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    Am ersten Januar 2009 jährt sich zum 50. Male die cubanische Revolution - eine Revolution, die viel mehr war und ist als einer der üblichen politischen Umstürze, die gerade lateinamerikanische Länder mit gewisser Regelmäßigkeit heimsuchen und doch nur eine neue Oligarchie an Stelle einer abgewirtschafteten Alten zu setzen vermögen. Die cubanische Revolution hat nicht nur die kleine Insel Cuba, vormals beinahe ein inoffizieller Bundesstaat der USA und in diesem Abhängigkeitsverhältnis Bordell und Spielcasino des erdrückend mächtigen Nachbarn befreit, sondern zudem ein Fanal für die um Befreiung ringenden Völker ganz Amerikas, Afrikas und Asiens gesetzt: die Befreiung ist machbar, und - sie kann verteidigt werden...

    Bis Cuba, 50 Jahre nach der erfolgreichen Revolution und noch immer nicht in die Knie gezwungen, dies heute aller Welt demonstrieren kann, musste viel geschehen.


    Im Jahre 1956 fühlten sich cubanische Rebellen, zusammengesetzt aus Teilen der nationalen, unter der US-Knute leidenden Bourgeoisie Cubas, aus Landarbeitern und Tagelöhnern, aus kritischen Intellektuellen, stark genug, um einen großangelegten Angriff auf das Lakaienregime Fulgiencio Batistas, des Statthalters der Kompradoren auf Cuba, zu wagen: mit der für 20 Personen ausgelegten Motoryacht "Granma" stachen hunderte Guerilleros von Mexiko am 25.11.1956 in See Richtung Cuba. Der Plan der Rebellen sah vor: Zusammentreffen mit weiteren über verschiedene Wege nach Cuba eingereisten Kämpfern am 30.11. in der Nähe der Großstadt Santiago de Cuba. Nach der Zusammenführung der Truppen sollte der Aufstand beginnen. Doch schwerer Seegang und ein Motorschaden der Yacht ließ die Ankunft beinahe scheitern: erst am 2.12. kamen Castros Männer an Land; noch dazu rund 200 Kilometer vom geplanten Zielpunkt entfernt.
    Die Rebellion der vorher eingetroffenen Kämpfer war zu diesem Zeitpunkt bereits niedergeschlagen worden. Die Armee Batistas erwartete die Rebellen bereits an Land. Nur zwölf Menschen, darunter Fidel und Raul Castro und Ernesto Che Guevara, gelang die Flucht in die Berge der Wüste Sierra Maestra.

    Die Leichtfertigkeit der Armee Batistas, der sich bereits als Sieger auf ganzer Linie wähnte, war das eine Element, dass die beinahe aufgeriebene Guerillatruppe rasch wieder erstarken ließ. Das Zweite war die unbarmherzige Ausbeutungspolitik gegenüber der armen Landbevölkerung, die immer mehr mittellose Bauern in die Reihen der Guerilla trieb. 1957 kamen die Rebellen wieder auf rund dreihundert Kämpfer: ihren Bedarf an Waffen besorgten sie sich durch Überfälle auf Polizeistützpunkte und Armeekasernen; ihr Lager fanden sie bei den sympathisierenden Landarbeitern und Bauern.
    Langsam verlor auch Batista die Nerven: nach dem Scheitern einer Großoffensive im Jahre 1958 und den darauf folgenden Gewaltexzessen gegen die Zivilbevölkerung zerbröckelte sein Rückhalt immer rapider - auch seine Befehlshaber in Washington D.C. gaben ihren einstigen Zögling im Jahr 1958 auf und stellten ihre Waffenlieferungen an ihn ein.

    Im Sommer 1958 begann der Generalangriff der Guerilleros unter Castros Führung auf das morsche Regime Batistas. Die 10000 Soldaten Batistas hatten dem immer weniger entgegenzusetzen; im November 1958 fiel die zentrale Provinz Las Villas in die Hände einer von Che Guevara geführten Rebellenarmee. Nachdem auch noch eine letzte große Waffenlieferung an die wenigen noch Batista-treuen Armeeeinheiten von den Guerilleros aus den Gleisen gesprengt wurde, packte General Fulgencio Batista zu Silvester 1958/59 seine Sachen - und die gesamte Staatskasse Cubas - und floh ins Exil.
    Am 8. Januar zogen die siegreichen Guerilleros, allen voran Fidel Castro und Che Guevara, im Triumph in der Hauptstadt Havanna ein. Die Diktatur Batistas - und die indirekte Kolonialisierung durch die USA - waren beendet.

