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NEUES THEMA22.08.2008, 09:06 Uhr
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kaz

• Das Beispiel Japan Das Thema Japan ist wieder mal allgegenwärtig. Es rückt zwar nur selten in die Schlagzeilen, doch keine Wirtschaftsnachrichten ohne Hinweis auf das „düstere Jahrzehnt”, das hinter dem Land liegt, auf die Gefahren, die von der lahmenden Konjunktur dort auf die Weltkonjunktur ausstrahlen, auf die Notwendigkeit endlich „schmerzhafte Reformen” anzupacken.
Interessant im Zusammenhang mit dem Themenkreis dieser KAZ ../media/index.php?view=periodicals&id=49' target='blank ist Japan, weil die dortigen Krisenerscheinungen üblicherweise in Zusammenhang mit Bewegungen des fiktiven Kapitals – Börsenboom, Börsencrash, Bankenkrise – gebracht werden. Man kann deshalb an diesem Beispiel ganz gut studieren, wie, wann und warum es zu diesen Bewegungen kommt und wie sie sich auswirken.


Der Artikel will in diesem Rahmen folgende Thesen belegen:In den 90er Jahren hat Japan im Vergleich zu den anderen Imperialisten an Boden verlorenDie Schwächung kommt zum Ausdruck und wurde wesentlich auch mit verursacht durch Entwicklungen auf den Finanzmärkten, wie z.B. dem steilen Fall der japanischen Aktienpreise Anfang der 90er Jahre oder der drastischen Abwertung der Währungen der „Tigerländer” in der Asienkrise Mitte 97.Wer solche „Turbulenzen” nur den Spekulanten anlastet, springt viel zu kurz, denn die Finanzmärkte sind ein Feld der Auseinandersetzung um die Neuverteilung zwischen den Imperialisten und lassen sich deshalb nicht dauerhaft „stabilisieren”, solange der Imperialismus besteht.Die Rivalität der Imperialisten drückt sich gerade aus in der Auseinandersetzung um „Stabilitätsmaßnahmen” darum, welche Regeln gelten sollen. Wer Vorschläge zur „neuen Architektur des Weltfinanzsystems” macht, ohne den Imperialismus anzugreifen, sitzt deshalb sehr schnell mit „seinem” Imperialisten in einem Boot.

Japan: Aufstieg gebremst.

Erinnern wir uns: Bis Mitte der 70er Jahre wuchs die japanische Wirtschaft mit Raten um 9%. Die „Wissenschaftler” in den „Denkfabriken” der USA und den europäischen Forschungsinstituten machten ihre mit komplizierten Berechnungen unterlegten Prognosen (verlängerten also die bisherigen Wachstumskurven mit dem Lineal) und gaben ein für ihre Auftraggeber erschreckendes Ergebnis bekannt: Japan wird sie über kurz oder lang alle in den Sack stecken. Nach einem Buch des seinerzeit berühmten US-Futurologen Herman Kahn (The Emerging Japanese Superstate) sollte Japan im Jahr 2000 die führende Wirtschaftsnation der Welt sein. Ähnlich Ezra Vogel im damaligen Bestseller „Japan as Number One”. Nicht nur in der Produktion letztlich unwichtiger leichtindustrieller Erzeugnisse (wie z.B. Spielzeug oder elektronischer Schnick-Schnack), sondern vor allem auch in Schlüsselbranchen schien Japan stark. Als Beispiel sei hier die Automobil- und die Chipbranche genannt.

Autoindustrie: „Demütigung für die stolzen Asiaten”

[sonobe_eckrodt.jpg]In der Autoproduktion wurde die von den Japanern praktizierte „schlanke Fertigung (lean production)” zum Vorbild. Alle Automanager der Welt mussten nach Japan pilgern, um davon zu lernen, die EG schützte ihre Märkte mit Importquoten vor den komplett ausgestatteten und günstigen „Japanern”.
Auch als Argument gegen „Begehrlichkeiten” der Arbeiter in Westdeutschland mussten die japanischen Monopole herhalten. So sei z.B. an die von der IG Metall schon lang geforderte Verkürzung der Arbeitszeit bei einer dermaßen übermächtigen Konkurrenz doch gar nicht zu denken, tönte es damals aus dem westdeutschen Unternehmerlager. Ganz gelang die Einschüchterung nicht:
1984 wurde dann zumindest die 35-Stunden-Woche erkämpft – wenn auch mit dem verheerenden Zugeständnis der Flexibilisierung der Arbeitszeit.

