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NEUES THEMA22.08.2008, 16:04 Uhr
 Kollektiv 
Sommercamp 'Makarenko'
• 3. Kapitel - Produktion
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I.a) Arbeit und Kapital

In diesem Kapitel analysieren wir die Produktion von Waren, und zwar spezifisch die kapitalistische Produktion als die höchstentwickelte Form der Warenproduktion.

Aus dem vorangegangenen Kapitel geht hervor, dass ein Kapital sich allgemein nur verwerten kann durch Ankauf und Ausbeutung von Arbeitskraft. Damit die kapitalistische Produktionsweise in der heutigen Größenordnung funktionieren kann, muss allerdings eine enorm große Menge an Arbeitskräften zum Ankauf verfügbar sein. Dazu gehören notwendigerweise noch die Bedingungen zur Nutzung dieser Arbeitskraft, die Produktionsmittel, also Rohstoffe, Maschinen, Werkzeuge, Gebäude etc. Diese Warensumme muss der Kapitalist in der Lage sein zu kaufen; d.h. sie müssen auf dem Markt zur Verfügung stehen und er benötigt eine Geldsumme, die groß genug ist für den Ankauf, die also groß genug ist, zu Kapital zu werden. Beide Voraussetzungen sind allgemein durch umfangreiche historische Prozesse bis Ende des 18. Jahrhunderts, besonders günstig in England, entstanden.

In England war die Textilverarbeitung traditionell weit verbreitet. Zunehmend wurden die zahlreichen Kolonien Englands mit Textilwaren beliefert und lieferten ihrerseits Tee, Gewürze, Gold und andere Kolonialwaren an England zurück. Die Städte wuchsen, und mit ihnen der Handel und die Seefahrt. Der Bedarf an Wolle wurde größer und größer. Zunehmend wurden arme Bauern in Mittelengland und Schottland von ihren Ländereien vertrieben, damit diese von ihren Besitzern in einträglichere Schafweiden umgewandelt werden konnten. Die ehemaligen Bauern hatten auf dem Land keine Zukunft mehr und versuchten sich in den Städten als Tagelöhner durchzuschlagen.

Mit dem Handel wuchs der Reichtum der englischen Händler rasant an. Die Nachfrage an Kleidung in den Kolonien war praktisch unbegrenzt, der Bau neuer Textilmanufakturen somit immer rentabel. Als schließlich die Dampfmaschine in der Textilindustrie eingeführt wurde und die Produktivität noch einmal enorm steigerte, wurde die Nachfrage nach Arbeitskräften schlagartig größer. Da kamen die verarmten Massen der Landbevölkerung gerade recht. Aus den bereits großen Manufakturen wurden noch größere Fabriken, gewaltige Industriestädte schossen wie Pilze aus dem Boden, deren massive Schlote der zahlreichen kohlehungrigen Dampfmaschinen den Himmel verfinsterten und über lange Strecken drohend verkündeten: hier entsteht eine kolossale neue Macht - die Macht des Kapitals.1

Es bildeten sich mehr und mehr zwei große, gesellschaftliche Klassen heraus: die Arbeiterklasse oder Proletarier, und die Kapitalistenklasse oder Bourgeoisie. Diese Klassen verschlangen zunehmend die Reste der Klassen und Schichten vorangegangener Gesellschaften. Der alte Grundbesitzer war gezwungen, seinen Landbesitz zu Geld zu machen, also darauf Kapital zu investieren und Arbeiter anzustellen oder gleich an Kapitalisten zu verkaufen. Die Bauern, schon im Feudalismus von drückenden Abgaben gebeutelt, wurden entweder vertrieben oder gingen unter im Konkurrenzkampf mit den Lebensmittelexporteuren der anderen Kontinente. Das gesellschaftliche Leben der Nation konzentrierte sich immer stärker in den Städten, die dadurch aus den Nähten platzten.

Die Bourgeoisie akkumulierte auch das Eigentum in ihren Händen. Neben das bisher dominante Grundeigentum traten nun das rasant wachsende industrielle und kommerzielle Eigentum, später noch die mächtiger werdenden Banken. Mit der Herrschaft über die Fabriken und Produktionsanlagen festigte sich auch die Herrschaft der Bourgeoisie über die Arbeiter. Die Arbeiter waren zwar jetzt im Gegensatz zum teils leibeigenen Bauern des Feudalismus frei, doch frei im doppelten Sinn: frei als juristisch souveräne Individuen und damit vollständig verantwortlich für die eigene Person, doch auch frei von jeglichen Mitteln der Existenzsicherung. Um zu überleben mussten sie ihre Freiheit gegen die Ketten des Fabriksystems eintauschen; für Hungerlöhne rackerten sie sich von nun an Tag für Tag in den Industriehallen der Kapitalisten ab, um Dinge zu schaffen, die sie selbst nicht gebrauchen und sich auch nicht leisten konnten. Das Kapital erwuchs als gesellschaftliche Macht; denn nicht die Tatsache, dass es materiell u.a. aus Produktionsmitteln zusammengesetzt ist, macht es zum Ausbeutungswerkzeug der Arbeitskraft, sondern die soziale Lage, in der die Arbeiter sich befinden - mickriges Eigentum, keine eigenen Produktionsmittel, Familie zu ernähren - macht es für sie zu einer Überlebensfrage, sich an das Kapital zu ketten und seinen Verwertungshunger zu stillen.

