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Von secarts

Anmerkung der Redaktion: In der Kategorie „neue Götter“ soll es nicht um Götter gehen. Beschäftigen wollen wir uns mit einer gesamtgesellschaftlichen Entwicklung; einem Paradigmenwechsel hin zu irrationalen Welterklärungsmustern. Wir erleben in unserem Land und unserer Gesellschaft tief greifende ökonomische und soziale Verschiebungen; dies schlägt sich zwangsläufig nieder auf die jeweils favorisierten Weltanschauungssysteme, die tatsächlich oftmals mehr umnebeln als erklären.
Dies alles ist nichts Neues. Seit Beginn der Moderne, also technischer Revolution, Ende des Feudalismus und Erstarken des Kapitalismus, wird alles zur Ware, wird auch der religiöse „Markt“ liberalisiert. Nach jahrhundertelanger Dominanz der Kirche und rigoroser Verfolgung sog. „Ketzer“ stehen die Menschen seit hundertundfünfzig Jahren vor einem wahren „Supermarkt“ der Heilsversprechen; das Angebot wird immer größer, schriller und aufdringlicher. Und mit dem steten Niedergang der institutionell mit dem Staat verzahnten „Volkskirche“, die längst einen Großteil integrativer und disziplinierender Fähigkeiten eingebüßt hat und weiterhin einbüßt, nimmt nicht etwa Religiosität oder Sinnsuche an sich ab zugunsten eines materialistischen Atheismus – die idealistische Verklärung des Bestehenden verlagert sich und bietet dem Suchenden bereitwillig jeweils passend scheinende neue Erklärungsmuster aus den Regalmetern der Weltanschauungen.
Gemein ist all diesen – ob nun christlichen, buddhistischen, esoterischen, pseudowissenschaftlichen oder okkulten – Glaubenssystemen eine idealistische, irrationale Grundhaltung. Analog zum begrenzten Erkenntniswillen und –Fähigkeit positivistischer Weltanschauung im Kapitalismus gründet auch jegliche Religion in allererster Konsequenz auf einer mehr oder weniger kaschierten Ablehnung des Materialismus als Denkens- und Erkenntnisprinzip und Negation vernunft- und forschungsbasierter Welterkenntnis.
In loser Reihenfolge sollen verschiedene Ausprägungen dieser Erscheinung untersucht werden - beginnen werden wir mit einem schon beinahe „traditionellen“, weil lange existenten und breit akzeptierten, Vertreter: der Anthroposophie Rudolf Steiners.



Die „Allgemeine Anthroposophische Gesellschaft“ (AAG) ist die mit ungefähr 20.000 Mitgliedern (in Deutschland; weltweit sind es ca. 60.000) größte, am längsten kontinuierlich existierende und auch gesellschaftlich am tiefsten verankerte esoterische Organisation Deutschlands.
„Anthroposophische Gesellschaft? Nie gehört“, mag sich manch einer denken. Begriffe wie „Waldorf“, „Demeter“, „biologisch-dynamischer Landbau“ oder „Weleda“ hingegen dürften allgemein bekannt sein. Sie alle gehören zur Anthroposophie.
Das esoterische Weltbild Rudolf Steiners, das die Basis der anthroposophischen Weltsicht bildet, habe ich anhand der Lehrinhalte der Waldorfschulen bereits untersucht und kritisiert; dies will ich hier nicht wiederholen. In dieser weiterführenden Betrachtung soll die gesellschaftliche, wirtschaftliche und politische Relevanz der Anthroposophie von Interesse sein.


I. Sonderling, Hellseher, „Menschheitsführer“ – wer war Rudolf Steiner?

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Rudolf Steiner
Rudolf Steiner wurde am 27.2.1861, sechs Jahre vor Bildung der österreichisch-ungarischen Doppelmonarchie, als Sohn eines Eisenbahnarbeiters im ungarischen Kraljevec in die dort lebende deutschsprachige Minderheit geboren. Im Alter von viereinhalb Jahren, so gibt Steiner in seiner Autobiographie „Lebenswege“ an, habe er das erste hellseherische Erlebnis gehabt, das ihm den nahenden Tod seiner Tante ankündigte.
Nach der Matura in Wien studierte er an der dortigen Technischen Hochschule Naturwissenschaften. Einer seiner Professoren vermittelte ihm eine Mitarbeiterstelle bei der Herausgabe der 133-bändigen gesammelten Werke Goethes (die sog. „Sophienausgabe“), zu deren Realisierung er nach 1890 Weimar übersiedelte. Dort allerdings wurde er nicht glücklich; 1897 zog er nach Berlin um.

Dort sollte sich seine Begegnung mit Marie von Sivers, einer Schauspielerin, als schicksalhaft erweisen: die Baltendeutsche führte Steiner in esoterische Kreise ein, wo er mit seinen spekulativen und mystischen Ansichten auf ein begeistertes Publikum stieß. 1902 gründete er mit von Sivers den deutschen Zweig der sog. „Theosophischen Gesellschaft“.
Die „Theosophische Gesellschaft“, eine Gründung der ukrainischstämmigen Esoterikerin und Rassetheoretikerin Helena Petrowna Blavatski, beschäftigte sich mit „moderner“ Esoterik, einem Konglomerat aus alteuropäischen Mysterien, ostasiatischen und indischen Religionen und (nicht nur) damals breitgesellschaftlich rezipierten sozialdarwinistischen Rassevorstellungen.
Steiner wurde 1906 zum Vorsitzenden des deutschen Zweigs der Theosophen; ausgedehnte Vortragsreisen durch Europa und die Mitgliedschaft in verschiedenen weiteren okkulten Geheimbünden machten ihn tief vertraut mit dem Gedankengut der Esoteriker, Mystiker und Irrationalisten jeglicher Couleur.
Verschiedentlich wurde Steiner von Historikern und Autoren eine Führungsposition im deutschen Zweig des O.T.O. („Ordo Templi Orientis“, der sog. „orientalische Templerorden“, in dem auch der Satanist Alister Crowley wirkte) unterstellt; nach heutigem Wissensstand kann der Umstand als gesichert gelten.1


II. „Goetheanum“, Dornach, Schweiz: die Zentrale der AAG

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das "Goetheanum"
1913 kam es zum Bruch mit den Theosophen (Streitpunkt war die Frage, ob der indische Knabe Krishnamurti tatsächlich der neue Buddha, für den ihn die Blavatski und andere hochrangige Vertreter der Theosophen hielt, sei - Steiner hingegen hielt das westliche Christentum den ostasiatischen Religionen gegenüber für überlegen und verließ die Gesellschaft mit 90% ihrer deutschen Mitglieder.) Steiner machte sich an die Gründung seiner eigenen Organisation, der „Anthroposophischen Gesellschaft“. In Dornach/Schweiz errichtete er auf dem durch Schenkung eines sympathisierenden Großindustriellen erworbenen Grundstück das sog. „erste Goetheanum“ als Zentrum seiner Bewegung. Nach einem Brand 1923 wurde mit dem Bau des „zweiten Goetheanums“, einem monumentalen Betonklotz, begonnen, dass noch heute als Zentrale der AAG dient.

