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Die erste Frau im Weltall: Walentina Wladimirowna Tereschkowa auf einer sowjetischen Briefmarke
Die ersten Anläufe, bei denen versucht wurde, die Proletarierinnen und Arbeiterfrauen in die Arbeiterbewegung einzugliedern und sie in ihr zu organisieren, sind auf die I. Internationale zurückzuführen. Das Hauptwirkungsfeld war die deutsche Textilindustrie weil hier die meisten Frauen tätig waren. Durch die Industrielle Revolution und die Erfindung des mechanischen Webstuhls kamen mehr und mehr Frauen in die Fabriken und das deklarierte Ziel der I. Internationalen war „die Zusammenschließung des Proletariats als revolutionäre Klasse, deren soziale Erkenntnis sich in soziale Macht umsetzen sollte.1 Die werktätige Frau ist unbestrittener Teil des Proletariats und somit ist dieses Unterfangen ohne sie niemals durchführbar, egal ob sie als lohnabhängige Fabrikarbeiterin oder als Hausfrau die Knechtschaft des Kapitalismus erleidet. Die Proletarierin ist durch ihre Doppelbelastung – einerseits durch die grausame Ausbeutung in der Lohnabhängigkeit im frühen Kapitalismus und andererseits durch ihre geschlechtsspezifische Unterdrückung, zurückzuführen auf ihre minderwertige Stellung in der monogamen Familie – schutzbedürftig und kampffähig zugleich. Diese Doppelrolle widerspricht sich keineswegs, da der Kampf zur Befreiung der Arbeiterklasse für die revolutionäre Proletarierin auch der Kampf zur Befreiung ihrer selbst und all ihrer Geschlechtsgenossinnen steht. Das Ziel war die werktätigen Frauen zu gleich berechtigten und gleich verpflichteten Streitgenossinnen im Klassenkampf zu erziehen.

Im Februar 1869 wurde die Internationale Gewerksgenossenschaft der Manufaktur-, Fabriks- und Handarbeiter gegründet. Bereits im darauf folgenden April wurde ein Kongress einberufen, dessen Aufruf und Zweck es war eine „Internationale Gewerksgenossenschaft der Manufaktur-, Fabriks- und Handarbeiter beiderlei Geschlechts“ zu bilden.2 Die Zielsetzung war, basierend auf der Erkenntnis der notwendigen Einbindung der Arbeiterinnen in den Klassenkampf als unabdingbaren Teil der revolutionären Kraft, die Frauen in ganz Deutschland in die Gewerksgenossenschaften einzugliedern. Vor allem durch die Krankenunterstützung, die jedem Gewerksgenossenschaftsmitglied und deren Frauen zukam, konnten viele weibliche Mitglieder gewonnen werden.
Die 1. Internationale, gegründet 1864, war die erste internationale Massenorganisation. Ihre Aufgabe war es, die verschiedenen Strömungen der Arbeiterbewegung (Anarchismus, Trade-Unionismus) zu einigen und theoretisch eine gemeinsame Linie auf Grundlage des wissenschaftlichen Kommunismus auszuarbeiten. In den industriell entwickelten Ländern sollten selbständige Arbeiterparteien für den politischen Kampf aufgebaut werden. Im Gründungsdokument, der Inauguraladresse, werden zum ersten Mal Grundgedanken des Internationalismus festgehalten: „in die Geheimnisse der internationalen Politik einzudringen, die diplomatischen Akte ihrer respektiven Regierungen zu überwachen, ihnen wenn nötig entgegenzuwirken; wenn unfähig zuvorzukommen, sich zu vereinen in gleichzeitigen Denunziationen und die einfachen Gesetze der Moral und des Rechts, welche die Beziehungen von Privatpersonen regeln sollten, als die obersten Gesetze des Verkehrs von Nationen geltend zu machen.“ Der Kampf für solch eine auswärtige Politik ist eingeschlossen im allgemeinen Kampf für die Emanzipation der Arbeiterklasse. Karl Marx und Friedrich Engels spielten bei der Gründung und Entwicklung der Internationale eine wichtige Rolle. Nachdem sich mit der Herausbildung von Arbeiterparteien auf marxistischer Grundlage die Ziele erfüllt und neue Aufgaben der internationalen Zusammenarbeit ergeben hatten, wurde die 1. Internationale 1876 aufgelöst.

