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unofficial world wide web avantgarde
10.08.2018, 16:02 Uhr
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Zendox

• Wiedereinführung der Wehrpflicht? Die „Deutsche Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen“ (DFG-VK) protestiert gegen die Pläne von Teilen der CDU, die Wehrpflicht zu reaktivieren. Stattdessen fordert die Friedensorganisation eine Grundsatzdebatte über die deutsche Außen- und Sicherheitspolitik.

Als einen „fatalen Rückschritt“ bezeichnet die „Deutsche Friedensgesellschaft“ die Pläne von CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer die 2011 ausgesetzte Wehrpflicht zu reaktivieren: „Dies wäre ein deutliches außenpolitisches Signal der Aufrüstung“, empört sich Ralf Buchterkirchen, Bundessprecher der DFG-VK. Internationale Spannungen würden damit zunehmen.

Der CDU-Bundestagsabgeordnete und Vorsitzende des Reservistenverbandes der Bundeswehr, Oswin Veith, begründet den Plan für den Zwangsdienst mit dem aktuellen Nachwuchsmangel der Armee. „Die Frage muss aber nicht lauten, wie die Bundeswehr neue Soldatinnen und Soldaten bekommt, sondern wofür sie diese überhaupt braucht“, so Buchterkirchen. Die Strategie der militärischen Auslandsinterventionen sei gescheitert, beispielsweise hätten weder in Afghanistan noch in Mali Fortschritte erzielt werden können – nicht für die Menschen in den Ländern und auch die Sicherheitslage in Europa hat sich durch die Einsätze nicht verbessert. „Zudem bescheinigen Umfragen, dass die Einsätze von einer Mehrheit der deutschen Bevölkerung abgelehnt werden“, ergänzt Ralf Buchterkirchen. Der Einsatz der Armee im Inland sei zu Recht gesetzlich verboten und eine realistische außenpolitische Bedrohung gebe es nicht, so der DFG-VK-Sprecher.

Selbst Russland habe seinen Militärhaushalt in diesem Jahr laut dem Stockholmer Friedensforschungsinstitutes SIPRI um zwanzig Prozent gekürzt. „Statt weiterer Aufrüstung brauchen wir eine stetige Abrüstung des teuren Militärs und einen Aufbau ziviler Hilfskräfte für gewaltfreie und nachhaltige Konfliktprävention und -lösung“, meint Buchterkirchen.

Die „Deutsche Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen“ setzt sich bereits seit über einhundert Jahren für Kriegsdienstverweigerer ein und hat schon zehntausende junge Menschen davor bewahrt sich bei der Armee zum Töten anderer Menschen ausbilden lassen zu müssen. Für den Fall einer Konkretisierung der CDU-Pläne kündigt die Friedensorganisation Proteste an.
16.08.2018, 15:33 Uhr
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FPeregrin

Wiedereinführung der Wehrpflicht? Wir haben mal vor wenigen Jahren auf einer Hauptfeind-Konferenz konstatiert, daß die Reaktivierung der Wehrpflicht in sicheres Indiz dafür sei, daß der deutsche Imperialismus (d.h. die deutsche Monopolbourgeoisie) unmittelbar auf die Verwirklichung einer kriegerischen Option zielt. Daß dies jetzt aus dem CDU-Genralsekretariat in die Debatte geworfen wird, paßt somit zu dem, was wir hier schon verschiedentlich diskutiert haben, am explizitesten hier:
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, aber auch auf der diesjährigen Hauptfeind-Konferenz:
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: die Vorbereitung einer faschistischen Herrschaftsoption durch dieselbe Bande.

Es paßt leider viel zu gut!
16.08.2018, 17:44 Uhr
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retmarut

Es zeigt vor allem, dass sie - anders als beispielsweise die USA - nicht genug Berufssoldaten bekommen, um ihre neokolonialen Feldzüge aufrechtzuerhalten bzw. auszuweiten.
Und das ist doch schon mal ein gutes Zwischenergebnis.

Der deutsche Imperialismus ist derzeit nicht für zwischenimperialistische Kriege ausgerüstet, da fehlt es nicht nur an Personal, sondern v.a. auch an Material und Technik. Mit dem Bestehenden kann man lediglich neokoloniale Kriege und Besatzungsregime durchführen.

