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NEUES THEMA05.06.2019, 00:52 Uhr
Nutzer / in
retmarut

• 30 Jahre Tian’anmen-Proteste Auf arte gab es heute zum 30. Jahrestag einen Themenabend mit französischen Dokumentationen zum Thema. Die Beiträge, die aus einem bestimmten, französischen Blickwinkel gedreht sind, fand ich jedenfalls interessant. V.a. den Einblick in die Künstler- und Dissidentenkreise der 1980er ff. Was in den Dokus deutlich zu kurz kommt, ist u.a. der Bezug zu den Ereignissen 1989 in anderen sozialistischen Ländern. Das hätte die damalige Härte der Auseinandersetzung klarer gemacht.

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NEUER BEITRAG05.06.2019, 20:13 Uhr
Nutzer / in
FPeregrin

30 Jahre Tian’anmen-Proteste Ich hänge mal den Artikel von Gerhard Feldbauer in der jW von gestern an:

Es drohte ein Bürgerkrieg

Zu den Ereignissen vor 30 Jahren in Beijing.

Von Gerhard Feldbauer

Im Frühsommer 1989 bahnte sich in Osteuropa die Krise des real existierenden Sozialismus an, die der Imperialismus zur Konterrevolution nutzte. Auch in der Kommunistischen Partei Chinas fanden zu dieser Zeit Auseinandersetzungen über den weiteren Weg zum Sozialismus durch ökonomische Reformen unter der Kontrolle und Führung der Partei statt, gegen die sich eine liberale Fraktion wandte, die auf kapitalistische Restauration setzte. Ihre führenden Kräfte waren Studenten und Angehörige der Intelligenz, von denen nicht wenige während der Zeit der »Großen Proletarischen Kulturrevolution« unter Mao Zedong in den 1960er und 70er Jahren als »rechte Elemente« gemaßregelt und in Arbeitslager auf dem Land verbannt worden waren. An den Protesten, die im April 1989 auf dem Tian­anmen-Platz in Beijing begannen, beteiligten sich auch Intellektuelle, vor allem Hochschullehrer, die in den Jahren zuvor zu Zehntausenden in den USA und Westeuropa studiert hatten. Allein in den USA besuchten 1989 rund 74.000 junge Chinesen Universitäten und Hochschulen. In der Bundesrepublik Deutschland waren es, Praktikanten eingeschlossen, etwa 8.000. Viele von ihnen wurden, wie später bekannt wurde, von den Geheimdiensten dieser Länder angeworben.

Die Kampagne gipfelte in Forderungen nach dem Sturz der Partei- und Staatsführung, um auch in China einer kapitalistischen Restauration den Weg zu bereiten. Es ging, wie der Spiegel am 12. Juni 1989 einräumte, darum, »ob China ein kommunistisches Land bleibt« oder »ob es pluralistisch werden« sollte. Symbolisiert wurde das durch die Aufstellung einer überlebensgroßen »Göttin der Demokratie«, einer dilettantischen Nachbildung der New Yorker Freiheitsstatue, auf dem Tiananmen-Platz.

Im Westen wurde gedroht, Wirtschafts- und Handelssanktionen zu verhängen, wenn den »berechtigten Forderungen« der Studenten nicht entsprochen werde. Das Ganze wurde von einer internationalen Medienkampagne begleitet. Vor diesem Hintergrund eskalierten die Ereignisse, die in westlichen Medien als »Volksaufstand« gefeiert werden. Es kam zu bewaffneten Aktionen, Armeepatrouillen wurden überfallen, Soldaten gelyncht, erbeutete Waffen gegen die Staatsmacht eingesetzt. Die Deutsche Presseagentur veröffentlichte damals das Foto eines von den Aufständischen angegriffenen und in Brand gesetzten Panzers. Dutzende Soldaten und Polizisten wurden brutal ermordet und ihre Leichen an Brückengeländern aufgehängt.