Entnommen der Grundlagenschule der KJÖ.
Denn die männlichen Arbeiter mussten Gewerksgenossenschaftsmitglied sein um eine Mitgliedschaft der Krankenkasse und somit die Krankenunterstützung in Anspruch nehmen zu können. Für die Frauen der Arbeiter reichte vorerst eine Mitgliedschaft bei der Krankenkasse aus. Erst 1874 beschlossen die Generalversammlungen, dass eine Mitgliedschaft der Krankenkasse ausnahmslos eine Gewerksgenossenschaftsmitgliedschaft voraussetzt. Es gab auch einen gesonderten Mutterschutz, der bei Krankheit nach der Geburt, die länger als neun Tage andauerte, am zehnten Tag eine Krankenunterstützung zusicherte. Wenn ärztlicher Beistand bei der Geburt notwendig war, wurde sie vom ersten Tag an gewährleistet. Der Mutterschutz und vorerst die Mitgliedschaft der Arbeiterfrauen bei den Krankenkassen waren die einzigen Sonderregelungen, ansonsten waren die Frauen mit den Männern völlig gleich gestellt betreffend aller Rechte und Pflichten der Mitgliedschaft. Eine herausragende Vertreterin der proletarischen Frauenbewegung im Erzgebirge Deutschlands, Christiane Peuschel, Handarbeiterin, Mitgebründerin der Internationalen Gewerksgenossenschaft und Mitglied im Lokalkomitee, setzte sich sehr stark für diesen Mutterschutz ein und kämpfte später erfolgteich gegen versuchte Einsparungen in diesem Bereich Entgegen der Auffassung nach Ferdinand Lasalle, der die Beseitigung der weiblichen Industriearbeit forderte, erkämpfte sie die Annahme eier Bebelschen Resolution, die besagt: „Es ist Pflicht der Fachgenossen, dahin zu wirken, dass die Frauen in den Fabriken und Werkstätten mit in die Gewerks- und Fachorganisationen als gleichberechtigt eintreten, und es dahin zu bringen, dass die Löhne für Frauen und Männer gleichgestellt werden.“3 (August Bebel)

August Bebel hat mit seinem Werk „Die Frau und der Sozialismus“ einen theoretischen Grundstein für die proletarische und kommunistische Frauenbewegung gelegt, in dem er die Notwendigkeit der ökonomischen Befreiung der Frau als Vorraussetzung für die Befreiung von der Geschlechtsunterdrückung betont. Seine Schrift ist eine prägnante Zusammenfassung aller wesentlichen Punkte dieser wichtigen Frage der Arbeiterbewegung.

Ein Reprint des Buches"Die Frau und der Sozialismus" steht zum Download auf www.secarts.org bereit.
Weitere nennenswerte Namen in diesem Zusammenhang sind die revolutionären Proletarierinnen Weber, Colditz und Misselwitz. Als vorbildhafte Funktionärinnen in der Genossenschaft waren sie permanent als Sendbotinnen des Sozialismus unterwegs und haben mittels brillanter Agitationsarbeit in ihrem Wirkungsbereich in Chemnitz und Crimmitschau viele Arbeiterinnen und Arbeiter für den gemeinsamen Kampf gewonnen. Zeitzeugen berichteten, dass ohne deren Klarheit, Scharfsinn, Kampfesmut und rhetorischer Geschicklichkeit im Auftreten, einige wichtige Entscheidungen zu Gunsten des Vorantreibens der proletarischen Frauenbewegung innerhalb und außerhalb der Gewerksgenossenschaften nicht gefallen wären. Die Geschichte der Internationalen Gewerksgenossenschaft der Manufaktur-, Fabriks- und Handarbeiter ist ein wichtiger Teil der Geschichte der proletarischen Frauenbewegungen in Deutschland und umgekehrt.