Gefährlich wird es nicht, wenn die Wehrpflicht wieder reaktiviert wird, sondern wenn die Militärausgaben deutlich erhöht werden, um beim Rüstungswettrennen mit der Spitze aufzuschließen.
16.08.2018, 18:37 Uhr
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FPeregrin

Wie immer fällt - gut dialektisch - die neue Qualität nicht vom Himmel! Wie in der Frage der faschistischen Gefahr geht es hic et nunc nicht einzig und allein darum, was ist, sondern um das, was (potentiell!) sein wird, d.h. konkret, was vom Klassenfeind vorbereitet wird. Und für zwischenimperialistische Kriege braucht man - wie für neokoloniale Feldzüge, die sich in einer aufgeteilten Welt überhaupt nur übergänglich von zwischenimperialistischen Kriegen unterscheiden - außer dem Blechspielzeug auch diejenigen, die es ohne Murren bewegen. Und die gewöhnt man besser früher als später daran. Es wäre also gerade zu erwarten, daß die Reaktivierung der Wehrpflicht vor den Neuanschaffungen von Metallgedöns erfolgt und nicht danach, zumal das Zeug auch in der "Friedens"zeit bewegt sein will.

NB: In welcher einer Glaskugel Du für uns Kommunisten z.Z. "gute Zwischenergebnise" sehen kannst, wüßte ich wohl schon. So ein Ding hätte ich auch gern zur Verschönerung der trüben Abende, die uns akut bevorstehen!
16.08.2018, 21:55 Uhr
EDIT: secarts
16.08.2018, 21:56 Uhr
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secarts

Sicher hängt beides, Personal und Technik, zusammen. Sogar in mehrfacher Hinsicht.

Wollte der deutsche Imperialismus auf "Augenhöhe" mit der stärksten Militärmacht der Welt, den USA, kommen, dann müsste in einem Ausmaß investiert werden, wie es die USA tun. Der neue Rüstungsetat von Trump umfasst irgendwas mit 700 Milliarden (!) US-Dollar. Außerdem wären noch erhebliche Erstinvestitionen, bspw in Nukleartechnik und Grundlagenforschung, fällig, die in den USA längst erbracht wurden. Ein solches Massivaufrüstungsprogramm könnte nur um den Preis der Verelendung ganzer Bevölkerungsschichten realisiert werden. Damit wären im übrigen die Rekrutierungsprobleme der Bundeswehr schlagartig gelöst...

Es ist aber fraglich, ob der dt. Imperialismus dies überhaupt anstrebt (bzw es als unumgänglich erachtet). Es findet ja längst reale, durchaus ernst zu nehmende Aufrüstung statt. Hier hat sich das dt. Kapital, der eigenen militärischen Schwächesituation entsprechend, auf Nischen spezialisiert, in denen sich mit recht geringem Aufwand erheblicher Schaden verursachen lässt. Deutschland hat die modernste konventionelle U-Boot-Waffe der Welt. Die amerikanische Militärmacht basiert wiederum ganz maßgeblich auf einem Rückgrat von einem guten Dutzend oder mehr weltweit einsatzfähiger Flugzeugträger samt Tross. Da kann man ja mal spekulieren, ob die deutschen Strategen beim Bau von Unterseebooten in erster Linie an den IS oder an die USA denken.

Last but not least: so, wie sich der deutsche Imperialismus seit der letzten Weltkriegsniederlage stets, eingedenk dieses Scheiterns, unter die Fittiche anderer Militärmächte begeben hat, könnte es nach Ansicht der Planer wohl auch weitergehen. Frankreichs force de frappe natürlich, die NATO gibt es auch noch (und sie könnte auch ohne USA eine Rolle, dann unter deutscher Dominanz, spielen!), und ein Teil der deutschen Bourgeoisie wäre auch Deals mit Rußland nicht abgeneigt.

Das vermeintliche Agieren aus der Schwäche heraus ist eben teilweise eine große Stärke. Es spart viel, viel Geld, es weckt Illusionen in die vermeintliche Friedfertigkeit dieses scheinbar geläuterten Landes, und es macht immer die anderen zu kriegerischen Imperialisten.
17.08.2018, 14:29 Uhr
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retmarut

@Secarts: So sehr ich deine Beitrag auch empfehle, kann ich folgende Aussage nicht so stehen lassen:
"Deutschland hat die modernste konventionelle U-Boot-Waffe der Welt. Die amerikanische Militärmacht basiert wiederum ganz maßgeblich auf einem Rückgrat von einem guten Dutzend oder mehr weltweit einsatzfähiger Flugzeugträger samt Tross. Da kann man ja mal spekulieren, ob die deutschen Strategen beim Bau von Unterseebooten in erster Linie an den IS oder an die USA denken."