Am 19. Mai verhängte Ministerpräsident Li Peng den Ausnahmezustand. Der Vorsitzende der Zentralmilitärkommission, Deng Xiaoping, erklärte am 26. Mai, dass man es mit einem konterrevolutionären Putsch unter Beteiligung des US-Geheimdienstes CIA und westlicher Staaten zu tun habe. Dennoch versuchte die Beijinger Führung noch über eine Woche lang, durch Verhandlungen eine friedliche Lösung zu erreichen. Als sich die Studenten weigerten, den Tian­anmen-Platz zu verlassen, erhielten Armee und Polizei am 4. Juni den Befehl zur gewaltsamen Räumung. Es kam zu blutigen Zusammenstößen mit zahlreichen Toten, unter ihnen auch viele Soldaten und Polizisten.

Hätte die chinesische Führung vor 30 Jahren der Konterrevolution nachgegeben, hätte das zu einem verheerenden Bürgerkrieg mit Millionen Toten führen können, der die Welt in unvorhersehbarer Weise destabilisiert hätte. Mit der Verteidigung ihrer Unabhängigkeit und ihres eigenständigen Weges zu einer sozialistischen Gesellschaft hat die Volksrepublik auf dem Tiananmen-Platz dieser brandgefährlichen Entwicklung auf internationaler Ebene Einhalt geboten. Auf dieser Grundlage ist sie heute ein Sicherheitsfaktor für Nordkorea, Verbündete bei der Verteidigung der Unabhängigkeit Kubas und Venezuelas sowie anderer Staaten in Lateinamerika, Afrika und Asien. Damit ist die Volksrepu­blik heute ein Hoffnungsträger, der den USA in ihrem Weltherrschaftsstreben einen Riegel vorschiebt.


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NEUER BEITRAG05.06.2019, 22:34 Uhr
Nutzer / in
secarts

Die zweiteilige arte-Doku (link 1 und 2) ist natürlich ausgesprochen tendenziös (dass das Geschehen 1989 komplex war, aus mehreren zu unterscheidenden Phasen bestand und - wie immer - auch von etlichen subjektiv ehrlichen Menschen unterstützt wurde, bezweifle ich nicht). Das Script basiert auf den sog. Tian'anmen-Protokollen, angeblichen Geheimpapieren aus dem Politbüro der KPCh, deren Authentizität bezweifelt werden darf. Dass es zu etlichen Toten auch auf Seiten von VBA und Polizei kam, wird gleich ganz ausgelassen - darüber hatten vor 30 Jahren selbst bürgerliche Medien im Ausland berichtet.

Die interviewten Anführer leben mittlerweile alle im US-Exil, andere Stimmen kommen nicht zu Wort. Dass sich die Partei dazu offiziell nicht äußert, ist schon klar, aber es gibt durchaus auch - damals prominente - Studentenanführer, die mittlerweile nicht nur ihren Frieden mit der KPCh gemacht haben, sondern sogar Karriere in ihr... Dies nicht einmal zu erwähnen wirft kein gutes Licht auf die Ausgewogenheit der restlichen Materialauswahl.

Im angelsächsischen Raum war und ist die Berichterstattung über den Vorfall auf dem Tian'anmen übrigens zum Teil sehr viel sachlicher und nüchterner. Ich will bei Gelegenheit mal schauen, ob ich das mir bekannte Material noch oder wieder im Netz finde.

Im übrigen: Die wirklich entscheidende Auseinandersetzung fand 1989 nicht auf dem Tian'anmen, sondern in Zhongnanhai (dem Sitz des ZK der KPCh) statt - in der Partei selbst. Hier tobte ein (Linien-)kampf, der zum Ende der Volksrepublik hätte führen können, nicht auf dem Platz.
Gorbatschow macht sich zwar wichtiger, als er ist, wenn er heute behauptet, schon mit dem festen Ziel, die KPCh zu stürzen, im Mai 89 nach Beijing gereist zu sein. Im übertragenen Sinne ist aber trotzdem was dran: die Konterrevolution war international, und auch in der chinesischen Partei gab es einen liquidatorischen Flügel (die Figur des Zhao Ziyang ist interessant, er war keineswegs nur ein netter Grüßonkel, sondern ein beinharter bürgerlicher Liberaler). Diese Fraktion konnte sich in China allerdings 1989/90 ausnahmsweise nicht durchsetzen.
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