Nach einer Auflösung und Neugründung der „Anthroposophischen Gesellschaft“ im Jahr 1923 wurde die AAG, die so noch heute existiert, gegründet. Steiner selbst übernahm die Leitung.

Das weitläufige Gelände der AAG in Dornach dient als Verwaltungssitz, Zentrale und Veranstaltungsort in einem, auch die sog. „Freie Hochschule für Geisteswissenschaften“, die Kaderschmiede und Schulungsstätte für Führungskräfte der AAG, hat dort ihren Sitz. Wer nun in einer „Hochschule“ für „Geisteswissenschaften“ auch Wissenschaft erwartet, wird sich getäuscht sehen:

„Die Freie Hochschule für Geisteswissenschaft – als Mittelpunkt der AAG – ist ein freier Zusammenschluss derjenigen Persönlichkeiten, die diese esoterische Vertiefung wünschen und erstreben. Sie bildet das Zentrum einer zeitgemäßen christlich-esoterischen Geistesschulung, durch die der Mensch auf vollbewusstem Weg zur Erkenntnis und Erforschung übersinnlicher Welten gelangen kann.“
[aus den anthroposophischen „Flensburger Heften“ 15/89]


Mit „Wissenschaft“ hat dies nun freilich nichts zu tun, eher mit der schon den Theosophen gepflegten Tradition einer okkulten esoterischen „Eingeweihtenschule“, in der einem äußerst begrenzten Kreis unter Geheimhaltung „höhere Einsichten“ in den „Weltverlauf“ nahe gebracht wurden. So bemerken selbst Anthroposophen, das nur von „einer kleinen Gruppe, Anthroposophen, zumeist ‚Insider’, über die Freie Hochschule gesprochen werde“. Auch für „Mitglieder der Anthroposophischen Gesellschaft hängt ein geheimnisvoller Schleier um diese Hochschule“. 2
Was wird dort gelehrt? Und um was geht es in Steiners Ideologie überhaupt? Ein kurzer Überblick soll, so weit dies denn überhaupt möglich ist, Klarheit schaffen:


III. Karma, Schicksal, Volksgemeinschaft –
die „Geheimwissenschaft“ der „Anthroposophie“.


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Steiners "Akasha-Chronik"
Steiners Werk ist ohne eine gewisse Vorkenntnis der Geschichte europäischer Esoterik kaum verständlich zu machen, denn trotz seines ungemein umfangreichen literarischen Nachlasses (über 350 Bücher, mehr als 6000 mitstenographierte Reden und Vorträge) ist seine Weltanschauung in allererster Linie ein Gemisch verschiedener Versatzstücke anderer okkulter, mystischer und esoterischer Theorien.
Steiner übernahm von der bereits erwähnten Helena P. Blavatski die so genannte „Wurzelrassentheorie“, allerdings in modifizierter Form. Steiner geht von sieben „Urrassen“ aus, die einst von fremden Gestirnen, u. a. Mond und Sonne, die Erde bevölkerten und dabei von allerlei Wesenheiten, Geistern, Engeln und Göttern gelenkt und geführt wurden. Ohne jetzt im einzelnen auf diese vollkommen krause, dennoch äußerst umfangreiche Theorie eingehen zu wollen, seien einige für den Charakter der Anthroposophie relevante Kerngedanken vorgestellt:
Steiner, hier ganz in Tradition der Blavatski, nahm die Existenz des mythischen, versunkenen Kontinents Atlantis als Realität. Eben jenes Atlantis sei der Ursprung der „arischen Rasse“ gewesen, die nach dem Untergang des Kontinents Teile der Welt besiedelt hätte. Nach Steiners „Drei-Welten-Theorie – schwarze, gelb-braune und weiße Welt“ (Afrika, Asien, Europa), sei die „schwarze Rasse“ die niederste und die arische, weiße Rasse die am Höchsten entwickelte. Dem jüdischen Volk, das nach Steiner zu keiner dieser Rassen gehöre, weißt er eine Sonderstellung zu – sie seien unter den Völkern eine Ausnahmeerscheinung.
„Daher kann der Europäer, weil ihn Seele und Geist am meisten in Anspruch nimmt, Seele und Geist am meisten verarbeiten. […] Die weiße Rasse ist die zukünftige, die am Geiste schaffende Rasse.“
[Rudolf Steiner, Gesamtausgabe, "Vortrag vom 3. März 1923"]


Auch folgende Ideen sind uns nicht unbekannt – die zeitliche Reihenfolge muss allerdings berücksichtigt werden. Fragt sich, wer hier was von wem hat:

„die Menschen würden ja, wenn die Blauäugigen und Blondhaarigen aussterben, immer dümmer werden, wenn sie nicht zu einer Art Gescheitheit kommen würden, die unabhängig ist von der Blondheit. Die blonden Haare geben eigentlich Gescheitheit.“
[Rudolf Steiner, "über Gesundheit und Krankheit"]


"Wir verstehen die Rassenfrage aber nur, wenn wir das geheimnisvolle Wirken des Blutes und der Blutmischung unter den Völkern verstehen. [...] Die Frage, auf die hier eingegangen wird, ist die Kolonisationsfrage. [...] Derjenige, der nicht weiß, unter welchen Bedingungen ein Volk steht, ob in auf- oder absteigender Linie der Entwicklung, ob dies oder jenes durch sein Blut bedingt ist, der vermag nicht den richtigen Weg finden, um irgendeine Kultur bei irgendeinem Volke einzuführen."
[Rudolf Steiner, "Blut ist ein ganz besonderer Saft"]


Doch Steiner wäre nicht Steiner, wenn er nicht auch karmische Milde walten lassen würde:

„Denn selbst die Neger müssen wir als Menschen ansehen, und in ihnen ist ja die menschliche Gestalt ganz anders verwirklicht als in uns, zum Beispiel.“
Die von Steiner in seine Theorie eingebauten christlichen Elemente – dies ist wesentlicher Kritikpunkt der traditionellen christlichen Strukturen an der Anthroposophie – scheinen auch zunächst gewöhnungsbedürftig: Steiner geht von der Existenz gleich zweier Jesuskinder, die nicht nur in zwei Krippen nebeneinander lagen, sondern zufällig auch gleichnamige Eltern hatten, aus. Diese verschmolzen im Alter von zwölf Jahren zum Christus Jesus. Steiners Verständnis des Christentums wird in einer eigenen Kirchengründung, der sog. „Christengemeinschaft“, nach wie vor gepflegt – die personellen Strukturen dieser Art „Freikirche“ sind teilidentisch mit der AAG; insofern kann durchaus von einer anthroposophischen „Filiale“ gesprochen werden.

