken, weil er vor Angst ganz krank die Roten kommen sieht. Er weiß, sollte Gleiches mit Gleichen vergolten werden, was ihn erwartet, er war dabei, mit Lust ist er Monster unter Monstern.
Der Roman wird nicht geführt durch einen Hauptdarsteller, viele viele begegnen uns. Es gibt keine Helden, es gibt nur den Tod. Noch im letzten Kugelhagel sterben Millionen.
Und jede der Figuren die dem Leser im Laufe der Geschichte an Herz wachsen stirbt. Manche sterben laut, wie die Widerstandskämpferin aus Deutschland, die im Todeskampf nach tagelanger SS-Folter den Schindern ins Gesicht brüllt, das sie alles ist: Russin, Spanerin, Französinn, jedoch keine Deutsche mehr! Andere sterben leise und so schnell ohne Vorwarnung, das nur Leere und Ohnmacht den Leser verschlingt. So wird einer alte Kiewer Jüdin, die man quasi nur im Vorbeigehen kennenlernt durch den ein Gewehrkolben eines Wehrmachtssoldaten der Schädel zertrümmert. In solchen Momenten wünscht man sich die Amplitude der Terrors se solchen Momenten wünscht man sich die Amplitude der Terrors sei damit erreicht und stürzt dann nur mehr in die Bodenlosigkeit, wenn Ehrenburg die Leichproduktion der deutschen Faschisten nur andeutet. Und man ertappt sich dabei gehofft zu haben das alles irgendwie doch nicht so schlimm kommt. Nicht selten geht die Beschreibung des Mordens der deutschen Horden bis an die Grenze des Erträglichen. Die 20 Millionen bekommen Gesicht und Namen.
Doch der Krieg fraß nicht nur die Vergangenheit, er verschlingt unsagbar viel Zukunft. Ehrenburg läßt es erleben, wenn er von den zerstörte Menschen schreibt die aus der Sowjetunion, aus Jugoslawien und Frankreich, aus all den geschundenen Ländern heim kommen und vor dem Nichts stehen. Die ihre Hände in die Aschefelder der Lager krallen, und das Foto von Kind und Frau, das sie die ganzen elenden Krieg bewahrten wir ihr Augenlicht, zerreißen. Es bleiben leere Augen die die Familien suchen in den Leichengruben von Barbija. Eine Generation der Verdammten hinterläßt das deutsche Kapital auf seinem vorerst letzten Kreuzzug, zu schnell ist das vergessen.
Dies alles, das ganz normale Wahnsinn, das was Weltkrieg ist fängt Ehrenburg ein. Unmöglich sei dies dachte ich, bis zu diesem bemerkenswerten Roman.
Er endet nicht mit einem Happyend, mit erleuchteten befreiten Deutschen, bei den der Groschen fällt. Dies Ende hätte zur tiefgründigen Arbeit des Autor auch gar nicht gepaßt. Und es kommt nicht von ungefähr und scheint in weiser Voraussicht zu geschehen, das Ehrenburg einen Rotarmisten, sagen läßt: "...sie werden es uns nie verzeihen, das wir sie befreit haben"

Natürlich aber haben wir es mit einem wunderbares Stück sozialistischer Literatur zu tun und da ist kein Platz für Defitismus, Neuanfänge lösten stets Trümmerfelder in Flur und Kopf ab, dabei wirds bleiben, auch das schwingt in den letzten Zeilen des Romans. Der ein Jahrhundertroman ist.

Der Buchdeckel fällt und der Band findet Platz im Regal. Draußen: Kälte trotz März und die Äste gut gepflegter Alleebäume regen sich kahl über der Leuchtreklame einer deutschen Bank Filiale. Sturm zieht heran. Halt ihn auf und lies dieses Buch!