I.b) Einzelne Produktion

Kapitalkreislauf der Produktion

[test3_html_m22a5812c.gif]Betrachten wir nun den Prozess der kapitalistischen Produktion im Einzelfall. Grundlegend dafür ist, dass sich der Kapitalkreislauf erweitert. Die Waren, die er kauft, um sie teurer wieder verkaufen zu können, sind Produktionsmittel (Pm) und Arbeitskräfte (Ak). Die Verwandlung der Produktionsmittel durch die Arbeit ist die Produktion, sie hat als Resultat die Ware, die verkauft wird.
G - W - G' wird zu G - Pm+Ak - W - G'.

Unser Kapitalist stelle also beispielsweise Schrauben her. Dazu kauft er dünne Eisenstangen an, die mit verschiedenen Werkzeugen in kleinere Stücke zerteilt und dann mit einem Gewinde versehen werden. Danach wird der Kopf ab- und ausgeschliffen, die Schraube gehärtet, poliert und in Tüten verpackt. Er kauft also ein:

WarePreisRohmaterial (Eisenstangen)50.000€Werkzeug20.000€Hilfsmaterial (Tüten, Strom etc.)10.000€5 Arbeitskräfte (bzw. deren Löhne)20.000€Vorschuss gesamt100.000€

Nun lässt er an 20 Werktagen je 5 Stunden arbeiten.

Nach einem Monat sind seine Produktionsmittel restlos verbraucht; dafür besitzt er 1.000 Tüten mit je 10.000 Schrauben, die er zu insgesamt 100.000€, oder 100€ pro Tüte, verkauft.

Unser Kapitalist stutzt.2 Der Wert des Produkts ist gleich dem Wert des vorgeschossenen Kapitals. Der vorgeschossene Wert hat sich nicht verwertet, keinen Mehrwert erzeugt, Geld sich also nicht in Kapital verwandelt. Das aber sollte Sinn der ganzen Aktion sein, und so beschließt unser Kapitalist, den nächsten Monat seine Schrauben für 110.000€ zu verkaufen. Doch er hat Pech; er findet nicht genug Käufer für seine überteuerten Schrauben und bleibt auf Schrauben zum Preis von 10.000€ sitzen. Was hat er bloß falsch gemacht?

Produktwert

Der gesellschaftlich durchschnittliche Wert von 1.000 Tüten zu je 10.000 Schrauben ist offenbar 100.000€. Das Wertgesetz verhindert, dass er sie zu einem anderen Preis verkauft.3

Gesellschaftlich durchschnittlicher Wert von 100.000€ ist allerdings nichts anderes als der Geldausdruck für die gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit, die für eine solche Menge Schrauben verausgabt wurde. Oder, was das gleiche ist: es ist der Anteil am Gesamtwert der Gesamtmasse der Schraubenproduktion der Gesellschaft (sagen wir 0,1%), der unserem Kapitalisten zufällt entsprechend der anteiligen Menge Arbeit, die in seinem Produkt enthalten ist, im Verhältnis zur Gesamtarbeit, die die Gesellschaft für Schrauben verausgabte (entsprechend auch 0,1%). An diesem Verhältnis kann er auf dem Markt nicht rütteln.

Doch wieviel Arbeit steckt nun in der produzierten Menge Schrauben? Schauen wir uns die Sache näher an:

Die Arbeiter haben an den 1.000 Tüten insgesamt 5 * 5 * 20 = 500 Stunden gearbeitet. Doch sie hatten bereits Material und Werkzeug fertig zur Verfügung. Auch in diesen steckt aufgespeicherte Arbeit. Diese Arbeit, bzw. ihr Wert, bleibt natürlich erhalten - obwohl ihre materielle Form komplett in das neue Produkt eingeht und somit verschwindet - während der Produktion, da es keinen Unterschied macht (zumindest theoretisch), ob die Arbeiter diese bereits fertig erhalten, oder sie erst selbst herstellen müssen.4 Was auf der einen Seite der Produktion an Zeit gespart würde, müsste ja an Geld wieder ausgegeben werden.

Da sich ein Teil der vorgeschossenen Werte unverändert im neuen Produkt widerspiegelt, nennen wir ihn konstantes Kapital. Das konstante Kapital umfasst Rohstoffe, Maschinen, Werkzeuge, Hilfs- und Betriebsmittel - ja eigentlich alles, was nicht die lebendige Arbeit, die Arbeitskraft selbst ist. Das konstante Kapital besteht aus sämtlichen Produkten vergangener Arbeit, die gewissermaßen als tote Arbeit, als Ware der lebendigen Arbeit im Produktionsprozess gegenüberstehen.

Der Rest des Warenwerts entsteht natürlich dadurch, dass die Arbeiter durch Vernutzung ihrer Arbeitskraft die Produktionsmittel in die gewünschte Ware umwandeln, dass sie arbeiten. Die Zeit, die sie hier verbringen, und die Zeit, die bereits in den Produktionsmitteln steckte, machen den Produktwert der fertigen Ware aus.

Wertprodukt

Wie sieht es mit den Löhnen der Arbeiter aus? Gehen diese in den Wert der produzierten Ware ein?

Die Arbeiter setzen in unserem Beispiel dem Produkt 500 Stunden Arbeit zu, um es fertigzustellen. Diese notwendigen 500 Stunden Arbeit sind allerdings völlig unabhängig von dem Lohn, den sie dafür bekommen; der Kapitalist hätte sie ja auch statt mit 20.000€ mit 25.000€ oder nur 15.000€ bezahlen können. Die Tatsache, dass die angefallene Arbeit 500 Stunden zu ihrer Fertigstellung braucht, ist davon nicht betroffen.