Durchaus in den Trend seiner Zeit, des räuberischen, kolonialistischen Imperialismus, passt seine postulierte Überlegenheit der „Weißen“ und das karmisch determinierte Schicksal aller „Volksseelen“, die ihren vorgezeichneten Gang zu gehen hätten. Die Europäer würden durch die Unterwerfung anderer Völker nur ihr karmisches Schicksal vollziehen; die unterworfenen Völker hätten diesen vorherbestimmten Akt ebenfalls hinzunehmen, denn: „jedes Volk hat seine besondere Aufgabe“.

Interessant wäre nun noch die Frage, wie Rudolf Steiner zu seinen Ansichten gekommen ist. Er selbst hat darauf die einzig passende Antwort: durch Intuition. Steiner gab vor, in anderen Bewusstseinslagen (Umnachtung?) Erkenntnisse höherer Welten verstehen zu können – z.B. aus der „Akasha-Chronik“, einem sog. „geistigen“, „lebendigen“ Buch, dass das Wissen der Menschheit vereine und okkulte Wahrheiten enthalte. In der „Akasha-Chronik“ tummeln sich „Weisheitswesen“, „Pflanzen- und Tiermenschen“, „Söhne des Feuers“, „Eimenschen“, die ausgebrütet werden müssen, „Lemurier“, „Mondwesen“ und „Geister des Zwielichts“; sie soll Einblick geben über „lenkende Erzengel“ - von denen Steiner ganze Heerscharen und rigide Hierarchien postuliert - und “menschliche Eingeweihte“, sogenannte „Meschheitsführer“, die in langen Abständen auf die Erde entsannt werden, um dem karmischen Schicksal auf die Sprünge zu helfen. Als eine solche Figur sieht Steiner sich übrigens auch selbst – eine Reinkarnation des mythischen „Manu“, der in der Waldorfschule wiederum als historische Realität gelehrt wird - der modernen Religionswissenschaft und Geschichtsforschung ist er allerdings unbekannt.
Lesen wir einmal selbst, was Rudolf Steiner in der "Akasha-Chronik" so alles enddeckte:

"Die Vorfahren der Atlantier wohnten auf einem verschwundenen Landesteil, dessen Hauptgebiet südlich vom heutigen Asien lag. [...] Nachdem diese durch verschiedene Entwicklungsstufen durchgegangen waren, kam der größte Teil in Verfall. Er wurde zu verkümmerten Menschen, deren Nachkommen heute noch als sogenannte wilde Völker [Steiner meint die Schwarzafrikaner, Anm. von mir] gewisse Teile der Erde bewohnen. Nur ein kleiner Teil der lemurischen Menschheit war zur Fortentwicklung fähig. [...] Die große Masse der atlantischen Bevölkerung kam in Verfall, und von einem kleinen Teil stammen die so genannten Arier ab, zu denen unsere gegenwärtige Kulturmenschheit gehört."
[Rudolf Steiner, "aus der Akasha-Chronik"]


Nun gibt es Untersuchungen, die des Freiburger Psychiaters Wolfgang Treher zum Beispiel, die anhand von Steiners Äußerungen, seinen „Visionen“ und „Stimmen aus höheren Welten“, Anzeichen einer Geisteskrankheit - Schizophrenie - erkennen wollen. Es mag müßig erscheinen, über den geistigen Gesundheitszustand eines seit achtzig Jahren toten Mannes zu spekulieren – über den seiner nach wie vor zahlreichen Anhänger sollte man sich aber getrost Gedanken machen. Denn diese Leute sind keineswegs allesamt gesellschaftlich unbedeutend, wie wir später sehen werden. Doch zunächst einmal zu den ganz weltlich-praktischen Resultaten des Steinerschen Denksystems:


IV. von Medizin bis Landwirtschaft: der Anthro-Konzern

das anthroposophische Konzern- und Institutionsgeflecht: 3

Anthroposophische Schulen und Bildungseinrichtungen:
- Alanus Hochschule
- Anthropo-Kinderheim e.V.
- Kunststudienstätte Ottersberg
- Studienhaus Rüspe
- Freie Universität Witten/Herdecke
- Bund der Freien Waldorfschulen (in D. 168 Schulen mit ca. 70000 Schülern)
- Intern. Vereinigung der Waldorf-Kindergärten (1500 in 25 Ländern)
- Verband anthroposophischer Einrichtungen für Heilpädagogik und Sozialtherapie
- Camphill-Bewegung
- Eurythmie-Schulen
- Freie Jugendseminare
- Hardenberg Institut für Kulturwissenschaften
- Institut für soziale Gegenwartsfragen

Medizin, Heilmittel, Homöopathie, Heilkunde:
- Gesellschaft anthroposophischer Ärzte
- Verein für ein erweitertes Heilwesen
- Berufsverband Heileurythmie
- Berufsverband künstlerische Therapie
- Krankenhäuser, Sanatorien, Kurkliniken (einige Dutzend in D.)
- Weleda AG Heilmittel
- Wala Arzneimittel GmbH
- WalaVita
- Dr. Hauschka Kosmetik

Landwirtschaft, Ernährung:
- Forschungsring biologisch-dynamische Wirtschaftsweise
- Demeter
- Arbeitskreis für Ernährungsforschung
- Landwirtschaftsgemeinden
- Landbauschulen
- Holle Nährmittel AG

Wirtschaft, Finanzen, Banken, Verlage
- GLS Gemeinschaftsbank
- Öko-Bank (2003 aufgekauft)
- efv AG (Erste Finanz- und Vermögensberater AG)
- Gvp (Gesellschaft für Vermögensplanung)
- DBSFS (Deutscher Bundesverbad für Steuer-, Finanz- und Sozialpolitik e.V.)
- M & M Verlag (Medien und Marketing Agentur GmbH)
- Anthropos-Film- und Fernsehproduktion GmbH
- Gemeinnützige Treuhandstelle
- Gemeinnützige Kreditgarantiegenossenschaft
- Unternehmensverband Aktion Dritte Welt
- Verlag Freies Geistesleben
Es mag wenige Weltanschauungen und Religionen geben, die im wahrsten Sinne des Wortes dermaßen „totalitär“ sind wie Steiners Anthroposophie: Sein Mammutwerk enthält zu beinahe jedem Bereich des Lebens praktische wie unverständliche Ratschläge, Verbesserungsideen und Ansichten: von Ernährung über Kleidung, Architektur bis Medizin, Ackerbau bis Tanz, gestalterischer Kunst, Mathematik, Geschichte, Religion und Musik. Dazu gesellte sich eine ungeahnte Aggressivität beim Durchsetzen seiner Vorstellungen – ein Fakt, den seine Nachfolger und Anhänger eher noch systematisiert und gesteigert haben.

