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Täve Schur zum 90sten!
  [3 pics] begonnen von arktika am 05.03.2021  | 3 Antworten
NEUES THEMA05.03.2021, 14:06 Uhr
EDIT: arktika
05.03.2021, 14:20 Uhr
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arktika

• Täve Schur zum 90sten! Täve Schur wurde am 23. Februar 1931 in Heyrothsberge, östlich von Magdeburg, als ältestes von fünf Kindern geboren. Unmittelbar nach der Befreiung vom Faschismus begann er eine dreijährige Lehre als Maschinenbaumechaniker in Körbelitz. Zweimal, 1955 und 1959, wurde er Einzelsieger bei der Internationalen Friedensfahrt. Seine letzte und damit zwölfte Friedensfahrt absolvierte Täve 1964 – mit Erfolg: Er führte die DDR-Mannschaft als Kapitän zum Gesamtsieg. In der DDR wurde er neunmal zum Sportler des Jahres gewählt, und Leser der Tageszeitung junge Welt kürten Täve 1989 zum »Populärsten DDR-Sportler aller Zeiten«.

Zeit seines Lebens wohnt Täve in Heyrothsberge. Das Gespräch mit junge Welt anlässlich seines 90. Geburtstages fand in seinem Haus am Ortsrand statt. »Hier ist nichts auf Sand gebaut, alles stabil und bescheiden eingerichtet«, wie er sagt. »Mit viel Interieur aus DDR-Produktion.«


Hier das Interview, geführt von Oliver Rast:

»Bewegt euch!«
Radsportlegende Täve Schur erzählt vor seinem 90. Geburtstag von Erfolgen im Sattel, Kämpfen für den Sozialismus – und warum er ein unverbesserlicher Optimist ist


»Gagarin der Landstraße«, »Max Schmeling des Ostens«, »Ehrlichste Haut weit und breit«. Superlative gibt es viele, die dich beschreiben sollen. Wie ist das: Kannst du mit diesen Zuschreibungen etwas anfangen?

Ach, man gewöhnt sich daran. Abgehoben bin ich aber nicht, immer bodenständig geblieben …

… obwohl sogar ein Asteroid nach dir benannt wurde.

Stimmt, trotz des Asteroiden (lacht). Moment mal (Täve blättert in seinem kleinen Kalender, der ihm auch als Notizblock dient). Außer meinem Namen trägt er noch einen Zusatz, ein paar Nummern, warte: 38976. Mir war nur eines wichtig: Bleibt der »Täve im All« auf seiner Umlaufbahn oder kracht er bald auf die Erde. Die Leute von der Volkssternwarte Drebach im Erzgebirge haben mir versichert, das Geröll bleibt da oben. Ich war beruhigt und habe der Namensnennung zugestimmt.

Und du giltst als »ehrliche Haut«.

Das Elternhaus prägt natürlich. Das war bei mir nicht anders. Meine Eltern haben geackert, geschuftet, ein Leben lang. Nichts fiel ihnen in den Schoß. Wir waren ein proletarischer Haushalt. Und ich war das älteste von insgesamt fünf Geschwistern. Mein Vater hatte sich 1923 aus dem Ruhrgebiet gen Osten aufgemacht. Vermutlich aufgrund der Wirren nach der Ruhrbesetzung durch französische und belgische Truppen, aber so genau ist das bei uns zu Hause nicht besprochen worden. Vater fand über Umwege Arbeit in einer Ziegelei, hier in Heyrothsberge, östlich von Magdeburg. Morgens gab es für ihn zwei, drei Schluck Muckefuck gratis, Schlaf- und Waschmöglichkeiten obendrauf. Das war damals schon sehr viel. Er ist geblieben. Ich versuche dir das kurz klarzumachen: Meine Eltern verstanden viel von Ackerbau und Viehzucht. Zwei urwüchsige, unbestechliche Charaktere. Und natürlich hat mich das geprägt – bis heute.

Spitznamen wählt man sich oft nicht selbst. Wie war das bei dir, wie wurde aus Gustav-Adolf »Täve«?