Die 20.000€, die die angeworbenen Arbeitskräfte im Monat kosten, sind schlicht der Preis der Arbeitskraft. Dieser Preis5 setzt sich, wie bei allen anderen Waren der Gesellschaft, aus den durchschnittlichen Reproduktionskosten zusammen; also die Lebensmittel, Kleidungsstücke, Wohnkosten, Bildungskosten etc., die die Arbeiter im Durchschnitt benötigen, um durchschnittlich weiterzuleben.

Es unterscheidet sich also bereits der Sache nach das Wertprodukt, das durch die Anwendung von Arbeit in den Waren verwirklicht wird, von den dafür aufgewandten Kosten.6 Der Wert, den die Arbeiter schaffen, ist unterschiedlich vom Wert, „der sie geschaffen hat“, also vom Geld, das sie dafür bekommen. Daher nennen wir den Lohn, den die Arbeiter vom Kapitalisten bekommen, das variable Kapital.

Mehrwert

Unser Kapitalist versucht sich noch ein drittes Mal an der Schraubenproduktion. Er lässt nun statt 5 Stunden 6 Stunden täglich arbeiten, und schafft auch entsprechend mehr Material und Werkzeug heran. Die Arbeiter bekommen allerdings den gleichen Lohn, schließlich hat er ihre Arbeitskraft ja für den ganzen Werktag gekauft. Die neue Produktionsrunde beginnt also mit:

WarePreisRohmaterial (Eisenstangen)60.000€Werkzeug24.000€Hilfsmaterial (Tüten etc.)12.000€5 Arbeitskräfte (bzw. deren Löhne)20.000€Vorschuss gesamt116.000€

Sein Produktionsergebnis sind 1.200 Tüten mit je 10.000 Schrauben. Jede Tüte bringt ihn nach wie vor 100€ ein, und so macht er einen Umsatz von 120.000€. Nach Abzug seiner Kosten also endlich ein stolzer Gewinn von 4.000€!

WertKosten konstantesKapital(sich erhaltender Wert)+ Wertprodukt (Neuwert)konstantes Kapital(Produktionsmittel)+ variables Kapital(Arbeitskraft)alter Wert 96.000€+ neuer Wert 24.000€Rohmaterial 60.000€
+ Werkzeug 24.000€+ Hilfsmaterial 12.000€+ Löhne 20.000€120.000€116.000€


Wo kommt dieser Gewinn her? Das Wertgesetz gilt nach wie vor, und nach wie vor steckt auch in einer Tüte Schrauben Arbeit im Gegenwert von 100€. Er hat also Gewinn gemacht durch Verkauf der Ware zum Wert. Er hat aber auch alle für die Produktion erforderlichen Waren zu ihrem Wert gekauft - einschließlich der Arbeitskraft, deren Preis sich ja nicht verändert hat.

Sehen wir uns nochmal den Produktwert an: er beträgt 120.000€. Davon wurden 96.000€ für Produktionsmittel gezahlt. Den Rest des Werts haben die Arbeiter geschaffen, eine Summe von 24.000€. Bezahlt hat er sie mit 20.000€ - da haben wir die Differenz von 4.000€! Er hat also den Tauschwert der Arbeitskraft gezahlt, aber nicht ihren Gebrauchswert. Anders ausgedrückt: die Arbeiter haben täglich 6 Stunden gearbeitet, aber nur 5 Stunden davon haben sie bezahlt bekommen. Die übrige Stunde, die ebenfalls Wert schuf, hat der Kapitalist eingesackt. Und diese kostenlose eine Stunde summiert sich im Monat zu einem Mehrwert von 4.000€.

Ausbeutung

Ein Kapitalist beutet Arbeiter aus, um von dem Mehrwert zu leben. Er selbst leistet in der Produktion der Waren keinen Anteil, schafft also keinerlei Wert.7 Je stärker er die Arbeiter ausbeutet, desto besser kann er natürlich leben. Gradmesser der Ausbeutung ist in erster Linie die Mehrwertrate, dargestellt mit m'. Sie ist das Verhältnis des Mehrwerts (m) zum variablen Kapital (v). Man kann genauso sagen, sie ist das Verhältnis des bezahlten Teils der Arbeit zum unbezahlten Teil.

Der Kapitalist ist ständig bestrebt, die Mehrwertrate in seinem Betrieb zu erhöhen. Dazu nutzt er alle erdenklichen Tricks, um den Arbeitern ein Maximum an Arbeit zu entlocken, und versucht ebenso, den Lohn möglichst niedrig zu halten. Schließlich ist es das Wertprodukt, das sich am Ende, also nach Abzug der Kosten für das konstante Kapital, Arbeiter und Kapitalist zur Lebenshaltung teilen müssen. Bei konstantem Wertprodukt kann der Mehrwert nur auf Kosten des Lohns vergrößert werden; wird das Wertprodukt vergrößert, kriegt der Arbeiter in der Regel nur den kleinsten Teil davon ab. So oder so, der Kapitalist bereichert sich auf seine Kosten.

Eine verbreitete Methode die Ausbeutung zu verschärfen ist die Verlängerung des Arbeitstags bei nicht angemessener Lohnerhöhung. Hat der Arbeiter z.B. anfangs 5 Stunden gearbeitet, und seine Arbeitskraft kostete das Produkt von 3 Stunden, so lag die Mehrwertrate bei 662/3%. Wird nun der Arbeitstag auf 8 Stunden verlängert, sein Lohn aber nur auf den Wert von 4 Stunden Arbeit erhöht, ist die Mehrwertrate auf 100% gestiegen.