Weder noch, denke ich. Die Bundesmarine besitzt nämlich lediglich sechs (6!) U-Boote, alle vom Typ 212 A. Mit denen kann man, wenn sie nicht wieder wegen Ersatzteilschwierigkeiten im Dock liegen, sicher gute Spionage-, Erkundungs- und Black-Ops-Fahrten unternehmen, aber wahrlich keinen Flugzeugträger (mit Begleitkonvoi) angreifen.

Auf Wikipedia heisst es zu den sechs 212 A der Bundesmarine:
"Nach einem Unfall am 22. Oktober 2017 in Norwegen, bei dem das X-Ruder von U 35 beschädigt worden war, war keines der sechs Boote mehr einsatzfähig. Bereits im Juli 2017 wurde das U 32 von einer Ausbildungsfahrt nach Norwegen vorzeitig nach Kiel zurückgeholt, da an Bord ein Schaden an den Batterien aufgetreten war. Bei ThyssenKrupp Marine Systems in Kiel lagen vier der sechs deutschen U-Boote, darunter das seit 2014 ausgefallene Boot U 31. Es fehlen Ersatzteile, Reservebestände sind nicht vorhanden. Ab November 2018 sollen zumindest vier der sechs deutschen U-Boote operativ verfügbar sein. Bei der Beschaffung der Boote war auf das sonst übliche Ersatzteilpaket verzichtet worden, womit je Boot etwa 250 bis 300 Millionen Euro 'eingespart' wurden." (https://de.wikipedia.org/wiki/U-Boot-Klasse_212_A)

Einsatzfähige Marineeinheiten sehen meiner Ansicht nach anders aus.

"Das vermeintliche Agieren aus der Schwäche heraus ist eben teilweise eine große Stärke. Es spart viel, viel Geld, es weckt Illusionen in die vermeintliche Friedfertigkeit dieses scheinbar geläuterten Landes, und es macht immer die anderen zu kriegerischen Imperialisten."

Das scheint mir der Hauptpunkt zu sein: Man spart sich das Geld lieber für ökonomische Angriffe, wo man schneller einen Nutzen davonträgt. Die Bundeswehr wird lediglich für neokoloniale Kriegseinsätze, Besatzungsregimes und Ausbilderaufgaben für lokale Bündnispartner vor Ort genutzt (siehe z.B. Peshmergas im Nordirak) - und in zunehmendem Maße auch grundgesetzwidrig zu Einsätzen im Inneren gegen die eigene Bevölkerung (siehe u.a. G7 Heiligendamm als Testfeld, wo Kampfflieger im Tiefflug über die Protestcamps gedüst sind, BW-Spähpanzer mit Besatzung im Einsatz waren und die Bundespolizeieinheiten mittels einer Armada an Bundeswehrhelikoptern von A nach B verlegt wurden).
17.08.2018, 16:51 Uhr
EDIT: secarts
17.08.2018, 16:53 Uhr
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secarts

Da habe ich mich unpräzise ausgedrückt: Nicht die Bundesmarine hat, sondern die BRD produziert die modernsten nichtnuklearen U-Boote der Welt. Die Brennstoffzellentechnik des U 212 A in Kombination mit Stealth-Eigenschaften ermöglicht eben ein Anpirschen, das kaum bemerkt werden kann. Und wer dies beherrscht, der kann auch versenken. Und auch die parallel weiter entwickelten deutschen Diesel-U-Boote zählen zur Weltspitze, die in alle Herren Länder erfolgreich verkauft werden.