Es brauchte keinen besonderen Auftrag Steiners an seine Anhängerschaft, auf dem freien Markte auszuschwärmen und dort im Sinne des Meisters tätig zu werden - viele prominente Führsprecher seiner Ideologie waren längst da, an Schaltstellen der deutschen Industrie, im breiten Mittelstand, der osmotisch jede noch so abwegige Theorie aufsaugt, die die eigene ständig neu in Frage gestellte sozioökonomische Position begründet, religiös unterfüttert oder legitimiert: Steiners Theorien lesen sich, vom religiös-esoterischen Schwulst befreit, wie eine Apologie auf all die feudal-ständischen Relikte, die es in Deutschland immer mannigfaltiger gab und gibt als beispielsweise in den USA oder den meisten größeren europäischen Nachbarstaaten. In seinen "Ausflügen" in die Politik, unternommen nach dem Ersten Weltkrieg, stimmt Steiner denn auch einen Lobgesang auf den Ständestaat an: In seiner Theorie der "Dreigliederung des sozialen Organismus” wird, um Abschaffung des Kapitalismus geht es schließlich nicht, die Wirtschaft der treibende Kern, der Staat wird zum Betreiber der Polizei - wer heute mit dem Begriff "neoliberal" um sich wirft (und eher "neoklassisch" meinen dürfte) um alle möglichen Übel der neuen Zeit zu brandmarken, dürfte auch bei Steiner fündig werden - immerhin in über 80 Jahre alten Schriften.

Insgesamt zählt das „anthroposophische Adressverzeichnis“ über 7800 (!) weitere anthroposophische Firmen, Institutionen und Einrichtungen (für Deutschland, Österreich, Schweiz) auf. Ideologische Weltfremdheit bedeutet also nicht gleich auch wirtschaftliche Untüchtigkeit.


V. Anthroposophie in der Nazizeit: nur ein "brauner Fleck" in der Geschichte?

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SS-Arzt und Anthroposoph Rascher bei der Arbeit: Unterkühlungsversuche in Dachau.
Die Anthroposophen reihen sich gerne unter den Opfern des Faschismus ein - wie fragwürdig dies allerdings ist, mögen ein paar Fakten erhellen. Heutige Anthroposophen bestreiten lauthals und notfalls mit Hilfe der Gerichte, dass Steiner so etwas wie ein Rassist gewesen sei oder gar deutsch-völkisch oder faschistoid, wie Ernst Bloch annahm. Eine unfruchtbare Angelegenheit, sich mit Anthroposophen darüber zu streiten - lassen wir den Meister lieber wieder selbst zu Worte kommen:

"Wir wissen als Anthroposophen: im Deutschen Geiste ruht Europas Ich. Das ist eine objektive okkulte Tatsache".
[Rudolf Steiner]


Die Jünger Steiners trafen denn auch mit viel Sympathie auf die erstarkenden deutschen Faschisten - so äußerte sich Guenther Wachsmuth, Steiners ehemaliger Sekretär und Vorstandsmitglied der AAG:

"Aber es soll kein Geheimnis sein, dass wir mit Sympathie auf das schauen, was zur Zeit in Deutschland geschieht. [...] Es muss Bewegung dasein, und die mutige und tapfere Weise, wie die Führer des neuen Deutschland sich der Probleme bemächtigen, kann, meiner Meinung nach, nur Bewunderung erzwingen. Es wird sicher etwas Gutes dadurch entstehen."
[Guenther Wachsmuth, Extrabladet, 6.Juni 1933]


Fürsprecher unter den herrschenden "Führern des neuen Deutschlands", nämlich den NSdAP-Führern, fanden die Anthroposophen denn auch an höchster Stelle: Rudolf Hess, der "Stellvertreter des Führers", und Walther Darré, der Führer des "Reichsnährstandes", Agrarminister und Reichsbauernführer, machten sich öffentlich stark für Steiners "biologisch-dynamischen Landbau". Hess, bis zu seinem Sturz 1941 Protege des "Reichsbundes für biologisch-dynamische Wirtschaftsweise", begeisterte sich denn auch für Steiners Homöopathie als die für den Nationalsozialismus adäquate Form der Medizin: in Kräutergärten der SS, wie z.B. in der Naturkräuterplantage des KZ Dachau, fand sich ein Tummelbecken für Anthroposophieschüler - Leiter der anthroposophischen Einrichtung im KZ Dachau wurde der frühere Obergärtner der anthroposophischen Naturdrogeriemarke "Weleda", Franz Lippert.
Im KZ selbst wurden an menschlichen Opfern die Produkte "Weledas" getestet - wie z.B. durch den SS-Arzt, Waldorfschüler und Sohn eines AAG-Vorstandsmitglieds namens Sigmund Rascher - im Bild bei einem Unterkühlungsversuch an einem Häftling des KZ Dachau zu sehen.

Nun berufen sich die Anthroposophen gerne darauf, selbst 1935 verboten worden zu sein. Dies ist wohl richtig; fraglich ist allerdings, ob sie wegen Feindschaft zu den Nazis oder eventuell wegen ihrer Nähe zu ihnen, als mißliebige Konkurrenz der Gleichschaltungsfanatiker sozusagen, verboten wurden. Es wären nicht die Einzigen, denen es so erging.
Der Autor Peter Bierl meint dazu: "Die Anthroposophen und Wirth (Mitbegründer des SS-Ahnenerbe) stritten über die Himmelsrichtung, aus der die Arier kamen, einig waren sie sich darin, dass diese Arier immer die geistige Führung behielten".4
Die Waldorfschulen konnten immerhin bis 1941 weiterwirtschaften; einen Vorschlag der Nazis, Modell-Waldorfschulen zu errichten, schlugen die Anthroposophen aus. Eine irgendwie geartete Rolle im Widerstand spielten die Anthroposophen nie; eine spätere Auseinandersetzung der AAG mit der Nazizeit hat nie stattgefunden - es bleiben also "braune Flecken" auf der weißen Weste der Anthroposophen haften, die noch auf Aufklärung warten.

