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NEUES THEMA30.10.2019, 08:44 Uhr
Nutzer / in
juventud87

• Randale in Hongkong? Was machen eigentlich... Die Unruhen in Hongkong? Man liest nicht mehr so viel in der Presse darüber. Hat sich die Situation wieder beruhigt?

Und wird das Thema eigentlich in der restlichen Volksrepublik aufgenommen? Oder wird da nicht groß drüber berichtet?
NEUER BEITRAG30.10.2019, 09:01 Uhr
Nutzer / in
retmarut

Die gehen unverändert weiter.

Am 23. oder 24.10., genaues Datum habe ich nicht im Kopf, wurde das Auslieferungsgesetz nun auch offiziell zurückgezogen.
Die Protestbewegung geht weiterhin auf die Straße; es kommt zu Auseinandersetzungen mit der Polizei sowie zu Brandstiftungen und Zerstörungen (U-Bahn-Stationen, Geschäfte, Polizeistationen etc.) im Rahmen der Versammlungen. Die Grundsituation ist also im Kern unverändert, nur nimmt die Radikalität eines Teils der Protestbewegung weiter zu.

Darüber wird u.a. in den Öffentlichrechtlichen (ARD, ZDF, Phoenix, arte) sowie Zeit, SPON, jW regelmäßig berichtet. Einfach ab und zu reinschauen.
NEUER BEITRAG30.10.2019, 14:53 Uhr
Nutzer / in
secarts

"Und wird das Thema eigentlich in der restlichen Volksrepublik aufgenommen? Oder wird da nicht groß drüber berichtet?"

Da ich gerade in der Volksrepublik bin, bekomme ich von der Berichterstattung was mit... - also ja, es wird darüber berichtet. Selbstverständlich nicht mit Sympathie, denn die Proteste haben eine immer offenkundiger separatistische Motivation, und damit ist bei der überwältigenden Mehrheit der Chinesen kein Blumentopf zu gewinnen.

Interessant ist, dass hier nicht nur ausführlich über die Proteste in Katalonien berichtet und das dortige Vorgehen der Sicherheitskräfte ebenfalls gezeigt wird. Die negative Berichterstattung über die katalanische Bewegung in den westlichen Medien wird auch mit dem positiven Ton über die Ausschreitungen in Hongkong in denselben Medien in Kontrast gesetzt - natürlich, um die Heuchelei des Westens zu demaskieren.

Aktuell bin ich in Jiangxi, aber vorher war ich in Guangdong, hier haben viele Menschen Kontakte über Verwandtschaft oder Bekannte nach Hongkong, außerdem können viele (weil kantonesisch-kundig) etwas aus den Hongkong-Medien mitbekommen. Egal, mit wem ich gesprochen habe: Es gibt durchweg Null Sympathie zu den Vorgängen in Hongkong. Soviel zum Geunke der deutschen Medien, die sich ein Überschwappen der Bewegung aufs Mainland erhoffen: Das erscheint mir vollkommen ausgeschlossen. Die Hongkong-Demonstranten würden am Grenzübergang in Shenzhen stecken bleiben und böse was auf die Nase bekommen smiley

Ich werde nächste Woche wieder nach Guangzhou fahren, von dort kann ich ein Update geben.

#Hongkong
#Separatismus
#EinChina
NEUER BEITRAG04.11.2019, 14:35 Uhr
Nutzer / in
tolpatchow

Vielen Dank für die Info. Wie bist du in China unterwegs? Hab mal bei maps geschaut, Jiangxi und Guangdong sind tausende Kilometer entfernt smiley

Gibt es eigentlich offizielle statements der #KPCh zu den Ereignissen in #Hongkong?
NEUER BEITRAG05.11.2019, 16:20 Uhr
Nutzer / in
secarts

"Wie bist du in China unterwegs? "

Mit der Eisenbahn. Die Hinfahrt (Guangzhou - Wuyuan) habe ich mit dem ausgesprochen komfortablen Schnellzug (6 Stunden Fahrt, durchschnittlich über 300 km/h) gemacht, die Rückfahrt (vom Berg Lushan nach Guangzhou) mit dem alten, dem "grünen Zug" - im Großraum-Schlafwagon voller Wanderarbeiter (14 Stunden Fahrt, Halt in jeder Stadt).

"Gibt es eigentlich offizielle statements der #KPCh"...