Ich hatte immer viel Tempo drauf, meine Raserei auf dem Sattel war wohl ausschlaggebend. Radsportler aus meinem Umfeld gaben mir den Spitznamen, weil ich immer so »taff« in die Pedalen getreten habe. Tja, der Name hat sich eben durchgesetzt. Selbst einige Kinder haben später den Vornamen »Täve« bekommen, ich stand da Pate. Das ist eine große Ehre für mich. (Täve hält kurz inne, ihm fällt ein, dass er noch einen nach ihm benannten Täve in Hamburg anrufen will. Er macht sich in seinem Kalender eine kleine Notiz.)

Apropos Prägung: Bei Kriegsende im Mai 1945 warst du knapp 14 Jahre alt. Was ist dir aus deinen Jugendjahren in Erinnerung?

Krieg, Bombenangriffe, das habe ich alles noch miterleben müssen. Auch direkt bei uns im Ort. In der Nähe war ein Flughafen der Wehrmacht, mein Vater arbeitete dort nach seinem Rauswurf bei der Ziegelei als Tankwart. Er konnte so die Familie durchbringen, uns am Leben halten. Und man war verblendet, ich auch als Pimpf, von dem Nazigift befallen. Ich habe im Sinne des Regimes funktioniert, musste völlig umdenken. Ich wollte niemals mehr so verarscht werden, wie unter den Nazis. Es hat einige Zeit gedauert, bis ich mich selbst befreit habe. Ich rede in diesem Zusammenhang von meiner eigenen Menschwerdung.


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NEUER BEITRAG05.03.2021, 14:11 Uhr
EDIT: arktika
05.03.2021, 14:23 Uhr
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arktika

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Wie bist du nach dem Faschismus und der Befreiung zum Radsport gekommen? Viele Gleichaltrige haben auf der Straße gegen Büchsen getreten und herumgebolzt. Du nicht?

Doch, das habe ich auch gemacht. Aber ich hatte immer viel Ausdauer, war laufstark, hatte nichts dagegen, lange Wegstrecken zurückzulegen. Mit meinem ersten Tourenrad habe ich täglich viele Kilometer gefressen, und ich wollte stets ein Ziel vor Augen haben. Beim Rennen hast du das. Du setzt dich in den Sattel, trittst ordentlich in die Pedale und kommst dem vorgegebenen oder dem selbstgesteckten Ziel näher, bis du über den Zielstrich bist.

Und du hattet einen Verkehrsbus gewissermaßen als Trainingsobjekt. Der Bus verband Ortschaften außerhalb von Magdeburg miteinander. Dem sollst du, der Legende nach, im Windschatten hinterhergefahren sein. Nicht nur das. Du sollst versucht haben, den Bus nach seinen Haltestellen zu überholen, für dich jeweils ein kleiner Triumphzug …

Ja, den gab es schon, dem bin ich auch manchmal mit Karacho hinterher. Mehr aber auch nicht. Das sollte man nicht zu hoch hängen. Mein erster Trainer war Wilhelm Thiele bei der BSG Aufbau Börde.

Mit ihm hattest du deine ersten nationalen Erfolge. 1951 beim Rennen »Rund um Berlin« etwa. Wenig später bist du DDR-Meister im Mannschaftsfahren und bei der DDR-Rundfahrt geworden. Interessant ist, dass du zu Beginn deiner Laufbahn auch beim Querfeldeinrennen mitgemacht hast. Warum das, das ist doch eine völlig andere Disziplin im Vergleich zu Straßenrennen?

Im Radsport gibt es halt mehrere Disziplinen, das kam mir entgegen. Wegen meiner athletischen Ausbildung kam ich auch da gut vorwärts. Mit dem Rad unter dem Arm laufen, über Bäume und Stämme springen und wieder aufs Rad, querfeldein durch das Unterholz. Es lag mir, auf unbefestigten Böden um Titel zu ringen. Und stimmt, auch wenn ich gerade wirklich weit zurückblicken muss, 1953 war ich Sieger bei den DDR-Meisterschaften im Querfeldein.

Du erzählst an anderer Stelle, dass du deinen allerersten Sieg nicht mit einem Rennrad, sondern mit deinem Tourenrad erzielt hast. Also auf dem Drahtesel, den du beispielsweise im Schulalltag benutzt hast. Und dennoch bist du allen anderen davongebraust.

