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NEUES THEMA09.05.2022, 22:55 Uhr
EDIT: FPeregrin
09.05.2022, 23:02 Uhr
Nutzer / in
FPeregrin

• Zum 70. Todestag von Philipp Müller Angesichts der aktuellen nicht-zufälligen Gleichzeitigkeit von imperialistischem Krieg und #Antikommunismus ist es nicht nur jahreszahlenarithmetisch angezeigt, an den Mord an Philipp Müller vor knapp 70 Jahren zu erinnern. Die jW hatte bereits vorgestern hierzu dies:

Ohne mich

Vor 70 Jahren wurde der FDJ-Aktivist und Friedenskämpfer Philipp Müller von bundesdeutschen Polizisten ermordet

Von Michael Henkes

Lügen in der Welt: »Bürgerkriegstaktik der Kommunisten«

In der Tageszeitung Die Welt (damals noch nicht im Besitz von Springer) standen am 12. Mai 1952 folgende Lügen zu lesen: »Zum ersten Male seit Kriegsende wurde am Sonntag bei einer Demonstration von Kommunisten auf die Polizei scharf geschossen. Angehörige der Tarnorganisation ›Junge Generation‹, die gegen den Generalvertrag protestieren wollten, eröffneten vor den Toren der Essener Gartenbauausstellung aus Pistolen des Musters ›08‹ das Feuer, das von der Polizei erwidert wurde. Bei diesem Schusswechsel wurde der 21jährige Philipp Müller aus München getötet. Drei weitere Demonstranten aus Münster, Pinneberg und Kassel liegen mit Lendensteck- und Knieschüssen im Krankenhaus. Ein Polizeibeamter wurde schwer, acht wurden leicht verletzt. 248 Personen sind vorübergehend festgenommen worden, 20 andere, als Rädelsführer erkannt, bleiben in Haft.« In einem Kommentar des Blattes hieß es: »Die neue Phase der kommunistischen Deutschland-Politik – der ›Kampf gegen den Generalvertrag unter Einsatz aller Kampfmittel‹ – erlebte am Sonntag in Essen einen blutigen Auftakt. (…) Die Tatsache, dass die Kommunisten dazu übergehen, Jugendliche mit Schusswaffen auszurüsten, ohne Rücksicht auf Menschenleben, beweist erneut die Skrupellosigkeit eines Systems, das zur gleichen Zeit wagt, von Frieden und Einheit zu sprechen. Was die Polizei betrifft, so scheinen die Ereignisse in Essen bestätigt zu haben, dass eine gründlichere Vorbereitung auf derartige Demonstrationen notwendig ist. Nervosität, die dazu führt, dass auch Unbeteiligte mit dem Gummiknüppel Bekanntschaft machen, dient nur den Absichten der Demonstranten. Die Bürgerkriegstaktik der Kommunisten zwingt zu Gegenmaßnahmen. Um so mehr müssen die Hüter der öffentlichen Ordnung einen kühlen Kopf behalten.«


Wer für den Frieden kämpft, legt sich seit jeher mit den Herrschenden an. Das erlebt heute jeder, der nicht in das Kriegsgeschrei einstimmen möchte. Und das erlebten vor 70 Jahren jene, die sich der Wiederbewaffnung des westdeutschen Imperialismus entgegenstellten. Einer von ihnen war Philipp Müller. Er zahlte für seinen Kampf den höchsten Preis. Mit gerade einmal 21 Jahren wurde er am 11. Mai 1952 ermordet. Der junge Arbeiter war der erste politische Tote in der Geschichte der Bundesrepublik.

Philipp Müllers kurzes Leben, über das nicht viel bekannt ist, steht stellvertretend für das einer ganzen Generation junger Menschen. Ihre Kindheit war geprägt von dem massenmörderischen Raubkrieg des deutschen Faschismus. Nach 1945 zogen sie daraus die einzig sinnvolle Konsequenz – ihr Leben dem Kampf um eine bessere Welt zu widmen. Es scheint vielleicht schwer vorstellbar, aber inmitten der Trümmer herrschte bei diesem Teil der Jugend keine Resignation, sondern Aufbruchsstimmung. Überall in Deutschland schlossen sich Tausende, vor allem Arbeiter, in antifaschistischen Ausschüssen zusammen, organisierten selbständig die Produktion in den Schächten und Fabriken. Sie strömten zuhauf in die Arbeiterparteien KPD und SPD, bauten die Gewerkschaften wieder auf und mobilisierten zu Massenstreiks und Kundgebungen. In all dem Elend wuchs die Hoffnung, dass nun der Moment gekommen sei, die Wurzeln des Übels aus dem blutgetränkten Boden zu reißen. Auch Müller, Schlosser und Eisenbahnarbeiter, teilte diese Hoffnung. 1948, mit 17 Jahren, wurde er Mitglied der Freien Deutschen Jugend (FDJ), zwei Jahre später auch Mitglied der Kommunistischen Partei Deutschlands.

