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NEUES THEMA21.01.2008, 09:28 Uhr
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Heinz Karl
GAST
• Auf den Spuren der Mörder Am 13. Januar, dem Tag der Liebknecht-Luxemburg-Ehrung, wollen Neonazis in Berlin-Lichtenberg, im Weitling-Kiez (nur einige hundert Meter von der Gedenkstätte der Sozialisten entfernt) aufmarschieren - unter der Parole "Gegen das Vergessen - Freikorps, Soldaten für Deutschland". Auftakt dieser bisher frechsten Naziprovokation war es, dass die neofaschistische NPD am 13. Dezember in der Lichtenberger Bezirksverordnetenversammlung den Antrag einbrachte, den nach dem bekannten Kommunisten und antifaschistischen Widerstandskämpfer benannten Anton-Saefkow-Platz in "Waldemar-Pabst-Platz" umzubenennen. Diese Provokation wurde von den Bezirksverordneten - gestärkt durch das demonstrative Auftreten antifaschistischer Bürger - einstimmig, gegen die zwei Nazistimmen, ohne Enthaltungen zurückgewiesen.

Freikorps: Die Henker der Revolution

Am 10. November 1918 schloss Ebert einen Pakt mit Groener, dem politischen Kopf der Oberste Heeresleitung. Bald wurden die ersten konterrevolutionären Freikorps gebildet. Sie waren mit Karabinern bewaffnet, jedoch verfügten man auch über zahlreiche schwere Maschinengewehre und Minenwerfer.
Die Garde-Kavallerie-Schützen-Division gehörte mit bis zu 40 000 Mann zu den größten Freikorps. Im Auftrag und gedeckt durch die Regierung Ebert-Scheidemann waren Freikorps unter anderem wesentlich an der Niederschlagung der Revolution in Berlin, der Bremer sowie der Bayrischen Räterepublik beteiligt und für die Ermordung Tausender Arbeiter verantwortlich.
Sie kämpften 1919 im Baltikum gegen die Sowjetmacht und beteiligten sich im März 1920 am Kapp-Putsch. Die Freikorpsverbände mussten gemäß den Bestimmungen des Versailler Vertrags im Frühjahr 1920 offiziell aufgelöst werden. Mitglieder der Marinebrigade Ehrhardt, die im März 1920 mit Lüttwitz in Berlin einmarschiert waren und ein Hakenkreuz auf dem Stahlhelm trugen, wurden in geringer Zahl von der Reichswehr übernommen. Andere wurden Mitglieder in der geheimen "schwarzen Reichswehr", in der Organisation Consul, des Stahlhelms, der SA usw.Hauptmann W. Pabst war 1918/19 Erster Generalstabsoffizier (d. h. Stabschef) der Garde-Kavallerie-Schützen-Division, der Elitetruppe der sozialdemokratischen Regierung Ebert-Noske. Er führte Regie bei der - ihm vom Mitglied des Rates der Volksbeauftragten und "Oberbefehlshaber in den Marken" Noske (SPD) erst geradezu soufflierten und danach gebilligten - Ermordung Rosa Luxemburgs und Karl Liebknechts durch ihm unterstellte Offiziere, die er so deckte, dass sie mit Bagatellstrafen oder gänzlich straffrei davonkamen, so wie Noske und dessen Regierungskollegen ihn selbst vor einer Vernehmung schützten. In ihre Fußtapfen trat die BRD, die auch, als er sich 1962 im "Spiegel" öffentlich zu seiner Verantwortung für die Mordtat bekannte, nicht einmal ein Ermittlungsverfahren gegen ihn einleitete.

Den größten Beitrag zur Aufhellung der politisch bedeutsamen Biographie Pabsts, eines Individuums, in dem sich die Komplexität von Militär, Politik und Wirtschaft, Innen- und Außenpolitik, Geheimdiplomatie, Geheimdienstarbeit und Medienmanipulation verkörpert, leistete die Bremer Sozialwissenschaftlerin und Historikerin Doris Kachulle, Kommunistin von der Gründung der DKP bis zu ihrem Tode 2005. Ausgehend von den relativ bekannten Phasen seines Agierens in der Garde-Kavallerie-Schützen-Division und dem aus ihr hervorgegangenen Armeekorps 1918/19, als militärischer Verschwörer und Kapp-Putschist 1919/20 sowie als ein Inspirator und Organisator des österreichischen Heimwehr-Faschismus, hat Doris Kachulle durch langjährige ausgedehnte Quellenstudien und minutiöse (mitunter nicht ungefährliche) Recherchen gerade die vielgestaltige Komplexität im Wirken dieser einflussreichen und höchst umtriebigen Figur hinter den Kulissen aufgedeckt.

[s4raeterepublik-strassentruppen.jpg]Aus der Fülle ihrer Erkenntnisse hervorzuheben sind zum einen seine der Öffentlichkeit verborgenen engen und ständigen Verbindungen zu deutschen Regierungsstellen, namentlich zu Stresemann, während seines Aufenthalts in Österreich. Zum anderen seine nicht weniger lichtscheue Tätigkeit in der neutralen Schweiz während des Zweiten Weltkrieges, als er - in Verbindung mit Schweizer Regierungsstellen - für die deutsche Rüstung wirkte und zugleich in Kontakt zu ultrareaktionären, faschistischen Schweizer Kreisen stand.

Pabst war Generalstäbler und Industriemanager, Rüstungslobbyist und Regisseur geheimer Rüstungsvorhaben und illegaler Waffengeschäfte, eine Schlüsselfigur in der geheimen Aufrüstung und Kriegsvorbereitung und vieles andere mehr. Immer aber war er ein initiativreicher Akteur der bürgerlichen Reaktion, gleichermaßen für raffiniertes Taktieren und brutalsten, blutigen Terror zu gebrauchen, ein Repräsentant der Interessen- und Handlungseinheit von Militärclique, Rüstungskapital und Faschismus.

Doris Kachulle, die im Juni 2005 einem Krebsleiden erlag, konnte ihre weitgespannte Untersuchung nicht selbst vollenden. Dem Bremer Historiker Karl Heinz Roth gebührt großer Dank, dass er aus ihrem reichen Nachlass eine hochinteressante, immer wieder geradezu spannende, sowohl wissenschaftlich relevante als auch politisch wichtige Auswahl vorgelegt hat.


Doris Kachulle: Waldemar Pabst und die Gegenrevolution. Vorträge, Aufsätze. Aus dem Nachlass. Hrsg. von Karl Heinz Roth. EDITION ORGANON. Berlin 2007


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