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Als Kriegsverbrecher von der VVN-BdA und anderen Gruppen entlarvte Gebirgstruppen-Veteranen erhalten Schützenhilfe von reaktionären Traditionsvereinen wie Kameradenkreis Gebirgstruppe e. V. und Bayerischer Soldatenbund. Hält Bundeswehrgeneralmajor a.D. Jürgen Reichardt die von den Massakern der Wehrmachts-Gebirgstruppe betroffenen Zivilpersonen für selbst schuld an ihrem Leid? Der Präsident des Bayerischen Soldatenbundes bedauert jedenfalls nicht die Opfer, sondern diesen Tatbestand: Wer im Krieg gegen Partisanen wie Zivilisten "vorging, hat sich nach heute vorherrschender Auffassung eines Verbrechens schuldig gemacht." Fest eingebürgert habe sich "im deutschen Sprachgebrauch der Begriff ´unschuldige Zivilisten´, was ja wohl bedeuten soll, dass Soldaten immer irgendwie schuldig sind." Reichardt stellt die Frage, ob nicht die heutigen Bundeswehrsoldaten "in Situationen" geraten könnten, in denen sie wie einst die Gebirgstruppler "überreagieren". Sie müssten dann befürchten, noch nach Jahrzehnten vor Gericht gestellt zu werden.

Reichardt springt in seinem in der "Gebirgstruppe" (Dez. 08), der Zeitschrift des Kameradenkreises der Gebirgstruppe von Wehrmacht und Bundeswehr, veröffentlichten Beitrag ausdrücklich dem in München vor Gericht stehenden Leutnant a.D. Joseph Scheungraber bei, der wegen der Ermordung von 14 italienischen Zivilisten angeklagt ist. Nach Reichardts Meinung sollte der Vorgang in einem Verfahren geklärt werden, in dem die Bundesrepublik Deutschland vor Gericht erscheint - als Rechtsnachfolgerin des "kriegführenden Staates", der für alle Handlungen die Verantwortung trägt.

Die US-Truppen befolgen laut "Gebirgstruppe" die Lehren der Wehrmacht

Der ehemalige Bundeswehrgeneral weist auf den Unterschied der Beurteilung der Taten der sowie die der US-Truppen von heute hin: "In der öffentlichen Meinung gilt heute bei uns jeder bereits als schuldig, dem eine Beteiligung an der Partisanenbekämpfung im letzten Weltkrieg vorgeworfen wird, während unsere Alliierten längst die Vorschriften und Erfahrungen der Deutschen auswerten und zu Rate ziehen für ihren aktuellen ´Kampf gegen den Terror´." Es bestehe "kein Anlass, an der objektiven Gerichtsbarkeit in Bayern zu zweifeln," schreibt Reichardt weiter, der allerdings unzufrieden ist mit dem Bayerischen Rundfunk. Dieser berichtet "arglos von Demonstrationen erregter Bürger gegen den ´Kriegsverbrecher´, wo doch manche heute noch bei den rechtskräftig verurteilten RAF-Straftätern, überführten Mördern also, von mutmaßlichen Tätern reden. In Wahrheit handelte es sich jedoch um gezielte Terrorakte kommunistischer Organisationen, wie ANTIFA und VVN, zum Teil mit Steuergeldern für den ´Kampf gegen rechts´ gefördert, die mit großem Propaganda-Aufwand und bundesweiten Aufrufen im Internet versuchen, den Beschuldigten ausfindig zu machen, vor seinem Haus lautstark zu ´demonstrieren´, womöglich einzudringen, und die dortige Öffentlichkeit gegen ihn aufzubringen." Der General a. D. stellt die gegen den Kameradenkreis opponierenden Leute als "RAF-Mörder" bzw. ihre Aktionen als "Terror" dar.