1885 erschienen in Berlin ideologisch weniger klare Frauenbewegungen auf der Bildfläche. Der Verein zur Vertretung der Interessen der Arbeiterinnen wurde gegründet und erstmal kam es in der proletarischen Frauenbewegung zu einem expliziten Ausschluss von Männern bei den Versammlungen und Zusammenkünften. Diese feministische Tendenz erklärt Clara Zetkin in ihren Ausführungen über die proletarische Frauenbewegung Deutschlands daraus, dass die handelnden Akteurinnen von der Frauenfrage auf die soziale Frage stießen und nicht umgekehrt wie die Frauen in den und im Umkreis der Gewerksgenossenschaften. Der Hauptgrund für diesen falschen Umkehrschluss wird wohl der Milieuunterschied gewesen sein, da im urbanen Berlin die Arbeitsbedingungen nicht ganz so rau waren wie im Erzgebirge. Die gewerbliche Frauenarbeit in Berlin war vorwiegend Heimarbeit und nicht Industriearbeit.4

Mit dem Entstehen des bürgerlichen Nationalstaats in Deutschland und dem Zunehmen der Fraktionskämpfe innerhalb der Arbeiterbewegung trat der Kampf um die Organisation der Proletarierinnen wieder in den Hintergrund. Die Richtigkeit der Idee lebt jedoch in den späteren Erfolgen der eisern kämpfenden Proletarierinnen im Erzgebirge weiter, erkennbar zum Beispiel am erfolgreichen Streik für den 11-Stunden-Tag des Textilproletariats im Jahre 1882. In Österreich erfolgte der erste Schritt zu einer Organisierung der Proletarierinnen etwas später 1890 durch Viktor Adler mit der Gründung eines Arbeiterinnen-Bildungsvereins in Wien. Über eine derartige Einbindung in die Gewerkschaften wie im deutschen Erzgebirgen ist den Verfassern nichts bekannt.

Die kommunistische Frauenbewegung
Die Revolution ist der einzige Weg zur Befreiung der Frau.“5 (Clara Zetkin) Dieses Zitat von Clara Zetkin zeigt den wesentlichen Charakter der kommunistischen Frauenbewegung auf. Sie basiert auf der historisch materialistischen Sichtweise, dass die Unterdrückung der Frau ihren Ursprung in der Entstehung des Privateigentums hat. Somit kann auch nur die Wirkung mittels Ursache bekämpft werden, das heißt die kapitalistische Produktionsweise, die die Frauenunterdrückung bedingt, muss gestürzt werden und durch eine sozialistische ersetzt werden um der Frau wieder ihren gebührenden Platz in der gesellschaftlichen Produktion zurückzugeben. Nur auf diesem Weg kann eine völlige Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau und eine Auflösung des Geschlechterwiderspruchs im Sozialismus vorbereitet und letztendlich im Kommunismus erreicht werden. Es verhält sich in dieser Frage gleich wie mit allen anderen Nebenwidersprüchen, sie kann ausschließlich mit dem Auflösen des Hauptwiderspruchs, dem Klassengegensatz gelöst werden.

Im Entwicklungsprozess eines komplexen Dinges gibt es eine ganze Reihe von Widersprüchen, unter denen stets einer der Hauptwiderspruch ist; seine Existenz und seine Entwicklung bestimmen oder beeinflussen die Existenz und die Entwicklung der anderen Widersprüche. So bilden zum Beispiel in der kapitalistischen Gesellschaft die beiden gegensätzlichen Kräfte, Proletariat und Bourgeoisie, den Hauptwiderspruch. Die anderen Widersprüche wie zum Beispiel der Widerspruch zwischen Stadt und Land, oder Jung und Alt, Individuum und Gesellschaft, „Inländer“ und „Ausländer“ und eben auch der Widerspruch zwischen Mann und Frau resultieren aus dem Hauptwiderspruch des Klassengegensatzes. Das zeigt auch eindeutig die Entstehung des Geschlechterwiderspruchs bei Engels und der klare Zusammenhang mit der ökonomischen Ungleichheit. Wichtig zu betonen ist, dass der Ausdruck „Nebenwiderspruch“ keineswegs eine Nebensächlichkeit eines Tatbestandes wie Sexismus, Rassismus etc. meint, sondern nur seine Wurzel anhand derer er bekämpft werden kann und muss, aufzeigt.
Hier wird der prägnante und grundlegende Unterschied zwischen der kommunistischen und der bürgerlichen, inkl. der sozialdemokratischen Frauenbewegung erkennbar: Die kommunistische Frauenbewegung geht von einer vollen Frauenemanzipation nur ermöglicht durch eine Revolution aus, die bürgerliche Frauenbewegung denkt natürlich nicht daran die bestehende Gesellschaftsform anzutasten und postuliert die Frauen mittels Reformen innerhalb der kapitalistischen Produktionsweise voll zu befreien.
Internationale Einheitlichkeit der Grundsätze der Organisation, der Aktion, um die mit Hand und Hirn werktätigen Frauenmassen gemeinsam mit ihren Klassenbrüdern als Kräfte der sie befreienden, gleichberechtigenden Revolution zur geschichtlichen Geltung zu bringen: das sind die Leitgrundsätze und Ziele der kommunistischen Frauenbewegung.6 (Clara Zetkin)