Nun wäre es historisch simplifizierend und falsch, alle Anthroposophen als Nazis und alle Nazis als Anhänger Steiners zu bezeichnen - dafür waren die Interessen der Faschisten zu heterogen und die Anthroposophie zu weltfremd. Der geistige Nährboden - die rassistischen Theorien des ausgehenden 19. Jahrhunderts, ob nun Blavatskis oder von Liebensfels' - ist hingegen der Gleiche. Erst diese Katalogisierung der Menschheit, die Teilung in Wertvolle und Wertlose, die Postulierung eines "biologischen Auftrags" für die "Arier" als Blüte des Menschengeschlechts und auch der bedinungslose Glaube an "Menschheitsführer" und andere "Führer", machten die Verbrechen des deutschen Faschismus in einem solchen Ausmaß möglich - diesen Vorwurf geistiger Wegbereitung müssen sich die Anthroposophen, die ihrem Idol Steiner immer noch wortwörtlich anhängen, durchaus gefallen lassen.


VI. das „who is who der deutschen Eliten“: prominente Anhänger und Unterstützer

Die rasche und ungebrochene Expansion anthroposophischer Institutionen, Firmen und Einrichtungen hängt ganz wesentlich mit Stoßrichtung und Zielgruppe der Steinerschen Weltanschauung zusammen: seit Anbeginn warb Steiner gezielt unter wirtschaftlichen Eliten und gesellschaftlichen Führungspositionen für seine Weltsicht – mit Erfolg, wie man anerkennen muss. Früh sahen einflussreiche Personen das Potential der „neuen Religion“ – welches Potential, werden wir später untersuchen.
das "who is who" der BRD-Eliten:

prominente Waldorf-Unterstützer:
- Eberhard Diepgen (ehem. Oberbürgermeister von Berlin)
- Klaus von Dohnanyi (ehem. Oberbürgermeister von Hamburg)
- Katrin Göring-Eckardt (Grünen-Vorsitzende)
- Wolfgang Clement (Wirtschaftsminister)
- Hans-Dietrich Genscher (ehem. Außenminister)
- Walter Riester (ehem. Arbeitsminister)
- Helmut Kohl (ehem. Bundeskanzler)
- Monika Hohlmeier (ehem. Kultus- und Bildungs(!)ministerin Bayern)
- Karl Otto Pöhl (ehem. Zentralbankchef)
- Otto Schily (Innenminister; Schilys Familie ist ganz besonders eng mit den Anthroposophen verbunden: Schilys Bruder Konrad ist Chef der anthroposophschen „Freien Universität Witten/Herdecke“, der Nachwuchs der
Schilys besucht sämtlichst Waldorfschulen; schon Schilys Eltern gehörten zum Führungszirkel der deutschen Anthroposophen).

Selbst die Waldorfschule besucht haben z.B.:
- Michael Rogowski (ehem. BDI-Präsident) oder auch
- Ferdinand Porsche (Porsche Automobile).

Als (finanzkräftige) Förderer und Anhänger tun sich u.a. hervor:
- Bertelsmann-Konzern,
- Hussel Holding und auch
- Siemens (obwohl sie einen Großteil des Umsatzes mit anthroposophisch verhassten Technologien wie Atomkraft oder Neonröhren, in denen angeblich böse Dämonen zuhause seien, machen – und dies ganz pragmatisch rechtfertigen: wenn die „Guten“ diese Technik nutzen würden, wäre sie den „Bösen“ entzogen…)
- Drogeriekette "dm" - der Gründer Götz Werner beruft sich auf die Anthroposophie als Basis seines unternehmerischen Verständnisses, sein Betrieb ist für ihn eine "Arbeitsgemeinschaft"... Inwiefern diese Heimeligkeit und die direkt nach Steiner klingenden Schwurbelgrundsätze "Ästhetische Unternehmungsführung" und "wahrnehmungsgeleitetes Management" aus Werners Repertoire der gering bezahlten Kassiererin bei der Bezahlung ihrer Rechnungen helfen, sei dahingestellt.

Quelle:u. a. "die Waldorfs"5
Ein Blick in die Liste prominenter Anthroposophen, Waldorfunterstützer, Mitglieder des „Waldorf-Freundeskreises“ oder Absolventen Steinerscher Einrichtungen ließt sich in jedem Falle wie ein wahres „who is who der deutschen Gesellschaft“.
Nun muss man, gerade bei den zum Großteil kaum offen anthroposophisch auftretenden Waldorfschulen, mögliche Unkenntnis der Eltern berücksichtigen. Wie fehl am Platze diese ist, habe ich bereits untersucht – bei Menschen, die Geld und Beziehungen genug haben, ihre Kinder überall hin zu schicken, sollte man allerdings voraussetzen, dass sie sich im Klaren sind, wem der hoffnungsvolle Nachwuchs anvertraut wird. In Bezug auf „Künstler“ oder andere dauerirrlichternde Berufsirre wie z.B. Martin Walser, dessen Kinder die Waldorfschule besuchten, braucht man sich nicht weiter zu wundern. Andere Namen versetzen einen dennoch in Erstaunen.

Man muss sich fragen, ob all diese Leute von sämtlichen guten Geistern verlassen sind, wenn sie ihre Kinder solchen Scharlatanen anvertrauen und deren Organisationen auch noch finanziell fördern (neben den ungefähr 230 Millionen Euro, die den Waldorfschulen in jedem Jahr an staatlicher Förderung zuteil werden) - oder ob dies Methode hat, und sowohl die Waldorfschulen als auch die Anthroposophie eine gesellschaftlich-politische Funktion erfüllen. Dazu nun mehr:


VII. irrationale Weltanschauungen als Legitimationsmuster
die Funktion der Anthroposophie


„Esoterik ist Religion; sie kann als geistiges Konstrukt zur umfassenden Erklärung für das eigene gesellschaftliche Sein dienen, insofern ist sie als Ideologie zu bezeichnen“, schlussfolgert Claudia Barth in ihrer Untersuchung „Über alles in der Welt – Esoterik und Leitkultur“.6

Religionen im Allgemeinen – und auch Esoterik im Besonderen – konnten und können nicht ohne gesellschaftliche Basis betrachtet werden. Religionen erfüllen eine gewisse Funktion, deren Benennung als bloße Herrschaftslegitimation der jeweils dominierenden Klasse sicherlich zu simpel wäre; denn auch als Spiegel diffuser Ängste, Hoffnungen und Wünsche stellen sie eine Art gesellschaftlichen „Blitzableiter“ dar. Besondere Relevanz kommt dabei der Religion in allen gesellschaftlichen Umbruchsituationen zu, indem sie subjektive Fluchtmöglichkeiten aus einer unverstandenen und als hoffnungslos empfundenen Welt ermöglicht.
Wie Eingangs bereits erwähnt haben die großen christlichen Kirchen als mit dem Staat verzahnte Institutionen einen Großteil ihrer einstigen Macht einbüßen müssen; dieser Prozess ist nach wie vor im Gange.
Alternativen zur Volkskirche schießen wie Pilze aus dem Boden: einmal im christlich-fundamentalistischen Bereich mit dem Vorbild des säkularisierten US-Glaubensmarktes; des weiteren modische Adaptionen fernöstlicher Religionen, die seit den späten sechziger Jahren einen wahren Boom in Deutschland erlebten; andererseits aber auch in einer „Rückbesinnung“ auf germanisch-heidnische Kulte (oder das, was dafür gehalten wird), die für Deutschland als kulturell passend empfunden werden.