Eine andere Methode ist die Intensivierung der Arbeit; durch Einführung von Akkordlöhnen etc. So produziert der Arbeiter in der gleichen Zeit höheren Wert; der Wert seiner Arbeitskraft wird schneller reproduziert und der Punkt, ab dem er für den Kapitalisten arbeitet, früher und länger überschritten. Auch dabei steigt die Mehrwertrate. Hat der Arbeiter anfangs von 8 Stunden 4 für seinen Lohn gearbeitet, war die Mehrwertrate bei 100%. Sinkt nun durch stärkere Antreiberei seitens des Kapitalisten die Zeit, die sein Lohn zur Reproduktion braucht, auf 3 Stunden, steigt die Mehrwertrate auf 1662/3%. Diese Methode - kontinuierliche Intensivierung der Arbeit - ist in der heutigen Industrie vorherrschend.

Schließlich versucht der Kapitalist dem Arbeiter stets den Lohn zu drücken. Oft genug beruft er sich dabei auf scheinheilige Ausreden wie z.B. Konkurrenzdruck oder Konjunkturlage. Dass die Lohnhöhe auf die Preisbildung seiner Waren keinen Einfluss hat, weiß er ja nicht. Sagen wir, der Arbeiter arbeite anfangs 3 Stunden für seinen Lohn und 5 für den Mehrwert, ergibt das eine Mehrwertrate von 1662/3%. Bei einer Lohnkürzung, nach der er in nur noch 2 Stunden seinen Lohn reproduziert hat, bleiben 6 Stunden Mehrwertproduktion, also eine Mehrwertrate von 300%. Im Durchschnitt drücken die Kapitalisten den Lohn der Arbeiterklasse jeweils auf das gerade zum Leben ausreichende Niveau, sofern ihnen kein organisierter Widerstand entgegentritt.8

Kapitalumschlag

"Fixes und zirkulierendes Kapital. Die verschiedenen Teile des produktiven Kapitals schlagen nicht in gleicher Weise um. Die Verschiedenheit des Umschlags der einzelnen Bestandteile des produktiven Kapitals entspringt aus der verschiedenen Weise, worin jeder seinen Wert auf das Produkt überträgt. Dementsprechend wird das Kapital in fixes und zirkulierendes eingeteilt.

Fixes Kapital heißt jener Teil des produktiven Kapitals, der als Ganzes an der Produktion teilnimmt, seinen Wert auf das Produkt aber nicht auf einmal, sondern stückweise, im Verlauf einiger Produktionsperioden überträgt. Das ist der Teil des Kapitals, der für den Bau von Gebäuden und Produktionsanlagen, für den Ankauf von Maschinen und Betriebseinrichtungen aufgewendet wurde.

Das fixe Kapital wird vom Kapitalisten für seine ganze Funktionszeit auf einmal vorgeschossen, doch sein Wert kehrt nur stückweise in Geldform zu dem Kapitalisten zurück. Die Elemente des fixen Kapitals dienen der Produktion gewöhnlich viele Jahre; sie nutzen sich jährlich in einem bestimmten Maß ab und werden schließlich für die weitere Benutzung unbrauchbar. Darin besteht der physische Verschleiß der Maschinen und Einrichtungen.

Neben dem physischen Verschleiß sind die Produktionsinstrumente einem moralischen Verschleiß ausgesetzt. Eine Maschine, die 5 bis 10 Jahre gedient hat, kann noch stabil genug sein, wenn jedoch zu diesem Zeitpunkt eine andere, vollkommenere, leistungsfähigere oder billigere Maschine derselben Art gebaut worden ist, so führt das zur Entwertung der alten Maschine. Deshalb ist der Kapitalist daran interessiert, die Betriebseinrichtungen in einer möglichst kurzen Zeitspanne vollständig zu verbrauchen. Hieraus entspringt das Streben der Kapitalisten nach Verlängerung des Arbeitstages, nach Intensivierung der Arbeit, nach pausenlosem Mehrschichtbetrieb.

Zirkulierendes Kapital heißt jener Teil des produktiven Kapitals, dessen Wert auf die Ware im Verlauf einer Produktionsperiode vollständig übertragen wird und bei der Realisierung der Ware wieder ganz in Geldform zum Kapitalisten zurückkehrt (mit Einschluss des Mehrwerts). Es ist dies der Teil des Kapitals, der aufgewendet wurde zum Kauf der Arbeitskraft sowie der Roh-, Brenn- und Hilfsstoffe, das heißt jener Produktionsmittel, die nicht zum fixen Kapital gehören, wobei sich, wie schon gesagt, der Kapitalist den Aufwand für den Kauf der Arbeitskraft mit einem Überschuss zurückholt.

In derselben Zeit, in der das fixe Kapital einmal umschlägt, schlägt das zirkulierende Kapital mehrmals um.

Durch den Verkauf der Ware erhält der Kapitalist eine bestimmte Geldsumme, in der enthalten sind: 1. der Wert jenes Teils des fixen Kapitals, der im Produktionsprozess auf die Ware übertragen wurde, 2. der Wert des zirkulierenden Kapitals, 3. der Mehrwert.
"9

Man beachte: bei Betrachtung der Wertbildung und -übertragung unterteilt man das gesamte Kapital in konstantes und variables Kapital. Bei der Betrachtung des Umschlags unterteilt man es in fixes und zirkulierendes Kapital. Diese beiden Betrachtungsweisen überschneiden sich und existieren nebeneinander.