Der Ausgangspunkt einer organisierten, kommunistischen Frauenbewegung war der Gründungskongress der III. Kommunistischen Internationalen in Moskau im März 1919. Die dort einstimmig angenommene Resolution stellte fest, dass die Kommunistische Internationale „die vor ihr stehenden Aufgaben nur erfüllen, den endgültigen Sieg des Weltproletariats und die vollständige Abschaffung der kapitalistischen Ordnung nur sichern kann durch den eng verbundenen gemeinsamen Kampf der Frauen und Männer der Arbeiterklasse. Die Diktatur des Proletariats kann nur unter regem und aktivem Anteil der Frauen der Arbeiterklasse verwirklicht und behauptet werden.7 Zur Durchführung dieses Vorhabens wurden eigene Konferenzen und Kongresse auf nationaler und internationaler Ebene durchgeführt, natürlich immer unter der Leitung der III. Kommunistischen Internationale.

Als Schlussfolgerung aus den neuen Kampfbedingungen und den Erfahrungen vor dem 1. Weltkrieg wurde 1919 die 3. Internationale, die kommunistische Internationale (KI) gegründet. Ihre Aufgaben waren zu Beginn die Verteidigung der Sowjetunion durch breite internationale Solidarität und die Bolschewisierung der kommunistischen Parteien. In der KI wurden die Theorien und die praktischen Erfahrungen der KPdSU verallgemeinert und so nutzbar für den weltweiten Kampf gegen den Imperialismus gemacht. Im Gegensatz zur 2. Internationale war die KI durch eine strikte Disziplin und einen ausgereiften demokratischen Zentralismus gekennzeichnet. Geleitet wurde sie vom Exekutivkomitee (EKKI). Beschlüsse wurden in den Sektionen umgesetzt, was zu einem einheitlichen und damit mächtigen Instrument für die Befreiung der Menschheit wurde. Allerdings ergaben sich auch Gefahren und Konflikte. Die dominierende Rolle der KPdSU, die sich allein schon durch die Tatsache ergab, dass die UdSSR das zunächst einzige Land der Welt war, in der die Arbeiterklasse die Macht erobert hatte, konnte nicht ohne Auswirkungen auf die Entwicklung der Politik der KI bleiben und musste zu Konflikten führen. So ergaben sich mehrfach Interessensunterschiede zwischen den jeweiligen taktischen Erwägungen der Außenpolitik der UdSSR und den Erfordernissen des Klassenkampfes im jeweiligen Land.
Durch die Fehleinschätzung der Rolle der Sozialdemokratie etwa wurde der Kampf gegen den Faschismus behindert. Erst mit dem VII. Weltkongress 1935 setzte sich die Faschismusdefinition in allen Sektionen der KI durch und es konnte entsprechend der Volksfrontpolitik gehandelt werden. Mit der Durchsetzung einer gemeinsamen Strategie und Taktik in den kommunistischen Parteien hatte die KI ihre Aufgabe erfüllt. Hinzu kamen die vollkommen unterschiedlichen Kampfbedingungen in den verschiedenen Ländern. So wurde die KI 1943 aufgelöst. 1947 folgte ihr mit dem kommunistischen Informationsbüro (Kominform) ein weiterer Zusammenschluss auf internationaler Ebene. Allerdings diente es mehr dem Austausch und der Koordinierung der Aktivitäten und es wurden keine verbindlichen Beschlüsse mehr gefasst. Es existierte bis 1957.
Die kommunistischen und Arbeiterparteien treffen sich seit dem zu Konferenzen, um Standpunkte zu diskutieren und Aktionen abzusprechen. Mit der Befreiung Europas vom Faschismus durch die Sowjetunion wurde nicht nur das Lager der sozialistischen Staaten in Europa geschaffen, sondern auch eine Epoche der nationalen und antikolonialen Bewegung. Die Imperialismus musste eine Reihe von Niederlagen einstecken: 1949 China, 1950 Indien, das gesamte Kolonialsystem brach zusammen, spätestens 1974 mit der Befreiung Portugals vom Faschismus, die gleichzeitig den Erfolg des langjährigen Unabhängigkeitskampf in den Kolonien bedeutete. Vielleicht eines der besten Beispiele, wie die Arbeiterbewegung und die nationale Befreiungsbewegung zusammen kämpfen. Mit der Niederlage des Sozialismus wirkte auch das nationalistische Gift der Bourgeoisie wieder und die Nationen wurden aufeinander gehetzt, um sie besser unterdrücken zu können. Vor allem die ehemaligen sozialistischen Staaten wurden durch dieses Gift gegeneinander ausgespielt. Einen neuen Anlauf der nationalen Befreiung erleben wir gegenwärtig in Lateinamerika. Vorangetrieben durch das Vorbild des sozialistischen Cuba und dem bolivarianischen Venezuela erwacht der Kampf gegen den US Imperialismus auf dem Kontinent. Neben der Befreiung der (indigenen) Nationen spielt dort die wirtschaftliche Zusammenarbeit der einzelnen Nationen die hervorragende Rolle, um die USA abzuschütteln.