Allen nicht, vielen schon. Zu dem Zeitpunkt war ich noch beim Sportclub Grün-Rot Magdeburg. Mensch, unsere Räder haben wir aus allen möglichen Schrottmaterialien, die wir so finden konnten, zusammengestoppelt. Da hat schon mal das eine oder andere Teil kräftig geklappert und ging schnell zu Bruch. Belastest du dein Rad, kann es Risse im Rahmen geben. Und klar, manchmal hat dich diese Scheißkiste, mit der du weit vorne durchs Ziel wolltest, auch richtig geplagt.

Zweimal, 1955 und 1959, hast du als Einzelfahrer die Internationale Friedensfahrt gewonnen. Straßenradweltmeister bist du 1958 und 1959 geworden. Ende der 50er Jahre warst du auf dem Zenit deiner sportlichen Laufbahn. Bei deinem ersten Friedensfahrtsieg – die Tour begann in Prag, führte über Berlin, die Hauptstadt der DDR, nach Warschau – hattest du 13 Etappen und 2.200 Kilometer in den Beinen. Warum diese Qual?

Natürlich brauchst du Selbstdisziplin, den Willen zum Durchhalten, auch wenn jede Faser deines Körpers schmerzt. Diese psychische Stärke hatte ich. Aber es kommt etwas sehr Entscheidendes hinzu. Mein Sport, meine Ausbildung, meine Erfolge sind untrennbar mit dem Gesellschaftssystem, mit dem sozialistischen Aufbau in der DDR verbunden. Mein persönlicher Aufbruch lief parallel mit dem gesellschaftlichen Aufbruch in unserem Staat. Das ist mir sehr wichtig zu betonen.

Sportler im Sattel: Sind das mehr Individual-, oder dann doch auch Mannschaftssportler? Also: Wie war das bei der Friedensfahrt, die gerne auch als eine Art Tour de France bezeichnet wird?

Richtig ist, ich habe vorher und danach Einzelrennen gewonnen. Aber die Friedensfahrt hat sich mit ihrem pazifistischen Ideal der Völkerverständigung auch als Wettkampf im Mannschaftssport einen großen Namen gemacht. Bei meiner letzten Friedensfahrt 1964 holten wir als DDR-Team den Gesamtsieg. Ich durfte die Mannschaft als Kapitän anführen. Und wer vorne wegfahren sollte, war Resultat der Besprechungen im Kollektiv, war Ausdruck von der Überlegung, wer die größten Erfolgsaussichten hatte. Für mich war die Friedensfahrt ein Weg vom Ich zum Wir. Und das ist der grundsätzliche Unterschied zu jetzt. Heute fährt eigentlich jeder nur für sich.

Konkreter: Was hat die Friedensfahrt für dich ausgezeichnet, oder mehr noch: Was hat die Friedensfahrt insbesondere für die Bevölkerung in der DDR bedeutet?

Das ganz große Verdienst dieses Rennens war, Menschen und Völker, die während des Faschismus tief verfeindet waren, wieder zueinanderzubringen. Über den Radsport wohlgemerkt. Nicht nur das: Wir als Sportler haben gespürt, wie Millionen mit uns gefiebert haben, an den Radios hingen, um Etappe für Etappe zu verfolgen. Die Friedensfahrt war ein großes soziales Ereignis – vom Kindergarten bis zu den Betrieben. Das haben wir gespürt.

Und ihr wolltet ihnen etwas zurückgeben.

Ja, absolut. Ich sah mich in der Verantwortung, ja, in der Pflicht, mich in den Rennen nicht abhängen zu lassen, dranzubleiben, immer.

Hast du dich als DDR-Sportler als Vorbild gesehen?

Schon. Aber Vorbild im Sinne der Ziele der Gesellschaft, in der ich lebte, als Vorkämpfer. Es braucht diese Menschen für eine bessere Welt. Da will ich gar keine Ausnahme sein. Ich hoffe, wir werden alle Vorkämpfer für eine Zukunft, die lebenswert ist.


