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75 Jahre "Duce kaputt!"
  [2 pics] begonnen von FPeregrin am 24.04.2020  | 2 Antworten
NEUES THEMA24.04.2020, 21:41 Uhr
EDIT: FPeregrin
24.04.2020, 21:45 Uhr
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FPeregrin

75 Jahre "Duce kaputt!" Bald kann man auf den 75. Jahrestag der Hinrichtung Mussolinis anstoßen - jW morgen:

Duce kaputt

Vor 75 Jahren wurde der faschistische Diktator Mussolini vom Nationalen Befreiungskomitee für Norditalien zum Tode verurteilt und hingerichtet

Von Gerhard Feldbauer

Die Saat ist fruchtbar noch

Anlässlich des 75. Jahrestages des Sieges über den Faschismus stellt sich die Frage: Wie war es möglich, dass der Faschismus nach 1945 erneut sein Haupt erheben und 49 Jahre später, im April 1994, das Mitglied der faschistischen Putschloge Propaganda due (P2), Silvio Berlusconi, mit den Faschisten des MSI, einer Mussolini-Nachfolge-Partei, und der rassistischen Lega einen »Governo nero« (wie der linke Manifesto am 15. Mai 1994 diese »schwarze Regierung« charakterisierte) bilden konnte? Mit Unterbrechungen kommt diese Regierung auf eine Amtszeit von zwölf Jahren – bis zum 11. November 2011– und konnte das Land in der Tradition des übelsten faschistischen Erbes (so Nobelpreisträger Dario Fo und Umberto Eco) beherrschen. Und die Gefahr von rechts besteht bis heute weiter.

Bertolt Brecht prägte dafür die Worte: »Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch!« Anders ausgedrückt, der Faschismus konnte erneut erstehen, weil er wieder bzw. weiter gebraucht wurde. Im Inneren, um während des Kalten Krieges den Vormarsch von Kommunisten und Sozialisten in Richtung einer antifaschistisch-demokratischen Umgestaltung zu verhindern. Eine solche Ordnung wäre wiederum nach außen zum Haupthindernis in dem von den USA eröffneten Kalten Krieg gegen die UdSSR geworden, in dem Italien noch vor der NATO-Gründung die Südflanke bildete. Um diese demokratische Umgestaltung zu verhindern, fanden sich die USA und die innere Reaktion zusammen und retteten den Faschismus über seine Niederlage hinweg, hielten die Faschisten in Reserve, damit diese 1994 selbst die Regierung übernehmen konnten, um eine Regierung der sozialdemokratischen Linkspartei zu verhindern. Gerhard Feldbauer

Am 28. April 1945 wurde Benito Mussolini bei der Ortschaft Dongo nahe der Schweizer Grenze hingerichtet. Ein dazu legitimiertes und von den Alliierten als Organ der italienischen nationalen Einheitsregierung anerkanntes Tribunal des Nationalen Befreiungskomitees für Norditalien (CLNAI) hatte den faschistischen Diktator zum Tode verurteilt. Grundlage waren die Justizdekrete des CLNAI. Artikel 1 lautete: »Die Mitglieder der faschistischen Regierung und die Inhaber höchster Parteiämter des Faschismus (…) werden mit dem Tode und in weniger schweren Fällen mit Zuchthaus bestraft. Sie sind für schuldig befunden worden, zur Unterdrückung der verfassungsmäßigen Garantien das faschistische Regime geschaffen, das Land in Schande gebracht, seine Geschicke verraten und es in die gegenwärtige Katastrophe geführt zu haben.« Artikel 7 legte fest, dass für die nach dem 8. September 1943 – also für die Zeit nach der Bekanntgabe des Waffenstillstands der Mussolini-Armee und des Austritts Italiens aus dem faschistischen Bündnis mit Deutschland – in Kollaboration mit den hitlerfaschistischen Okkupanten gegen den italienischen Staat und die Sache der nationalen Befreiung begangenen Verbrechen die danach gültigen Militärgesetze anzuwenden sind.

Fünf Schüsse

Mussolini wollte unter dem Schutz einer SS-Abteilung mit mehreren Ministern, darunter Kriegsminister Marschall Rodolfo Graziani, und seiner Geliebten Clara Petacci in die Schweiz fliehen. Graziani verließ ihn bei Como und stellte sich später US-amerikanischen Truppen. Die Autokolonne wurde am Morgen des 27. April hinter Como bei der Ortschaft Dongo von einer Partisanenabteilung gestoppt. Gegen die Gewährung der Weiterfahrt übergab die SS-Einheit Mussolini, der sich einen deutschen Militärmantel übergezogen und einen Stahlhelm aufgesetzt hatte, mit seiner Begleitung den Partisanen. Das zentrale Befreiungskomitee (CLN) in Mailand beauftragte den Kommandeur der Garibaldi-Brigaden des PCI, Oberst Walter Audisio (Kampfname Valerio), mit der Vollstreckung der Todesurteile.