I.c)Gesamtgesellschaftliche Produktion

Verdrängung der Arbeiter durch Maschinen

Im großen Maßstab betrachtet stehen sich in vielen Branchen der Industrie zahllose Kapitalisten als Konkurrenten gegenüber. Um auf dem Markt bestehen zu können, muss ein Kapitalist günstiger verkaufen als seine Wettbewerber. Er kann aber nicht langfristig den Preis seiner Waren unter ihrem Wert ansetzen; er wird gezwungen, den Wert selbst zu senken, d.h. die je Ware nötige Arbeitszeit zu verringern. Dies kann er bewerkstelligen durch die oben beschriebenen Methoden zur Verlängerung und Intensivierung der Arbeit und zur Lohnkürzung.

Aber er kann es auch dadurch bewerkstelligen, dass er die Arbeit produktiver macht; dass er technischen Fortschritt fördert und einführt. So kehrt sich ein eigentlich positiver Effekt - Fortschritt der Technologie - automatisch im Kapitalismus gegen die Gesellschaft; einerseits gegen die konkurrierenden Produzenten, andererseits gegen die Arbeiter selbst.

"Als Maschine wird das Arbeitsmittel sofort zum Konkurrenten des Arbeiters selbst.10 Die Selbstverwertung des Kapitals durch die Maschine steht im direkten Verhältnis zur Arbeiterzahl, deren Existenzbedingungen sie vernichtet. Das ganze System der kapitalistische Produktion beruht darauf, dass der Arbeiter seine Arbeitskraft als Ware verkauft. Die Teilung der Arbeit vereinseitigt diese Arbeitskraft zum ganz partikularisierten Geschick, ein Teilwerkzeug zu führen. Sobald die Führung des Werkzeugs der Maschine anheimfällt, erlischt mit dem Gebrauchswert der Tauschwert der Arbeiterkraft. Der Arbeiter wird unverkäuflich, wie außer Kurs gesetztes Papiergeld. Der Teil der Arbeiterklasse, den die Maschinerie so in überflüssige, d.h. nicht länger zur Selbstverwertung des Kapitals unmittelbar notwendige Bevölkerung verwandelt, geht einerseits unter in dem ungleichen Kampf des alten handwerksmäßigen und manufakturmäßigen Betriebs wider den maschinenmäßigen, überflutet andererseits alle leichter zugänglichen Industriezweige, überfüllt den Arbeitsmarkt und senkt daher den Preis der Arbeitskraft unter ihren Wert. Ein großer Trost für die pauperisierten [verarmten] Arbeiter soll sein, dass ihre Leiden teils nur „zeitlich“ („a temporary inconvenience“), teils dass die Maschinerie sich nur allmählich eines ganzen Produktionsfelds bemächtigt, wodurch Umfang und Intensität ihrer vernichtenden Wirkung gebrochen werde. Der eine Trost schlägt den andren. Wo die Maschine allmählich ein Produktionsfeld ergreift, produziert sie chronisches Elend in der mit ihr konkurrierenden Arbeiterschichte. Wo der Übergang rasch, wirkt sie massenhaft und akut."11

Nehmen wir an, unser Schraubenhersteller aus obigem ersten Beispiel kauft zum doppelten Preis des bisher eingesetzten Werkzeugs eine neue Maschine, an welcher die Arbeiter in der gleichen Zeit die doppelte Menge Schrauben herstellen können. Er investiert nun:

WarePreisRohmaterial (Eisenstangen)100.000€Maschine40.000€Hilfsmaterial (Tüten, Strom etc.)20.000€5 Arbeitskräfte (bzw. deren Löhne)20.000€Vorschuss gesamt180.000€

Sein Monatsprodukt sind nun 2.000 Tüten Schrauben, und verkauft er diese zum Wert von je 100€, so hält er einen Mehrwert von 20.000€ in der Hand. Dadurch, dass die gesamte Arbeit seiner Arbeiter sich nun auf die doppelte Menge Waren verteilt, erarbeiten sie ihren Lohn doppelt so schnell - die Mehrwertrate steigt rapide an.

Doch schon bald werden seine Konkurrenten gezwungen sein, ebenfalls neue Maschinen einzuführen. Bald werden viel zuviele Schrauben hergestellt, und einige Konkurrenten gehen pleite. Sobald sich die neue Maschinerie gesellschaftlich durchgesetzt hat, entspricht eine Tüte Schrauben nun noch dem Wert von 90€, statt vorher 100€. Der Vorteil des einen Kapitalisten ist dahin, und er muss die nächste Runde des Ausbeutungswettstreits einläuten.

Arbeitslosigkeit: die industrielle Reservearmee

"Die industrielle Reservearmee. Mit dem Wachstum der Produktion im Kapitalismus geht, wie bereits dargelegt, eine Erhöhung der organischen Zusammensetzung des Kapitals einher. Die Nachfrage nach Arbeitskräften wird nicht durch die Höhe des Gesamtkapitals bestimmt, sondern nur durch die Höhe des variablen Kapitalteils. In dem Maße aber, wie die Technik voranschreitet, verringert sich der variable Kapitalteil relativ, d.h. im Verhältnis zum konstanten Kapital. Somit ergibt sich, dass im Zusammenhang mit der Akkumulation des Kapitals und der Erhöhung seiner organischen Zusammensetzung die Nachfrage nach Arbeitskräften relativ sinkt, obwohl die Gesamtmasse des Proletariats mit der Entwicklung des Kapitalismus wächst.