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NEUER BEITRAG05.03.2021, 14:17 Uhr
EDIT: arktika
05.03.2021, 14:30 Uhr
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arktika

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Die Friedensfahrt ist längst Geschichte. Nach kurzzeitigen Wiederbelebungsversuchen nach dem Anschluss der DDR und dem Zusammenbruch der Warschauer Vertragsstaaten befinden sich nun zahlreiche Devotionalien in einem Museum. War jeder Rettungsversuch dieses traditionsreichen Rennens hoffnungslos?

Unter kapitalistischen oder, wie es oft heißt, marktwirtschaftlichen Bedingungen kann es keine Friedensfahrt geben. Das funktioniert nicht. Außerdem wollte nach dem Ende des Sozialismus auch kaum noch einer etwas von der Friedensfahrt wissen …

… aber es gibt seit 2002 in Kleinmühlingen bei Calbe in Sachsen-Anhalt zumindest ein Museum.

Trophäen, Abzeichen, Fahrräder, Trikots und ganz, ganz viele Dokumente, selbst ein Seesack von mir mit rund 4.000 Briefen von begeisterten Radsportanhängern. Nicht alle konnte ich beantworten. Aber das zeigt, wie bedeutend für sehr viele Menschen in unserer damaligen Republik die Friedensfahrt war. Tja, und dafür bekommen wir so gut wie keine öffentlichen finanziellen Mittel, wir tragen das Projekt weitgehend selbst.

Manche Radsportler entwickeln geradezu eine emotionale Bindung zu ihrem Vehikel. Schrauben tagein, tagaus daran rum, verlieren sich in Details, geben dem guten Stück vielleicht sogar einen Namen. Wie war das bei dir?

(Täve wirkt leicht irritiert, schüttelt kurz den Kopf, lehnt sich auf der Couch zurück und verschränkt die Arme über seinen Kopf.) Ich bin mir nicht ganz sicher, was du meinst. Eine emotionale Bindung zum Arbeitswerkzeug? Meine Räder habe ich immer als Werkzeug für meinen Sport begriffen, verstehst du. Eine tiefe Bindung, wenn du so willst, hatte ich aber zu den Produzenten beim Hersteller Diamant in Hartmannsdorf bei Karl-Marx-Stadt. Mit meinen Kumpels vor Ort habe ich überlegt, wie wir unsere Rennmaschinen besser machen können, schneller. Oft haben wir lange getüftelt, konstruiert, für Probleme bei der Herstellung des Rahmens Lösungen gesucht und gefunden. Um es deutlich zu sagen: Wenn ich erfolgreich auf ihren Rädern war, dann waren das Erfolge der Produzenten. (Und schon wieder klingelt das Telefon. Täve ist dieser Tage gefragt. Es ist der MDR, ein Redakteur der Talkshow »Riverboot« will einen Termin mit dem Altmeister vereinbaren. Täve kokett am Hörer: »Ich habe mich noch gar nicht darum bemüht, bald bei euch zu sein. Müsste ich mich drum bemühen? Gib mir einen Rat …«)

Großer Sprung. Du bist einer der wenigen, die beide deutschen Parlamente von innen kennen. Von 1959 bis zuletzt 1990 hattest du einen Sitz in der Volkskammer, zunächst für die FDJ, später für die SED. Abgeordneter zu sein, ist das eine Aufgabe für einen Sportsmann?

Mein Anspruch war stets, kollektiv zu handeln, den Sozialismus mit aufzubauen. Auch durch meine Tätigkeit in der Volkskammer. Für mich war das selbstverständlich und eine Anerkennung meiner sportlichen Leistungen. Das sehe ich heute auch noch so, auch wenn es vielen nicht passt.

Und Jahre später, 1998, führte dein Weg ins gesamtdeutsche Parlament, den Bundestag, für die PDS, die spätere Partei Die Linke. Das war noch zu Bonner Zeiten, westlicher und provinzieller geht es kaum, oder?