    Das neue Cuba

    Keineswegs sicher war im Jahre 1959, wohin die siegreichen Rebellen das Land steuern würden: die "Bewegung 26. Juli" war heterogen in ihrer Zusammensetzung und Zielen: neben prokommunistischen oder radikaldemokratischen Flügeln fanden sich auch Teile der cubanischen nationalen Bourgeoisie und Agents Provocateurs in ihren Reihen, die selbstverständlich alle versuchten, ihr Maximalprogramm durchzusetzen. Castro selbst sah sich zu diesem Zeitpunkt keineswegs als Kommunist - ganz im Gegensatz zu seinem Bruder Raul und Che Guevara, die ihre Fühler in Richtung UdSSR und VR China ausstreckten. Die bürgerliche Herkunft ermöglichte es Fidel Castro, zunächst sehr erfolgreich möglicht breite Teile der cubanischen Gesellschaft für sein Programm zu gewinnen.

    Im Einzelnen sah dieses Programm zunächst eine Befreiung des Landes von parasitären Elementen, ausländischen Ausbeutern und den übelsten Unterdrückern aus der einstigen Batista-Bande vor. Erst durch die zwangsläufige Zuspitzung der Klassenkämpfe, die auf die nationale Befreiung folgten und alle Beteiligten mitrissen, kam es zu größeren Enteignungswellen - als es an die Verstaatlichung der ausländischen Betriebe ging, die Cuba mit Monopolen überzogen hatten, folgten erste außenpolitische Differenzen. 1960 wurde ein US-Handelsembargo gegen Cuba erlassen - es besteht bis heute. Der Abruch der diplomatischen Beziehungen folgte einige Monate später.

    Schweinebucht und Kuba-Krise

    Unter den US-Präsidenten Eisenhower und Kennedy wurde bereits eine militärische Lösung des "Problems Cuba" angegangen; am 17. April war es dann soweit: 1700 exilcubanische Söldner landeten mit US-Waffen in der Bahía de Cochinos (Schweinebucht) im südlichen Cuba. Die Invasion sollte einen Aufstand der Castro-Gegner auslösen und so im Sturm Cuba nehmen; mit dem Anschluß erheblicher Teile der cubanischen Streitkräfte wurde gerechnet. Doch alles kam ganz anders: nicht vom Militär, sondern von der bewaffneten Bevölkerung wurde die erste Welle der Invasoren zurückgeschlagen; die Interventen wurden binnen weniger Tage vernichtend geschlagen.

    Am 1. Mai 1961 erklärte Fidel Castro Cuba zur sozialistischen Republik - die "Vereinigten Revolutionären Organisationen" (ORI), ein Zusammenschluß aus der "Bewegung des 26. Juli", der damaligen KP Kubas und anderen Organisationen, übernahm die Führung des Staates. 1961 bezeichnete sich Fidel Castro selbst als Marxist-Leninist.
    Die UdSSR und andere sozialistische Länder wurden nicht nur zur "Schutzmacht" für Cuba, dass nur rund hundert Seemeilen zur Küste Floridas immer mehr zum sozialistischen Stachel im Fleische der imperialistischen Länder wurde. Es folgten umfangreiche ökonomische Hilfen und Waffenlieferungen zum Schutze der Revolution.
    Die immer stärker werdende Anbindung Cubas an den sozialistischen Block führte 1962 zur Eskalation: sowjetische Mittelstrecken-Nuklearrakten wurden auf Cuba installiert; die USA verhängten daraufhin eine umfassende Seeblockade gegen Cuba. Die imperialistischen Länder drohten offen mit einem Atomkrieg - der Abzug der bereits installierten Raketenrampen dreizehn Tage später konnte die ernsthafte Krise gerade so abwenden. Castro und die cubanische Bevölkerung zeigten sich auch über das Machtkalkül Chruschtschows, der ohne Kontaktierung der cubanischen Verbündeten Weltpolitik betrieb, konsterniert.

    Das Verhältnis Cubas zur UdSSR blieb eng, aber ambivalent. Castro und insbesondere auch Che Guevara brachen niemals die Beziehungen zur VR China ab und gingen nicht jeden Weg mit, den die Sowjetunion einschlug. Gorbatschows "Perestroika" stieß in Cuba nicht auf Gegenliebe.
    Der Zusammenbruch der UdSSR bedeutete dennoch die schwerste Krise für Cuba seit der Invasion in der Schweinebucht: seit 1990 die Hilfen der UdSSR komplett wegfielen, muss sich Cuba noch mehr als vorher mit eigenen Kräften weiterhelfen. Eine "Spezialperiode" mit wirtschaftlichen Einschränkungen und begrenzter Marktliberalisierung half Cuba auch über dieses Problem hinweg.

    Sehr viel anschaulicher als in dieser kurzen Schilderung umreißt Fidel Castro selbst die Geschichte der cubanischen Revolution in seiner Rede zum 40. Jahrestag des Sieges am 1. Januar 1999, die komplett auf secarts.org wiedergegeben ist.