Entnommen aus der Grundlagenschule der KJÖ.
Besonders Richtung weisend war die zweite Internationale Konferenz in Moskau im Zuge derer Richtlinien für die kommunistische Frauenbewegung beschlossen wurden. In diesen Richtlinien wird scharf mit der Frauenrechtlerei geschieden und die Aufhebung des Privateigentums wird als einzige und letzte Ursache, die notwendig ist um volle Frauenbefreiung zu sichern, deklariert. Weiters wird festgestellt, dass die proletarische Revolution eine Gemeinschaftstat aller Besitzlosen sein muss und zwar völlig unabhängig vom Geschlecht. Reformen als Endziel werden grundsätzlich abgelehnt und als Flickwerk zur Aufrechterhaltung der bürgerlichen Gesellschaft bezeichnet, jedoch werden Forderungen zur Linderung der brennenden Tagesnöte der Arbeiterinnen formuliert.

Diese sollen auch der Aufklärungs- und Orientierungsarbeit unter den Proletarierinnen dienen. Sonderorganisationen von Kommunistinnen werden mit aller Entschiedenheit abgelehnt, jedoch die Einrichtung besondere Organe zur Frauenagitation wird als notwendig angesehen. Diese Organe müssen natürlich fest an die Partei- und Gewerkschaftsorganisationen und deren Beschlüsse gebunden sein, werden bestenfalls von Frauen und Männern besetzt und machen sich durch erfolgreiches Wirken mit der Zeit überflüssig.