Die Esoterik stellt eine Mischung aus allen drei Religionstraditionen dar. Neben der heidnisch-naturreligiösen Variante haben wir die Theosophie, die nach wie vor weltweit vertreten ist, als esoterische Richtung mit starkem indisch-buddhistisch verbrämten Einschlag kennen gelernt – die Anthroposophie hingegen legt eine stärkere Gewichtung auf christliche Elemente.

Allen esoterischen Religionsströmungen gemein sind allerdings folgende Grunddeterminanten:
  • karmisch erklärte Unausweichlichkeit des Schicksals als zu meisternde Prüfung,

  • Negierung von Verstand, Vernunft und wissenschaftlicher Erkenntnisfähigkeit,

  • Ablehnung historisch-gesellschaftlicher Vorwärtsentwicklung und

  • Verneinung der menschlichen Individualität zugunsten von Reinkarnation oder völkischer Vorherbestimmung.


Die Anthroposophie nimmt dabei keine Sonderstellung ein; neben dem elitären Charakter ihrer Lehre wird der Mensch als bloßer Träger reinkarnierter Seelen, versehen mit vorherbestimmtem, schicksalhaftem Auftrag gesehen.

Gesellschaftliche Position, Erfolge oder Misserfolge im Leben, Bildungsstand und berufliches Vorwärtskommen lassen sich als nicht beeinflussbares Schicksal erklären; der Versuch, die Gesellschaft zu verändern, ist nach dieser Theorie von vorneherein zum Scheitern verurteilt. Insofern ist die Anthroposophie durchaus systemstabilisierend; emanzipatorisches Handeln gesellschaftlicher Gruppen wird als ablehnenswert, Politik als „dreckiges Geschäft“, aus dem man seine Finger zugunsten einer Seelenschau nach innen herauslassen sollte, empfunden – etwas Besseres kann keinem auf gesellschaftlicher Dominanz einer kleinen Gruppe basierenden System widerfahren. Durchaus verständlich, dass sich früh hochkarätige Förderer fanden, die der Anthroposophie helfend unter die Arme griffen.

Die zweite Seite der Medaille liegt im anthroposophischen „Erziehungsauftrag“ begründet: in sozial homogenem Umfeld, ohne als „störend“ empfundenen Kontakt mit zu vielen Kindern sozial schlechter gestellter Personen oder auch Ausländern, bekommt der Waldorfschüler mal mehr, mal weniger unterschwellig ein elitäres Konzept eingetrichtert, das sich vortrefflich zur Klassenreproduktion und zum intergenerationellen Machterhalt eignet: die Waldorfschule stellt ein paralleles, abgeschottetes Bildungssystem neben den staatlichen Regelschulen dar, durch das der Zögling ohne allzu viel unnötiger Beschmutzung durch die schnöde, durch soziale Verwerfungen gekennzeichnete und mitunter aufrüttelnde Realität hindurchgereicht werden kann. Auch wenn Mathematik und Rechtschreibung dabei auf der Strecke bleiben: wer es nötig hat, kann sich später die Leute kaufen, die das übernehmen.

Es wäre unfair, den Anthroposophen, unter denen sicher auch der eine oder andere Idealist mit hehren Vorstellungen anzutreffen ist, alleinig den schwarzen Peter zuzuschieben – es gibt einen ganzen Strauß voller konkurrierender esoterischer Heilslehren; der Markt ist übersättigt mit alleinseligmachenden Organisationen. Auch sind manche esoterische Theorien vom reaktionären, menschenverachtenden Inhalt der Anthroposophie an Radikalität weit überlegen.

Das besondere Sprengpotential der Anthroposophie liegt an ihrer wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Verankerung und Akzeptanz – denn prominente, einflussreiche oder medienwirksame Verteidiger gibt es überall.
Dennoch und gerade deswegen: Man sollte immer ein wachsames Auge werfen auf Organisationen, die Parallelstrukturen aufzubauen versuchen und nicht offen beim Namen nennen, um was es ihnen geht. Wer diese Gesellschaft verstehen will, muss wissen, mit welchen Lehren ihre Protagonisten operieren.




Zum Thema Anthroposophie auf www.secarts.org:
- Waldorfschulen - Erziehung zum Herrenmenschen?
- Herr Schullehrer Molau und der rechte Rand

Anmerkungen:
1 vergl.: M. und G. Grandt: Waldorf-Connection, Aschaffenburg 1999
2 ebd., S. 189ff.
3 vergl.: Jakob/Drewes: Aus der Waldorfschule geplaudert, Aschaffenburg 2001, S. 80f. &
Kayser/Wegemann: wie frei ist die Waldorfschule? München 1991
4 Biel, Peter, "Wurzelrassen, Erzengel und Volksgeister - die Anthroposopphie Rudolf Steiners und die Waldorfpädagogik", S. 134
5 vergl.: "the Waldorfs":http://www.diewaldorfs.waldorf.net/list.html &
Goldner, die Psychoszene, Aschaffenburg 2000, S. 98ff.
6 vergl.: Barth, Über alles in der Welt - Esoterik und Leitkultur, Aschaffenburg 2003, S. 189ff.




 
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  Kommentar zum Artikel von S.W.:
Samstag, 30.07.2016 - 05:28

Mein "Gott", so alt, der Artikel, die Kommentare usw.;
betrifft Analyse der Waldorf-Orgs in Kritik:

Mich schaudert weniger bei dem Gedanken, dass das Pflanzen bei Vollmond, oder biologische Vorteilhaftigkeit aufgrund von Aussentemperatur usw., beim Gärtnern nicht doch auch einiges an erprobter Wahrheit besitzt, als bei der Überprüfung anderer Verschrobenheiten in geistiger Etikettierung.
Mag sein, dass es mich doch erstaunt, dass eben Hirngespinste der Nazis, die im Holocaust endeten und der "Erprobung" von "angewandter Medizin" in Vernichtungslagern dienten, mit der Anwendung derselben Taktik der Drohung durch Psychiater hier dem Waldorf-Kritiker dient. Mich jedoch schert ein felsenfester Nazi der Medizin, insbesondere wenn er aus der Pseudo-Wissenschaft der Psychiatrie kommt, nicht sehr als Quelle der Beurteilung von Menschen. Folter--"Heilung" eines vermeintlich schizophren etikettierten Menschen durch Nervengift-Medikation? Ach wie wohl tut es doch, eine "wissenschaftlich" dokumentierte "Wohltat" durch Folter und Nervengift, den "unwissenschaftlichen" Naturheil-Methodikern androhen zu können?. Hier wird wieder Menschenverachtung mit Menschenverachtung "geheilt", dient aber der kapitalistischen Ausbeutung der "schwachen" Klassen durch narzisstisch, nazistische Anwendung von Gift an Menschen, bei Etikettierung durch verleumderische Verbrecher.
Kurzum: Jegliche Kritik am Kapitalismus, Nazismus, Neoliberalismus scheitert an einer Befürwortung der Psychiatrie und ist damit unglaubwürdig und erhebt erst recht den Verdacht einer opportunistischen Anbiederung an nationalsozialistische "Gefühle" im Sinne der Ausbeutung und Versklavung. Kontrovers jeglicher echten antifaschistischen Analyse wird so wieder ein totalitäres unterdrückendes Klassensystem befürwortet.
Fluch zur Auswahl, aber ist es wirklich so schwer einfach einmal damit anzufangen, die Psychiater von ihren Thronen zu holen, so schwer, die Ungerechtfertigkeit sämtlicher Etikettierungen durch diese Verbrecher ungenutzt zu lassen, auch im Interesse der Ungerechtigkeit und Menschenverachtung , die diese "Zunft" für sich beansprucht um sich mit Folter der eugenischen Neuauflage samt Euthanasie und Genozid in die Zukunft der Leichenberge ihrer "Profession" zu schaufeln?
Mich schaudert die Gier der "Saubermänner" dort wie da, einst wie jetzt.


   Kommentar zum Artikel von secarts:
Donnerstag, 08.03.2012 - 13:02

@junkbuck:

- Warum es ein Verlustgeschäft sein soll, chemisch reines Wasser (oder eben Alkohol) in 30ml-Ampullen, die - all in all - in Erwerb und Herstellung ein paar Cent gekostet haben mögen, in der Apotheke für 25 Euro über den Tisch gehen zu lassen, musst Du mir doch etwas genauer erklären. Das mögen Schrullen von Apothekern oder Fabrikanten sein. Verschenken werden sie ihren Klimbim deshalb noch lange nicht.

- Bei den Zulassungsverfahren irrst Du. Homöopathische/Antroposophische Präparate sind eben gerade keine dem deutschen Arzneirecht unterliegende Medikamente! Ich zitiere der Einfachheit halber kurz aus Wikipedia:
"Homöopathische Arzneimittelprüfungen entsprechen nicht Medikamentenstudien gemäß dem Arzneimittelgesetz (AMG). Bei homöopathischen Arzneimittelprüfungen wird keine erwartete Wirksamkeit überprüft, sondern es wird durch Selbstbeobachtung der Prüfer erhoben, ob und welche Symptome durch ein homöopathisches Mittel hervorgerufen werden. (...) Die europäische Gesetzgebung sieht seit der Richtlinie 2001/83 ein eigenes Zulassungsverfahren für homöopathische Arzneimittel vor, bei dem wissenschaftliche Tests nicht erforderlich sind."
Angesichts der vielen eigentlich hoch giftigen Stoffe, die in der Homöopathie zur Anwendung kommen (Quecksilber zum Beispiel), muss man andererseits auch wieder froh sein, dass diese Stoffe weit unter die chemische Meßbarkeitsgrenze verdünnt und somit unwirksam gemacht wurden.


"Fazit: Unzulässige Fokusierung auf Einzelpersonen, -institutionen, -gruppen und -meinungen, mit dem Ziel Verbindungen herzustellen, die vorliegen mögen, aber im Endeffekt und angesichts anderer Probleme völlig irrelevant sind."
Wenn es sonst auf unserer Webseite nichts gäbe, das sich mit Verstrickungen von Unternehmen und Ideologen und dem deutschen Faschismus beschäftigt, würde ich Dir Recht geben - natürlich ist Steiner nur ein Beispiel von vielen, kein Faschist im eigentliche Sinne und "auch nicht schlimmer" als manche anderen gewesen (Es gibt Argumente, die sind keine. Die Tatsache, dass Millionen Andere ihre jeweils individuellen Wege gefunden haben, sich den Nazis zu fügen, erklärt oder rechtfertigt gar nix - wenn man das Kapitel nicht als unerklärliche Kollektivpsychose abtun und damit begraben will...)

Bis heute existiert eine finanzkräftige internationale Organisation, die in Steiners Sinne wirkt und durchaus gesellschaftlich relevant ist - sie hat Zugriff auf hunderte Kindergärten, Schulen, Arztpraxen, ... und sie rekrutiert sich aus sich selbst heraus, bildet parallele Strukturen. Das ist - zumindest mir - Grund genug, sie im Auge zu behalten.


  Kommentar zum Artikel von junkbuck:
Mittwoch, 07.03.2012 - 00:02

ich möchte euch ja nicht enttäuschen, aber anthroposophische und teilweise auch homöopathische Medizin sind in der Regel große Verlustgeschäfte für die entsprechenden Firmen, und diesen geht man eigentlich nur noch nach, weil die Eigentümer der Firmen der entsprechenden Mentalität anhängen.
Von "Wasser über Kristalle laufen lassen und teuer verkaufen" kann keine Rede sein. Und selbst wenn das so gemacht wird, handelt es sich nach deutschem Recht um Arzneimittel, die wie alle anderen auch einem aufwendigen und teuren Zulassungsverfahren unterliegen.
Ist ja nicht so, dass die anthroposophisch interessierte Oma von nebenan Wasser ausm Fluss holt und als Heilwasser aufm Wochenmarkt verkauft.

Über Steiner und Waldorfschulen kann man sich streiten. Zur NS Vergangenheit braucht man nicht viel sagen. Allen Firmen und Institutionen die damals schon in irgendeiner Form existiert haben kann man mehr oder wenig weitgehende Kollaboration vorwerfen und es gibt auch kaum eine, bei der man das nicht schon versucht hätte.

Der Text den ich hier kommentiere versucht zunächst extreme Haltungen zu beschreiben, die dann kurz nachher wieder runtergespielt werden, um den Eindruck einer ausgewogenen Näherung des Themas zu erwecken, in der Hoffnung dass die extremen Aussagen beim Leser hängenbleiben.
Faschismus und Rassentheorien waren zur NS Zeit weit verbreitet und einfach "in". Was macht es für einen Sinn Steiner als schizophren, also krank, zu bezeichnen und seine Theorien zu kritisieren (zurecht!) aber gleichzeitig gab es zig Millionen gesunde deutsche Bürger und Soldaten, die genauso darauf reingefallen sind.

Fazit: Unzulässige Fokusierung auf Einzelpersonen, -institutionen, -gruppen und -meinungen, mit dem Ziel Verbindungen herzustellen, die vorliegen mögen, aber im Endeffekt und angesichts anderer Probleme völlig irrelevant sind.