Wie sieht es mittlerweile aus? Auf jeden Fall sehen wir, wenn wir auf die Konkurrenz in Ostasien schauen, z.T. sehr bekannte Gesichter: Anfang dieses Jahres wird Rolf Eckrodt, „Daimler Chrysler Veteran und Spezialist für Konzernsanierungen” Vize-Chef des viertgrößten japanischen Autoproduzenten Mitsubishi, an dem Daimler seit vergangenem Jahr mit 34% beteiligt ist. Als Antrittsgeschenk bringt er einen Stein aus der Berliner Mauer mit, offiziell nicht als Zeichen dafür, woraus Daimler seine neue Kraft zu schöpfen glaubt, sondern „als Hinweis an seine japanischen Kollegen, dass er keinen Stein auf dem anderen lassen werde.”1
Stolz meldet die Zeitschrift „Capital” unter der Überschrift „'Demütigung für die stolzen Asiaten': Da waren es nur noch zwei. Bis auf Toyota und Honda sind alle großen japanischen Autobauer unter der Kontrolle von europäischen und amerikanischen Konzernen. Was ist aus den einst so stolzen und als unschlagbar geltenden Japanern geworden? Nissan hat sich völlig Renault unterworfen, Mitsubishi Chef Takashi Sonobe wehrt sich zwar noch und gibt selbstbewusste Interviews – doch den Machtkampf gegen DaimlerChrysler kann er kaum gewinnen ... Auch die anderen japanischen Automobilfirmen können ohne fremde Hilfe nicht überleben. Mazda hängt an Ford, Suzuki und Isuzu an General Motors. Nur Toyota bleibt eine uneinnehmbare Festung.”1 Und diese Festung müsste sich doch auch für einen Ausfall eignen: Anfang Februar dieses Jahres taucht das Gerücht auf, Toyota wolle DaimlerChrysler übernehmen. Der größte Einzelaktionär von Daimler, die Deutsche Bank, gibt sofort bekannt, sie arbeite an einer „Abwehrstrategie” und Daimler-Chef Schrempp reist zur zweitgrößten Aktionärsgruppe nach Kuwait. Es heißt seine Truppen zu sammeln, der Kampf geht weiter.

Der Halbleiterkrieg

Auch auf einem anderen Feld können die „unseren” eine „Geglückte Aufholjagd” (Überschrift in der SZ vom 8.10.00) melden: „Dramatische Töne beherrschten vor gut einem Jahrzehnt die Diskussion in Deutschland. Wegen der Verknappung der Mikrochips war von Wirtschaftskrieg, Ausbeutung und Erpressung die Rede. Den japanischen Herstellern, die bei den Speicherchips quasi ein Monopol hatten, wurde unterstellt, sie hielten die Halbleiter bewusst zurück, um die Wirtschaft Europas lahm zu legen ... im Gefolge des Programms (Jessi= Staatliches Förderprogramm für die europäischen Chiphersteller) baute Siemens 1987 seinen ersten Ein- Megabit-Chip – mit Hilfe einer japanischen Lizenz. Inzwischen fertigt der Hersteller 256-Megabitspeicher und rangiert unter den Top Ten der Branche. ... Und Japans Monopol gehört längst der Vergangenheit an.

Das „Italien Asiens” „am Rande des Zusammenbruchs?”

Besonders „besorgt” zeigen sich die Rivalen um die Staatsfinanzen des angeschlagenen Konkurrenten. „Ohne Reformen droht Tokio der Staatsbankrott” unkt die SZ (19.12.00) und fordert: „Das Notfallteam des IWF landet besser heute als morgen in Tokio” (Zum IWF und welche Provokation dieser Vorschlag ist, siehe weiter unten). Der Spiegel (12.3.01) zitiert den japanischen Finanzminister Miyazawa „Japans Finanzen befinden sich am Rande des Zusammenbruchs“ und fragt: „Steht die zweitgrößte Wirtschaftsmacht am Rande des Abgrunds?”.

Jesper Koll, „gebürtiger Deutscher und Chefvolkswirt bei Merrill Lynch (= bedeutende US-Bank) in Tokio” spottet unter der Überschrift „In Japan steht der höchste Schuldenberg der Welt” über Japan (und Italien): „Japan ist das Italien Asiens: Die riesigen Nachtragshaushalte haben die Staatsverschuldung allein in den vergangenen Jahren von knapp 60 Prozent auf 130 Prozent des Bruttosozialproduktes kapituliert. Wenn man die Finanzierungslücke im Pensionskassensystem und die Kosten für die Bankenstabilisierung dazurechnet, ergibt sich eine reale Verschuldung von fast 300 Prozent. Das ist Weltrekord ... Der Schuldenberg entwickelt sich zweifellos zum größten Strukturproblem Japans. Jährlich wächst er um einen Betrag, dessen Höhe fast zehn Prozent des Bruttosozialproduktes entspricht.”3