In seiner Autobiographie »In nome del popolo italiano« (Im Namen des italienischen Volkes, Mailand, 1975) hat Audisio dargelegt, wie die Hinrichtung vor sich ging. Nachdem Mussolini vor die Mauer der Villa Belmonte gebracht worden war, postierte sich Audisio zusammen mit dem politischen Kommissar der 52. Garibaldi-Brigade, Kampfname »Pietro«, und einem weiteren Partisanen namens Guido vor den Verurteilten und verlas das Todesurteil des CLNAI. Anschließend erklärte er: »Im Namen des Generalkommandos des Korps der Freiwilligen der Freiheit bin ich beauftragt, dem italienischen Volk Gerechtigkeit widerfahren zu lassen.« Als Audisio das Urteil selbst vollstrecken wollte, hatte seine Maschinenpistole eine Ladehemmung. Er nahm die Waffe von Pietro und gab fünf Schüsse auf Mussolini ab. Im Protokoll sind Datum und Uhrzeit vermerkt: 28. April 1945, 16.10 Uhr.

Zusammen mit Mussolini wurden unter anderem hingerichtet: der Sekretär der faschistischen Partei, Alessandro Pavolini, ebenso der Minister für Volkskultur Fernando Mezzasoma und Innenminister Paolo Zerbino. Erschossen wurde auch Clara Petacci, die Geliebte des Diktators, gegen die eigentlich kein Todesurteil vorlag. Sie hatte sich geweigert, Mussolini zu verlassen. Aufgrund des fehlenden Todesurteils gegen Petacci versuchten faschistische Kräfte nach 1945, Audisio vor Gericht zu stellen. Seine Verteidigung machte geltend, dass die Hinrichtung während eines Ausnahmezustands vollzogen worden sei, die Geliebte des »Duce« aktiv dessen Politik unterstützt, eng mit der Gestapo und anderen Organen des Besatzungsregimes kollaboriert sowie zu guter Letzt sich geweigert habe, den Verurteilten zu verlassen. Audisio war zudem nach dem Krieg Abgeordneter in einer der beiden Kammern des italienischen Parlaments, und dieses hob seine Immunität nicht auf, so dass er nicht verurteilt wurde.

Am Tag der Hinrichtung wurde in Vimercate auch das Todesurteil an dem Mitbegründer der faschistischen Bewegung Roberto Farinacci vollstreckt. Farinacci war Organisator des »Marsches auf Rom« und damit des Putsches zur Machtübernahme Mussolinis im Oktober 1922. Einen Tag später folgte in Mailand die Hinrichtung des Vorgängers Pavolinis als Sekretär des Partito Nazionale Fascista (PNF), Achille Starace. Insgesamt wurden 1.732 auf der Grundlage der Dekrete des CLNAI gefällte Urteile an Faschisten vollzogen, die der Aufforderung, die Waffen niederzulegen und sich zu ergeben, nicht nachgekommen waren.

»Ausgezeichnete Disziplin«

Audisio erläuterte, warum er die Vollstreckung des Todesurteils selbst vorgenommen hatte und kein Exekutionskommando zusammengestellt worden war. Das US-Kommando hatte angeordnet, Mussolini bei seiner Festnahme zu überstellen. Der Justizerlass des CLNAI hatte dagegen festgelegt: »Aus einsichtigen Gründen der Würde muss es das italienische Volk selbst sein, das gegenüber den Verantwortlichen des faschistischen Regimes und des imperialistischen Abenteuers die erforderlichen Strafen anwendet.« Audisio bemerkt dazu: »Wir wollten verhindern, dass Mussolini den Amerikanern in die Hände fällt.« Die US-amerikanischen Truppen waren zum Zeitpunkt der Hinrichtung nur noch eine halbe Stunde von Dongo entfernt.

Die Leichen Mussolinis und seiner Komplizen wurden nach Mailand gebracht und auf der Piazzale Loreto mit den Köpfen nach unten aufgehängt. Am selben Ort hatten Mussolinis »Schwarzhemden« am 12. August 1944 fünfzehn ermordete Geiseln genauso zur Schau gestellt. Das alliierte Kommando erhob gegen die Hinrichtung Mussolinis keine Einwände. Oberst Charles Poletti von der alliierten Militärregierung gab am 30. April in der Präfektur von Mailand für das CLNAI und eine Partisanenabordnung einen Empfang, auf dem er erklärte: »Wir haben in Mailand alles in ausgezeichneter Disziplin vorgefunden. Wir sind auch auf der Piazzale Loreto gewesen und haben dem CLN und den Partisanen unsere vollste Anerkennung für ihre bewundernswerte Operation ausgedrückt.«

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NEUER BEITRAG24.04.2020, 22:13 Uhr
Nutzer / in
arktika

75 Jahre "Duce kaputt!" Ein paar richtig tolle Tage! Abgesehen von Führers Geburtstag, wo man ja lieber dessen Ableben feiern möchte, nur schöne Jubiläen: Erst Teddy Thälmann, dann Lenin, und nun noch Mussolinis Todestag.
NEUER BEITRAG24.04.2020, 22:22 Uhr
EDIT: FPeregrin
24.04.2020, 22:29 Uhr
Nutzer / in
FPeregrin

75 Jahre "Duce kaputt!" Naja, "Adolf kaputt" ist am 30. April. ... auch 75 Jahre, wie es in der Natur der Sache liegt! Aber eben nur im stillen Bunkerlein von eigener zittriger Hand ... So blieb's dann leider beim Aufhängen von Puppen:
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