Remilitarisierung

Schon bald nach der Kapitulation im Jahr 1945 konnte sich die einstweilen geschlagene herrschende Klasse in Deutschland an die Restauration alter Verhältnisse machen. Die westlichen Alliierten brauchten sie im beginnenden Kalten Krieg gegen die Sowjetunion. Die Ergebnisse des Zweiten Weltkriegs erzwangen es allerdings, diese dem deutschen Imperialismus zugedachte Rolle nur in einem Teil des Landes einzunehmen. Der spätere Bundeskanzler Konrad Adenauer brachte das auf die Formel: »Lieber das halbe Deutschland ganz als das ganze Deutschland halb.« Dieses halbe, kapitalistisch-restaurierte Deutschland musste gegen den Sozialismus bewaffnet werden, und zwar gegen den Willen einer großen Mehrheit der Bevölkerung. Kaum ein Jahr nach Gründung der Bundesrepublik, also in dem Jahr, als Philipp Müller sich der KPD anschloss, wurde das »Amt Blank«, die Vorgängerinstitution des späteren »Verteidigungsministeriums« gegründet, wiederum ein Jahr später folgte der paramilitärisch organisierte »Bundesgrenzschutz«. Von da zur Bundeswehr war es nicht mehr weit.

Anders als heute formierte sich gegen die Remilitarisierungsbestrebungen rasch breiter Widerstand. Arbeiter, progressive Vertreter des Bürgertums und Intellektuelle schlossen sich zu einem antimilitaristischen Bündnis zusammen. Maßgeblich beteiligt waren die Parteien der Arbeiterbewegung, KPD und SPD, und die Gewerkschaften. Die Wiederbewaffnung galt als ein Schritt zur Zementierung der deutschen Teilung. Die hoffnungsvolle junge Generation, der auch Müller angehörte, stand dabei in der ersten Reihe. Sie war organisiert in der FDJ und rief, wissend, dass man es auf sie als Kanonenfutter abgesehen hatte, die »Ohne-mich-Bewegung« ins Leben. Die Bewegung organisierte nicht nur Demonstrationen und Vorträge im Kampf gegen die Remilitarisierung, sie goss auch die Sprenglöcher der NATO an Brücken wieder zu. Ihre Mitglieder nahmen dabei mehrere Jahre Haft in Kauf.

Den Höhepunkt im Kampf um den Frieden bildete die Volksbefragung zur Wiederbewaffnung: Am 20. Januar 1951 wurde in Essen auf einem Friedenskongress ein »Manifest gegen die Remilitarisierung Deutschlands« verabschiedet und ein Ausschuss zur Vorbereitung einer Volksbefragung gewählt. Die Bevölkerung sollte gefragt werden: »Sind Sie gegen die Remilitarisierung und für den Abschluss eines Friedensvertrages mit Deutschland im Jahre 1951?« Diese schlichte Frage galt bereits an sich als Versuch zum »Umsturz der verfassungsmäßigen Ordnung«, befand zumindest der damalige Innenminister Robert Lehr (früher DNVP, später CDU), der die Volksbefragung daraufhin verbot.

Auch die Spitzen von SPD und DGB distanzierten sich, was deren jeweilige Basis allerdings herzlich wenig kümmerte. Tausende Mitglieder dieser Arbeiterorganisationen sprachen sich in Betriebsversammlungen für die Volksbefragung aus. Und die kam auch. Ungeachtet des Verbots verteilten Friedenskämpfer die Fragebögen und konnten letztendlich mehr als neun Millionen Gegner der Remilitarisierung zur Stimmabgabe mobilisieren. Weil auch die Herrschenden wussten, welchen Anteil die FDJ an diesem Erfolg hatte, verboten sie die Organisation am 26. Juni 1951. Die Verfolgung der Friedenskämpfer verschärfte sich fortan. Es kam zu zahlreichen Verhaftungen. Alte Nazirichter verurteilten Kommunisten und solche, die sie dafür hielten, zu langen Haftstrafen für das Verteilen von Flugblättern. Doch brechen konnten sie den Widerstand nicht. Auch Philipp Müller blieb aktives Mitglied der FDJ. Illegalität und Verfolgung zum Trotz.

Feuer auf Demonstranten

Ein Jahr nach dem Verbot mobilisierten Anhänger der FDJ und anderer Jugendorganisationen zum 11. Mai 1952 zu einer Jugendkarawane für den Frieden nach Essen. Zehntausende aus ganz Deutschland machten sich auf den Weg in die Ruhrgebietsstadt. Kurz vor Beginn verbot der Innenminister kurzfristig die Demonstration. Zu diesem Zeitpunkt waren bereits viele der Demonstranten in der Stadt. Die Polizei griff sie von allen Seiten an, prügelte alles nieder, setzte Tausende wahllos fest. Allein 15.000 Menschen wurden auf dem Gelände der Gruga eingekesselt. Auch Philipp Müller war an diesem Tag vor Ort. Er und einige andere junge Demonstranten wurden nahe der Rüttenscheider Brücke von einer Gruppe Polizisten gejagt. Polizeioffizier Werner Wolter führte sie an. Er eröffnete mit seinen Kollegen das Feuer auf die Gruppe Demonstranten. Entgegen der Aussage, er und andere hätten die Polizisten angegriffen, traf eine Kugel Philipp Müller in den Rücken. Seinen leblosen Körper warfen die Polizisten in ein Auto. Auf einen Arzt warteten sie nicht. Ebenfalls getroffen und schwer verletzt wurden an diesem Tag der Sozialdemokrat Bernhard Schwarze aus Münster und der Gewerkschafter Albert Bretthauer aus Kassel. Hunderte wurden von Knüppeln übel zugerichtet und verhaftet.

Das Landgericht Dortmund befand im Oktober 1952, es habe sich um »Notwehr« gehandelt. Ein Antrag der KPD auf die Einrichtung einer Untersuchungskommission wurde abgelehnt. Philipp Müllers Tod ist bis heute ungesühnt.


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NEUER BEITRAG11.05.2022, 09:55 Uhr
EDIT: FPeregrin
11.05.2022, 09:56 Uhr
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FPeregrin

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