Das mit dem „Weltrekord“ gilt natürlich nur für die Industrieländer, der Vergleich mit Italien bezieht sich auf die stattgehabte Auseinandersetzung in der EG, ob Italien von Anfang an beim EURO mit dabei sein darf, ob das Euro-Kriterium „Staatsschuld unter 60% des Bruttosozialproduktes“ als „erfüllt“ interpretiert wird. Zur Frage, wer hier wie weit vom Abgrund entfernt steht, ist allerdings auch wichtig, woher die Gelder kommen, die sich der Staat leiht, ob es sich z.B. um ausländische Gelder handelt, die eher aus der Einflusssphäre der Konkurrenten kommen.
Dies ist in Japan nicht der Fall. Einheimische Firmen und Privatpersonen haben dort so viel „überschüssiges“ (nicht in Produktionsstätten angelegtes) Kapital, dass es die Schuldaufnahme des Staates leicht deckt. Damit kann die gesamte Staatsverschuldung auch in der eigenen Währung, also in Yen abgewickelt werden. Spezielle Auslandsschulden hat Japan nicht, nur 7% der Anleihen sind in ausländischer Hand (Börse Online 47/00).

In den 80er Jahren, als die keine produktive Anlage findenden Gelder vom japanischen Staat noch nicht in diesem Maße absorbiert wurden, flossen sie aus Japan in die USA. Dort waren durch das von Reagan betriebene Aufrüstungsprogramm große Haushaltsdefizite entstanden, die nur mit Staatsanleihen gestopft werden konnten. Das gewaltige Volumen war in den USA selbst nicht aufzubringen. Die USA mussten deshalb aus der ganzen Welt Kapital anziehen (und hohe Zinsen bieten, damit es auch kam). Zum Hauptgläubiger entwickelte sich damals Japan: „Japan hat den größten Teil der US-Staatsanleihen erworben – Papiere im Wert von 300 Milliarden Dollar.“4
Diesen Fakt kann man je nach Kräfteverhältnis unterschiedlich interpretieren, der Gläubiger (also Japan) sitzt hier nicht automatisch am längeren Hebel: der Schuldner kann nicht nur die Einlösung prinzipiell verweigern (und welcher Gerichtsvollzieher sollte ihn dazu zwingen?), sondern auch mit Papieren bezahlen (nämlich Dollars), die er selbst drucken kann und deren Werthaltigkeit letztlich nicht garantiert ist (Tatsächlich haben sich die Guthaben bis heute auch schon entwertet, da die hohen „Vor-Plaza” Dollarkurse (siehe weiter unten), zu denen die Anleihen gekauft wurden bis heute nicht mehr erreicht wurden).
Brisant werden könnten solche (und andere) Reibungspunkte zu den USA in Zusammenhang mit den allseits geforderten „politischen Reformen“, die der Chef „der Festung“ (s.o.) Toyota und Präsident des Arbeitgeberverbandes Hiroshi Okuda so auf den Punkt bringt: „Japan fehlt ein starker Führer, der das Land aus der Erstarrung führt“.5

Die „Blasen” auf den Finanzmärkten (Bubble Theorie)

Die Ursache der „japanischen Misere“ wird im bürgerlichen Lager relativ einheitlich gesehen. Es gab eine spekulative Blase (bubble) in Form überhöhter Aktien- und Grundstückspreise (siehe dazu weiter unten „Börsenboom 1985-90“ und „Plaza Abkommen“) und als diese Ende der 80er platzte, wurde mangels „politischer Autorität“ nicht genügend „aufgeräumt“. Im Klartext heißt dies, dass der Kampf zwischen den Monopolen, wer über die Klinge springen muss, noch nicht entschieden ist. Die Monopole haben ihren Einfluss auf den Staat genutzt, um Pleiten zu verhindern, d.h. es wurden z.B. ständig neue Nachtragshaushalte und Konjunkturprogramme aufgelegt (Mit entsprechenden Folgen für die Staatsfinanzen, s.o.).