Infolgedessen findet eine große Masse von Arbeitern keine Verwendung für ihre Arbeit. Ein Teil der Arbeiterbevölkerung erweist sich als „überflüssig“, bildet die sogenannte relative Übervölkerung [sic!]. Dabei handelt es sich um eine relative Überbevölkerung, weil dieser Teil der Arbeitskräfte im vergleich zu den Bedürfnissen der Akkumulation des Kapitals überflüssig wird. Somit wird in der bürgerlichen Gesellschaft entsprechend dem Anwachsen des gesellschaftlichen Reichtums der eine Teil der Arbeiterklasse zu immer schwererer, zu übermäßig angespannter Arbeit verdammt und der andere Teil zu erzwungener Arbeitslosigkeit.

[...]

Die aus der Produktion verdrängten Arbeiter bilden die industrielle Reservearmee - die Armee der Arbeitslosen. Diese Armee ist ein notwendiges Zubehör der kapitalistischen Wirtschaft, ohne das diese nicht bestehen und sich nicht entwickeln kann. In Perioden des industriellen Aufschwungs, wenn eine rasche Erweiterung der Produktion erforderlich wird, steht den Unternehmern eine ausreichende Anzahl von Arbeitslosen zur Verfügung. Durch die Erweiterung der Produktion verringert sich die Arbeitslosigkeit zeitweilig. Dann aber bricht eine Überproduktionskrise herein, werden erneut erhebliche Massen von Arbeitern auf die Straße geworfen, die die Reservearmee der Arbeitslosen verstärken.

Das Bestehen der industriellen Reservearmee gibt den Kapitalisten die Möglichkeit, die Ausbeutung der Arbeiterklasse zu verstärken. Der Arbeitslose muss sich mit den schwersten Arbeitsbedingungen abfinden. Die Arbeitslosigkeit schafft für die in der Produktion beschäftigten Arbeiter eine unsichere Lage und senkt den Lebensstandard der gesamten Arbeiterklasse ganz erheblich. Eben darum haben die Kapitalisten kein Interesse an einer Beseitigung der industriellen Reservearmee, die einen Druck auf den Arbeitsmarkt ausübt und den Kapitalisten billige Arbeitskräfte sichert.

Mit der Entwicklung der kapitalistischen Produktionsweise wächst die Arbeitslosenarmee, insgesamt gesehen, unablässig an, wobei sie sich in den Perioden des Aufschwungs der Produktion verringert und in den Krisenzeiten vergrößert."
12

Es muss an dieser Stelle vermerkt werden, dass tatsächlich in den 60er und 70er Jahren in der BRD Vollbeschäftigung, d.h. so gut wie keine Arbeitslosigkeit herrschte. Das ist allerdings eine historisch einmalige Ausnahme, die der gewaltigen Zerstörung von Kapital und Menschenleben im zweiten Weltkrieg geschuldet war. Seitdem hat sich der Kapitalismus in der BRD längst „normalisiert“, die Arbeitslosigkeit einiger Millionen Menschen und ihre Folgen für die gesamte Arbeiterklasse sind aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken und nehmen stets zu.

Krisen

"Mit der Erweiterung der Warenproduktion aber, und namentlich mit dem Auftreten der kapitalistischen Produktionsweise, traten auch die bisher schlummernden Gesetze der Warenproduktion offener und mächtiger in Wirksamkeit. Die alten Verbände wurden gelockert, die alten Abschließungsschranken durchbrochen, die Produzenten mehr und mehr in unabhängige, vereinzelte Warenproduzenten verwandelt. Die Anarchie der gesellschaftlichen Produktion trat an den Tag und wurde mehr und mehr auf die Spitze getrieben. [...] Die große Industrie endlich und die Herstellung des Weltmarkts haben den Kampf universell gemacht und gleichzeitig ihm eine unerhörte Heftigkeit gegeben. Zwischen einzelnen Kapitalisten wie zwischen ganzen Industrien und ganzen Ländern entscheidet die Gunst der natürlichen oder geschaffenen Produktionsbedingungen über die Existenz. Der Unterliegende wird schonungslos beseitigt. Es ist der Darwinsche Kampf ums Einzeldasein, aus der Natur mit potenzierter Wut übertragen in die Gesellschaft. Der Naturstandpunkt des Tiers erscheint als Gipfelpunkt der menschlichen Entwicklung. Der Widerspruch zwischen gesellschaftlicher Produktion und kapitalistischer Aneignung reproduziert sich als Gegensatz zwischen der Organisation der Produktion in der einzelnen Fabrik und der Anarchie der Produktion in der ganzen Gesellschaft.

