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NEUES THEMA31.07.2020, 17:14 Uhr
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tolpatchow

• Engels200: Kraftvolles Zeichen gegen bĂŒrgerliche Umdeutung Die Tageszeitung “Junge Welt” sprach mit Sebastian Woldorf (DKP) ĂŒber die morgige Demonstration in Wuppertal zu Ehren Friedrich Engels.

Junge Welt: In diesem Jahr jĂ€hrt sich der Geburtstag des in Barmen geborenen RevolutionĂ€rs, Philosophen und Ökonomen Friedrich Engels zum 200. Mal. Warum sollte die Erinnerung an ihn wachgehalten werden?

Sebastian Woldorf: Friedrich Engels ist neben Karl Marx MitbegrĂŒnder des wissenschaftlichen Sozialismus. Außer der Mitautorenschaft am Kommunistischen Manifest ist er vor allem fĂŒr mehrere allgemeinverstĂ€ndliche Schriften zum Klassenkampf und der proletarischen Revolution wie zum Beispiel den »Anti-DĂŒhring« bekannt. Sein Werk bildete nicht nur die Grundlage fĂŒr die damalige revolutionĂ€re Sozialdemokratie und die sozialistischen Revolutionen im 20. Jahrhundert, sondern inspiriert auch heute noch Millionen von Menschen auf der ganzen Welt im Kampf gegen Ausbeutung und UnterdrĂŒckung.

Junge Welt: Spielt Engels denn heutzutage noch eine Rolle in Wuppertal?

Sebastian Woldorf: Sein Name ist durch das Museum am ehemaligen Familiensitz, drei hervorragende DenkmĂ€ler und die Benennung einer Hauptverkehrsstraße weiterhin prĂ€sent im Stadtbild. Wuppertal ist eine stark industriell geprĂ€gte Stadt, die in den vergangenen Jahrzehnten durch Arbeitsplatzabbau und Deindustrialisierung stark gebeutelt wurde. In der momentanen Krise ist die offizielle Erwerbslosenzahl in der Stadt auf 10,7 Prozent angestiegen. Mehr als ein Drittel aller sozialversicherungspflichtig BeschĂ€ftigten sind aktuell in Kurzarbeit geschickt. Die Krise macht offensichtlich, dass das kapitalistische Wirtschaftssystem nicht unserem Wohle dient, sondern nur der Profitmaximierung einiger weniger. Die gesellschaftspolitische Alternative, fĂŒr die Engels steht, ist heute so aktuell wie zu seinen Zeiten.

Junge Welt: Wie setzt sich Ihr BĂŒndnis zusammen?

Sebastian Woldorf: Es ist ein Zusammenschluss von unterschiedlichen linken Gruppen und Parteien wie dem RevolutionĂ€ren Jugendbund, dem Linken Forum, »Trotz alledem«, »Kommunistischer Aufbau« und der DKP. Unser gemeinsamer Nenner ist, Wuppertals großen Sohn zu ehren, indem wir daran erinnern, dass eine Gesellschaft jenseits von Profitlogik und Ausbeutung möglich und erkĂ€mpfenswert ist. Wir werden am Sonnabend ab 13 Uhr mit rund 500 Teilnehmern einen Demonstrationszug von der Elberfelder Innenstadt bis zum Engelsgarten durchfĂŒhren, wo wir den Tag bei Musik und Essen ausklingen lassen.

Junge Welt: Sowohl Wuppertal als auch das Land Nordrhein-Westfalen erinnern offiziell an ihn. WofĂŒr braucht es Ihre Demonstration?

Sebastian Woldorf: TatsĂ€chlich organisiert die Stadt Wuppertal unter der Schirmherrschaft des MinisterprĂ€sidenten Armin Laschet, CDU, das gesamte Jahr ĂŒber ein umfangreiches Programm. Doch selbstverstĂ€ndlich hat die bĂŒrgerliche Politik keinerlei Interesse daran, mit dem Gedenken an Engels die Perspektive einer Welt ohne Kapitalisten und mit gerechter Verteilung des Reichtums aufzuzeigen. Am offiziellen Slogan des Engels-Jahres »Denker. Macher. Wuppertaler.« merkt man, wohin die Reise geht: die Entpolitisierung von Engels.

Indem sein Wirken historisiert und in vermeintlich ĂŒberwundene dunkle Zeiten der Industrialisierung eingebettet wird, wird ihm der revolutionĂ€re Kern genommen. Mit unserer Demonstration wollen wir auf dieses WeichspĂŒlen hinweisen und sein revolutionĂ€res Anliegen lautstark zur Geltung bringen. Wir rufen dazu auf, mit uns ein kraftvolles Zeichen gegen die bĂŒrgerliche Umdeutung des RevolutionĂ€rs Friedrich Engels zu setzen.

Junge Welt: Was verspricht sich Wuppertal vom Engels-Jahr?

Sebastian Woldorf: Die AktivitĂ€ten der Stadt sind vor allem in Hinblick auf die Selbstvermarktung als touristisches Ziel ausgerichtet. In diesem Kontext ist auch die Zustimmung zur Schenkung einer großen Engels-Statue durch die Volksrepublik China zu sehen, die 2014 unweit des Geburtshauses aufgestellt wurde. Der Kommunalpolitik geht es also keineswegs darum, das revolutionĂ€re Erbe Engels’ auf die heutige Zeit zu ĂŒbertragen, sondern darum, zahlungskrĂ€ftige – vor allem chinesische – Touristen in die Stadt zu locken.

#DKP
#Engels200

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