Reinwaschung der Gebirgstruppe auch durch das Verteidigungsministerium

Der Kameradenkreis Gebirgstruppe bemüht sich derzeit vergeblich, einen Erfolg in einem Verfahren gegen die ihn als Gebirgstruppe mit NS-Tradition und Kriegsverbrechern als Mitglieder bezeichnende VVN-BdA zu erzielen. Kameradenkreispräsident Manfred Benkel dankt Reichardt für seine Stellungnahme. Unterstützung erfährt der Kameradenkreis auch durch das Bundesverteidigungsministerium, das der VVN-BdA in einem Brief mitteilte, der Kameradenkreis habe doch auch die Opfer der anderen Seite gewürdigt und einen Kranz in der Opfergemeinde Kommeno in Nordgriechenland niedergelegt, wo die 1. Gebirgsdivision im Herbst 1943 grausam gewütet hat. In dem Brief wird nicht die skandalöse Behauptung des Staatssekretärs und Gebirgsjägers Christian Schmidt (CSU) wiederholt, der in Antworten an die "Linke" im Bundestag wiederholt geleugnet hat, dass die Gebirgstruppe eine verbrecherische Vergangenheit habe. Behauptet wird jedoch: "Der Kameradenkreis hat sich in den vergangenen Jahren vielfach zu Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit, die auch von Soldaten der Gebirgstruppe im Zweiten Weltkrieg begangen wurden, bekannt." Langjährige Beobachter des Kameradenkreises haben davon so gut wie nichts bemerkt.

Aus Langeweile eine russische Kleinstadt zerstört

Vielmehr werden immer wieder bemerkenswerte "Proben" von der zynischen Trauerarbeit des Kameradenkreises für seine ehemaligen Gegner und Opfer abgelegt. In der Oktoberausgabe der "Gebirgstruppe" berichtet ein Gebirgsgefreiter a. D. von der 12./GJR91 aus einem besetzten Kaukasusgebiet im Mai 1942: "Den Herren der Regimentsführung wird unser Krieg zu langweilig, also wird ein Unternehmen geplant, an dem der Regimentskommandeur nicht teilnimmt, das eine russische Kleinstadt zerstört, sechs Kameraden das Leben kostet und 50 Verwundete hinterlässt. Zwanzig Gefangene brachten wir dabei ein" - die Zahl der getöteten Zivilisten wird nicht genannt. Auch im Dezemberheft der "Gebirgstruppe" berichtetet derselbe Veteran von Aktionen gegen "verratene Partisanennester" und gegen "immer lästiger werdende Partisanen" sowie von "vier bestialisch ermordeten Zivilisten", ermordet von wem, bleibt offen.

Achtung vor dem ehemaligen Gegner und vor den Opfern der Gebirgstruppe sieht anders aus. Schließlich wird von der diesjährigen Mitgliederversammlung des Kameradenkreises am 25. Oktober 2008 in einer Bundeswehrkaserne berichtet - mit "Totenehrung", Weißwurstessen und Neuwahlen. Eine Ehrung der Opfer der von den Gebirgsjägern verübten Verbrechen unterbleibt, aber die "diffamierenden Äußerungen" von VVN-BdA-Bundessprecher Ulrich Sander über diese Verbrechen werden verurteilt. "Die Zusammenarbeit mit der aktiven Truppe stehe", so der wiedergewählte Präsident Oberst a. D. Manfred Benkel, "auf soliden Beinen." Die Kameraden können sich also auf die Bundeswehr verlassen.

Oberländers Sonderverband "Bergmann" im Kameradenkreis vertreten

Der Kameradenkreis legt immer wieder Wert auf die Feststellung, er habe mit den NS-Wehrmacht nichts gemein, er hat sogar - vergeblich - versucht, sich dies vom Landgericht Nürnberg-Land bestätigen zu lassen. Unzählige Gegenbeweise sind schon vorgelegt worden, und in der Dezember-Ausgabe 2008 der "Gebirgstruppe" wurde ein weiterer gefunden. In einer Meldung zum Tod eines ehemaligen Angehörigen der GJR 139, der zum "Sonderverband Bergmann" versetzt worden war, heißt es, er habe den Kontakt zu diesem "SV" nach dem Krieg bald wieder hergestellt, als Erster Vorsitzender dieses "SV" innerhalb des Kameradenkreises. Der "Sonderverband Bergmann" stand unter dem Kommando von Theodor Oberländer, der schon 1923 am Hitler-Putsch gegen die Weimarer Republik teilnahm und Terrorakte der "Abwehr" leitete. Der "SV" hat sich als Terrortruppe gegen die sowjetische Zivilbevölkerung einsetzen lassen. Die nächste Brendtenfeier der Gebirgstruppe ist für den 16./17. Mai 2008 in Mittenwald angesagt. Die nächste Protestveranstaltung der Antimilitaristen und Antifaschisten wird dann ebenfalls erwartet.