In diesen beiden Erscheinungsformen des ihr durch ihren Ursprung immanenten Widerspruchs bewegt sich die kapitalistische Produktionsweise, beschreibt sie auswegslos jenen „fehlerhaften Kreislauf“, den schon Fourier an ihr entdeckte. Was Fourier allerdings zu seiner Zeit noch nicht sehen konnte, ist, dass sich dieser Kreislauf allmählich verengert, dass die Bewegung vielmehr eine Spirale darstellt und ihr Ende erreichen muss, wie die der Planeten, durch Zusammenstoß mit dem Zentrum. Es ist die treibende Kraft der gesellschaftlichen Anarchie der Produktion, die die große Mehrzahl der Menschen mehr und mehr in Proletarier verwandelt, und es sind wieder die Proletariermassen, die schließlich der Produktionsanarchie ein Ende machen werden. Es ist die treibende Kraft der sozialen Produktionsanarchie, die die unendliche Vervollkommnungsfähigkeit der Maschinen der großen Industrie in ein Zwangsgebot verwandelt für jeden einzelnen industriellen Kapitalisten, seine Maschinerie mehr und mehr zu vervollkommnen, bei Strafe des Untergangs. Aber Vervollkommnung der Maschinerie, das heißt Überflüssigmachung von Menschenarbeit. Wenn die Einführung und Vermehrung der Maschinerie Verdrängung von Millionen von Handarbeitern durch wenige Maschinenarbeiter bedeutet, so bedeutet Verbesserung der Maschinerie Verdrängung von mehr und mehr Maschinenarbeitern selbst und in letzter Instanz Erzeugung einer das durchschnittliche Beschäftigungsbedürfnis des Kapitals überschreitenden Anzahl disponibler Lohnarbeiter, einer vollständigen industriellen Reservearmee... disponibel für die Zeiten, wo die Industrie mit Hochdruck arbeitet, aufs Pflaster geworfen durch den notwendig folgenden Krach, zu allen Zeiten ein Bleigewicht an den Füßen der Arbeiterklasse in ihrem Existenzkampf mit dem Kapital, ein Regulator zur Niederhaltung des Arbeitslohns auf dem dem kapitalistischen Bedürfnis angemessenen niedrigen Niveau. So geht es zu, dass die Maschinerie, um mit Marx zu reden, das machtvollste Kriegsmittel des Kapitals gegen die Arbeiterklasse wird, dass das Arbeitsmittel dem Arbeiter fortwährend das Lebensmittel aus der Hand schlägt, dass das eigne Produkt des Arbeiters sich verwandelt in ein Werkzeug zur Knechtung des Arbeiters.13 So kommt es, dass die Ökonomisierung der Arbeitsmittel von vornherein zugleich rücksichtsloseste Verschwendung der Arbeitskraft und Raub an den normalen Voraussetzungen der Arbeitsfunktion wird14; dass die Maschinerie, das gewaltigste Mittel zur Verkürzung der Arbeitszeit, umschlägt in das unfehlbarste Mittel, alle Lebenszeit des Arbeiters und seiner Familie in disponible Arbeitszeit für die Verwertung des Kapitals zu verwandeln; so kommt es, dass die Überarbeitung der einen die Voraussetzung wird für die Beschäftigungslosigkeit der anderen und dass die große Industrie, die den ganzen Erdkreis nach neuen Konsumenten abjagt, zu Hause die Konsumtion der Massen auf ein Hungerminimum beschränkt und sich damit den eignen inneren Markt untergräbt. „Das Gesetz, welches die relative Surpluspopulation oder industrielle Reservearmee stets mit Umfang und Energie der Kapitalakkumulation im Gleichgewicht hält, schmiedet den Arbeiter fester an das Kapital, als den Prometheus die Keile des Hephästos an den Felsen. Es bedingt eine der Akkumulation von Kapital entsprechende Akkumulation von Elend. Die Akkumulation von Reichtum auf dem einen Pol ist also zugleich Akkumulation von Elend, Arbeitsqual, Sklaverei, Unwissenheit, Bestialisierung und moralischer Degradation auf dem Gegenpol, das heißt auf Seite der Klasse, die ihr eigenes Produkt als Kapital produziert.“15 [...]

Wir sahen, wie die aufs höchste gesteigerte Verbesserungsfähigkeit der modernen Maschinerie, vermittelst der Anarchie der Produktion in der Gesellschaft, sich verwandelt in ein Zwangsgebot für den einzelnen industriellen Kapitalisten, seine Maschinerie stets zu verbessern, ihre Produktionskraft stets zu erhöhen. In ein ebensolches Zwangsgebot verwandelt sich für ihn die bloße faktische Möglichkeit, seinen Produktionsbereich zu erweitern. Die enorme Ausdehnungskraft der großen Industrie... tritt uns jetzt vor die Augen als ein qualitatives und quantitatives Ausdehnungsbedürfnis, das jedes Gegendrucks spottet. Der Gegendruck wird gebildet durch die Konsumtion, den Absatz, die Märkte für die Produkte der großen Industrie. Aber die Ausdehnungsfähigkeit der Märkte, extensive wie intensive, wird beherrscht zunächst durch ganz andere, weit weniger energisch wirkende Gesetze. Die Ausdehnung der Märkte kann nicht Schritt halten mit der Ausdehnung der Produktion. Die Kollision wird unvermeidlich, und da sie keine Lösung erzeugen kann, solange sie nicht die kapitalistische Produktionsweise selbst sprengt, wird sie periodisch. Die kapitalistische Produktion erzeugt einen neuen „fehlerhaften Kreislauf“.

In der Tat, seit 1825, wo die erste allgemeine Krisis ausbrach, geht die ganze industrielle und kommerzielle Welt, die Produktion und der Austausch sämtlicher zivilisierter Völker und ihrer mehr oder weniger barbarischen Anhängsel so ziemlich alle zehn Jahre einmal aus den Fugen. Der Verkehr stockt, die Märkte sind überfüllt, die Produkte liegen da, ebenso massenhaft wie unabsetzbar, das bare Geld wird unsichtbar, der Kredit verschwindet, die Fabriken stehen still, die arbeitenden Massen ermangeln der Lebensmittel, weil sie zuviel Lebensmittel produziert haben, Bankrott folgt auf Bankrott, Zwangsverkauf auf Zwangsverkauf. Jahrelang dauert die Stockung, Produktivkräfte wie Produkte werden massenhaft vergeudet und zerstört, bis die aufgehäuften Warenmassen unter größerer oder geringerer Entwertung endlich abfließen, bis Produktion und Austausch allmählich wieder in Gang kommen. Nach und nach beschleunigt sich die Gangart, fällt in Trab, der industrielle Trab geht über in Galopp, und dieser steigert sich wieder bis zur zügellosen Karriere einer vollständigen industriellen, kommerziellen, kreditlichen und spekulativen Steeple-chase (Hindernisrennen), um endlich nach den halsbrechendsten Sprüngen wieder anzulangen - im Graben des Krachs. Und so immer von Neuem... Und der Charakter dieser Krisen ist so scharf ausgeprägt, dass Fourier sie alle traf, als er die erste bezeichnete als: crise pléthorique, Krisis aus Überfluss.