    Cubanischer Sozialismus

    Das politische System auf Cuba, der Sozialismus mit spezifischen Elementen eines kleinen, vormals sehr schwachen und stark abhängigen Landes mit agrarischem Schwerpunkt, hat sich stabilisiert, und manch ein sozialistisches Land mit höherer Industrialisierung, größerem Territorium und umfangreicherer Bevölkerung überlebt. Woher rührt diese Stärke?
    Die Vermittlung politischer Entwicklungswege war in Cuba immer stark - und stärker als in vielen anderen sozialistischen Staaten - an Diskussion und Umsetzung in und durch die Bevölkerung selbst gekoppelt. Die Kommunistische Partei Cubas, eine kleine Partei mit wenigen Mitgliedern, war nie ein "Karrieresprungbrett" für Aufstiegswillige und hat sich ihren avantgardistischen Charakter bewahren können. Und nicht zuletzt die Transparenz der politischen Führung, das offene Eingeständnis auch schwieriger Situationen ohne Versuche, die Lage zu beschönigen oder Probleme wegzuschweigen, hat ein andersgeartetes Verantwortungsbewußtsein für die gemeinsame Revolution im Volke erzeugen können.

    Nicht der einmalige Sieg einer Revolution, sondern ihre stete Verteidigung hat das sozialistische Cuba nicht nur den Zusammenbruch des sozialistischen Weltsystems 1989/90 überstehen, sondern auch den Grundstein für die in den letzten Jahren erstarkende soziale Befreiungsbewegung Lateinamerikas mit Cuba als Vorbild, Garant und Vorkämpfer legen lassen. Es sind unter anderem folgende, kurz skizierte Elemente, die Cubas Sozialismus ausmachen:
    • strikten Internationalismus. Cuba hat - trotz mehr als begrenzter eigener Mittel - konsequent Befreiungsbewegungen in aller Welt geholfen; von Angola bis Nicaragua.
    • Wirtschaften aus eigener Kraft. Cuba verließ den von ausländischen Imperialisten diktierten Weg der Monokulturen (Zucker und Tabak) nach Möglichkeiten und diversifizierte Agrikultur und Kultivierung. Eine eigene industrielle Basis wurde mit sowjetischer und chinesischer Hilfe errichtet.
    • Ausbau des Bildungs- und Gesundheitssystems. Cuba hat heutzutage weniger als 3% Analphabeten; die Gesundheitsversorgung ist die Beste in ganz (!) Amerika.
    • Überwindung gesellschaftlicher Spaltungen. Eines der weltweit ersten "Antidiskriminierungsgesetze" sichert die gleiche Stellung von Mann und Frau und hebt die rassistischen Diskriminierungen auf.
    • Verteidigung der Errungenschaften der Revolution. Cuba ging bewußt nicht den Weg der Aufweichung, wie in Gorbatschow für die UdSSR und viele sozialistische Länder initiierte, mit - Cuba will und wird sich verteidigen, nach innen wie nach außen.

    Gegen ausländische Zugriffsversuche musste und muss sich Cuba beharrlich verteidignen. Im "Hinterhof" der USA ist klar, woher die größte und direkteste Bedrohung für den cubanischen Sozialismus kommt. Doch auch europäische Imperialisten - unter ihnen Deutschland - wünschen dem freien Cuba den Tod. Genosse Castro hat immer wieder deutlich gemacht, dass sich Cuba gegen sämtliche Einmischungsversuche zu erwehren hat - auch gegen die schleichende, unmilitärisch daherkommende Aggression aus Europa. Ein Ausschnitt aus seiner Rede zum 50. Jahrestag des Sturms auf die Moncada-Kaserne, gehalten am 26. Juli 2003, dokumentiert dies.
    Trotz begrenzter Mittel, trotz einem Ozean von Feindseligkeit um die kleine Insel Cuba, hat es die cubanische Revolution vermocht, ihren Menschen die wichtigsten aller Rechte einzukämpfen: Das Recht auf Erhaltung des Lebens durch ausreichende Ernährung. Das Recht auf Bildung, Beruf und Gleichberechtigung. Und das Recht auf ein Leben in Würde.

    Die Cubaner wissen sehr genau, was sie daran haben. Diese Errungenschaften sind in ganz Lateinamerika (bisher) einmalig - und teuer und hart erkämpft. Sie werden für immer Manifestation des Triumphes über Profitkalkül, Ausbeutung und Imperialismus bleiben.

    Wir, als Redaktion der Webseite secarts.org, gratulieren dem cubanischen Volk, der cubanischen Revolution, und zollen unsere Achtung vor 50 Jahren Kampfgeist, Beharrlichkeit und Prinzipientreue: für eine kleine Insel Amerikas, die aus dem System des Imperialismus ausscherte und seitdem beweist, dass es anders geht - und für eine große Idee mit Strahlkraft nicht nur nach Amerika, sondern in alle Welt.

    Hasta la victoria siempre!
    socialismo o muerte!

     
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