Vor ein paar Tagen war eine wichtige Sitzung, die 4. Plenartagung des 19. Zentralkomittees der Kommunistischen Partei. Da wurden unter anderem zwei Beschlüsse gefasst: einmal verliert Hongkong die - bisher angedachte - Schlüsselposition beim Ausbau der "Größeren Perlfluss-Delta-Region", einem wirtschaftlichen Masterplan. Das wird erhebliche Konsequenzen haben, die staatlichen Mittel fließen nun nach Shenzhen. Und zweitens wird die Volksrepublik am Prinzip "ein Land, zwei Systeme" festhalten. Das heißt: weiterhin keine Einmischung in die innenpolitischen Angelegenheiten Hongkongs, kein Einmarsch, keine Militäraktion.

Klar ist, dass die propagandistische Wirkung dieses Prinzips in erster Linie in Richtung Taiwan gedacht ist. Die Wiedervereinigung mit Taiwan wird nicht wegen Hongkong aufs Spiel gesetzt werden. Für Hongkong selbst heißt das: Wenn die Bewohner der Stadt ihre Probleme nicht selbst in den Griff bekommen, dann haben sie Pech gehabt.
NEUER BEITRAG19.11.2019, 01:04 Uhr
Nutzer / in
FPeregrin

Randale in Hongkong? Ein sehr guter Kommentar in der heutigen jW:

Nur Neid und Hass

Der Westen gegen die VR China

Von Sebastian Carlens

Es kommt nicht allzu häufig vor, dass die honorigsten bürgerlichen Blätter der Republik unisono mehr Gewalt fordern. Nur, wenn es gegen unbotmäßige Regierungen geht, in Lateinamerika oder in Asien – wenn gewählte Präsidenten wie Evo Morales oder Nicolas Maduro gestürzt werden sollen, oder wenn am Perlflussdelta ein Mob außer Rand und Band gerät. Dann entzünden sich die kühnsten Hoffnungen, mit einer Handvoll Hongkong-Bürger ganz China mit seinen 1,4 Milliarden Einwohnern destabilisieren zu können. Absurd, aber dennoch: Anders ist es nicht zu erklären, wenn der juvenile Fanatiker Joshua Wong in der Süddeutschen Zeitung feststellen darf, dass »friedlicher Protest allein nicht ausreicht«. Der 23jährige habe »Erfahrung an der Front«, so der Titel aus der Montagausgabe.

Die besitzt er natürlich nicht, und die Tatsache, dass Wong durch die Zeitungen der Bundesrepublik gereicht wird, hat den Hintergrund, dass er bei den radikalen Separatisten in der chinesischen Sonderverwaltungszone längst ausgebootet worden ist, diese Scharte gilt es durch gesteigerte Verbalaggressivität auszuwetzen. Für die Süddeutsche aber »steht er für die Demonstranten in Hongkong«, weil sie es so will, wie für Springers Welt der in der BRD lebende chinesische Hausdissident Liao Yiwu eine Art Onkel Tom ist, den man nach Belieben (oder Unvermögen) duzen kann: »Yiwu: ›Ich hoffe, dass Hongkong das Waterloo der Kommunisten wird‹.«
Printzeitung mit Prinzipien

Das mag Herr Liao sich und seiner Patronage in Berlin wünschen, realistischer wird es nicht. Um es in aller Deutlichkeit zu sagen: Es gibt in der restlichen Volksrepublik keinen Funken Sympathie für die Randale. Es gibt nicht einmal in Hongkong Mehrheiten für die Gewalttäter. Und – es wäre überflüssig zu erwähnen, doch gegen die geballte Ladung an Fake News kommt man kaum mehr an –: auch nicht in der Bundesregierung. Für die ist die Sache eine innerchinesische Angelegenheit, objektiv sogar hochgefährlich. Laufen doch viele westliche Kapitalströme über Hongkong in die Volksrepublik, die nicht deshalb versiegen werden, weil die Stadt in einen Trümmerhaufen verwandelt wird. Solange es Profite zu machen gibt, wird sich das Geld seinen Weg bahnen, zukünftig eben über Shanghai, Guangzhou oder Beijing. Aber dann eben nicht mehr zu den besonderen Konditionen, die Hongkongs Status »ein Land, zwei Systeme« dem Westen aktuell gewährt.

Der faulende deutsche Spätkapitalismus reagiert mit Neid und Hass bis hin zu selbstverletzendem Verhalten auf Chinas Aufstieg. Die Hetze zielt dabei auf das hiesige Publikum, nach der Rechnung, dass sich, wem man Luftangriffe der Bundeswehr als Einsatz für »Freiheit« und »Menschenrechte« verkaufen kann, auch Brandbombenwerfer als Kämpfer für »die Demokratie« unterjubeln lassen. Doch selbst das dürfte nicht mehr aufgehen. Der Vertrauensverlust in die bürgerlichen Medien – er geht unvermindert und selbstverschuldet weiter.


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