Die imperialistischen Konkurrenten sehen es zudem so, dass in Verbindung mit der Stützung maroder Unternehmen (insbesondere Banken) dem ausländische Kapital (also ihnen) die Tore zu spät und zu wenig weit geöffnet wurden. Als Beispiel für die Bubble Theorie sei Yukata Yamaguchi, Chef der japanischen Zentralbank zitiert: „Bubbles werden in der Geschichte oft beobachtet. In einer Zeit der Euphorie blähen sich die Wertpapier- und Immobilienpreise mit der Kreditexpansion der Banken auf. In der folgenden Zeit der Anpassung belasten die fallenden Preise die Bilanzen der Banken, erschweren die Kreditversorgung und stören so den wirtschaftlichen Ablauf.“6
Schauen wir uns zunächst die „Zeit der Euphorie“ („Börsenboom 1985-90“) näher an. Richtig los ging es mit ihr Mitte der 80er Jahre (und just zu diesem Zeitpunkt wurde auch ein Keim für den folgenden Niedergang gelegt, vgl. das übernächste Kapitel: „Das Plaza Abkommen“).

Börsenboom 1985-90

[kapitalisten_welt.jpg]Der Nikkei Index ist das japanische Pendant zum deutschen Aktienindex (Dax), d.h. er spiegelt die Kurse der wichtigsten Aktien des Landes wider. Von 1985 bis 90 verdoppelte sich dieser Index, um am 29.12.89 sein Hoch von 38.916 Punkten zu erreichen. Der Wert aller in Tokio gelisteten Unternehmen entsprach 40% der gesamten Kapitalisierung aller Aktiengesellschaften der Welt (SZ 11.1.00) und lag deutlich über dem der nach Bevölkerung und Sozialprodukt mehr als doppelt so großen USA. Allein die Telefonfirma NTT war (nach Börsenkapitalisierung = Zahl der Aktien mal Kurs der Aktie) so wertvoll wie Daimler Benz, Siemens, Allianz, Deutsche Bank, Krupp, Thyssen, BMW, Bayer, Hoechst und BASF zusammen (Spiegel 5/2000).

Dieser Vergleich zeigt recht anschaulich, dass die Relationen, die man gewinnt, wenn man aus der Zeitung einfach die Kurse liest, d.h. wenn man das fiktive Kapital zueinander in Beziehung setzt, mit den Möglichkeiten eines tatsächlichen Tausches oft wenig zu tun hat. Denn wenn es zum Schwur gekommen wäre, hätte vermutlich niemand, wie es die gleichen Marktpreise für die beiden Pakete eigentlich nahe legten, die gesammelten Perlen der deutschen Industrie gegen die japanische NTT hergegeben. Die „Aquisitionswährung“ Aktie hat da ihre eigenen Gesetze.
Ähnliches gilt für die Immobilienpreise, die sich innerhalb von 5 Jahren mehr als verdreifachten. Ende der 80er Jahre war die Grundfläche Japans dann vier Mal so viel „wert“, wie die viel größere Gesamtfläche der USA. 0,3% der Weltbodenfläche sollten 60% des Weltbodenpreises ausmachen.7 Allein für die Quadratmeile um den Kaiserpalast in Tokio hätte man theoretisch (bei den herrschenden Preisen) so viel erlösen können, um ganz Kalifornien aufkaufen zu können.8 Mit den steigenden Wertpapier- und Immobilienpreisen einher ging eine beachtliche Kreditexpansion. Die in den Bilanzen der Kredit ausgebenden Banken oder in den Bilanzen der Kreditnehmer als Sicherheiten ausgewiesenen Wertpapiere und Immobilien wurden immer mehr „wert“, sodass die Banken beständig mehr Geld verleihen und Firmen und Privatpersonen sich immer mehr Geld leihen konnten, um am Boom teilzunehmen.
Der Einbruch erfolgte Ende 89/Anfang 90, also im Jahr, als die wichtigsten imperialistischen Länder (bis auf Deutschland mit dem aufschiebend wirkenden „Wiedervereinigungsboom“) in die Krise eintraten. Er war relativ scharf, bis 92 lag der Nikkei 60% unter dem Höchststand von Dezember 89 (38.916) und kam von dort – im Gegensatz zum Dax oder zum amerikanischen Dow Jones Index, die kräftig stiegen – nicht mehr richtig hoch.

Mittlerweile (März 2001) ist der Nikkei unter 12.000 gesunken, wobei die Bewegungen in letzter Zeit wieder eher parallel zu Dax und Dow erfolgten. Die spannende Frage an diesem Börsenboom in Japan ist damit: Warum sind die Kurse in Japan zunächst (1985-90) höher gestiegen (bzw. danach tiefer gefallen) als die Kurse an den Börsen der wichtigsten imperialistischen Konkurrenten?
An einen wichtigen Grund für diese spezifische Entwicklung in Japan sei im Folgenden erinnert:

Das Plaza Abkommen 1985

In den 80er Jahren stieg mit Reagans Rüstungsprogramm („Krieg der Sterne“, star wars) das staatliche Haushaltsdefizit der USA in schwindelnde Höhen. Die USA legten hochverzinsliche Dollaranleihen auf, um Kapital aus dem Ausland anzuziehen (insbesondere auch aus Japan, s.o.) Das führte zu einer hohen Nachfrage nach US-Dollar, was dessen Kurs immer höher trieb. Mitte der 80er Jahre kostete ein Dollar fast 3,50 DM oder 250 Yen. Der „billige“ Yen vergrößerte das Handelsbilanzdefizit der USA gegenüber Japan immer weiter. Am 22. September 1985 trafen sich auf Initiative der USA die Finanzminister und Notenbankchefs der G5 (USA, Japan, BRD, GB, Frankreich) im New Yorker Plaza Hotel mit dem Ziel eine Abwertung des Dollars zu erreichen. Sie verabredeten im sog. Plaza Agreement koordinierte Interventionen auf den Devisenmärkten, die in der ersten Welle mindestens 16 Milliarden Dollar umfasst haben sollten. Dies ist zwar für eine Schlacht auf den Devisenmärkten nicht besonders viel, aber klar war, wer am längeren Hebel sitzt: Die US-Zentralbank kann prinzipiell unbeschränkt viele Dollars auf den Markt werfen (anbieten), um den Kurs des Dollars zu senken. Tatsächlich verlor der Dollar gegenüber dem Yen bis Ende Oktober 13% (und 10% gegenüber der Mark). Innerhalb der nächsten zwei Jahre halbierte sich der Kurs des Dollars dann auf Werte um 120 Yen.

Damit halbierte sich (jeweils in Yen) der Wert der in US-Staatspapieren gehaltenen japanischen Ersparnisse, sowie die japanischen Exporterlöse bei unveränderten Dollarpreisen. Gestärkt wurde lediglich der Kapitalexport: Für den Kauf einer Fabrik in den USA, England oder Thailand müssen nach der Aufwertung weniger Yen ausgegeben werden als vorher. Umgekehrt wird, wie gesagt, der Warenexport aber viel schwieriger.
Die Reaktion auf den durch die schnelle Yen Aufwertung ausgelösten so genannten „Endaka Schock“ wurde erst jüngst wieder beschrieben: „Der Tokioter Aktienindex Nikkei steht auf einem historischen Tief, das an die Zeit erinnert, als die japanische Exportindustrie 1985 eine rasche Aufwertung des Yen hinnehmen musste. Damals hatten die Finanzminister und Notenbankchefs der großen Industrieländer in einer gemeinsamen Aktion (Plaza Abkommen) den Dollarkurs heruntergeredet und -interveniert, was den Yen immer teurer machte. Japanische Firmen wurden dadurch gezwungen, ihre Produktion zunehmend in die benachbarten Billiglohnländer Asiens zu verlagern. Die damalige Führung in Tokio reagierte auf diesen Schock mit einer Niedrigzinspolitik, die es den Unternehmen erlaubte, Kapital fast gratis aufzunehmen und damit zu spekulieren. Dies wiederum mündete in einem bis dahin unvorstellbaren Spekulationsfieber, das Unternehmen und Finanzinstitute zum Kauf von Immobilien und Aktien reizte und deren Preise in die Höhe trieb. Mit diesen Sachwerten als Garantie konnten Unternehmen günstige Kredite aufnehmen und in den Aufbau von Produktionskapazitäten in Asien und Forschungs- und Entwicklungslabors in Japan einsetzen.“9

Im Ergebnis verstärkt der „Endaka Schock“ also die Tendenz mit der Produktion und der Geldanlage verstärkt in die benachbarten „Tigerländer“ auszuweichen.10


Anmerkungen:
1 Süddeutsche Zeitung (SZ) vom 20.1.01
2 Capital 2/2001, S. 26
3 Börse Online 47/2000
4 Spiegel Nr. 11/01
5 a.a.O.
6 Deutsche Bundesbank, Auszüge aus Presseartikeln, 49/00
7 Spiegel 5/2000
8 P. Krugman, The Return of Depression Economics, S. 64
9 SZ vom 14.3.01
10 Unter den Tigerländern werden im Sprachgebrauch der bürgerlichen Presse üblicherweise die Länder Südkorea, Singapur, Thailand, Malaysia, Indonesien sowie die Philippinen verstanden. Mit dem Ausdruck verbindet sich natürlich unwillkürlich ein Bild von Aggression und Stärke, das eine Gefahr suggeriert. In Wirklichkeit sind, was gerade gezeigt wird, diese Länder gerade nicht Ausgangspunkt, sondern Ziel einer aggressiven wirtschaftlichen Strategie.



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