Viele Kommunisten und Kommunistinnen bezeichneten dies als Frauenrechtlerei und Rückfall in die Sozialdemokratie, Lenin aber stellt in einem Gespräch mit Clara Zetkin klar: „Keine Sondervereinigungen von Kommunistinnen…Darüber kann es keine Meinungsverschiedenheiten geben. Jedoch dürfen wir uns einer Erkenntnis nicht verschließen. Die Partei muss Organe haben, … ,deren besondere Aufgabe es ist, die breitesten Frauenmassen zu wecken, mit der Partei zu verbinden und dauernd unter ihrem Einfluss zu halten … Wir brauchen eigene Organe zur Arbeit unter ihnen, besondere Agitationsmethoden der Organisationsformen. Das ist nicht Frauenrechtlerei, das ist praktische revolutionäre Zweckmäßigkeit.8

Es geht also klar hervor, dass es keine Einrichtungen für Kommunistinnen zum Selbstzweck geben darf, sondern nur in die Partei eingebundene Organe zur Frauenagitation, die keinesfalls nur von Frauen besetzt sein sollen weil dann die Gefahr in den Separatismus und den Selbstzweck abzugleiten sehr groß ist. Der dritte Weltkongress der III. Internationale hat die vorhin erläuterten Richtlinien bestätigt und infolgedessen wurden systematisch Arbeiterinnenversammlungen zum Zwecke der Agitation und deren Erziehung zur sozialen Gemeinschaftsarbeit erfolgreich durchgeführt. 1921 wurden zwei internationale Frauensekretariate eingerichtet, eines in Berlin für den Westen und eines in Moskau für den Osten, welche immer in fester Verbindung mit der Leitung der III. Internationalen standen. Im Zuge des fünften Weltkongresses wurden die beiden Sekretariate vereinigt zur Frauenabteilung der Exekutive in Moskau.

Die kommunistische Frauenbewegung hat viele Erfolge und Leistungen für die Menschheit zu verzeichnen. Beispielsweise hat sie in der Hungerhilfe für die Sowjetunion 1921 den Hauptteil geleistet, indem sie in vielen kapitalistischen Ländern, die Frauen erfolgreich zur aktiven Solidarität in Form von Spenden aufriefen. Der Internationale Frauentag, der seit 1928 auf der ganzen Welt am 8. März gefeiert wird, ist auf die kommunistische Frauenbewegung zurückzuführen, auch wenn die bürgerliche Frauenbewegung ihn gern auf ihre Fahnen heftet und versucht, Männer von diesem Feiertag auszuschließen. Tatsächlich steht er in der Tradition von Arbeitskämpfen und ist somit ein Feiertag der gesamten Arbeiterbewegung.

Am 8. März 1857 traten die Textilarbeiterinnen in New York in einen Streik. 1908 streikten wiederum am 8. März die Arbeiterinnen der Textilfabrik Cotton in New York für bessere Arbeits- und Lebensbedingungen. Um eine Solidarisierung der Gewerkschaft zu verhindern, wurden die Frauen vom Fabriksbesitzer in der Fabrik eingeschlossen und aus bis heute ungeklärten Gründen brach ein Brand aus. 129 Arbeiterinnen starben in den Flammen der Textilfabrik. 1910 wurde auf Initiative von Clara Zetkin von der II. Sozialistischen Internationalen Frauenkonferenz die Einführung eines Frauenkampftages beschlossen. Nach einigen Datumsvariationen wurde schließlich 1921 von der 2. Kommunistischen Frauenkonferenz der 8. März als Kampftag beschlossen um alljährlich an den Kampf der streikenden Textilarbeiterinnen zu erinnern.
Dass die bürgerliche Frauenbewegung ihre Geburtstunde um einiges früher als die proletarische Frauenbewegung hatte, ergibt sich aus der historisch materialistischen Geschichtslogik, die auch belegt, dass die bürgerliche Revolution nur durch die Sozialistische vollendet werden kann. Die proletarische Frauenbewegung ist daher nicht aus den Ideen der historisch früher aufkeimenden bürgerlichen Frauenbewegung entstanden – wie gern proklamiert wird – genau so wenig wie sie in ihren Anfängen organisatorisch verbunden waren. Die proletarische Frauenbewegung ist als notwendiger Teil der gesamten Arbeiterbewegung erwachsen um die Befreiung der gesamten Arbeiterklasse, und somit auch die der lohnabhängigen Frauen voranzutreiben.