Das stimmt wohl. Wir fühlten uns da als Ostdeutsche schon als eine Art Fremdkörper, richtig wohl war uns da nie. Ich will dir ein Beispiel sagen, weil das einer meiner ersten Eindrücke war: Wie Verbrecher mussten wir durch die Zugangsschleusen zu den Abgeordnetenbüros und zum Plenarsaal. Das war verstörend. Volksvertreter, abgeschottet vom Volk. Und auch sonst: Wir wurden von den Westkollegen der anderen Parteien oft geschnitten, die Stimmung untereinander war mies, nicht einmal soviel Anstand hatten die, gewählte PDS-Abgeordnete zu grüßen. Wir haben den Spieß einfach umgedreht, uns gesagt: Wir grüßen jeden, etwas Entwaffnenderes gibt es nicht. Vor allem die konservativen Parlamentarier waren dann immer ganz erschrocken. (Täve lacht laut auf und erinnert sich nebenbei, wie er bisweilen unter den Aktenbergen, Tonnen von Papier, wie er sagt, die er täglich zu bearbeiten hatte, versunken ist.)

Zweimal gab es den Anlauf, dich in die Hall of Fame des bundesdeutschen Sports aufzunehmen. Zweimal ist er gescheitert. Warum?

Letztendlich war das eine politische Entscheidung. Das hat natürlich mit meinen Positionen zum DDR-Sport, zum sozialistischen Staat zu tun. Ich bin mir treu geblieben, das sahen und sehen bestimmte offizielle Mandatsträger nicht gerne. Das ist mir aber egal. Diese Hall of Fame ist zuallererst auch eine virtuelle Veranstaltung, die imponiert mir nicht. Mir imponieren hingegen die sportlichen Leistungen zahlreicher Sportler, die ich kenne oder die ich nicht kenne. Und mit einigen, die in diese Hall of Fame aufgenommen wurden, will ich auch gar nicht in Verbindung gebracht werden. Da findest du welche, die aktiv mit dem Faschismus paktiert hatten, mit denen will ich nicht in einer Reihe stehen.

Und du hast eine besondere Beziehung zur Tageszeitung junge Welt. Welche?

Na, das ist meine Tageszeitung. Die einzige, die ich überhaupt noch versuche, täglich zu lesen. Ihr seid geradeaus geblieben, standhaft, habt euch nicht unterbuttern lassen. Das schätze ich sehr an euch. Und ich glaube, da sind wir uns sehr ähnlich.

Wie ist das bei dir, wenn du dich umschaust in der Welt: Bist du Optimist?

Selbstverständlich! Ich verfolge beispielsweise die Klimabewegung »Fridays for Future« und andere. Junge Menschen, die sich engagieren, an das Morgen denken. Damit sind sie oft gedanklich und in ihrem Tun viel weiter als viele der älteren Generationen, die unseren Planeten zerstören. Diese neuen Bewegungen versuchen, mit ihrem Protest Dampf zu machen. Das unterstütze ich voll und ganz. Und es ermutigt uns doch alle, wenn es jetzt zwischen den Klimaktivisten und Gewerkschaftern Bündnisse gibt. Das kann zu einer wichtigen gesellschaftlichen Kraft werden. Die brauchen wir auch, dringend sogar. Um das noch zu sagen: mein Optimismus ist nicht mit Leichtgläubigkeit zu verwechseln. Leichtgläubig bin ich nicht, wäre ich das, würde ich nicht fordern, dass wir in Bewegung kommen müssen, kämpfen. Du kannst mich gerne einen unverbesserlichen Optimisten nennen.

Das soll gar nicht kitschig klingen, aber hast du ein Lebensmotto?

Klingt überhaupt nicht nach Kitsch. Ich habe ein Lebensmotto, das ich beherzige, auch wenn ich bei weitem nicht mehr soviel mit dem Rad unterwegs bin wie früher. Das heißt so: »Der Mensch bewegt sich nicht weniger, weil er alt ist. Er wird alt, weil er sich weniger bewegt.« Also: Bewegt euch! Und das meine ich nicht nur auf den eigenen Körper bezogen, sondern auch gesellschaftlich. (Täve ballt wieder seine Fäuste, so, als ob er sofort aufspringen wolle, um das Schlechte zum Guten zu wenden.)

Und du hast weiterhin Ziele …


Na sicher. Wenn ich keine Ziele mehr hätte, wäre ich wohl nicht mehr. Auf das kommende Jahrzehnt! Dann bin ich 100, das will ich werden, mindestens. Wir treffen uns dann wieder, ziehen wieder Bilanz …


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NEUER BEITRAG05.03.2021, 14:26 Uhr
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