   Kommentar zum Artikel von secarts:
Donnerstag, 27.05.2010 - 15:50

Da scheint es durchaus einige Widersprüche bezüglich des Begriffes "Individualität" zu geben:

Mag sein, dass es dem anthroposophischen Lehrer an der Waldorfschule, der am ersten Schultag die ihm noch völlig unbekannten Kinder nach Gesichtszügen (!) in "Charaktertypen" einteilt und unter Missachtung bestehender Freundschaften etc. solchermaßen in der Klasse in "Sanguiniker" oder "Melancholiker" gruppiert, als Ausdruck höchster "Individualität" vorkommt, was er da treibt...

...mag genauso sein, dass dem Kind in der Waldorfschule in einigen Jahren beigebracht sein wird, dass dies alles nur Ausdruck der hohen Achtung seiner Persönlichkeit wäre.

Definitiv aber ist es so, dass sich Charakterzüge nicht im Gesicht, an den Ohren oder dem Irisvorhof ablesen lassen. Wer solchermaßen Menschen einteilt, hat weder von bürgerlich-demokratischer Aufklärung, noch vom Wirken sämtlicher progressiver Pädagogen der letzten 150 Jahre irgendetwas mitbekommen und mitgenommen.

Einzelfälle? Nicht repräsentativ? Steiners pädagogische Leitsätze von 1919 sind heute, zumindest an den linientreuen Waldorfschulen, immer noch up to date. Scheun wir mal rein, was Steiner so unter Charakterbildung und individueller Erziehung verstanden hat:

"Räumliches Element des Geographie-Unterrichts bringt Astralleib zur Verdichtung gegen den Boden, erzeugt soziales Empfinden. Zeitliches in Geschichte regt Innerlichkeit an, erzeugt, zu stark geworden, falschen Patriotismus, Eigensinn, Launenhaftigkeit."
zitiert aus dem Verzeichnis der Äusserungen Rudolf Steiners über den Geschichtsunterricht. Aus seinen pädagogischen Schriften und Vorträgen zusammengestellt von Erich Gabert. Als Manuskript vervielfältigt durch die Pädagogische Forschungsstelle beim Bund der Freien Waldorfschulen, Stuttgart 1955, S.20

"Instinktives Hellsehen der Urzeit erzeugt bildliche, mythische, aber ins Seelische eindringende Erkenntnis der Geschichte."
ebenda, S.15

"Freiwerden des Astralleibes befreit Kräfte für Erfassen von Rätseln der Geschichte, die ungenützt zu Machtkitzel und Erotik werden."
ebenda, S.20

"Kausalitätsgedanken vor dem 12. Jahr erzeugen seelische, in höherem Alter auch physische Sklerose"
ebenda, S.22

"Rücksichtnahme auf Ursache und Wirkung strengt den Verstand an."
ebenda, S.2

"Objektive Zusammenhänge vor dem 12.Jahr verderben Beweglichkeit des Seelenlebens."
ebenda, S. 31

"Im Lehrer muss prophetisch wirkende Verbundenheit mit der kommenden Menschheitsentwicklung leben. Ohne Scheu vom atlantischen Land sprechen."
ebenda, S. 40

"An der Leberfunktion Nuance der Behandlung der späteren ägyptische Geschichte lernen."
ebenda, S. 57

"Nach dem 10.Jahr verlangt die kindliche Wesenheit nach Geschichten aus dem Evangelium."
ebenda, S. 83

"Nachdem die Seele durch Geschichtsunterricht gefügig gemacht worden ist, Unterschiede der Volkscharaktere besprechen."
ebenda, S. 142


  Kommentar zum Artikel von Helge:
Montag, 27.10.2008 - 15:13

Interessiert wahrscheinlich keinen mehr, meine Meinung, aber stoße zufällig auf den drei Jahre alten Artikel. Ich zitiere:

"Allen esoterischen Religionsströmungen gemein sind allerdings folgende Grunddeterminanten:

* karmisch erklärte Unausweichlichkeit des Schicksals als zu meisternde Prüfung,

* Negierung von Verstand, Vernunft und wissenschaftlicher Erkenntnisfähigkeit,

* Ablehnung historisch-gesellschaftlicher Vorwärtsentwicklung und

* Verneinung der menschlichen Individualität zugunsten von Reinkarnation oder völkischer Vorherbestimmung."

Mag ja sein, aber für die Anthroposophie gilt genau das alles nicht - und kann nur auf Missverständnis beruhen. Besonders der letzte Punkt ist vollkommen falsch - denn die A. ist genau die einzige Philosophie, Weltanschauung oder wie man es nennen will, die (heute) das ICH (Persönlichkeit, Individualität) wirklich ernst nimmt. Die Freiheit der Persönlichkeit, die Freiheit des Geisteslebens sind die höchsten Werte! Insofern stimmt es auch überhaupt nicht, dass Verstand, Vernunft, wissenschaftliche Erkenntnisfähigkeit "negiert" werden. Dass es eine historisch-gesellschaftliche Vowärtsentwicklung gebe (sog. Fortschritt), bezweifeln auch viele wissenschaftliche Ansätze - ein Charakteristikum der A. ist das ja nun wirklich nicht.
Gewiss kann man vieles daran, wie Anthroposophie praktiziert wird, kritisieren (ich erwähne die Anthropozentrik und die Gefahr des Personenkults), aber der Autor trifft den Kern hier nicht.


   Kommentar zum Artikel von secarts:
Dienstag, 21.02.2006 - 01:53

Am "levitierten Wasser" und den "Bachblüten" sind die Anthros ausnahmsweise mal nicht schuld...
Aber die Methode ist die Gleiche, da hast du Recht. Ob "verdichtete Clusterstruktur", Aussaat bei Vollmond oder "similia similibus..."; Pseudo-Wissenschaftlichkeit und Irrationalität ist ein Bomben-Geschäft.


   Kommentar zum Artikel von Stephan:
Dienstag, 03.05.2005 - 12:13

Nicht zu vergessen ist der Aspekt, daß sich unter der Tünche des Anthroposophentums den Dummen prima das Geld aus der Tasche ziehen läßt, Spitzenreiter ist das levitierte Wasser, welches über irgendwelche Kristalle geleitet wurde und daher besondere Heilkraft erfuhr, und natürlich der große Zweig der alternativen Medizin, von Homöopathie über BAchblüten bis zu gefährlichen Scharlatanen, deren Heilsversprechungen die Leute wirklich ins Unglück laufen lassen. Nicht alles fußt auf der Lehre Rudolf Steiners, der Ansatz, Dingen irgendwelche Eigenschaften zuzuschreiben, die sich mit wissenschaftlichen oder analytischen Methoden nicht nachweisen lassen, kommt aus dieser Bewegung.