Dass dies der einzig erfolgreiche Weg sein kann, haben die Situationen der Frauen in den realsozialistischen Staaten bewiesen, wo nach den Grundsätzen der kommunistischen Frauenbewegung die Frauen in die Produktion und ins gesellschaftliche Leben eingebunden wurden. In der DDR wurden erfolgreich Geschlechterklischees überwunden und Frauen waren in vielen bisher typisch männlichen Berufen zu finden. Sie hatten regen Anteil am gesellschaftlichen Leben, bereicherten Sport, Kultur und Wissenschaft wie nie zuvor (und auch nicht mehr danach) und wurden bei der Hausarbeit und Kindererziehung stark entlastet. Ein überwiegender Teil der Reproduktionsarbeit wurde aus dem Privathaushalt ausgelagert und staatlich zur Verfügung gestellt. Natürlich stand in der DDR als auch in der Sowjetunion die Entwicklung erst am Anfang und es gab noch genug zu bemängeln. Beispielsweise die faktische Gleichheit bei der Hausarbeit hat es noch nicht gegeben, so wendet zum Beispiel die sowjetische Frau zwölf Stunden die Woche fürs Kochen auf, der sowjetische Mann nur eineinhalb bis zwei.9 Diese Umstände sind wohl auf den mangelhaften Kampf ums Bewusstsein der sozialistischen Gesellschaft zurückzuführen.
Trotz aller Erfolge wurden Versuche die Frau komplett aus der Reproduktion zu befreien, vernachlässigt und es gab zu wenige Kampagnen, die die Geschlechterrollen auch in den Köpfen gelockert hätten. Diese berechtigte Kritik ist natürlich im Lichte der Erkenntnis zu sehen, dass das Bewusstsein der ökonomischen Basis zeitlich immer hinterherhinkt. Aber es hätte auf jeden Fall stärker beschleunigt werden können.

[file-ebooks#46]Dennoch hat es bisher kein kapitalistischer Staat geschafft, die Frauen so in die Produktion und in die Gesellschaft zu integrieren wie die sozialistischen Staaten. So war zum Beispiel in der Sowjetunion der Frauenanteil an Arbeitern bei 51 Prozent und in der Wissenschaft waren sie mit einem Anteil 40 Prozent vertreten. In den USA lag der Anteil an Frauen in der Wissenschaft zum selben Zeitpunkt vergleichsweise bei 9 Prozent.10

Ausgehend von Lenins Forderungen, alle Werktätigen, und eben auch die Frauen, zur Leitung gesellschaftlicher Angelegenheiten zu erziehen, waren zahlreiche Frauen in tragenden politischen Funktionen tätig. Im Obersten Sowjet der UdSSR waren 32,5 Prozent der Deputierten weiblich. Der weibliche Mitgliederanteil in der KPdSU betrug 1977 gute 52 Prozent.11 Die erste weibliche Ministerin weltweit stammt ebenso aus der Sowjetunion. Sozialministerin Alexandra Kollontai, die außerdem Diplomatin in Schweden, Norwegen und Mexiko war und als Schriftstellerin vor allem die Sexualfrage im Sozialismus komplett neu aufwarf. Die Frauen im Sozialismus waren geachteter und wichtiger Teil der Gesellschaft und ihre Aufgaben waren nicht mehr an ihr Geschlecht gebunden, was sie zu großer Kraft und herausragenden Leistungen veranlasste. Vertretend als Beispiel für viele sei hier nur die sowjetische Kosmonautin Walentina Wladimirowna Tereschkowa genannt, die 1963 weltweit als erste Frau ins Weltall reiste.

weiter zu Teil III



Anmerkungen:
1 Clara Zetkin (1928/1958): zur Geschichte der proletarischen Frauenbewegung Deutschlands. Dietz Verlag. Berlin. S.124
2 Ebenda. S.137
3 Ebenda. S.133
4 Ebenda. S.143 ff.
5 Ebenda. S.233
6 Ebenda. S.227
7 Ebenda. S.226
8 Clara Zetkin (1929/1957: Erinnerungen an Lenin 1925. Dietz Verlag. Berlin. S.53
9 S. A. Jankowa (1978): die sowjetische Frau – ein soziales Portrait. Moskau. S.472. aus: Wissenschaftlicher Kommunismus. 1980. Heft 4
10 Ebenda. S.471
11 Ebenda. S.472