In den Krisen kommt der Widerspruch zwischen gesellschaftlicher Produktion und kapitalistischer Aneignung zum gewaltsamen Ausbruch. Der Warenumlauf ist momentan vernichtet; das Zirkulationsmittel, das Geld, wird Zirkulationshindernis, alle Gesetze der Warenproduktion und Warenzirkulation werden auf den Kopf gestellt. Die ökonomische Kollision hat ihren Höhepunkt erreicht: die Produktionsweise rebelliert gegen die Austauschweise, die Produktivkräfte rebellieren gegen die Produktionsweise, der sie entwachsen sind.
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Anmerkungen:
1 Über die gewaltigen Umwälzungen durch das Aufkommen des Kapitals als globaler Macht vergleiche Kapitel I, „Bourgeois und Proletarier“ aus dem „Manifest der Kommunistischen Partei“.
2 Vgl. K. Marx, „Das Kapital“, Bd. 1 in MEW, Bd. 23, S. 205.
3 Natürlich wirkt das Wertgesetz in einem Einzelfall der Praxis nicht derart direkt. Diese Übertreibung soll nur illustrieren, dass ausschließlich die lebendige Arbeit selbst, wie sie eben in der Produktion und nur dort vorkommt, Wert erzeugt. Und wo kein Wert erzeugt wird (beim Verkauf), kann auch keiner draufgeschlagen werden. (Ausnahmen bestätigen die Regel und werden im folgenden Kapitel erläutert)
4 Wir betrachten diesen Zusammenhang natürlich sehr abstrakt. In der Praxis ist es Arbeitern natürlich kaum möglich, spontan die Branchen zu wechseln oder einen Produktionsakt von Anfang bis Ende durch zig verschiedene Industrien zu begleiten.
5 Man beachte, dass hier vom Preis, und nicht vom Wert der Arbeit die Rede ist. Der Wert der Arbeit wäre ein unlogischer Ausdruck; denn Wert ist ja nur ein anderer Ausdruck für Arbeit, die in etwas steckt. Im konkreten Einzelfall gibt es aber immer eine bestimmte Warenmasse, die dem Arbeiter durchschnittlich zur Verfügung steht und die selbst auch Produkt vergangener Arbeit ist. Diese werden zur Herstellung der Ware Arbeitskraft benötigt und bestimmen so ihren Preis.
6 Bürgerliche Ökonomen erkennt man daran, dass sie diesen Zusammenhang beim besten Willen einfach nicht begreifen.
7 In der Praxis kommt es bisweilen vor, dass der Kapitalist eines Kleinbetriebs noch selbst Hand anlegt bei der Warenproduktion. Dadurch schafft er tatsächlich Wert. Allerdings schafft er hier Wert nicht als Kapitalist, sondern als Arbeiter. Dass er plötzlich Arbeiter und Kapitalist, Ausbeuter und Ausgebeuteter in Personalunion ist, ist eine ausnahmsweise Merkwürdigkeit, die dem rückständigen Charakter des Kleinbetriebs entspringt und bei größerer Stufenleiter der Produktion zunehmend verschwindet. In den kolossalen Monopolen des imperialistischen Zeitalters ist dagegen selbst die Geschäftsleitung von den Kapitalisten an sogenannte Manager, an lohnabhängige Dirigenten des Kapitals abgegeben.
8 Die furchtbaren Resultate, die durch die ständige Steigerung der Ausbeutung entstehen, können in diesem Reader nur angedeutet werden. Umfangreiche und beispielhafte Beschreibungen finden sich in F. Engels, „Die Lage der arbeitenden Klasse in England“ in MEW, Bd. 2; in K. Marx, „Das Kapital“, Bd. 1 in MEW, Bd. 23; im „Politische Ökonomie - Lehrbuch“ und in vielen anderen Werken der internationalen Arbeiterliteratur. Sie sind charakteristisch und fundamental für die sozialen Entwicklungen der kapitalistischen Gesellschaft.
9 „Politische Ökonomie - Lehrbuch“, Berlin 1955, Kapitel IV, S. 175f.
10 „Maschinerie und Arbeit sind in ständiger Konkurrenz.“ (Ricardo, l.c.p. 479.).
11 K. Marx, „Das Kapital“, Bd. 1 in MEW, Bd. 23, S. 454.
12 „Politische Ökonomie - Lehrbuch“, Berlin 1955, Kapitel IV, S. 162ff.
13 Vgl. MEW, Bd. 23, S. 459 und 511.
14 Vgl. ebenda, S. 486.
15 Vgl. ebenda, S. 675. Hervorhebungen von Engels.
16 F. Engels, „Herrn Eugen Dührings Umwälzung der Wissenschaft“ in MEW, Bd. 20, S. 254 - 258.



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