"Die deutsche U-Boot-Klasse 212 A ist der weltweit modernste nicht nuklear-angetriebene Typ. Die Stealth-Außenhaut macht es nahezu unsichtbar. Es ist so auch für Sonar unter Wasser kaum aufzuspüren. Die Mindesttauchtiefe liegt bei 400 Metern. Durch die Kombination aus der revolutionären Wasserstoff-Brennstoffzelle, Dieselmotor und E-Motor kann das Schiff wochenlang unter Wasser bleiben. Die Bewaffnung besteht aus sechs Torpedorohren mit zwölf Seehecht-Torpedos sowie 24 Unterwasserminen. 27 Männer bilden die Besatzung."

bzw.:

"Die Besonderheit bei diesem Boot ist, dass es zum ersten Mal mit einer Brennstoffzelle betrieben wird. Ein sog. außenluft-unabhängiges U-Boot, wodurch die Tauchfahrt um ein Vielfaches verlängert wird gegenüber konventionellen U-Booten. Wir reden jetzt nicht mehr von Tagen, die man unter Wasser verbringen kann, sondern es ist jetzt der Bereich von Wochen. "
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Nun bin ich beileibe kein Waffenfachmann (wie Du sicher auch nicht), d. h. ich weiß nicht, ob und wie man gegen derartige Technik vorgeht. Solche Hightech-Teile braucht man aber kaum, um gegen Piratenkutter vor Somalia vorzugehen. Eine ausgefeilte Verschleierungstechnik ist eben immer gegen Gegner gedacht, die potentiell die größten Aufklärungsmöglichkeiten haben. Das sind in diesem Falle Russland, China und die USA.

Mit den jetzigen paar U-Booten lässt sich sicher kein Weltkrieg führen (was ich auch nicht behauptet habe) - dazu wäre, auch in diesem Fall, massive Aufrüstung nötig. Immerhin verfügt Deutschland hier allerdings exklusiv über sehr fortgeschrittene Technik - und die Konfrontation mit viel stärkeren US-Einheiten wurde zumindest schon mehrfach (erfolgreich) erprobt:

"Die neuen U-Boote der Bundesmarine sind in simulierten Gefechten nicht zu orten. Grund: Der Antrieb über Brennstoffzellen macht sie extrem leise. Selbst spezielle Jagdboote finden sie nicht....

Während eines Manövers in der Karibik durchbrach ein deutsches Diesel-U-Boot (U 24) den angeblich undurchdringlichen Abwehrring um den US-Atom-Flugzeugträger "Enterprise", feuerte aus günstigem Schusswinkel einen simulierten Torpedofächer ab, fotografierte den 75 000-Tonner durch das Angriffssehrohr und tauchte dann ohne Vorwarnung unmittelbar neben dem Riesenziel auf. Der US-Admiral soll außer sich gewesen sein.

Ein anderes U-Boot des Typs 206 A (500 ts) passierte in der Karibik ein auf es angesetztes US-Jagd-U-Boot der Los-Angeles-Klasse (7100 ts, Atomantrieb) in geringer Distanz mehrmals, ohne dass die US-Crew den nahen "Feind" erkannt hätte. Amerikanische U-Boot-Offiziere an Bord des deutschen Bootes verfolgten das Duell nach Zeugenaussagen "mit Schweißtropfen auf der Stirn".
Damals ging es um Training, morgen könnte es um mehr gehen...
"
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22.08.2018, 22:52 Uhr
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smersch

Die 206 sind aus den 1960ern. Da muss dann also einiges schief gelaufen sein, bei der us-amerikanischen U-Boot-Abwehr.

Am spannendsten bei den 212 finde ich ja ihr potentielles Upgrade: Lenkflugkörper aus dem deep sea abschießen. Natürlich am Anfang nur gegen Hubschrauber. Aber sie sagen selbst, dass ist erst der Anfang und Landziele sind schon angedacht.

Sie haben also vor den Atom-U-Booten vollends Konkurrenz zu machen.

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NEUER BEITRAG04.11.2018, 13:50 Uhr
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MrLeft

"Die 206 sind aus den 1960ern."

Naja. Der verlinkte Bericht über das erfolgreiche U-Boot-Manöver (der zweite) ist von 2007, da waren noch 206-Aer in Betrieb, die wurden alle 2010 stillgelegt.

Zwischen 1973 und 1975 wurden 18 Boote der Klasse 206 bei der Bundesmarine in Dienst gestellt. Die Modernisierung zur 206 A erfolgte dann in den 1990ern. Das Teil wird 2007 also nicht mehr neu, aber auch nicht total veraltet gewesen sein, die Technik war vielleicht 15 Jahre alt. Ich weiß nicht ob die Innovationszyklen bei der US-Marine höher sind, bezweifle das aber pauschal.
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